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Full text of "Thüring Frickarts Twingherrenstreit : Bendicht Tschachtlans Berner Chronik : nebst den Zusaetzen des Diebold Schilling"

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QUELLEN 

ZUR 


SCHWEIZER  GESCHICHTE 

HERAÜSGEGEBEN 

VON  DER 

ALLGEMEINEN  GE  SCH  ICHT  FOE  SCH  E N DE  N GESELLSCHAFT 

DER  SCHWEIZ. 


ERSTER  BAND. 

— 


BASEL  1877. 

Verlag  von  Felix  Schneider. 

(aDOI.P  GEER1NG.) 


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TIIÜRING  FRICKARTS 

TVV1NGHERRENST  REIT 

BENDICHT  TSCHACHTLANS 

BERNER  CHRONIK 
NEBST  DEN  ZUSÄTZEN  DES  DIEBOLD  SCHILLING 
HERADSGEGEBEN 

VON 

PROF.  GOTTLIEB  STUDER. 

JOHANNIS  GRUYERE 

DESCRIPTIO  BELLI  ANNIS  1447  ET  1448  GESTI 

HEKAUSGEGEBEN 

VON 

P.  NICOLAUS  BAEDLE. 

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BASEL  1877. 

Verlag  von  Felix  Schneider. 

(adole  geering.) 


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SEP  1093  kr  &<n>  t-  ^SC1 


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Vorwort.1) 


1.  Thüring  Frickart  oderFricker,  wie  er  sich  selbst 
immer  nennt  und  von  seinen  Zeitgenossen  genannt  wird, 
geboren  1429,  stand  im  Jahre  1470,  als  er  die  folgenden 
Blätter  aufzeichnete,  in  seinem  41.  Lebensjahre  und  beklei- 
dete seit  einem  Jahre  das  Amt  eines  bernischen  Stadtschrei- 
bers, in  welchem  er  aber  wol  schon  vorher  als  tiehillfe  seines 
Vaters  Niclaus,  der  im  Jahre  1440  von  seiner  Vaterstadt 
Brugg  in  dies  Amt  nach  Bern  berufen  worden  war,  gearbei- 
tet hatte.  Thüring  führte  den  Titel  eines  Doctors  der  Rechte, 
und  Seckeimeister  Fränkli  nennt  ihn  (Seite  123)  einen  in 
kaiserlichen  Rechten  gelehrten  Mann.“  Seine  Studien  um- 
faßten aber  auch  das  geistliche  Recht,  was  ihm  auf  einer  Ge- 


‘)  Mit  dem  vorliegenden  Bande  wird  die  von  unserer  Gesellschaft  in 
der  Sitzung  vom  28.  Sept.  1874  in  Solothurn  beschlossene  Sammlung  von 
.Quellen  zur  Schweizer  Geschichte“  eröffnet.  Die  Herausgabe  von  Quel- 
lenmaterial war  bisher  theils  im  „Archiv  für  Schweizerische  Geschichte“ 
erfolgt,  welches  außerdem  zur  Aufnahme  von  Abhandlungen  der  Mitglieder 
diente,  theils  in  einzelnen  von  der  Gesellschaft  veröffentlichten  Chroniken- 
bänden; jetzt  soll  dasselbe  in  einer  eigenen  Reihe  von  zusammenhängen- 
den Bänden  erscheinen.  Im  Aufträge  des  Gesellschaftsrathes  stellte  Professor 
W.  Vischer  in  Basel  die  Grundsätze,  welche  bei  der  Herausgabe  dieser 
Sammlung  zu  gelten  haben,  in  einem  kurzen  Programme  zusammen , das 
sich  als  Anhang  am  Schlüsse  unseres  Bandes  abgedrnckt  findet.  In  die- 
sem Bande  selbst  hat  es  noch  nicht  in  allen  Punkten  durchgefuhrt  werden 
können,  da  derselbe  zu  der  Zeit  als  es  aufgestellt  wurde,  der  Hauptsache 
nach  schon  druckfertig  vorlag. 


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Vi  Vorwort. 

sandtschaftsreise  nach  Rom  1474  den  Titel  auch  eines  Doctor 
Juris  Canonici  verschaffte.1)  Veranlassung  zu  seiner  Aufzeich- 
nung gab  ihm  der  1470  zwischen  der  Bürgerschaft  und  den  so- 
genannten Twingherren  ausgebrochene  Streit  über  die  Rechte 
der  Commune  gegenüber  den  Vorrechten  des  Adels,  ein  Streit, 
der  zur  Zeit  der  Erneuerung  der  Regierungsbehörden  in  den 
Ostern  1470  durch  die  in  damaliger  Zeit  unerhörte  Wahl 
des  Metzgers  und  Venners  Peter  Kistlers  zum  Schultheißen  von 
Bern  einen  acuten  Character  anzunehmen  drohte.  „Damals,  er- 
zählt uns  Frieker  selbst  (S.  81),  hand  sich  vil  ding,  deren 
ich  wargnon,  zütreit,  das  ich  unfal  under  disers  schifmans 
regierung  entsitzen:  dardurch  ich  uff  disen  tag  ver- 
ursachet bin,  dise  klegliche  histori  anzüfahen, 
wie  sy  von  anfang  iren  Ursprung  ghan,  ufzezeich- 
nen.“  Von  diesem  Tage  an  hat  also  Frieker  seine  Stellung  als 
Stadtschreiber  dazu  benutzt,  Alles,  was  über  diese  Angelegen- 
heit im  kleinen  und  großen  Rath  verhandelt  wurde,  fleißig  und 
so  wortgetreu  als  möglich  aufzuschreiben ; was  dem  aber  vor- 
angegangen war,  „wie  sy  (dise  histori)  von  anfang  iren  Ur- 
sprung ghan“),  hat  er  aus  guter  Erinnerung  seinen  täglichen 
Aufzeichnungen  vorangesetzt. J)  Vollendet  und  abgerundet  hat 
aber  Frieker  seine  Relation  nicht;  wenigstens  brechen  auch 
solche  Handschriften,  die  den  Text  am  weitesten  fortführen, 
alle  mitten  in  einem  Satze  ab,  und  von  einem  vollständigeren 
Manuscript,  das  etwa  verloren  gegangen  wäre,  hat  sich  durch- 
aus keine  Kunde  erhalten. 

Ueber  Frickarts  ferneren  Lebenslauf,  seine  diplomatischen 
Sendungen  sowohl  zum  Pabst  nach  Rom  (1474,  1475,  1483), 
als  zum  römischen  König  nach  Freiburg  im  Breisgau  (1498), 
seine  Theilnahme  an  den  Friedensverhandlungen  mit  Savoi 
(1476)  und  mit  König  Maximilian  (1499),  seine  Stellung  im 
Rath  zu  Bern,  seine  zweite  Verheirathung  in  seinen  letzten 
Lebensjahren*),  die  er  in  seiner  Vaterstadt  Brugg  in  stiller 

l)  Anahelm  I,  99  f. 

*)  S.  55:  „Diß  ist  die  summ  siner  (des  seckelmeisters)  red,  sovil  ich 
han  mögen  behalten  biß  uff  disen  tag.“ 

Frieker  war  verheirathet  mit  Margaretha  Sehad  von  Biberach; 


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Vorwort. 


VII 


Zurückgezogenheit  zubrachte  und  seinen  im  Jahre  1519  er- 
folgten Tod  berichtet  Valerius  Anshelm  au  verschiedenen 
Orten  seiner  Chronik.1)  Anshelm  spricht  immer  mit  Aner- 
kennung von  der  Gelehrsamkeit  Frickarts,  hält  ihn  aber  in 
religiös-kirchlicher  Beziehung  für  einen  zwar  andächtigen  und 
gutmeinenden,  aber  zu  beginischen  Legenden  und  Todten- 
messen  geneigten  Mann  (III,  S.  443) J).  Daß  er  von  dem 
astrologischen  Aberglauben  seiner  Zeit  nicht  frei  war,  erhellt 
aus  den  Aeußerungen,  die  er  (S.  80)  bei  Gelegenheit  von 
Kistlers  Schultheißenwahl  nieder  schrieb:  „und  als  wir  den 
himmel  erkundet,  fundent  wir  böse,  widerwertige  Zeichen 
nmb  das  gestirn  diser  statt,  tröuwende  unriiw  und  uffrfir.“ 
Diese  am  Alten  hängende,  streng  conservative  Richtung  be- 
herrscht auch  seine  politischen  Ansichten  und  in  seiner  Dar- 
stellung des  Twingherrenstreites  macht  er  daraus  kein  Hehl. 
Sein  Ideal  ist  der  alte  Seckeimeister  Fränkli,  dessen  staats- 
männische,  geschäftskundige  Reden,  voll  reicher  historischer 
und  politischer  Erfahrung,  er  trotz  ihrer  Weitschweifigkeit 
unverkürzt  mittheilt.  Er  nennt  ilin  (S.  55)  den  bernischen 
Cato,  seinen  Gegner  dagegen  (S.  20)  einen  „frefnen  Catili- 
nam“, der  „als  ich  förcht,  zü  grossem  nachteil  diser  erlichen 
statt  Bern  geboren  sye.“  Mit  Unrecht  würde  man  aber  vor- 
aussetzen, daß  diese  seine  unverholen  ausgesprochene  poli- 
tische Parteinahme  auch  seine  Darstellung  des  Streites  selbst 
beeinflußt,  daß  er  etwa  seinen  Personen  fingirte  Reden  in 


von  dieser  Gattin  hatte  er  keine  Kinder;  eine  Stieftochter,  Margaretha, 
wurde  die  Mutter  des  berühmten  Venners  nnd  Malers  Niel.  Manuel.  Als 
bald  neunzigjähriger  Greis  heirathete  er  in  Brugg  seine  Dienstmagd  Anna 
Bruggerin  von  Hornusaen,  mit  der  er  noch  zwei  Kinder,  Elisabeth  und 
Hieronymus,  zeugte. 

«)  Val.  Anshelm,  B.  1,  S.  99,  123,  185,  205,  329,  349,  377;  B.  2,  S. 
27,  122,  245,  263;  B.  3,  S.  30,  33,  286,  307,  356, -442,  450;  B.  4,  S.  6,  32, 
205,  342,  409,  446;  B.  5,  S.  461. 

*)  Wenn  aber  von  Grüneisen  in  seinem  Leben  des  Niel.  Manuel 
(Stuttgart  1837  S.  78  ff.)  sich  erlaubt  hat,  auch  den  sittlichen  Charak- 
ter Th.  Friekers  anzutasten,  so  ist  diese  grundlose  Verdächtigung  gebüh“ 
rend  zurückgewiesen  worden  in  einem  Programm  der  Berner  Kantons- 
schule von  1862,  durch  Rettig:  üeber  ein  Wandgemälde  von  Niel.  Manuel, 


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Vorwort. 


den  Mund  gelegt,  oder  das,  was  sie  gesprochen  hatten,  zu 
ihren  Gunsten  oder  Ungunsten  verfälscht  habe.  Auch  als 
Erzähler  bleibt  er  der  gewissenhafte  Stadtschreiber,  der  in 
aller  Treue  protokollirt,  was  er  gehört  und  gesehen  hat,  und 
der  es  als  eine  Antastung  seiner  eifersüchtig  gewahrten  Amts- 
ehre  betrachtet  hätte,  wenn  man  voraussetzen  würde,  er  habe 
etwas  anderes  niedersehreiben  können  als  MGHH.  erkannt 
und  gesprochen  hatten.1)  Th.  Fricker  ist  kein  Kunsthistori- 
ker, der  Begebenheiten  und  handelnde  Personen  planmäßig 
gruppirt  und  Farbe,  Licht  und  Schatten  zur  Erreichung  eines 
bestimmten  Effectes  nach  feiner  Berechnung  vertheilt,  er  ist 
nicht  Maler,  sondern  Photograph ; aber  als  solcher  hat  er  der 
vaterländischen  Geschichtsforschung  den  Einblick  in  ein  Stück 
Zeitgeschichte  eröffnet,  wie  ihn  keine  der  gewöhnlichen  Chro- 
niken in  ihrer  einfach  die  Begebenheiten  ohne  ihre  Motive 
und  ihren  inneren  Zusammenhang  registrirenden  Weise  je 
verschafft  haben  würden.2)  Zwar  fällen  die  Ereignisse,  die 
uns  Frickart  darstellt,  nur  in  den  Zeitraum  eines  einzigen 
und  nicht  einmal  vollen  Jahres,  aber  freilich  eines  für  die 
innere  Geschichte  und  Entwicklung  des  bernischen  Freistaa- 
tes hochwichtigen  Jahrs.  Der  Principienkampf,  der  damals 
in  den  bernischen  Rathsstuben  zwischen  Adel  und  Bürger- 
schaft entbrannt  war,  in  welchem  sich  der  erstere  auf  sein 
historisches  Recht,  auf  „Possess  und  Gewähr“  stützte,  wäh- 
rend die  Bürgerschaft  das  Holieitsrecht  des  Staats  gegen  die 
von  jenem  beanspruchte  Ausnahmsstellung  geltend  machte, 
führte  zu  Erörterungen,  in  welchen  die  Ueberzeugungen  und 
Vorurtheile,  überhaupt  die  dem  Geschichtsforscher  meist  ver- 
borgenen innersten  Triebfedern  der  handelnden  Personen  zuin 
lebendigen  Ausdruck  kamen.  Doch  auch  abgesehen  von  dem 
Gegenstand  des  Streites,  der  eine  neue  Entwicklung  des  ber-' 


*)  Man  vergleiche  unten  die  merkwürdige  Episode  S.  34  ff. 

*)  Ich  wüßte  der  Frickart’schen  Schrift  an  historischer  Wichtigkeit  nichts 
an  die  Seite  zu  setzen,  als  die  in  der  Mitte  des  folgenden  Jahrhunderts  von 
dem  Chorschreiber  Sam.  Z ehender  aufgezeichneten  Verhandlungen  des 
bem.  Raths  über  die  Znrückerstattung  der  savoyischen  Eroberungen,  welche 
Denkschrift  der  bem.  histor.  Verein  in  seinem  Archiv  1803  veröffentlicht  hat. 


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Vorwort. 


IX 


nischen  Staatsrechts  vorbereiten  sollte,  verdienen  die  Perso- 
nen, die  uns  Fricker  in  seiner  Schrift  aufführt,  unsere  volle 
Aufmerksamkeit.  Oder  sind  nicht  die  Männer,  die  hier  gegen 
ihre  eigenen  Mitbürger  zum  Schutze  ihrer,  wie  sie  glaubten, 
wohlerworbenen  Rechte  in  der  Toga  kämpfend  auftreten,  die 
v.Diesbach,  v.  Bubenberg,  v.  Scharnachthai,  v.  Wabern  u.  s.  w., 
meist  dieselben,  die  einige  Jahre  später  im  siegreichen  Kampf 
gegen  einen  auswärtigen  Feind  von  der  Glorie  des  Kriegs- 
ruhms umstrahlt  als  Retter  des  Vaterlandes  so  hoch  geprie- 
sen wurden?  Wohlan,  auch  in  jenem  Kampf  der  Rathstube 
erscheinen  sie  uns  nach  Frickarts  Darstellung  als  Ritter  und 
wahre  Noblemen,  zwar  voll  stolzen  Selbstgefühls  im  Hinblick 
auf  die  Verdienste  ihrer  Voreltern  und  ihre  eigenen,  aber 
trotz  ihrer  Erbitterung  über  den  vermeintlichen  Undank  ihrer 
Mitbürger,  doch  immer  besonnen  und  sich  selbst  beherrschend 
gegenüber  plebejischer  Grobheit  und  Leidenschaftlichkeit  und 
in  stiller  Verachtung  des  gemeinen  Mistrauens  und  der 
Verdächtigungen,  womit  man  ihre  Gesinnungen  und  Hand- 
lungen verfolgte.  Und  so  wird  der  Leser  der  Frickart- 
schen  Schrift,  je  mehr  und  eingehender  er  sich  mit  ihrem  In- 
halte beschäftigt,  um  so  bereitwilliger  anerkennen,  daß  ihr 
Verfasser  sich  durch  seine  anspruchslose  Aufzeichnung  den 
Dank  der  Nachwelt  verdient  habe ; und  dieser  Dank  wird  sich 
unter  anderrn  auch  darin  bethätigen,  daß  man  ihrem  Ver- 
ständniß,  das  der  jetzigen  Generation  keineswegs  so  ganz  nahe 
liegt  und  namentlich  in  sprachlicher  Beziehung  mannigfache 
Schwierigkeiten  bietet,  durch  Herausgabe  eines  möglichst 
treuen  und  fehlerfreien  Textes  nach  besten  Kräften  zu  Hülfe 
komme.  Oder  ist  vielleicht  ein  solches  Unternehmen  durch 
die  bisherigen  Leistungen  überflüssig  gemacht? 

2.  Der  Text  von  Frickarts  Twingherrenstreit  wurde  zu- 
erst abgedruckt  im  3.  Stück  der  Helvet.  Bibliothek,  im 
Jahr  1735,  aber  vielfach  verkürzt  und  verstümmelt)  in  Styl  und 
Sprache  modernisirt  und  arg  entstellt  durch  Misverständnisse 
des  Herausgebers  und  Druckfehler  des  Setzers.  Hundert 
Jahre  später  gab  der  verdienstvolle  bernische  Geschichts- 
forscher E m a n.  v.  Rodt,  auf  Grundlage  vollständigerer 


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X 


Vorwort. 


und  guter  Handschriften,  nicht  sowohl  den  handschriftlichen 
Text  selbst,  als  eine  Bearbeitung  desselben  in  neuerer  Sprache, 
mit  einer  historischen  Einleitung  und  erläuternden,  theils 
sprachlichen,  theils  historischen  Anmerkungen  heraus  (Bern, 
1837).  Laut  Vorrede  S.  VH.  hat  v.  Rodt  das  von  Haller 
(Schweizer.  Bibi.  V nr.  194)  ausgesprochene  Bedauern,  daß 
der  Herausgeber  Frickarts  in  der  Helvet.  Bibliothek  die  alte 
Orthographie  der  Handschriften  nicht  beibehalten  habe,  mit 
Absicht  unbeachtet  gelassen,  weil  er  das  Interesse  eines  grös- 
seren Publikums  für  seinen  Autor  eher  zu  gewinnen  hoffte, 
wenn  er  ihm  das  Verständniß  desselben  durch  Weglassung 
alles  Veralteten  möglichst  erleichtern  würde.  Diese  Rück- 
sicht fällt,  natürlich  bei  einer  Ausgabe  weg,  die  zunächst  für 
den  auf  (Quellenstudium  angewiesenen  Geschichtsforscher  be- 
stimmt ist,  zumal  bei  einem  Schriftsteller,  der  mündlich  ge- 
haltene Vorträge  möglichst  treu  nachschrieb  und  daher  häu- 
fig Satzverbindungen  hat,  Uber  deren  Construction  und  Sinn 
man  nicht  sogleich  im  Klaren  ist  und  wo  es  daher  gerathen 
scheint,  sie  genau  so  wiederzugeben,  wie  sie  von  ihm  aufge- 
zeichnet sind.  Von  Rodt  hat  seinen  Zwecken  gemäß  die 
hieraus  entstehenden  Bedenken  und  Schwierigkeiten  meist 
durch  eine  eklektische  Auswahl  der  Lesarten  und  Heraus- 
greifen des  am  leichtesten  Verständlichen  umgangen  und  ver- 
tuscht, dabei  aber  oft  den  wahren  Sinn  seines  Schriftstellers 
verfehlt.  Dem  Sprachforscher  konnte  es  ferner  nicht  genü- 
gen, wenn  v.  Rodt  die  veralteten  Ausdrücke  der  Handschriften, 
die  er  mit  neueren  vertauscht  hatte,  unter  dem  Texte  ver- 
einzelt aufführte,  da  dieselben  nicht  immer  richtig  erklärt 
wurden  und  meist  nur  in  ihrem  Contexte  gelesen  den  ihnen 
jeweilen  zukommenden  Sinn  deutlich  und  bestimmt  zu  er- 
kennen geben.*) 

*)  Immerhin  wird  die  v.  Rodt’sche  Ansgabe  für  solche,  die  aus  der 
Friekart’schen  Schrift  kein  eigentliches  Studium  machen,  eine  höchst  dan- 
kenswerthe  Gabe  bleiben,  und  auch  der  gelehrte  Leser  wird  aus  den  bei- 
gefugten genealogischen  und  historischen  Notizen,  wofür  nnsere  Ausgabe 
nicht  hinlänglich  Baum  bot,  vielfache  Belehrnng  und  erwünschte  Aufklä- 
rung gewinnen. 


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Vorwort 


XI 


Leider  ist  die  Originalhandschrift  Frickarts  nicht  mehr 
aufzufinden;  um  nun  dem  doppelten  Bedürfniß  eines  wis- 
senschaftlichen Quellenstudiums  und  gelehrter  Sprachfor- 
schung zu  entsprechen,  blieb  demnach  nichts  übrig,  als 
unter  den  uns  erhaltenen  Handschriften  diejenige  auszuwäh- 
lcn  und  einer  neuen  Ausgabe  zu  Grunde  zu  legen,  die  dem 
alten  Schrift-  und  Sprachcharakter  des  Originals  am  näch- 
sten zu  kommen  schien,  aus  den  übrigen  Handschriften  aber 
alle  Abweichungen  und  Ergänzungen  unter  dem  Texte  bei- 
zusetzen, welche,  sei  es  wirkliche  Verbesserungen,  sei  es  Er- 
läuterungen zu  dem  ausgewählten  Texte  zu  enthalten  schie- 
nen. Enthielt  eine  dieser  Varianten  eine  augenscheinliche 
Verbesserung  oder  Vervollständigung  des  Textes,  so  wurde 
sie  im  Text  selbst  in  Klammern  beigefügt.  Die  runde 
Klammer  gibt  den  muthinaßlich  verwerflichen  Text  der 
Handschrift,  die  darauffolgende  eckige  Klammer  die  vor- 
zuziehende Lesart.  — Das  wechselseitige  Verhältniß  der  be- 
nutzten Handschriften,  soviel  mir  derselben  zu  Gebote  stan- 
den, ist  nun  folgendes: 

1)  Zu  Grunde  gelegt  wurde  von  den  fünf  Handschriften, 
die  sich  auf  der  Berner  Stadtbibliothek  befinden , diejenige, 
welche  die  Nummer  H I,  40  trägt,  eine  Papierhandschrift  von 
1051  Blättern,  die  auf  der  ersten  Seite  den  Herrn  Franciscus 
Ludovicus  ab  Erlach  mit  dem  Motto:  patiar  ut  potiar  und 
der  Jahreszahl  1611,  als  früheren  Besitzer  bezeichnet.  Der 
Schriftcharakter  ist  sehr  regelmäßig  und  sauber,  ohne  Ab- 
kürzungen und  leicht  lesbar'):  er  zeigt  unzweifelhaft  dieselbe 
Hand,  von  der  die  Bibliothek  eine  Abschrift  der  Schilling’- 
schen  Chronik  vom  Jahr  1623  besitzt  (H  I,  51)  und  als  deren 
Schreiber  sich  am  Anfang  und  am  Endo  ein  Joh.  v.  Scha- 
len, Pfarrer  an  der  Lenk  im  Simmenthal1),  zu  erkennen 

')  Dasselbe  kann  der  Schrift  Thüring  Frickarts  selbst  nicht  nachge- 
rühmt werden.  Was  sich  von  seiner  Hand  in  Kathsmanualen  u.  dgl.  auf 
dem  bern.  Staatsarchiv  erhalten  hat,  ist  äußerst  plump  nnd  für  die  Angen 
anstrengend,  so  daß,  wenn  er  seine  Denkschrift  nicht  dictirt,  sondern  eigen- 
händig geschrieben  hat,  Abschreihefehler  sehr  entschuldbar  erscheinen. 

’)  Die  amtliche,  sehr  bewegte  Laufbahn  dieses  v.  Schalen  läßt  sich 


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XII 


Vorwort. 


gibt.  Die  Form  der  Buchstaben,  die  Zeichen  am  Ende  der 
Sätze,  die  horizontalen  Striche  über  den  Zahlen  der  Pagina- 
tur und  des  Textes  sind  in  beiden  Handschriften  dieselben, 
so  daß  an  der  Identität  der  Schreiber  nicht  zu  zweifeln  ist. 
Franz  Ludw.  v.  Erlach  mag  entweder  als  Freiherr  v.  Spiez, 
während  v.  Schalen  dort  Pfarrer  war  (1609—1617),  oder 
schon  früher  in  Burgdorf,  woselbst  von  Erlach  von  1604  bis 
1610  das  Schultheißenamt  verwaltete,  von  Schälens  Bekannt- 
schaft und  von  seinem  Schreibertalent  Gebrauch  gemafcht 
haben.  — Die  Ueberschrift : „volgendt  etliche  Chronik- 
würdige und  denkwürdige  Sachen“,  zeigt,  daß  die 
Schrift  Frickarts  nur  den  Anhang  eines  andern  Werkes  bil- 
dete, welches  von  Schalen  vorher  abgeschrieben  hatte  und 
von  dem  sie  erst  später  getrennt  und  als  besonderer  Band 
in  Pergament  gebunden  wurde.  Obschon  nun  diese  Hand- 
schrift an  Alterthümlichkeit  der  Sprache  und  Orthographie 
vor  allen  übrigen  dem  Original  am  nächsten  zu  stehen  scheint, 
so  ist  sie  doch  nicht  durchgehends  zuverläßig;  sie  enthält 
durch  Auslassung  oder  Misschreibung  einzelner  Wörter  und 
durch  falsche  Interpunktion  hin  und  wieder  ganz  unverständ- 
liche Stellen,  und  daher  ist  ihre  Vergleichung  mit  andern 
Handschriften,  die  nicht  blos  Copien  eben  dieser  von  Schalen- 
schen  Handschrift  sind,  sondern  einen  selbstständigen  Text 
enthalten,  durchaus  geboten.  Die  Orthographie  ist  im  All- 
gemeinen die  des  15.  und  16.  Jahrhunderts,  bleibt  sich  aber 
nicht  consequent.  Man  findet  die  in’s  Absurde  getriebene 
Verdopplung  derCo  nsonanten,  besonders  der  Schluß- 
consonanten,  neben  der  älteren,  einfacheren  Schreibweise, 
z.  B.  unnd  neben  und,  brieff  neben  brief,  inn  neben  in 


mit  Hülfe  des  Lohnerschen  Verzeichnisses  der  reform.  Kirchen  und 
ihrer  Vorsteher  im  Kanton  Bern  (S.  378,  257,  298,  393,  395,  450)  von  An- 
fang an  leicht  verfolgen.  Er  tritt  zuerst  1577  als  Provisor  in  Burgdorf 
anf,  wird  dann  1578  Helfer  daselbst,  1583  Pfarrer  in  Trachselwald,  1586 
entsetzt,  1591  Provisor  der  5.  Classe  in  Bern,  1592  Provisor  in  Burgdorf, 
1596  latein.  Provisor  daselbst,  1598  Pfarrer  in  Hasli  bei  Burgdorf,  1609 
Pfarrer  in.  Spiez,  1617  entsetzt,  1618  wieder  Provisor  in  Burgdorf,  1620 
Pfarrer  an  der  Lenk,  1629  Pfarrer  in  Bätterkindsn,  1633  gestorben. 


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Vorwort.  XIII 

ftir  in  und  ihn,  annder  neben  ander,  straffen,  an- 
stan  nd,verrüff  neben  der  Schreibart  mit  einfachen  Consonan- 
ten.  Die  Dehnung  derVocale  wird  bald  durch  Wiederho- 
lung des  Vocals  (raat,  saal,  spaan,  meeren,  weeren), 
bald  durch  ein  beigesetztes  h angezcigt  (raht,  rah tschlagen, 
e hrlich).  Die  Aussprache  des  e als  ä bezeichnet  der  Schreiber 
durch  zwei  nebeneinander  gesetzte  Punkte  über  dem  e (dem, 
hette,  gnedig).  Daneben  erscheint  aber  auch  ä in  räß, 
hätte,  geläsen,  abträtind.  Es  wechseln  in  denselben 
Wörtern  f und  v,  wie  folge  und  volge.  Ebenso  ist  das 
gedehnte  i bald  mit  y,  bald  mit  i geschrieben:  erschynen, 
derglychen,  haryn  neben  harin  u.  s.  w.  Das  schlies- 
sende  d ist  zuweilen,  wie  denn  Schlußconsouanten  überhaupt 
gerne  verdoppelt  werden,  in  dt  verstärkt  (urkundt,  Bur- 
gundt),  doch  nicht  überall.  Der  Unterschied  zwischen  u,  fl,  ü 
ist  mit  seltenen  Ausnahmen  festgehalten. 

In  unserer  Ausgabe  ist  nun  diese  Inconseqaenz  mög- 
lichst vermieden  und  die  ältere,  einfachere  Rechtschrei- 
bung beibehalteu  worden.1)  Ebenso  ist  dem  Verständniß 
des  Lesers  bei  den  oft  langgedehnten,  durch  vielfache 
Parenthesen  unterbrochenen  oder  anakoluthischen  Construc- 
tionen  durch  unsere  jetzige  Interpunktion  zu  Hülfe 
gekommen.  Die  großen  Anfangsbuchstaben  endlich 
sind  nur  bei  Eigennamen  von  Personen  und  Orten  ange- 
wandt worden.  Eine  andere  Abweichung  von  der  Hand- 
schrift, die  sich  der  Herausgeber  erlaubt  hat,  besteht  darin, 
daß  er  den,  mit  Ausnahme  mehrfacher,  oft  ungeschickt  genug 
angebrachter  Alinea’s,  ohne  Unterbrechung  fortlaufenden  Text 
nach  den  Materien  in  sechs  sich  von  selbst  ergebende, 
größere  Abschnitte  und  diese  wieder  in  kleinere 
Paragraphen  getheilt  hat,  wodurch  das  Lesen  weniger 
ermüdend  und  alllalliges  Citiren  einzelner  Stellen  erleichtert 
zu  werden  schien.  Die  109  Folioblätter  des  Manuscripts  sind 


>)  ln  den  folgenden  Publicationen  ausTschach  tlan  nud  Schilling, 
deren  Origiaalhandschriften  noch  vorhanden  sind,  glaubte  man  sich  dagegen 
mehr  an  die  Orthographie  der  Verfasser  anschließen  za  sollen. 


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XIV 


Vorwort. 


jeweilen  am  Rande  unserer  Ausgabe  als  (Bl.  1.  2.  u.  s.  w.) 
in  Klammern  angemerkt.  '* 

2)  Zur  Vergleichung  mit  der  von  Schalschen  Handschrift 
bot  sich  zunächst  die  Abschrift  des  Hieronymus  Stettier 
von  1648,  in  unserer  Ausgabe  mit  St.  bezeichnet.  Sie  bildet 
einen  Theil  des  historischen  Sammelbandes,  der  in  der  helvet. 
Manuscriptensammlung  der  Berner  Stadt-Bibliothek  die  Num- 
mer H 1, 54  trägt  und  in  meiner  Ausgabe  der  Justinger’schen 
Chronik  S.  VIII  als  Cod.  B.  näher  beschrieben  ist.  Ihr  Text 
schließt  sich  genau  an  denjenigen  des  von  Schalen  an,  ist 
aber  nicht  zu  Ende  geschrieben,  sondern  bricht  S.  159,  Z.  12 
unserer  Ausgabe  mitten  in  einem  Satze  ab.  Uebrigens  zeigt 
der  Text  ganz  denselben  Charakter,  der  a.  a.  0.  an  Stettler’s 
Abschrift  der  Justinger'schcn  Chronik  nachgewiesen  worden 
ist,  neuere  Rechtschreibung,  Vertauschen  veralteter  Ausdrücke 
mit  späteren,  hin  und  wieder  kleine  Zusätze  zur  Erleichte- 
rung des  Verständnisses,  größere  Sorgfalt  in  der  Interpunc- 
tion.  Doch  stimmen  seine  abweichenden  Lesarten  auch  oft 
mit  den  Varianten  der  andern  Handschriften  gegen  von 
Schalen  zusammen,  und  solche  sind  dann  vorzugsweise  un- 
serem Texte  untergesetzt,  und,  wo  sie  unbedenklich  vorzu- 
ziehen waren,  auch  wol  in  Klammern  in  denselben  hinein" 
gesetzt  worden. 

3)  Eine  zweite  Handschrift  der  Stadtbibliothek  (H.  VIII, 
61),  in  unserer  Ausgabe  mit  G.  bezeichnet,  stammt  aus  der 
Hand  des  fleißigen  Dekans  Joh.  Rudolf  Grüner  von  Burg- 
dorf (f  1761),  des  Verfassers  der  Delicia;  Urbis  Benne,  der 
sie,  wie  der  Titel  sagt,  „aus  einem  alten  Exemplar“  abge- 
schrieben hat.  Auch  dieses  alte  Exemplar  war  nicht  voll- 
ständig ; denn  blos  bis  S.  174,  Z.  16  unserer  Ausgabe  hat  der 
Text  einen  selbstständigen  Charakter;  von  da  an  stimmt  er 
wörtlich  mit  dem  schlechten  verstümmelten  Text  der  helvet. 
Bibliothek,  aus  welchem  Grüner,  wie  es  scheint,  das  Fehlende 
ergänzt  hat. 

Obgleich  auch  in  dieser  Abschrift  Orthographie  und 
Sprache  modernisirt  sind  und  manche  Abweichungen  vom 
Texte  des  v.  Schalen  auf  bloßen  Vermuthungen  und  Verbes- 


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V urwort. 


XV 


serungsversuchen  des  Verfassers  zu  beruhen  scheinen,  so 
kommen  hinwiederum  Varianten  und  Ergänzungen  vor,  die 
einen  theilweise  correcteren  und  vollständigeren  Text  voraus- 
setzen oder  mindestens  einen  solchen,  der  nicht  aus  willkür- 
lichen Aenderungen  der  Schreiber  hervorgegangen  sein  kann, 
da  er  schwieriger  und  weniger  verständlich  ist,  als  der  auf- 
genommene; man  vergleiche  z.  B.  die  Noten  zu  S.  65,  9; 
70,  20;  87,  28;  161,  28;  168,  4.  Einige  dieser  Varianten  sind 
unbedenklich  im  Texte  selbst  der  von  Schalschen  Lesart  in 
Klammern  beigesetzt  worden,  besonders  wenn  sie  noch  von 
anderer  Seite  Unterstützung  fanden,  andere  blieben,  aus  viel- 
leicht übertriebener  Skrupulosität,  in  den  Anmerkungen  zurück. 
In  diese  letzteren  fanden  aber  mitunter  auch  solche  Varian- 
ten Aufnahme,  die  eine  bloße  Vertauschung  veralteter  und 
daher  schwer  verständlicher  Ausdrücke  mit  späteren,  ge- 
wöhnlicheren, enthielten  und  daher  als  eigentliche  Glossen 
dienen  konnten. 

Am  Schlüsse  seiner  Abschrift  hat  Grüner  noch  folgendes 
merkwürdige  „memoire“  angehängt:  „Schade  ist,  daß  dise 
„Histori  so  einsmahls  abgeschnitten  und  die  Continuatiori  und 
„der  völlige  Ausgang  nirgends  zu  finden  ist  ohngeaeht  alles 
„fleißigen  Nachfragens,  obwol  in  des  Schillings  Chronik 
„ein  nachwährtiger  Proceß  mit  den  Edlen  beschriben  wird 
„auß  Anlaß  einer  Kleider  Ordnung,  den  man  disem  anhencket, 
„der  doch  mit  disem  Proceß  gar  keine  Verwandschafft  hat. 
„Bas  aber  ist  gewüß  und  merkwürdig,  daß  dise  Histori  noch 
„heut  zu  Tag  in  frischer  gedächtnuß  und  je  mehr  und  mehr 
„aufgewärmet  wird,  da  die  Jalousie  zwischen  dem  Adel  und 
„der  Burgerschafft  noch  allezeit  ihre  Hörner  hervorschießen 
„lasset,  da  einerseits  der  Adel  den  Seckeimeister  Fränkli  biß 
„in  Himmel  erhebt  und  für  einen  streitenden  Helden  ltir  ihre 
„Parthey  verehret,  hingegen  Andere  den  Schuldheißen  Kistler 
„als  einen  Mann,  der  für  die  Souveränetät  des  Standes  Bern 
„gesorget,  für  einen  Heiligen  und  Märtyrer  halten,  und  sieb 
„kaum  enthalten  mögen  zu  ruffen : Sancte  Kistlere  ora  pro 
„nobis,  vorgeltend,  es  habe  der  Adel  Ihre  habende  Herr- 
„schaffts  Freyheiten  allzuweit  getribeu,  und  vergessen,  daß 


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XVI 


Vorwort. 


„sie  in  vorigen  Zeiten  Vasallen  theils  des  Hauses  Oesterreichs, 
„theils  der  Landherren  . und  Graffen  von  Thun,  Burgdorff, 
„Zeringen,  Lentzburg,  Kyburg  etc.  gewesen;  welcher  Graffen 
„Recht  und  Suveräuität  und  Landesherrlichkeit  schon  damahls 
„in  der  Stadt  Beru  Händen  durch  Kauff  und  anderweiß  ge- 
„ wesen,  und  also  der  Adel  mit  Ihren  Herrschafften  nichts  als 
„Vasallen  der  Stadt  Bern  und  deren  Undeithanen  mit  glei- 
chem Recht,  mit  dem  sie  zuvor  den  Graffen  und  Landes- 
herren verbunden  waren,  gewesen  seyen.  Auch  deutet  der 
„Adel  dem  Kistler  sehr  übel  als  einen  Affront  auß,  daß  er 
„die  Gesandten  abgewieseu  und  ihre  Mediation  verworffen, 
„den  hingegen  die  andere  Parthey  Ihme  dieses  als  ein  rech- 
„tes  Meisterstück  der  Klugheit  und  der  Staatsweißheit  rühmet, 
„da  in  der  That  durch  solche  Vermittlung  der  Stadt  Bern  ha- 
„beude  Recht  und  Freyheiten  wurden  auß  von  Ihme,  Kistleren, 
„allegirten  Gründen  in  die  Schanz  geschlagen  worden  seyn. 
„Dennoch  ist  nicht  zu  läugnen,  daß  der  Adel  der  Burger- 
„schafft  großen  Nutzen  geschaffet,  als  die  Ihr  Haab  und  Gut 
„in  Gsandschafften,  Reißzügen  und  anderen  Stucken,  sonder- 
lich in  dem  Verdienst,  den  sie  den  Handwerksleuten  ver- 
schaffet, zu  Hilff  und  Trost  der  Stadt  Bern  uffgewandt  und 
„bey  allen  Gelegenheiten  der  Stadt  Bern  groß  Ehr  angethan 
„und  sie  in  großes  Ansechen  bei  Äußeren  gebracht  zu  denen 
„Zeiten,  da  die  Stadt  Bern  noch  gar  ein  schwaches  serarium 
„publicum  gehabt  und  die  Kosten  unmüglich  hätte  erschwin- 
„geu  können.  Doch  sey  fern  von  mir,  daß  ich  mich  unter- 
stehen wollte,  in  solcher  delicater  Sach  zu  decidiren,  solches 
„Klügeren  überlassend.  Nur  zu  wünschen  wäre,  daß  dise 
„Jalousie  dermahls  eins  erkalten  und  die  von  MGHH.  und  Obe- 
„ren  stabilierte  Gleichheit  unter  der  Burgerschafft  zu  völligem 
„stand  käme.  Zu  verwundern  ist,  daß  weder  Schilling, 
„noch  Stettier  dise  so  delicaten  Seiten  zu  berühren  haben 
„unterstehen  dürfen  in  Ihren  Chroniken,  sonder  lieber  selbige 
„mit  Stillschweigen  haben  übergehen  wollen,  und  der  Stadt- 
„schreiber  Frickart  einzig  das  Hertz  gehabt,  solche  zu  be- 
schreiben.“ 


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Vorwort. 


xvn 


4)  Eine  dritte  Handschrift  (Bl.),  die  collationirt  wurde, 
ist  aus  dem  Nachlaß  des  Dr.  Karl  Schnell  von  Burgdorf  in 
den  Privatbesitz  des  Herrn  Archivar  Dr.  Blösch  gekommen. 
Ursprünglich  gehörte  sie  einem  Franz  Ludw.  von  Grafen- 
ried, dessen  Wappen  mit  der  Devise  „lucet  et  ardet“  und 
den  Initialen  F.  L.  V.  G.  dem  Ledereinbande  mit  Gold  vorn 
aufgedrückt  ist.  Sie  ist  ein  in-4*  ohne  Paginatur  und  Jahres- 
zahl und  enthält  beiläufig  280  Seiten.  Der  Schriftcharakter 
ist  etwa  derjenige  der  ersten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts, 
aus  welcher  Periode  Leu  (Helv.  Lex.  IX,  S.  90—94)  vier 
verschiedene  von  Grafenried  mit  den  Voruamen  Franz  Lud- 
wig anführt.  Die  versifizirte  Ueberschrift  lautet:  „Spiegel  — 
darinnen  wird  erkent,  wie  ouch  gutte  Regiment  mögen  wer- 
den zertrent.“  Daran  schließen  sich  in  lateinischer  und 
gereimter  deutscher  Uebersetzung  die  Abschieds worte  des 
sterbenden  Cyrus  an  seine  Söhne  aus  Xenophons  Cyropädie 
Vin,  7.  Am  Ende  steht  der  ausgestrichene  Namen  des 
Schreibers  Samuel  Thaletos  in  griechischer  Schrift,  womit 
wahrscheinlich  der  gräcisirte  Namen  Samuel  Grüner  von 
ddUio  blühen,  grünen,  gemeint  ist.  Der  Schriftcharakter  ist 
nicht  schön,  aber  lesbar,  und  der  Text  hat  vor  den  beiden 
vorigen  Handschriften  voraus,  daß  er  so  weit  geht,  als  sich 
auch  der  Text  bei  v.  Schalen  erstreckt.  Allein  die  vielen 
Misschreibungen  und  Auslassungen  zeugen  von  großer  Nach- 
läßigkeit,  wo  nicht  Ungeschicklichkeit  des  Schreibers,  der 
unbekümmert  um  den  Inhalt  mechanisch  abschrieb  und  sich 
vor  Fehlern  nicht  scheute,  durch  die  eine  Stelle  geradezu  un- 
verständlich oder  sinnlos  wurde.’)  In  seinen  Lesarten  stimmt 
er  meist  mit  der  Grunerschen  Abschrift  überein,  ohne  doch 
überall  dieser  Textrecension  zu  folgen.  Er  mag  daher  dazu 
dienen,  in  dieser  letzteren  die  eigentlichen  Varianten  von 


’)  Als  Beispiel  möge  die  erste  beste  Stelle  dienen,  wie  FoL  57:  als 
wyter  mich  myn  hr.  schaltheiß  anzücht  mir  die  änderun- 
gen,  so  myn  hh.  von  wegen  irer  hochen  gerichten  vor  zyten 
beschächen  in  den  landgerichten,  onch  die  Ordnung  der 
vennern  zu  er  wollen  was  er  sagen  will,  womit  8.  111,  Z.  IG  f.  un- 
serer Ausgabe  verglichen  werden  mag. 


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XVIII 


Vorwort. 


Gruners  selbstgemachten  Aenderungen  zu  unterscheiden  und 
das  Gewicht  derselben  zu  unterstützen. 

5)  Die  zwei  noch  übrigen  Handschriften,  welche  die  Ber- 
ner Bibliothek  besitzt  (H  I,  67  und  H X,  121)  geben  nur  den 
verkürzten  und  arg  entstellten  Text,  aus  welchem  der  erste 
Abdruck  in  der  Helvet.  Bibliothek  geflossen  ist.  Wir  fassen 
sie  nebst  dem  letzteren  unter  der  Sigle  II  zusammen,  können 
ihnen  aber  einen  nur  sehr  bedingten  kritischen  Werth  bei- 
legen. 

Eine  thcilweise  Ausnahme  von  jenem  Vorwurfe  einer 
willkürlichen  und  corrumpirenden  Textbehandlung  bildet  die 
zweite  der  soeben  angeführten  Handschriften,  H X,  121.  Die 
Bibliothek  erhielt  sie  aus  dem  handschriftlichen  Nachlasse 
des  bernischen  Geschichtschreibers  Aut.  Tillier.  Sie  besteht 
eigentlich  aus  zwei  verschiedenen  Bestandtheilen.  Eine  ältere 
Handschrift  von  bereits  vergilbtem  Papier  und  eigenthümli- 
chem  Schriftcharakter,  deren  Text  mit  demjenigen  des  von 
Schalen  verwandt  war,  hat  sieh  nur  noch  in  den  neun  ersten 
Blättern  erhalten,  und  diese  Blätter  nebst  einem  vereinzelten, 
das  etwa  das  12.  oder  13.  in  der  Reihe  gewesen  sein  mochte, 
sind  von  einer  viel  jüngeren  Hand  durch  die  Abschrift  des 
Textes  der  Helvet.  Bibliothek  ergänzt  und  das  Ganze  zu  Einem 
Quartbande  zusammengebunden  worden.  Jenes  ältere  Bruch- 
stück, in  welchem  zuerst  der  Versuch  gemacht  ist,  den  fort- 
laufenden Text  in  Kapitel  mit  eigenen  Ueberscliriften  abzu- 
theilen,  ist  in  unserer  Ausgabe  mit  der  Sigle  T bezeichnet. 
Neben  Willkür-Aenderungen  und  Vertauschungen  veralteter 
Ausdrücke  mit  erklärenden  späteren  bietet  dasselbe  einige 
oigenthümliche  Lesarten,  die  nicht  unberücksichtigt  bleiben 
durften  und  es  bedauern  lassen,  daß  sich  nicht  ein  Mehreres 
aus  dieser  Handschrift  erhalten  hat. 

3.  Mit  diesen  Hülfsmitteln  glauben  wir  nun  einen  dem 
Original  möglichst  nahekommenden  Text  des  Frickart  herge- 
stellt und  damit  zugleich  eine  sichere  Basis  gelegt  zu  haben, 
von  der  aus  der  Exeget  und  Kritiker  die  noch  einer  Verbes- 
serung oder  näheren  Erklärung  bedürftigen  Stellen  in  Arbeit 
nehmen  kann.  Ich  halte  nämlich  diese  Aufgabe  noch  keines- 


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Vorwort. 


XIX 


wegs  für  vollständig  gelöst  und  abgeschlossen,  wie  denn  die 
Nachträge  und  Verbesserungen  am  Schlüsse  dieses 
Bandes  zum  Beweise  dienen,  wie  dem  Herausgeber  selbst 
noch  während  des  Druckes  über  diese  und  jene  dunkle 
oder  kritisch  anstößige  Stelle  ein  neues  Licht  aufgieng,  und  so 
ist  er  überzeugt,  daß  die  Männer  der  Forschung  noch  manche 
ihm  entgangene  Verbesserung  und  Aufhellung  nachholen 
werden,  wozu  sie  jetzt  in  der  Sammlung  von  Varianten  ein 
willkommenes  Material  finden  können. 

An  Thür.  Frickart  schließt  sich  in  diesem  ersten  Bande 
der  „Quellen  zur  Schweizer-Geschichte“  die  Berner  Chronik 
des  Bend.  Tschachtlan,  soweit  dieselbe  nicht  bloß  Wie- 
derholung, sondern  Fortsetzung  der  Chronik  Conr.  Justingers 
ist,  und  mit  Ausschluß  seiner  Beschreibung  des  alten  Zürich- 
krieges, die  er  dem  Hans  Fründ  abgeborgt  hat.  Da  in 
Tschachtlan  auch  der  Vertrag  aufgenommen  ist,  durch  den 
der  Streit  der  Stadt  Bern  mit  den  Twingherren  seinen  Ab- 
schluß fand,  so  gibt  uns  diese  Chronik  zugleich  eine  will- 
kommene Ergänzung  der  unvollendet  gebliebenen  Frickart’- 
schen  Darstellung  dieses  Streites. 

Die  aus  Tschachtlans  Ueberarbeiter  und  Fortsetzer,  Die- 
bold Schilling,  ausgehobenen  Parallelabschnitte  zu  des 
ersteren  Chronik  bringen  in  ihrer  theilweise  größeren  Aus- 
führlichkeit dazu  nicht  unwesentliche  Zusätze  und  Erläute- 
rungen. Ueber  Beide  siehe  unten  das  Vorwort  S.  191  ff. 

Ein  Glossar  zu  allen  diesen  drei  Chronisten  war  hier 
um  so  mehr  Bedürfniß,  als,  namentlich  bei  Frickart,  manche 
der  bemischen  Rechts-  und  Gerichtssprache  älterer  Zeit  an- 
gehörige  Ausdrücke  Vorkommen,  die  dem  heutigen  Leser 
fremd  lauten  und  leicht  zu  Misverständnissen  führen  könn- 
ten. Dem  Sprachforscher  aber  wird  mit  dieser  Darlegung 
des  Sprachschatzes  einer  bestimmten  Zeitperiode  aus  einem 
und  demselben  Orte  um  so  mehr  gedient  sein,  als  er  durch  die 
Hinweisung  auf  die  Stellen,  in  welchen  ein  Ausdruck  vor- 
kommt, das  Wort  im  Zusammenhang  der  Rede  nachlesen 
und  um  so  besser  die  mitunter  noch  problematische  Deutung 
desselben  controlliren  kann.  Wie  schon  bei  Justinger,  so  ist 


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XX 


Vorwort. 


mir  bei  Anfertigung  auch  dieses  Glossars  Hr.  Prof.  Tob ler 
in  Zürich  in  verdankenswerthester  Bereitwilligkeit  mit  Rath 
und  That  zur  Seite  gestanden. 

So  wie  Justinger  für  seine  Darstellung  des  Krieges  zwi- 
schen Freiburg  und  Bern  von  1386 — 88  in  den  Aufzeichnungen 
des  sog.  Anonymus  Friburgensis  eine  ebenso  nöthige, 
als  für  die  Wahrheit  der  Geschichte  ersprießliche  Controlle 
fand,  so  Tschachtlan  für  den  zweiten  Freiburger  Krieg  von 
1448 — 53  in  dem  Tagebuch  des  Johannes  Gruyere.  Ob- 
sclion  dasselbe  bereits  im  2.  Band  der  Archives  de  la  Sociötö 
d’Histoire  de  Fribourg  (S.  299  ff.)  abgedruckt  worden  ist,  so 
schien  es  doch  angemessen,  dasselbe  als  Beilage  zu  Tschacht- 
lan hier  nochmals  abzudrucken,  damit  der  Geschichtsforscher 
das  erforderliche  Quellenmaterial  hier  gleich  beisammen  finde. 
Ich  war  nun  so  glücklich  auf  geschehene  Anfrage  hin  den 
Hrn.  P.  Nicol.  Rädle  in  Freiburg,  einen  Mann,  dem  nicht 
bald  ein  Anderer  in  gründlicher  Kenntniß  von  Freiburgs 
Land  und  Geschichte  gleichkömmt,  bereit  zu  finden,  einen  er- 
neuten und  verbesserten  Abdruck  dieser  Memoiren  des  Frei- 
burger Notars  mit  den  wünschbaren  Erläuterungen  der  darin 
vorkommenden  Ortsnamen  gefälligst  zu  übernehmen. 

Zum  Schlüsse  sei  es  mir  erlaubt, Hrn. Prof. Dr.  W.  Vischer 
in  Basel  für  die  unverdrossene  Mühe,  mit  der  er  mir  von 
Anfang  bis  zu  Ende  in  der,  besonders  in  orthographischer 
Beziehung,  oft  sehr  schwierigen  und  zeitraubenden  Correctur 
beigestanden  ist,  meinen  tiefgefühlten  öffentlichen  Dank  aus- 
zusprechen. 

Bern,  den  26.  März  1877. 

Dr.  G.  Studer. 


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Inhaltsverzeichnis. 


Scite 

Vorwort  ■ . , . . , . . ^ . . . ■ , . . . ^ ^ Y 

Der  Twingherren- .Streit  von  Thttring  Frictart,  herausgegehen  durch 

Frof.  (i.  Sturter  . . . . . . . . * . , . . . , , * . . 1 

Einleitung ■'! 

' Text Ui 

Berner  Chronik  1 EM  — 1 17!)  von  Fernlicht  Tsrtinchtlan  nebst,  den  Zu- 
sätzen des  Diebold  Schilling,  licrausgegeben  durch  Prof.  G.  Studer  1*0 

Einleitung 101 

Text IW 

Johannis  Gruyere  narratio  belli  dneis  Sabaudia*.  et  Bernensinm  contra 

Eriburgenses  1 117 — 1 j 1-S,  herausgegeben  durch  1‘.  Nicolaus  llädle  :!!K> 

Einleitung 3<>1 

Text 304 

Personen-,  Orts-  und  .Sachregister 319 

ftlossnr , . . . , . . , . . , 305 

Nachträge  und  Verbesserungen 337 

Anhang : Programm  für  die  Herausgabe  der  Quellen  zur  Schweizer 

(iesi  hiclite  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 313 


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Der  Twinglierren-Streit 


von 


Thüring  Frickart. 


Quellen  zur  Schwcizcr-Geschichte.  L 


l 


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Einleitung. 


/jiiin  besseren  Verständniss  der  von  Frickart  aufgezeichneten 
Rathsdebatten  und  der  sich  in  denselben  wechselseitig  be- 
kämpfenden Interessen  des  Adels  und  der  Bürgerschaft  schicken 
wir  eine  flüchtige  Skizze  der  Staats-  und  Rechtsgeschichte  des 
heimischen  Gemeinwesens  voraus,  indem  wir  dieselbe  bis  auf 
den  Zeitpunkt  hinabführen,  wo  die  folgende  Erzählung  ihren 
Anfang  nimmt. 

In  dem  Jahre  1470  umfasste  das  Gebiet  der  Stadt  Bern 
so  ziemlich  schon  alle  die  Landestheile , welche  gegenwärtig 
den  sogen,  alten  Canton  bilden  mit  Einschluss  des  jetzt  davon 
getrennten  Aargau.  Davon  war  das  Wenigste  im  Krieg  durch 
das  Recht  der  Eroberung,  das  Meiste  durch  Kauf  von  den 
früheren,  durch  üble  Wirtschaft  in  drückende  Geldnoth  ge- 
kommenen Herren  erworben  worden.  Der  erste  friedliche 
Erwerb  der  Stadt  war  die  Stadt  und  Veste  Laupen,  welche 
1325  von  Perrod  von  Thum,  Herrn  zu  Gestelen,  um  3000  'ü 
käuflich  erstanden  und  dann  1339  gegen  den  Angriff  des  mit 
dem  östreichischen  Freiburg  verbündeten  Adels  in  einem 
glänzenden  Siege  behauptet  wurde.  Im  Laufe  des  14.  Jahr- 
hunderts wusste  die  Stadt  die  vorübergehende  Anwesenheit 
der  deutschen  Kaiser  in  ihren  Mauern  auf  kluge  Weise  zu 
Erweiterung  der  ihr  bereits  durch  die  kaiserliche  Handveste 
gewährleisteten  Freiheiten  zu  benutzen.  Denn  der  abstrakte 
Begriff  von  Freiheit  und  Recht,  für  den  man  sich  in  unserer 
Zeit  begeistert,  kommt  in  jenen  älteren  Zeiten  sozusagen  nie 


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4 


Einleitung. 


in  öffentlichen  Urkunden  oder  bei  Geschichtschreibern  vor; 
desto  mehr  ist  die  Rede  von  Freiheiten  und  Rechten  in  der 
Mehrzahl,  d.  h.  von  Rechten,  oder  eigentlich  Vorrechten,  Pri- 
vilegien, die  sich  das  von  den  Kaisern  gelegentlich  begünstigte 
Bürgerthum  gegenüber  dem  auf  das  Herkommen  gestützten 
Feudalstaate  zu  verschaffen  wusste.  Da  sparte  denn  auch 
Bern  bei  dem  jeweiligen  Empfang  und  der  Bewirthung  seiner 
Kaiser  keine  Kosten;  denn  jedesmal  war  die  Folge  davon  eine 
werthvolle  Zugabe  zu  den  schon  früher  erlangten  Rechten 
und  Freiheiten.  So  hatte  die  Stadt  schon  1293  von  dem  durch- 
reisenden König  Adolf  das  schätzbare  Recht  der  Exemtion  von 
fremder  Gerichtsbarkeit  empfangen,  und  1365  schenkte  ihr 
Kaiser  Karl  IV.  bei  einem  ähnlichen  Anlasse  und  für  eine 
Bewirthung,  deren  Auslagen  auf  3000  % berechnet  wurden, 
das  Recht  des  Blutbannes  innert  ihrem  Bezirke,  ferner  das 
Recht  Reichspfandschaften  auf  sechs  Meilen  in  die  Runde  ein- 
zulösen und  bis  zu  ihrer  Wiederlösung  inne  zu  haben;  aber 
diese  Wiederlösung  liess  bei  den  bekannten  trostlosen  Zu- 
ständen der  Reichsschatzkammer  für  immer  auf  sich  warten. 
So  wurden  denn  in  der  letzten  Hälfte  des  14.  Jahrhunderts 
von  den  ihrem  öconomischen  Ruin  entgegengehenden  Grafen 
von  Aarbeig,  von  Kyburg  und  ihren  Ministerialen  die  Städte 
Aarberg,  Burgdorf  und  Thun  mit  den  dazu  gehörigen 
Dörfern,  die  Landschaft  Simmenthal  und  die  Herrschaft 
Sign  au  mit  schweren  Geldopfern  erkauft,  von  den  Herzogen 
von  Oestreich  aber  im  Sempacherkriege  die  Städte  Büren 
und  Nidau  mit  dem  Schwerte  erobert.  Dazu  kamen  in  den 
drei  ersten  Decennien  des  15.  Jahrhunderts  die  Landschaft 
Frutigen,  das  Amt  Wangen  mit  Herzogenbu clisee, 
Trachselwald,  Oltigen,  Schangnau  und  Aarwangen 
kaufsweise  an  Bern.  Doch  der  schönste  Erwerb  waren  die 
östreichischen  Erblande  im  Aargau,  die  Bern  in  Folge  der 
Aufforderung  des  Constanzer  Concils  und  des  Kaisers  Sigis- 
mund 1415  von  dem  in  Bann  und  Acht  erklärten  Herzog 
Friedrich  von  Oestreich  eroberte  und  über  deren  Besitz  es 
sich  dann  zwei  Jahre  später  mit  dem  Kaiser,  der  an  seiner 
ersten  Zusage  zu  mäkeln  begann,  durch  ein  Geldopfer  von  5000 


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Einleitung, 


5 


Gulden  in  Minne  vertrug.  Alle  diese  Herrschaften  waren  in 
den  Besitz  der  Stadt  unter  der  Bedingung  übergegangen,  „dass 
dieselben  die  Rechte  und  Freiheiten,  die  sie  früher  genossen 
hatten“,  fortgeniessen,  dagegen  der  Stadt  alles  dasjenige  leisten 
sollten,  was  sie  ihrer  früheren  Herrschaft,  in  deren  rechtliche 
Stellung  nun  Bern  getreten  war,  zu  leisten  schuldig  gewesen 
waren.  Die  Stadt  übte  demnach  über  diese  Landestheile  eine 
unbestrittene  landeshoheitliehe  Gewalt  aus. 

Anders  verhielt  es  sich  dagegen  mit  demjenigen  Landes- 
theil,  der  sich  von  dem  Stadtbezirk  aus  etwa  sechs  Stunden 
in  die  Runde  zu  beiden  Seiten  der  Aare  rechts  nach  der 
Emme,  links  nach  der  Sense  hin  erstreckt,  dem  sogenannten 
Mittellande  des  Cantons.  Neben  dem  bedeutenden  Grund- 
eigenthum, welches  dem  deutschen  Ordenshaus  zu  Könitz 
und  Sumiswald,  dem  Johanniterorden  zu  Münchenbuchsee  und 
den  Klöstern  zu  Rüggisberg,  Frienisberg,  Fraubrunnen, 
Thorberg,  Trub  gehörte,  befanden  sich  dort  die  Edelsitze  und 
Herrschaften  einer  ansehnlichen  Zahl  adelicher  Grund-  oder 
Twingherren.  Diese  hatten  seit  den  frühesten  Zeiten  das 
Burgrecht  der  Stadt  Bern  angenommen,  die  Einen  freiwillig, 
die  Andern  gezwungener  Weise,  nachdem  ihnen  wegen  ihrer 
Feindschaft  gegen  die  Stadt  ihre  Burgen  gebrochen  worden 
waren,  wie  z.  B.  den  Sennen  von  Miinsingen  und  Diesbach, 
den  Montenach  von  Belp,  den  Herren  von  Signau  u.  a.  Durch 
ihre  Verburgrechtung  mit  der  Stadt  war  ihnen  gegen  die 
grösseren  Dynasten  von  Kyburg  und  Oestreich,  welche  die 
Schwäche  der  Reichsgewalt  zu  Erweiterung  ihres  Territorial- 
besitzes benutzen  wollten,  oder  auch  gegen  allfällige  Meuterei 
ihrer  eigenen  Unterthanen  Schirm  und  Sicherheit  zu  Theil 
geworden.  Gerne  überliess  anfangs  die  Bürgerschaft  diesen 
öconomisch  unabhängigen,  durch  Kriegserfahrung  und  admi- 
nistrative Thätigkeit  ausgezeichneten  Männern  die  Führung 
ihrer  Gemeindeangelegenheiten  und  vertraute  ihnen  die  da- 
mals wenig  einträglichen,  aber  mit  vielfachen  Opfern  an  Zeit 
und  Geld  verbundenen  höchsten  Staatsämter  an,  damit  sie 
selbst  desto  ungestörter  ihrem  Beruf  und  täglichen  Erwerb 
leben  könnte. 


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6 


Einleitung. 


Indem  sich  so  die  Stadt  diese  adelichen  Grundbesitzer 
nebst  ihren  Hörigen  und  Leibeigenen  zu  einer  Art  von  Schutz- 
und  Trutzbündniss  verband,  und  zugleich  die  freien  Landleute 
dieses  Landstrichs  als  sogenannte  Ausbürger  an  ihre  Inter- 
essen fesselte,  hatte  sie  den  weiteren  Vortheil  erlangt,  dass 
das  Gebiet  jener  Grundherren  als  ein  Theil  des  Stadtgebietes 
betrachtet  werden  konnte.  Man  nannte  es  „das  Herz  der 
Stadt“,  seine  Bewohner  kämpften  in  Kriegszeiten  unter  dem 
Stadtbanner  an  Seite  der  Bürgerschaft,  halfen  durch  die  ihnen 
von  ihren  Herren  auferlegten  Steuern  das  Stadtgebiet  mit 
jener  bedeutenden  Ländererwerbung  vergrössern,  und  durch 
Spanndienste  und  Führungen  unterstützten  sie  die  Erstellung 
von  öffentlichen  Gebäuden,  Strassen,  Schwellen  u.  s.  w. 
Innerhalb  der  Grenzen  ihres  Grundbesitzes  übten  aber  jene 
Grundherren,  oder,  wie  sie  als  Eigenthümer  von  Twing  und 
Bann  insgemein  genannt  wurden,  diese  Twingherren  eine 
fast  souveräne  Gewalt  aus.  Wenn  sie  „die  volle  Herr- 
schaft“, d.  h.  neben  den  niederen  Gerichten,  oder  der 
Civil-  und  Polizeigerichtsbarkeit,  auch  die  hohen  Gerichte, 
den  Blutbann  und  die  Criminaljustiz  besassen,  so  sprachen 
sie  vermittelst  der  von  ihnen  eingesetzten  Gerichte  unter  dem 
Vorsitz  ihres  Ammans  Recht  über  Gut  und  Blut  ihrer  Uuter- 
thanen,  legten  ausser  ihren  ordentlichen  Gelällen  an  Zinsen, 
Zehnten,  Fastuachtshühnern,  Bussgeldern  und  wie  die  ver- 
schiedenen Abgaben  alle  Messen,  in  ausserordentlichen  Fällen 
Steuern  auf,  hoben  in  Kriegszeiten  die  wehrpflichtige  Mann- 
schaft zur  Heeresfolge  aus  und  hielten  von  Zeit  zu  Zeit  über 
dieselbe  Musterung,  was  damals  die  Harnischschau  genannt 
wurde. 

Dergleichen  Herrschaften  waren  im  nachherigen  Land- 
gerichte Konolfingen:  Diesbach,  Ilünigen,  Kiesen,  Münsingen, 
Worb,  Wyl,  Wichtrach,  Signau;  im  Landgericht  Zollikofen: 
Bremgarten,  Reichenbach,  Jegistorf,  Hindelbank;  im  Landge- 
richt Seftigen:  Belp,  Burgistein,  Gerzensee,  Kehrsatz,  Riggis- 
berg,  Rümlingen,  Seftigen,  Toflen  u.  a.  in.  Viele,  ja  die  mei- 
sten der  Geschlechter,  welche  in  den  ersten  Zeiten  der  Stadt 
im  Besitz  dieser  Herrschaften  gewesen  waren,  waren  mit  der 


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Einleitung. 


7 


Zeit  crlosclien ; aber  durch  Erbschaften,  Heirathen  oder  Kauf 
waren  ihre  Rechte  und  Ansprüche  an  Andere  übergegangen, 
lind  wir  finden  im  Laufe  des  15.  Jahrhunderts  unter  den 
adelichen  Geschlechtern  Namen,  deren  Träger  ursprünglich 
dem  Bürgerstande,  oder  selbst  dem  der  freien  Landleute  an- 
gehört hatten,  wie  die  Hetzel,  Matter,  Brüggler,  Spilman, 
Zigerli,  oder,  wie  sie  sich  nachher  nannten,  von  Ringoltingen, 
Wabern,  Gurtenfrei,  die  infolge  Adoption  den  Namen  Lombach 
angenommen  hatten,  und  viele  Andere. 

Eine  Beschränkung  ihrer  Gewalt,  von  der  die  Bewohner 
der  Städte  durch  ihre  Handveste  eximirt  waren,  fanden  jene 
Herrschaften  ursprünglich  an  der  Landgrafschaft,  der  ihre 
Besitzer  als  Glieder  des  Reichs  unterworfen  waren.  Der 
Landgraf  hatte  als  Reichsbeamter  innert  den  Märchen  seiner 
Landgrafschaft  für  die  öffentliche  Sicherheit  zu  sorgen  und  an 
den  Landgerichten  über  Criminalfälle,  wie  Mord  und  Todschlag, 
Diebstahl,  Brandstiftung,  Nothzucht  und  alle  andern  Frevel 
zu  richten,  womit  man  den  Leib  verschuldet.  Zur  Beiwohnung 
an  diesen  Landgerichten,  sei  es  als  Richter  oder  als  Bei- 
sitzer, waren  alle  freien  Personen,  die  unter  der  Landgraf- 
schaft Stauden,  bei  einer  Busse  von  3 '(&  verpflichtet.  Der 
Landgraf  hatte  ausserdem  das  Recht  auf  die  Hochwälder, 
Fischenzen,  Wassemmsen,  den  Wildbann  und  alles  Maulveh, 
d.  h.  auf  alle  Hausthiere,  die  auf  Dienstmannsgut  eingefangen 
und  während  einer  Zeit  von  45  Tagen  von  dem  Eigenthümer 
nicht  angesprochen  worden  waren.  Die  Landgrafschaft  am 
rechten  Aarufer  war  seit  dem  Aussterben  der  Zähringer,  d.  h. 
seit  1218,  bei  den  Grafen  von  Buch  egg,  daun  seit  1313  bei 
den  Grafen  von  Kyburg  gewesen;  die  am  linken  Aarufer 
verwalteten  die  Grafen  von  Neucnburg-Nydau.  Diese  letztere 
kam  1389  durch  Eroberung  der  Herrschaft  Nydau  an  die  Stadt 
Bern;  die  ersterc  wurde  1400  von  den  in  Armiuth  versunke- 
nen Grafen  von  Kyburg  käuflich  erworben,  und  so  war  seit 
dem  Beginn  des  15.  Jahrhunderts  die  Stadt  Bern  durch  diese 
Erwerbung  der  landgräflichen  Rechte  in  die  Stellung  der 
Landeshoheit  getreten,  indem  ihr  nun  an  der  Stelle  der  Land- 
grafen im  Namen  des  Reichs  das  Recht  der  hohen  Gerichts- 


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8 


Einleitung. 


barkeit,  die  Handhabung  des  Landfriedens  oder  der  öffentlichen 
Ruhe  und  Sicherheit  und  das  Recht  des  Mannschaftsaufgebots 
nebst  allen  oben  genannten  Rechten  auf  die  Hochwälder,  den 
Wildbann,  das  Maulveh  u.  s.  w.  zukam.  Sanctionirt  wurden 
alle  diese  Rechte  durch  die  höchste  Autorität  des  Reiches 
selbst,  durch  den  Kaiser  Sigismund,  der  1415  auf  seiner  Rück- 
reise aus  der  Lombardei  nach  Bern  kam,  und,  wie  seine  Vor- 
fahren, auf  das  ehrenvollste  und  freigebigste  empfangen  und 
beherbergt  wurde.  „Und  als  nu  — erzählt  Justinger  (S.  220) 
— der  küng  und  der  graf  von  Saföy  von  Bern  geschieden, 
da  überslug  man  allen  kosten  der  zerurig,  der  schmiden, 
der  sattlem,  bi  den  schönen  frowen  im  geslin,  darzu  daz 
man  an  barem  gelte  gap  des  küngs  amptlüten,  nemlich  sinen 
pfiffern,  trumpotern,  türhütern,  metzgern,  köchen,  daz  bar 
gelt  gebürt  sich  in  ein  summe  sechtzig  schiitfranken,  und 
aller  kost  in  ein  summe  gerechnot  gebürte  zwei  thusent 
pfuudt  pfennigen:  der  koste  beturte  nieman  — “ Und  freilich 
hatte  man  für  die  2000  & Auslagen  von  dem  Kaiser  einen 
Gnadenbrief  eingetauscht,  welcher  die  gehabten  Unkosten  mehr 
als  aufwog.  In  demselben  verlieh  nämlich  Sigmund  der  Stadt 
ausdrücklich  das  Recht:  „alle  diejenigen,  die  in  der  stadt 
twing  und  bänne  sitzen,  ihre  wun,  weid  und  holz  genieszen, 
und  frid,  schirm  und  hilfe  von  ihr  haben,  zu  des  kaisers  und 
des  h.  reichs  nutzen,  sowie  zu  ihrer  und  der  stadt  notturft“ 
mit  einer  allgemeinen  Steuer  zu  belegen,  sie  zur  Heeresfolge 
unter  der  Stadt  Banner  anzuhalten  und  zur  Beiwohnung  an 
der  Stadt  hohen  und  Landgerichten  zu  verpflichten. 

Es  lag  nun  im  natürlichen  Interesse  der  Stadt,  diese  so- 
wohl durch  den  Erwerb  der  beiden  Landgrafschaften,  als 
durch  die  kaiserliche  Autorisation  erlangten  Hoheitsrechte  in 
ihrem  ganzen  Gebiete  zur  Geltung  zu  bringen.  Bei  den  schon 
früher  theils  durch  Kauf,  theils  durch  Eroberung  in  ein  Unter- 
thanenverhältniss  zur  Stadt  getretenen  Landestheilen  hatte 
dies  keine  Schwierigkeit;  sie  hatten  schon  vorher  in  einem 
solchen  Verhältnisse  gestanden  und  durch  ihren  Ucbergang 
an  Bern  hatten  sie  nur  Herrn  gewechselt.  Desto  grössere 
Hindernisse  legten  sich  der  Stadt  zu  Erreichung  jenes  Ziels 


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Einleitung, 


9 


in  denjenigen  Bezirken  in  den  Weg,  welche  früher  zu  den 
beiden  Landgrafschaften  am  rechten  und  linken  Aarufer  ge- 
hört hatten.  Dort  befanden  sich  die  zahlreichen  Edelsitze 
und  Herrschaften  jener  Twingherren,  die  zwar  alle  nach  und 
nach  das  Burgrecht  der  Stadt  angenommen,  mit  ihr  Lieb  und 
Leid  getragen  hatten,  von  dem  Zutrauen  ihrer  Mitbürger  um- 
geben im  täglichen  Rath  und  in  den  höchsten  Staatsämtem 
das  Gemeinwesen  mit  Weisheit  und  Kraft  geführt  und  zu 
seinem  immer  steigenden  Flor  und  Ansehen  das  Meiste  bei- 
getragen hatten,  die  aber  auf  ihrem  Grund  und  Boden  ihre 
herrschaftlichen  Rechte  sich  ungeschmälert  erhalten  und  aus- 
üben wollten.  Viele  unter  ihnen,  die  auf  eine  sogenannte 
volle  Herrschaft  Anspruch  machten,  hatten,  sei  es  durch  Con- 
cession  der  Landgrafen,  sei  es  durch  Usurpation  zu  einer  Zeit, 
wo  die  alte  Reichsverfassung  sich  immer  mehr  lockerte  und 
damit  dem  Streben  des  hohen  und  niederen  Adels  nach  unbe- 
schränktem Territorialbesitz  Vorschub  that,  einzelne  Theile 
der  landgräflichen  Gewalt,  wie  namentlich  den  Blutbann,  sich 
zu  eigen  gemacht  und  waren  keineswegs  gewillt,  diesen  durch 
die  Länge  der  Zeit  verjährten  Besitz  nun  wieder  an  die  Stadt 
abzutreten.  Als  daher  die  Stadt  die  von  ihr  erworbene  Lan- 
deshoheit organisiren  und  in  ihrem  ganzen  Gebiet  eine  ein- 
heitliche Verwaltung  einführen  wollte,  stiess  sie  überall  in 
diesen  Gegenden  auf  einen  entschiedenen  Widerstand  der 
Twingherren. 

Gleich  nach  dem  Ankauf  der  Landgrafschaft  am  rechten 
Aarufer  wurde  das  Landgericht  versammelt,  über  die  Märchen 
und  Rechte  derselben  befragt  und  darüber  eine  umständliche 
Bereinigung  aufgenommen.  Dasselbe  geschah  1459  mit  der 
Landgrafschaft  am  linken  Aarufer.  Zur  bequemeren  Hand- 
habung der  der  Stadt  zuständigen  Rechte  und  Nutzungen 
wurde  der  ganze  Bezirk  in  vier  Landgerichte  eingetheilt, 
von  welchen  Konol fingen  und  Zollikofen  am  rechten, 
Seftigen  und  Neuenegg,  oder,  wie  es  später  hiess, 
Sternenberg,  am  linken  Aarufer  lagen.  Diese  wurden  der 
Aufsicht  und  Verwaltung  der  vier  Venner  unterstellt.  Zu 
dem  Amte  eines  Venners  wurden  anfänglich  vier  Mitglieder 


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in 


Einleitung. 


des  Ruths  aus  den  vier  Stadtvierteln  gewählt.  Allein  im  Laufe 
des  15.  Jahrhunderts  hatte  die  Bürgerschaft,  die  bei  der  zu- 
nehmenden Grösse  und  Bedeutung  ihrer  Suveränitätsrechte 
es  je  länger,  je  weniger  ertrug,  dass  alle  hohen  Staatsämter 
im  ausschliesslichen  Besitz  der  adelichen  Geschlechter  sein 
sollten,  es  durchgesetzt,  dass  die  Wahlfähigkeit  zum  Venner- 
amte  an  die  vier  Zünfte  von  Pfistern,  Schmieden,  Gerbern 
und  Metzgern  gebunden  sei,  und  von  dieser  Zeit  an  fand  mit 
den  Landgerichten  die  Aenderung  statt,  dass  jeweilen  der 
Venner  von  Pfistern  die  Gerichtsbarkeit  des  Landgerichtes  Sef- 
tigen,  der  von  Schmieden  die  von  Neuenegg,  der  Venner  von 
Gerberen  die  des  Landgerichtes  Zoliikofen  und  der  von  Metz- 
gern die  von  Konolfingen  verwalten  sollte.  Den  Vennern 
wurden  ferner  eigene  Unterbeamte  mit  dem  Namen  Frci- 
weibel  untergeordnet,  von  denen  einer  in  jedem  Landge- 
richtsbezirke eingesetzt  und  von  dem  Rathe  aus  der  Zahl  der 
im  Bezirke  ansässigen  Landleute  erwählt  ward. 

Die  erste  Reibung  mit  den  Twingherren  scheint  in  den 
Zwanzigerjahren  des  15.  Jahrhunderts  stattgefunden  zu  haben, 
wo  die  Stadt  mit  dem  Alt-Schultheissen  Peter  von  Krauch- 
thal  oder  mit  dessen  gleichnamigem  Sohne,  Herrn  zu  Bümplitz 
und  Konolfingen,  aus  einer  uns  nicht  näher  bekannten  Ver- 
anlassung in  Streit  gerieth.  Damals  nun  wurde  ein  erster 
Versuch  gemacht,  die  oberhoheitlichen  Rechte  der  Stadt  mit 
den  Ansprüchen  der  Herrschaftsherren  auf  illirnitirte  Gewalt 
in  allen  gerichtlichen,  polizeilichen,  finanziellen  und  militä- 
rischen Angelegenheiten  ihres  Herrschaftsbezirkes  auszu- 
gleichen. Im  Interesse  einer  Vereinfachung  der  sehr  ver- 
wickelten Verwaltung  in  den  Landgerichten  setzte  man  fünf 
Artikel  auf,  zu  deren  Annahme  sich  die  Herrschaftsherren 
verstehen  möchten.  Sie  betrafen  das  von  der  Stadt  bean- 
spruchte Recht,  bei  öffentlichen  Bauten  Führungen  auszu- 
schreiben, zu  den  Verhandlungen  an  den  Landgerichten 
die  Aufforderung  zum  Besuch  derselben  zu  verkündi- 
gen und  die  Säumigen  zu  büsseu,  in  Kriegszeiteu  ein  all- 
gemeines Aufgebot  zu  erlassen,  und  von  Zeit  zu  Zeit 
Musterungen  oder  Harnischschau  abzuhalten,  endlich  zu 


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Einleitung.  11 

Bestreitung  der  öffentlichen  Bedürfnisse  und  Auslagen  Tellen 
aufzulegen.  Es  lagen  diese  sämmtlichen  Forderungen  in  den 
Befugnissen  der  von  der  Stadt  erworbenen  landgrällielien 
Gewalt,  von  der  aber  die  Twingherren  sich  exirnirt  glaubten, 
indem  sie  behaupteten,  das  von  ihren  Vorfahren  mit  der  Stadt 
eingegangene  Burgrecht  verpflichte  sie  als  eine  Art  von 
Schutz-  und  Trutzbündniss  lediglich  zur  Heeresfolge  in  Kriegs- 
zeiten. Ausser  diesem  sogenannten  Mannschaftsrecht  hätte  die 
Stadt  an  ihre  Herrschaftsleute  keine  Forderungen  zu  stellen, 
es  sei  denn  mit  ihrer,  der  Oberherren,  Zugestandniss  und 
Genehmigung. 

Was  war  nun  das  Ergebniss  jenes  Ausgleichungsver- 
suches? Einige  fügten  sich  den  Wünschen  von  llath  und 
Burgern  und  nahmen  die  fünf  Artikel  an;  die  Mehrzahl  der 
adelichen  Geschlechter  wiesen  sie  als  einen  Eingriff'  in  ihre 
verbrieften  Rechte  kurzweg  ab;  und  dabei  hatte  es  sein  Be- 
wenden. Weder  war  man  seines  Rechtes  so  sicher,  dass  man 
zu  Zwangsmaassregeln  rathen  durfte,  noch  hätte  inan  die- 
selben in  den  Rüthen,  wo  gerade  die  Geschlechter  durch  ihr 
Ansehen  und  die  höchsten  Aemter,  die  sie  bekleideten,  den 
grössten  Einfluss  hatten,  durchgesetzt.  Im  Wesentlichen  und 
in  der  Sache  selbst  erlitt  der  Staat  durch  diesen  Widerstand 
keine  Einbusse.  Wenn  Führungen  zu  leisten,  Tellen  aufzu- 
legen, oder  zu  Feldzügen  Mannschaft  aufzubieten  war,  da 
blieben  die  Twingherren  nie  im  Rückstand,  sofern  sie  darum 
ersucht  wurden;  ja,  sie  setzten  sich  oft  dem  Unwillen  und 
der  Meuterei  ihrer  eigenen  Unterthanen  aus,  um  den  Bedürf- 
nissen des  Gemeinwesens  zu  genügen.  Nur  sollte  man  diese 
Leistungen  nicht  als  ein  Recht  von  ihnen  fordern  und  sie 
dazu  zwingen  wollen,  sondern  freundlich  darum  angehen. 
Dem  klugen  Benehmen  und  den  Bitten  des  Seckeimeisters 
Fränkli  gelang  es  sogar,  etwa  dreissig  Jahre  vor  Ausbruch 
des  Twingherreustreites  eine  Abgabe  allgemein  zu  machen, 
die  bis  dahin  blos  auf  den  Bewohnern  des  Stadtbezirkes,  der 
vier  Kirchspiele  Boiligen,  Stettlen,  Vechigen  und  Muri,  die 
gleich  in  den  ersten  Zeiten  durch  Kauf  an  die  Stadt  gekom- 
men und  unter  Eine  Gerichtsverwaltung  mit  ihr  gestellt  worden 


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12 


Einleitung. 


waren,  und  auf  den  Gütern  der  Klöster,  die  der  Stadt  Schirm 
genossen,  gelastet  hatte.  Es  war  dies  die  im  Jahr  1384  bei 
einer  tumultuarischen  Regierungsänderung  abgeschaffte,  im 
Jahr  1408  dann  wieder,  zunächst  nur  auf  drei  Jahre,  einge- 
führte,  später  aber  ständig  gewordene  Abgabe  des  sogenannten 
Böspfennigs,  d.  i.  einer  Auflage  von  einem  Pfennig  von 
jeder  Maass  eingekellerten  Weines. 

Im  Uebrigen  war  die  öffentliche  Verwaltung  in  den  Land- 
gerichten immer  verwickelter  und  schwieriger  geworden,  so- 
fern der  Stadt  in  den  verschiedenen  Herrschaften,  in  den 
einen  mehr,  in  den  andern  weniger  oder  gar  keine  Rechte 
eingeräumt  worden  waren.  Daher  liefen  die  Freiweibel, 
wenn  sie  die  Befehle  und  Verordnungen  ihrer  Obrigkeit  ver- 
künden und  ausführen  sollten,  jeden  Augenblick  Gefahr,  ihre 
Competenz  zu  überschreiten,  gegen  diese  oder  jene  Privilegien 
der  in  ihrem  Landgerichtsbezirk  angesessenen  Grundherren 
zu  verstossen  und  den  Widerspruch  oder  thätlichen  Wider- 
stand ihrer  Amtleute  und  Unterthanen  hervorzurufen.  In  der 
einen  Herrschaft  besass  die  Stadt  die  hohen  Gerichte,  in  der 
andern  nicht,  in  dieser  durfte  sie  Führungen  befehlen,  in 
jener  musste  erst  die  Einwilligung  des  Grundherren  dazu  ein- 
geholt werden  und  dieser  liess  dann  die  Sache  durch  seine 
eigenen  Leute  besorgen.  Sollte  die  städtische  Polizei  auf  einen 
politischer  Umtriebe  verdächtigen  oder  sonst  übel  beläumde- 
ten  Menschen  fahnden,  so  musste  dies  je  nach  seinem  wech- 
selnden Aufenthaltsorte  der  oft  sehr  nachlässigen  Ortspolizei 
dieses  oder  jenes  Twingherren  überlassen  werden , und  ver- 
suchte man  es  dennoch  ihn  nach  der  Stadt  abzuführen,  so 
gab  es  in  der  betreffenden  Herrschaft  beinahe  einen  Aufruhr, 
weil  er  seinem  ordentlichen  Richter  entzogen  und  nicht  in 
den  Schlossthurm  ihres  Oberherrn  eingesperrt  worden  sei. 
Oder  wurde  eine  allgemeine  Landesmusterung  ausgeschrieben 
und  sollte  sich  die  Mannschaft  eines  Landgerichts  auf  einem 
gemeinsamen  Sammelplatz  einfinden,  so  liess  der  Herrschafts- 
herr seine  Leute  nicht  dahin  ziehen,  sondern  vindicirte  sich 
das  Recht,  die  Harnischschau  in  seinem  eigenen  Gebiete  selbst 
abzuhalten.  Den  Freiweibeln  mussten  daher  eigene  Instruc- 


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Einleitung. 


13 


tionen  in  die  Hände  gegeben  werden,  wie  weit  die  Competenz 
eines  jeden  in  dem  von  ihm  zu  verwaltenden  Landgerichte 
reiche,  in  welchen  Theilen  desselben  er  unbedingte  Vollmacht 
habe,  im  Namen  der  Stadt  zu  befehlen  und  zu  richten,  wo 
dagegen  dieselbe  mehr  oder  weniger  beschränkt  und  von 
der  Genehmigung  der  verschiedenen  Grundherren  abhängig  sei. 

Das  Unbequeme  und  Verwickelte  dieser  Art  von  Regi- 
ment wurde  von  demjenigen  Theile  der  Bürgerschaft,  der 
von  den  Privilegien  des  Adels  ausgeschlossen  war,  mit  stei- 
gendem Unwillen  empfunden,  zumal  sich  der  Adel  auch  in 
sozialer  Beziehung,  in  Kleidung  und  Lebensweise,  durch 
Nachahmung  fremder  Sitten,  immer  mehr  von  seinen  Mit- 
bürgern abschloss.  Man  fing  an,  die  rechtliche  Grundlage 
solcher  Ausnahmsstellung  je  mehr  und  mehr  in  Zweifel  zu 
ziehen  und  für  die  Stadt  kraft  der  von  ihr  erworbenen  Land- 
grafschaft und  der  Autorisation  des  Kaisers  selbst  eine  abso- 
lute oberhoheitliche  Gewalt  in  Anspruch  zu  nehmen,  der  sich 
jede  privatrechtliche  Stellung  unterzuordneu  habe.  Allein  ver- 
schiedene Versuche,  die  namentlich  unter  der  dreissigjährigen 
Amtsführung  des  dem  Adel  nicht  angehörendeu  und  den  In- 
teressen der  Stadt  mehr  als  den  Privilegien  der  Geschlechter 
zugewandten  Schultheissen  Rudolf  Gräflin,  genannt  Hof- 
meister, zu  ihrer  Einführung  gemacht  wurden,  waren  alle 
bei  der  Hartnäckigkeit,  womit  die  Twingherren  ihre  Rechte 
behaupteten,  erfolglos  geblieben. 

Da  fand  sich  im  Jahr  1470  unter  der  Bürgerschaft  eiu 
Mann,  der  den  Muth  hatte,  „zu  Ehren  und  Nutzen  der  Stadt“, 
wie  damals  das  Stichwort  lautete,  den  Kampf  mit  den  in  Rath 
und  Aemtern  allmächtigen  Geschlechtern  aufzunehmen.  Es 
war  dies  Peter  Kistler,  ein  Mann  bürgerlichen  Herkom- 
mens, seines  Berufs  eiu  Metzger,  von  dessen  Lebensumständen 
wir  fast  nur  seine  politische  Laufbahn  kennen , von  dessen 
Charakter  und  Gesinnungen  wir  uns  aber  aus  Frickarts  Auf- 
zeichnungen ein  hinlänglich  klares  Bild  entwerfen  können. 

Nach  dem  Zeugniss  der  sogenannten  Regimentsbücher 
war  Kistler  schon  1440  Mitglied  des  Grossen  Raths,  einer 
Behörde,  in  welcher,  wie  es  scheint,  jeder  Bürger,  der  einen 


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14 


Einleitung. 


eigenen  Hausstand  gegründet  hatte  und  zu  Geschäften  taug- 
lich schien,  gewählt  wurde.  Denn  obgleich  der  Rath  in  der 
Kanzleisprache  den  Namen  der  Zweihundert  führte,  sehen 
wir  doch  im  15.  Jahrhundert  ihn  meist  aus  300  bis  330  Mit- 
gliedern bestehen.  Eilf  Jahre  später,  1451,  wurde  Kistler  in 
den  Kleinen  Rath  gewählt  und  sofort  zum  Vogt  nach  Trach- 
selwald  ernannt.  Aus  dieser  für  einen  Bürger  aus  dem  Hand- 
werksstande aussergewöhnlichen  Beförderung  in  eine  Behörde, 
deren  Mitglieder  fast  ausschliesslich  dem  Adelsstände  ange- 
hörten, lässt  sich  schon  auf  eiue  besondere  Tüchtigkeit  des 
Mannes  und  die  Popularität,  die  er  genoss,  ein  Rückschluss 
machen.  Fühlt  sich  doch  sein  erklärtester  politischer  Gegner, 
Seckeimeister  Fränkli,  zu  dem  Gcstäudniss  gedrungen,  dass 
Kistler,  „wenn  er  allezeit  seiner  selbst  wahrgenomnien  und 
bedacht  hätte,  wer  er  wäre,  von  wannen,  was  sein  Stand  und 
Vermögen  sei,  und  wenn  er  nicht  so  gar  geldgierig  gewesen 
wäre,  au  Weisheit  und  Wohlredenheit  den  Preis  vor  allen 
Bernern  hätte.“  Wenn  in  diesen  Worten  die  ungesuchte  An- 
erkennung seiner  natürlichen  Begabung  durch  den  sittlichen 
Vorwurf  des  Ehr-  und  Geldgeizes  beschränkt  wird,  so  mag 
freilich  das  llrtheil  Früukli’s  durch  das  enge  Standesvorur- 
tlieil  beeinflusst  worden  sein,  wonach  ein  Mann,  den  der 
Zufall  in  der  bürgerlichen  Sphäre  geboren  werden  licss,  sich 
Uber  diesen  seinen  Stand  nicht  erheben  und  nach  Aemtern 
und  Würden  streben  solle,  die  zwar  nicht  die  Landesverfas- 
sung, aber  alte  Uebung  und  Gewohnheit  als  ein  Anrecht  der 
öconomisch  unabhängigen  adelichen  Geschlechter  betrachten 
liess.  Allerdings  kann  ein  solches  Streben  nach  einer  höheren 
Stellung  iin  bürgerlichen  Leben  in  den  unedlen  Motiven  der 
Selbstüberschätzung  und  des  Ehigeizes  seinen  Ausgangspunkt 
haben,  es  kann  aber  dabei  auch  der  reinere  Beweggrund  mit- 
wirken,  einen  für  seine  geistige  Befähigung  angemessenen 
Wirkungskreis  und  damit  Wege  und  Mittel  zu  finden,  seine 
mit  dem  Bestehenden  in  Widerspruch  gerathenen  besseren 
Ueberzeugu ngen  zur  Geltung  zu  bringen. 

Wenn  Fränkli  Kistlern  weiterhin  den  Vorwurf  macht: 
„er  habe  von  Jugend  an  den  Namen  gehabt,  dass 


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Einleitung. 


15 


er  immer  etwas  Besonderes  gewollt  habe,  und  dass 
ihm  dies,  wie  er  wol  wisse,  zu  vielen  Malen  im  Rath  von 
dem  Schultheissen  und  den  Vennern  gesagt  und  vorgehalten 
worden  sei,“  oder,  bei  einer  andern  Gelegenheit:  „dass  er 
nach  seiner  unruhigen  Art  und  Natur  stets  neue  Dinge 
gesucht  und  allweg  getrachtet  habe , sich  zu  erheben  mehr 
als  einem  gemeinen  Burger  vonnöthen  war“,  so  ist  damit 
die  oppositionelle  Stellung,  die  Kistler  in  öffentlichen  Dingen 
einnahm,  hinlänglich  gekennzeichnet;  und  eben  diese,  unter- 
stützt durch  eine  natürliche  Rednergabe,  durch  Gewandtheit 
und  rücksichtsloses  Durchgreifen , scheint  ihn  bei  der  mit 
der  bestehenden  Ordnung  unzufriedenen  Bürgerschaft,  und 
zunächst  bei  seinen  Zunftgenossen,  den  Metzgern,  so  populär 
gemacht  zu  haben,  dass  er  im  Jahr  1458,  und  zwar  mit  Zu- 
rücksetzung eines  von  Speie  hingen,  der  nach  alter  Uebung 
die  nächste  Anwartschaft  gehabt  hätte,  zum  Venner  der  Metz- 
gerzunft gewählt  wurde,  eine  Würde,  die,  wie  er  selbst  sagt, 
seit  Gründung  der  Stadt  ihm  erst  als  dem  vierten  aus  dem 
Handwerkerstände  zu  Theil  wurde.  Das  Venncramt  beklei- 
dete Kistler  durch  jährliche  Bestätigung  fortwährend  bis  zum 
Jahr  1470,  wohnte  drei  bis  vier  eidgenössischen  Tagsatzungen 
bei,  und  machte  im  östreichischen  Kriege  des  Jahres  14(38 
unter  dem  Oberbefehl  Adrians  von  Babenberg  als  Vcnner- 
hauptmann  auch  den  Feldzug  in  s Sundgau  mit.  Aber  einigen 
Stichelreden  nach  zu  schliessen,  die  sowohl  Bubenberg  als 
Fränkli  in  den  Verhandlungen  des  Twingherrenstrcites  fallen 
lassen,  scheint  sein  militärischer  Muth  im  Felde  seinem  poli- 
tischen Muth  in  der  Zuuftstube  und  auf  dem  Rathhause  nicht 
ganz  gleich  gekommen  zu  sein. 

Es  war  in  den  ersten  Monaten  des  Jahres  1470,  wo  Kistler 
nach  einem  wohlangelegten  Plane,  ohne  sogleich  seine  eigene 
Person  bloszustellen , den  Kampf  mit  den  bis  dahin  jedem 
Angriff  trotzenden  Vorrechten  des  Adels  aufnalun.  Ob  ihn 
das  Drängen  seiner  Zunft-  und  Parteigenossen , deren  Unzu- 
friedenheit mit  dem  bisherigen  öffentlichen  Rechtszustande 
vielleicht  gerade  damals  ihren  Siedepunkt  erreicht  hatte,  dazu 
trieb,  oder  die  auf  Ostern  bevorstehende  Sclniltheisscnwahl 


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16 


.Einleitung. 


und  die  ihm  in  sichere  Aussicht  gestellte  Ersteigung  dieser 
höchsten  Staffel  bürgerlichen  Ehrgeizes,  darüber  haben  wir 
bei  dem  Mangel  positiver  Thatsachen  nur  Vermuthungen. 
Zunächst  ging  sein  Streben  dahin,  in  dem  Landgerichte  Ko- 
nolfingen,  dessen  Gerichtsverwaltung  mit  dem  Venneramte 
von  Metzgern  verbunden  war,  die  oberhoheitlichen  Rechte 
der  Stadt  gegen  die  Privatrechte  der  darin  angesessenen 
Twingherren  zur  Anerkennung  zu  bringen.  Dazu  fand  er  in 
seinem  Freiweibel,  dem  noch  jungen,  kecken  und  übermüthi- 
gen  Gfeller  von  Möschberg,  einen  eben  so  willigen,  als 
brauchbaren  und  unerschrockenen  Gehülfen.  In  den  Befug- 
nissen und  Pflichten  der  landesgrätlichen  Gewalt,  die  auf  die 
Stadt  übeigegangen  war,  lag  unter  andern  auch,  für  den 
Landfrieden,  d.  h.  für  Erhaltung  der  öffentlichen  Ruhe 
und  Sicherheit  zu  sorgen  und  die  dawider  Handelnden  zu 
bestrafen.  Kraft  dieser  Verpflichtung  war  — wir  wissen  nicht 
ob  vor  längerer  oder  kürzerer  Zeit  — eine  obrigkeitliche  Ver- 
ordnung erlassen  worden,  wonach  jeder  Bruch  des  Land- 
friedens mit  einer  Busse  von  10  'ü  bestraft  werden  sollte, 
und  die  Amtleute  der  Regierung  hatten,  wie  es  scheint,  den 
Auftrag,  bei  Gelegenheiten,  wo  sich  Leute  in  Massen  zusam- 
menfanden, bei  Märkten,  Kirchweihen,  Hochzeiten  u.  dgl., 
diese  Ordonnanz  dem  damals,  wie  heute,  leicht  erhitzten  und 
schlagfertigen  Volke  in  Erinnerung  zu  bringen,  oder,  wie  man 
sich  damals  ausdrückte,  den  Unfrieden  bei  10  Busse  zu 
verbieten.  Doch  scheint  diese  amtliche  Verkündigung  bisher 
in  den  Landgerichten  selten  zur  Ausübung  gekommen  zu 
sein,  da  die  Twingherren  dieselbe  als  eines  ihrer  Herrschal'ta- 
rechte  für  sich  in  Anspruch  nahmen,  sie  durch  ihre  Ammän- 
ner besorgen  liessen  und  die  für  einen  Friedensbruch  von 
ihren  Gerichten  auferlegte  Busse  selbst  einzogen.  Da  trat  einst 
an  einer  Hochzeit,  die  zu  Rychigen  in  der  Herrschaft 
Worb  abgehalten  wurde,  unerwarteter  Weise  Gfeller,  wahr- 
scheinlich auf  die  geheime  Weisung  seines  Venners,  Peter 
Kistlers,  hin,  in  seiner  Amtstracht  vor  den  Hochzeitsgästen 
auf  und  verbot  im  Namen  der  Stadt  den  Unfrieden.  Der 
anwesende  Amman  des  Ritters  und  Alt-Schultheisseu  Niklaus 


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Einleitung. 


1? 


von  Diesbach,  Herrn  zu  Worb  und  Signau,  sah  dies,  wie  leicht 
vorauszusehen,  als  einen  Eingriff  in  die  Rechte  seines  Herrn 
und  seine  eigenen  Amtspflichten  an;  es  entstand  ein  Wort- 
wechsel, der  mit  einer  Prügelei  endigte.  Gfeller  wurde  vor 
das  Dorfgericht  zu  Worb  geladen,  und  sowohl  wegen  unbe- 
fugter Verkündigung  des  Unfriedens,  als  wegen  des  durch  ihn 
veranlassten  Friedbruchs  zu  einer  Busse  von  je  100  '&  ver- 
fällt, und  zwar  trotz  seiner  Appellation  an  den  Rath  von  Bern, 
in  dessen  Namen  und  Interesse  er  gehandelt  habe.  Denn  eben 
diese  Appellation  von  dem  Twingherrengericht  an  das  Stadt- 
gericht von  Bern  wurde  von  Herrn  Niklaus,  wenn  auch  nicht 
absolut,  doch  in  dem  gegenwärtigen  Falle  als  unzulässig  be- 
stritten, sofern  der  Rath  von  Bern  so  Richter  in  eigener 
Sache  sein  würde.  Um  diesen  Competenzstreit  zu  entscheiden 
und  wo  möglich  in  Minne  beizulegen,  wurden  beide  Parteien 
vor  die  Räthe  beschieden  und  hier  entwickelte  sich  nun  aus 
dieser  scheinbar  geringfügigen  Veranlassung  durch  Kistlers 
Umtriebe  jener  grossartige  Prinzipienstreit,  dessen  Verlauf  uns 
Frickart  in  den  folgenden  Blättern  erzählt,  ohne  ihn  leider 
bis  zu  seinem  Abschluss  zu  verfolgen.  Als  Hauptgegner  Bastlers 
und  als  Vertreter  der  Interessen  der  Adelspartei  tritt  dabei 
der  greise  und  geschäftskundige  Seckeimeister  Fränkli 
in  den  Vordergrund,  der  uns  durch  die  ausführliche  und  treu- 
herzige Schilderung,  die  er  selbst  uns  von  seiner  politischen 
Laufbahn  gegeben  hat,  der  Mühe  überhebt,  dieselbe  mit  in 
diese  Einleitung  aufzunehmen. ') 

')  Man  vergleiche  hier  die  geistreiche  Parallele  der  beiden  Antagonisten, 
welche  unter  der  Aufschrift:  „Venner  Kistler  und  Seckeimeister  Fränkli“ 
in  den  ersten  Kümmern  des  Sonntagsblattes  zum  Bund  von  1874  (von  Dr. 
Blösch)  erschienen  ist 


Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  I. 


2 


Erklärung  der  Siglen. 


Der  Text  selbst  ist  derjenige  der  Handschrift  H.  1,40;  sie  war  im 
Besitz  Frans  Ludwigs  von  Erlach,  ist  geschrieben  von  Joh.  von  Schalen 
und  trägt  die  Jahr  zahl  1610.  — Verglichen  sind  folgende  Handschriften: 
St.  ist  die  Handschrift  des  Hieron.  Stet  tier  vom  J.  1648  (H.  1, 64). 

G.  die  Handschrift  von  Decan  Grüner  (H.  VIII.  61). 

Bl.  die  Handschrift  im  Besitz  des  Herrn  Ihr.  Blösch. 

T.  Fragment  einer  ältem  Handschrift,  welche  mit  einem  jungem 
Text  ergänzt  und  zusammengebunden  ist  in  einer  Handschr.  aus 
dem  Nachlasse  des  Herrn  Tillier  (H.  X.  121). 

H.  der  in  der  H elvetischen  Bibliothek  1735  ab  gedruckte  verkürzte 
Text,  der  sich  »n  den  Handschriften  H.  X 121  und  H.  Z CT 
findet. 

S.  über  diese  Handschriften  das  Vorwort. 


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Erster  Abschnitt 

Streit  mit  Niolans  von  Dieaabach,  Twingherrn  zu  Worb. 

Die  Stadt  beansprucht  dai  Recht,  kraft  ihrer  Oberhoheit  in  dem  Ge- 
biet der  Twingherren  bei  Brut  laufen  [Hochzeiten]  den  Unfrieden 
% zu  verbieten  und  die  Zuwiderhandelnden  zu  büeten. 

fl.]  Anfengklich  ist  der  fryweibel  Gfeller  uß  dem  landt-  [ld70] 
gricht  Konelfingen  fllr  min  gnedigen  herren  kon  und  hat  inen 
anzeigt,  wie  vergangens  monats  uff  einem  brutlouf  zfi  Rychi- 
nen  er  giiter  meinung,  von  frid  und  röwen  wegen  und  als 
10  ein  amptman  miner  gnedigen  herren,  und,  als  er  meine,  ime 
allenthalben  in  dem  laudtgricht  und  sonderlich,  wo  inen  die 
hohen  gricht  züghörend,  wol  anstande,  den  unfriden  by  10 
in  miner  gnedigen  herren  namen  verröft  habe,  sye  er  zletst 
von  herr  Niclausen  von  Dießbachs  amptliiten  gar  ruch  ze 
io  Worten  gestossen,  inmassen  er  mit  dem  am  man  von  Worb 
darumb  in  unfriden  kommen  sige.  Und  als  nach  etwas  ver- 
lilffnen  stunden  derselbig  amman  widerumb  mit  vil  verecht- 
lichen  Worten  an  in  käme  und  im  anmütet,  umb  obgemelts 
verrüfs  willen  zu  dem  rechten  gan  Worb  zil  vertrösten:  und 
*>  do  er  sömlichs  versagte  und  mit  etwas  tröuworten,  als  in  be. 
ducht,  angrenzt  wurde  und  sonderlich  beduren  gehept,  das 
nach  miner  gnedigen  herren  rif  oder  verbott  derselbig  am- 
man einen  andren  rfif  und  verbott,  das  erst  ouch  by  10 

23.  T.  Bl.  rnff  oder  verbott  23.  T.  H.  lassen  da«  erst  aus;  ff.:  als  das 
erst  (es  war  das  erste  Verbot,  welches  der  Amman  er  Hess;  denn  vor  des 
Freiweibels  Verruf  hatte  er  keines  erlassen,  wie  es  seine.  Amtspflicht  er- 
fordert hätte). 


s 

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20  I,  1.  Klage  dee  Freiweibels  G feli  er  vor  Rath. 

[WO]  hat  lassen  ußgan,  hat  er  zü  dem  amman  gschlagen  und  in 
verletzt;  daruff  er  aber  ersticht  were,  zü  dem  rechten  gan 
Worb  zu  geloben.  Und  als  er  vermeint,  so  Sich  sömliche  ding, 
von  miner  gnedigen  herren  grechtigkeit  zil  beschützen,  als 
das  sin  eid  wyse,  ergangen  werind,  so  sölte  er  niemant  zum  s 
rechten  stan  dann  vor  minen  gnedigen  herren,  und  er  nach- 
mals uff  siner  straß  durch  Worb  zum  andren  mal  von  deß 
obgemelten  von  Dießbachs  amptlüten  ersucht  und,  wie  vor, 
verseit,  wäre  er  zilletst,  als  er  uß  der  statt  von  miner  gne- 
digen herren  gescheiten  wegen  kommen,  daselbs  angefallen  io 
und  in  ein  schwerre  gfengknus  gturt  und  durch  kein  erbit- 
tung  ußgelassen,  biß  er  an  eids  statt  gelobet,  gan  Worb 
sich  zü  stellen,  so  es  im  verkündt,  umb  das  verbott  und  ouch 
den  fridbruch  zil  Rychingen  verhandlet  [zü)  verantworten. 
Und  nachdem  er  uff  herrn  Niclausen  verkünden  sich  gestelt 15 
und  darum  anklagt  worden,  habe  er  verdank  begert  zü  ant- 
worten biß  uff  nachvolgenden  rechtstag,  das  im  mit  der  ur- 
teil vergönnet  worden,  habe  doch  einen  bürgen  geben  müssen : 
und  so  er  nun  sömlichs  verbott  habe  in  einer  obristen  herrschaft 
namen  und  ouch  in  iren  hohen  grichten  getan  und  sich  nit 20 
anders  verstanden,  dann  dieselbige  des  wol  macht  und  füg  habe 
als  wol  als  die  nideren  herren,  besonders  so  s y an  sömlichen 
notwendigen  gebotten  sümig  werend,  und  ouch  zu  beschir- 
men getrungen,  den  angriff  uff  herr  Niclausen  amptlüt  ze 
tün:  hoffe  harumb,  das  er  gedachtem  herren  Niclausen  umb  *r> 
dise  händel  nützit  zü  antworten  habe;  und  so  aber  min  gne- 
digen herren  vermeintend,  das  er  hierinnen  gefält,  gloubc  er 
doch,  ine  niemants  hierum  zü  straffen  hätte,  dann  ir  gnaden 
als  die  hohen  herren,  und  nit  herr  Niclaus:  zog  hiemit  haryn 
vil  ursach , nit  not  zü  melden.  Uff  disen  tag  hat  leider  der  so 
zangk  und  die  Unzucht  in  dem  rat  von  Bern  ein  anfang  ge- 
nommen durch  disen  frefnen  Catilinam,  als  ich  förcht  zü 
grossem  nachteil  diser  erlichen  statt  Bern  geboren  sye;  dann 

4.  T.  von  beschützung  wegen  miner  gn.  h.  gerechtigkeit.  14.  G.  zu 
antworten,  Bl.  z’verantworten.  24.  Bl.  zn  beschirmung  bringen  (sinnlos: 
das  Particip  getrungen  lehnt  sich  noch  an  den  Hauptsatz  sömlichs  verbott 
getan ; zu  beschirmen  heisst  s.  v.  a.  aus  Nothwehr).  31.  G.  in  dem  rechten. 


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I,  2.  Der  Freiweibel  Gfeller  n.  Niel.  v.  Diesbach  vor  Rath.  21 


hieruß  ein  grosser  span  erwüchs.  Ein  teil  gabend  disem  [1*10) 
frefnen  fryweibel  treffenlichen  unrecht,  der  ander  teil  aber, 
deren  haupt  und  anfenger  Peter  Kistler  was,  gabend  im  recht. 
Iedoch  zületst  beschlossen  ward,  das  man  gan  Worb  schribe, 

5 das  sy  in  disem  rechtshandel  sich  nit  wyter  beladen  söltend, 
dann  min  gnedigen  herren  habind  denselbigen  flir  sy  geschla- 
gen, diewyl  er  syen  ouch  antreffen  wolle,  und  werdint  herr  (Bl.  2) 
Niclausen  und  den  fryweibel  früntlich  mit  einanderen  be- 
tragen, und  das  herr  Niclaus  beschriben  werde  uff  nach  vol- 
le genden  8.  tag,  und  der  fryweibel  uff  den  ouch  erschyne. 

[2.]  Uff  denselben  tag,  als  der  fryweibel  in  rat  brüft  ward, 
hüb  er  an  sin  klag  zü  erzelleu,  wie  ouch  vormals,  aber  mit 
vil  mer  hochmüts  und  worten  verfürt.  Hat  im  herr  Niclaus 
geantwortet,  und  fiirnemlich  sich  sines  gewalts,  so  von  den 
lsgraffen  von  Kyburg  und  nachwerts  von  einer  löblichen  statt 
Bern  in  der  herrschallt  Worb  nie  gebrucht  were,  treffenliche 
erklaget,  ouch  Ursachen  und  brüch  von  alter  har  erzeigt,  die 
unstendigen  in  gfengknus  ze  legen,  habe  den  ouch  nit  be- 
volen  zü  behendigen  als  einen  amptman  miner  gnedigen  her- 
*>  ren,  aber  als  den  hochmütigen  Gfeller  von  Mörsperg,  hette 
ouch  wol  gmeint,  min  gnedigen  herren  hettend  dem  rechten 
sinen  gang  gelassen,  uff  das  kundtlich  were  worden,  wer 
recht  oder  unrecht  hette:  doch  wer  im  wol  zü  wttssen,  das 
ir  gnaden  kein  gfallens  an  sinem  gwalt  und  ntlwen  ftlnden 
»hette,  wiewol  sy  hettend  gschriben , diser  handel  tröffe  sy 
ouch  an,  und  möchte  inen  in  der  sach  zü  handlen  wol  ver- 
truwen  als  den  kundigen  und  denen  in  wtlssen  were,  was 
und  wie  wyt  in  der  herrschaft  Worb  und  derglychen  ime 
züstünde  zü  beherrschen.  Und  als  der  güt  ritter  warten  was, 
ao  das  erkennt  wurde,  das  dem  fryweibel  nit  gebürte,  obge- 
melt  verbott  ußzerüffen,  und  das  er  im  den  fridbruch  ab- 
lege nach  der  Ordnung,  ist  zületst  nach  heftigem  zangken  umb 
einen  mann  das  mer  worden,  das  die  fryweibel  sömlich  rüf  und 


18.  U.  die  ungehorsamen.  T.  deutet  es  die  rechtwvchenden,  was  rich- 
tiger ist  als  von  Rodts  Erklärung:  die  nicht  in  der  herrschaft  angesessen 
waren.  28.  T und  Bl.  inen, 


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22 


1,  3,  Verhandlung  vor  Rath  und  Burger. 


[lfJO]  gebot  in  miner  gnedigen  herren  hohen  grichten  wol  m'gind 
tön  als  die  oberherren,  und  so  kündig  wurde  das  der  fry- 
weibel  den  fridbruch  getan,  stand  es  doch  niemants  in  miner 
heiTen  landtschaft  zö  ine  ze  züchen,  dann  inen,  so  doch  sölche 
Ordnung  und  gebott  von  inen  als  einer  obersten  herrschaft  6 
ußgangen  were  und  nit  von  zwingherren.  Nach  welcher 
Öffnung  herr  Niclaus  ein  grosses  beturen  hat  und  mit  vil 
mer  Worten  dann  vormals  erzeigt,  wie  er  volle  herrschaft  zöWorb 
hette,  aber  min  herren  ein  gelümete  rllty  [gelimitirtej,  und  das  in 
etlichen  Stuken,  die  er  hiemit  anzeiget : hätte  sich  ouch  söm-  to 
lichs  nit  versehen;  bat  min  herren,  von  diser  irer  fllrgenom- 
nen  meinung  ze  stan  oder  im  einen  tag  ze  setzen,  sine  brief 
zö  bringen  und  sy  darus  sines  rechtens  und  herrlichkeit  baß 
zö  berichten.  Ist  zö  der  frag  kon  und  widerum  vil  sterker 
gezangket  dann  vor  und  doch  zöletst  by  dem  ersten  ratschlag  is 
gebliben.  Und  was  die  sag,  Peter  Kistler  und  der  fryweibel 
werend  recht  spießgsellen. 

[3.J  Als  nun  herr  Niclaus  sömlich  erlüterung  beschwert, 
hat  er  für  den  grossen  rat  begert.  Der  ward  im  gehalten: 
vor  welichem  er  sich  alda  treflfeulichen  ab  des  fry weibeis» 
gwalt  und  nüwerung  erklagt,  sine  brief  erschwingt,  zeigt  an, 
wie  die  herren  von  Kien  under  der  herrschaft  von  Kyburg 
gesessen,  und  wie  sy  in  die  statt  gezogen,  sich  selbs  mit  iren 
undertanen  zö  der  statt  getan,  der  statt  die  hohen  gricht  ge- 
geben, uff  das  sy  von  desselben  wegen  schütz  und  hilf  von  *5 
der  statt  bettend,  und  haben  min  gnedigen  herren  sich  in 
derselben  herrschaft  nit  wyteren  rechts  underwunden,  dann 
so  ein  herrschaft  inen  einen  Übeltäter  zögschickt,  denselben 
zö  richten  und  den  undertanen  zö  der  statt  reisen  gebieten: 
demnach  so  spän  und  zangk  zwüschen  der  herrschaft  und  *’ 


9.  T.  eine  gelimitirte  (beschränkte)  herrschaft,  nicht  eine  gelimitirte 
urtheil,  wie  H.  erklärt.  18.  G.  St.  Bl.  solcher  erlüterung  «ich  beschwert 
T.  herm  Niclansen  sömlich  erlüterung  beschwert  21.  St.  sin  brieff  fürge- 
wiesen, H.  dargelegt;  von  Rodt  deutet  es  anseinanderfalten , aber  keine 
dieser  Erklärungen  von  erschwingen  lässt  sich  etymologisch  rechtfertigen, 
dagegen  T.  Bl.  erschynt  (statt  erscheint,  von  erscheinen,  dem  factitimm 
t>.  orsefaine»). 


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I,  3.  Verhandlnng  vor  Rath  und  Borger. 


23 


undertanen  entstünden  t,  so  habend  s y darumb  entscheidt  [ttio] 
genommen  vor  einem  rat  von  Bern.  Sin  großvatter  habe  ouch 
zürn  ersten  nachgelassen  etlichen  von  im  für  den  rat  zü  Bern 
appellieren,  er  deßglychen  habe  es  ouch  niemants  gewert. 
s Und  do  Worb  in  das  geschlecht  Bürren  sige  kommen,  do  sige 
kein  anderer  rechtshandel,  dann  so  zwüschen  den  herren  und 
undertanen  uffstündent,  in  die  Btatt  ye  gezogen:  es  sig  ouch  (Bl.  3) 
war,  wann  die  statt  vil  zil  iren  büwen  z ft  füren  gehept  und 
mine  herren  bericht,  das  die  kilchspäl  ire  ztlg  abgetriben 
10  heftend,  so  habind  sy  von  sim  großvatter  biß  ietz  uff  in  von 
mund  oder  geschrift,  die  er  wol  zeigen  wölle,  sy  ankert,  das 
man  vergönne,  der  ganzen  kilchöri  zü  gebieten  zü  füren.  Wyter, 
so  von  wegen  der  statt  nöten  sich  selbs  min  herren  und  ouch 
ire  eigne  herrschaften  habend  getAllet,  haben  obgemelt  min 
is  herren  alwegen  in  und  ander  zwingherren  in  landtgrichten, 
ußenfür  aber  die  herren  von  Spietz,  von  Landshüt,  Brandis 
und  Oberhofen  beschickt  und  inen  der  statt  not  fürgehalten 
und  sy  hiemit  ankert  zü  bewilligen,  ein  zimliche  teil  uff  ire 
undertanen  zü  legen,  were  ouch  iren  gnaden  nie  verseit  und 
*>  demnach  den  kilchspälen  nach  ufgleit,  und  wie  vil  und  un- 
zal  tüllen  im  vergangnen  Zürichkrieg  joch  angelegt,  so  were 
es  doch  anders  nie  gebrucht.  Des  bezügete  er  sich  uff  die 
alten , die  noch  vorhanden  werend : hiemit  min  gnedigen 
herren  erkennen  möchtend  an  und  Uber  sin  herrschaft  Worb 
äs  nit  wyter  dann  erlüteret,  und  das  alles  allein  uß  siner  vor- 
deren und  vorfaren  und  siner  bewilligung  zü  herrschen  het- 
tend  : bat  ir  gnaden,  by  sinen  briefen  und  siglen,  harkommen 
und  possessionen  zü  handthaben  und  schirmen,  wie  er  dann 
inen  das  wol  vertruwe,  und  das  sy  nit  lichtlich  dem  hoch- 
30  mütigen  Gfeller  oder  andren  wöltind  oren  geben,  die  lichtlich 
anfahen  möchtend,  das  ir  gnad  und  hindersessen  zü  unrüw 
körnend,  wie  dann  ougenschynlich.  In  wölte  ouch  bedunken, 
syt  das  sy  die  fryweibel  ufgsetzt,  minen  herren  im  rat  vil 
mer  arbeit  und  unrüw  entstanden,  denn  das  der  statt  vil 
ss  nutzes  hieruß  kommen  were.  Nach  herr  Niclausen  treffen- 
lichen  reden  ist  min  herr  von  Ringgeldingen  angefragt,  und 
gevolget,  biß  uff  Peter  Kistler,  den  venner.  Der  ist  by  siner 


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24  i)  Neue  Klage  d.  Freiweibels  vor  Katli  u.  Erwiderung  d.  Niel.  v.  Diesbacb. 

[1470]  vordrigen  meinung  gebliben,  und  alle  die,  so  im  die  volg  im 
kleinen  rat  gemacht  bettend.  Und  als  demnach  min  herren 
des  grossen  rats  gefragt  worden,  ist  ein  sinnlicher  ungstümer 
span  entstanden,  das  es  mich  wolt  angseen,  das  uff  den- 
selben morgen  ein  statt  und  regiment  von  Bern  zü  boden  gan  5 
würde.  Ist  doch  by  langem  und  kum  durch  groß  arbeit  und 
wyßheit  der  erlichen  geschlechten,  so  zügegen  warend,  wie- 
wol  kündig  und  offenbar  gnüg  was,  das  der  handel  sy  all 
antreffen  wolt,  gestillet.  Und  als  nun  mann  zü  mann  umbge- 
fragt,  ist  umb  vast  wenig  der  ungefellig  rat  Peter  Kistlers  io 
das  mer  worden.  By  welichem  zü  blyben  in  derselben  stund 
man  sich  bim  geschwornen  und  ufghepten  eidt  hat  verstrickt. 
Und  uff  disen  tag  ist  Peter  Kistleren  die  tür  uftan,  das  er 
hat  dürfen  hoffen  zü  kommen,  das  im  hernach  ist  gelungen. 

[4.]  Ungevarlich  by  10  oder  12  tagen  darnach  ist  der  is 
fryweibel  für  rat  kon  und  anzeigt,  wie  er  vergangnen  tagen 
min  herrn  schultheissen  hette  angsücht,  wie  sin  handel  gegen 
herr  Niclausen  stünde.  Dann  sin  weibel  hiezwüschen  gan 
MArspurg  zü  sinem  hus  were  gsin  und  im  verkllndt,  abermals 
antwort  zü  Worb  z’gän.  Hette  er  im  entscheidt,  was  min  herren  *o 
klein  und  groß  rat  hatten  abgraten,  und  als  er  daruf  were 
zü  etlichen  miner  herren  und  venneren  gangen,  die  hettend  in 
gheissen  zü  Worb  nit  erschynen,  und  solte  rüwig  sin,  herr 
Niclaus  wurde  in  wol  rüwig  lassen.  Denen  er  gevolget.  Uff 

IBI.  4)  das  so  hettend  herr  Niclausen  amptlüt  diß  tagen  sinen  *> 
bürgen,  so  er  anfangs  des  rechtshandeis  müssen  geben,  an- 
griffen  und  höüschind  dem  100  '(£  umb  den  frevel  des  brut- 
loufsverbott  zü  Rychingen  beschechen,  deßglychen  100  & umb 
den  fridbruch  sampt  einem  costen,  und  als  derselbig  an  einen 
wären  gezogen,  were  im  kum  uffschlag  worden,  und  wurde» 
in  nun  ynbringen,  könnte  er  nit  für,  denn  das  er  im  hette 
versprochen  schadlos  zü  enthalten,  und  so  fer  herr  Niclaus 

30.  31.  Bl.  und  wurde  in  bemüyen.  31.  könnte  er  nit  flir  — wofür  weiter 
unten  deutlicher  er  könnte  nit  fnrkon  (zuvorkommen,  verhindern,  oder  er 
konnte  es  nicht  anders  thun),  als  <lass  er  (der  Bürge)  ihm  (dem  Wärm 
Gewährsmann,  Bückbiirgen),  wenn  er  ihn  beibringen  sollte,  hätte  versprechen 
müssen,  ihn  dafür  schadlos  zu  halten,  32,  St,  ihn  schadlos  zu  halten, 


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1, 1 Neue  Klage  d.  Freiweibels  vor  Rath  n.  Erwiderung  d.  Nicl.v.  Diesbach.  25 

im  von  minen  herren  nit  abgnon  wurde,  könnte  er  nit  [WO] 
ab  syn,  denn  das  er  sinen  bürgen  müste  lösen.  Er 
hoffete  aber  sömliches  bescheche  one  wüssen  und  willen  herren 
Niclausen,  und  were  sinen  amptlüten  ouch  nit  erschynt  rät 
s und  burger  furtel].  Uff  daß  stflnd  herr  Niclaus  uff  und  sprach: 
es  wäre  war,  das  es  also  ergangen,  wie  der  fryweibel  hette 
anzeigt,  were  ouch  im  bruch  von  yewelten  in  iren  grichten 
also  zft  procedieren  gewäsen.  So  wäre  diser  handel  gegen  dem 
fryweibel  noch  nit  ußgemacht,  wiewol  er  da  gredt  von 
»o  einer  urteil,  so  min  gnedigen  herren  rät  und  burger  geben, 
das  aber  nit  were.  Dann  min  herren,  wie  sy  wol  wüßtend, 
hettend  an  das  gricht  gan  Worb  geschriben,  diser  handel 
wölte  ir  gnaden  antreflfen,  und  das  sy  still  stündent;  dann 
sy  wöltind  in  und  den  fryweibel  gegen  einandren  vertragen, 
ns  Hieruf  er  beschriben  und  zilfriden,  das  min  herren  den  han- 
del erturtind.  Und  obwol  er  hette  verhoffet,  sonderlich  so 
sy  sich  hettend  erbitteret  das  ir  gnaden  der  handel  antreflfe, 
uff  sin  beger  sine  brief  rechts  und  harkommen  hettend  ver- 
nommen und  erkundet : dargegen  sy  aber  in  yl,  unbsinnt, 

20  ungstüm,  leider  gnüg  wider  alten  bruch,  züfaren  und  dem 
übermütigen  fryweibel  recht  geben  one  allen  ordenlichen 
Spruch,  und  inen  selbs  vyl  zügeignet,  so  sich  aber  baß  ge- 
bürt hette,  diewyl  sich  mine  herren  in  irem  schryben  erlüt- 
teret  hettend  das  die  sach  ir  gnad  ouch  antreflfen  wurde, 

25  das  es  inen  vor  einem  anderen  ordenlichen  riehter  züge- 
sprochen  wurde;  wiewol  in  das  ser  fröuwte,  sy  nit  by  iren 

eiden  an  keinem  ort  harumb  erkennt  hettend,  noch  nach  dem 
■■  ■ ......  « 

4.  5.  St.  O.  recht  und  bürg.  T.  Bl.  nit  erschynt  (d.  i.  kund  gethan) 
räht  und  burger  urtel.  In  der  folgenden  Bede  des  Herrn  Niclaus  heisst  es 
ebenso : wiewol  er  da  gerett  von  einer  urteil , so  m.  g.  hh.  räth  und  bnrger 
geben.  15.  St.  hieruff  er  beschriben  (d.  i.  dazu  sei  er  schriftlich  aufgefordert 
worden)  und  war  zufrieden.  H.  hieruf  er  beschriben  nnd  dessen  znfrideu 
war,  daß  — 18.  St.  T.  rechte,  H.  rechtes  herkommen.  19.  20.  dargegen  sy  — 
zugfaren;  so  allein  T.,  alle  übrigen:  dargegen  so  — zufaren,  wodurch  der 
anakoluihische  Satz  noch  verwirrter  wird;  der  Nachsatz  sollte  lauten : so 
fröuwte  in  doch  das  ser,  daß.  27.  H.  daß  sy  hierum  an  keinem  ort  bey 
ihren  eiden  erkennet  hätten  (d.  : daß  sie  in  Betreff  dieses  Handels  tn 

keinem  Puidtte  bei  Eiden  einen  Entscheid  gefasst  hätten);  noch  — den 


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26  I)  5.  Gerichtsverhandlung  in  Worb.  Der  Freiweibel  appellirt. 

[/470]  bruch  den  stab  in  die  band  genommen.  Harumb  der  fryweibel 
geirret,  das  einiche  urteil  harumb  ergangen  wäre.  So  wäre 
er  und  ouch  der  frjweibel  nit  betragen  worden,  wie  aber 
miner  herren  gschrift  gan  Worb  wyse,  beschechen  sölt;  denn 
der  fryweibel  vor  dem  grossen  rat  (als  er  aber  wanndt)  nit  * 
erschinnen,  und  wäre  ouch  nit  gefragt  noch  zügemütet,  sich 
gegen  dem  fryweibel  zü  vernügen , als  er  noch  nit  vemügt 
were;  und  vertruwete  hiemit,  min  herren  hettend  im  für  sin 
versprochen  rächt  und  ouch  verbürget  recht  nützit  zü  ver- 
sperren. Denn  wenn  sy  das  tetend,  so  könte  er  nit  fürkon, u> 
denn  das  er  Gott  und  der  weit  sömlichs  müßte  klagen,  das 
man  gewaltigklich  wölte  sin  alt  harkommen  und  recht  be- 
schwechen.  Uff  sömlichs  ward  aber  nach  grossem  span  kum 
darzü  bracht,  domit  sich  herr  Niclaus  nit  gwalts  möcht  er- 
klagen,  das  der  fryweibel  sölte  zü  Worb  antworten,  und  u 
welicher  teil  beschwert,  der  möcht,  wie  gebürlich,  appellieren. 
Uff  den  tag  seit  Peter  Kistler  den  geschlechten,  dise  Sachen 
wÖltind  sy  noch  vil  .antreffen,  und  das  von  wegen  irer 
herrschaften ; warumb  sy  nit  abträtind,  »wenn  gegen  herr 
Niclausen  wurde  gehandlet?  *> 

[5.]  Und  als  der  fryweibel  ist  angelanget,  das  er  habe 

(Bl.  5)  fürnemlich  ein  hoch  verbott  in  der  herrschaft  Worb  on  em- 
pfelch  des  herren  öffentlich  in  einer  anderen  herrschaft  namen 
lassen  vor  einer  grossen  menge  ußrüfen,  und  also  dieselbe 
herrschaft  nit  hette  höher  mögen  verletzen  : dargegen  der  fry- » 
weibel  darwandt:  er  hette  sölches  in  keiner  frömden  herr- 
schaft namen  tan,  sonders  in  miner  gnedigen  herren  namen,  so 
die  hohen  gricht  da  hettend,  und  von  wegen  derselben  wol  macht 
hettend,  herr  Niclaus  aber  das  verneint,  und  sich  das  durch 
brief  und  sigel,  ouch  lüt  erbot  zü  erzeigen,  ist  nachwerts  er-» 
kennt,  das  herr  Niclaus  durch  brief  und  sigel  und  ouch  lüt 
guügsam  hette  erzeigt,  das  dasselbig  verbot  niemants  an 

btab  in  die  hand  genommen , d.  i.  noch  sich  als  richterliches  Tribunal  con- 
stituirt  hätten.  S.  v.  Rodt  t.  der  Stelle.  Das  Erster  e war  nun  freilich  t» 
jener  Rathssitzung  geschehen,  aber  Hr.  Niclaus  hält  sich  an  den  Wortlaut 
des  ihm  svgeschickten  Schreibens,  wonach  die  Entscheidung  erst  noch  er- 
folgen sollte.  16.  St.  beschwürt  wäre  (dafür  unten;  Bich  beschwert  funde). 


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I,  6.  Gerichtsverhandlung  in  Worb.  Der  Freiweibel  appellirt  27 


den  orten  züstönde  ußzerfifen,  denn  einem  herren  zö  Worb,  [ifio] 
noch  von  alter  har  von  niemants  anders  nie  geschehen  were: 
harumb  so  hette  der  fryweibel  ein  herrschaft  da  uff  das 
höchst  verletzt,  ward  uff  herr  Niclausen  anvorderong  umb 
* 100  & strafbar  erkennt.  Diser  urteil  begert  der  fryweibel  für 
min  gnedigen  herren  ein  appellatz.  Darwider  vermeint  herr 
Niclaus,  nein!  dann  von  alter  har  were  wyter  nit,  dann  von 
einem  gricht  für  den  herren  geappellieret;  und  obschon  das 
were  iren  etlichen  by  etlichen  jaren  nachglassen , so  wir  es 
«darumb  noch  nit  in  gemeinem  bruch  oder  recht  kon,  das 
, darum  sömlichs  mengklicher  sölte  tön.  Hinwiderum  er  ein  be- 
kantnus  darwant,  so  im  von  minen  gnedigen  herren  verlanget 
so  inhielt:  das  ietwederer  teil,  so  sich  beschwert  funde, 
die  urteil  wol  möcht,  wie  gebürlich,  appellieren.  Harwider 
15  herr  Niclaus  vermeint,  der  fryweibel  hette  nit  sin  eigne  sach, 
sonder  ouch  unser  gnedigen  herren  sach,  gehandlet,  wie  er  das 
in  irem  namen  glimpf  [undj  füg  hette  ghan,  so  hetten  ouch 
dieselben  anfangs  an  das  gricht  geschriben  , das  diser 
handel  ir  gnad  antreffen  wurde:  so  nun  der  fryweibel,  ja 
*°  ouch  min  gnedigen  herren,  das  nit  verneinen  könnind,  truwe  er 
nit,  das  für  die  sicher  söllte  geappellieret  werden.  Wurde 
ouch  dahin  kein  gebürliche  appellatz  niemer  gsin,  wie  aber 
das  des  fry weibeis  bekanntnus  inhielte,  so  nit  vergeben 
anzeigte : ein  „gebürliche“  appellation.  So  were  im  ganzen  Römi- 
K sehen  rych,  und  by  dem  keiser  selbs,  noch  in  keinem  Christen- 
lichen  rych  der  bruch  oder  recht,  das  einer  in  siner  eignen  sach 
richter  were : er  erkannte  ouch  unser  gnedigen  herren  der  wyß- 
heit  sin,  das  sy  söliches  ouch  nit  begertend,  oder  fümemmindt; 
hettind  darum  nit  vergebens  den  zösatz  einer  „gebürlichen“ 
x>  appellation  darzö  tan.  Ward  also  uff  herr  Niclausen  rechtsatz 
erkennt,  das  in  diser  sach  der  fryweibel  kein  appellation 
sölte  haben  ftir  unser  gnedigen  herren : dann  so  sy  söcher  werend, 
möchte  es  kein  gebürliche  appellation  sin.  Diser  urteil  begert 


8.  St.  T.  an  den  herrn.  11.  G.  St.  solches  ein  jeder  sölte  th.  12.  ver- 
langet in  dem  Sinne  von:  verabreicht , G.  so  zuvor  m.  g.  h.  verlanget. 
17.  T.  G.  St.  und  fug. 


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28  Vor  Bäth  und  Burger.  Hr.  v.  Diesbach  und  Venner  Kistler. 


[/470]  der  fryweibel  ein  urkundt,  und  als  der  fryweibel  mit  disem 
urkund  vor  rat  erschein,  ist  von  etlichen  wild  getoubet,  und 
hiemit  herr  Niclausen  und  dem  fryweibel  einen  gschrift- 
lichen  tag  für  rät  und  burger  verkündet.  Peter  Kistler  hat 
min  herr  schultheissen,  ouch  min  und  minen  herren  schult-  s 
heissen  von  Ringgeldingen  geschmutzt:  das  in  des  frywei- 
bels  bekanntnus  vergriffen,  das  er  möchte  appellieren,  „wie 
gebürlich“.  Das  hette  er  geraten  und  ouch  die  volg  was. 
Vermeint,  es  wurdint  vil  list  gebracht  herr  Niclausen  für  zii 
halten,  wurde  aber  in  die  harr  wenig  bringen.  » 

[6.]  Und  als  herr  Niclaus  uff  gesatzten  tag  vor  rat  und 
den  200  erschinnen  und  des  fryweibels  bekanntnus  von  minen 
(Bl.  6)  herren  des  rechtens,  und  des  urkund  von  dem  gricht  von  Worb 
geläsen,  und  aber  Peter  Kistler  den  venner  dücht,  min  her 
schultheis  hette  mit  herr  Niclausen  nit  wie  gebürlich  oder u 
rdß  gnüg  gredt,  und  hat  er  die  red  genommen,  und  herr 
Niclausen  gefragt:  warumb  er  die  appellation  dem  fryweibel 
für  min  gnedigen  herren  nit  hette  wöllen  lassen  ervolgen,  so  aber 
miner  herren  meinung  gsin  ? Daruf  herr  Niclaus : das  hette  er 
wol  im  urkund  verstanden,  das  es  aber  miner  herren  meinung  so 
gsin,  könne  er  nit  glouben.  Kistler:  warumb?  Niclaus:  da- 
rumb,  das  sy  im  handel  sächer  wärind.  Kistler:  ob  er  min 
gnedigen  herren  für  sächer  hielte?  Niclaus:  ja.  Kistler:  wa- 
rumb? Niclaus:  dasir  gnad  anfängklich  das  an  das  gricht  gan 
Worb  gesehriben,  diser  handel  wöllte  sy  antreffen,  und  harumb 15 
heissen  ufhalten  den  zii  betragen;  und  hottend  ouch  ir  gnaden 
darnach  geantwortet,  das  inen  von  iren  hohen  grichten  wegen  in 


3.  ff.  St.  ein  gschrifftlicher.  5.  St.  Hr.  Schulth.  von  Scharnachthai, 
onch  mich,  Thüring  Fricker,  den  stattschryber.  7.  T.  ff.  St.  begriffen. 
8.  U.  das  hätte  er  nicht  geraten,  sey  onch  die  folge  nicht  gsin  (die  übrigen 
Handschr.,  Kelche  die  Negation  nicht  lesen,  setzen  nicht  den  P.  Kistler, 
sondern  den  Schultheissen  als  Subject  voraus ).  11.  uff  gesatzten  tag  — bei 
diesen  Worten  bricht  die  Handschrift  H.  ab.  12.  13.  Bl.  T.  von  minen  hh. 
des  raths  und  das  urk.  — beides  verlangt  der  Zusammenhang,  wiewol 
H.  I,  40  erst  des  rats  geschrieben,  dies  aber  durchstrichen  und  dafür  des 
rächtens  geschrieben  hat.  Derselbe  Schreibfehler  kommt  unten  noch  einmal 
vor.  16.  St-  also  hat  er  d.  r.  g. 


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I,  6.  Vor  Räth  nnd  Borger.  Br.  v.  Diesbach  nnd  Vetmer  Kittier.  29 

siner  herrschaflt  wol  gebürte,  sömliche  verbott  ze  tön,  ouch  die  [WO] 
fridenbrüch  und  die  straff  der  übertrüttungen  ynzüziehen,  und 
nit  im,  nach  inhalt  einer  Ordnung  von  inen  darumb  ußgegangen. 

So  hette  zületst  der  fryweibel  am  rechten  miner  lierren  recht 
5 wider  in  mer  dann  sinen  fäler  vertädiget.  Kistler:  nun  erkann- 
ten min  gnedigen  herren  kein  oberkeit  uff  ertrich,  dann  einen 
Römischen  könig  oder  keiser;  wohin  er  denn  wölte  appellieren? 
er  hette  da  nüt  wider  die  appellation  gredt,  do  min  herren  die  ret 
hettendt  erkennt.  Niclaus:  ja, wider  ein  gebürliche.  Kistler: 

10  die  wörtli  werend  fündli,  werend  ouch  wol  rermitten  bliben  zö 
schryben , wie  ouch  etliche  wort  im  briefgan  Worb;  und  wa- 
rumb  es  aber  für  min  gnedigen  herren  nit  söllte  ein  gebürliche 
appellation  sin?  Niclaus:  das  hette  er  hievor  ouch  in  des 
fry weibeis  urkundt  wol  mögen  verstan;  er  achtete  ouch,  das 
is  da  miner  herren  keiner  gegenwürtig  were,  so  da  wurde  in 
siner  conscienz  bekennen,  das  min  gnedigen  herren  als  sicher 
ouch  richter  möchtind  sin,  es  were  eben  denn  Peter  Kistler, 
der  v&nner.  Peter  Kistler:  so  nun  min  herren  kein  ober- 
keit erkanntind,  wohin  er  denn  mit  siner  gebürlichea  appel- 
*»  lation  wölte?  Niclaus:  er,  der  venner,  hette  doch  vorhin gseit, 
ein  Römischer  könig  oder  keiser  were  ir  oberer?  Kistler:  so 
vermeinte  er  hiemit,  das  für  den  keiser  dise  appellation  sollte 
kommen?  so  wurde  der  keiser  vil  z’schaffen  gwinnen.  Niclaus: 
es  mag  mengklicher,  so  under  dem  Römischen  rych  sitzt,  es 
*5sigend  fürsten-,  herren-,  stett-undertanen,  oder  deß  keisers 
und  königs  selber,  wider  den  keiser  und  könig  und  ire  her- 
ren zfi  recht  kommen ; desglychen  die  fürsten  und  stett  ouch 
wider  den  keiser,  so  sy’s  bedörfend,  und  were  ouch  kein 
tag,  denn  das  der  keiser  oder  könig  an  keiserlichem  gricht 
so  vil  rcchtshendel  verlurind , wie  das  min  herren  zügegen  wol 
wüssindt;  deßglychen  were  by  unseren  nachpuren,  den  Wel- 
schen ; da  verlure  der  herzog  von  Burgundt  gegen  sinen  under- 


8.  St  H.  doch  nüt.  9.  O.  St  die  red  (reed) ; H.  die  räth  sie  hätten 
erk.  Bl.  die  räth  die  h.  e.  (was  richtig  scheint).  25.  II.  unrichtig:  stadt, 
nnderthanen  und  wider  ire  herren;  der  Sinn  ist:  Unterthanen  von  Fürs- 
ten, Herren  und  Städten,  oder  üntertlumen  des  Kaisers  oder  Königs  seihst. 


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30  1)  6-  Vor  Rath  und  Bargor.  Hr.  v.  Dietboch  und  Venn  er  Kiitlor. 

[WO]  tanen , edlen  und  unedlen,  alle  tag  rechtshendel  in  allen 
dryen  ballivaten  der  graffschaft  Burgundt,  und  möchtend 
dennocht  wyter  von  dannen  appellieren  gan  Dischion  in  sin 
pariament,  und  die  so  im  herzogtumb  sessend,  von  Dischion 
gan  Parys  wider  den  herzogen : deßglychen  were  durch  alles  s 
fürstentumb  Saffoy  hiedieset  und  jänsit  dem  gebirg;  da  ap- 
pellierend die  undertanen,  so  sy  des  bedürfend,  wider  iren 
heiTen  gan  Milden,  gan  Kamerach,  gan  Turyn:  deßglychen 
der  könig  uß  Frankrych  were  im  rechten  sinem  pariament 
gegen  den  sinen  gehorsam  und  underworfen,  der  doch  keinen  w 
oberen  erkannte;  und  under  im  werend  grosse  fürsten,  wel- 

(B1.7)  eher  undertanen  all  möchtend  gegen  iren  herren  zü  recht 
kommen  im  pariament;  und  der  h.  vatter,  der  bapst,  so  ein 
haupt  der  Christenheit  were,  beschäme  sich  nit  y uz ülassen 
in  der  rotten  und  kümmeren  gegen  sinen  undertanen  recht  u 
umb  recht  zü  geben.  So  könne  herr  Cünradt  von  Schar- 
nathal  wol  anzeigen,  wie  und  in  was  form  in  den  könig- 
rychen  Engellandt,  Schotten,  Dennmark,  Polen,  Hungeren  und 
Böhem,  welchen  königen  allen  er  dienet,  die  undertanen,  arm 
und  rych,  gegen  iren  herren  zü  einem  zimlichen  rechten  so 
mögend  kommen.  Harumb  min  herren  sich  nit  dörfend  z’schd- 
men,  das  sy  geordnet,  welcher  sin  bedürfe,  das  der  zü  einer 
gebürlichen  appellation kommen  möge.  Kistler:  so  wölte  er 
hiemit  beschliessen,  das  die  appellatz  für  den  keiser  ghorte? 
Niclaus:  ja.  so  doch  er  der  venner  selber  bekannte,  das  miner  % 
gnedigen  herren  haupt  ein  keiser  oder  könig  were,  sy  wöltind 
dann  in  irer  statt  oder  lantschaft  ein  zimlich  unpartigisch 
gricht  ordnen  zü  sömlichen  fälen,  wie  sich  deß  die  Venedi- 
ger bruchtind,  die  ouch  kein  oberen  erkantind;  da  möchte 
man  die  richter  der  eiden  erlassen,  so  sy  iren  oberen  schul-  x 
dig,  und  sy  mit  eiden  binden,  gricht  und  recht  zü  sprechen; 
welche  wyß  vor  zyten  von  minen  herren  gegen  etlichen  der 
iren  gebracht,  als  man  wol  wurde  finden  durch  brief,  wenn 
min  herren  wöltend.  Kistler:  er  hette  es  nie  ghört,  noch  gseen 
vil  minder,  das  uß  disem  landt  ye  für  den  keiser  oder  könig  m 
were  geappelliert  worden.  Niclaus:  es  were  war,  das  es 
vast  selten  beschehen  were;  das  hette  geschafft,  das  bißhar  so 


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1,  7.  Vortrag  d«  Herrn  tob  Dieabeoh. 


31 


ein  lydenliche  und  verstindtliehe  oberkeit  were  gewesen,  so  f /47ö] 
den  iren  nüt  unbillichs  hette  zügemütet,  aber  vil  mer  die- 
selben und  ir  recht  geschützt  und  geschirmbt.  Wenn  aber 
Kistler  wölte  sagen,  das  es  nie  gscheen  were,  so  erzeigte 
«er  wol,  das  er  umb  der  statt  Sachen  nit  vil  wüßte,  oder 
dieselben  im  nit  hart  anlegen,  so  aber  einem  venner  wol 
gebürt.  Ob  er  nit  wüßte,  das  min  herren  vor  jaren  hettend 
dem  herzogen  von  Oesterrych  an  deß  rychs  gricht  geantwor- 
tet, und  der  von  Ringgeldingen  silig  mit  arbeit  und  grossem 
io  costen  vor  dem  rych  in  miner  herren  namen  in  der  Bach  glimpf 
hette  gwunnen?  Deßglychen  hettend  ouch  daselbs  min  herren 
müssen  antwort  geben  jungkher  Smoßmus  von  Arburg  iren 
burge ren  durch  herr  Heinrich  von  Bübenberg  eiligen,  wiewol 
er  sin  vetter  were,  und  gwunn  ouch  recht,  welcher  handel 
is  nit  kleine  ursach  geben,  das  nachwerts  das  herrlich  schloß 
und  herrschaft  in  miner  herren  handen  gar  kommen  sige. 
Wyter,  so  wüsse  man  wol,  als  min  herren  söltend  antwort 
gen  gegen  iren  bürgeren,  denen  von  Brandis  und  von  Baldegk, 
und  ires  rechtens  entsassend,  sich  vorhin  mit  im  vertrügend 
» in  der  früntligkeit ; und  in  kurzen  jaren,  als  sich  span  hend 
zwüschen  minen  gnedigen  herren  und  den  iren  von  Burgdorf 
erhept,  und  dieselben  ouch  sich  nit  mochtendt  vemügen  miner 
herren  Ordnung,  und  des  rechtens  begertend,  ist  inen  ein 
zimlich,  unpartygisch  recht  verordnet.  Doch  ob  es  darzü  kirne, 

» beducht  min  gnedigen  herren  nützlicher  und  erlicher  were,  die 
sach  vorhin  betragen  wurde,  als  sy  ouch  ward.  Das  wüßte 
mengklicher  wol,  und  habe  nie  ghürt,  das  es  ye  von  iemants 
in  zorn  ufgenommen  sige. 

[7.]  Und  als  herr  Niclaus  mit  disen  reden  Kistleren  ge- 
so schweigt  und  abgetriben,  do  hat  er  minen  herren  anzeigt,  das  er 
dise  verlüffne  Sachen  inen  nit  habe  anzeigt  und  erifret,  das  er 
lust  habe,  mit  ir  gnaden  zü  rechtigen  vor  des  rychs  gericht  oder 

12.  Bl.  H.  Schmoßmns  — allein  Smoßmos  ist  wahrscheinlich  Zosi- 
mus.  Die  Person  und  das  Factum,  auf  welches  hier  angespielt  wird,  sind 
gleich  unbekannt.  G.  St.  B.  irem  b arger.  19.  H.  sich  — entsaasend  (d.  i.  tun 
ihr  Hecht  besorgt  waren),  G.  St.  H.  mit  inen.  81.  H.  eröffnet  (falsch; 
eräfren  ist:  m Erinnerung  bringen). 


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32 


I,  ?.  Vortrag  das  Herrn  von  Diasbach. 


[1470]  anderstwo.  Er  verhoffe  ouch  nit,  das  es  notwendig  wurde  sin, 
(BL  8)  gige  aber  verursachet  also  lang  darvon  red  zfi  halten , umb 
das  er  des  vom  venner  Kistler  ers ficht  worden,  so  in  by  iren 
gnaden  gern  verunglimpfete,  und  obwol  durch  etlicher  ver- 
unglimpfen eben  schnell  und  unerturet  vormals  hie  werendt  s 
von  deß  unfridens  verbot  und  fridbriichen  geratschlaget  und 
geantwortet.  Und  als  herfllraogen  wurde,  das  er  durch  sin 
brief  noch  nie  erzeigt,  ir  gnaden,  so  das  blfit  oder  die  hohen 
gricht  zfi  Worb  hettend,  nit  als  wol,  als  im,  gebürte,  sölche 
verbott  zfi  tön , deßglychen  das  er  die  straffen  der  gebotten,  io 
so  eine  hohe  herrschaft  liesse  ußgan,  sölte  ynzüchen,  were 
war.  Dann  die  alten  brief,  ouch  lüt,  nit  hettend  mögen  wüssen, 
was  über  hundert  jar  nachwerts  wurde  gebotten  oder  verbot- 
ten.  Es  were  ouch  kein  sömlicher  brief  uff  erden ; dann  kein 
herr  noch  schryber  ußsinnen  wurdent  noch  möchtend,  wie  is 
die  weit  gsinnet  wurde  sin  z’regieren,  es  werend  denn  pro- 
pheten  oder  götter.  Sine  brief,  die  alten  und  jungen,  gebend 
all  zfi  alle  herrlichkeit  mit  vollkommner  herrschaft  über  lüt 
und  gfit,  nützit  ußgenommen.  So  hette  da  zfi  Worb  ein  herr- 
schaft von  Kyburg  nüt  anders  gehept , denn  die  mannschaft  so 
und  den  reißzug;  und  als  die  von  Kien  in  die  statt  zogen 
da  burger  und  rät  in  dem  rat  gesessen,  hand  sy  sich  der 
herrschaft  entzogen,  und  die  mannschaft  mit  dem  hochgricht 
übergeben : wie  ouch  deßglychen  umb  dieselbe  zyt  vil  andere 
herren  getan  hand  in  dem  landt  uff  allen  syten:  und  wyterw 
habend  sich  die  alten  herren  hie  in  die  herrschaft  Worb  ye 
zfi  gryffen,  nie  yngelassen,  dann  was  lang  hemachwerts 
minen  [herren]  zfi  götem,  es  sige  mit  ffiren  oder  tällufnem- 
men,  mit  deß  herren  gfiten  willen  zfigelassen,  und  fümem- 
lich  erstlich  wo  es  in  einer  vordren  von  Bürren  hend  kom-  so 
men  sye,  beschähen  sye;  als  zum  teil  etlich  die  alten  zügend, 


5.  St.  wäre.  23.  H.  da  burger  waren  und  in  dem  rath  sassen. 
27.  dann  — vorher  ist  kein  Punkt  tu  setzen;  denn  dann  ist  hier  nicht 
Causalpartikel,  sondern  s.  t>.  a.  ausgenommen,  und  das  folgende  was  hängt 
mit  „geschähen  syn“  tusammen.  28.  Bl.  minen  herren.  St.  ihnen  zu  gutem. 
80.  erstlich  wo  d.  i.  erst  dann  dis. 


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I,  7.  Vortrag  des  Herrn  von  Diesbach. 


33 


insonders  aber  herr  sekelmeister  Fränkli,  so  nun  by  60  jaren  [1470] 
da  gesessen,  ouch  Bendicht  TschachÜi,  wol  wüssend  und 
aller  weit  kund  were,  das  min  gnedigen  herren  in  derselben 
herrschaft  nie  underwunden  kein  bott  noch  verbott  zü  tün. 
s Deßglychen  er  und  andere  twingherren  in  possession  nun 
etwas  über  die  30  jar  sind,  die  fridbrüch  nach  der  Ordnung 
ynzezüchen  on  aUe  ynred  und  ansprach.  Da  wüßte  ir  gnad 
wol,  das  nach  irer  statt  Satzung  nnd  allen  iren  gerichten,  by 
röten  und  bürgeren,  uff  ein  söliche  possession  und  gewerde 
»o  klein  und  groß  Sachen,  wann  joch  glych  brief  und  sigel 
umb  das  widerspil  lige,  geurteilt  werde.  Nun  were  kuntlich, 
do  die  statt  Bern  were  ufkon,  das  die  herren  im  landt  allent- 
halben hinyngetan,  der  statt  mit  iren  undertanen  ein  träffen- 
liche  mannschatlt  gemachet,  sich  selber  getället,  und  ouch 
i5  ire  undertanen  zü  tAllen  nit  allein  nachgelassen,  sonder  ouch 
helfen  im  anfang  zwingen,  das  also  die  statt  mit  iren  lyben, 
lüten  und  gilt  zügenommen,  das  sy  darmit  die  gwaltigen 
umbligenden  fürsten,  herren  und  graffen  bezwungen  und  uß- 
kouft  habend;  des  er  truwe  umb  siner  vorderen  und  vor- 
2»  faren  verdienst  iezund  zü  gemessen,  das  im  uff  etlicher  an- 
tryben  in  sin  mütterlich  erb  nit  also  yntrag  bescheche; 
welches  so  joch  ir  gnad  beherten,  wurd  doch  sölches  einer 
statt  an  er  und  güt  nüt  mögen  bringen,  aber  im  ein  grossen 
unrat  und  verlurst  vonnöten  in  sine  herrschaft  mit  der  zyt 
25  machen  müßt.  Dann  so  von  zweien  herrschaf'ten  bott  und 
verbott  ußgiengendt,  wurde  es  wunderbarlich  zü  züchen  und  (Bl.  9) 
straffen  werden.  Dann  wann  die  bott  und  verbott  wider  ein- 
andren beschechend,  so  wüßte  der  ein  nit,  welicher  herrschaft 
gebot  er  halten,  der  ander,  er  lassen  sölte,  und  gebe  ein  wi- 
30  derwertigs  unghorsams  regiment,  das  kein  bestand  möchte 
haben;  söltend  dann  beid  herrschaften  alwegen  ein  gebott 
(wie  etlich  heiter  sagend)  lassen  ußgan,  und  iegkliche  die 
büssen  zü  irem  teil  ynziehen,  weiß  ich  nit,  öb  es  ouch  billich 


1.  v.  Bodt  corrigirt  gegen  alle  Handschriften  hier  und  unten  (8.41,  21) 
4Ü  jaren.  22.  so  joch  — beherten  d.  i.  wenn  sie  dies  auch  durchsetzen,  er- 
zwingen. 24.  H.  confusioa.  24.  St.  notwendiglich.  26.  H.  zu  züchten. 

Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  I.  t> 


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34  I,  8-  Zwischenvorfall  mit  dem  Stadtschreiber. 

[/■<70]  were  und  das  landtvolk  das  tragen  wurde,,  sunderlich  ein 
sinnliche  unghörte  niiwerung.  Wöllte  man  denn  sagen,  miner 
gnedigen  herren  gebott  sölte  vorgan,  als  [die]  die  hohen  gericht 
und  die  reiß  habend,  so  wurde  von  not  wegen  volgen  mit  der 
zyt  ganze  ußmischung  miner  und  aller  herrschaften,  so  in  5 
iren  gnaden  landtschaft  ligendt,  got  geb  was  man  mir  stets 
säge:  rja,  mir  werde  nüt  genommen,  min  gnedigen  herren  re- 
dint mir  nützit  in  mine  gebott,  lassind  mich  die  tün  in  miner 
herrschalt  und  ynzüchen  nach  minem  gevallen,  sy  wöllind  aber 
ouch  in  die  iren  kein  yntrag  lassen  tün.“  Hiemit  so  möchte  iu 
in  die  harr  von  minen  herren  so  vil  ußgan,  das  die  herren 
nit  wüßtend,  was  zü  gebieten  oder  zü  verbieten  were;  oder 
etwan  ein  klügling  oder  ein  venner  Bastler  uffstünde,  gebott 
oder  verbott  zü  erdenken,  so  mine  und  alle  abtätend.  So 
müßte  dann  miner  gnedigen  herren  bott  und  verbott  uff  die  is 
wyß  vorgan.  Ob  das  nit  dann  mit  listen  und  fynanzen  ein  bider- 
mann  umb  das  sin  were  bracht,  das  wölte  er  allen  frommen 
ßerneren  zü  urteilen  geben.  — Bat  abermalen  min  gnedigen 
herren,  den  handel  wol  zü  erwägen,  und  etlich  sich  nit 
lassind  verwirren,  uff  das  niemant  unrecht  bescheche,  wie  sw 
er  inen  als  sinen  vätteren  und  Schirmherren  wol  vertruwete. 
Trat  hiemit  ab  mit  sampt  siner  erlichen  fründtschaft. 

[8.]  Demnach  ist  min  herr  stattschryber  uffgstanden  und 
minen  gnedigen  herren  anzeigt:  der  venner  Kistler  habe  under 
anderen  Worten  gegen  herr  Niclausen  lassen  loufen,  als  an-  as 
zogen  were  die  bekanntnuß  rainer  gnedigen  herren  des  kleinen 
rats  dem  lryweibel  geben,  das  er  oder  herr  Niclaus  möchtind 
von  dem  gricht  von  Worb  ein  gebtlrliehe  appellation  haben,  wie 
die  zü  anfang  hüt  geläsen  were  vor  iren  gnaden : „das  es  wörtli 
und  fiindli  werend,  so  zü  schryben  wol  vermitten  bliben  we-  au 
rend,  wie  ouch  etliche  brief  gan  Worb  geschriben“;  hätte  ouch 
vil  noch  uff  die  wys  vergangner  tagen  im  kleinen  rat  ouch  ge- 
redt,  welche  red  im  all  untrüglich  werendt;  dann  min  gnedi- 
gen herren  möchtend  denken , ich  hielte  weder  eid  noch  er  an 


3.  G.  als  die  die,  St.  als  welche  die.  5.  G.  Bl.  Vermischung,  St.  uß- 
wüschung  (dürfte  richtig  sein). 


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I,  8.  Zwischen  Vorfall  mit  dem  Stadtgehreiber. 


35 


iren  gnaden,  sonderlich  diewyl  er  heiter  im  rechten  geredt  [wo] 
hette : „man  hielte  herr  Niclausen  vast  für,  wurde  aber  in  die 
harr  wenig  bschiessen;“  und  iez  aber  gredt:  „das  etliche 
wort  im  briet'  gan  Worb  ouch  wol  erspart  werendt.“  Uff  söm- 
* lieh  reden  wer  doch  wölte  gedenken,  denn  das  ich,  was 
mir  gfiele,  und  nit  das  so  gheissen  wurde,  schribe?  Harumb 
ich  in  gegenwärtigem  nit  mer  schryben  wurde;  doch  zü- 
vor  begerte  ich,  das  venner  Kistler  darzfi  gehalten  wurde, 
das  er  erlüterte,  was  in  der  missyf  gan  Worb  wol  under- 
io  lassen  were?  und  funde  sich  dann,  das  beide,  in  der  missyf 
und  bekantnus,  geschriben,  so  nit  abgeraten  were,  so  sultend 
min  gnedigen  berren  in  on  alle  gnad  als  einen  falsarium  straf- 
fen; so  aber  Kistler  mich  ungütlich  angetastet,  das  mir  ouch 
recht  gegen  in  ergange.  Dann  wo  das  nit,  so  geb  ich  min 
is  ampt  uff,  were  ouch  keines  willens  mer  zü  dienen.  Do  stünd  (B1.10) 
Kistler  ouch  uff  und  sprach:  ich  bedürfe  uß  disen  Ursachen 
minen  dienst  nit  uffzgeben;  er  hette  ouch  nienen  gredt,  das 
ich  unrecht  gschriben,  hette  aber  die  wort  gredt,  könnte 
sie  nit  lougnen,  und  von  der  statt  nutz  und  er  wegen  ouch 
üo  sines  ampts  und  eids  halben  müßte  er’s  noch  sagen , und 
wölte  mich  doch  nit  schmutzen  noch  hierinnen  zügeredl  han ; 
und  uff  das  ich  wüßte,  was  ine  in  der  missyf  gan  Worb 
trukt  heige,  das  were,  das  darin  stünde:  „das  die  sach 
min  herren  antreffe;“  uß  welichem  wort,  ouch  |das|  in  der 
25 bekanntnus  also  stünde:  „die  gebürliche  appellation“,  hette 
herrNiclaus  erfüntelet,  das  die  appellation  für  unser  gnedigen 
herren  abgestrickt  sye,  welches  zü  nachteil  diser  statt  nit  ein 
klein,  wie  ein  ieder  wol  hette  mögen  verstan  uß  hüttiger 
herr  Niclausen  red,  reichen  wurde.  Harum  güt  were  gsin, 
so  dise  wörtli  nie  geraten  noch  geschriben  werend  worden.  Das 
herr  Niclausen  etwas  fürgehalten  wurde,  bedüchte  in  und  an- 
der noch.  Uff  wen  er  das  gredt  hette,  möchte  er  wol  gemerkt 

2.  St.  die  hand  recht  für.  5.  St.  anders  gedenken  ( anders  ist  über 
der  Linie  beigefiigt).  10.  H.  lässt  beide  (allerdings  incorrekt  für : in  beiden) 
aus.  Das  Missis  ist  das  Schreiben  an  das  Gericht  su  Worb,  die  Be- 
kanntnus die  dem  Fheiweibel  in  Betreff  der  Appellation  zugestellte  Baths- 
erkenntniss.  24  St.  ouch  daß.  29.  St.  gereichen. 


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36 


I,  8.  Zwischenvorfall  mit  dem  Stadtechreiber. 


[1470]  han,  als  er  aber  uff  dem  tag  da  herr  Niclausen  ward  ver- 
gönnet wider  grossen  und  kleinen  ratsbeschluß  den  fryweibel 
züWorb  mit  recht  zil  fergen,  er  den  zwingherren  seit,  inen 
gebürte,  so  herrn  Niclausen  sach  gehandlet  wurde,  abzfiträtten ; 
truwte,  mich  sölte  gegen  im  vermögen  [vemügenj.  Daruf  5 
ich  sprach:  ich  were  noch  nit  vemügt,  dann  er  noch  alweg 
beharrete,  das  es  göt  were,  das  obgelütert  wort  nie  ge- 
schriben  werind,  dardurch  noch  alwegen  zwyfels  blib,  ge- 
schriben  were  so  aber  nit  geheissen.  Nun  wüsste  er  wol, 
so  ich  doch  zwungen  wurde  alles  zfi  offnen,  das  anfengklich  10 
geraten  wurde:  hette  Gfeller,  der  fryweibel,  gefräflet  und 
verwürkt  etwas  liinder  herr  Niclausen,  öb  er  joch  drysten 
fryweibel  were,  sölte  er  am  selbigen  ort  antworten  und  ab- 
legen.  Ist  es  an  einen  kon,  so  ichts  ouch  hie  gegenwürtigs 
ist,  so  in  disem  handel  von  im,  dem  venner,  nie  gestanden  15 
sye,  habe  den  ersten  rat  geben  uff  des  fry weibeis  begeren; 
dem  habe  er,  der  venner,  als  er  gefragt,  gevolget,  und  wel- 
cher hierwider  riet,  den  angerennt  mit  ruhen  worten,  als  ob 
man  der  statt  das  ir  hinwegk  geben  wölte;  sige  sidthar  ouch 
vom  selbigen  zangken  nit  vil  fridens  im  rat  gsin,  das,  wo  es  20 
sich  nit  endere,  nit  vast  gilt  würde  sin  minen  gnedigen  herren 
zfi  dienen.  Und  neme  mich  wunder,  so  im  dozmal  derselbig 
ratschlag  und  missyf  so  wol  gtiel,  das  er  sy  einzig  radte. 
Und  das  ob  gemelter  missyf  so  mechtig  gestritten  worden, 
habe  er  sy  nit  wollen  hinwegk  schicken,  min  herm  Schultheis  25 
hette  sy  dann,  e sy  besiglet  wurde,  gelüsen,  öb  sy  wie 
das  mer,  das  vast  klein  was,  geschriben  were;  der  mir 
entboten,  sy  sige  gschriben  wie  das  mer  geben  habe.  So 
wüsse  er  venner  als  geraten,  wo  man  herr  Niclausen  sölte 
sine  gricht  und  recht  abstriken,  sonderlich  so  dasselb  gelobt,  au 
versprochen  und  verbürget  were,  das  herr  Niclaus  sich  deß 
wurde  erklagen,  ouch  dem  fryweibel  vil  nutzer,  es  wurde 
mit  recht  ußgemacht,  so  man  im  ein  gebürliche  appellation 


6.  St.  G.  Bl.  vernügen  (richtig).  8.  St.  H.  etwas  zwyfels  blib,  als 
ob  geschr.  w.  12.  St.  drnmohl.  14.  St.  ß.  Bl.  ietz.  18.  St.  augerentzt 
(richtig).  24.  St.  obgemelter  missiv  wegen.  32.  St.  nützer  wäre. 


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I,  9.  Die  Twingherren  geoöthigt,  den  Austritt  zu  nehmen.  37 

vorbehielte.  Als  nun  lang  gezangket  worden  in  den  räten  [/470] 
und  ein  ieder  sinen  bscheidt  hat  geben,  were  er,  der  venner 
Kistler,  mit  etlichen  zü  derselben  meinung  gevallen  und  das 
mer  worden.  Iezunder  schelte  er  dasselbig.  Und  begert,  min 
s gnedigen  herren  die  burger  wöllind  sich  an  minem  herr 
schultheissen  und  rat  erkunden  der  warheit.  Und  darmit  trat 
ich  hinab  und  wolt  zür  tür  uß ; do  hieß  mich  Kistler  still  stan 
und  sprach:  es  bedörfte  sich  keines  erkundens;  er  were  mir  (Bl. 11) 
anred,  das  es  alles  also  ergangen  were,  und  hette  erstlich 
io  die  missyfen  also  helfen  raten , nit  vilicht  noch  anderst  be- 
sinnt, das  sich  hernach  in  disen  worten  einer  statt  schaden 
gölte  bringen.  Deßglychen  were  er  hernach  zü  denen  ouch 
gevallen,  die  iedem  ein  gebtirliche  appellation  vorbhieltend, 
der  meinung,  das  die  ein  gebürliche  appellation  were  so 
ts  für  ein  statt  von  Bern  käme.  So  hette  dem  züwider  hüt  lang 
herr  Niclaus  von  Dießbach  gearguiert,  oder,  wie  er  gesagt, 
finanziert.  Uß  denen  Ursachen  vermeinte  er,  das  der  statt 
weger  gsin,  das  dise  brief  mit  einandren  weder  geraten 
noch  gschriben  werend  worden,  und  gebe  sich  selber  mer 
so  schuldig,  der  es  hette  helfen  raten  und  zü  schryben  be- 
volchen.  Und  nun  ganz  und  gar  truwte,  ich  möchte  uff  sin 
erliiterung  nun  wol  rüwig  sin.  Als  ich  hinus  gieng,  ist  Kistler 
ouch  kon,  und  sind  wider  hinyn  bröft  worden;  hat  mir  min 
herr  schultheis  gseit,  min  herren  groß  und  klein  rät  sigind  mit 
äs  mir  wol  zfriden,  und  sich  erkundet,  es  also  wie  ich  geredt 
ergangen  were,  und  das  ich  recht  bede,  missyfen  und  be- 
kantnus,  gevertiget,  wie  dann  Kistler  selbs  ouch  bekennet. 
Harumb  ich  sölle  und  möge  rüwig  fürhin  wie  bißhar  wol 
dienen.  Und  ist  dem  venner  Kistler  gesagt,  so  er  fiirohin 
»etwas  wölle  tadeln,  das  er  es  klarlicher  dann  hüt  fürbringe, 
domit  weder  ich  noch  andere  miner  herren  diener  nit  beun- 
rüwiget  werdint,  wie  hüt  beschechen. 

[9.]  Und  als  min  herr  schultheis  herr  Adrian  von  Büben- 
berg  anfraget  umb  herr  Niclausen  sach  zü  raten,  ist  venner 


10.  St.  nit  viU.  nit  anderst  (Der  concite  Ausdruck  im  Text  wohl  so  aufni- 
lösen : wobei  fraglich  bleibt,  ob  ich  mich  nicht  noch  anders  besonnen  hätte,  dass. . 


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38  l>  9.  Die  Twingherren  genöthigt,  den  Austritt  zu  nehmen. 

[1470]  Kistler  ufgestanden,  hat  heissen  still  halten  und  gesagt:  wie 
er  (villicht  aber  schnell  gnüg)  von  der  statt  nutz  und  er,  ouch 
frid  und  rüwen  wegen  und  umb  das  in  conscienz  und  eidt 
dahin  trunge,  und  keines  hasses  und  nyds  wegen  als  aber 
ime  zügemessen  werde,  deß  er  sich  by  Gott  züget,  hettend  s 
[hätte]  gesagt  vor  etlichen  tagen,  das  minen  herren  so  twing 
und  bann  hetten  gebürte  abzüträtten,  hettend  sich  etlich  miner 
herren  erinneret,  so  nechten  und  hüt  morgens  sampt  einer 
grossen  zal  miner  herren  des  grossen  rats  in  und  den  ande- 
ren venner,  sinen  gesellen,  by  iren  eiden  gemant,  uff  hüt  in 
und  andre  mal,  ob  wyter  in  herr  Niclausen  Sachen  so  da 
möchten  umb  twing  und  bann  und  des  anhang,  wie  diser 
handel,  anträffen,  obgemelte  mine  herren  und  ire  früntschaft 
heissen  abtrdtten.  Und  wie  ernstlich  in  des  zu  erlassen  sy 
gebetten,  aber  nit  hettend  wollen  erlassen,  könne  er  nit  für-  is 
kon,  sinem  eide  genüg  ze  tün,  denn  daß  er  müsse  herr  schult- 
heissen  und  all  obgemelt  mit  iren  verwanten  heissen  ab- 
trätten.  Uff  das  stünd  min  herr  Schultheis  uff,  ouch  alle  andere 
antwortend:  so  herr  Niclaus  inen  gesipt  were,  oder  sy  von 
miner  herren  amptlüten  angetastet  werendt,  wie  herr  Niclaus  » 
oder  etlicher  under  inen,  so  were  derselbig  mit  siner  frünt- 
schaft,  wie  ouch  herr  Niclaus,  abgeträtten : so  aber  das  nit, 
werend  sy  still  gsessen,  wie  das  iewelten  der  alt  bruch 

(B1.12)  gsin ; hättend  ouch  hierin , als  sy  truwten , nüt  geraten  noch 
gehandlet,  denn  das  sy  ir  conscienz  und  ir  eidt  so  sy  der  a 
statt  schuldig  gewäsen  geheissen  hette,  und,  da  Got  wölte, 
hierin  und  anderem  fürbas  tün  wöltend.  Sy  köntend  ouch 
niemants  für  partygisch  halten,  so  der  handel  sy  nit  in  gmein, 
sonders  allein  ein  einige  person,  herr  Niclausen  von  Dießbach, 
antreffe.  Und  als  sy  sich  wider  nidersatztend , hieß  sy  der  ao 
venner  abträtten,  so  wurdent  sich  mine  herren  rät  und  burger 

5. 6.  St.  man  hätte  gesagt  (die  Verwirrung  in  dem  Satze  wird  durch  dies 
beigefügte  man  nicht  gehoben;  schreibt  man  aber  batte,  statt  hättend,  so 
hängt  die  Construetion  so  zusammen:  wie  er  (vielleicht  wieder  einmal  zu 
vorschnell)  vor  etlichen  Tagen  gesagt  hätte,  dass  m.  h.  — abzutreten  ge- 
bürte, so  hätten  sich  — erinnert,  so  ( welche)  ihn  und  seinen  Collegen  ge- 
mahnt u.  s.  w. 


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i,  10.  Vortrag  des  Seckeimeisters  Frankl i. 


39 


erkunden,  öb  sy  für  partygisch  geachtet  soltend  werden  oder  [WO] 
by  dem  handel  sitzen.  Do  Sengen  etlich  miner  herren  der 
burger  an  zi\  ruschen.  Also  stünd  min  herr  Schultheis  uff  und 
all  ander  mit  im  vom  kleinen  rat,  deren  all  12  ward,  und 
s vom  grossen  rat  ein  grosse  zal,  fürwar  der  bliim  und  zierd 
diser  statt,  und  giengend  hinus. 

|fO.J  Also  ward  Kistler,  der  metzger,  das  ich  vor  nie 
gsehen,  Statthalter  mines  herrn  schultheissen;  welcher  den 
anderen  venner  angefragt,  so  vor  dem  venner  Kistler  nit 
»raten  wolt.  Nach  langem  widrigen,  als  Kistler  vil  der  bür- 
geren triben  zü  raten,  hat  er  sinen  rat  geben:  das  er  by 
sinem  eidt  nit  anders  könne  erkennen,  denn  das  alle  so 
herrschaften,  twing  und  bann  hettend,  so  von  herr  Niclausen 
gegenwärtiger  sach  und  derglychen  Sachen  gehandlet  wurde, 
is  sampt  iren  verwanten  abträtten  söltend.  Kistleren  hat  dem  andern 
[der  andere]  venner  gevolget.  Do  ward  gefragt  der  seckelmeister 
Fränkli,  welicher  ein  trcffenliche  red  uff  dise  wyß  getan: 

„Das  er  wol  könnt  ermessen,  wo  ein  statt  von  Bern  zö  disem 
gegenwärtigen  handel  getrungen  wurde,  der  weder  by  sinem 
ao eidt  noch  conscienz  ir  er  noch  nutz  mögen  sin,  weliches  er 
ouch  uß  pflicht  sines  eids  nun  mermalen  im  kleinen  rat 
angezeigt,  so  könne  er  wol  ermessen,  das  herr  Niclausen 
handel  dise  treffenliche  menner,  so  man  hette  heissen  uß- 
stan,  antreffen  wurde,  und  partygisch,  als  man  spreche,  we- 
25  rind,  weliches  aber  ein  böser  nam,  und  in  einem  löblichen 
regiment  nüt  giftigere  ist;  und  so  er  vor  umb  dise  sach  diser 
groß  rat  versandet  gew'tsen  engegen  were  gewesen,  hette 
er  synen  flyß  ankert,  vor  dem  ungrymbten  und  unerfamen 
ratschlag  zü  syn,  ab  dem  sich  herr  Niclaus  bescheidenlich 
ao  und  billichen  klaget:  harumb  er  bätte,  öb  etwar  wurde  sagen, 
das  er  nit  umb  die  anfrag  riete  und  abschweifete,  mit  im 
gedult  zü  haben.  Dann  ftirwar  es  wölte  diser  handel  einer 

15. 16.  St.  der  andere  venner,  wie  es  nothwendig  heissen  muss  und  im 
Manuscr.  auch  wol  ursprünglich  hiess,  denn  dem  ist  aus  der  corrigirt  und 
in  „Kistleren“  die  Endung  durchgestrichen.  20.  St.  G.  möge.  26.  St.  streicht 
„er  vor“  aus  und  setzt  darüber:  hievor;  allein  vor  ist  hier  s.  v.  a.  bevor, 
ehe  als.  27.  G.  St.  entgegen  (d.  i.  zugegen)  wäre  gsin. 


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40 


1,  10.  Vortrag  des  Seckel  meistere  Fränkli. 


[id70]  statt  Bern  mer  zö  verderbnus  denn  zum  nutz  reichen,  wo 
dem  nit  geholfen  wurde,  das  sines  bedunkens  wol  besche- 
hen  möcht.  Aber  man  wurde  nit  müssen  in  einem  rat  zö  Bern 
recht  geben  was  der  nüwfuudig  oder  ufrürisch  fryweibel 
Gfeller  all  tag  fürbrechte,  und  sines  glychens  klug,  hoffertig,  5 
unwys,  jung  unerfaren  amptlüt;  weliches  vor  vil  jaren  ein 
wyser  rat  wol  ermessen,  da  nach  langem  kriegen,  so  der 
statt  und  burgerschaft  zil  vil  schwär,  mit  den  umbligen- 
den  fürsten,  so  ouch  arm  kriegt  warend,  vereinbart  sy  under- 
standen  ußzükoufen;  und  als  sy  neben  den  graffen  von  Ky-  io 
bürg  und  Arberg,  unser  vorderen,  amptlüt  satztend,  so  stets 
in  nüwe  zängk  kamend,  (vermeinet  ouch,  wie  iez,  der 
(Bl.  13)  statt  wol  huß  zö  han),  könnt  ein  wyser  rat  wol  erturen, 
das  ein  statt  und  burgerschaft  durch  röw  und  frid,  beson- 
ders gegen  denselben,  so  uff  denen  kein  grösser  roub  zö  er- i-> 
halten,  mer  zünam  dann  mit  zangken,  und  noch  vil  minder 
eren  zu  erjagen,  dann  sy  grech  warend;  sindt  sy  gezwungen, 
die  eitesten,  erfarnesten  und  wysesten,  deren  man  daby 
ummen  bedörfeu  hat,  mit  grossem  costeu  uß  dem  rat  zö 
amptlüten  an  die  ort  zil  setzen.  Also  sölte  fürwar  in  den  20 
landtgrichten  vil  mer  wargenommen  werden,  sömliche  fry- 
weibel  zö  setzen  sonderlich  so  alte  lüt  werendt  und  wüss- 
tend,  warin  und  an  was  orten  einer  statt  zü  han  und  lan 
were;  das  es  gar  ein  andere  wyß  hat,  mit  den  landtgrichten 
zö  handlen,  dann  mit  anderen  herrschaften,  so  ein  statt  Bern  s.» 
under  iren  hat,  weliche  under  sy  kon  sind  durch  tüwre 
köuf  oder,  durch  anreizung  und  Ursachen  der  fürsten,  mit 
kriegszügen.  Die  hand  und  besitzend  min  herren  mit  der  Ver- 
pflichtung, als  sy  iren  herren  schuldig  warend ; in  landtgrich- 
ten ist  es  das  widerspil;  die  sind  on  gelt  noch  schwert  an 
ein  statt  Bern  kon  , ußgnommen  wenig  so  min  herren  von 
etlichen  geschlechteren  erkouft,  so  noch  iez  in  die  statt  zö 
gricht  ghörend.  Ist  war,  das  sy  etlich  so  den  graffen  von 
Kyburg  verpflicht  oder  anhenig  überzogen  und  ire  burgstal 

8.  Bl.  za  schwer,  (za  vil , d.  i.  viel  tu  sehe.)  12.  O.  St.  vermeinetend 
(S.  Nachträge).  15.  Bl.  *n  erholen.  17.  Bl.  ye  gezw.  34. 0.  St  anhängig. 


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I,  10.  Vortrtg  dei  Seckelmeilten  Fr&nkli. 


41 


verbrönnt,  aber  nit  für  undertanen  genommen;  sonders  nach  [Mio] 
etlichen  jaren  darnach,  do  inen  disers  ufgende  regiment  het 
wol  gevallen,  sind  sy,  wie  ouch  die  anderen  all,  in  dise  statt 
gezogen,  zü  bürgeren  nit  allein  ufgenommen,  sonders  inen  das 
5 regiment,  ouch  alle  ämpter,  bevolen.  Also  handt  die  geschlecht 
so  vom  herzogen,  dem  Stifter,  uß  disen  landtgrichten  ge- 
nommen, denen  die  statt  zü  buwen  und  zü  regieren  bevolen, 
die  anderen  abwendig  von  den  grossen  graffen  gemacht  und 
in  die  statt  gelocket,  so  all  herrschaften  und  undertanen 
io  hattend ; ire  undertanen  als  sich  selbs  der  statt  pflichtig  ge- 
macht, etlieh  so  dem  graffen  von  Kyburg,  Nydouw,  Arberg 
und  Büchegk  durch  ire  lehen  und  sonst  undertenig,  etliche 
aber  so  frye  herren  warend  niemants  pflichtig,  etlieh  von  dem 
rych  belechnet,  vast  wenig  ußgenommen  so  verkouft  hand 
iä  und  uß  dem  land  zogen , all  mit  iren  undertanen  Berner 
worden.  Dahar  der  statt  dise  hüpsche  mannschaft  erwachsen, 
die  grossen  herren  aber  dardurch  zü  nüte  worden.  Dise  ge- 
schlecht hend  ouch  mit  iren  undertanen  hilf,  dann  die  statt- 
lüt  nit  alles  allein  getan  hend,  und  dise  statt  groß  ge- 
i»  macht.  Dann,  niemants  soll  an  mich  zürnen,  unseres  keines 
vorderen  findendt  wir  nit,  so  ich  hie  zügegen  gsich,  der  die 
männlichen  oder  frefnen  taten  volfürt  habe,  so  dise  statt  forcht- 
sam  und  achtbar  gemacht  habendt.  Lieben  herren,  so  wir  von 
frömden  herren  angesüchet  wurdent  oder  selbs  etwas  wider 
is  sy  anflengindt,  als  wir  nit  gern  lang  rüwig  sind,  wer  wurde 
under  uns  von  der  regierung  landt  und  lüten  wüssen  zü  re- 
gieren? Warlich  ich  köndts  nit,  hette  es  ouch  nit  vor  60  jaren, 
do  ich  zerst  in  dise  Stuben  bin  gangen,  do  ich’s  am  lyb  wol 
hette  vermögen,  können  verwalten,  gricht  und  recht  sprechen. 

Es  sind  hie  vil  kundiger  weidlicher  männeren,  aber  kriegslöuf, 

• landt  und  lüt  regieren,  weliches  warlich  mer  uff  im  hat  dann 
einer  in  der  yl  bedünken  kann , gsich  ich  under  uns  wenig  (BL14) 
oder  keinen.  Ich  erkenn  aber  etwan  mengen  tugenlichen 
zü  denen  dingen,  so  man  hüt  uß  diser  Stuben  heissen  ab- 
»trätten,  — Gott  wölle,  das  man  sy  als  mär  werde  haryn 


18.  St.  Bl.  irer,  lotsen  danti  aber  Z.  19  und  aut.  S.  Nachträge. 


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42 


1,  10.  Vortrag  dea  Seckeimeisters  i’ränkli. 


^470]  zwingen,  dann  harus ! Dann  under  irer  vorderen  und  irer  re- 
gierung  ist  der  stritt  herrligkeit  und  nutzung  ufgangen,  und 
ane  zwyfel,  diewyl  inen  das  vertruwet  wirt,  als  mär  ufgan 
wirt.  Dann  diser  statt,  als  ich  förcht,  mer  an  lllten  wirt  ge- 
prästen,  dann  herrligkeit  und  ynkommens.  Harumb  mines  s 
bedunkens  dise  herrliche,  wyse  und  tapfere  männer  mer 
würdent  in  diser  Stuben  zü  behalten,  dann  ußzütryben  sin; 
und  als  mich  wil  bedunken,  möcht  es  sich  lichtlich  schiken, 
das  wie  ire  vorderen  sich  mit  dem  iren  in  die  stat  getan 
also  dise  sich  widerumb  darvon  möchtend  tün;  und  obsunstio 
darus  nüt  anders  volgete,  dann  sömlicher  personen  verlurst, 
welcher  frommer  und  wyser  Berner  wölte  nit  bekennen , das 
dise  statt  lichtlicher  die  nutzlichesten  herrschaften  verlure, 
die  sy  in  iren  landen  het?  Were  das  wol  huß  ghan,  so  kan 
ich ’s  nit  verstan!  Und  dennoch  spricht  man:  „der  statt  nutz.“  ts 
Gebe  man  Gfeller  dem  fryweibel  recht  in  sinen  nüwerungen, 
Got  weißt,  was  nutzes  uß  disem  nüwen  handel  der  statt 
mag  entstan,  so  joch  die  statt  vil  rechts  darzft  hette.  Dann 
gwtlsz  so  möchtend  die  spänig  zwen  artikel  gegen  herr  Ni- 
clausen  in  100  jaren  nit  ertragen  den  schaden,  so  durch  ent-  so 
frömbdung  des  einzigen  herr  Niclausen  der  statt  möchte  kom- 
men, in  vil  wäg,  zü  lang  zü  erzellen.  Zü  dem  das  ir  uff  den 
hiitigen  tag  alle  herren  für  partygisch  erlüteren  wellend,  und 
wyter  erlüterend,  mit  inen  ouch,  wie  ir  mit  herr  Niclausen 
angefangen,  ze  machen.  Ist  das  nit  ein  unbsinnter  handel?» 
Wir  sind  aber  leider  der  mer  teil  jung  an  jaren,  und  ouch 
in  disem  regiment,  sunst  so  wüßtend  wir  wol,  das  wir  in 
den  landtgrichten  und  daran  wenig  hendt,  und  doch  alles  da 
hendt,  deßglychen  dieselbe  landtschaft  der  [stattj  herz  ist. 
Die  herren  derselben  landtschaft  hand  sich  selbs  und  ire  so 
undertanen  der  statt  geben,  ouch  iren  vil  ire  hochgricht; 
darumb  ist  das  der  statt  herz.  Und  warumb  hat  die  statt  wenig 
daran?  Das  es  alles  anders  den  herren  bliben  ist,  und  sy 


15.  St.  Bl.  es  sye  der  statt  nutz.  24.  St.  es  mit  inen.  29.  St.  das  hertz ; 
O.  der  statt  hertz  ist.  Wie  geht  das  zu?  Wie  vor  gesagt  iit,  die  herren 
etc.  33.  es  fehlt  in  <?. 


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I,  11.  Vortrag  de»  8eckel  meistere  Kränkli. 


43 


volle  herrschaft  handt,  dann  das,  so  sy  der  statt,  wie  ob 
gemelt,  vergönt  hend;  hend  doch  darby  der  statt  nie  ntlt 
verzigcn. 

[ 1 1 ] Und  obwol  ouch  vor  50  jaren  ein  span  sich  gegen  herr 
s Peteren  von  Krouchtal  erhüb  und  ouch  etlich  fllrnemmen  der 
statt  herrligkeit  über  der  herren  herrschaften  ze  strecken, 
das  man  meint,  mine  herren  niendert  kein  zerströuwetere 
regiment  oder  minder  ze  herrschen  hettend  denn  in  den 
landtgrichten ; und  als  man  fürgenommen,  denselben  handel 
io  zu  betädingen  und  miner  herren  anmütung  in  fünf  artikel 
oder  gebott,  so  man  noch  wol  finden  sol,  gestellet,  als  man 
sach,  das  sich  die  herren  und  geschlechter  widrigen,  und 
darvon  gestanden  (dann  min  herren  wol  könnend  erturen,  das 
sy  nit  möchtend  by  keinem  rechten  erhalten  an  iren  güten 
.s  willen),  sind  doch  vor  und  nachwörts  diser  statt  trüw  gsin, 
das  sy  von  inen  selbs  vil,  ja  vast  alles  so  da  begert  wardt,  (Bl-15) 
hend  nachgelassen,  und  etliche  stuck,  so  dazmal  nie  begert 
wurden! , als  die  appellatzen,  so  iez  vil  noch  haryn  gandt, 
deßglychen  der  bößpfenning,  so  nun  uff  iren  tabemen  und 
so  undertanen  man  ufnimpt,  so  vil  vast  all  der  statt  bewilliget, 
und  vor  30  jaren,  do  ich  an  das  ampt  kam,  man  allein  an 
denen  orten  ufnam,  da  ir  zü  gebieten  hand  und  so  in  die 
statt  zü  gricht  ghörendt,  und  uff  etlich  klosterlüten,  da  min 
herren  vermeintend,  inen  von  wegen  der  burgrechten  und 
*>  vogtyen  züstünde ; so  hand  sy  nie  verseit.  In  der  statt  nöten 


1.  G.  denn  so  si  die.  2.  ff.  hand  si  doch  darby  sich  des  übrigen 
nie  verzigen.  5.  G.  St.  fürnamend.  7.  St.  niemalen,  G lässt  das  Wort 
aus  und  schreibt:  zerströuwetes.  10.  G.  in  vielen  artikeln.  13.  G.  ward 
davon  gest.  ( Allein  der  Nachsatz  beginnt  erst  bei  den  Worten:  sind  doch 
diser  statt  trüw  gsin.  Die  unbeholfene  Periode  Frickarts  baut  sich  näm- 
lich folgendermassen  auf:  obwol  — sich  erhnb,  nnd  etlich  fürnamen  — nnd 
als  man  fürgenommen  — zu  betödigen  nnd  — gestellet,  als  man  sach  — 
und  darvon  gestanden  — sind  doch  trüw  gsin).  G.  St.  konntend.  14.  St. 
das  sy  es  nit.  G.  nit  möchten  by  fryem  rechten.  20.  G.  Bl.  so  vilnach 
(d.h.  beinahe)  all  (alle)  (vergl.  oben  vil,  ja  vast  alles).  22.  G.  ufnam,  die  ie  und 
ie  in  die  statt  zu  gericht  ghörend.  25.  G.  so  handt  si  nie  verseit,  in  der 
statt  nöten  sich  selber  lassen  fallen. 


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44  Ii  11.  Vortrag  de«  Seckeimeisters  Frankli. 

\1470]  hendt  8y  sich  selber  lassen  tflllen,  ouch  ire  herrschaften  da- 
rin lan  schetzen,  das  sy  nit  schuldig  werend  gsin,  und  minen 
herren  vergönnt  und  gholfen,  die  iren  zü  tällen;  und  wie  ich 
von  den  alten  ghört,  da  min  herren  die  erste  täll  in  den  landt- 
grichten  understündent,  so  vast  ein  sorgklichen  ufflouf  hat  5 
geben,  hend  sy  sich  gegen  iren  undertanen  in  grosse  gfar  und 
Unwillen  von  der  statt  wegen  begeben.  So  han  ich  nie  gest- 
ehen, das  sy  minen  herren,  so  man  fiirers  bedorft,  etwas 
verzigen,  denn  das  sy’s  uff  miner  herren  beger  alwegeniren 
hindersessen  gebotten  und  ouch  erstattet  ist  worden,  und  10 
sind  also  min  herren  mit  irem  güten  willen  noch  vil  in 
bruch  und  possession  kon,  so  sy  vor  jaren  begertend  und 
aber  nit  mochtend.  Nun  weiß  ich  by  minem  Gott  nit, 
was  inen  mer  mit  fügen  anzeinüten  were  gsin.  Und  iez- 
mal  von  Gottes  gnaden  in  güten  rüwen  sassendt,  so  stat  der  is 
jung  unerfaren  fryweibel  uff,  und  wil  sinen  ft ler  oder  frävel 
vertädigen,  das  er  der  straff  entrünne,  und  ist  der  erst,  der 
miner  herren  recht  uff  der  herren  herrschaften  kan  finden : das 
inen  als  wol  als  den  jänigen  gebüre,  spricht  er,  verbott  zü  tün 
von  iren  hohen  grichten  wegen,  wiewol  er  dasselbig  namset  den  » 
unfriden  uff  den  brutloufen  zü  verbieten.  Aber  ich  achten,  er 
sige  so  witzig,  wo  mine  herren  zü  einem  gebott  recht  hend 
zü  tün,  das  aber  bißhar  nie  gebrucht  ist,  könne  er  wol  darus 
schliessen,  das  sy  zü  anderen,  so  inen  gefellig  oder  zütragen 
möcht , ouch  füg  haben.  Wyter  hat  er  in  sinem  rechten « 
erfunden,  die  fridbrüch  sind  von  minen  herren  verordnet  zü 
straffen,  und  ist  ein  gebott  von  inen  ußgangen : harumb  so  sol 
herr  Niclaus  von  Diessbach  dieselben  straffen  nit  ynziehen. 
Uß  welichem,  wie  herr  Niclaus  hüt  anzeigt,  nothalben  müß 
volgen:  was  min  herren  ordnendt  oder  gebietend  und  verbie-  so 
tend,  und  hinder  den  herren  in  landtgrichten  verschuldt  wirt, 
stat  allein  minen  herren  ynzüziehen  und  denselbigen  nüt; 
hiemit  wirt  inen  alle  ir  herrlichkeit  und  oberkeit  by  den 


15.  von  Gottes  gnaden,  St.  ergänBt:  da  ifar  von  Gotte«  gnaden. 


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I,  H.  Vortrag  dea  Seckeimeuten  Fränkli.  ' 46 

iren  ufgehaben  und  genommen,  wie  sich  ouch  dessen  herr  V*?0] 
Niclaus  klagt,  und,  war  ist,  in  die  harr  beschehen  wurde. 

Und  so  fer  ieder  hie  also  gesinnet  wäre  (das  Gott  nit  wölle), 
so  wäre  minen  herren  vil  lydenlicher  gsin,  mit  herr  Niclau- 
s sen  allein  zü  handlen , denn  mit  der  grossen  zal  so  man  im 
hüt  hat  zügestelt,  und  hättend  by  langem  einen  nach  dem 
andren  abtriben.  Also  ist  es  herr  Niclausen  ein  güter  tag,  (Bl.16) 
das  ir  im  so  vil  güter  gesellen  wend  zügeben,  die  gwüß  im 
sin  recht,  und  ouch  das  ir,  wol  werdent  können  äferen.  Dann 
io  ich  die  liit  darfiir  angsich,  das  sy  so  wenig  als  ire  vätter  sich 
würdint  von  irem  rechten  tryben  lassen.  So  werdent  ir,  min 
herren,  nit  by  langem  inen  können  vor  syn,  Gott  gab  was  ir 
hier  ordnindt  und  beschliessindt , eines  zimlichen  rechtens; 
dann  wir  uns  ire  secher  machendt  und  in  unser  sach  urteil 
15  sprechendt,  uff  die  sy  sich  nit  werdent  begeben.  Wir  können 
ouch  nit  wol  sagen:  der  fryweibel  der  ist  sicher:  dann  die 
kind  unseren  lachen  wurdint.  Und  so  das  beschicht,  warmit 
wöllendt  wir  unser  ftimemmen  erzeigen?  Fürwar  weder  mit 
brief  noch  sigel;  dann  ir  nit  könnend  umb  das,  so  sy  üch 
ao  gegeben  und  gichtig  und  [ir]  in  possess  sind,  erzeigen,  das 
weiß  ich.  Was  wirt  denn  uß  dem,  darum b wir  iez  in  Spä- 
nen sind,  werden?  Das  sy  in  possess  und  gewerd  sind,  und 
umb  volle  herrschaft  ire  brief  und  sigel  wüssendt,  wie  ir 
aber  nit  wüssend,  daun  umb  etliches  unseren  possess,  als  den 
2sreißzug  und  uff  etlichen  die  hochgericht,  l'ürzübringen ; und 
was  wyters,  dann  das  sy  uns  bewilliget  uß  pit  habindt?  Ja, 
sprechendt  etlich,  das  ist  ouch  genüg.  So  wir  die  hochgricht 
hendt,  woltend  sy  uns  nit  lassen  bieten  und  straffen?  Item 
so  haben  wir  den  reißzug,  und  sind  so  hoch  gefryet  von 
so  köuigen  und  keiseren,  das  wir  wol  mögendt  gebieten  was  uns 
gfalt.  Item,  so  hat  uns  keiser  Sigmund  alle  lehen  des  rychs 
übergeben,  dannenhar  ein  gütes  teil  der  herrschaften  in  landt- 
grichten  iezund  von  uns  zü  lehen  harrünnendt,  warum  wir  daun 


SO.  St  und  ihr  in  possesa  sind.  G.  so  sy  üch  geben,  dessen  ihr  in  possess 
seyd.  26.  St.  niit  wyters.  33.  St.  G.  H.  harrürend. 


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46 


I,  11.  Vortrag  des  Seckelmeisten  Fränkli. 


[t-ao]  mit  bott  und  verbott  nach  unserem  gvalleu  über  sy  mögend  uß- 
gan  lassen  und  die  überträttenden  straffen;  und  gend  uns  also 
vil  rechts , so  aber  an  denen  enden  wenig  wurde  bringen ; dann 
erfarene  und  verständige  lüt  wol  wüssend,  das  allein  uß  den 
hochgrichten  kein  volg  ist  an  der  herrlichkeit,  wie  deß  wol  5 
exempel,  so  es  die  zyt  möcht  erlyden , möchten  anzogen 
werden,  ouch  in  unseren  landen.  Item,  der  mannschatt  oder 
reißztigen  halb  noch  vil  minder;  wie  dann  ir,  min  herren, 
all  wolwüssendt,  das  ir  vil  herren  gehept,  als  die  von  Bran- 
dis,  Arburg,  so  ouch  vor  vil  jaren  hend  müssen  mit  üch  io 
reisen,  und  noch  uff  hüttigen  tag  die  herrschaft  Erlach,  so  der 
fürsten  von  Chalon  ist,  Valendys,  die  Nüwestatt , da  ir  uff 
ertrich  nüt  zü  gebieten  hend,  oder  ouch  ie  fürgenommen. 
Die  hohen  fryheiten  aber,  so  wir  von  königen  und  keiseren 
hendt,  gloub  ich  nit  dahin  langindt,  das  wir,  was  uns  geliebt,  •-'» 
in  anderen  herrschafteu , da  wir  nit  volle  herrschaft  hendt, 
mögind  gebieten.  Ist  ouch  nit  z’glouben,  das  der  königen 
und  keiseren  meinung  sige  gsin,  das  wir  mit  denen  in  ander 
lüten  herrschatten  gryftind.  Sy  zeigend’s  ouch  als  wenig  an, 
als  der  twingherren  brief,  das  sy  sollend  frydbrüch  ufnemmen,  *o 
und  das  sy  allein  brutlouf  bruch  zü  straften  habindt,  so  man 
aber  von  inen  ervordret.  So  wir  aber  vermeintindt,  das  der 
herrschalten  in  landtgrichten  nun  ein  grosser  teil  uß  keiser 
Sigmunds  gab  von  uns  zü  lechen  gangindt,  danenher  uns  ge- 
büre  was  wir  wellendt,  dieselben  fürgeber  verstöndt  sich  für- 45 
(Bl.  17)  war  nit  vil  uff  lechen.  Dann  so  der  l.ichenmann  haltet  das  so 
er  zü  dem  lechen  geschworen  und  des  lehens  recht  ist,  so 
mag  in  der  lehenherr  nit  wyter  beschwüren,  sonders  ver- 
pflicht sich,  ine  by  allen  sinen  alten  harkommen  lassen  be- 
lyben.  Item,  so  erkunde  sich  etwar,  öb  sy  minen  herren  30 
übergeben  syend  öb  die  könig  und  keiser  ie  sy  mit  nüwen 
gebotten  und  beschwerden  beladen?  und  forcht,  man  möcht 


5.  G.  anderer.  5. 6 G.  vil  ex.  30.  öb,  dies  erste  öb,  das  so  viel  ist  als 
ehe,  bevor,  würde  wol  besser  zur  Unterscheidung  von  dem  folgenden  eb  ge- 
schrieben. 


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I,  12.  Vortrag  de«  Seckelmeisters  Fränkli. 


47 


hie  wol  so  vil  understan,  das  die  lehenlüt  üch  für  den 
keiser  bieten,  das  ir  nit  mit  fügen  köntend  abschlahen; 
dann  ie  üwer  Schultheis  die  sol  in  des  rychs  namen  lyhen 
und  sy  von  üch  ouch  zü  lehen  hend.  So  wurden  wir  wol 
i alsbald  funden,  so  des  rychs  lehen  treffenlich  hettend  anfangen 
mißbrucheu,  dardurch  wir  wol  dürften  umb  dise  hüpsche  gab 
kon,  und  sonderlich  zü  disen  zyten,  da  ein  Oesterrycher 
keiser  ist,  dessen  großvatter , wie  man  spricht , wir  Schwy tzer 
erschlagen  habendt.  Item,  so  hendt  wir  ouch  noch  nie  unsere 
10  lehen  von  disen  empfangen,  oder  deren  bestättigung  ge- 
nommen, als  der  bruch  ist. 

[l'J]  Liebe  herren,  lassend  dise  ding  uns  wol  betrachten, 
ob  wir  umb  kleine  Sachen  grosse  unrüw  anhebind  Mir  falt 
vil  ein  anderes  zü  der  lehen  halb.  Üch  ist  noch  allen  kundt, 
15  das  nach  altem  bruch  hie  in  Uechtlandt,  und  ir  selber  gewont 
sind  so  es  üch  von  der  lehen  wegen  not  ist,  das  der  herr 
und  der  mann,  so  es  das  lehen  antreffen  wil,  gegen  wem  es 
joch  ist,  sich  uff  die  mann  berülend,  und  ein  herrlich  dapfer 
gricht  darum  zämmen  kumpt  und  sagend.  So  ich  twing  und 
*o  bann  mit  voller  herrschaft  zü  lehen  hette,  und  ir  oder  ander 
solche  nüwerung  machtindt,  so  wurde  ich  mich  uff  die 
mann  berüfen;  da  wurdent  ir  nit  allein  unglimpf  gwinnen, 
sonders  ouch  zü  spott  werden  vor  allen  lehenlüten,  sy  we- 
rendt  glych  heimsch  oder  frbmbt ; dann  üwer  bruch  ist,  uff 
25  possess  und  gwerd  zü  kommen;  und  understünd  dise  aber, 
eines  stukes,  der  brutlouf  bruch,  on  so  sy  von  iewelten 
besessen,  und  das  ander,  wie  wol  es  uß  Ordnung  diser  statt 
ußgangen,  nun  ob  den  30  jaren  yngezogen,  zü  entwären: 
wöltend  ir  denn  sömlichem  gricht  nit  gewertig  und  gehorsam 


2.  G.  recht  bieten.  14.  St.  11.  ein  anderes  yu  (znf&Uen  ist  nämlich  in 
der  alten  Sprache  so  viel  als  einfallen).  24.  G.  nüwer  brach  (falsch). 
26.  G.  läßt  on  (d.  h.  ohne,  ungeachtet)  aus;  Bl.  verbindet : bruchon= brachen, 
allein  der  Sinn  ist:  obgleich  sie  denselben  von  jeher  besessen.  Die  beiden 
„stacke“  werden  gleich  unten  wieder  bezeichnet  als:  1)  dise  gebott  aßze- 
rufen,  2)  fridbracb  van  iren  undertanen  ynzezühen. 


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48 


I,  12.  Vortrag  de«  Sockel  meisten  Fränkli. 


[1470]  sin,  das  wurde  noch  lätzer!  Was  wurde  man  in  allen 
tütschen  und  welschen  landen  von  uns  sagen?  Und  dörfte 
wol  volgen,  so  wir  hernach  sölicher  tagen  oder  gerichten  ouch 
bedörftend,  das  wir  kein  volg  oder  gehorsame  dessen  fun- 
dint. Wyter,  als  mir  ist  etliche  mal  in  diserem  handel  be-  s 
gegnet  und  das  gschrei  louft:  min  herren  habind  andere 
erliche  geschlechter  und  edellut,  so  herrliche  Schlösser  und 
herrschaften  habind,  die  widersprechind  mincr  herren  ampt- 
lüten  nit  in  iren  herrschaften  dise  gebott  ußzerüfen,  noch 
fridbruch  von  iren  undertanen  ynzeziihen;  hettends  disen,  io 
als  alten  Berneren,  minder  vertruwet,  minen  herren  söliches 
zü  weren.  Welicher  unwüssenheit  (ist  es  echter  ein  un- 
wtlssenheit?)  ich  ouch  hie  müß  antworten : das  sy  nit  bsinnt, 
wie  hiit  oft  anzeigt,  das  dise  in  landtgrichten  volle  herrschaften 
hend,  und  alle  väl  und  geläß,  nützit  ußgenommen,  denn  allein  m 
(BL  18)  iren  etlich,  so  die  hochgricht  an  die  statt  geben  und,  als  sy 
burger  worden,  sich  mit  der  statt  verpflicht  zü  reisen:  die 
anderen  aber , in  den  usseren  herrschaften , hend  allein  ein 
bestimpte  herrschaft  zü  gebieten,  verbieten  und  straffen,  ouch 
keine  fäl , oder  die  vast  klein , und  mag  sich  ire  herrligkeit  2i) 
und  recht  nit  uff  fridbruch,  nach  lut  der  Ordnung,  so  hoch 
ziehen,  noch  söliche  hohe  verbott  tün;  dannenhar  von  nöten 
üwere  amptlüt  dieselben  tüind  und  ynzilchind , und  beschicht 
inen  dennocht  nit  unrecht.  Dann  wie  die  herrschaften,  da- 
rinnen sy  sitzend,  an  (ich  kommen  sind,  durch  kouf  oder« 
krieg,  was  sy  vor  hattend,  darby  hend  ir  sy  ouch  lassen  bly- 
ben;  hettend  doch  in  etlichen  denen  enderungen  dasselbig 
wol  mögen  mindern  oder  nemmen,  das  doch  nit  beschechen. 
Aber  als  vil  jaren  dieselbigen  edellut,  so  dem  herzogen  nach- 
gezogen, iich  nit  hend  wöllen  hulden,  nach werts  als  sy  iren  sj 
verlurst  empfunden,  min  herren  ankert  und  gebätten,  hend 
ir  es  inen  alles  in  kurzen  jaren  widerkert,  wie  ir  all  wol 


27.  Bl.  Änderungen  meyn’  ich,  dasselbig.  G.  da  ich  doch  meynt,  ihr  in 
etlich  deren’ wol  Änderungen  thnn.  ( Allem  der  Sinn  ist : bei  etlichen,  al$  tie 
Oberherren  änderten  und  in  eure  Gewalt  Übergiengen), 


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I,  12.  Vortrag  de«  Seckelmeisten  Fränkli. 


49 


wüssendt;  ja  lassend  ouch  etlichen,  als  denen  von  Hallwyl,  [lfio] 
wie  ich  mich  dise  vergangne  tag  erkundiget,  die  stuck,  ob 
denen  ir  üch  mit  disen  verdienten  Berneren  zankendt,  nach 
zü  gebieten  und  ynzüzüchen.  Dise  hend  der  statt  geben 
6 mit  iren  lyben,  leben,  gilt  und  blilt,  die  wie  sy  iez  ist  uf- 
bracht,  und  so  volle  herrschaft  hend,  über  die  wir  nüt  dann 
mit  uns  zü  reisen  zü  gebieten;  die  anderen  aber,  so  in 
kurzen  jaren  noch  unsere  abgseite  fyendt  gsin,  die  nüt  mer 
ghan  denn  was  wir  inen  uß  gnaden  geschenkt,  und  über  die 
io  wir  volle  herrschaft  hend,  lind  wir  rüwig  und  unersücht. 
Harumb  die,  so  dieselben  ynzüchend,  bringen  keins  glychs 
fürwar;  dann  dieselben  umb  grosser  gilttat  billich  dankbar 
sind;  hinwider  alle  Berner  denen,  so  ir  hüt  hiefilr  hend  heis- 
sen tr ätten,  umb  irer  und  irer  vorderen  woltat  einer  statt  und 
is  uns  allen  (dann  sicher  dieselben  uns  disers  nest  gemachet) 
bewisen  billich  dankbar  solten  sin  und  mer  schuldig  we- 
rend  zü  geben,  dann  zil  nemmen.  Und  so  simlichs  anzogen 
wirt,  meinend  etlich  „von  grossen  schirms  wegen,  so  iren  vor- 
deren von  der  statt  beschehen,  siltind  sy  billicber  vilmer 
20  nachlassen,  denn  an  sy  iez  gebracht  wirt“  und  gibt  man  inen 
einen  merklichen  unglimpf.  Ach  Gott,  was  schirms  mocht 
inen  vor  alten  zyten  ein  statt  geben,  do  ein  statt  (so  de- 
nochter  von  den  geschlechten  gregiert  ward)  den  graffen  von 
Saffoy  wider  den  von  Kyburg  müßtend  zü  einem  schirmer 
26  annemmen  ? Wer  nam  aber  der  statt  den  von  Kyburg  ab  ? 
Warlich  die  geschlechter,  so  an  denen  von  Kyburg  hiengend 
und  ouch  etlich  verpflicht  warend,  die  sy  verliessend,  von 
inen  abtratend  und  abfielend  und  sich  zü  der  statt  tetend, 


5.  St.  Diese  hend  der  statt  geben,  die  mit  iren  lyben,  leben,  gnt  nnd 
blnt,  wie  ey  ietz  ist,  nffgebracht  (ich  glaube,  St.  hat  nach  „geben“  richtig 
interpungirt,  aber  die  Versetzung  des  „die“  (näml.  die  Stadt)  vor  „mit 
iren  lyben“  etc.  ist  unnothig.  Mit  dem  Relativsatz  „nnd  so  volle  — hend“ 
ist  freilich  Frickart  aus  der  angefangenen  Construction  gefallen).  7.  St. 
zu  gebieten  hand.  11.  St.  furwar  kein  g.ychs  bringend  (d.  i.  par  pari  non 
referunt ).  23.  St.  O.  dennoch.  25.  S.  Justinger  S.  18. 

Qnellen  zur  Schweizer  Geschieht«,  4 


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50 


1,  12.  Vortrag  des  Seckelmeistera  Fränkli. 


[i470]  wie  ich  hievor  ouch  anzeigt.  Rechnend  nun,  wölche  einandren 
mer  schirms  geben.  Dann  zü  derselben  zyt  in  der  landt- 
schaft  ein  sömlicher  treffenlicher  adel  ist  gsin,  die  inen  sel- 
ber so  wol  schirm  hettend  mögen  geben  als  der  adel  im 
Hegöuw,  so  von  den  herzogen  in  Schwaben  biß  uff  disen  s 
tag  noch  fry  sitzend,  wiewol  sy  von  den  Oesterrycheren  und 
(Bl.  19)  Wirtenbergeren  zü  beherrschen  etwan  angerannt  worden. 
Und  fürwar,  das  gröst  glück,  so  diser  statt  ie  begegnet  ist, 
ist  eben  das  gsin,  das  die  umbligenden  herren  sich  in  die  statt 
getan  hend.  Dann  wo  were  müglich  gsin,  das  sy  also  in  io 
kurzen  jaren  hette  mögen  grünen  und  zünemmen , wenn 
der  mechtig  treffenlich  adel,  der  vorhanden  was,  inen  züwi- 
der  were  gsin?  Das  mögend  ir  darby  abnemmen,  das  zü 
etlichen  zyten  in  disem  kleinen  rat  acht  mechtiger  fryherren 
gesessen;  mit  denen  und  durch  die  sind  die  grossen  taten,  ouch  is 
die  grossen  köuf  beschehen.  Dann  ir  mögendt  wol  gedenken, 
der  schlecht  gmein  gwerb-  und  handtwerksmann  zü  sömlichen 
grossen  dingen  weder  gschickt  noch  gnügsam  erfaren  sige,  das 
die  ding  zü  füren  anderer  dann  mich  und  mins  gelychen  be- 
dürft. Alle  dise  gescheft,  mine  herren,  hab  ich  wöllen  eräferen  20 
von  den  alten  und  irer  regierung,  die  fürwar  diser  statt  baß 
huß  ghalten  dann  wir  immer  tön  mögendt,  so  zü  vil  in  ver- 
geß  kon  wil,  und  aber  wyßlich  zü  regieren  und  huß  ze 
halten  nützlich. 

[13.]  Und  domit  wir  hüt  oder  hernach  in  disem  gegen- 25 
würtigen  span  nit  etwas  gächs,  so  zü  nachteil  diser  statt  an 
iren  eren  oder  nutz  möchte  langen,  fürnemindt,  bin  ich  in 
disers  mer  kommen  und  kumm  wider  herus.  Sin  anfang 
han  ich  in  miner  red  anzeigt,  das  mich  beduchte  disem  span 
geholfen  möcht  werden,  und  ist  müglich,  wie  vast  der  anfang  so 
mir  mißfalt,  das  er  möge  zü  der  statt  nutz  reichen,  und  das 


18.  St.  und  das  (allem  das  ist  hier  s.  v.  a.  so  daß).  24.  St.  nützlich 
ist.  28.  G.  zu  anfang.  Bl.  im  anfang.  (sin  anfang  scheint  ein  casus  ab- 
solutus : was  seinen  (dieses  Meeres  von  Worten)  Anfang  betrifft.) 


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1,  18.  Vortrag  des  Seckehneisters  Fraukli.  51 

mit  Got  und  eren  nnd  das  niemant  keine  gwalt  gschehe.  V*?o] 
Es  ist  war,  das  zü  vil  zyten  gesücht  worden  der  stat  herr- 
schaft  zü  meren  in  den  landtgrichten;  dann  dieselbe  vast 
wenig,  ußgenommen  den  reißzug,  in  denen  hat;  und,  wie  hiit 
5 anzeigt,  vor  vil  jaren  ein  form  in  fünf  stuck  oder  gebott  ge- 
stelt  und  vergriffen,  hoffnungs,  es  gölte  angenommen  wer- 
den, uff  das  ein  statt  dann  ein  fürgeordnete  beherschung,  so 
einer  obristen  herrschaft  wol  züstat,  hette.  Aber  es  mocht  nit 
in  gmein  darzükon,  wiewol  etliche  geschlecht  uß  grosser  bitt 
io  minen  herren  das  vergonntend,  ouch  etliche  klöster,  und  das 
darumb  das  man  die  anderen  bevogte  [bewegte],  ouch  daryn  zü 
bewilligen.  Ja,  dozmal  ward  geredt,  das  ouch  etlichen  in  ge- 
heim dise  bewilligung  wol  bezalt  wurde.  Dannenhar  kumpt,  das 
die  nüwen  und  jungen  fryweibel  nit  zun  zyten  wüssend,  wo 
is  und  was  sy  gebieten  söllendt.  Dann  [sy]  sich  dryerlei  gat- 
tung  zü  verwalten  üwer  miner  herren  geschäft  bedörftend  zü 
gebruchen,  wenn  kein  klag  ab  inen  sol  kommen.  Erstlich, 
als  hüt  mermalen  anzeigt,  so  hend  ir,  min  herren,  vor  jaren 
etliche  herrschaften  kouft  und  dieselben  gricht  in  die  statt 
so  gelegt;  über  die  hend  ir  volle  herrschaft  zü  gebieten  und  ver- 
bieten, wie  ouch  die  anderen  herren.  Demnach,  wie  erst 
gesagt,  so  hend  etlich,  aber  wenig  geschlecht  der  statt  be- 
williget, die  fünf  bott  hinder  inen  zü  tün;  da  bedörften  die 
fryweibel  sömlichs  zü  wüssen.  Der  grösser  teil  aber  der 
25  landtgrichten  wend  nit  dulden,  das  üwer  fryweibel  hinder  (Bl. 20) 
inen  nüt  gebietind,  denn  das  einig  gebott:  zü  reisen;  und  so 
sy  üch  schon  bewilligend  die  iren  zü  tällen,  zü  füren  zü 
bieten,  uff  landttagen  bieten,  das  man  s)lle  den  harnisch 
gschouen,  so  sollend  üwere  amptlüt  das  den  herren  oder  iren 
so  amptlüten  kundt  tün;  dieselben  gebietend  dann  das  iren  un- 


11.  H.  O,  St.  Bl.  bewegt«.  15.  Entweder  ist  eich  in  ly  zu  verbessern, 
oder  sy  vorher  tu  ergänzen,  was  O.  thut,  welcher  den  Satz  folgendermaßen 
ordnet:  dann  si  sich  dreyerley  gattnng  bediirfftend  zu  gebrachen,  ew.  m.  h, 
gechäfft  zu  verwalten.  („Sieh  gebrauchen “ »h  dem  Sinne  von  „ sich  bedienen“ 
kam  schon  oben  P.  30,  l.  38.  39  vor.)  — Oder  ist  ü.  m.  h.  geschäft  Subjeet, 
in  welchem  Falle  sy  entbehrlich  wäre ? 


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52 


I,  13.  Vortrag  des  Seckeimeisters  Fränkli. 


WO]  dertanen,  und  üwere  amptlüt  nit.  Nun  syt  derselben  zyt  han 
ich  nie  gesehen,  wie  vast  joch  ir,  min  herren,  (ich  selbs  und 
(lwere  landtschaft  in  vergangenen  kriegen  getAllet,  so  es  ist 
an  die  gschlecbt  gebracht,  das  sy  versagt  habind  die  iren 
lassen  zü  tflllen ; doch  habend  sy  die  lassen  uflegen  durch  ire  s 
amptlüt,  oucli  ynzllchen  und  harweren.  Deßglychen,  so  man 
ftirens  bedürfen,  han  ich  sy  nie  ghört  versagen.  Wol  hat  herr 
Niclaus,  ouch  der  von  Waberen  und  der  vom  Stein  etwan 
klagt,  mine  herren  wöllind  die  iren  von  Worb,  Belp  und 
Münsingen  zü  vil  beschüchen,  sy  sigind  unwillig;  liessend  10 
es  doch  inen  gebieten,  aber  durch  ire  amptliit.  Uff  die  landt- 
tag,  als  die  richtstül  und  lang  darnach  die  fryweibel  gesetzt, 
zü  gebieten,  habend  umb  miner  herren  pit  willen  alle  ge- 
schlecht  zügseit  ire  undertanen  darzü  ze  halten,  doch  das  (es) 
von  iren  amptliiten  das  bott  beschehe;  das  man  von  inen  zü  ts 
hohem  dank  ufnam.  Item  den  harnest  betreffend  zü  geschouwen 
hand  sy  nie  wüllen  bewilligen,  wiewol  sy  sithar  darumb  frünt- 
lich  angesücht  worden,  das  es  in  bysin  miner  herren  und  iren 
uff  dem  landtstatt  [landtag]  beschehe,  anders  so  min  herren 
inen  die  schouwung  kundt  tüind,  iegklicher  herr  in  sinerzo 
herrschaft  der  sinen  harnest  zü  beschouwen.  Und  obwol  dise 
fünf  gebott  oder  stuck,  so  fürwar  einer  obersten  herrschaft 
gebürend,  von  dem  mereren  teil  nit  angenommen  worden,  so 
beschicht  doch  in  allem  üwerem  willen  genüg  und  manglet 
allein,  das  ir  noch  üwere  amplüt  das  nit  zü  gebieten  hend  a> 
und  etlichs  mit  pit  ankommen  zü  tragen.  Dann  in  miner 


6.  St.  harwähren.  (d.  i.  hieher  m die  Stadt  liefern).  10.  G.  St.  besuchen, 
= ansuchen,  ersuchen.  14.  es  fehlt  in  G.  St.  19.  St.  verbindet  stattbeschähe , 
was  aber  wider  den  Sprachgebrauch  ist ; G.  uff  der  landschafft ; ich  vermuthe 
uff  dem  landtag.  19.  St.  G.  anders  dann.  21.  G.  harnest  beschouwe.  22. 
dise  fünf  gebott,  sie  sind  oben  einzeln  genannt:  1)  zu  reisen,  2)  zu  tollen, 
3)  zu  Führungen  4)  zu  Landtagen  gebieten,  und  5)  die  Hamischschau. 
Vgl.  auch  den  späteren  Vertrag  mit  den  Ikoingherren  bei  v.  Rodt,  S.  288. 
26.  G.  läßt  zu  tragen  aus  und  schreibt  vorher  mit  pit  ankommind.  If'aAr- 
scheinlich  ist  vor  „zu  tragen“  Mehreres  aus  dem  Text  gefallen , denn  die 
Verbindung  mit  dem  folgenden  Hauptsatz  ist  hart  und  unvermittelt.  H.  läßt 
wenigstens  den  Satz  vorausgehen : die  appellationen  kommen  daher,  daß  — . 


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1,  13.  Tortraf;  dee  Seckelmeütera  Fränkli. 


53 


jugent  han  ich  das  allein  gesehen:  so  die  herren  gegen  einan-  \lftO] 
dren  kämpf  hattendt  oder  den  undertanen  oder  gegen  et- 
lichen derselben,  und  iren  grichtsessen  darüber  zü  erkennen 
nit  wol  vertruwten,  das  sömlichs  für  ein  recht  hinkam  und 
5 entscheidet  wardt  und  wyter  nit.  Als  mit  der  zyt  die  puren 
halsstarrig  worden  und  den  herren  niinmermer  hend  wellen 
vertragen,  das  sy  von  inen  gestrafft  wurdint  wie  vor  zyten, 
denn  das  sy  dieselben  durch  bekantnus  des  rechten  hend 
müssen  straften  und  zun  zyten  einanderen  durch  die  finger 
io  sehen  und  fürhielten,  und  die  appellatz  nit  fügklich  als  seche- 
ren  für  sy  selber  kommen  könnt,  hand  sy  zum  ersten  in  der 
statt  angefangen  appellieren  und  wurdent  ouch  weidenlich  in 
irem  rechten  gehandthapt,  hend  also  uß  disem  anfang  hernach  (Bl.21) 
ouch  denen  nit  wol  können  versagen,  so  von  inen  für  min  herren 
is  hend  wöllen  appellieren.  Ist  nun  für  und  für  in  brach  kon, 
das  man  uß  allen  landtgrichten,  wenig  herrschaften  ußgschlos- 
sen,  von  den  twingherren  har  appelliert,  welches  ich  der 
statt  zü  grosser  er  und  nutz  schetzen.  Wyter,  so  ist  es  des 
bösen  pfennings  halber,  wie  hüt  geredt:  die  statt  allein  in 
ao  landtgrichten,  in  iren  eigenen  herrschaften,  und  etlichen  der 
klösteren  ufnammend,  hend  uß  miner  herren  pit  etliche  twing 
bewilliget  den  uff  iren  tavemen  und  undertanen,  so  sy  wyn 
ynleitendt,  ynzüzüchen.  Demnach  für  und  für,  so  sy  ange- 
sücht  sind  worden,  hat  keiner  der  böst  wöllen  sin  und  die 
25  stat  ouch  wie  die  vorderen  wöllen  vereren,  biß  an  wenig, 
die  es  bißhar  alwegen  verseit,  wiewol  ich  mengsmal  einen 
ernst  daran  kert,  ob  ichs  möchte  an  allen  orten  glychförmig 
machen;  ist  üch,  minen  herren,  nit  ein  kleiner  nutz  ouch 
merung  üwerer  herrlichkeit,  welches  sy  nit  hend  wargenom- 


2.  ff.  kampf  oder  zangk.  4.  ff.  für  ein  rath,  ( dahin  kam  es  aber  erst 
später,  wie  sogleich  erwähnt  wird:  das  erste  Moment  war  ein  rechtliches 
Verfahren  statt  des  Machtspruches , der  oberherrlichen  Beamten.  10.  ff.  ge- 
sehen. St.  sachendt.  ff.  daß  die  ap.,  ( weil  ff.  wahrscheinlich  fürhalten  in 
dem  Sinne  von  vorwerfen  statt  von  schonen  (s.  S.  28, 9 u.  35, 2, 31)  nahm ) 12.  St. 
Cr.  in  die  statt.  19.  St.  wie  hüt  geredt : dann  als  die  statt  solchen  allein  — 
uffnamend  — hand  hernach,  ff.  wyter,  des  b.  pf.  halb,  wie  hüt  geret,  hat 
die  statt  allein  — uffgenommen. 


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54 


1,  13.  Vortrag  des  Seckelmeisters  Fränkli. 


[/470]  men  und  von  pit  und  liebe  wegen  der  statt  vereffet,  gedacht, 
inen  gienge  darmit  nüt  ab  noch  uff,  gienge  allein  über  die 
bösen  puren.  Ist  also  der  statt  wol  geraten  mit  allen  rüwen, 
die  sich  mit  anderen  fügen  in  keinen  wäg  darzi  hettend 
lassen  tringen,  weder  der  herr  noch  der  undertan.  Und  so  sich  s 
nun  gegenwürtiger  span,  so  ein  klein  ansehen  hat,  aber  für- 
war  ein  grossen  schwänz  daliesse,  wie  wyse  herren  wol  kön- 
nend ußrechnen,  inen  zü  zerrütung  und  ganzer  vernichtigung 
irer  herrschaften  dienen  und  reichen  müßt:  bin  ich  güter 
hoffnung,  so  sy  in  ein  betrag  oder  t'.dung  zogen  und  beredt  io 
möcht  werden,  also  das  ir,  min  herren,  von  üwerem  ftirnemen 
iez  und  in  künftigem  stan  wurdint  und  sy  des  versehind;  hin- 
widerumb,  das  sy  üch,  minen  herren,  nachlassind  die  vier 
anderen  gebott  oder  artikel  ufzüheben  und  durch  gebieten 
[gebieten  durch]  sich  oder  ire  amptlüt  wie  und  wexm  üch  15 
das  gevellig  oder  von  nöten  sin  wirt,  glych  wie  ir  das  gebott 
des  reißzugs  über  sy  gebrucht;  deßglychen  die  letste  appel- 
latz  lassind  an  allen  orten  harkommen,  wer  deß  beger;  und 
zületst  minen  herren  allenthalben  ouch  gebüre  den  bösen 
pfennig  uff  iren  tavernen  und  undertanen,  so  wyn  ynlegend,  so 
ufzüheben:  wo  sy  üch  diser  6 stucken  zum  reißzug  yngönd, 
als  zü  verhoffen,  so  ist  ein  hüpsch,  ordenlich  und  richtigs 
regiment  gemachet  in  landtgrichten  und  vast  nützlich  diser 


1.  St  der  statt  vereeret,  allein  der  statt  scheint  Genitiv  und  noch  ab- 
hängig von  pit  und  liebe,  veräffen  aber  s.  v.  a.  aus  Gedankenlosigkeit  sich 
etwas  entwischen  lassen,  gleichsam  während  man  Maulaffen  feil  hielt.  8t 
gedachtend,  allein  gedacht  scheint  ein  latinisirendes  Partie.  = opinati,  wie 
8. 40,  l.  9. 12.  5.  G.  und  so  man  nun  gegenwärtigen  gspan,  so  ein  klein  ansehen 
hat,  aber  fürwar  ein  großen  schw&ntz,  wie  es  die  wisen  herren  — ußrechnen, 
ihnen  — reichen  müßte,  beruhen  ließe.  14.  G.  oder  artikel  zu  gebieten,  wie  und 
wenn  etc.  es  sind  die  Worte : ufznheben  und  durch  und  sich  oder  ire  amptlüt 
ausgelassen.  Allein  der  Text  leidet  nur  an  einer  Versetzung  der  Worte  : durch 
gebieten  statt  gebieten  durch.  Man  schreibe:  die  4 anderen  gebott  oder 
artikel  ufznheben,  (hier  s.  v.  a.  in  Kraft  setzen,  s.  unten : den  bösen  pfennig 
uff  iren  tavernen  ufheben  — erheben)  und  gebieten  durch  sich  (Bl.  durch 
sy)  oder  ire  amplüt.  17.  G.  gebrucht  hand.  19.  G.  und  zuletzt,  daß  üch 
min  herren. 


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J,  13.  Vortrag  des  Seckeimeisters  Fränkli. 


55 


statt,  darum  üwere  vorderen  groß  güt  hettend  geben,  und  [wo] 
kömmend  hiemit  in  die  höchste  oberkeit  ane  costen  nachred 
oder  nachteil  mengkliches,  mit  Gott  und  eren.  Aber  dise  ding 
werend  bald  fürzünemmen  und  durch  peraonen,  so  den  eren- 
5 luten  amnütig,  e dann  der  kyb  und  Unwillen  sich  mere,  den 
ich  noch  nienen  dann  by  herr  Niclausen  gespüren.  Hoff, 
der  werd  sich  ouch  lassen  bereden ; dann  er  ein  senftmütiger 
herr  ist,  als  ir  wüssendt.  Gloub  ouch,  so  gemelten  herren  an 
irer  nutzung  ntit  oder  vast  wenig  kan  in  disen  stuken  ab-  (B1.22) 
io  gan,  und  niemants  dann  die  puren  beladen,  und  nun  lange 
zyt  gütlich  der  statt  nachgelassen,  so  werdent  sy  sich  nit 
wider  üch,  min  herren,  lichtlich  setzen,  so  versünlichs,  frilnt- 
lichs  und  pitlich  gehandlet  werde.  Dann  ich  mein,  ich  kenne 
iren  etlich,  so  man  understünde  mit  gwalt  zü  handlen,  inen 
is  als  bald  Messend  die  har  uff  dem  houpt  und  den  bart  ußroup- 
fen.  Zületst  so  sag  ich,  wo  das  also  an  inen  nit  gfunden 
mag  werden,  und  wir  so  ungschikt  und  gytig  erfunden 
wurdent,  darvor  uns  Gott  behüt,  das  wir  sy  des  nüwfündigen 
spans  nit  erlassen  wöltend,  so  wil  ich  inen  ein  zimHchs 
*0  recht,  wenn  sy’s  begerend,  als  sy  dann  gwilß  tün  werdent, 
an  das  sy  kon  mögend,  lassen  gevolgen,  wiewol  uns  jänes  vil 
erücher  und  besser  were.  Dann  wir  sicherlich  in  disem  handel 
nüt  mit  recht  mögend  gwtinnen  dann  spott  und  schweren 
costen,  da  üwerem  stattsekel  nottürftiger  were  den  zü  er- 
*5  sparen,  die  schweren  täglichen  zins,  so  uff  dise  statt  in  den 
vergangnen  kriegen  kon  sind,  ußzerichten;  wil  also  in  disem 
handel  mich  für  hüt  und  nachwerts  vor  Got  und  üch  allen, 
minen  herren,  entschlossen  und  entladen  han,  zü  nutz  und 
er  diser  statt,  by  dem  eidt,  so  ich  deren  geschworen  hab  und 
so  truwen  mit  Gottes  hilf  bißhar  getrüwMch  gehalten  han. 

[/4.]  Diß  ist  die  summ  siner  red,  so  vil  ich  han  mögen 
behalten  biß  uff  disen  tag;  deren  ouch  ernstlich  geloßt  wor- 
den; ußgnon  etliche  metzger,  die  uß  Verdruß  ruschtend  und 


9.  St.  fast  wenig  — abgan  kan  nnd  dadurch  niemants.  32.  Q.  biß 
uff  fehlt.  32.  Q.  ward  im  ernstlich  geloset- 


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56  I)  14.  Abstimmung.  Kistler  muß  auch  den  Anstritt  nehmen. 

\14Z0]  geschweigt  wurdent.  Ich  und  ander  erbar  ltlt,  so  mir’s  gesagt, 
das  disers  trtlwen  hußhalters  und  wysen  bemischen  Catonis 
rat  mit  henden  und  füssen  wurde  begriffen.  Do  wurdent  von 
venner  Kistler  mine  herren  die  rät  gefragt,  under  welchen  die 
nechsten  by  im  warend  Bendicht  Tscbachtlan  und  Peter  Simon,  5 
im  folgend  die  anderen  all.  Kistler,  welcher  etlich  der  bür- 
geren umb  des  seckelmeisters  rat  fragt;  der  hat  aller  alten, 
by  denen  man  wyßheit  und  verstand  sich  ermaß,  die  volg. 
Darnach  fragt  er  umb  den  anderen  rat,  so  sin  was,  der  hat 
der  metzgeren  und  aller  jungen  volg  und  fand  sich  leider  *> 
der  merer  sin,  Gott  sig  es  geklagt.  Und  als  gefragt  ward, 
ob  man  min  herren  schultheissen  und  die  anderen,  inen 
die  antwort  ze  geben,  in  den  rat  sölte  nemmen,  ist  geraten, 
das  man  dem  großweibel  bevölche,  inen  die  antwort  hinus 
ze  bringen,  umb  das  sy  nit  hinyn  gelassen  wurdent.  Als  herr  15 
Niclaus  von  Dießbach  die  verstanden  hat,  hat  er  dem  groß- 
weibel bevolen,  min  herren  zft  bitten,  ine  umb  ein  wort  zö 
verhören,  vor  allem  abraten ; ist’s  im  vergönnet.  Als  er  hinynkon, 
hat  er  anzogen,  das  ine  wunder  nemme,  das  min  herren  die,  *0 
so  im  von  gcblüt  nit  verwandt  werend,  in  siner  sach  für 
partygisch  achtind,  die  er  aber  für  erlich  fromm  Berner 
hielte,  die  bißhar  mengklichem  gricht  und  recht  hettend  kön- 
nen nach  billigkeit  sprechen  und  darby  der  statt  nutz  und 
er  nit  underlassen.  So  es  also  iren  gnaden  gefiele,  müßt  er’s  *5 
lassen  beschehen.  Sy  hettend  aber  den  morgen  gehört  und 

(B1.23)  gesehen,  wie  partygisch  sich  Peter  Kistler,  der  venner,  gegen 
im  hette  ghalten,  das  er  ouch  nicht  hette  mögen  min  herrn 
schultheissen  lassen  reden,  denn  das  er  die  red,  so  bißhar  in 


1.  G.  so  mirs  gesagt,  erwünschten,  daß  — mit  h.  n.  f.  angenommen 
wurde.  5.  St.  die  nächsten  so  by  im  warend,  als  Bend.  T.  H.  die  nächsten 
zwen  bei  dem  seckelmeister.  G.  die  nächsten  bei  ihm  (warend  fehlt).  6.  G. 
H.  ihm  folgeten,  die  andern  all  Kistlern  (scheint  richtig,  8.  S.  61,27).  St.  Kistler 
aber,  als  er  etliche  der  bnrg.  — da  hatte  er,  seckelmeister,  by  allen  alten 
etc.  15.  St.  G.  nnd  daß.  16.  St.  die  meynung  vernam  und  verstanden. 
17.  G.  ihn  ein  wort  z.  v.  18.  G.  verbindet  richtig : zu  verhören  vor  allem 
abraten;  ists  ihm  vergönnen. 


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i,  14,  Kistler  maß  auch  den  Austritt  nehmen.  57 

einem  rat  von  Bern  als  einem  schultheissen  zügehorte,  hette  1^470] 
genommen  und  ein  grosse  zyt  mit  kyben  min  herren  on 
allen  nutz  uffgehalten ; zü  dem  das  der  fryweibel  heiter  hette 
geredt,  das  er  wol  kuntlich  wölte  machen,  er  handlete  nllt 
s on  sinen  rat.  Nun  hettend  min  herren  mermalen  gehört,  das 
der  fryweibel  nüwerungen  ftlrgenommen,  die  sich  noch  nienen 
keinem  rechten  gemeß  hettend  funden,  und,  Gott  truwete,  wohin 
es  noch  wyter  körne  sich  fürbaß  nit  erfinden  wurde.  Uß  allen 
erzelten  Ursachen  verhoffe  er,  der  venner  Kistler  sölte  bil- 
i»  licher  für  partygisch  geachtet  werden  denn  dise  erenlüt.  Er 
wilsse  ouch  in  diser  sach  bynach  noch  keinen  widersecher, 
denn  den  venner  Kistler  und  den  fryweibel;  verhoffe,  sy  und 
ire  verwanten  söllind  ouch  abtr'tten.  Daruf  hat  sich  Kistler 
nach  sinem  bruch  versprochen : das  er  von  sines  eids,  ouch 
is  grossen  yfers  wegen,  so  er  über  der  statt  nutz  und  grech- 
tigkeit  zü  erhalten,  sich  mit  herr  Niclausen  in  ein  red  ynge- 
lassen,  so  er  wol  hette  söllen  underlassen,  wenn  er  sinen 
nutz  allein  schaffen  wölte.  Dann  mengklich  wol  gsehe,  was 
willens  und  gunsts  er  empfienge;  were  doch  ouch  so  torechtig, 

20  das  umb  der  Hebe  willen  diser  statt  er  sich  nit  mög  über- 
han  oder  ablassen,  zü  dem  das  im  sölches  züstande  wegen 
sines  ampts;  müßte  er  denn  aber  für  partygisch  gachtet 
werden,  so  bitte  er  min  gnedigen  herren  ine  deß  ampts,  so 
in  also  verhaßt  mache,  zü  erlassen;  und  so  der  fryweibel 
üägredt  sölte  haben,  der  möchte  wol  ouch  zü  vil  reden.  War 
sige,  das  er  etHche  mal  by  im  gsin;  so  het  er  im  graten,  so 
wie  er  sich  verstünde  und  der  statt  nutz  und  er  were ; wöllte 
darby  ouch  beharren  biß  in  sinen  tot , besonders  diewyl  min 
herren  in  wölten  nöten,  disers  ampt  zü  verwalten.  „Er  were 
» etwan  gern  schultheis  ?“  deß  er  Heber  ab  were.  Und  nam 
das  uff  sinen  eidt  und  weinet  darzü,  die  milte  Maria.  Uff  das 

1.  St.  läßt  als  am;  wenn  als  nicht  etwa  am  allein  vergehrieben  ist, 
so  ist  vorher  zu  ergänzen:  niemanden  oder  keinem  11.  G.  vil  nach  ;by 
nach  = beinahe,  fast).  15. 16.  Keine  Bdschr.  ergänzt  das  fehlende  Zeitwort. 

25.  St.  das  geredt.  G.  geredt  solte  haben,  wie  herr  Niclaus  anzogen.  29.  St. 
verwalten.  Daruff  herr  von  Diesbach : er  wäre  etwa  g.  B.  nnd  er  dar- 
durch  in  verdacht  käme,  er  wäre  etw.  g.  31.  H.  dn  milte  Maria! 


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58 


I,  14.  Kistler  wird  wieder  hereinberuftn 


[l*io]  tratend  beid  partyen  ab  mit  irer  fründtschaft,  and  ward  der 
seekelmeister  angefragt,  welcher  sich  erlütteret:  das  er  kein 
anderen  rat  werde  in  disem  handel  geben  denn  er  hievor 
gen  hette;  ließ  sich  darby  merken,  er  wölte  wol,  das  sich 
Kistler  der  Sachen  minder  hette  beladen;  so  gloubte  er,  des  s 
zangkens  wurde  minder  sin,  denn  sust  darus  entstan  wurde,  als 
er  förchte.  Peter  Boumgarter  riet:  Sölte  Kistler  für  partygisch 
gachtet  werden  umb  das  er  sines  ampts  halben  geredt,  wie 
einem  venner  wol  gebürte,  wer  hernach  der  statt  ilmpter 
verseen  wurde  ? und  müßte  herr  Niclausen  in  sinem  ftirnem-  io 
men  unrecht  geben,  und  das  man  Kistler  wieder  hinyn  nemme 
und  in  heisse  in  diser  und  anderen  Sachen  flirhin  wie  bißhar 
(BI.24)  das  best  tön.  Umb  disen  rat  als  gefragt  wardt,  und  etlich 
beduchte,  es  möchte  nit  das  mer  sin,  hend  sy  gheissen  fragen 
umb  mines  herm  seckelmeisters  rat,  so  etlich  nit  wollend  ts 
gstatten;  vermeintend,  er  hette  nüt  geraten.  Hinwiderum 
die  anderen  vermeintend,  ja!  etlich,  sin  rat  were  vor  das 
minder  worden,  warum  denn  wider  geraten  sölte  werden? 
Dargegen  andre  meinten:  das  irrete  nüt;  dick  wurde  wider 
einen  handel  geraten,  und  hernach  angenommen.  Und  ward» 
also  heftig  gestritten,  als  noch  nie.  Und  als  gestillet  und  umb 
bed  rechte  [rate]  gefragt,  ward  erkennt,  das  Boumgarters  das 
mer  were  und  Kistler  wider  hinyn  brüft  wurde;  ducht  aber  min 
herren,  der  großweibel  sölte  herr  Niclausen  gan  sagen,  was 
miner  herren  will  were.  By  demselben  emputendt  min  herr» 
schultheis  und  die  anderen  al  min  herren:  By  bitten,  das  man 
sy  verhörte  ein  wort,  züvor  und  in  herr  Niclausen  sach 
ützit  werd  beschlossen.  Ordneten  min  herren : ob  sy  etwas  an- 
zübringen  hettendt,  söltend  sy  das  tün  uff  den  morndrigen 
tag,  deun  es  wölte  zü  spat  im  tag  werden  wyters  zü  handlen.  so 
Hend  sy  aber  lassen  sagen:  diewyl  min  herren  wöllend,  das 
herr  Niclausen  sach  ire  sach  sölle  sin,  und  sich  wol  erschynt, 
wie  es  nun  herr  Niclausen  gange  also,  sig  ir  meinung,  es  inen 
ouch  gange  und  nun  ein  sach  sige,  so  begerend  sy,  züvor 


22.  St.  umb  bed  reden.  O.  n.  b.  räte  (richtig).  27.  St  verhörte,  zuvor 
und  ehe  (zuvor  und  bilden  zusammen  Eint  Conjunction,  wie  nach  dem  und  m.  a.) 


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I,  14.  und  eröffnet  «eine  Meinung. 


ützit  beschlossen  werde,  ouch  für  min  herren  ir  recht  zü  er-  [lfio] 
zeigen.  Ward  wie  vor  geantwortet,  das  sy  des  momdrigen 
tags  wöllind  erwarten.  Uff  herr  Niclausen  und  deß  fry  weibeis 
handel  ist  aber  der  venner  Bastler  genöttet  einen  rat  zü  geben, 
s Hat  ein  hitzige  grobe  red  getan,  die  geschlechter  mechtig  ver- 
unglimpfet, das  sy  sich  um  kleinföge  Sachen  so  mechtig  wider 
ein  statt  Bern  dörftind  setzen,  und  sy  aber  so  grosse  güttät 
von  ira  genommen;  und  was  es  joch  sige,  das  ire  vorderen 
etwas  der  statt  erschossen  habind,  da  sy  nun  gern  mer  wider 
10  nämind?  Er  schetze  einen  dry  tägigen  Berner,  wie  sy’s  nam- 
sind,  mer,  so  der  statt  das  iren  gern  erhielte  und  deren  fry- 
heiten  beschirmte,  dann  dise  alten.  Und  sig  wol  zü  gedenken, 
diewyl  sy  bißhar  am  regiment  gsin  und  die  fürnemsten  daran, 
das  sy  der  statt  fryheiten  wenig  gesücht  zü  eräferen,  denn 
is  sömlichs  wider  ir  herrligkeit  hette  gedienet.  So  sind  die 
neben  inen  nit  frisch  gnüg  gsin  oder  so  unbsinnt,  das  nie 
erä feret  worden,  wie  aber  wol  langest  not  were  gsin,  (oder 
so  unbsinnt)  und  so  ongverdt  das  glück  hette  gwöllen, 
das  der  nüwesten  amptlüten  einer  werde  tün  wie  sin  eidt 
20  wyse,  wie  ein  ieder  frommer  Bemer  schuldig  sige,  von  etli- 
chen des  adels  getobet  werde,  als  sy  hüt  ghört;  und  zü  glouben 
were,  welcher  inen  nit  wurde  recht  geben,  sy  den  als  einen 
fyendt  wurdent  fahen.  Und  nun  könnte  er  im  nüt  tün  dann 
einer  löblichen  statt  nutz,  er,  recht  und  fryheiten  zü  schirmen, 
äs  das  im  mer  angelegen  were  denn  aller  weit  gunst  oder  Un- 
gunst; und  truwete,  das  ein  ieder  frommer  Berner  also  ge- 
sinnet  were.  Harum  er  Gott  wölle  lassen  walten,  dem  er  ver-  (B1.25) 


9.  St.  da»  sy  nun  gern  widernämind  ff.  da  sy  nunmehr  gern  widern. 
2äs  scheint  mir  jede  Amdenmg  des  Textes  urmöthig,  sobald  man  den  ganzen 
Satz  als  Frage  faßt  und  die  Worte  „was  es  joch  sige“  in  dem  Sinne  von: 
was  es  denn  soviel  auf  sich  habe?  warum  man  auch  soviel  Gewicht  darauf 
lege,  dass  —)  16.  St.  daz  es  nie,  ff.  daß  si  es  auch  nie  geäfferet.  18.  oder 
so  unbsinnt  ist  durch  einen  Schreibfehler  wiederholt  und  daher  zu  streichen. 
19.  ff.  Bl.  der  nüwesten  amptlüten  einer  weißlichen,  wie  dag  sin  eyd  wise, 
miner  gn.  herren  recht  beschirmen  weite,  und  ihn  deß,  wie  ieder  frommer  Ber- 
ner schuldig  wäre,  glimpfet,  wurde  von  etL  des  adele  getobet,  das  hätten  si 
hütte  gehört,  und  wäre  zu  glouben  — 


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60 


I,  14.  Kistler  eröffnet  seine  Meinung. 


[1470]  truwete  ein  statt  von  Bern  und  die  iren  werde  erhalten. 
Daruf  getrßst  wfilte  er  im  namen  Gottes  sin  meinung  sagen: 
das  erstlich  er  ein  beduren  hette  an  herr  Niclausen,  das, 
wiewol  vormals  vor  disem  grossen  rat  beschlossen  und  erkennt 
sige,  das  min  gnedigen  herren  von  irer  hohen  grichten  wegen  s 
in  der  herrschaft  Worb  füg  und  recht  hettend  den  unfriden  uff 
brutloufen  zü  Verrüfen,  als  wol  als  herr  Niclaus:  deß  gelychen: 
die  trostung  oder  fridbruch  were  ein  gebott  und  Ordnung  miner 
herren  als  der  obersten  herrschatt,  von  iren  gnaden  ußgangen, 
und  nit  von  den  twingherren;  so  stündint  derselbigen  straff,  io 
wie  die  Ordnung  das  ußwyse,  ufzüheben  und  ynzüzüchen 
fniemants  zü  denn  ir  gnaden].  Nütdestominder,  so  hette  er 
einen  so  treffenlichen,  löblichen  rat  so  für  lichtverig  geachtet, 
das,  so  dozmal  ein  ieder  one  zwyfel  by  siner  conscienz, 
eid  und  er  erkennt  hat,  widerum  erAferet,  und  z’nüte  under- is 
standen  zü  machen,  das  er  nit  für  ein  kleinfüge  schmach 
hette.  Hierum  so  Hesse  er  dieselben  zwen  artikel  stan,  und 
das  dem  gelebt  wurde  wie  dozmal  min  gnedigen  herren  rät 
und  burger  beschlossen  habend.  Demnach  were  diser  statt 
rat  alleinig  beriift  worden  von  wegen  das  herr  Niclaus  den  a» 
fryweibel  mit  recht  gevertiget,  umb  das  er  obgemelt  verbot  in 
miner  herren  namen  getan,  und  darumb  um  100  & im  zü- 
bekennt,  darvon  er  der  fryweibel  ftir  ir  gnaden  geappelliert; 
und,  wiewol  das  mine  herren  im  kleinen  rat  erkennt,  zü  Über- 
fluß, denn  es  nit  von  nöten,  wie  herr  Niclaus  selber  bekennt » 
oder  bekennen  müß,  iedem  von  Worb,  so  sin  bedörf,  wol 
gezimpt  für  min  gnedigen  herren  zü  appelHeren,  und  nun- 
mer  des  min  herren  im  possess  und  gewerd  sind:  nüt  desto 
minder  hat  das  gricht  von  Worb  ime  die  appellatz  abbekennt 
mit  der  urteil,  und  vermeint  ouch  herr  Niclaus  dem  fryweibel  ao 
nit  für  min  herren  die  appellatz  gevolgen  ze  lassen;  als  ir  das 
alles  hüt  durch  das  urkundt  von  Worb  und  herr  Niclausen 


12.  G.  H.  Bl.  niemanta  zu  dann  ihr  gnaden  (ist  unzweifelhaft  aus 
dem  Text  gefallen,  da  der  Sinn  diese  Ergänzung  erfordert).  25.  G.  lässt 
bekennt  oder  aus.  27.  G.  dann  non  mehr. 


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I,  14.  Abstimmung. 


61 


red  wol  verstanden  hendt;  ab  welichem  flirnemmen  ich  noch  [wo] 
mer  beturens  han,  denn  von  dem  vorgenden.  Dann  wohin 
understat  herr  Niclaus  die  statt  Bern  zü  bringen?  Ich  gloub 
in  der  warheit,  wo  sömlichs  ein  gwaltiger  filrst  flirgenommem 
5 ir  min  gnedigen  herren  wurdent  es  im  understan  mit  einem 
landtskrieg  zü  weren.  Und  müssend  das  von  einem  Berner 
lyden!  Und  wend  doch  ja  vil  bessere  Berner  sin,  denn  andere. 

So  nun  ir,  min  herren,  hochherm  zü  Worb  sind,  und  alle  stuck 
daselbst  in  Übung  sind  so  einer  höchsten  oberkeit  züstond, 

» und  insonders  dallenme  in  possess  und  gewerd  der  appellatzen, 
wie  herr  Niclaus  selb  nit  alles  kan  verneinen,  so  ist  min 
meinung  und  rat : das  herr  Niclaus  den  fry weibel  umb  beide, 
des  gebots  und  des  trostbruchs  halben,  unersücht  lasse  oder 
im  vor  tlch  minen  herren  in  appellatz  wyß  antwort  gebe;  und 
»•■so  er  deren  keins  wölte  tin,  sonders  türfaren,  so  will  ich 
alle  die  geschwomen  oder  grichtsessen  zü  Worb,  so  sich  findt 
die  ungrymte  urteil  geben,  wo  ich  die  mag  ankommen,  lassen  (BL26) 
fahen  und  ftlr  recht  stellen,  zü  denselben  klagen  als  ver- 
letzeren  der  obristen  herrschaft,  so  da  hend  wollen  dieselbe 
8o  berouben  des  iren,  das  ir  gewerd  und  possess  sige;  und  be- 
dunkt  mich,  sprach  er,  uff  minen  eidt,  wo  es  hie  blyben 
söllte,  das  in  einer  sömlichen  sach  zü  miltiglich  geraten  were, 
besonders  herr  Niclausen  person  halb. 

Item  min  herr  sekelmeister  ward  gefragt.  Der  sprach 
äs  abermals:  er  hette  sich  der  lenge  nach  hüt  siner  meinung 
erlüteret,  darby  werde  er’s  lassen  blyben.  Also  seiten  ouch 
die  zwen  nachvolgenden,  Tschachtlan  und  Peter  Simon;  alle 
anderen  min  herren  volgetend  Kistleren.  Mine  herren  die 
burger  wurdent  umb  Kistlers  rat  gefragt  Do  hattend  alle 
so  die  uff,  so  vormals  ouch.  Und  als  man  nit  wyter  wolt  fragen, 
stündent  etliche  erbare  uff  und  seiten:  warumb  umb  des  sekel- 
meisters  rat  nit  ouch  wurde  gefragt?  Entsaß  min  herr  sekel- 
meister, es  wurde  wie  vormals  span  darus,  und  sprach:  er 
hette  doch  nit  geraten,  und  were  nit  briichlich  wider  umb 
ssalte  ratschleg  zü  fragen;  ntittestominder  ward  aber  vast  ge- 


10.  O.  nunmehr.  16.  St.  so  sich  finden  die  da. 


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62  I)  15.  Die  Twingherren  verwahren  ihre  Hechte. 

[t4ro]  zangket.  Die  alten  woltend,  das  gefragt  wurde,  die  andren 
nit;  und  das  der  span  ufhorte,  hat  Kistler  gefragt.  Und  als 
aber  das  mer  erfekt  ward,  ist  Kistlers  rat  das  mer  worden. 
Daruf  ist  herr  Niclaus  hinyn  beruft,  und  wollt  Kistler,  das  min 
herr  sekelmeister  ime  miner  herren  ansehen  eroffnete.  Das  5 
hat  er  nit  wÖllen,  ouch  sonst  keiner  tön;  da  hat’s  Kistler 
tan.  Hieruflf  herr  Niclaus  antwortet:  er  hette  sich  eines  anderen 
gegen  minen  herren  verseen,  bäte  aber  ir  gnaden,  sy  wölte 
nit  zürnen;  denn  er  an  diese  ir  meinung  nit  kommen  noch 
darby  verblyben  möchte.  Und  ward  daruf  von  etlichen  vast  10 
geruschet,  und  stönd  iedermann  uff,  denn  es  war  spat,  und 
hendt  also  disen  widerwertigen  morgen  geendet.  Gott  wölle, 
das  es  nit  vil  unheils  bringe! 

[15 J Morndes  tags  stönd  herr  Niclaus  im  rat  uff  und 
sprach:  min  herren  wüßtend,  wie  sine  vorderen,  die  von  fe 
Büren,  von  inen  vor  vil  jaren  die  herrsehaft  Signouw  erkouft, 
wie  die  herren  von  Signouw  die  inghept  und  besessen  hettend, 
allein  etwas  kleins  Vorbehalten,  sampt  dem  gricht  von  Röten- 
bach, wie  inen  das  kund  were ; were  ouch  deren  biß  uff  den 
iiüttigen  tag  also  in  besitzung.  Darby  wüßtend  sy,  das  das-  20 
selbig  gscblecht  und  herren  fryherren,  so  keinen  oberen  er- 
kennt heigend,  werend  gsin.  Und  als  min  herren,  im  un- 
verschuldt,  sich  mit  im  uß  antryben  des  fryweibels  und  siner 
ratgeben  in  spän  gegeben  und  darüber  etwas  gestert  ge- 
ordnet, daran  er  doch  nit  kon  möchte,  wölte  er  gern  von  *5 
iren  gnaden  verstau,  ob  es  ir  meinung  were,  sich  deren  ver- 
botten  zü  gebruchen  und  straffen  ynzdzüchen  in  der  herrsehaft 
Signouw,  wie  sy  vermeintend  in  der  herrsehaft  Worb?  Und 
ist  hiemit  abtr&tten.  Glych  stöndent  min  herr  Schultheiß, 
herr  von  Bübenberg,  Ringgeldingen,  ouch  all  ander  uff  und  so 
seitend:  Min  herren  hettend  sy  gestrigen  tags  von  herr 
Niclausen  von  Dießbach  span,  so  der  fryweibel  erfunden, 

(Bl,27)  heissen  abträtten  und  für  partygisch  gehalten,  deß  sy  sich 
wenig  verseen  hettend  und  darby  abnemmend,  das  sy  frylich 
hinder  inen  in  iren  herrschaften  uf  des  fryweibels  angebung  « 


8.  St.  sy  wöltend. 


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I,  16.  Die  Twingherren  verwahren  ihr«  Rechte.  63 

oder  nüwerung  ouch  wölten  sich  sömlich  verbotten  und  straffen  [/470] 
ynzüzüehen  gebruchen.  So  aber  uff  gestrigen  tag  venner 
Kistler  in  der  antwort  herr  Niclausen  gegeben  hette  gemeldet: 

„in  der  herrschaft  Worb“,  und  nit  in  gemein  gredt  hette,  und 
5 darum  nit  möchtind  wüssen,  ob  min  herren  etwas  wyters 
zü  Worb  dann  in  iren  herrschaften  hettend,  uff  das  sy  sich 
nit  klagtind,  eb  inen  etwas  beschehe,  begertind  sy  ein  er- 
lüterung  von  minen  herren,  ob  sy  sich  in  iren  hohen  und 
nideren  griehten  understfindint,  semliches,  wie  sy  gestern 
io  gegen  herr  Niclausen  in  siner  herrschaft  Worb  erlütteret 
hettend,  zü  gebruchen?  wiewol  sy  inen  dessen  keineswegs 
truwtind.  Und  sind  ouch  hiefür  gestanden.  Daruff  ist  herr 
Niclausen,  ouch  herr  schultheissen  und  allen  anderen  geant- 
wortet: das  uff  morndrigen  tag  man  inen  wurde  den  grossen 
ia  rat  versanden,  da  möchten  sy  ir  anbringen  fürwenden.  Und 
morndes  ist  herr  Niclaus  vor  dem  grossen  rat  des  ersten  ver- 
höret, hat  sin  anligen,  wie  deß  vordrigen  tags  enteckt.  We- 
lichem  diser  bescheidt  worden : das  in  der  herrschaft  Signouw 
gebüre  dem  fryweibel  das  verbott  des  unfridens  nit  zü  tün;  . 

20  aber  die  straff  der  fridbrüchen,  wie  die  in  der  ufgrichten  Ord- 
nung angesehen,  uff  das  es  miner  gnedigen  herren  gebott 
und  nit  des  underherren,  die  söll  der  fryweibel  ynzüchen 
und  irem  sekelmeister  darumb  rechnung  geben.  Daruff  ant- 
wortet herr  Niclaus:  er  hette  des  kein  wüssen,  das  er  von 
»5  iren  gnaden  begert  habe,  das  sy  darum  erkennen  sölltend, 
wie  der  venner  Kistler  gseit  hette,  das  ir  gnaden  das  uff  sin 
begeren  erkennt  habindt;  er  nemme  ouoh  sömliches  erkennen 
nit  an,  dann  es  gestracks  wider  sinen  koufbrief  were,  den 
sy  im,  ob  Gott  wil,  halten  werdint.  Er  hette  allein  das  be- 
3o  gert,  sich  zü  erkunden,  ob  sy  glyches  fürnemmens  werind 
in  der  herrschaft  Signouw,  wie  sy  sich  vorgestern  entschlossen 
in  siner  herrschaft  Worb  handlen  wöltend,  und  uff  das  er 
gsehe,  öb  die  brief,  so  im  eine  stat  Bern  geben,  und  ander 


4.  St.  in  der  herrschaft  Worb.  Denn  in  ihren  herrschaften  hätten  d 
sy  nöt,  nff  das  sy  sich  (der  Text  ist  verstümmelt) . 21.  O.  nmb  daß  es  — 
gebott  sey  (scheint  richtig).  32.  St.  daß  sy  in  siner  herrschaft  Worb. 


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64  I,  15.  Die  Twingherren  verwahren  ihre  ßechte. 

[/470]  alt  unargwönig  brief  in  glychem  werdt  oder  nit  by  inen 
werindt?  So  hette  er  leider  iez  erkundet,  das  ein  junger 
Mfner  puwr  ein  löbliche  statt  Bern  dahin  gebracht,  das  beid 
ire  und  andere  erliche  und  redliche  brief  und  sigel  nüt  mer 
gelten  söltend:  hoffete  aber,  Gott  wurde  sin  gnad  hieryn  s 
senden,  das  es  besser  wurde.  Uff  dise  red  hat  Kistler  in 
gheissen  abträtten  und  gesagt:  min  herren  mögind  nun  wol 
hören,  was  herr  Niclaus  für  ein  Berner  were,  und  was  er 
gegen  minen  herren  im  sinn  habe;  das  ja  kein  frömbder  ie 
so  schantlich  der  statt  Bern  ie  zögeredt  habe.  Wölle  man  in  io 
darum  kramen,  möge  ers  ouch  lyden.  Und  als  von  etlichen 
ward  geschruwen:  er  sölte  ein  frag  darumb  han!  hat  er  min 
herrn  sekelmeistem  angefragt,  welcher  geantwortet:  er  habe 
vorgestert  in  disen  hendlen  siuen  beschluß  gemachet,  und 
das  mermals  gebetten,  ine  nit  wyter  ze  dringen.  Daruff  sprach  in 

(B1.28)  Kistler:  das  treffe  denselben  liandel  nüt  an,  disers  treffe  einer 
statt  Bern  er  an,  die  so  großlich  hüt  von  dem  rnpnn  ange- 
tastet were;  darüber  sölte  er  raten,  by  sinem  eidt,  den  er 
. der  statt  geschworen  beige.  Do  antwortet  der  sekelmeister : 
diewyl  er  by  sinem  eidt  erkennen  sölte,  so  müßt  er  be-  so 
kennen,  das  herr  Niclaus  von  Dießbach  die  warheit  geredt 
hette.  Wie  er  dann  etwas  darum  könnte  raten,  diewyl  min 
herren  mit  im  leider  in  grosse  spän  werend  kon  ? Kettend  sich 
eines  richterampts  underwunden,  da  sy  aber  wol  söltend 
verstan,  das  herr  Niclaus  nit  wölte  der  urteil  geleben,  umb  ss 
das  sy  sicher  werind.  Also  wurd  er  sich  in  disem  liandel 
noch  mer  klagen;  dann  es  wurde  nit  güt  und  herrscliaften 
antreffen,  sonders  er  und  lyb : söltend  sy  in  denn  berechtigen, 


3.  ff.  fauler  baur.  9.  ff.  ob  doch  kein  frömbder.  H.  ob  doch  ie  ein 
frömbder.  11.  II.  mögen  si  daran  kommen.  11.  kramen  — da  sich  keine 
Variante  dieses  befremdlichen  Ausdrucks  in  den  Handschriften  findet  (denn 
„kommen“  t»  H kann  nicht  in  Betracht  kommen),  so  bleibt  nur  übrig 
„Kramen“,  ironisch  in  dem  Sinne  von  „ einem  ein  Geschenk  machen,  ihm 
etwas  eintränken,  vergelten “ zu  nehmen.  15.  St.  u.  ff.  lassen  „daa“  aus. 
29.  ff.  — könnte  raten,  dann  der  Sachen  halb,  da  min  herren  in  grosse  span 
mit  ihm  leider  wären  kommen  und  sicheines  richterambts  hätten  nnderstanden. 


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I,  15.  Tumult  in  der  Burgerstube. 


65 


so  wurde  er  wol  mögen  erzeigen,  was  er  gredt  hette,  die  [/d70 
warheit  were.  Also  möchtend  mine  herren  nit  wol  entrtinnen ; 
dann' in  eräferung  diß  nilwen  handeis,  welicheu  wäg  s y für- 
nemmind,  sige  nachred,  schmutz  und  uner  zü  erlangen;  were 
5 ouch  zü  entsitzen , wo  sy  nit  anfiengind  wyßliclier  zu  rat- 
schlagen denn  aber  etlich  tag  were  beschehen , ein  statt  noch 
ungeschicktere  wort  zü  vertragen  müsse,  dann  herr  Niclaus 
ie  gredt  hette.  In  dem  fiengendt  etlich  an  schryen:  herr 
Niclaus  hette  nit  die  warheit  geredt;  und  wurden!  groß  un- 
io  züchten  mit  wyß  und  Worten  begangen,  und  das  getümmel 
und  gesclirei  also  groß,  das  min  herr  Schultheis  und  die 
erlichen  geschlechter,  die  stattknecht  und  alle  diener,  ouch 
wer  uff  dem  rathuß  war,  meintend,  mine  herren  werend  zü 
hand  an  einandren  kommen.  Darum  min  herr  Schultheiß  die 
io  tilr  uftet  und  kam  hinyn  mit  allem  volk,  und  war  vast 
zornig  der  grossen  Unzucht,  und  lobt  doch  Gott,  das  es  nit 
stünd,  als  er  forcht.  Aber  es  war  vast  zyt  das  er  käme,  mines 
bedunkeus,  und  fieng  der  güt  fromm  ritter  an  zü  klagen: 
wie  sich  die  einigkeit  dises  rates  hette  verkert,  by  deren  die 
2o  statt  hette  zügnon.  Er  furchte,  solle  es  also  beharren,  das  sin 
ein  statt  in  etlich  weg  bald  müsse  entgelten.  Und  das  hette 
können  z’wegen  bringen  der  einig  witzig  fryweibcl  und  wenig 
siner  handhaberen!  Do  mocht  sich  Kistler  nit  enthalten  denn 
das  er  seit:  es  werend  vil  redlicher  Berner,  die  filrnemlich 
25  denen  die  schuldt  gebendt,  die  sich  umb  kleinfüge  Sachen 
wider  ein  statt  satztend  und  dero  gerechtigkeit  nit  wöltind 
lassen  gan,  darzü  sy  füg  bettend.  Do  antwortet  min  herr 
schultheis : er  wüßte  keinen  under  denen,  so  hie  by  im  stün- 
dent,  denn  das  sy  allein  hoffetend,  darumb  sy  güte  brief  und 
so  sigel  bettend  und  etwan  menge  landtsgwerd , darby  wurdent 
sy  min  guedigen  herren  schirmen.  Und  fieng  an:  warumb 
sy  vor  minen  herren  da  erschinindt;  und  das  sy  Uber  den 
handel  rietind  und  antwortind  früntlich,  nit  kybindt;  dann 
sy  hettend  nun  etwan  mermalen  dermassen  sich  erzeigt,  wo 


7.  St.  Bl.  wort  ertragen  müßte.  G.  müßte  vertragen.  9.  G.  geredt: 
dargegen  viel:  er  hätte  die  warheit  geredt. 

Quellen  tur  Schweiicr-Getoliichte.  I.  5 


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66 


1,  15.  Abstimmung  vor  Räth  und  Burgern. 


[1470]  es  mer  sölt  beschehen,  wurd  im  von  nöten  sin,  als  irem 
houpt,  fürseh ung  zfl  tön;  welches  aber  einem  wysen  rat  vast 
spötlich  wurde  sin.  Aber  die  gefar  were  zü  groß,  darum  er’s 
nit  wurde  können  underlassen;  wölte  darmit  beide,  min 
herren  groß  und  klein  rät,  ermannt  und  gwarnet  han;  und  s 
gieng  hinus  mit  den  anderen.  Demnach,  wiewol  Kistler  sich 
(B1.29)  vast  wert,  müßt  er  doch  den  ersten  rat  geben.  Der  was,  wie 
er  gegen  herr  Niclausen  geben  hat : dann  sy  hettend  nit  mer 
in  iren  hohen  und  nideren  grichten,  denn  wie  ouch  derselbig; 
und  wie  desselbigen  bscheidt  vorgester  und  hüt  were  ergangen,  io 
also  wölte  er  sich  mit  disem  halten  und  darvon  sich  nit  lan 
wenden.  Hat  darum  umgfragt;  dann  der  sekelmeister  wolt 
nit  raten,  ouch  etlich  wenig  mit  im.  Do  ward  der  groß  rat 
gefragt,  da  sich  aber  groß  zangk  hat  erhept.  Und  aber,  uß 
pit  und  wyßlichem  ermnnen  des  seckelmeisters,  sind  die,  so  is 
an  sinem  ersten  ratschlag  hielten,  abgewisen  und  gestillet, 
und  hat  also  Kistler  abermal  überwunden  und  begert,  das 
die  urteil  vor  rät  und  bürgeren,  wie  ouch  züvor,  wurde  geben. 
Do  wardt  min  herr  Schultheis  und  all  ander  wider  hinyn 
brüft  und  hend  die  antwort  über  beide  stuck,  des  unfridens  eo 
in  den  nideren  grichten  zfl  verbieten  und  die  fridbrüch  in 
hohen  und  nideren  grichten  ynzenemmen,  und  wie  es  herr 
Niclausen  war  erlütteret. 

[16]  Daruff  habend  sy  begert,  das  mine  herren  still  hal- 
tind,  biß  sy  umb  ein  wort  by  einandren  sigind  gsin,  uff  das  * 
sy  nit  morndes  aber  müssindt  harkon  und  syen  bekümmeren; 
tratend  hiemit  uß  und  bald  kamendt  sy  wider  ynhin.  Do  fieng 
an  herr  Adrian  von  Bäbenberg  und  erzellt  von  der  Stiftung 
der  statt,  wem  sy  bevolen  zä  regieren  im  anfang,  und  das 
noch  derselben  geschlechten  drü  hie  zägegen  stündint,  die  ao 
von  Erlach,  Urban  von  Muleren  und  er,  so  sampt  anderen, 
die  ire  vorderen  gsin,  hinin  in  die  statt  gezogen,  ouch’  etwan 
genötet,  dise  statt  hettend  ufbracht  und  derselben  mit  iren 


20.  G.  die  antwort  empfangen.  23.  G.  erbittert  worden.  26.  G.  Bl. 
uf  daß  sie  sie  nit  morndes  müßten  harken  ( Bl . helken)  und  bekümmern. 
32.  G.  Bl.  gezockt. 


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I,  16.  Rede  Adrians  von  Babenberg. 


67 


herrschaften  ein  landschaft  z fl  ring  umb  die  statt  gemachet,  [1470] 
mit  welicher  nmnnschaflt  sy  einen  grossen  teil  oder  all  ir  land 
hettend  Uberkon.  Dann  das,  so  sy  schon  erkonft,  were  inen 
nit  zü  koufen  worden,  denn  von  forcht  wegen  der  weideu- 
s liehen  ritterschaft,  so  in  der  statt  warend,  und  der  hilpschen 
. niannscliat't,  so  die  statt  von  dem  yngezogenen  adel  hat  über- 
kon,  so  die  grossen  graffen  und  fürsten  an  etlichen  enden  er- 
kundet hattend.  Und  wer  het  ouch  die  erkouften  herrschaften 
bezalt?  Warlich  der  gmeine  schlecht  burger  nit,  oder  doch 
io  nit  vil,  so  joch  ein  teil  darumb  ufgleit  worden.  So  hat  noch 
die  statt  do  wenig  rent  und  gült.  Dann  ir  gseend,  so  die  statt 
iez  in  groß  rent  und  güt  kon  ist  und  die  vile  der  landen 
überkon  het  und  denocht  iez  kum  mag  fürkon,  das  oft  wirt 
gredt:  wo  der  iezig  sekelmeister  nit  so  vil  jaren  so  kündig 
is  der  statt  huß  hette  ghalten  oder  bald  abgan  sölte  mit  tot, 
das  die  statt  etwas  böß  an  die  liand  müßte  nemmen,  domit 
sy  uß  schulden  k;tme.  Warlich  die  grossen  rychen  geschlecht, 
die  in  der  statt  warend,  hend  dise  kouf  vast  müssen  bezaleu. 

Wer  het  die  langwyrigen  krieg  gegen  denen  fürsten  mögen 
*o  tragen  und  erhalten?  Zwar  der  stattsekel  nit;  dann  sy  hat (Bl.30) 
kein  landtschaft  von  deren  sy’s  neme:  so  hette  es  der  schlecht 
burger  und  handtwerksmann  ouch  nit  vermögen:  aber  der 
rych,  mechtig  adel,  deß  alle  rent  und  gült  in  diser  landtschaft 
in  zweien  oder  dryen  mylen  wegs  in  alle  ründe  harum  her 
25  war,  der  ouch  die  gemeinen  handtwerkslüt  diser  statt  erzog, 
der  het  die  schweren  krieg  erhalten.  Was  rychtagen  sy  ghept 
habind,  findent  ir  wol  in  so  viel  klösteren  in  diser  statt  und 
in  der  ganzen  landtschaft  so  man  kürzlich  genempt  die  vier 
landtgricht,  die  sy  gestift  und  begabet  hend;  und  sonderlich 
so  wenn  etliche  geschlecht  abgiengendt,  als  leider  mit  grossem 
schaden  diser  statt  an  zal  abgangen  sind,  so  gabend  sy  all 
ir  rent  und  gült  dahin,  das  nun  der  statt  nüt  mer  zü  hilf 
kumpt,  weder  in  lieb  noch  leid,  wie  zfivor;  [da]  bleib  es  vast 


11.  St  da  batte  ouch  dazamahl  die  statt.  12.  O.  and  vil  der  landen 
hat.  33.  St.  wie  zuvor;  da  blieb  es  vast  der  statt.  O.  wie  zuvor;  bleibt 
vor  der  statt  vast.  (Das  Mnscpt.  interpungirt  nicht  nach  zuvor.) 


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68 


I,  17.  Rede  Adrians  Ton  Babenberg. 


[/-#70]  der  statt.  Und  hend  die  erlichen  gschlecht  vermeint  Gottes 
er  zü  schaffen  und  ir  er  und  selenheil,  so  förcht  ich,  sy  hei- 
gend  vil  hüren  und  hüben  gestift;  wo  sy  das  betrachtet  hettendt, 
hettend  sy’s  on  zwyfel  lieber  der  statt  verordnet,  wie  ouch 
etlich  getan.  Dann  vil  erliche  absterbende  geschlecht  hend  5 
ir  güt  der  statt  verordnet,  so  ich  wol  wüsste  zü  finden.  In 
summa,  so  ist  ein  s ("unlieber  treffenlicher  adel  in  diser  statt 
gewesen,  das  wir  iez  zü  unseren  zyten  weder  an  lyb  noch 
personen  und  noch  vil  minder  an  güt  vermöchtend  zü  ver- 
zeenden.  Die  hand  der  statt  er  und  uffnung  gesücht  und  da  io 
weder  lyb  noch  güt  gespart,  ouch  ire  undertanen  in  der  ganzen 
landtschaft  darzü  gehalten. 

[1 7]  Do  sy  gemachet,  das  sich  daryn  etliche  frömbdling 
und  nüwe  Berner  setzten  — das  wir  inen  nit  verbannend, 
hetten  ouch  gern  er  und  fründtschaft,  wie  ein  burger  dem  is 
anderen  schuldig,  bewysen  — understönd  uns  um  unsere 
alte  und  erbare  recht  zü  bringen  wo  es  an  inen  stünde , und 
nemmend  [nennend]  der  statt  nutz,  den  sy  nie  gsücht,  und 
derselben  fryheit  von  königen  und  keiseren  gegeben,  die  sy 
nit  verstöndt,  und  redent  von  redlichen  Berneren,  gebend  so 
lieber  das  ir,  denn  sy  sich  wider  die  statt  legtind.  — Wie 
redlich  sy  sigind,  sölte  man  noch  wol  yngedenk  sin  syt  dem 
nechsten  früling,  so  man  mit  den  Oesterrychem  ghept.  Oder 
was  hend  sy  noch  der  statt  des  iren  geben  oder  nummen 
nachgelassen?  Ich  gsich  nüt,  denn  das  sy  stets  von  der  statt  ts 
nemmendt,  glebend  und  rych  werdent,  die  kürzlich  arm  gsin 
sind.  So  sy  nummen  unz  gan  Höchstetten  oder  Stettlen  rytendt 
und  ein  mal  uß  essend,  so  müß  es  alles  wol  bezallt  sin.  Do 
aber  in  Frankrych,  zum  keiser,  zü  dem  herzogen  von  Bur- 
gundt  hinab  in  die  Niderlandt,  gan  Turyn  zum  herzogen  von  so 
(B1.31)  Saffoy  z’ryten  ist  gsin,  da  sich  erliche  ufrüstung  von  üwer 
miner  herren  wegen  gebürt,  hat  herr  Niclaus  von  Dießbach, 


9.  ff.  vermöchtend  oder  wüsstend  zu  erzehnden.  12. 13.  St  dahin  gehalten, 
daß  ey  gern.  13.  ff.  gemachet,  darin  sich  — setzind.  IS.  St.  sy  nnderstnnd  aber 
uns,  ff.  so  nnterstandt  sy  uns.  18.  ff.  und  nennend  es.  23.  früling  — so  lesen 
dUe  Handschriften-,  es  ist  eine  Misschreibmg  von  nrliug,  d.  i.  Orlog,  Krieg. 


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I,  17.  Rede  Adrians  von  Bubenberg. 


69 


min  herr  schultheis,  min  alter  herr  Schultheis  von  Ringgel-  [wo] 
dingen  und  ich  müssen  ryten.  Ich  wölt,  das  dieselben  an 
miner  statt  werend  gewäsen,  ich  wölte  gern  gseen,  was  sy 
der  statt  hettend  wurden  han  geschenkt!  Ich  aber  will  können 
srechnung  geben,  das  syt  herr  Heinrichs,  mines  vatters,  tot, 
das  nit  lang  ist,  ich  von  diser  statt  wegen  ob  den  500  ryni- 
scher  guldinnen  verritten  han,  so  ich  noch  zum  teil  üweren 
wat-  und  handtwerkslüten  schuldig  bin.  Ich  weiß  wol,  das 
die  anderen  miner  herren  dry  iren  teil  ouch  hend  ghept.  Das 
io  beturet  mich  nüt,  dann  unsere  vätter  mer  getan  hendt.  Dise 
wend  aber,  das  wir  gebend  und  der  statt  nüt  mer  zü  dienen 
oder  geniessen  habindt,  oder  sy  wend  es  uns  sonst  anrichten 
zü  nemmen.  Wir  gseend  so  sy  den  angriff  nit  dürfen  tün, 
müssend  sy  einen  frichen  puren  zum  dorf  anreisen.  Und  gloub 
is  ftirwar,  umb  dise  und  unserer  vorderen  woltaten  hassind  sy 
uns  und  verdarbtend  uns  gern,  dornit  sy  uns  kein  dankbar- 
keit  schuldig  werend.  Sy  aber  könnend  der  statt  nüt  gen, 
sonder  nemmen,  und  toub  werden,  so  ein  frommer  Berner 
die  woltat  unser  vorderen  und  unsere  dienst  anzücht.  Ja, 

» die  zü  verkleineren  und  andere  wider  uns  anzühetzen,  dür- 
fend sy  hin  und  wider  sagen:  es  wölle  ein  nüwer  inütwilli- 
ger  adel  ufstan,  so  statt  und  land  überlegen  wölle  sin,  und: 
ire  vorderen  habind  sy  nie  mögen  dulden,  sonders  vertriben 
und  daran  ir  schweis  und  blüt  vererret,  und  tünd  das,  andere 
» z’nöten  mit  uns  ouch  also  z’machen , und  schemend  sich  nüt, 
öffentliche  lüg  und  ding  zü  sagen,  von  denen  sy  nüt  wüssendt. 

Dann,  wie  hievor  gseit,  so  het  ein  regiment  von  Bern,  weli- 
ches  der  adel  iewelten  gefürt  hat,  keinen  adel  ie  vertriben, 
aber  wol  grosse  krieg  mit  graffen  und  fürsten  gehept  und 


11.  G.  daß  wir  der  Stadt  nüt  mer  zu  geben  oder  zn  dienen  babind. 
13.  G.  wie?  gseend:  14.  St.  G.  anwysen.  Dorf  ist  vielleicht  in  dörfen  zu 
verbessern.  Vbn  Rodt  vergleicht  die  bemerisch  mundartige  Redensart:  er 
ist  uf  ihn  z’dorf  = darauf  los,  die  aber  kaum  so  verkürzt  werden  konnte, 
auch  widerstrebt  der  Artikel  in  znm  d.,  statt  z’dorf.  25.  G.  und  rathen, 
daß  von  nöten  seye,  mit  uns.  St.  es  mit  uns. 


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70 


],  17.  Rede  Adrians  von  Babenberg. 


[1410]  denen  angesiget.  Und  das  hat  die  statt  durch  den  adel  uß- 
grichtet.  Und  wie  hette  sy  denselben  vertryben,  so  der  gröst 
adel  diser  landen  in  dise  statt,  wie  ouch  etliche  in  andere 
stett,  gezogen  und  hie  abgestorben,  und  deren  ich  wol  wölte 
wttssen  etwan  uff  die  40  geschlecht  zil  erzellen?  Wär  aber  s 
der  nüw,  mfitwillig  und  überlegen  adel  sige,  der  ufstan  wil, 
den  kenn  ich  nit,  sy  sigend  denn  dieselben.  Dann  wir  hend 
noch  in  der  statt  Bern  von  niemants  keinen  mütwillen  noch 
Überlegenheit  gehört  oder  gespürt;  were  ouch  nit  geduldet 
worden.  Sind  aber  hie  in  wenig  jaren  nit  etlich  ufgestanden,  io 
so  etwan  schlecht,  arm  gsellen  warend,  konntend  werken, 
handtwerk  tryben?  Aber  sy  könnend’s  nilmmen,  dann  allein 
groß  junkherren  sin,  die  man  grüßt  und  nampt:  meister  Peter, 
meister  Rüdolf,  meister  Hans!  Iezund  solt  man  sich  nit  vor 
inen  tief  bucken,  ein  halb  myl  wegs  mit  entecktem  houpt  i* 
(B1.32)  gegen  inen  kon,  nit  junkher  und  herr,  ja  ouch  gnädiger  herr 
sagen,  wurde  es  übel  gan.  Wie  oder  warmit  hendt  sy’s  so 
schnell  überkon,  so  sy’s  doch  nit  ererbt  hend  und  vor  kur- 
zen jaren  arm  gsin  ? Fürwar  es  mag  nit  iedermann,  so  neben 
inen  gewonnt,  sin  nutz  gsin.  Und  iez  fahend  sy  aber  an  *> 
mötwillen  und  wend  uns  unsere  vätterlichen  und  mütterlichen 
erb  nemmen,  ja  ouch  deßhalb  unverhört;  dann  sy  weder  un- 
sere brief  noch  sigel  nie  ghört  noch  wöllen  hören,  denn  des 
einigen  herr  Niclausen  von  Dießbaehs.  Dieselben  geltend  ouch 
nüt  by  inen,  obglychwol  die  alten,  wysen,  tiiren  Berner  die-» 
selben  under  der  statt  sigel  hend  lassen  ußgan.  Ist  das  nit 
gemütwillet,  so  weiß  ich  nit,  was  gemütwillet  heißt.  Lieber, 
wenn  sömliche  gricht  und  recht  von  einem  grossen  fürsten 
ußgschrüwen  wurdent,  wurdent  dise  nit  selber  sagen : 0 was 


3.  G.  allein  in  die  statt  (aoßgnohn  etlich,  so  onch  in  andere  stett) 
zogen.  19.  St.  gsin  sin.  20.  St.  ihr  nntz  gsin  sin.  G.  Bl.  es  mag  nit  ieder- 
man  (Bl.  iedermans),  so  neben  inen  gsin,  nntz  gsin  syn,  es  maß  etwan  ein 
weybsgesessen  legen  gsin  syn.  Bl.  schreibt : wyttsgesessen  legen  (beides  ist 
mir  unverständlich;  das  weibsgesessenlegen  scheint  auf  einen  Erwerb  durch 
Heirath,  auf  ein  Anlegen  Weibergut  eu  erhaschen,  huizudeuten). 


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1,  18.  Bede  Adrians  von  Bubenberg. 


71 


grosser  tyrannen  sind  das?  Und  sy  tünd's  selber!  Sind  ouch  [wo] 
sömliche  wyse,  htlpsche,  gerechte  bekanntnussen  von  uns  ie 
gehört  oder  gegen  iemants  ie  gemütwillet?  Sy  könnend ’s  nit 
erzeigen. 

s [18]  Oder  warin  sind  wir  iemants  überlegen?  Villicht 
in  dem,  das  all  unser  rent  und  gült  hie  in  diser  statt  vertan 
und  verzert  wirt  und  vil  mer  darzü  etwan,  das  ich  ouch, 
wenn  der  watmann  bezalt  wil  sin  und  nit  ein  matten  oder 
hoff  nemmen  wil,  ouch  [mich]  im  muß  ziußbar  machen.  Wir 
io  fürend  unser  körn  haryn  uß  pit  der  handtwerkslüten  und 
gend  inen  das  an  bezalung,  und  zweier  plaparten  neher  dann 
die  landlüt.  Deßglychen  mit  unserem  wyn,  den  wir  allen 
haryn  fürend;  da  behaltend  wir  einen  zimlichen  schlag  und 
gang  der  ganzen  gemeind  und  bezalend  der  statt  ein  grosses 
is  umgelt  und  bößpfenning,  des  wir  wol  entprosten  werend,  so 
wir  den  in  liüser  vor  der  statt  ynleitend  und  denselben  ouch 
da  trunkend ; so  kämen  wir  nit  also  in  schulden,  das  ich  für- 
war by  lengem  entsitzen,  das  wir  by  unserem  dienen  oder  unsere 
kind  zü  arrnüt  müssind  kommen,  und  das  unsere  güter  ouch 
io  etlichen,  so  uns  iez  gern  das  unser  nämend,  in  die  handt  werde. 

Also  mütwillend  wir  hie  und  sind  einer  gemeind  überlegen!  Wo 
sy  aber  wöltend  sagen:  „ist  es  nit  in  der  statt,  so  ist  es  uff  dem 
landt“,  so  wil  ich  sy  gebetten  han,  das  sy  uns  einen  einzigen 
anzeigindt,  mit  dem  gemütwillet  sige  worden  oder  der  klage,  das 
*5  wir  im  überlegen  sygihd ; es  were  denn  etwan  ein  böser  leker, 
so  nach  bekanter  urteil  von  uns,  und  denocht  gnedigklich,  ge- 
strafft worden.  Gange  einer  herfür,  der  könne  klagen,  das 
wir  einichem  das  sin  understanden  zü  nemmen,  oder  wyb 
und  töchteren  zü  sehmechen.  Es  wirt  sich  nit  finden.  Und 
so  in  summa,  so  sindt  wir  unseren  undertanen  also  überlegen, 
das,  so  wir  in  der  statt  dienst,  wie  vorgemelt,  uns  so  wol  huß 
hendt,  das  wir  understündent  etwan  etliche  unsere  herr- 
schaften  hie  minen  gnedigen  herren  und  anderen  zü  verkoufen,  (B1.33) 


9.  G.  mich  ihm.  St.  ich  mich  ouch  ihm.  11.  G.  ohne  Bezalung.  20.  G.  in 
die  hur  (.Harrt  ?)  werde  ( der  Sing,  „werde“  ist  incorrect  auf  „du  unser“ 
bezogen), 


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72 


J,  18.  Bede  Adrians  von  Bubenberg. 


[ifto]  das  wir’s  von  irer  grossen  pit  wegen,  das  ouch  flirzekon  sy 
sich  selber  gesehetzt  und  angeleit  und  darmit  unsre  schulden 
züm  teil  bezalt  hendt,  underlassen;  das  vil  miner  herren  zü- 
gegen  wüssendt.  Wie  ist  im  nun  z’tün,  das  wir  mögind  unser 
er  und  erb  vor  disen  ufsetzigen  lüten  bewaren,  weliche  beide  s 
untrüglich  zü  verlieren  sind  ? Lichtlich  wtlssend  wir’s  zü  tön , 
wenn  wir  diser  statt  rüw,  er,  güter  Ordnungen  als  wenig 
wöltend  verschonen,  als  sy.  (uns  heissend)  [Sy  heissend  uns] 
hinus  gan,  sünderend  uns  von  einandren,  uff  das  sy  uns  das 
unser  mögind  mit  allen  listen  und  alefanzen  nemmen,  und’ 10 
wir  duldend’s  alles  von  der  statt  und  regiments  rüw  wegen, 
uf  künftiges  end,  das  güte  Ordnungen  nit  ufgchept  werdint 
Dann,  so  wir  uns  nit,  wie  sy  wend,  liessend  Blinderen  und 
hinus  tryben,  als  wir  wol  möchtend,  was  hettend  sy  oder 
was  möchtend  sy  uns  tün?  Nüt.  Und  wellend’s  denocht  in  15 
der  statt  namen  tün,  mit  welichem  deckmantel  sy  allen  iren 
gewalt  und  ungrechtigkeit  verdekendt,  das  billich  Urban  von 
Muleren  redt  und  by  vilen  frommen  in  ein  sprüchwort  kon 
1st:  er  wölle  der  statt  gern  dienen,  aber  für  die  statt  nit  in 
d’hell  faren.  Und  umb  das  (nun)  [man]  inen  zun  zyten,  wie* 
billich,  das  fürkumpt,  denn  so  sind  wir  inen  ein  überlegner 
adel.  Und  sind  aber  also  gelert,  wenn  man  niemants  wider 
recht  das  sin  endtfrömdet  und  da  obheige,  das  sy  [sye]  denn 
der  statt  nutz  und  er  und  den  eidt  gehalten.  Nun  duldend 
wir’s,  obwol  sy  nüt  die  statt  sind,  als  sy  sich  ußgend,  sonder  *5 
vil  mer  uff  unser  syten  die  statt  ist.  Dann  in  den  ämpteren 
und  mereren  zal  der  personcn,  die  in  das  regiment  verordnet 
sind,  wirt  die  statt  benamset;  wir  hend  uff  unser  syten  den 
nüwen  und  die  alten  schultheissen,  nüw  und  alt  venner  und, 
als  wir  hoffend,  den  meren  teil  des  kleinen  rats.  Und  wer» 
zwyflet,  so  wir  by  einandren  wercnd  und  uns  wider  züsammen 
t&tind  (das  sy  uns,  ob  wir  wölten,  nit  weren  möchtend),  sy  . 
ouch  wyt  übertreffend?  Aber  wir  wend  diß  regiment  in  kein 


6.  St.  unerträglich.  8.  G.  Bl.  als  sy.  Sy  heissend  uns.  20.  St.  läßt  nun 
aus.  G.  Bl.  man  inen.  23.  Bl.  daroh  heige.  St.  G.  sye  (seye).  33.  G. 
deßgleichen  onch  im  großen  raht  sy  weit  übertreffen? 


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I,  19.  Fränkli's  Meinung. 


73 


gfar  oder  Unordnungen  bringen,  sonder  wend  das  rüwiger  an 
die  hand  nemnaen  und  wend  denselben  nttwlingen  umb  ire 
nüwerungen  ein  zimlichs  recht  erbieten,  und  ein  recht,  das 
sy  sdchindt  fromme,  unverlümbdete  menner  im  landt  oder 
5 usserthalb,  wo  sy  wöllendt,  oder  joch  im  kleinen  oder  grossen 
rat  diser  stat,  ußgeschlossen  dise,  die  also  unerturet  schnell, 
und  gar  noch  unverhört,  uns  unsre  er  und  erbgdt  hend  wöllen 
nemmen.  Was  dieselben  by  iren  eren  und  eiden,  so  wir  ver- 
hört werdent,  mögendt  erkennen,  darby  wöllend  wir  in  gdten 
>o  trüwen  blyben.  Doch  hiezwüschen  werdent  wir  uns  mit  der 
hilf  Gottes  by  unserem  harkommen,  erb  und  rechten,  wie 
bißhar,  erhalten  und  darvon  nit  kommen.  Das  wellendt  wir 
denselben  anzeigt  und  darby  vermannt  haben,  disere  gebtlr-  (Bl-34) 
liehe  erbietung  nit  in  wind  zd  schlachen,  sonder,  diser  lobli- 
i5  chen  statt  zd  verschonen , unserem  rechtlichen  filrschlag  der- 
massen zd  begegnen  und  antworten,  das  es  zd  der  statt  uff- 
nung  und  ribw  möge  dienen;  weliches  uff  unser  syten  die 
höchst  begird  ist,  die  wir  hend. 

[10]  Uff  dise  herrn  Adrians  rässc  und  lange  ree  hat  aber 
so  der  Statthalter  Kistler  vil  hitziger,  giftiger  Worten  lassen  loufen 
und  gefragt : man  höre  wol  ir  rechtbott,  und  das  sy  darumb 
begerend,  das  man  darum  raten  wölle.  Hat  man  in  heissen 
raten.  Ist  sin  rat  gsin:  er  wölle  sich  mit  keinem  tröuwen 
lassen  abschreken  von  dem,  so  vor  vilen  tagen  nun  mermalen 
25  min  herren  rät  und  burger  beschlossen , ouch  kürzlich , als 
das  zangken  angefangen,  sich  mit  dem  eidt  verbunden  by  dem 
meren  zd  belyben.  So  wölle  er  ouch  nit  lassen  ynrysen, 
das  die  statt  einem  ietlichen  zum  rechten  müsse  stan.  Wo 
die  statt  hink;' me?  Sy  vermöchte  es  nit  an  gdt,  were  ouch 
3o  der  bruch  nie  gsin;  besonders  in  einer  löblichen  Eidgnos- 
schaft  und  denne  gegen  iren  eignen  bürgeren  und  undertanen. 

Es  were  kein  ort  oder  statt  in  der  Eidgnossschaft  so  kleinflüg, 
die  das  litte  oder  täte;  so  wölte  er  dise  statt  ouch  nit  dahin 


1.  ff.  oder  künftig  Unordnungen.  4.  St  da  sy  snohind.  7.  ff.  Bl.  und 
vil  noch.  21.  22.  St.  das  sy  begärind.  ff.  ihr  rechtbott  und  begehren ; was 
man  darum  rathen  wölle  ? 


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74 


I,  19.  Fränkli’g  Meinung. 


[/470]  lassen  bringen.  Der  sekelmeister  wardt  gefragt.  Der  wolt  nit 
raten,  sonder  sprach:  er  hette  sich  vormals  in  sinem  rat  umb 
alle  die  züfcl  entschlossen,  darby  liesse  er’s  noch  blyben. 
Als  er  aber  getrungen  ward  zü  raten,  hat  er  gseit : er  wiisse 
ouch  wol,  das  was  ie  das  mer  werde  (ob  es  glych  das  böser  s 
sige),  das  man  darby  blyben  sölle:  hierus  aber  folge  drumb 
nit,  das  man  not  halben  hernach  und  zü  allen  zyten  by  dem- 
selben mer  müsse  blyben , und  das  man  es  von  der  statt  nutz 
und  er  wegen,  nach  gelegenheit  der  Sachen  zyten  und  zü- 
fälcn,  nit  wol  möge  endern  und  verbesseren;  man  habe  das  io 
ouch  uff  sömliclie  wyß  nit  gschworen.  Dann  das  müßte  not 
halben  ein  seltzams  und  ungrympts  regiment  gen,  und  gloubte 
ouch  nit,  das  kein  sömlichs  iez  noch  nie  sige  gsin.  Darum, 
Gott  geb  was  gmeret  oder  gschworen  were,  so  wölt  er  sines 
güts  100  rynisch  guldin  und  noch  mer  gen,  das  diser  handel  is 
nie  angfangen  were,  von  der  statt  nutz  und  vil  mer  von  irer 
eren  wegen.  Er  gsehe,  das  man  der  statt  mit  einem  guldinen 
netze  wolle  fischen ; hettend  angfangen  darus  kein  nutz  könnte 
entstan,  aber  wol  vil  costens,  deß  die  statt,  die  in  so  vil  un- 
treglichen  zinsen  steke,  nützit  bedörfe.  Harum,  wie  vor,  wölte  *o 
er,  man  versuchte  sich  mit  inen  sich  zü  vertragen,  und  gloubte, 
das  es  möchte  mit  der  statt  grossem  nutz  und  eren  beschehen. 
IVo  das  nit,  eintweders  den  filrgnommen  handel  underlassen 
oder  an  lydenlichen  orten  am  rechten  antworten.  Wiewol  ich 
wol  weiß,  sprach  er,  das  ein  statt  in  dem  handel  niit  erhalten  25 
(.B1.35)  wirt.  Aber  noch  ist  es  uns  erlicher  die  sach  zü  verlieren, 
dann  fiirzenemmen  das  man  es  für  kein  recht  dürfe  lassen 
z’kon.  Und  bat  sy  um  Gottes  willen,  das  sy  sich  mit  denen 
Worten  nit  liessind  verfüren,  das  mine  herren  sunst  mechtig 
gnüg  werindt  den  adel,  geschlecht  und  twingherren  zü  zwingen, » 
das  sy  an  iren  willen  und  verkommnuß  die  4 gebot,  bösen 
pfenning,  appellatzeu  und  die  nüwen  gebott,  die  min  herren 
liessind  ußgan,  und  denn  in  den  nideren  grichten  die  anderen 
gebot,  wie  es  der  fryweibel  von  Konolfingen  angefangen  hette, 


28.  G.  denen  fehlt.  30,  (?.  die  adelsgeschlecht. 


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i,  19.  Fränkli's  Meinung. 


75 


in  iren  herrschaften  müssen  lassen  gan.  Dann  ir  meinend, 
ir  sigind  irer  puren  gewtlß?  Da  werdent  ir  gwttsslich  fälen. 
Dann  uff  ertrich  nllt  unbstendigers  ist,  denn  ein  pur,  sficht 
stets  niiwe  ding,  unangseen,  das  es  im  ouch  gmeinlich  scha- 
sden  bringt.  Und  besonders  wenn  er  meint,  das  es  im  etwas 
nutzes  ertrage,  und  so  es  des  jars  umb  einen  fiinfer  allein 
zfi  tönd  were,  so  wagt  er’s  gradt,  es  gange  glych  wol  oder 
übel.  Wie  meinend  ir,  wo  dise  strefflichen  [trefflichen]  inen- 
ner  gegen  Uch  verbitteret  sültend  werden,  wie  daruff  stat,  öb 
i#sy  nit  bald  ire  puren  beredt  hettend,  das  sy  Uch  keinen  teil 
mer  liessend  ufnen,  nüt  mer  flirtend , kein  bösen  pfenning 
gebindt?  Fürwar  mit  eim  wort,  wenn  sy  seitend:  wir  ver- 
bietend Uch’s,  ir  sind  der  statt  nüt  schuldig,  wenn  wir  nit 
dryn  verwilligend  und  (Ich ’s  gebietend;  als  es  dann  war  ist 
is  und  also  gebracht  worden.  Und  wie  meinend  ir,  wenn  sy 
ire  burgerrecht  ufgebend  und  uß  der  statt  zugend,  dannenhar 
aber  ir  die  mannschaft  und  reißzug  in  den  landtgrichten  vor 
zyten  tiberkon  hend,  und  den  puren  seitend:  Ir  sind  nit  mer 
schuldig  mit  inen  ze  reisen:  so  sind  ir  sicher,  das  sy  nit 
*>  wurdent  losen  ? Ich  mein , were  vor  jaren  in  den  schweren 
kriegen  diser  span  entstanden,  und  sy  gwöllen:  wohin  het- 
tend sy  üch  gebracht,  do  die  üweren  reisens  und  tellens  so 
möd  waren,  das  üch  darumb  vil  nöter  zürn  friden  war  denn 
der  statt  Zürich,  die  doch  all  ire  landtschaft  verloren  hat,  die 
»man  inen  im  friden  widerkert?  Und  als  man  im  friden  den’ 
unsäglichen  costen  der  statt  Bern  solt  schctzen  und  anlegen, 
und  man  nüt  wußt  deß  wider  ynzkon  — wie  dann  unser 
eidgnossen  nüt  widergebendt,  als  ir  nun  oft  erfaren,  wiewol 
sy’s  zö  tagen  oft  züsagend  — ist  von  den  mitleren  üch  darfür 
*>  die  herrschaft  Grüningen  und  die  landtschaft  alle  die  am  Al- 
bis ligt  verordnet;  do  hend  ir  denen  von  Zürich  in  geheim 
lassen  sagen,  das  sy  daran  kein  beturens  habind,  den  friden 
annemind;  irwöllind  inen  dise  landtschaft  wider  zfistellen  on 
alle  entgeltnus;  und  ist  inen  ouch  gehalten  worden.  Warumb 


1 ff.  unbetrecht.  8.  G.St.  E.  trefflichen.  34.  A*.  1440  s.  FrüncTs  Chr.  S.76. 


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76  1,  19.  Fränkli’a  Meinung.  20.  Eröffnung  des  Urtheils. 

[J470]  beschach  das,  denn  das  tlwere  landtschaft  vast  alle,  besonders 
im  Oberland,  von  den  langwyrigen  reisen  und  unlydenlichen 

(Bl .36)  teilen  möd  warend  und  in  ufrftr  warend,  inmassen  das  herr 
Heinrich  von  Bübenberg  sälig  by  den  sinen  im  Oberland  nit 
mer  sicher  war,  und  min  herr  schultheis  by  den  sinen  von  5 
Oberhofen?  Und  ist  kein  volk,  so  under  tich  ghört,  zü  reisen 
minder  unwillig  reisens  und  tellens  gsin,  denn  eben  in  landt- 
grichten.  Wie  kam  aber  das?  Frylich  uß  fürsichtigkeit  und 
früntligkeit  der  herren  oder  etlicher  irer  vetteren,  die  sich 
niit  liessend  beturen  iren  puren  fürzesetzen,  wo  sy  im  veld  io 
an  sy  stiessend,  allein  darum  das  sy  üch,  minen  herren,  wil- 
lig blibind;  dessen  sy  in  grosse  schulden  kommen  sind  und 
noch  nit  druß  sind ; das  weiß  ich  und  noch  vil  der  alten,  die 
ouch  hie  sitzendt;  und  deß  sönd  sy  iez  billich  entgelten. 
Nun,  ich  mach’s  lenger  denn  man  mich  gern  hört,  darum  will  « 
ich’s  beschliessen.  Ich  bitt  aber  mengklichen,  das  wir  uns 
nit  durch  unser  großmachen  verfürindt.  Dann  sömlicher  hoch- 
rmlt  vil  grössere  lut  denn  wir  sindt  verfürt  hat.  — Also  ist 
Hanno  der  Carthaginensisch  ratsherr  gan  Bern  in  rat  kon,  der 
laßt  nit  ab  zft  warnen.  Aber  der  frefne  Hannibal  und  sin  *» 
anhang  verachtet’s  und  fart  für  und  fragt  umb  und  wirt 
moister.  Dann  als  man  beide  ratschleg  abzelt,  fand  sich  aber 
Kistlers  ratschlag  das  mer. 

[20]  Die  geschlecht  wardent  hinyn  gelassen  und  inen 
gesagt  miner  herren  meinung;  die  ein  grosses  beturens  ghan,  *s 
das  man  inen  das  recht  sölte  versagen;  und  under  andrer 
red  seit  herr  Adrian,  das  ire  abgseite  fyend  inen  nit  mer 
Schadens  möchtind  zftfögen,  dann  dise  understündent,  die  sich 
denocht  für  ire  mitburger,  schirmer  und  obere  darbutind;  und 
lydenlicher  were,  das  im’s  die  fyendt  nemindt.  Das  zoch  er» 
zum  andren  mal  an,  also  das  ab  diser  red  vast  gruset  ward. 
Do  bat  min  herr  schultheis  in  aller  namen,  das  min  herren 
inen  dise  antwort  wöltind  in  gschrift  gen.  Nach  irem  ab- 
trätten  ward  darum  gefragt,  und  het  Kistler  geraten,  inen 


31.  G.  Und  nmb  daß  ab  diser  red  — ward,  bat  herr.  St.  G.  gernschet. 


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],  20.  Die  Twingherren  verwahren  rieh. 


77 


kein  bekantnus  zü  geben.  Dann  sy  sigind  listig  und  sflehind 
on  zwyfel  sich  deren  zü  gebruchen  zü  nachteil  miner  herren. 

Und  ward  der  sekelmeister  gefragt;  der  sprach:  Er  müßte 
Kistleren  einmal  volgen.  Dann  man  wol  denken  möchte: 

5 wo  die  antwort  hinkäme,  nummen  mit  mund,  geschwygen 
in  geschrift,  so  wurdent  dero  min  herren  nit  vil  glimpf  han. 

Ist  umbgefragt  worden  und  einmal  ein  fridlichs,  einmütigs 
mer  worden. 

Uff  morndrigen  tag  ist  min  herr  von  Ringgeltingen  im 
io  rat  uffgestanden  und  anzeigt:  wie  sin  schloß  Lantzhüt  vor 
zyten  der  graffschaft  von  Kyburg  sige  gsin,  hernach  an  das 
geschlecht  von  Mümpelgard  kon,  und  fiirer  an  sine  vorderen ; 
sye  ieweltcn  des  herren  on  andere  oberkeit  gsin  und  nie- 
mants  pflicht  noch  underworfen,  aber  im  burgerrecht  mit  di- 
u serer  statt  kon,  dannenhar  die  undertanen  mit  der  statt  in 
ire  reiß  gezogen.  Demnach  habe  sin  vatter  s'ilig  den  halben  (B1.37) 
teil  der  hohen  grichten  daselbs  geschenkt;  so  wlissend  min 
herren,  das  sy  sich  wyter  in  derselben  herrschaft  zü  bieten 
oder  verbieten,  welicherlei  gebotten  das  joch  werre,  oder 
»straffen,  syjoch  trostbrüch  oder  anders  ufzeheben,  nie  under- 
nommen,  noch  in  siner  herrschaft  zü  Kalnach.  Wölte  gern 
ein  erlüterung  darum  von  iro  gnaden  haben,  eb  sy  zü  söm- 
lichem,  wie  sy  herr  Niclausen  von  Dießbach  geantwortet, 
ouch  ansprach  wöltitid  haben.  Uff  in  ist  min  herr  schultheis 
25  ufgestanden,  in  sinen  selbs,  ouch  herrn  Caspers  sines  vatters, 
so  synes  lybs  halb  nüt  entgegen  möchte  sin,  nemmen  [namen], 
und  gesagt:  wie  vor  vil  jaren  min  gnedigen  herren  sinen 
vorderen  das  schloß  Oberhofen  mit  sampt  der  herrschaft,  so 
ouch  fryherr  und  niemants  verpflicht,  verkouft  habindt;  und 
»wie  wol  im  selben  verkouf  das  mannlehen  und  sunst  nüt 
vorbhalten,  und  allein  die  synen  mit  iren  gnaden  gereiset, 
und  wyter  sy  sich  in  derselbigen  herrschaft  nie  undernom- 


20.  sy  joch  (G.  aeyn  joch,  d.  i.  seien  auch)  fehlt  in  St.  25.  St.  sines 
vetteren  (wonach  v.  Rodt  weiter  den  Namen  Caspar  in  den  von  Conrad 
verändert).  St.  G.  namen. 


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78 


I,  20.  Die  Twingherrea  verwahren  sich. 


[1470]  men,  wie  ir  gnad  das  wol  wüsse.  Und  nun  möchte  er  wol 
wüssen,  was  sy  iez  filmen  wöltind;  dann  sölte  ein  ampts- 
man  von  Thun  oder  ander  da  sich  etwas  gewalts  (undemom- 
men  wurde,  wurde  er’s)  [undememmen,  wurde  er’s]  nit  gern 
dulden.  Wölte  er  iren  gnaden  nit  verhalten.  Deßglychen  were  s 
im  von  herrn  Caspar  von  Schamachtal  bevolen:  mine  herren 
die  alten  wol  wilssendt,  das  die  herren  von  Brandis,  mechtige 
frye  herren,  so  keinen  oberen  nie  bekennet  und  deren  das 
merer  teil  deß  Emmental  gewesen,  diser  statt  burger;  und 
darum  habind  deren  undertanen  mit  derselben  gereiset  und  io 
nüt  wyters.  Als  aber  dieselben  die  graften  von  Toggenburg 
geerbt  und  uß  dem  landt  gezogen,  ist  Brandis  denen  von 
Dießbach  verkouft,  welichen  min  herren  den  kouf  nit  habind 
wellen  lassen  und  von  Brandis  landtschaft,  was  inen  geliebt, 
genommen  und  gän  Trachselwald  gelegt , ime  Casperen  ver- 1-, 
kouft  mit  fryer  voller  herrschaft;  sige  nun  ein  lange  zyt  also 
in  derselben  gewerde  und  possession  gesessen  ane  einichen 
yatrag;  und  sölte  ouch  in  sölicher  wyß  ir  amptman  von 
Trachselwaldt  oder  ander  da  zu  herrschen  etwas  wöllen  ftir- 
nemmen,  möchte  er  nit  wol  gedulden.  Deßglychen  hat  herr  20 
Adrian  von  Bilbenberg,  (do  herr)  [der  herrschaft]  z&  Spiez  und 
anderer  siner  Oberlendischen  herrschaften  [wegen],  anzeigt: 
wie  er  da  ein  fryherr  und  so  eigen  paner  und  Zeichen  hette, 
der  statt  nie  nüt  gewertig  noch  pflichtig  were,  denn  allein 
von  sines  burgerrechts  wegen  mit  denselben  zil  reisen.  Hin-  sn 
wider  so  were  dieselbe  im  ouch  vil  schuldig,  do  aber  etlich 
im  gern  iezundt  wenig  liieltcnd.  Und  wölte  inen  ouch  nit 
verhalten,  söltind  etlich  irer  amptlüten  etwas  an  denselben 
orten  füraemmen,  das  er  wurde  darzü  tün.  Harumb  er  sines 


4.  St.  undememmen  wellen,  wurde  er’s.  G.  Bl.  undememmen,  wurde 
er’s.  5.  St.  wolte  solches.  G.  das  wolte  er.  6.  G.  C.  v.  Sch.,  sinem  vatter, 
bevolen.  8.  G.  m.  fry  herren  gsin,  so  keinen  ob.  nie  bek.,  deren  das  meerth. 
des  Emmenth.  und  si  diser  st  burger  gewesen.  Bl.  keinen  herren.  15.  G. 
H.  und  ime  Caspam  das  schloß  mit  dem  übrigen  verk.  21.  St.  der  herr. 
G.  siner  herrschaft  Spiez.  22.  St.  herrschaften  wegen.  23.  St.  G.  lassen 
und  aus.  27.  iezund  fehlt  in  St. 


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I,  21.  Ostermontag.  Sehultheissenwnhl.  79 

teils  ouch  möchte  lyden,  das  sy  im  nit  verhieltend,  wie  sy  [/470] 
gsinnet  werind?  Daruff  inen  zö  antwort  wardt,  das  uff  morn- 
drigen  tag  inen  der  groß  rat  besamlet  wurde;  vor  demselbi- 
gen  möchtend  sy  iren  anzug  tön.  Morndes  hat  Kistler  aber 
sangeraten:  also  wie  herr  Nielausen  der  herrschaft  Signouw 
halb  betroffen  sige  von  minen  herren  röten  und  bürgeren 
bscheidt  worden,  also  laß  er’s  diser  4 herrschaften  halb  ouch  (B1.38) 
blyben.  Demnach  hat  der  sekelmeister  nüt  wollen  raten, 
denn  wie  er  vormals  geraten  habe,  sprechende:  so  wyt  im 
io  Gott  sin  Vernunft  beware,  so  wöll  er  niemandt  das  sin  nem- 
men.  Darnach  hendt  etlich  gmeint,  es  sige  dennoch  ein  an- 
dere meinung  mit  disen  vier  herrschaften,  und  besonders  mit 
Spiez  und  mit  Landshöt,  so  nie  in  miner  herren  henden  we- 
rend  gsin ; dargegen  etlich  meintend : was  Landshöt  mer  dann 
«Signouw  were,  da  min  herren  mitherren  in  den  hohen  grieh- 
ten  werend  ? Als  es  zö  der  frag  ist  kommen,  ist  venner  Kist- 
lers rat  das  mer  worden.  Do  er  inen  die  antwort  geben, 
sprachend  sy:  es  nemme  miner  herren  fümemmen  wider  sy 
syen  treffenlich  wunder;  könnteud  sich  ouch  dessen  nit  halten 
*)  noch  vernügen. 

[21]  Für  dißhin  hat  man  sich  mer  gebldyt  dann  etwas 
filrgenommen,  und  sind  die  geschlechter  vast  uß  der  statt  in 
ire  usseren  hüser  geritten.  Als  aber  in  der  fasten  mer  der 
bruch  denn  zö  anderen  zyten,  das  des  rate  gewartet  werde  — 

25  item  in  der  karrwuchen  sind  sy  all  widerkon.  U ff  dem  hohen 
donnstag  do  hend  mine  herren  das  sacram  ent,  wie  der  April 
bruch  ist,  mit  einandren  genommen  und  den  rat  besetzt.  Uff  t9‘ 
das  hoffet  man,  es  wurde  besser  werden  und  der  kyb  uf- 
hören:  so  ist  der  Satan  da  gsin,  der  in  Judam  för  uff  dem 
ao  hohen  donnstag.  Und  als  uff  dem  Ostermontag  min  herr  April 
schultheis  nach  gemeinem  bruch  hat  minen  herrn  gedanket 


6.  G.  läßt  betroffen  au*.  18.  St.  es  nehme  ey  — wider  sy  tr.  w.  G 
ey  nehme  — tr.  wnnder.  — (syen  ist  Accus,  für  sy:  noch  jetzt  im  Dialekt 
der  Landleute:  seien.  Vgl.  S.  66,  116.)  21.  G.  ist  mehr  geschwiegen, 
25.  G.  sind  si  in  d.  st.  all  widerkon.  23.  G.  hoffet  ich. 


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80 


1,  21.  Eistier  wird  Schaltbeiß. 


[1470]  und  das  sigel  überantwortet  und  die  venner  hat  heissen  einen 
nüwen  schultheissen  darbieten,  als  sy  nun  wider  hinyn  kom- 
men, hend  sy  minen  herrn  schultheissen  heissen  wider  hinus 
gan  und  herrn  Adrian,  min  alten  herrn  schultheissen,  ouch 
herrn  Niclausen  von  Dießbach.  Do  ist  ufgestanden  Irrenig,  s 
so  billicher  hiesse  Verirrig.  Der  hieß  ouch  den  venner  Kistler 
abtretten;  der  wert  sich  vast,  war  im  aber  nit  ernst;  der 
lobt  den  venner  mächtig,  wie  er  der  statt  so  trüw  were.  Und 
als  gefragt  ward  umb  minen  herren  schultheissen  von  Schar- 
nachtal,  achten  ich,  das  er  kum  40  hend  hette;  darnach  io 
umb  minen  herren  von  ßübenberg,  hat  kum  den  halben 
teil;  denne  umb  minen  herren  von  Ringgeldingen,  der  hat 
kum  dryssig.  0 we!  do  ich  das  gsach,  dacht  ich  wol,  die 
kü  wölte  den  kübel  umbschlan;  und  herr  Niclaus  hat  kum 
über  15.  Zületst  ward  umb  Kistleren  gefragt;  der  hat,  als  ich  is 
gloub,  wol  80  hend.  Also  hat  Virrenig  die  zierd,  Ordnung, 
bruch  und  er  diser  statt  uff  den  tag  verwirrt.  Und  als  an  ^in 
statt  ein  nüwer  venner  zü  machen  was,  ist  Hans  Kutler  da- 
ran kommen.  Zületst,  wie  nach  dem  bruch  all  venner  gefragt 
worden,  und  junker  Ludwig  Brüggler  abgetritten  was,  hat» 
aber  Irrenig,  das  böß  ei,  Peter  Boumgarteren  gegen  im  heis- 
sen hinus  gan.  Wie  gefragt  ward,  do  hend  all  die,  so  Kist- 
leren vorhin  ufghept,  dem  Boumgarteren  ouch  ufghan;  und 
(B1A9)  als  die  hend  gezelt  wurdent,  hat  Boumgarter  einer  mer  ghan 
denn  Brüggler.  Do  het  man  heiter  gseen,  das  ist  angschlagen  ts 
gsin  und  practiciert,  domit  der  schultheis  zwen  venner  hette, 
die  zü  siner  gygen  töntend.  Die  hend  der  statt  nutz  und  er 
wol  betrachtet,  do  sy  den  unerfarnen  gerwer  an  des  fürst- 
lichen manns  statt  gesetzet,  an  dem  nüt  zü  wünschen  were, 
denn  das  er  ein  landsfürst  were.  O des  unerhörten  ungfelli-  so 
gen  tags!  Und  als  wir  den  himmel  erkundet,  fundent  wir 
böse,  widerwertige  Zeichen  umb  das  gestirn  diser  statt  tröu- 
wende  unrüw  und  uffrür.  Und  das  hat  sich  ouch  erzeigt,  in 


2.  Cf.  dargeben.  5.  G.  Irrenyg  — Virrenyg.  7.  G.  was  ihm  — war. 
28.  II.  metzger  (scheint  richtig ; offenbar  will  Fr.  nicht  v.  Baumgarter, 
sondern  v.  Kistlern  sprechen). 


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I,  21.  Kigtler  wird  Schultheiß. 


81 


dem  das  die  ganze  statt  trurigkeit  und  unmöt  hat.  Ouch  die 
jungen  kind  hend  klagt,  das  man  sölte  ein  fleischhacker  zil 
einem  schultheissen  zü  Bern  erwellen.  Er  selber  hat  mechtig 
gweinet  und  zä  sinen  geliebten  gseit:  im  sige  ntit  gftts  vor- 
s Und  hand  sich  vil  ding,  deren  ich  wargnon,  zfitreit,  das  ich 
unfal  under  disers  schifmans  regierung  entsitzen ; dardurch 
ich  uff  disen  tag  verursachet  bin,  dise  klegliche  histori  anzd- 
fahen,  wie  sy  von  anfang  iren  Ursprung  ghan,  ufzezeichnen. 
Gott  der  herr  wölle  sin  gnad  senden,  das  es  ein  besser  end 
lonemme,  denn  der  anfang  ist  gsin!  Amen. 

Item,  nach  den  osterfyrtagen  hend  glyeh  die  geschlechter 
angfangen  uß  der  statt  mit  wyb  und  kinden  züchen,  einer 
nach  dem  anderen.  Und  sind  wenig  da  verharret;  allein 
junker  Urban  von  Müleren,  junker  Heinrich  Matter  und 
« Junker  Ludwig  Hetzel  und  Ludwig  Brüggler,  irer  Ampteren 
halb.  Und  weisst  Gott,  wenn  dise  4 nit  anheimsch  und  der 
sekelmeister  nit  im  rat  was,  wie  er  sich  dessen  fleiß,  das  es 
ein  schlecht  regiment  war. 


i 


Quellen  zui  Schweizer  Geschieht«.  I. 


6 


Zweiter  Abschnitt. 


Die  Klagen  und  Verlegenheiten  der  Freiweibel. 

Die  Freiweibel  sollen  auch  bei  Kirchweihen  und  ähnlichen  Anlässen  den 
Unfrieden  verbieten,  und  in  Stadtsachen  mit  Umgehung  der  Twing- 
herrengerichte  sofort  an  die  Stadt  appelliren. 

[/470]  [/]  Item  nach  etlichen  wochen  hat  der  schultheis  an-  5 

zogen:  Min  herren  wilssind,  wie  rät  und  burger  heigind  an- 
gesehen, das  miner  herren  fryweibel  söllind  alle  fridbrlich 
allenthalben  zü  miner  herren  handen  ynzühen,  deßglychen 
ouch  mögend  allenthalben  wol  uff  brutlöufen,  wie  ouch  die 
twingherren,  in  iren  hohen  grichten  unfriden  verbieten  by  10 
10  ’d  büß,  so  die  überträttenden  (sowol)  minen  herren  sowol  als 
den  twingherren  bezalen  sölltend;  nun  wüsse  er  nit,  öb  dem- 
nach die  fryweibel  dessen  underricht  und  gheissen  sigindt? 
Und  als  darvon  niemant  nüt  wußt,  ist  bevolen  worden,  die 
fryweibel  zü  beschryben.  Do  dieselben  kamend,  ist  inen  be-  is 
volen,  miner  herren  Ordnungen  flyssig  nachzükommen. 

Item  nach  etlicher  zyt  ist  ein  fryweibel  erschinnen,  und 
hat  gefragt:  wie  es  ein  gestalt  habe  mit  den  kilchwychen- 
botten,  das  ouch  zü  glycher  wyß  der  unfrid,  wie  ouch  uff 
brutlöufen  und  allen  grossen  Versammlungen,  by  10  'it  ver- so 
hotten  werde?  Und  öb  er  ouch  söliches  allenthalben  in  miner 
herren  hohen  grichten  verbieten  und  zlichen  sölle?  Ist  an 
den  grossen  rat  gebracht  und  do  abgeraten : wyl  dise  verbott 


12.  St.  sowol  minen  herren  als  den  tw.  O.  Bl.  minen  herren  als  wol 
als  den  tw.  19.  U,  oh  der  unfr. 


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II,  2.  Die  Strafgelder  bei  Matrimonialprozessen. 


83 


in  glychem  werdt,  wie  oueh  uff  den  brutloufen,  so  stand  int  [/-470] 
sy  minen  herren  sowol  zü  als  die  brutto  ufbüssen  ynzeztihen. 

[2]  Item  über  etlich  wuchen  ist  aber  fryweibel  Gfeller  (ßi.40) 
kommen  und  minen  herren  anzeigt:  wie  by  inen  zü  Höcli- 
s stetten  einer  habe  von  der  e wegen  gan  Costanz  geladen 
und  unrecht  gewunnen;  öb  min  herren  dieselben  10  '(l  büß, 
so  daruff  stönd,  ouch  zü  iren  handen  han  wöllindt;  denn 
er  meine,  es  sige  ouch  der  Ordnungen  eine,  so  ein  statt  habe 
lassen  ußgan ; oder  öb  er’s  sölle  derselbig  herrschaft  amptlüt 
«lassen  fergen?  Als  lang  erkundet  und  gesücht  ward,  und  der 
sekelmeister  Fränkli  darumb  gefragt  ward,  sprach  er:  Das 
es  ein  alte  straff  were,  vor  synen  zyten  gebracht,  und  gloube, 
das  es  von  allen  Eidgnossen  durch  das  landt  hinweg  ange- 
sehen und  gebrucht  werde,  uff  das  des  ladens  und  citierens 
«für  die  bischof  minder  wurde ; und  gloube,  das  es  nun  wol 
by  den  100  jaren  also  sige  gebrucht  worden.  Und  so  es  sich 
begeben,  so  habe  ein  iede  herrschaft,  die  twing  und  bann  und 
volle  herrschaft,  dieselbe  straff  also  ynzogen.  Nun  komme 
diser  endliche  amptman  und  wöll  aber  ein  nüwe  hetzen  an- 
no richten,  das  im  nüt  gfalle;  dann  die  alten  ob  den  lantsgwer- 
den  alwegen  styff  heigend  ghalten.  So  wöllind  sy  iren  nüt 
mer  achten;  und  fürwar,  fürwar,  ir  werdendt  innen  werden, 
das  es  einer  statt  wirt  übel  kommen,  und  wirt  nüt  gelten  das 
exponieren.  Ja,  die  undertanen,  (so)  [die]  verpflicht  die  lands- 
25  g werdt,  aber  nit  die  oberkeit!  Ist  ouch  diser  handel  für  den 
grossen  rat  kon,  und  hat  der  Schultheis  sinen  rat  geben,  der  war 
also:  öb  man  nit  könte  luter  finden  öb  dise  straff  ein  gebot  und 
Ordnung  der  statt  were,  so  were  es  doch  zü  glouben ; züdem,  das 
es  ein  ordnung  und  gebot  oder  straff  were,  so  billicher  der  ho- 
so  hen  herrschaft,  denn  den  nideren  grichten  züstünde  ufzeheben 
und  zü  straffen;  und  das  die  twingherren  das  ynzugen,  were 


18.  U.  herrschaft  band.  G.  herrschaft  gh&n.  23.  G.  übeler  kon  wird, 
denn  denen , so  man  ietz  davon  tringh  24.  St.  exponiren  und  nßlegen. 
24.  8t.  ja,  die  landsgewerd  verpflicht  die  underthanen  aber  nit  die  oberkeit. 
G.  Bl.  die  verpflicht  29.  G.  so  zimlicher  und  billicher. 


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84  II)  3.  rien  Freiw.  werden  die  erlassenen  Verordn,  nrknndl.  ansgefertigt. 


[U7o]  bscheen  uß  liederiigkeit  und  keines  wamemmens;  deßglychen 
das  niemant  bette  wider  sy  sömlichs  dörfen  äferen  als  die 
gewaltigen;  wie  denn  (das)  [deßj  mer  uff  sömliche  wyß  (dise) 
[diser]  statt  versumpt  were.  Mines  herm  seckelmeisters  rat  war 
aber,  wie  er  hievor  gseit:  das  niemant  von  siner  possess  und  5 
gewerd  getrungen  werde.  Nach  der  frag  des  schultheissen 
ist  das  mer  worden,  und  den  fryweiblen  geschriben,  das  sy 
fiirhin  dieselben  10  ’tL  straffen  in  den  nideren  grichten  zil  mi- 
ner [herrn]  handen  ynziichen  söllindt. 

[3]  Item  es  sind  bynach  alle  fryweibel  nach  einandren  io 
kon  und  sich  geklagt:  wenn  sy  doch  wöllind  die  fridbrüch 
oder  die  verbott  deß  ußgerüften  unfridens,  deßglychen  die 
straff  der  e betreffendt  ynzühen  oder  joch  mit  recht  fertigen, 
so  findint  sy,  das  vorhin  die  amptlüt  der  twingherren,  es  sige 
der  edlen  oder  der  klösteren,  sölche  ynzogen  habindt;  und  is 
ob  sy  joch  nit  gevertiget  sind,  so  wöllend  die  amptlüt  der- 
selbigen,  wenn  die  klag  eröffnet,  kein  frag  han.  ZU  dem  sy 
wol  gespürind,  das  die  grichtsessen  ouch  nit  willig  sigind 
darumb  zii  bekennen  und  sprechendt,  das  iewelten  by  inen 
umb  dise  ding  bekennt  und  von  iren  herren  gestrafft  sigind  ao 
(B1.41)  worden.  Zü  dem,  wenn  sy  sich  mit  iren  herren  bericht  habind, 
so  dunke  sy  nit  billicb,  das  sy  noch  einest  söllind  lyden; 
und  wüssend  nit,  öb  es  also  von  den  twingherren  geheissen 
worden,  oder  die  landtlüt  inen  sonst  nit  glouben  wöllind,  die- 
wyl  sy  keinen  schyn  mögind  erzeigen  ires  bevelchs ; bittind  a 
derhalben,  das  min  herren  hierin  ein  ynsehen  habindt,  domit 
sy  nit  an  irem  bevelch  fülind.  Item  daruf  ist  geraten,  das 
man  iedem  fryweibel  einen  brief  gebe,  darinnen,  was  umb 
alle  obgemelte  artikel  min  gnedigen  herren  verordnet  habind, 
vergriffen  sige,  und  das  darby  ein  ieder,  so  hierin  begriffen,  «o 
den  fryweiblen  und  niemant  anderem  sölle  antworten;  und 
ob  sy  sich  schon  mit  einandren  vertrügindt,  so  sölle  es  syen 
nüt  fristen,  denn  das  sy  den  fryweiblen  antwort  söllind  gen, 


3.  G.  dess  mehr.  St.  desto  mehr.  4.  St.  der  Bt&tt.  G.  diser  statt. 
9.  St.  G.  miner  herren.  20.  G.  gestrafft  sye. 


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II,  4.  Der  Freiweibel  v.  Jegistorf  n,  Cunr.  v.  Ergönw.  85 

und  nach  lut  miner  herren  Ordnung  geurteilet  und  gestrafft  [/470] 
werden. 

[4j  Item  darnach  sind  kon  uff  einem  morgen  deß  fry  weibeis 
von  Jegistorf  frilndtschaft,  und  hat  minen  herren  anzeigt:  das 
5 sy  necht  spat  habind  kum  und  ellenklieh  den  fryweibel  hinyn 
bracht  und  an  ein  scherer  gelegt.  Dann  als  er  gestert  uff 
einem  brutlouf  zü  Hindelwank  habe  wöllen  den  unfriden  in 
miner  gnedigen  herrn  namen  ußrüfen,  do  sige  junker  Cün- 
radt  von  Aergöuw  darzü  kon  und  heige  in  mit  der  funst  zü 
io  boden  gschlagen  und  uff  in  gsprungen,  und  als  der  schärer 
sage,  hab  er  im  drü  rippe  im  lyb  zerbrochen,  und  das  in 
miner  herren  färb.  Dessen  habind  sy  ir  gnaden  wöllen  be- 
richten und  geklagt  han.  Diß  handeis  sind  min  herren  vast 
entsetzt  und  hend  doch  nit  können  darüber  kon ; dann  etlich 
iä  vermeintend,  ob  er  schon  beschriben  wurde,  so  wurd  er  doch 
nit  kon;  andere  denn:  understünde  man  in  zü  fahen,  somöcht 
es  nit  mit  wenig  lttten  zügan,  dann  er  ein  heftiger  mensch 
were,  wurde  sich  ouch  fürthin  dest  gwarsamer  halten ; mit  vil 
lüten,  dörfte  etwas  ufriirs  gen.  Zületst  ward  abgeraten,  das 
so  wenn  der  fryweibel  möchte  stäg  und  weg  bruchen,  sölte  er 
sich  vor  minen  herren  erzeigen ; so  wurde  man  dem  von  Aer- 
göuw  einen  tag  verkünden  und  so  beid  verhören  ; als  im  ouch 
nachwerts  verkünt  ward.  Daruf  er  antwort  gab:  wie  der 
fryweibel  im  einen  ungrymten  und  unerhörten  gwalt  und 
ssnüwerung  in  sinen  grichten  getan;  vertruwte,  er  hette  im’s 
billich  gewert,  und  das  er  ouch  sömlichs  on  bevelch  und  ir 
gnaden  gevallen  hette  getan.  Wo  aber  der  fryweibel  ine  des 
rechten  nit  möchte  erlassen,  so  sesse  er  zü  Hindelwank 
in  güten  gerichten,  oder  so  im  dasselb  nit  gefellig,  so  were 
so  er  ein  burger  der  statt  Burgdorf,  hette  daselbs  huß  und  heim, 
fttwr  und  liecht;  da  wölte  er  im  ouch  des  rechten  sin.  Da 
ward  aber  ob  dem  handel  lang  geraten.  Etlich  woltend  in 
zü  Hindelwank  fahen,  das  aber  sorgklich  war,  andere  zü 


1.  G.  genrteilet  und  fehlt.  5.  G.  den  ffyw.  kümmerlich  hininbracht. 
18.  G.  80  dörfte  es  aber  mit  v.  L etw.  n.  g. 


86  H,  5.  Der  Clerus  beklagt  sich  über  die  Verordnungen. 

[t470]  Burgdorf ; do  man  aber  seit,  die  statt  wurde  es  uff  sin  recht- 

(B1.42)  bott  weren,  hat  des  seckelmeisters  rat  die  volg  gewunnen, 
nämlich:  so  der  fryweibel  gsund  wurde  und  genesen  were, 
das  er’s  minen  herren  zü  wüssen  täte,  das  dann  miner  herren 
einer  mit  im  den  von  Aergöuw  berechtigind.  s 

[5]  Item  als  sich  aber  die  fryweibel  (buntend)  [beguntend] 
mit  iren  bevelchen  üben,  insonders  in  der  klösteren  herr- 
schaften,  sind  die  äpt,  pröbst,  commentllr,  priores  und  kloster- 
frouwen  für  und  für  all  kon,  und  sich  der  nüwerung  der  fry- 
weiblen  merklich  erklagt,  mit  grosser  pit  und  erbietung  vil  io 
gebets,  das  sy  abgemannt  wurdint.  Etliche  äpt  und  commen- 
tür  habend  ouch  ruch  gnüg  gredt,  wie  sy  elter  sigind  weder 
ein  statt  Bern,  und  burgrecht  habind,  darvon  ouch  järlich 
etwas  tüindt,  allein  domit  sy  schütz  und  schirm  habind:  so 
nemme  man  es  inen  darfiir.  Ire  vorfaren  habind  sonst  ein  statt  is 
lassen  in  ire  gricht  tief  gryffen,  es  sye  mit  appellieren,  mit 
teilen,  mit  fären,  dem  bösen  pfenning,  und  wöll  aber  kein 
benügen  sin,  biß  sy  alles  habind;  und  wofer  sy  darvon  nit 
standint,  könnind  sy  eids,  eren  und  glübdt  halben  nit  ftirkon, 
denn  das  sy  iren  obristen  und  orden  müssind  anzeigen , das  so 
dieselben  darin  ein  ynsehen  tüindt,  wiewol  sy  ein  erliche 
statt  von  Bern  nit  gern  verschryindt.  Und  hend  sich  daruf 
erbotten,  das  sy  sich  nit  wöllindt  wider  min  herren  setzen 
umb  kleinfüg  Sachen,  so  inen  nüt  mög  bringen  und  aber 
der  statt  vil  daran  lige ; und  sy  sömlichs  umb  iretwillen » 
nit  geordnet,  aber  umb  anderer  willen,  und  könnind  aber 
min  herren  nit  wol  sünderen,  aber  doch  ein  ynsehen  tün, 
das  sy  die  gotshüser  in  ander  weg  ergetzen  werdint. 

[6]  Wyter  hendt  sich  abermals  die  fryweibel  erzeigt  und 
geklagt  etlich : Sy  könnind  nüt  schaffen , und  wie  sy  vor  so 
gseit,  wenn  sy  den  nüwen  Ordnungen  wöllind  nachkommen 


6.  St.  G.  beguntend.  13.  G.  aber  mit  ihr  burgr.  h.  15.  G.  es  fehlt. 
H.  so  nehme  man  inen  ietz  mehr  darzu.  23.  G.  hat  man  sy  daruf  gebeten. 
Bl.  daruf  sy  gebäten.  H.  daruf  sind  sie  gebeten  worden. 


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U,  6.  Die  Freiweibel  und  die  Appellation. 


87 


und  die  straffen  zühen,  so  sigind  sy  schon  vorhin  durch  der  f /<70) 
herren  amptlüt  geferget  und  gezogen ; und  obwol  miner  herren 
mandat  darwider  wyse,  so  bkennind  sy  nütdestminder  die, 
so  es  einest  ußgricht,  ledig  und  vermeinind  nit  billich  sin, 
s das  sy’s  zweimal  bezalen  söllind;  und  uß  rat  mines  herren 
schultheissen  und  anderer  miner  herren,  denen  sy’s  vilinalen 
anzeigt,  habindt  sy  geappellieret  für  min  gnedigen  herren; 
da  wöllend  sy  inen  nüt  begegnen  anderst  denn  nach  irem 
rechten,  vor  iren  herren.  Nun  mögind  min  gnedigen  herren 
io  wol  gedenken,  wenn  sy  mit  der  appellatz  für  dieselben  ki- 
rnend, was  sy  da  gewunnind,  zü  dem  das  sy  so  vil  Warnung 
habind,  das  sy  sich  müßtend  entsitzen;  sölltend  sy  nun 
umb  der  appellatzen  willen  in  ire  hüser  oder  Schlösser  kon, 
wie  von  nöten,  das  es  inen  wol  dörfte  wirs  gan,  denn  dem 
is  fryweibel  mit  dem  von  Aergöuw.  Des  wöltend  sy  aber  ent- 
prosten  sin.  Darumb  min  herren  hierin  ein  ynsehen  wöllind 
tün.  Darumb  bitind  sy  ir  gnaden.  Und  als  zületst  der  frywei- 
bel Gfeller  ouch  mit  diser  klag  kon  und  scherpfer  denn  die 
anderen  anzeigt,  was  sonderlichen  Unwillens  die  landtltit  ha-(B1.43) 
*o  bindt,  so  sy  uß  miner  herren  Ordnung  verstandint,  das  in  den 
nideren  grichten  von  beider  herrschaft  amptlüten  der  unfriden 
der  brutloufen,  kilchwyhinen  etc.  möge  verrüft  werden,  und 
dannethin  an  beide  ort  die  büß  bezalen,  und  darüber  als 
über  ein  grossen  mütwillen  und  tiranny  schrygindt  und 
» förchtind,  min  herren  wöllind  in  allen  straffen  also  handlen; 
und  gestandent  inen  des  ouch  ire  herren  — dißers  gmürmel 
nun  zü  gestillen,  duchte  in  güt  sin,  das  allein  die  büß  einer 
herschaft,  wo  das  min  herren  wöltend,  wurde;  dann  diser 
artikel  minen  herren  ein  sölche  nachred  brechte,  das  von  nö- 
i»  ten  were,  ein  Ordnung  hierin  zü  machen. 

Do  hat  im  junker  Heinrich  Matter  gesagt:  des  sölle  im 


22.  G.  der  unfr.  auf  brat),  und  kilcbw.  möge  v erruft  u.  — sölle  be- 
zalt  werden.  26.  ß.  u.  gstatten  ihre  herren  ihnen  auch  dises  gemürmel 
und  sich  also  zu  stellen.  Bedachte  ihn  gut  28.  G.  wurde,  aber  doch  thejl- 
tind,  daß  ieder  5 'tt  wurde.  31.  (7.  JI,  das  solle. 


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88  II,  6.  Freiweibel  Gfeller  u.  Janker  Heinr.  Matter. 

[1470]  der  tüffel  danken;  öb  er  sinen  eid  nit  wol  gehalten,  dag  er 
der  statt  Bern  ein  sömlichen  Unwillen  by  denen  ir  herz  sölle 
stan,  die  dise  banner  beschirmen  söllend,  gemacht  habe?  öb 
das  nit  ein  lotter  könne  sin?  Er  sige  aller  unrüw,  ouch  eben 
in  disem  stuck,  ein  anfönger  und  sige  in  disem  kleinen  und  ouch  s 
im  grossen  rat  gegen  herrn  Niclausen  von  Dießbach  gestanden 
und  geschirmpt,  wie  minen  herren  wegen  irer  hochgrichten  ge- 
zimme  dises  verbott  zü.  tön  und  die  straff  zü  züchen  als  wol  als 
den  nideren  grichten.  Daruf  wie  er’s  nummen  fürgschroten,  ha- 
bind  min  herren  nun  mermalen  abgeraten,  den  twingherren  daruf  io 
antwort  geben,  brief  und  mandaten  erkennt,  deren  er  sich  uff 
dem  landt  gebracht:  nun,  da  in  wil  bed unken,  das  eben  schnell, 
sonderlich  in  disem  handel,  geordnet  worden,  so  schlufe  er  gern 
drus  und  leite  es  vil  lieber  uff  min  herren.  Was  nun  eim 
sölichen  knabatzen  zöghorte?  Und  ist  mit  anderen  minen  ti 
herren,  so  irer  gerichten  und  fründtschaft  halben  alwegen 
abtratend,  hinus  gangen;  was  junker  Urban,  Ludwig  Hetzel, 
Ludwig  Brüggler,  so  noch  sich  in  der  statt  enthieltend ; weiß 
Gott,  so  dieselben  ußgiengend,  wie  ein  rat  da  blib.  Nun  hat 
junker  Heinrich,  als  er  ein  fröudig,  junger,  wolbredter  mann  *o 
ist,  nun  mermalen,  so  dem  schultheissen  etwas  (“deren  in  sim 
ampt  widerfÜr,  wie  vil  beschach,  dick  zö  spott  bracht.  Harum 
deß  schultheissen  anhang  wider  in  verbitteret  ward.  Und 
ist  bevolen  dem  seckelmeister,  junker  Urban  zü  sagen,  das 
er  mit  sinem  vetteren  redte,  min  herren  wöllind  nit  mer  ly-  *5 
den,  das  er  ire  amptlüt  also  ußhüppe.  Item  der  fryweiblen 
anbringen  ist  für  röt  und  burger  gschlagen,  und  geraten : wa- 
rumb  die  fryweibel,  so  es  der  statt  Sachen  berüre,  appel- 
lierind,  die  sölle  angentz  haryn  kon  und  für  keinen  twing- 


1.  II.  ob  das  sin  eyd  wol  gehalten  sye  (die  negative  Wendung  der 
Frage  ist  Ironie).  6.  der  gedruckte  Text  in  Helv.:  and  bescheint  (schir- 
men ist  hier : sich  einem  Gegner  gegenüber  mit  einer  Behauptung  decken, 
etwas  vorschützen.  9.  v.  JRodt  scheint  in  einer  seiner  Hdschr.  fürgeschlagen 
gelesen  zu  haben.  Fürschroten  ist  ein  derber  Ausdruck,  der  eigentlich  wol  be- 
deutet: dem  Vieh  durch  Schroten  oder  Abstechen  des  Heustockes  Futter  vor- 
setzen. 29.  St.  die  söllind  (es  ist  aber  die  AppeUaz  gemeint). 


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II.  G.  D.  Freiw.  sollen  nicht  an  d.  Twingh.,  sond.  a.  d.  Stadt  appelliren.  89 

herren.  Ist  kam  das  mer  worden;  dann  der  sekelmeister  V^°] 
sprach:  die  twingherren  wurdint  sich  noch  vil  mer  klagen, 
das  man  inen  wölte  die  appellatzen,  so  s y aber  von  iewelten 
ghept,  ouch  nemmen  (wöitend).  Über  des  fryweibels  Gfel- 
5 lers  anbringen  von  der  10  'fi  straffen , so  die  brutlouf-bruch  (B1.44) 
begiengind,  hat  man  nit  wöllen  raten  und  enderen.  Diewyl 
es  mermalen  also  abgeraten,  und  den  twingherren  allemal 
also  were  geantwortet,  ouch  uff  das  landt  geschriben  und 
den  fryweiblen  also  in  ire  brief  yngegeben,  liessen  es  min 
10  herren  also  belyben. 

[7j  Item  aber  über  etlich  zyt  sind  etlich  fryweibel  kon 
und  hend  minen  herren  anzeigt:  wie  lut  irer  letsten  Ordnung 
etlich  übertrettende  berechtiget,  und  als  inen  mit  der  urteil, 
wie  vormalen  alwegen,  abbekennet,  h.Utend  sy’s  für  ir  gna- 
i5  den  geappellieret  und  darby  die  besiglete  Ordnung  darüber 
in  das  rechten  gewendet,  aber  nüt  (bschlossen)  [beschossen], 
denn  das  die  gschwornen  einmütig  die  appellatz  für  iren 
herren  bekennt  hättendt  mit  der  urteil.  Harumb  möchtend 
sy  hierin  ynsehen  tün ; daby  minen  herren  (gan)  [gern]  anzei- 
2°  gen : So  fer  man  sy  beladen  wölte,  wie  (erstlich)  [etlich]  inen 
gesagt,  sy  müßtend  die  erste  appellatz  für  den  twingherren 
appellieren,  das  sy  die  herren  in  iren  hüseren  nit  wöitend 
überloufen.  Dann  syen  wölle  bed  unken,  das  schon  vor  jaren 
ire  gericht  und  herrschallten  nit  güten  luft  habindt;  und  ire 
25  puren  sindt  inen  unfrüntlicher  denn  die  herren  selbs;  und 
werdent  bericht,  das  der  gmein  mann  sy  nummen  die  hejz- 
hund  namsindt,  als  öb  sy  all  die  nüwen  gebott  und  Ordnun- 
gen in  min  herren  kum  stiessend.  Und  wiewol  sy  minen 
herren  gern  wöitend  dienen , dann  sy  sin  bißhar  er  und  nutz 
so  ghept,  und  man  aber  inen  wyter  wölte  zümüten,  so  wöllind 


3.  G.  als  wann  man  inen,  4.  St.  läßt  wöitend  aus.  G.  streicht  wölte 
vor  „die  appel.“  und  setzt  es  an’s  Ende  nach  „nemmen.“  Eines  von  beiden 
ist  zu  Vermeidung  des  Anakoluths  nöthig.  5.  G.  deren,  so.  St.  G.  bmtlonf- 
brnch.  16.  G.  Bl.  beschossen.  19.  G.  Bl.  gern.  20.  G.  BL  etlich.  28.  von 
Rodt  kuchi  (kam  — knmp  ist  Schüssel,  Napf). 


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90  n,  7.  D.  Twgh.  sollen  erklären,  ob  L s.  fügen  wollen  ? Ihre  Antwort» 

[1470]  sy  lieber  ire  iimpter  minen  herren  ufgeben  haben.  Item  der 
handel  ist  filr  mine  herren  die  burger  verordnet  und  nach- 
wärts  fürgetragen.  Da  sind  vil  seltzamer  reden  beschehen, 
besonders  darumb  mit  den  landtlüten  uff  landttagen  [zü  hand- 
len],  oder  in  die  statt  zü  besehryben  (zü  handlen),  doch  nach-  » 
wärts  das  besser  befunden,  die  twingherren  zü  besehryben 
und  entliehen  von  inen  ein  wtlssen  zü  haben  (von  ime),  öb 
sy  miuen  herren  wöllindt  gehorsam  sin  oder  nit. 

Und  uff  bestimpten  tag  sind  der  merteil  twingherren  er- 
schinen.  Die  anderen  hend  etlieh  irer  verwandten  und  ampt-  io 
llit,  miner  herreu  willen  zü  erfaren,  geschikt;  und  ist  inen 
durch  den  schultheissen  miner  herren  willen  geöffnet,  und 
entlieh  antwort  begeret.  Als  sy  sich  beraten,  hend  sy  geant- 
wortet, das  min  herren  oder  etlieh  derselben  inen  ein  selt- 
zame  nüwerung  gemachet  mit  dem  verrufen  des  unfridens  »s 
uff  brutloufen,  deßglychen  dem  ynzüchen  der  fridbrüchen, 
darab  sy  grosses  bedurens  ghept.  Und  (die)  [do]  zületst  hie  vor 
(BL45)  disem  rat  inen  entekt,  das  min  herren  darvon  nit  stan  wöl- 
tend,  als  sy  sich  aber  wol  vertröst  hettend,  do  hattend  sy 
inen  all  einmütig  geantwortet  und  begert,  das  sy  ein  zimlich  so 
recht  angsehind,  (und)  [umb]  dise  spänige  artikel  zwüschen 
inen  zü  entscheiden;  und  biß  sy  inen  das  verkündint,  wöl- 
tind  sy  biß  dar  mit  der  hilf  Gottes  by  irer  possess  und  ge- 
werd  blyben,  und  als  sömliche  (wartend)  [warten].  Hie  zwü- 
schen hettend  sy  inen  aber  nüwerungen  in  ire  gricht  wöllen  25 
machen;  nämlich,  so  heigend  sy  gheissen  ouch  die  10  & 
straff  umb  die  kilchwyhe-brüch  und  allen  grossen  versam- 
lungen  unberüft  und  unverhört  zü  iren  handen  ynzüchen, 
deßglychen  die  straff  von  der  verlornen  e wegen.  Iez  aber 
hettend  die  fryweibel  ein  brief  bracht,  nit  für  die  twingherren  so 


4.  St  uff  landtagen  zu  handeln,  oder  — besehryben.  G.  besonders 
darum,  ob  — zu  handeln,  oder  ob  si  — zu  beschriben.  7.  St  u.  G.  lassen 
von  ime  als  bloße  Wiederholung  des  vorhergehenden  von  inen  aus.  17.  G. 
Bl.  und  do.  19.  G.  Bl.  do  hattend.  21.  G.  St  umb.  24.  St.  läßt  die  Worte 
„und  a.  s.  wartend“  aus;  G.  u.  sömlichs  erwarten;  Bl.  u.  als  sy  sömlichs 
erwartend,  H.  u.  indem  sy  solches  erwartend,  hätten  sy  inzwüschen. 


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U,  7.  Kistlers  Antrag. 


91 


zü  appellieren,  so  es  die  statt  antreffen  wöllo;  wüßtend  nit, 
was  hindennahen  ftirgenommen  wölte  werden,  denn  das  sy 
zwyfletend,  das  etlich  understündint,  sy  von  allem  dem  iren 
zü  bringen.  Sy  werend  ouch  nit  all,  die  es  antreffe,  zügegen, 

6 darumb  sy  für  dieselben  kein  antwort  wöltind  gen ; aber  so 
vil  es  syen  antreffe,  so  blybend  sy  by  der  antwort,  so  sy 
gmeinlich  mit  einandren  geben  hettend. 

Item  als  sy  abgeträtten  und  der  schultheis  het  söllen 
raten,  hat  er  gsprochen:  er  wüsse  nüt  mer  zü  raten;  dann 
io  min  herren  wüssind,  wie  sich  alle  ding  verlüffen;  so  gsehe 
er  wol,  das  kein  Ordnung,  gebott  und  verbot  miner  gnedigen 
herren  by  iren  undertanen  mer  geltindt,  und  glych  zünechst 
an  der  tür.  Da  möge  man  wol  gedenken,  was  einer  statt 
möge  daruß  erwachsen,  oder  ein  ghorsammen  by  iren  under- 
is tanen  werd  erwachsen,  besonders  by  den  ferren,  wo  man 
wurde  sagen,  das  ire  eigne  burger  in  der  statt  und  die  nech- 
sten  undertanen  umb  all  ire  gebot  nüt  gebindt,  sonders  fry, 
frötidig  darwider  redint,  handlind,  urteilind  und  üweren  gna- 
den under  das  angsicht  nun  zum  anderen  mal  dörfen  sagen, 

20  das  sy  üch  nit  wöllind  gehorsammen.  Nun  weiß  ich  leider 
kein  ander  mittel  mer,  so  gebot  durch  wort  und  gschrift 
einer  oberkeit  nüt  mer  gelten  mag,  dann  das  man  zü  den 
werken  gryffe,  wiewol  es  im  der  grnst  kummer  were,  den 
er  uff  ertrich  möchte  haben.  Nun  wüßte  er  eben  nit,  an 
25  welchem  ort  er’s  angryffen  sölte,  da  es  am  röwigesten  und 
fruchtbaresten  diser  statt  were.  Dise  herren,  so  zügegen  gsin, 
hettend  nun  zwei  mal  mit  dem  mund  minen  gnedigen  herren 
widersprochen  zü  gehorsammen,  ire  undertanen  aber,  die  an 
iren  grichten  sessend,  die  tetind’s  mit  der  tat,  verachtind  und 
ao  verschetzind  miner  herren  gebott,  brief  und  sigel,  bekanntend 
ouch  die  ab  on  alle  schäm,  das  sy  vil  baß  verdient  noch  het- 
ten,  dann  (das  dise)  [dise,  das  sy]  etwas  wider  sy  und  über 
sy  söllind  fürnemmen.  Da  ich  aber  wol  gedenken,  das  sy  (BL46) 


14.  G.  entspringen.  St.  läßt  die  Worte  „oder  ein  ghors.  — er  wach- 
sen“ aus.  32.  G.  Bl.  dann  dise,  etwas  — fürznnemmen. 


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92 


II,  8.  Des  Seckeimeisters  Rath. 


[/•#70]  sömlichs  als  unbedachte  lut  uß  anwysung  und  vilicht  geheiß 
irer  herren  gehandlet,  und  dieselbigen  hie  zfigegen,  und,  als 
ich  hoff,  mit  minder  unröw , costen  und  mer  frucht  gegen 
wenigen,  dann  vilen  gehandlet  mag  werden,  so  wil  ich  mines 
teils  im  namen  Gottes  zü  diser  sach  gryffen  und  der  statt  » 
namen  einmal  behalten,  biß  man  wyter  z’rat  wirt,  wie  man 
wyter  handle.  Und  ist  sin  meinung  gsin,  das  man  inen 
ylents  seite,  das  sy  uff  dem  rathuß  verharretind,  ouch  angentz 
die  tor  verseen  wurdint. 

[8]  Daruf  ist  der  sekelmeister  gefragt  worden,  welicher  io 
sprach:  Er  könne  sich  ab  dem  unbsinnten  ratschlag  des  her- 
ren schultheissen  nit  gnüg  verwunderen,  das  er  wölte  so 
ylends  zfl  disen  ltiten  gryffen,  weliches  nit  möchte  beschehen 
umb  vil  Ursachen  one  einen  grossen  ufrür  diser  statt  und  umb- 
ligender  landtschaft.  Dann  niemant  vor  (under)  [und  e]  recht  w 
gebracht  sige,  solle  in  gfenknus  gelegt  werden,  denn  tibeltüttig 
personen,  denen  man  truwet,  das  sy  mit  flucht  ir  leben  fristen 
werdint;  ja,  ouch  an  vilen  orten,  es  sige  denn  mit  recht  zö- 
vor  erkennt,  werdent  [sy  nit]  behendiget.  Wie  wend  ir  dann 
dise  ynlegen  in  gefengknus,  die  da  stets  umb  recht  schryend?  so 
Und  setzend  (ich  heim  ein  gricht  zd  stimmen,  dem  wölliud 
sy  ghorsam  sin?  Und  (wir)  [wirt]  aber  geredt,  sy  sagind,  sy 
wöllind  minen  herren  nit  gehorsam  sin.  Das  han  ich  noch  nie 
von  inen  gehört,  aber  wol  [hand  si]  klagt,  das  man  sy  von  dem 
iren  wölle  tringen,  und  darumb  umb  recht  gru  ft.  Das  ich  sy  as 
darum  in  gfenknuß  bekennen  könne,  weiß  ich  uff  min  eid 
nit.  So  sind  sy  noch  irer  sach  nit  all  glych,  wiewol  sy  all 
klagend.  Und,  lieben  herren,  wer  under  uns  wurd  sich  nit 
klagen,  dem  man  so  vil  wölte  in  das  sin,  so  er  und  sine  vor- 
deren besessen,  gryffen?  Dann  ir  klagend  fürnemlich,  das  » 


5.  Cf.  zo  disen  gryffen.  11.  0.  Bl.  nnberathenen.  15.  St.  ff.ror  and 
ehe.  18.  St.  an  vilen  orten  onch  nit.  O.  an  v.  o.  werden  si  nit  behändiget, 
es  sey  — erkannt  21.  O.  u.  üch  heimsetzen.  St.  bestimmen.  22.  St.  0. 
wirt  24.  St.  daß  sy  sich  klagt.  0.  band  si  klagt. 


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II,  8.  Des  Seckelmeisten  Rath. 


93 


man  an  iren  grichten  nitwil  uff  unsere  gebott  und  Ordnungen  [1470] 
bekennen  und  das  unsere  brief  by  inen  veracht  werdint,  und 
umb  das  wir  zwyflend,  es  von  iren  herren  harfliesse,  die  wol 
alsbald  nit  hie  sind  und  da  ussen  bliben.  Dann  in  der  mer- 
s teil  grichten  deren,  so  hiegegen  sindt,  hend  sich  die  rechts- 
hendel  noch  nie  zögetragen.  Und  wie  wend  ir  tün  mit  jun- 
ker  Urban  und  beiden  Ludwigen,  Hetzel  und  Brliggler,  so 
ouch  by  inen  stönd  und  stets  hie  sind  in  der  statt  arbeit 
und  müy,  und  gloub,  wo  es  an  inen  stünd,  sy  (ich  vil  lieber 
io  ire  herrschaften  schanktend , denn  sy  wöltend  in  Unwillen 
mit  (ich  stan?  Und  hend  on  zwyfel  noch  mer  der  bürgeren 
also  gesinnt,  und  könnend  sich  noch  ire  sach  denocht  nit  von 
den  anderen  Blinderen.  Dann  ir  hend  sy  zfisammen  mit  (iwer 
bekantnus  und  merungen  getrungen.  Und  iez  woltend  ir 
is  syen  all  fahen?  das  were  bürgerlich  gehandlet!  und  wen 
wölte  es  billich  dünken,  wenn  ir’s  glych  mit  rüweri  möchtend 
z’wegen  bringen  ? Gseend  ir  nit,  das  wir  ob  disem  handel  nit 
wol  in  diser  Stuben  eins  sind?  Und,  gloub,  wo  diser  unbsinnte 
ratschlag  sölte  fürgenommen  werden,  das  im  wurde  in  diser 
*o  Stuben  understanden  zu  weren.  Wie  meinind  ir,  das  es  von  (B1.47) 
•der  ganzen  gemeind  wurde  gelobet?  Syt  osteren,  mein  ich,  ir 
all  gehört  habindt,  was  gevallens  der  gmein  mann  habe  ab  dem 
abwesen  der  geschlechten.  Hat  nit  min  herr  schultheis  nun  et- 
liche mal  geklagt,  wie  im  etliche  wyber,  so  er  für  gat,  so  übel  flft- 
25  chindt  in  das  schultheissen  ampt  und  sagind : im  gebürte  baß 
fleisch  zü  hacken  ? Hend  ir  nit  nun  mermals  ab  dem  landt  gehört, 
was  grossen  mißfallens  die  landtlüt  hend,  das  sy  die  gschlecht 
nit  mer  gsehind  in  röten?  Deßglychen  hend  ir  von  den  fry- 
weiblen  verstanden  nun  mermalen,  was  Unwillens  ir  min 
»herren  uff  dem  landt  habindt  von  disem  fürgnomnen  handel. 
Gseend  ir  selb  wol,  das  sy  üch  lassend  ordnen  und  gebieten, 


3.  St.  0.  daß  es.  8.  G.  in  müy  n.  arbeit  hie  in  der  statt  sind. 
10.  0.  schanktend  si  üch  vil  lieber,  dann  daß  si  — syn  sollen.  12.  ff.  die 
sich  — nit  können  sondern.  14.  0.  mit  iiwerem  mehren  nnd  erkennen  zu- 
sammen getrungen.  16.  ff.  wenn  ir’s  joch.  31.  St.  ir  gseend  selb  woL 
ff.  so  sehend  ir  in  üch  wol. 


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94 


II,  9.  Der  Freiweibel  Klagen. 


[/470]  und  sy  ire  herren  by  irem  harkommen  wend  handthaben. 
Ich  hat  Uch  von  anfang  gseit,  ir  söltend  den  puren  nit  zvil 
vertruwen,  do  etlich  stets  meintend,  sy  gönntend  der  statt 
aller  eren  als  iren  herren.  Ir  erfarend’s  iez.  Nun  sind  ein  teil 
der  fürnemsten  da  ussen  bliben.  Wo  ir  hand  an  dise  leitendt,  s 
meinend  ir  nit,  dieselben  könntend  üch  ein  ufTrür  uff  der 
landtschaft  ouch  erweken?  Und  an  welichem  ort  sich  in  der 
statt  oder  uff  dem  landt  die  anfaht,  so  ist  sy  am  anderen  ort 
eben  als  wol.  Und  wenn  wir  ja  glimpf  und  füg  syen  zü  fahen 
gnfig  hettend,  das  ich  nuu  by  minem  eidt  nit  kan  erkennen,  io 
so  ein  sömliche  sorgliche  sach  diser  statt  darus  erwachsen 
oder  erwarten  [wölte],  wölte  ich,  bösers  ftirzükommen,  durch 
die  finger  gseen  oder  still  stan.  Harum  b mines  teils  wil  ich 
mich  dißmals  ires  rechtsbott  benügen  und  von  inen  uf- 
nemmen.  15 

Item  als  grüsenlich  under  minen  herren  bürgeren  nach 
der  umfrag  ist  gestritten  und  kum  gestillet  ist  umbgefragt 
umb  beide  red,  und  die  hend  abgezelt,  ist  des  sekelmeisters 
rat  umb  etwas  henden  das  mer  funden  ; und  hat  der  Bemisch 
Cossar  der  minderen  mögen  gesigen.  *0 

[9]  Item  also  für  und  für  hend  sich  die  fryweibel  klagt, 
wie  sy  ie  lenger  ie  minder  könnind  iltzit  ußrichten,  deßgly- 
chen  oucli  also  verhasset  uff  dem  landt  sigind,  das  sy  sich 
nienen  dörfind  zeigen;  also  gieng  es  in  der  statt  dem  schult- 
heissen  ouch.  Und  kam,  das  man  sich  solt  in  herpst  rüsten:» 

2.  G.  ich  hau.  3.  St.  da  hingegen  etlich.  3.  G.  si  gönnten  lieber  alle 
ehr  der  statt.  9.  joch  glimpf.  11.  St.  so  möchte  doch  so  ein  sorgliche  sach 
dieser  statt  liechtlich  darus  erwachsen,  daß  ich  lieber  wölte  böserem  fiirzek., 
durch  — G.  n.  ein  sömliche  sorgliche  sach  zu  erwarten,  so  diser  statt  daros 
erwachsen  möchte,  wölte  ich  — (Wenn  vor  wölte  der  Ausfall  eines  vorher- 
gehenden wölte  angenommen  wird,  so  ordnet  sich  die  Construction  folgender- 
maßen: so  ein  sömliche  sorgL  sach  diser  statt  daros  erwachsen  oder  er- 
warten (=  warten,  bevorstehen)  wölte,  wölte  ich  — ).  18.  fr.  abgezelt  wor- 
den. 20.  St.  Cäsar,  H.  Cato  einmal  mögen  siegen  (vielt,  ist  Censor  zu  lesen 
und  darunter  allerdings  Cato  Censorius  verstanden.  Der  heroische  Cato 
wurde  schon  oben  Fränkli  von  dem  Verfasser  genannt.  Oder  ist  cossar  eine 
Abkürzung  von  causator,  ein  Anwalt  der  Minorität?) 


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II,  9.  Die  Weinlese. 


95 


do  hendt  die  geschlecht  ireu  wyn  darvor  umb  einen  zimli-  [lfio] 
chen  pfenning  ußgeschenkt  — dann  man  tUwre  deß  wyns  er- 
warten was  — und  hend  inen  darmit  iren  gunst  treffenlich  ge- 
meret. Als  man  aber  binden  solt,  hend  alle  geschlecht,  ußge- 
s nommen  junker  Ludwig  Hetzel , ire  fesser  uß  der  statt  zü 
iren  htiseren  lassen  füren,  und  etliche  die  lassen  von  küferen 
von  Thun,  Burgdorf,  Solothurn  und  Fryburg  und  landtküferen 
lassen  binden;  einen  grossen  teil  hend  sy  ouch  ungebunden 
an  se  gferget,  des  willens  die  am  se  zü  binden  lassen,  als 
10  man  sagt.  Das  dann  ein  grosse  klag  uff  dem  handtwerk  gab;  (BL 48) 
dann  sy  sagendt,  das  das  herpstwerk  der  gröst  gnieß  und 
^erlurst  uff  dem  hantwerk  were.  Das  ward  alles  uff  den 
schultheissen  gelegt,  inmassen  das  etlich  der  meisteren  in 
schelmetend.  Do  er  dessen  gwar  ward,  ward  er  genötet  sy 
io  zü  berechtigen , und  müßtend  umb  sömlicher  red  willen 
schwere  leistungen  annemmen,  darvon  noch  dem  schultheissen 
vil  mer  Unwillens  entstündt. 


2.  G.  denn  weil  man  — erwarten  was,  hend  si. 


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[WO] 


Dritter  Abschnitt. 


Streit  mit  Junker  Ulrich  von  Erlach. 

Der  Schultheiß  beansprucht  das  Recht,  im  Gebiet  der  Twingherren 
Namens  der  Stadt  die  Imben  (Bienenschwärme)  aufzuheben. 

[l]  Item  diser  tagen  ist  junker  Uolrich  von  Erlach  vur 
min  herren  kon,  und  sich  erklagt,  wie  er  sig  innen  worden,  5 
das  der  fry  weibel  habe  zwen  impen,  die  zü  Jegistorf  in  sinen 
weiden  und  herrschaft  gsin,  ufghept,  dem  herren  sclyjJtheissen 
gebracht  und  überantwortet.  Darumb  habe  er  den  fryweibel 
zü  Worten  gestossen.  Der  habe  im  geantwortet,  der  schultheis 
habe  in  sy  heissen  bringen.  Und  als  er  das  kum  mögen  glou- 10 
ben,  habe  er  den  schultheissen  gefragt;  als  er  des  anred,  habe 
er  in  für  min  gnedigen  herren  getaget;  denen  er  getruwe, 
das  sy  in  by  sinem  alten  harkommen  wie  sine  vorderen  wer- 
dint  lassen  blyben,  welche  die  herrschaft  und  schloß  Jegistorf 
von  dem  geschleeht  Jegistorf  ererbt  mit  voller  herrschaft  und  is 
grechtigkeit  biß  an  das  blüt,  so  dieselben  sampt  der  mann- 
schaft  einer  statt  vergönnen.  Truwete  desselbigen  und  anderer 
siner  vorderen  diensten  werde  er  gemessen,  das  er  von  ir 
gnaden  vil  mer  by  dem  sinen  gehandthabet,  dann  genommen 
wurde;  sonderlich  das,  so  er  und  die  sinen  von  alten  zyten» 
har  in  gewerd  und  stäter  nutzung,  besitzung  und  Übung 


11.  anred,  geständig,  im  Gegensatz  von  abred,  läugnend,  kommt  schon 
oben  3 37,  9 vor  und  findet  sich  in  allen  Hdschr.  19.  G.  dann  daß 
ihm  gen.  w. 


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UI,  2.  Fränkli  will  seine  Aemter  aufgeben. 


97 


werendt  gsin,  wie  das  die  ganze  landtschaft  harum  wüßte,  [1470\ 
zü  behalten. 

Item  als  aber  der  Schultheis  vor  minen  herren  dartat, 
das  er  im  die  ympen  hette  den  fryweibel  bringen  heissen, 

5 were  darum  gscheen  das  es  under  miner  herrbu  hochgricht 
were,  welchen  der  hochflug  alleinig  züstünde,  ander  dem  die 
imp  vergriffen  werend;  und  dunke  in,  es  were  zyt,  miner 
herren  grechtigkeit  ouch  zü  handthaben , und  so  einr  dem  an- 
deren vornacher  nit  also  hand  fiirgehalten  hette,  dörfte  es  iez 

10  gegenwürtiger  spünen  nüt. 

[2j  Item  als  der  sekelmeister  Fränkli  gefraget  ward, 
seit  er:  Er  werde  verursachet  naeh  nechester  rechnung  zü 
wienachten  das  ampt  und  zü  ostren  das  überig  ufzügeben, 
wenn  es  joch  die  notturft  sines  alters  und  lybs  nit  ervorderte. 

11  Dann  man  stäts  uff  im  lyge,  sin  ratschlag  und  urteil  zü  ge- 
ben, die  er  nit  anderst  könnte  gen,  denn  wie  in  Gott  und 
sin  conscienz  wyse,  und  er  von  den  alten,  treffenlich  wysen, 
frommen  menneren,  die  er  in  silier  jugendt  in  disem  rat  l'un- 
den  hette,  gelertwere;  (weliches)  [welichej  er  by  siner  seien 

a>  heil  biß  uff  dise  zyt  nie  gesehen  noch  gespürt  einanderen 
fürgehalten,  der  statt  recht  zü  undertruken.  Aber  das  were 
war,  das  wol  ie  zun  zyten  etwan  ein  unverstendiger  oder  un- 
gotsförchtiger  klügling,  so  ein  flyssiger  trüwer  Berner  wil 
geachtet  sin,  zun  zyten  möchte  der  statt  wollen  züziihen,  (B1.49) 
as  wider  billichs  und  recht,  so  ouch  von  etlichen  sines  glichen 


2.  zu  behalten  läßt  0.  aus-,  allein  man  verbinde:  sonderlich  das 
(dasjenige),  so  er  (=  dessen  er)  und  die  sinen  — wärend  zn  behalten.  9.  G. 
läßt  hand  und  hätte  aus;  allein  hand  fürhalten  ist  — schonen,  durch  die 
Finger  sehen,  connivere.  19.  G.  gelert  wäre.  Er  habe  by  siner  s.  20.  21.  St. 
uff  dise  zyt  gehalten  und  hätte  nie  ges.  — einandern  fürhalten.  (Die  Aen- 
derung  von  welicheB  in  weliche  macht  weitere  Emendationen  überflüssig: 
guos  non  vidi  sibi  invicem  connivisse  oder  comiiventes;  fürgehalten  ist  ent- 
weder ein  latinisirendes  Partidp,  oder  steht  elliptisch  ßr:  fiirgehalten  zu 
haben.)  24.  G.  zu  Zeiten  der  statt  zuzuzüchen  wider  bill.  u.  recht  wider- 
standen. 

Quellen  sur  Schweiler  Ocichichta.  !•  7 


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98 


KI,  2.  Fränkli  will  leine  Aemter  aufgeben. 


[1470]  volg  hette.  Und  ob  es  gewesen,  das  bißhar  gefärlich  niemant 
wer  übergeweltiget  worden,  so  hette  aber  der  unwill  in  10 
jaren  so  vast  zügenommen,  und  leider  iez  vast  umgeschlagen. 
Weliche  wyß,  wyl  sy  im  nit  möchte  noch  könnte  gfallen,  so 
müßte  er  dulden,  als  er  wol  merkte,  man  im  gern  zülegen  s 
wölte,  das  er  der  statt  nutz  hinderte,  gern  ufrür  gsehe,  so  er 
doch  uff  disem  ertrich  nüt  mer  fürchte  denn  ufrür;  und  das 
wüßte  Gott,  ouch  alle  verstendige  und  wyse  menner,  so  sine 
ratschleg  hettend  wol  vernommen.  Aber  zületsten  müßte  er 
noch  das  sagen : wenn  gricht  und  recht  stat  hette  und  er,  io 
güt  und  der  gyt  nit  überhand  hette  genommen,  also  das  sich 
ein  ieder  sines  stads  und  berüfs  benügte  noch  sich  über- 
nommen hette,  so  were  vormals  noch  iez  diser  zängken  und 
Spänen  keiner  vorhanden,  noch  die  so  uß  denen  in  künftigem 
werdent  fliessen,  weliche  ich  am  wirsesten  entsitzen ; und  das  is 
nit  von  minentwegen,  dann  ich  gan  dahin,  aber  von  disers 
regiments  wegen,  dessen  ich  entsitzen;  wiewol  etlich  söllend 
sagen,  mir  lige  mer  an  sonderbaren  personen  denn  an  der 
statt,  weliche  min  herz  nit  bekennend  und  urteilend  aber. 
Dann  in  diser  statt  mir  an  keinen  personen  nüt  ligt  noch  ie  » 
gelegen  ist  gsin,  deß  berüf  ich  mich  zü  Gott;  aber  an  gricht 
und  recht  ist  mir  gelegen,  so  ein  iedes  regiment  müß  erhal- 
ten; wo  dasselb  ufhört,  so  müß  not  halben  dasselbig  in  die 
harr  z’boden  gan.  Gott  wöllte,  das  es  wol  betrachtet  wurde! 
Item  obwol  der  sekelmeister  vil  gebetten  und  im  ouch  ge-ss 
botten  ward  zü  raten,  hat  man  in  doch  müssen  erlassen, 
und  ist  beschlossen,  uff  momdrigen  tag  disen  handel  für  den 
grossen  rat  zü  bringen. 

[3]  Do  ist  min  herr  sekelmeister  heimgangen,  und  als 
man  gesessen  und  junker  Uolrich  sin  klag  vast  uff  die  wyß  so 


1.  G.  Bl.  volg  hat,  doch  abgewiesen,  daß  bißhar  gefährlichen  nie- 
mants.  1.  St.  ohngefärlich.  3.  G.  Bl.  hätte  aber  in  vergangenen  10  jaren. 
4.  G.  Bl.  so  ey  im.  5.  G.  Bl.  man  in  gern  züchen.  11.  St.  und  der  ehr- 
nnd  gnts-geiz.  G.  Bl.  ouch  gut-geiz  (der  Sinn  scheint  vielmehr:  nach  der 
Zunahme  von  Ehre  und  Gut  habe  auch  die  Habsucht  zugenommen).  15.  G. 
am  übelsten.  19.  St.  und  urteilend  doch  darüber  1 


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III,  3.  Der  Seckelm  eister  in  Gr.  Rath  genüthigt. 


99 


wie  vor  rat  getan,  dargegen  der  schultheis,  was  in  verur-  [1470] 
sachet  die  impen  zu  beschiken,  und  angefraget  ward  zü  ra- 
ten, hend  etlich  miner  lierren  sich  entschlossen,  in  abwesen 
des  sekelmeisters  nit  zu  raten  und  hend  nach  im  geschickt, 
s Uff  das  drit  mal  hat  der  gilt  alt  sltti  ab  dem  morgenbrot 
müssen  kommen  und  hat  [sich]  vor  rät.  und  bürgeren  enteckt 
sines  hingangs;  und  so  fürwerthin  von  gescheften  wegen 
sonderbarer  personen  etwas  ze  tün  sige,  besonders  so  es 
herrschaftrecht,  wie  diser  gegenwürtiger  handel,  antreffe,  biß 
io  osteren  abtretten  wölle,  von  etlicher  reden  wegen,  so  er  mit 
einer  langen  red  anzeigt  hat  und  ein  teil  hievor  gemelt  ist. 

Und  ist  hinfiir  getretten  und  nach  ratschlag  hinyn  genommen 
und  von  raten  und  bürgeren  gmeinlich  gebätten  von  sinem  fur- 
nemmen  ze  stan.  Min  lierren  heigind  sine  ratschleg  und  urteil 
is  wol  für  gilt  undwüssind,  das  er  die  uß  ganzen  trüwen  gebe;  so 
aber  in  etlich  darumb  söllend  geschmutzt  und  hinterredt  hau» 
so  sig  es  inen  vast  leidt,  und  so  sy  die  wüßtend  oder  in 
dem  künftigen  innen  wurdent,  so  müsse  er  gseen,  das  min  (B1.50) 
lierren  es  von  niemants,  er  sige  glich  wer  er  wölle,  für  gut 
so  werdint  haben , sonder  . sich  des  als  irer  eignen  Sachen  an- 
nemmen.  Und  «als  er  des  ininen  lierren  gedanket  und  wider 
liinus  gwöllen,  sind  im  die  türen  verhalten  worden,  und  vil 
miner  herren  räten  und  bürgeren  an  in  ghanget  und  ge- 
bätten, sich  von  inen  nit  zü  sünderen;  ist  er  nach  ernstlicher 
sr.  pit  bewegt  minen  herren  züzesagen  by  inen  zü  belyben,  und 
als  er  sich  an  die  statt  gesetzt,  ist  gefragt  worden  umb  den 
handel  zü  raten.  Do  hat  nach  dem  brach  der  schultheis  den 
ersten  rat  müssen  geben,  welicher  secher  und  richter  was. 

Do  ward  nach  langem  arguieren  beschlossen,  das  der  hoch- 
3o  flugk  der  obristen  herrschaft  züghöre,  under  deren  die  ilnpen 


6.  G.  Bl.  n.  hat  sich  — entdeckt.  7.  St  die  Ursachen  sines  hing. 
10.  St.  daß  er  bis  ostem.  G.  wölle  er  b.  o.  12.  St.  und  ist  hinußgetretten. 
Nach  geschehenem  rathschlag  ist  er  wieder  hiningenommen.  G.  ist  daruff 
hinfür  g.  Bl.  u.  ist  herfiir  getret  n 29.  G.  der  nach  1.  a.  Bl.  do  er  nach 
1.  a.  30  G.  Bl.  under  dem. 


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100 


in,  4.  De*  Seckelmeiaters  Rath. 


[/470]  sind:  so  ghörind  sy  vil  mer  ininen  gnedigen  herren  zü  in 
iren  hohen  grichten,  wie  Jegistort'  were. 

[4]  Daruff  ward  der  sekelmeister  gefragt;  der  sprach, 
das  er  vast  unwillig  hierin  zü  raten  were;  so  aber  in  des 
min  herren  zwungend,  wurde  er  fry  nach  sinem  verstandt  5 
sin  bescheid  geben;  wiewol  er  junker  . Uolrich  von  Erlach 
iezmals  zügegen  nit  hette  ghört;  darum  er  siner  urteil  billi- 
chen  erlassen  wurde.  Uff  das  man  aber  darab  käme,  so  wölte 
er  mit  dem  hochflugk  anfahen,  mit  welichem  gegenwtirtiger 
handel  verwirrt  mer  wurde  dann  erlüteret  Dann  ympen  ,0 
under  den  hochflugk  nüt  ghörtend,  und  hochflugk  und  impen 
were  iedes  ein  bsonders.  Wenn  aber  schon  glych  alle  impen 
under  dem  hochflugk  vergriffen  werind,  so  were  wol  müglich, 
das  die  junker  Uolrich  züstündent,  wo  er  volle  herrschaft  zü 
Jegistorf  hette,  als  er  wol  geloupte.  Dann  es  umb  Jegistorf  ,5 
ein  alt  wAsen  were : so  zeigte  ouch  an  sin  gewerd,  possession 
und  nutzung  der  impen,  wie  er  das  uff  gestrigen  tag  im  rat 
anzeiget  hette.  Deßglychen  herr  Adrian  von  Bübenberg  hat 
anzeigt,  das  der  merer  teil  des  umligenden  adels  sigind  frye 
herren  gsin  under  niemants  oberkeit.  Als  die  statt  an  gebü-jo 
wen  und  volk  zügenommen  und  durch  die  geschlecht,  so  der 
Stifter  in  die  statt  gsetzt,  wol  gregiert,  ouch  in  die  statt  ge- 
zogen und  der  statt  ire  hochgricht  tibergebeD,  dardurch  die 
statt  merklich  zügenommen  und  die  umbligenden  grossen 
graffen  geschwecht,  do  hend  sy  diser  statt  darumb  nit  über-  & 
geben  ire  volle  oder  alle  herrschaft,  dann  allein  die  hochgricht. 
Nun  aber  weißt  man  wol,  was  zü  den  hochgrichten  gehört 
und  wie  man  dasselbig  bißhar  gebracht,  wiewol  der  twing- 
herren  etlich  zun  zyten  ouch  in  disem,  wie  ouch  in  vil  an- 
deren stucken  minen  herren  gwilfaret.  Nun  habend  sy  mit» 


7.  ff.  läßt  zugegen  aus.  10.  St.  ff.  Bl.  mehr  verwirrt.  IG.  St.  zeigte 
er  ouch  an.  ff.  zeigte  da*  ouch  an.  17.  ff.  denn  wie  er  vormals  mehr, 
dergleichen  ouch  h.  Adr.  v.  Buhenb.  hie  anzeigt  22.  ff.  sind  si  ouch  — 
zogen. 


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III,  4.  Dee  Seckeimeister»  Rathschlag.  Kiltler  siegt.  101 

den  hochgrichten  darumb  nit  den  hochflugk  (ich  geben.  Das  [tf!0] 
erschynt  sich  in  vil  herrschaften.  Dann  s y verbietend  die 
falken,  blauwfüß  und  hapich  ußzünemmen  by  straffen,  wie 
die  inen  geliebend.  Und  han  ouch  zwüschen  üwerem  schult- 
5 heissen,  besonders  under  herr  Rüdolfen  Hoffmeisteren,  so  der 
statt  streng  züzoch,  und  etlichen  usseren  herren  in  disem  rat  (B1.51) 
groß  gezängk  gesehen,  das  sy  rnüßtend  abstan,  und  denen, 
so  volle  herrschaft  hattend,  da  ir  glich  die  hochgricht  hend, 
der  hochflugk,  wie  billich,  gelassen  ward.  So  vil  des  hoch- 
io  flugks  halben.  Aber  der  impen  halb,  so  sind  in  Uweren  lan- 
den die  nit  volle  herrschaft  hend  über  die  iren,  aber  ein  be- 
stimpte  und  benampte,  wie  hoch  und  wyt  ire  straffen  gandt, 
und  was  wyter  üch  minen  herren  züstat;  darum  sy  nit  den 
hochflugk,  ouch  vil  mintürer  herrschaften  rechte  nit  handt, 
is  und  werdent  inen  nüt  desto  minder  die  impen  in  iren  zilen 
und  marchen.  Haruß  schynbar,  das  die  alten  ein  uuderscheidt 
des  hochflugkes  und  der  impen  gehept,  und  uff  beide  dise 
stuck  setzen  ich  min  urteil:  es  sigind  ja  glich,  das  ich  aber 
nit  gloub,  die  impen  under  dem  hochflugk  vergriffen,  und 
zojunker  Uolrich  mag  erzeigen,  das  er  volle  herrschaft  zü  Je- 
gistorf hat,  das  im  billich  die  ufgehapten  spänigen  impen  wi- 
der werdint  zügestelt.  Und  wo  er  glich  die  nit  hette  und  sich 
findt,  das  ouch  sömliche  die  ufheben,  die  nit  volle  herrschaft 
hend,  so  weiß  ich  in  nit  mit  keinem  rechten,  nach  unser  statt 
»3  rechten , noch  landtsbruch , von  siner  langwyrigen  gewerdt 
noch  possession  ze  tryben,  noch  keinen  andren.  Darvor  mich 
iez  und  alle  zit  Gott  wölle  behüten. 

Item  nach  der  umbfrag  ist  des  schultheissen  rat  das  mer 
worden,  und  hat  junker  Uolrich,  wiewol  unwillig,  müssen 
ao  patienz  haben. 

|5]  Item  in  disen  tagen  ist  min  herr  von  Losanna  kom- 
men und  hat  min  gnedigen  herren  angrüft,  ime  by  stand  ze 


4.  St.  G.  üweren.  6.  G.  stark  zuzog.  Bl.  stäts  z.  11.  G.  läßt 
über  die  iren  aus.  13.  G.  läßt  nit  aus.  14.  St.  minderer.  24.  G.  mit 
keiner  biliichkeit. 


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102  IU,  5.  Zwischenvorfall  mit  dem  Bischof  von  Losanncn. 

[1410]  tftnd  wider  den  herzogen  von  Saffoy,  so  der  kilchen  von  Lo- 
sen in  allen  iren  stetten,  schlosseren  in  der  Waadt,  gelegen, 
ouch  in  der  statt  Losen,  in  den  weltlichen  grichten  wider 
all  keiserlich  und  pöbstliche  briet'  einen  yngriff  understündo 
zö  tön.  Als  aber  der  handel  groß  war,  handt  min  herren  5 
alle  abwesende  von  räten  und  bürgeren  beschriben,  het  aber 
keiner  wollen  kon,  sonders  sich  alle  mit  dem  herpst,  uff  den 
sy  sich  rüstind  zö  faren,  entschuldiget.  Als  aber  min  herren 
hoch  by  iren  pflichten,  so  sy  der  kilchen  von  Losen  schuldig, 
beide  vom  bapst  und  bischoff  sind  ermannt  worden,  hend  sy  10 
verordnet  beide  junkherren,  Urban  von  Mölcren  und  Hein- 
rich Matter,  ob  wol  sy  ouch  von  ires  herpst  wegen  vast  un- 
willig warend,  mit  minem  gnedigen  herren  von  Losen  biß 
gan  Kammerach,  ob  sy  daselbst  den  herzogen  noch  inöchtind 
erlangen,  ze  ryten,  denselbigen  zö  bitten  die  kilchen  von  15 
Losen  by  iren  alten  grechtigkeiton,  brieten  und  siglcn  lassen 
zö  blyben.  Hann  wo  er  das  nit  tete,  so  sindt  sy  so  hoch 

(B1.52)  von  unserem  aller  hcllischten  vatter,  dem  bapst,  ouch  dem 
bischoff  by  der  pflicht,  so  sy  beide  dem  h.  still  zö  Rom  und 
der  kilchen  von  Losen  schuldig,  das  sy  kum  möchtend  *> 
ftlrkon,  denn  das  sy  im  bystand  zö  sinem  rechten  müß- 
ten tön. 


4.  G.  Bl.  so  er  erscheint,  einen  yngrifl  — . 18.  St.  G.  allerheiligesten. 
(dem  wol  erst  der  Schreiber,  v.  Schalen,  den  allerhellischtcn  substituirt 
hat).  17 — 20.  nach  schuldig  muß  ermant  worden  ausgefallen  sein  ( 's . oben 
Z.  10),  das  aber  von  keiner  Hd&chr.  ergänzt  wird.  H.  wären  si  dem  Stuhl 
zu  Born  u.  der  kilchen  zu  Losen  so  hoch  verpflicht. 


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Vierter  Abschnitt. 


Streit  mit  der  Frau  von  Hürenberg  und  Junker  Hartmann 

von  Stein. 

Der  Schultheiu  macht  im  Namen  der  Oberhoheit  der  Stadt  Anspruch 
auf  da*  togenannte  Mulvee,  dat  in  dem  Gebiet  der  Twingherren 
b aufgegriffen  worden. 

fl J Item  diser  tagen  ist  min  frouw  von  Hünenberg  mit  [tfio] 
sampt  dem  amman  von  Münsingen  mit  einem  bitteren  brief 
von  junker  Hartman  vom  Stein  vor  minen  herren  erschi- 
nen  und  sich  geklagt,  wie  der  fryweibel  Gfeller  habe  zü 
10  Hürselden  uff  dem  Moß,  so  zfi  der  herrschaft  Münsingen  ge- 
höre, ein  jung  roß  oder  Alle  genommen,  so  mulve  sölte  sin, 
dasselbig  in  die  statt  gefürt  und  dem  schultheissen  überant- 
wortet. Darab  sy  groß  bedurens  habind,  das  er  inen  das  ir 
eutfrömdet  habe,  darzil  ir  herrschaft  geschwecht,  in  dem  das 
if  er’s  in  andere  herrschaften  und  gricht  gefürt,  da  man  züvor 
und  e erfaren  söllen  mit  der  kundtschalt  und  urteil,  öb  es 
mulgüt  und  demnach  der  herrschaft  verfallen  were?  Und 
begertend,  das  min  herren  iren  amptman  darzil  hieltindt, 
obgemelt  roß  oder  füli  wider  zA  stellen,  da  er’s  hette  entfröm- 
*o  det.  Dann  in  irer  herrschaft  Münsingen , da  sy  volle  herr- 
schaft hettend,  ja  ouch  die  hochgricht  ziistandint  oder  ja  zü- 


6.  G.  Hürenberg.  15.  G.  da  man  zuvor  hätte  sollen  mit  kundschaft 
n.  nrthel  erwegen  und  erfahren.  17.  G.  verfallen  oder  nit?  21.  G.  Bl. 
lotsen  die  Worte  oder  ja  — soltind  aus,  u.  schreiben  hochgricht  hätten. 


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104  IV)  2.  Kistler  vertheidigt  sich  vor  Räth  und  Burgern. 

[/470]  gtan  soltind,  sömlich  gwalt  und  mötwill  nie  begegnet  sye. 
Do  ist  der  Schultheis  anred  gsin,  wie  der  fryweibel  das  fUli, 
so  mulgüt  sige,  gebracht  habe,  wegen  das  dasselbig  in  miner 
herren  hohen  grichten  funden  worden , und  vermeint,  es  si- 
gind  stuck,  die  under  den  wildpan  ghörindt,  die  aber  allein  s 
der  hohen  herrschaft  züghörindt.  Und  des  sinnes  sige  er 
ouch,  wie  der  fryweibel,  und  ufif  das  er  miner  gnedigen  her- 
ren grechtigkeit  in  iren  hohen  grichten  ntit  versume,  habe 
er  das  filli  vom  fryweibel  empfangen.  Wohin  min  herren  es 
nun  werdint  legen,  gevalle  im  wol.  to 

[2]  Item  uff  den  morndrigen  tag  ist  min  frouw  von 
Hünenberg  mit  dem  ammann  von  Münsingen  für  den  grossen 
rat  bescheiden,  uff  welcher  verhör  sampt  dem  brief  junker 
Hartmanns,  der  vil  lüt  ergrimmet  hat  gemacht,  ouch  des 
sekelmeisters  nachvolgender  rat,  den  man  noch  nie  in  allem  “ 
handel  so  übel  für  göt  ghan  hat  als  hüttiges  tags,  hat  der 
richter  on  alle  not  im  zfigesprochen  das  ftlli.  Dann  man  seit, 
es  were  oder  wurde  ein  hüpsch  jung  roß.  Hat  erstlich  sich 
klagt  der  schmach  ime  uff  gestern  von  junker  Heinrich 
Matter  bewisen  — welcher  mit  anderen  von  twing  und  frünt- » 
schaff  wegen  abtreten  solte;  als  sy  züvor  die  partyen  umb 
das  fuli  gehört  und  hinuß  giengendt,  hat  er  (wie  er  denn 
spötig,  wol  bredt  und  Mfen  ist)  treffenlich  des  schultheissen 
gespottet  mit  dem  wildpan  und  mulve,  das  er  zü  grossem 
spott  und  schäm  kam.  Hat  allein  zwei  stuck  anzogen,  das  er  *> 

(ßl.5.3)  jm  gesagt:  Er  verstände  sich  eben  uff  wildpan  wie  ein  kü 
uff  mittag;  er  könnte  baß  sagen,  wenn  ein  kfi  finnig  were, 
denn  was  wildpenenrecht  were  — und  het  darby  anzeigt 
was  er  lyden  müsse,  so  er  der  statt  grechtigkeit  sfichte,  die 
in  der  warheit  bißhar  nie  gesücht  noch  erfragt  worden  we- 50 
rind,  besonders  in  den  vier  landgrichten,  und  was  minen 

1.  G.  gölte  ihnen  sömlicher  gewalt  n.  m.  nit  zugfiigt  werden;  dann 
es  inen  in  grösseren  und  wichtigeren  handeln  nie  beachehen.  12.  G.  Hüren- 
berg.  20.  G.  welcher,  ehe  er  mit  anderen,  so  — abtreten  sollen,  hi  nußging, 
hat  er,  wie  er  denn  — freffel  ist,  nachdem  si  zuvor  — gehört,  trefflich  des 
sch.  gespottet.  31.  G,  Bl.  wärind  gsin  in  den  4 landger.,  insonders  was  — 
zustünde,  hätte  — . 


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IV,  2.  Kistler  vor  Bäth  und  Burgern.  105 

herren  von  den  hoehgrichten  wegen  züstünde.  Das  hefte  zum  [tfio] 
teil  gemaehet,  das  vil  zyts  dieselben  landtschal’ten  von  nie- 
mants  werind  beherrschet  worden  denn  von  den  alten  ge- 
schlechten  und  klüstcrcn,  allein  ußgenommen  etliche  grichtli, 

6 so  vor  zyten  min  gnedigen  herren  gekouft  und  ererbt  von 
etlichen  geschlechten  und  man  an  das  glicht  gau  Bern  ge- 
legt hette;  darum  man  inen  etliche  ding,  so  sy  schuldig  we- 
rind, nachliesse;  wer  zü  derselben  zyt  (nun)  [nur]  ein  venncr 
in  der  statt  Bern,  der  sich  der  landtschalt  nüt  belüde.  Wenn 
10  sy  nummen  in  der  statt  reiß  kamend,  ein  ietliche  herrschaft 
mit  iren  herren,  da  ward  wyter  nüt  nahin  gefragt.  Als  aber 
die  landtschaft  groß  und  zü  vier  orten  der  statt  gelegen  und 
ein  widerwertigs  regiment  was,  hend  dozmal  die  alten  für 
güt  angesehen,  vier  venner  zü  crwellen.  Und  hend  inen 
**  die  landtschaft  in  vier  teil  zü  regieren  ußgeteilet,  ouch  die 
statt  der  landtschaft  nach  in  vier  teil  geteilt.  Als  aber  noch 
ein  unrichtig  ding  was,  hat  man  darnach  in  iedem  landtge- 
richt  einen  richtstül  ufgericht,  an  weliches  ort  mengklicher 
sölte  in  der  landtschaft  kon  umb  was  Sachen  das  minen  her- 
40  ren  joch  gefiele , were  um  totschieg  zü  richten , nüwe  gebot 
oder  Ordnungen  zü  verkünden,  harnest  zü  gesehouwen  etc.  Sem- 
liche  ding  zü  gebieten,  ouch  uff  miner  herren  recht  ufsehen 
zü  haben,  sind  hernach  die  fryweibel  ufgesetzt.  Noch  war  es 
vergebens.  Denn  der  grüst  mangel  was  noch,  das  die  ge- 
*5  schlecht  und  twingherren,  und  welicher  nit  ein  herrschaft 
hat,  doch  mit  früntschaft  also  nach  inen  verwant  war,  wie 
ir  iez  ouch  mit  junker  Heinrich  Matter  sehendt,  das  keiner 
miner  herren  recht  in  iren  hoehgrichten  süchen  wolt  oder 
dorft.  Were  ein  schlechter  ratsfründ  so  frisch  gsin,  so  er 
so  etwas  im  rat  wider  10,  12  oder  15  hette,  daselbest  hette  dür- 
fen etwas  darvon  anzühen?  Besonders  wil  sy  alle  ämpter 
in  iren  henden  hattend,  wie  ir  vast  all  gseen  hendt  und 
noch  gseend  an  mir,  an  disem  üwerem  ampt,  wie  ouch  am 


8.  St.  G.  H.  nur.  10.  ff.  reyßzug.  29.  ö.  so  etwas  im  ratk  wider 
10,  12,  ja  15  hätte  dörffen  amtlichen  ? 


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106 


IV,  2.  Kistler  vor  Bath  und  Burgern. 


[1470]  vennerampt.  Dann  unseren  iez  eben  vier  am  vennerampt 
gsin  sind,  die  von  handtwerken  gsin  und  nit  twing  oder 
Herrschaften  ghan  und  man  nit  gejunkeret  habe.  So  ist  herr 
sekelmeister  hie  zügegen  der  erst  sekelmeister  in  diser  statt 
von  den  handtwerken  oder  gmeinen  bürgeren.  Wer  wölt  nun  s 
dise  gewaltigen  ersücht  oder  sich  wider  syen  gesetzt  haben 
lichtlich?  Wiewol  denocht  zü  allen  zyten  etwar  ist  gsin, 
(B1.54)  den  dise  verwarlose  oder  der  statt  schad  getrukt,  und  das 
b’rütet.  Dannenhar,  so  ich  doch  so  wyt  alle  ding  offnen  mfiß, 
zü  minen  zyten  disen  dingen  zil  helfen  das  mittel  funden  ward, » 
die  vier  venner  von  den  vier  handtwerken  zü  nemmen,  domit 
den  geschlechten  das  regiment  zum  teil  uß  der  handt  wurde 
genommen;  wiewol  es  wenig  gebracht  Dann  ir  gseend,  das 
sy  dargegen  einen  anderen  list  bruchend,  ire  alten  Stuben 
übergend  und  zü  disen  vieren  sich  stellendt;  ja,  hend  ouch  w 
ein  nüwe  stuben  ußgeworfen,  so  ouch  zü  den  meisteren  zü 
Gerweren  söllend  gehören,  und  sind  aber  noch  alle  junkher; 
so  ungern  kommend  sy  vom  gewalt  und  hend  in  noch  uff 
den  dryen  handtwerken  vast  biß  iez  behalten  wider  die  mei- 
nung,  das  man  nit  den  viertlen  nach , sonder  den  vier  stu-  *> 
ben  oder  handtwerken  nach  die  venner  sölte  erwellen.  Wo 
das  iedermann  hette  betrachtet  und  villicht  gewußt,  so  wer 
ich,  als  ich  gloub,  nit  iez  in  disem  rollfaß  und  wurde  ge- 
zwungen von  der  statt  recht  wegen  der  suw,  wie  man  spricht, 
die  schellen  anzühenken.  Und  dieselbige  enderung  wie  ouch  » 
etlich  ander  mer,  so  min  herr  sekelmeister  vormals  selbs  et- 
wan  bekennt,  die  min  herren  uß  krafft  irer  hohen  grichten 
in  den  landtgrichten  fürgenommen  und  inen  gelungen  und 
wol  erschossen,  hend  im  in  denen  zyten  wol  gevallen.  Und 


1.  G.  Bl.  denn  Ürener  (Bl.  ven  der),  der  erst  n.  unser  eben  drey 
nach  ihm  venner  sind  gsin.  8.  G.  dise  fahrläsaigkeit.  9.  G.  beränwet 
Bl.  bednrt,  s.  unten  in  der  Antwort  Fränkli's  (S.  108,  iS) ; die  sömlichee 
traket  n.  beturet  habe.  Allein  b’rnotet  kommt  auch  unten,  S.  108,  30, 
wieder  vor  und  steht  auch  in  G.  13.  G.  hat  dennoch  in  künftigem  viel- 
leicht etwas  mehr  bracht  BL:  hat  dennoch  etwas  in  künftigem  bracht 
14.  8t.  erdacht  and  brachend.  15.  St.  G.  übergebendt  17.  G.  aber  vilnach. 


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IV,  3.  Frünklis  Antwort. 


107 


weite  es  im  ntit  verhalten,  sprach  er,  das  er  ein  bedurens  an  [1470] 
im  bette,  so  iez  der  statt  nutz,  darzü  s y uß  braft  irer  hoch- 
grichten  füg  hettend,  gesftcht  wurdt,  er  im  iez  selb  gar  un- 
glich  were  worden.  Uff  das  er  aber  end  siuer  red  gebe: 
s so  er  funde,  wie  vast  joch  gewert  worden,  das  denocht  die 
twingherren  vor  jaren  umb  der  hochgrichten  willen  ininen 
herren  vil  und  grosse  stuk  bettend  müssen  nachgen , wie 
das  herr  sekelmeister  uff  ein  zyt  selber  hie  bekentlich  gewe- 
sen : so  were  er  also  gesinnet,  zü  sinen  zyten  miner  herren 
10  recht,  wo  er  das  funde,  ze  süchen  und  handthaben.  Darum 
er  nit  anders  könnte  finden  und  ermessen,  denn  das  der  wild- 
pan  der  hohen  herrschaft  zügehorte,  under  welichem  ouch 
das  mulve,  wo  min  gnedigen  herren  die  hochgricht  hetten, 
züstünde. 

is  [3j  Item  als  uff  dise  red  der  sehulthcis  den  sekelmeister 
fraget,  hat  er  gelachct  und  gesagt , das  billicher  zü  grynen 
were ; so  es  aber  darzü  komme,  das  ein  metzger  und  ein 
ktirsiner  müßtend  den  weidlilten  den  wildpan  ußlegen  und 
regel  fürschryben , das  wurde  on  zwyfel  ein  visierlichs  ge- 
2ojegt  geben.  Aber  nun,  diewyl  under  dem  schyn  der  stat 
nutz  dise  unnütze,  ja  schädliche  gezenk  alle  erwekt,  und  ich 
hierin  wird  angezogen,  als  einer  so  der  statt  nutz  züwider 
sige,  und  mir  etliche  enderungen  und  nüwerungen  wol  ge- 
vallen  habind,  und  zü  denen  zyten  deren  bekantlich  vor 
28  disem  rat  gsin,  aber  mir  selber  iez  gar  unglych  worden  sye  (Bl-55) 
— uff  das  nun  ir,  min  gnedigen  herren,  gsehindt,  wie  wyt 
min  herr  Schultheis  vom  zweck  geschossen,  so  furcht  ich,  ich 
werde  mir  numrnen  zü  vil  glych  sin,  dann  ich  uff  gestern 
noch  min  30järigen  namen  bchept:  „der  wunderlich  Fränkli“, 
so  und  das  ich  ab  disem  huß  noch  beiden  disen  stuben  syt  der- 


5.  St.  so  funde  er  ( allein  es  entsprechen  sich  als  corrclate  Sätze : so 
er  funde  — das  — vor  jaren  — so  wäre  er  gesinnet  zu  sinen  zyten  — . 
10.  St.  zu  handthaben.  13.  0.  Bl.  das  mulfe;  darum,  wo  meine  g.  h.  dag 
hochgericht  hättend,  ihnen  billich  das  mulfee  ouch  znstunde.  24.  0.  deren 
ich  vor  etwas  zyts. 


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108 


IV,  3.  Fränkiis  Antwort 


[1470]  selben  zyt  unkriegt  nie  sige  kon.  Sol  ich  dann  disen  htipschen 
namen  hüt  verlieren?  Besonders  so  sieh  der  m Atzen  die  lar- 
ven  langest  bette  ghört  abzfizüchen,  darniit  sy  sich  zierdt, 
sprechende:  das  ist  der  statt  nutz,  der  statt  nutz!  und  wenn 
man  das  schön  butzenantlit  dennen  zücht,  so  findt  man  ins 
der  warheit  andere  nüt,  dann  eigner  nutz,  eigner  nutz,  ergyt, 
ergyt.  Das  ich  aber  minein  herr  schultheissen  antwort  gebe, 
diewyl  er  mich  zfi  einer  kuntschaft  siner  furgebnen  red  dar- 
stelt,  mich  dick  hüt  angezogen  und  unhöflich  angetastet,  so 
er,  als  ich  wölt,  wol  emprosten  were  gsin : so  hat  er  anfengk-  io 
lieh  übel  klagt,  das  biß  uff  sin  zyt  die  geschlecht  gregiert 
heigind  in  allen  Ampteren  und  gewaltig;  die  beigen  nun  der 
statt  recht  nüt  ges ficht,  wider  deren  gwalt  sich  niemant  habe 
dörfen  setzen  : iedoch  so  sigind  denocht  zfi  allen  zyten  etliche 
gsin,  die  sömlichcs  trukt  und  beturet  habe,  welchem  zfi  hei-  « 
fen  das  mittel  funden  worden,  von  den  vier  stuben  oder  handt- 
werken  die  vier  venner  sölten  genommen  werden,  welichem 
aber  nit  gelept  worden;  daun  man  noch  alwegen  uff  etlichen 
stuben  von  gesehlechten  oder  junkherren  darzfi  nimpt.  Das 
klagt  er  übel.  Und  zfiletst  klagt  oder  schlüßt  er,  das  die  ge-  20 
schlecht  habind  vor  jaren  minen  herren  grosse  stuck  in  iren 
herrschaften  von  iren  hohen  grichten  wegen  müssen  nach- 
lassen,  und  des  bezüget  er  sich  uff  mich  und  fundiert  sin 
urteil  daruff,  das  er  darum  iez  zur  statt  handen  in  üweren 
hochgrichten  die  wildpAn  und  das  daran  hange,  wie  das  mulve  25 
ist,  ouch  wölle  han.  Antwort:  Wie  wil  sich  das  zAmen  ry- 
men,  das  den  gewaltigen  gesehlechten  niemant  habe,  so  sy 
das  ir  gsficht  und  der  statt  recht  lassen  faren,  dörfen  zfiwi- 
der  sin,  und  aber  zfi  allen  zyten  etliche  gsin  sigind,  so 
das  trukt  und  b'rfitet  heigindt?  Ja,  sömlicher  wyß,  das» 


2.  G.  läßt  der  mätzen  aus.  3.  G.  vom  angesicht  abzuziahen.  9.  St. 
so  er  wölt  als  ich,  deren  ich  wol  e.  w.  gsin.  12.  G.  läßt  und  gewaltig  aus. 
12.  13.  G.  dieselben  nur  ihres,  der  statt  recht  aber  nit  gsneht.  16.  St.  daß 
von  den  — . 2U.  G.  läßt  klagt  oder  aus.  25.  St.  und  was  daran  h. 

30.  St.  bednret. 


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IV,  3.  Fränklis  Antwort. 


109 


miner  herren  recht  irer  hochgrichten  halb  also  erülgt  und  ge-  [1470] 
handthabet  worden,  das  sy  minen  herren  dadurch  grosse 
stuck  und  herrligkeit  hend  müssen  nachlassen?  Wie  wil  das 
züsamenkommen?  Die  gschlecht  habend  nur  inen  züzogen 
6 und  miner  herren  rechten  abzogen  (wie  stets  mines  herreu 
schultheissen  red  hie  vor  dem  kleinen  rat  tönnt),  und  hend 
aber  vor  jaren  grosse  stük  müssen  minen  herren  nachlassen  ? 

So  kann  er  nit  sagen:  „Ja,  sider  der  sach  geholfen  ist,  das 
die  vier  venner  ab  den  stuben  sönd  genommen  werden! 
io  Dann  dasselbig  ist  nit  lang.  Züdem  kennte  er  nit  ein  einzig  (BL5G) 
stuk  erzeigen,  das  syt  derselben  zyt  der  statt  etwas  were  zü- 
kon,  dann  in  etlichen  herrschaften  uß  minem  antryben,  wie 
ich  dann  nun  by  30  jaren  darob  angehan,  uß  miner  herren 
frtlntlichen  pit  etliche  gschlecht  vergönnt  hendt,  uff  iren 
is  tavemen  und  undertanen  den  bösen  pfenning  ufzünemmen. 
Züdem  das  er  ouch  klagt,  wider  die  meinung  und  ansehen  (und) 
[durch]  unser  aller  unwyßheit  oder  der  gesehleehten  list  das 
ntltdestminder  noch  vil  der  junkheren  an  dise  umpter  genom- 
men werdint.  Also  hörend  ir,  wie  übel  sich  die  verhouwend, 

2o  die  nit  uff  der  rechten  Straß  blybend.  Als  aber  min  herr 
schultheis  sich  der  dingen  uff  mich  züget  und  darby  spricht: 
ich  habe  es  selber  hie  bekennt,  da  wüßt  ich  by  minem  eidt, 
den  ich  Gott  und  minen  herren  geschworen,  ime  sines  anzugs 
kein  kundtschalt  zü  tragen.  Das  ich’s  aber  bekennt  habe,  da 
25  tüt  er  mir  unrecht.  Das  ist  aber  war,  als  im  anfang  diser 
widerwertigen  hendlen  min  herr  der  alt  schultheis  von  Dieß- 
baeh  sich  der  nüwerung,  so  mit  im  der  fryweibel  bruchte, 
hie  übel  klagt  hat,  do  han  ich  anzeigt,  wie  by  50  jaren  stöß 
mit  dem  von  Krouchtal  entstanden,  umb  welicher  Ursachen 


1.  G.  also  erforschet  oder  geh.  (erfügen  ist  hier  dasselbe,  was  sonst 
erfecken,  d.  i.  erforschen).  6.  G.  hie  und  im  kl.,  r.  8.  G.  da  kann  er  aber 
nit  sagen,  daß  dise  sach  verlüffen  seyg,  Bither  die  vier  venner  — St.  läßt 
ebenfalls  ja  aus.  12.  G.  ußgnohn  in.  e.  h.  13.  St.  angehalten.  16.  G.  klagt, 
es  werdind  wider  d.  m.  u.  ans.  durch  unser  aller  unw.  18.  G.  vilnach  mit 
denn  junkeren,  20.  G.  daß  aber  — in  den  dingen. 


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110 


IV,  3.  Fränklis  Antwort. 


[1470]  willen  min  herren  liessend  fünf  gebott  stellen,  die  sy  beger- 
tend  sampt  der  merteil  in  den  landtgrichten  in  irem  namen 
gebrucht  zü  werden,  sampt  den  letsten  appellacionen.  Als 
aber  der  merteil  das  rainen  herren  uit  hend  wöllen  bewilli- 
gen, etlich  aber  es  angenommen,  denen  min  herren  dozmalen  6 
höchlich  danketend,  und  die  anderen  keins  wegs  darzü  zwun- 
gendt.  Und  ist,  als  die  fryweibel  gesetzt  worden,  iedem  ein 
gschrift  gemachet,  in  welichen  orten  rnine  herren  volle  herr- 
schaft  hend,  in  welichen  gerichten  die  fünf  gebott,  und  in  den 
übrigen  herrschaften  nit  wyter  denn  das  gebott  der  reißzügen.  io 
Als  aber  demnach  die  lantstül  verordnet,  sind  die  übrigen 
aber  ankert,  sich  zu  ergeben,  den  iren  uff  landtagen  zü  ge- 
bieten und  den  harnest  daselbst  zil  beschouwen,  vom  totschlag 
daselbst  zü  richten,  wo  es  under  miner  herren  hochgrichten 
vergangen.  Do  hend  sy  bewilliget,  das  den  iren  uff  die  land- 15 
tag,  doch  durch  sy  oder  ire  amptlüt,  gebottcn  wurde,  und  das 
die  iren  ouch,  so  man  ein  gmeine  beschouwung  des  landtvolks 
weite  tün,  ouch  zu  den  landtstülen  körnend;  aber  den  har- 
nest gebieten  und  die  straffen  umb  die  übertrettenden  gebott 
ynzüzüchen , hend  sy  inen  alwegen  vorbhan.  Das  die  tot-  so 
sclileg,  so  hinder  inen  beschehend,  ouch  vor  dem  lantstül  be- 
klagt wurdint,  hend  sy  wöllen  bim  alten  bruch  und  harkom- 
men  blyben.  Demnach  han  ich  gesagt,  das  die  appellatzcn 
für  und  für  liaryn  kommen  sindt,  so  vil  ouch  von  den  herren 
selber,  das  sich  min  herren  selbs  mengs  mal  darumb  ver- » 
(BI.S7)  wunderet;  das  ouch  wenig  mer  herrschaften  in  disen  landen 
sind,  da  dannen  nit  sye  geappelliert  worden ; und  das  lönd 
die  herren  gütlich  nach,  und  han  iren  wenig  ghört,  die  es 
iren  undertanen  von  der  zyt  har  gewert  habind.  Sy  hend 
ouch,  so  oft  sy  berüft  und  des  ankert  worden,  minen  herren  m 
nie  verseit,  die  iren  tüllen  zü  lassen,  sonder  hand  mit  grossem 
ernst  darzü  gholfen,  deß  ouch  sy  by  den  iren  merklich  sind 
verhaßt  gsin.  In  nechst  verschinenen  kriegen  ist  es  also 


2.  G.  Bl.  lassen  „sampt  der  merteil“  aus.  12.  G.  Bl.  zu  begeben. 
13.  G.  umb  todschl.  15.  G.  begangen.  22.  St  da  hend  si.  33.  G.  verhaßt 
gsin  in  nechst  verwichenen  kriegen.  Also  ist  es  ergangen. 


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IV,  4.  Fr&nklis  Antwort. 


111 


gangen.  So  man  sy  ankert,  das  die  iren  an  der  statt  gebüw 
füren  sölten,  da  hend  iren  etlich  wol  anzeigt,  das  die  iren 
unwillig  werind.  Des  bösen  pfennings  halb  sind  ir  wol  yn- 
gedenk,  w as  bscheids  ich  üch  dozmal  und  hüt  etwas  darum 
s geben  hab.  So  vil  han  ich  bekennt,  and  nit  mer,  Gott  geb 
was  min  herr  Schultheis  mir  wölle  ullegen;  hette  ouch  nit 
wyter  können;  denn  das  sich  dieselbigen  hendel  uff  dise  wyß 
verlüffen,  und  nit  mer  noch  minder,  das  wil  ich  wol  wiissen 
an  tag  z’bringen,  ob  Gott  will.  Nun  gseend  zü,  ob  in  allen 
10  vergangnen  handlungen  nit  alwegen  der  statt  etwas  sige  zü- 
kon,  und  die  twingherren  nit  habind  vil  nachgeben?  Noch 
darf  man  so  frömd  reden:  sy  heigendt  alwegen  der  statt  ab- 
zogen. Nun  weiß  ich  hie  keinen  eiteren  Berner  weder  mich; 
aber  so  ich  semlich  red  hette  ußglan,  were  ich  dero  beküm- 
is  meret,  dann  sy  sich  mit  der  warheit  nit  funde. 

[4]  Als  wyter  mich  min  herr  Schultheiß  anzücht,  das 
mir  gevallen  die  endrungen,  so  min  herren  von  wegen  irer 
hochgrichten  vor  zyten  beschehen  in  den  landtgrichten,  ouch 
die  Ordnung  der  venneren  die  zö  erwellen,  wirt  er  nit  kön- 
wnen  erzeigen,  er  wölle  denn  von  erst  obgezelten  handlungen 
reden,  in  welchen  sich  nit  finden  wirt,  das  die  twingherren 
heigind  müssen  minen  herren  grosse  stuk  nachgeben  in  iren 
herrschaften  wegen  irer  hochgrichten.  Dann  niemants  ge- 
zwungen noch  trungen  wardt.  Man  hat  sy  zwar  wol  ge- 
*5  hätten,  und  das  so  etlich  willig  nachliessend,  das  gfiel  mir 
wol  und  hette  mir  noch  vil  baß  gfallen,  so  sy  all  willig  we- 
rend  gsin;  ja  ich  wölte  Gott  noch  loben,  wo  man  sy  noch 
möcht  dahin  bereden,  das  sy  die  fünf  gebott,  gmeine  appel- 
lation  und  böß  pfenning  annemind;  wölte  mich  ouch  gnfig 


12.  G.  Bl.  so  treffen  reden.  16.  17.  G.  es  haben  mir  die  endernngen. 
18.  St.  gethan.  G.  fiirgenommen.  19.  G.  zu  erwehlen,  gefallen,  weiß  ich 
nit,  wag  er  sagen  will,  er  wird  ouch  keine  können  erzeigen.  21.  G.  daß 
die  twingh.  weiteres  dann  oberleutert  habind  müssen  m.  h.  grosse  stuck 
nachgeben.  24.  G.  läßt  man  hat  si  zwar  aus.  26.  G.  daß  sy.  28.  G.  ouch 
gm.  app. 


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112 


IV,  5.  Fränklü  Antwort. 


[1170]  darumb  lassen  tällen,  wo  es  von  nöten  were  von  inen  dise 
stuk  ze  koufen.  Dann  ir  kein  irrigers,  verwirrters  und  un_ 
gschikters  regiment  in  allen  üweren  landen  hendt,  dem  aber 
ordenlich  mit  disen  stuken  geholfen  möcht  werden.  Das 
liend  die  alten  nit  unwyßlich  angseen,  woltend  aber  keine  s 
gcwalt  bruchen,  besonders  mit  denen  so  der  statt  täglich  güts 
tütend  und  dicnetend,  wie  ich  ouch  mineres  teils  noch  hilt 
gsinnet  bin.  Aber  der  anderen  endrungen  in  erwellung  der 
vier  venneren  tut  mir  min  herr  schultheis  unrecht;  dann  s y 
güel  mir  nie,  deß  beschem  ich  mich  nit  zü  sagen.  Ich  gloub  io 
ouch,  das  es  der  statt  ein  vast  schedliche  enderung  sige  ge- 
wesen. Das  mag  ein  ieder  wyser  Berner  uff  den  luittigen 
(B ' 08)  tag  wol  ermessen;  dann  disen  vier  ämpteren  von  unseren 
vorderen  vil  ist  zü  verwalten  geben,  das  es  frylieh  wol  von 
nöten , das  man  nit  also  uff  vier  hantwerk  verpeniget  were.  i-, 
Wölte  Gott,  das  man  in  allen  vier  viertlen  vier  menner  uß- 
zuge,  wie  sin  die  statt  wol  bedurfte;  aber  was  dise  vorpen 
gebracht  und  noch  wyters  wirt  bringen,  gib  ich  allen  versten- 
digen  zü  erturen. 

[5]  Uff  das,  so  min  herr  schultheis  hat  gseit,  ich  sige  *> 
mir  selber  nümmen  glych,  so  er  das  von  mines  alters  wegen 
anzücht,  hat  er  recht;  dann  do  ich  jung  was,  sagt  man,  ich 
möcht  und  könnt  wol  singen  und  springen,  das  ist  mir  wüst 
abgangen.  Ob  er  aber  meint,  Verstands  und  vemunfts  halb, 
deren  ich  nie  vil  glian  lian,  und  einer  redt,  man  müsse  mir» 
Überseen,  ich  sig  ein  kind  worden,  kan  ich  ouch  nit  zürnen. 
Ob  aber  er  vermeinte,  herzens  und  forchten  halb,  wie  ouch 
geredt  sol  sin,  das  ich  mir  so  übel  fürchte,  darum  so  stande 
ich  also  den  twingherren  zü,  oder  das  ich  lichtveriges  gmüts 
und  willwenkiger  natur  oder  der  statt  nit  als  trüw  sige , als  » 
ich  billich  sin  sölt  oder  gsin  sige;  dahin  mich  dunkt  sin  red 
hinlange:  des  förchtens  halb  gib  im  dise  antwort,  das  es  ja 
und  nit  nein  ist,  das  ich  fürchten,  wie  ichs  vor  mermals  gredt, 


32.  G.  hiulenke. 


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IV,  5.  Fränkli’s  Antwort. 


113 


das  diser  filrgnomne  haudel  niemermer  diser  statt  werde  [wo] 
zü  gutem  erschiessen.  Und  wie  ein  weicher  kriegsknecht  ich 
ja  fiirhin  were,  wölt  ich  mich  doch  schämen , das  ich,  so  es 
zü  uöten  käme,  ein  so  forchtsams  herz  in  minem  lyb  trüge 
5 als  vor  jaren  von  etlichen  ward  gseit.  Das  ich  aber  glych 
wie  ouch  vor  60  jaren  gesinnet  sige,  berüfen  ich  mich  uff 
alle,  so  mich  ir  lebtag  gekennt  und  ghört  hend  in  raten  und 
taten,  wie  man  spricht.  Dann  von  jugendt  uff  hab  ich  all  nii- 
werungen  und  unghorsamme  geschochen , als  die  so  gmeinlich 
io  uffrür  mit  inen  bringend.  Deßglychen  war  ich  denen  behol- 
fen, so  vil  an  mir  stüud,  so  mich  bedücht  das  man  sy  von 
brief  und  siglen  und  langwyriger  possession  tringen  wolt ; und 
deß  sinnes  bin  ich  noch  uff  den  hilttigen  tag,  bitt  ouch  Gott, 
das  er  mir  den  behüte.  Müß  ouch  hiemit  minem  herren 
^ schultheissen  ouch  zügknus  geben,  das  ich  in  von  jugendt  uff 
alwegen  glycher  sinnen  und  gemüts  funden  und  nie  wankel- 
bar,  aber  minem  gemüt  und  natur  ganz  wider  wertig;  wiewol 
er  by  30  jaren  iez  von  einem  mit  einem  rechtshandel  ange- 
tastet worden,  der  im,  als  ich  hoffen,  unrecht  tet  und  ver- 
*)  meint,  er  were  wilwenkiger  art;  dann  hie  in  der  statt  nie- 
mant  vor  im  blyben  könnte,  aber  da  ussen  were  er  ganz  rüwig, 
wie  er  das  wol  weiß.  Ob  aber  min  herr  schultheis  meinte, 
ich  were  mir  nit  selbs  glych  von  der  statt  nutz  wegen,  dahin 
mich  dunkt  sin  red  dute : so  sag  ich  erstlich,  das  er  filrnem-  (gj  ^ 
»lieh  sines  eids  und  ampts  halb  das  schuldig  ist  anzüzeigen. 
Versumen  kan  ich  wol,  aber  (vertruwen)  [veruntrtiwen]  wil 
ich  nit;  wil  ouch  nit,  das  umb  min  ergyt  und  gütgyt  die  statt 
beunrüwiget  werde  oder  ire  burger.  Ich  bin  ouch  also  giert, 
wenn  gricht  -und  recht  brucht  und  der  statt  er  gesücht  wirt, 
so  das  denn  der  statt  nutz  ouch  betrachtet  sye.  Wenn  aber  iez 
allein  geschruwen  wirt  „der  statt  nutz,  der  statt  nutz“,  so  ist 
der  sach  gnüg  geschehen,  das  aber  das  erst  solt  sin,  des  ntit 

3.  O.  joch  wäre.  18.  G,  wiewol  er  von  einem,  so  vor  30  jaren  ein 
rechtshandel  mit  ihm  ghan,  ies  antastet  wird,  so  vermeint  (der  ihm  aber, 
verhoff,  unrecht  thät),  er  wäre  — . 26.  St.  G.  veruntröwen.  32.  Q.  ge- 
schähen, und  wird  der  statt  ehr,  noch  grichtg  noch  rechts,  so  aber  das  erst 
solt  sin,  nüt  gedacht. 

Quellen  zur  Schweizer  Oeichichte.  I,  g 


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Iu 


IV,  6.  Fränkli's  Antwort. 


[i*!0]  gedacht  wirt.  Ja  wölte  Gott,  das  es  denocht  der  statt  nutz 
were,  wie  ir  htlt  in  gegenwärtigem  handel-  gehört  hend  ur- 
teilen mit  dem  wildpan  und  mulve.  Was  nutzes  kumpt  der 
statt  hierus?  Nit  umb  ein  haller.  Ja,  sprichstu,  aber  unserem 
schu Itheissen.  Denn  so  sagen  ich  recht,  das  es  umb  den  eig-  s 
neu  nutz  zü  tün  sige.  Ich  gloub  fürwar,  min  herr  schultheis 
bedürfte  diser  und  noch  besserer  dingen  wol,  wo  er  sin  stat, 
so  im  sines  ampts  ouch  üwerer  er  erenhalb  gezimmet,  wil 
handthaben.  Denn  wir  wol  all  wüssend,  das  er  ntlt  ererbt 
und  noch  minder  mit  werken  Uberkon  het.  Sol  man  aber  10 
also  gw&ltigklich  on  allen  grund  erenlüten,  in  zü  erhalten, 
das  ir  nemmen? 

[ej  Ja,  sagend  wir,  der  wildpan  ghört  allein  der  hohen 
herrschaft  zü,  und  mulve  ghört  under  den  wildpan,  darumb 
ghört  ouch  das  mulve  der  obristen  herrschaft.  Und  hend  is 
also  giert  nüwe  gattung  zü  urteilen:  wenn  ein  handel  in  span 
kumpt,  so  kann  man  under  einer  urteil  zwo  Sachen  gwinnen, 
als  nun  mit  den  impen:  der  hochflugk  ghörte  der  hohen 
herrschaft,  die  impen  ghörend  under  den  hochllugk,  darumb 
gehören  die  impen  der  hohen  herrschaft.  Mit  derselbigen  ur- » 
teil  gewunnend  wir  die  spänigen  impen  und  ouch  den  un- 
spänigen  hochflugk.  Hut,  achten  ich,  werdint  wir  mit  gly- 
cher  wyß  und  urteil  das  jung  roß,  darumb  der  span  ist,  und 
den  wildpan,  darumb  kein  span  ist,  gewannen.  Ist  das  nit 
der  statt  nutz  oder  der  eigennutz  gesücht?  Wer  het  doch  ie  » 
so  fyne,  wolgrymte  urteilen  ghört?  Wenn  ich  ouch  also  er- 
gytig  were,  das  es  mich  fröuwte,  so  ich  schultheis  zü  Bern 
möcht  werden,  so  wölt  ich  ouch  uff  die  wyß  nutz  und  er 
diser  statt  wyt,  wyt  ußhin  können  erdenken,  und  so  mer 
schyn  hettend,  werend  aber  im  grund  fromm  und  grecht,  und  so 
wölt  also  greden:  Alle  fach,  büch,  vischetzen,  wasserruns, 


8.  Cf.  mulvee  nnd  vorderigen  tagen  deßglichen.  3.  G.  stallt  der  st.  7.  St. 
stand.  G.  wie  ihm.  8.  G.  ooch  üwerer  eer  halb  gez.  18.  G.  ghört  der 
hohen  oberkeit  24.  H.  läßt  nit  aus.  28.  St.  zu  nutz  und  eer  d.  st. 
G.  nutz,  eer,  find  können.  80.  St.  unfromm  und  ungerecht.  G.  gleich  fromm 
und  gerecht  31.  G . wolt  nämlich  also  sagen. 


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IV,  6.  Fränkli’i  Antwort. 


116 


so  verbannt  sind,  sind  all  im  anfang  von  einer  obresten  herr-  [tno] 
Schaft  in  bann  gelegt,  darumb  gehörend  s j allein  derselben 
7.ü.  Die  alten  keiser  hand  gebotten  von  allen  frilchten  den 
zehenden  zü  geben,  wie  ouch  der  Moyses  by  den  Juden,  die 

i selsorger  und  richter  darus  zil  erhalten.  Nun  sind  wir  iez 
könig  und  keiser  worden  (wie  wir  dann  so  wyse  wort  an-  (BL60) 
tund  reden ; dann  unsere  vorderen  sich  sömlicher  groben  reden 
übel  beschempt  bettend),  so  ghörend  uns  nun  alle  zeenden 

in  unseren  landen  under  die  selsorger  und  ricbter  ußzd teilen. 

10  Und  diser  stuken  wölt  ich  wol  mer  finden , die  vil  besseren 
grund  hettend,  denn  alle  dise  stuck  so  man  den  twingherren 
diß  jars  genommen  wolt  haben.  Und  die  wurdent  der  statt 
mögen  nutz  bringen  und,  wie  ich  vorgseit,  werind  sy  wol 
als  fromm,  als  alle  die  ntlwe  filndli,  so  min  herr  Schultheis 

ii  und  sin  fryweibel  gegen  den  twingherren  herfiir  bracht,  dan- 
uenhar  der  statt  nit  für  ein  haller  nutz  entstat,  aber  wol 
vil  costens.  Ich  mein,  ein  kind  oder  ein  blind  söltend's  gseen, 
öb  es  der  statt  nutz  oder  eigennutz  sige.  Was  ußzgen  ist  in 
disen  gegen wirtigen  Spänen,  so  schikt  mir  der  schultheis 

so  und  stattschryber  die  fryweibel  und  botten  zü;  was  aber  die- 
selben bringend,  die  gönd  in  des  schultheissen  huß.  Und  ir 
sind  so  unbsinnt  gsin,  und  der  schultheis  nach  sinem  alten 
bruch  (denn  ich  muß  in  aber  loben;  er  ist  im  selber  alwegen 
glych)  so  tifig,  das  er  hat  können  tryben  under  zweien  ty- 

»6  nen  tittlen,  das  ir  im  all  (biichsen)  [bussenj  und  fäl,  so  von 
gegenwirtigem  zangk  kömmend.,  gevolgen  lassen.  Darum  so 
er  all  büssen  der  statt  und  so  zum  gricht  der  statt  ghört 
nimmt,  so  sige  billich,  das  er  die,  so  von  der  statt  hoehgrich- 
ten  fallend,  insonders  wyl  er  die  der  statt  zum  ersten  er- 

jo  übriget,  ouch  empfahe.  Zum  anderen,  so  spricht  man,  es  bringe 
nit  vil  und  mangle  er  sin  wol.  Ich  gloub,  er  werd  sinen  tlyß 
ankeren,  das  man  stets  uff  sömliche  wyß  der  statt  etwas  er- 
übrige, so  im  in  sekel,  der  statt  aber  liinus  zühe.  Und  kurz 


8.  G.  beschämt  hätten;  hend  si  ouch  nie  gehebt  nnd  ußgeben. 
15.  G.  dann  sithar  — entstanden.  25.  St.  G.  buben.  28.  G.  ziemlich.  29.  G, 
Bl.  am  ersten. 


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116 


IV,  6.  Fränkli'i  Antwort. 


[N30]  vergriffen,  wo  es  nit  dahin  kumpt,  diewyl  ir  einem  schult- 
heissen  sömlich  fal  und  straffen  vergönnend,  das  er  ouch  den 
costen,  so  darus  entstat  und  kon  mag,  ane  beladnus  der  statt 
abtrage,  so  wirt  des  zangkes  und  ntlwer  fünden  kein  end  sin, 
und  werdent  wol  andere  ding  müssen  hören  und  dulden,  die  & 
von  üch  gredt  werdent  von  üweren  nachpuren  und  frömbden, 
denn  junker  Hartmann  tlch  gschriben  hat.  Das  man  aber 
spricht,  es  bringe  nit  vil,  (als  ich  gloub  noch  nit  vil  ertragen 
heige,  dann  die  twingherren  der  merteil  mit  iren  puren 
sindt  so  witzig,  das  sy  tlch  lönd  secher  und  richter  sin,  gend  10 
aber  nit  vil  umb  die  urteil,  ich  gseen  ouch  nit,  das  üwere 
amptlüt  vast  schnitzig  sigindt  die  ernstig  ynzüzüchen)  — wenn 
es  aber  in  den  gang  käme,  oder  die  twingherren  ab  herr 
schultheissen  urteil  übel  erschrekind,  als  mich  dunkt  die 
meinung  syge,  so  wurd  es  denocht  etwas  ertragen.  Dann  in  « 
den  4 landgrichten , so  ein  groß  landt  ist,  vil  herrschaften 
sindt,  und  bringt  einem  herm  allein  nit  vil,  wie  wir  stets 
(Bl.61)  klagend,  das  sy  sich  umb  kleinffig  Sachen  wider  ein  statt  von 
Bern  setzindt;  so  es  aber  in  einen  sack  käme,  wie  der  an- 
schlag  mines  bedunkens  ist,  so  were  es  wol  etwas  wer  dt ; 40 
dann,  als  man  spricht,  vil  kleiner  bächli  machend  ein  grossen 
fluß.  Und  so  man  kan  erkennen,  das  ein  ieder  in  siner  herr- 
schaft  nit  grosses  ynkommen  verltirt,  war  umb  erkennend  ir 
denn  ouch  nit,  das  einem  ieden  iu  siner  herrschaft  durch  dise 
nüwe  ynbrüch  und  enderungen  all  sin  herrligkeit  wirt  ver- » 
wirret,  wo  es  also  bestan  sölt  oder  möchte?  Und  gloub,  das 
inen  mer  an  diser  Verwirrung,  denn  an  der  nutzung  oder 
schaden  lige;  und  mit  diser  fürgnomnen  wyß  mögend  ire 
herrschaften  in  keinen  dingen  bestan. 

6.  G.  by  üweren.  8.  H.  da  glaube  ich  fürwahr  wohl,  es  habe  noch 
nicht  vil  ertragen.  (Allein  der  Satz:  „als  ich  gloub  — heige“  ist  nicht  Nach- 
satz, sondern  ein  ähnlicher  Zwischensatz  wie  weiter  unten : „als  mich  dunkt 
die  meinung  gige“  utid  hat  den  Sinn:  sofern,  wie  ich  glaube,  es  noch  nicht 
viel  ertragen  habe.  Der  Nachsatz  ist  durch  den  angehängten  Causalsatz: 
„dann  die  twingh.  — ynzüzüchen“  verdrängt  und  dem  Sinne  nach  in  den 
Worten  enthalten : wenn  es  aber  in  den  gang  käme  u.  s.  w.  Es  entstand 
so  ein  Anakoluth.  28.  G.  dann  mit. 


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IV,  7.  Fränkli's  Antwort. 


117 


[7|  Ich  wil  dise  nüwe  gattung  der  urteilen,  von  denen  [/-#70] 
ich  hut  vil  gmeldet,  lassen  anstan  und  allein  melden  den 
anfang  disers  handeis  mit  den  trostungbrtlchen.  Umb  das 
ein  gebot  von  üch  ußgangen,  so  wöllind  ir  die  straffen  hin- 
5 der  inen  zühen.  Nach  diser  tlwerer  Ordnung  wirt  nit  ewig 
kampf  da  müssen  sin?  Und  so  man  list  brachen  wil  und  des 
untrüwen  spilen,  werdent  hiemit  nit  all  ire  herrechaften  z’ntlte, 
das  s y sich  billich  klagend?  Ob  glich  sömliche  herrschaft- 
recht  nit  vil  ertragend!,  so  hend  sömliche  lüt  denocht  ein 
io  groß  beturen , ja  grösser  dann  so  sy  vil  ntitzers  verlierend 
wenn  sy  drumb  kömmendt.  Wir  wüssend’s  nit,  die  wir  hie 
sizend;  denn  wir  hend  keine,  sonst  wurdent  wir’s  ouch  kla- 
gen. Ich  gloub  ouch,  wenn  es  billich  were  gsin  und  inen  an- 
ztlmüten,  das  sy  vil  lieber  und  frölicher  üch  ein  schwere 
is  Schätzung  bezalt  hettend,  denn  das  sy  mit  üch  in  dise  spin 
kon  sind,  weliches  ouch  der  statt  nützer  und  iri  die  harr  er- 
licher  gsin  were;  dann  deren  were  zü  beiden  syten  mit  der 
zyt  vergessen  und  verschmorzen  worden,  so  ich  hie  entsitzen, 
das  ein  ewiger  unwill  und  zangk  gen  werde,  das  doch  unsere 
ai  vordren  alwegen  gflohen.  Und  dises  wirt  alles  zü  grossem 
schaden  der  statt,  als  sich  erfinden  wirt,  verhandlet,  wiewol 
stets  wirt  von  der  statt  nutz  geredt  und  aber  eim  einigen 
mann  heimdienet,  von  deßwegen  wir  vil  erlicher,  türer  men- 
neren  müssend  manglen,  die  notwendig  hie  werend  im  regi- 
25  ment  Dann  ir  gseend  wie  wir  nun  ein  zyt  hie  gsessen  sind. 

Ja,  spricht  man,  diser  (nämlich  Kistler)  bedarf  sin.  Wend  also 
tün,  wie  unsere  herr  Gots  schümacher,  der  stal  das  leder 
und  gab  die  schüch  umb  Gotts  willen.  Das  ist  aber  der  nutz, 
von  dem  man  so  empsig  seit.  Ir  hend  sin  ein  wenig  iez  von 
so  mir  ghört,  das  ich  umb  diser  spönen  willen  stets  müß  uß- 
gen,  und  ist  aber  noch  nie  kein  haller  in  der  statt  sekel  kon. 

Was  nutzes  wirt  denn  der  statt  darus  wyter  kommen?  Diser,  (BL62) 
das  der  nüw  brach  darus  zü  ganzer  Zerstörung  diser  statt 
bestätiget  wirt  Was  bruchs?  Nüt  lernen  werben,  werken, 

7.  G.  zu  nüte  gemacht  10.  Cf.  grösser,  weder  iemant  möcht  meinen, 
denn  si  vil  nutzeres  verl.  13.  G.  ziemlich.  23.  G.  heim  knmpt.  34.  G. 
nüt  lehren  würben  noch  werken,  weder  wandien  noch  dienen. 


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118 


IV,  7.  Fränkli’s  Antwort. 


[/470]  wandien  noch  dienen,  wie  die  alten  getan,  das  aber  alles  ein 
rychs,  wyses,  erbars,  fromme  und  erfarens  regiment  macht. 
Hinwiderumb,  so  sy  nüt  ußkon,  stattkelber  erzogen  sind,  nllt 
giert,  nüt  gseen,  nüt  erfaren  hend,  nüt  sich  mögen  beküm- 
meren z’werben  noch  z’arbeiten,  wie  ist  inen  denn  z’tün  ? Ja,  * 
spricht  man,  es  sind  fürwar  güt,  erlich  gsellen;  man  mfiß 
inen  helfen.  Wie?  Das  er  uß  der  statt  erzenen  werde. 
Das  wirt  denn  ein  ryche  statt  machen!  Da  wirt  dann  ein 
ieder  exempel  nemmen  nahin  z’volgen;  wirt  ouch  wöllen 
prassen , gdt  gsell  sin  und  uff  der  statt  sinen  müssiggang  » 
han;  und  werdent  also  huß  han,  das  ich  fürchten,  dise 
statt  werd  in  d’lenge  (und  het  sy  schon  drü  mal  noch  so  vil 
landen)  die  ermste  müssen  werden , die  in  allen  Tütschen 
und  Welschen  landen  sige.  Und  diß,  wie  böß  es  ist,  wer  es 
doch  das  minnst;  dann  es  noch  über  das  güt  allein  gienge.  »* 
Aber  noch  schAdlichers  volget.  Was?  Wenn  sy  nummen 
könnend  schryen  über  die  junkheren  (von  denen  aber  vil 
burger  ire  narung  hend,  deren  wir  in  regierung  diserer  lan- 
den nottürftig  sind  und  in  kriegslöufen  iren  nit  könnend  noch 
mögend  entbAren,  und  söltend  sich  dise  stattkelber  sich  trA-  *> 
yen  wie  ein  wid)  und  (sprechend)  [sprechen]:  „warfür  sind 
dise  hundshüser?  unsere  vorderen  hend  die  Schlösser  zer- 
rissen“, — sagend  von  alten  vorderen,  und  sind  ire  vAtter 
frömbdt  harkon,  und  „wie  sy  die  Schlösser  zerrissen  und  den 
adel  vertryben“,  darvon  sy  nüt  wüssend,  und  darzü  nit  war  » 
ist  — o,  denn  so  sind  es  dapfere  Berner  und  die  der  statt  nutz 
treffenlich  sflehend!  Ja,  das  sy  die  rechten  alten  junkheren 
köntend  vertryben  und  sy  nüwe  werden.  Denn  so  gebendt 
es  recht  ratsherren  und  venner.  Und  so  die  stat  nit  gar  iren 
müssiggang  und  junkerschaft  mag  ertragen,  so  kan  man  glych  *> 
losen  und  recht  gen  eim,  so  glych  wenig  rechts  het,  sunders 

6.  G.  Bl.  ey,  man  muß.  G.  man  muß  ihm.  St.  wie  helfen?  7.  G.  auff 
der  etatt.  (s.  Z.  10  u.  S.  119,  17.)  St.  u.  Bl.  fassen  den  Satz  dass  — werde 
als  Frage.  14.  G.  wäre  noch  das  minst,  dann  es  das  gut  allein  antrifft  Bl. 
ebenso,  läßt  aber  „antrifft“  aus.  21.  G.  Bl.  und  sprechen  (richtig,  denn  der 
Infin.  hängt  noch  von  dem  obigen  „wenn  sy  nummend  könnend*  ob  und  ist 
parallel  mit  „schreyen.“j  — 26.  G.  Bl.  weidliche  Berner.  31.  G.  Bl.  so  joch. 


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17,  7.  Fränkli's  Antwort. 


119 


eim,  der  mit  hangenden  henden  kumpt.  Da  hat  man  bald  \14T0] 
den  runs  funden  und  möß  nothalben  denn,  wenn  Gott  nit 
hütet,  gricht  und  recht  verkert  werden.  Und  ich  fürcht,  ich 
förcht,  es  wölle  zünemmen , Gott  sig  es  geklagt,  und  müß 
5 zünemmen  mit  disen  stattkelberen.  Dann  s y ererbend’s  nit  von 
iren  vorderen,  das  sy  iren  müssiggang  und  ir  prassen  mögind 
erhalten;  so  wend  sy  und  könnend  nit  werken,  noch  werben; 
so  müß  es  neißwan  harkommen.  Und  wenn  sy  ja  gern  etwan 
recht  wöltend  machen,  so  könnend  sy’s  nit.  Dann  in  den 
io  sehülen  sind  sy  nit  gsin,  ouch  umb  keine  gelerten  und  wysen; 
ja,  sy  hassind  dieselben,  das  weiß  ich  und  menger  mer;  sy 
hend  nie  gwandlet,  sind  unerfaren,  nie  ußkon,  in  summa 
nüt  dann  stattkelber.  Was  wirt  nun  volgen  V — Das  kein  ha-  (B1.63) 
bender  und  erenmann  nebend  inen  belyben  mag,  in  die  harr 
io  aber  nüt,  denn  die  so  nüt  hend  gern  überkämend,  die  all 
ir  gmüt  dahin  setzend  wie  sy  gnüg  miet  und  gab  von  ande- 
ren mögind  erlangen,  das  es  inen  uff  der  statt  werde.  Und 
so  es  ein  sömlicher  denn  nummen  under  der  statt  namen  kann 
anreisen,  das  man  etwan  eim  das  sin  angryfft,  und  stets  im 
so  mul  het  „der  statt  nutz,  der  statt  nutz“,  so  gibt  er  denn 
fürwar  ein  güter  trüwer  schultheis.  Was  wirt  aber  denn  vol- 
gen ? Das,  wie  ich  gesagt,  ryche,  wyse  und  gesehikte  menner 
sich  wyt  von  einem  sölichen  regiment  tündt;  und  so  denn 
die  maß  voll  wirt,  so  kumpt  denn  der  schlegel,  das  ist  die 
*ä  unhuld  Gottes,  so  von  nöten  volgen  müß,  der  zerschlacht’s 
alles  in  boden.  Ich  han  hie  er  und  uner,  so  aber  die  alten, 
ouch  by  den  beiden,  uff  ertrich  für  das  höchst  die  er  hend 
ghalten;  und  aber  in  unserem  regiment,  Gott  sig  es  klagt, 

2.  G.  Bl.  vonnöten.  5.  G.  erwerben’».  6.  G.  disen  muss.  u.  pr.  8.  G. 
es  nenwen  (Bl.  neywan  her)  genommen  werden.  14.  G.  Bl.  nebend  sömli- 
chen.  15.  St.  aber  nüt  gut».  16.  G.  Bl.  wo  si  nit  genug  durch  miet  und 
gaben  oder  finanzen.  17.  St.  oder  daß  es  inen.  26.  <?.  Bl.  ich  han  hie  der 
eeren  und  unehren  (welches  die  alten  auch  b.  d.  h.  hie  uff  e.  f.  d.  h.  hand 
gebebt)  nüt  wellen  gedenken : dann  fürwahr  deß  in  uns.  regim.  — kein  rech- 
nung  gemacht,  sonder  wie  — w üs»end,  so  die  anzogen  wird,  verlachet  wird. 

(In  dem,  jetzt  kaum  verständlichen,  Text  scheint  nach  «er  und  uner“  etwas 
ausgefallen  zu  sein,  es  maßte  dem  so  hier  soviel  sein  als  „ von  welchen “ 

(er  und  uner). 


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120 


IV,  8.  Fränkli’i  Antwort. 


[Mio]  ,jea  kein  rechnung  hend,  wie  vil  erlicher  menneren  wüssend ; 
so  d’er  anzogen  wirt,  so  wirt’s  verlachet.  0,  des  grossen  un- 
fals!  o,  der  grossen  straff!  Wolan,  ir  hend  htlt  ein  urteil  ghArt, 
die  ich  gloub  oder  vil  mer  förcht,  das  s y volg  werde  han, 
wenn  dieselbe  in  gschrift  wurde  begert  und  geben,  als  nit  * 
beschicht,  deß  ich  ouch  von  üwer  miner  herren  wegen 
fro  bin. 

[8]  Dann  min  frouw  von  Hünenberg  und  der  ammann 
von  junker  Hartmanns  wegen  kömmend  und  klagend  üch, 
üwere  amptlüt  heigind  inen  das  ir  gnon,  begerend  das  zA  10 
widerkeren  und  ervorderend  kein  urteil  von  üch.  Denn  sy 
haltend  üch  für  secher,  uß  ursach,  das  üwer  amptlüt  spre- 
chend, es  bescheche  alles  durch  üwere  hend.  So  bruchend 
ir  nun  süberlich  die  form  eins  rechten  und  farend  die  secher 
zA  und  machend  sich  zA  lichteren  und  sind  beide  mit  ein-  u 
andren;  gebend  darnach  die  urteil  für  üch.  Waruf  gründent 
ir  die  urteil?  Uff  welche  keiserliche,  statt-  oder  lant-recht? 
Uff  keins.  Waruff  denn?  Uff  eigen  gAtdunken  oder  willen. 
Wie  lutend  die?  Also:  Wildpftn  ghArt  allein  der  obristen 
herrschaft  zA , und  das  mulve  ist  dAr  dingen  so  under  den  *> 
wildpan  ghörend:  darumb  sol  der  statt  fürhin  das  allein  zA- 
ghören.  Ist  im  aber  in  der  sach  also,  das  die  wildpan  allein 
der  obristen  herrschaft  zAghftrt,  und  das  mulve  under  diesel- 
ben ghArt?  Das  gloubt  der  procurator  nit;  wie  wil’s  der  richter 
denn  erzeigen  ? Fürwar  mit  keiner  geschrift  noch  statt-  oder  » 
landtrechten,  sonder  das  widerspil  wirt  sich  mit  der  warheit 
finden.  Was?  Das  ouch  besondere  personen,  so  nienen  kein 
herrschaft  hend,  wildpAn  hendt.  (Wo  laßt  der  procurator  zA, 
das  iede  herrschaft  in  sinen  weiden  und  ertrich  wildpan  het.) 
Und  wie  wil  er’s  erzeigen?  Mit  Tütschen  und  Welschen.  Nit" 
(BL 64)  wyt  von  der  Eidtgnoschaft,  an  der  Hardt,  findent  sich  etliche 
grosse  fArst,  die  hend  sonderbare  personen,  von  den  anderen 

8.  ff.  Hürenberg.  10.  ff.  daß  ihr  aie  zu  wiederkehrung  weitend.  19.  St 
der  wildpan.  ff.  die  wildpan  ghören.  28.  Der  Text  setzt  die  Worte:  Wo 
laßt  — wildpan  het  in  Parenthese ; ebenso  0.  Bl.  Dagegen  punktiren  eie 
St.  H.  als  Fragesatz.  Allem  die  Frage  : und  — erteigen?  schließt  sich 
zunächst  an  den  obigen  Sats  „das  ouch  — hendt“  an. 


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IV,  8.  Frinkli't  Antwort. 


121 


wol  ußgemarchet,  so  gar  keine  herrschaften  weder  da  noch  [tfio] 
anderschwo  hendt,  denen  nit  allein  das  holz,  sonder  ouch  alle 
wildpAn  mit  irem  anhang  innerthalb  iren  marchen  zAstönd. 
Deßglychen  findent  ir  in  der  Etsch  yngemarchet,  und  am  Böhe- 
5 merwaldt  ist  nüt  gemeinere.  Nemmend  nun  unsere  nach- 
puren im  Welschen  landt,  das  im  Pemmond  anfacht  und  alles 
Lamparten  hinweg : da  hend  die  edellüt  nit  wie  hie  ieder  ein 
herrschaft , es  missen  vast  grosse  herren  und  grafen  sin,  die 
herrschaften  besitzendt:  doch  wol  etlich,  so  gegen  uns  harus 
io  sich  an  dem  gebirg  haltend,  hend  aber  grosse  mechtige  güter 
oder  höff,  so  sy  cassinen  namsend,  in  welichen  sy  grosse  höl- 
zer,  reben,  acker,  matten  und  gestudt,  so  sy  mit  fiyß  züchend, 
habend,  uß  denen  sy  etwan  ietlicher  100,  200,  oder  300  du- 
caten  zühend,  und  habend  gewildt  mengerlei  art  Darinnen 
is  hend  sy  ouch  ire  wildpAn  in  allem  irem  begriff,  in  dem  sy 
doch  weder  wenig  noch  vil  herrschaft  hend.  Wyter  so  nem- 
mend üwere  eigne  land  herfttr,  im  Ergöuw  hie  dissit  und 
jAnsit  dem  wasser,  und  deßglychen  daselbst  hinab  zi  rings 
um  by  üweren  nachpuren,  so  all  ire  wildpän  hendt,  wie  lie- 
20  derlich  herrschaften  sy  hend;  denn  sy  nit  volle  herrschaft 
habend  wie  die  hie  oben,  sonder  ein  ußgezilete  und  be- 
stirnte, wie  hoch  und  wie  wyt;  und  ist  kein  stuk,  das  sy 
vester  handthabindt  gegen  einandren  denn  den  wildtpan, 
das  sy  ouch,  nachdem  ir  sy  begnadet  und  ire  herrschaften 
*6  und  güter  widergeben , etlich  understanden  üweren  vögten 
zil  weren,  und,  gloub,  das  der  von  Rüstk  noch  hüt  by  tag 
inen  das  in  sinen  weiden  were.  Ja,  so  styff  haltend  sy  drob, 
das  do  ich  hinab  gan  Lenzburg  kam,  und  die  edlen  dem 
fürsten  nachzugendt  und  üch  nit  hulden  woltend,  wie  ir 
so  wüssendt,  und  mich  noch  wenig  uff  die  wildpän  veretAndt 
und  kein  jeger  was,  karten  die  puren  mich  an  inen  zA  er- 
louben  zA  jagen,  wolten  einer  den  anderen  nit  vergönnen  uff 
inen  zA  jagen,  sonder  woltend  einandren  bringen,  das  gebracht 

10.  G.  an  dem  gebirg  sich  züchend.  12.  Bl.  pflanzend.  G.  gestüd  habend, 
so  sy  m.  fl.  xüchet  hand.  23.  G.  schärpfer.  25.  G.  understanden  etlichen 
üweren  vögten.  26.  St.  v.  Rütschk.  G.  v.  Rüsek.  32. 33.  Die  Hdschr.  »er- 
ichreibt  zweimal  jagen  in  tagen. 


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122 


IV,  8.  Fränkli’e  Antwort. 


[IJ70]  gölte  werden  als  vor  zyten  die  edlen  uuder  der  herrschaft 
Oesterrych  gewonet  was,  das  ich  mich  höchlich  darab  ver- 
wunderet ires  kybs  und  zangks.  Nun  lüge  der  richter  zö, 
wie  sin  urteil  eines  teils  bestände,  da  er  spricht  „der  wild- 
pan  ghört  allein  der  obresten  herrschaft  zü“,  und  findt  sich  5 
hie  das  widerspil  uß  allen,  ouch  üweren  eignen  landen.  Mit 
diser  urteil  werdent  ir  denselben  da  hinab  ouch  genommen 
han  iren  wildpan,  und  band  inen  aber  wider  das  iren  darmit 
zögestelt.  Ir  hend  ouch,  wie  ich  und  ander  der  alten  noch 
wol  wüssend,  etwas  von  inen  darumb  genommen.  Wo  wirt  io 
(B1.65)  dann  Uwer  züsagen  bestan,  die  sy  iich  on  zwyfel  in  die  na- 
sen  wurdent  stossen?  Wo  dann  so  vil  erbarkeit  und  schäm 
by  uns  were,  das  wir  wurdent  sagen  „wir  wend  inen  glou- 
ben  halten“.  Möcht  dann  nit  ein  bidermann  sprechen:  „Wa- 
rum wend  ir's  disen  on  alle  Ursache  und  recht  nemen?  is 
Denen,  so  üwere  fynd  gsin,  hend  ir’s,  do  es  Uwer  was,  ge- 
schenkt; disen,  so  dieselben  und  das  landt  üch  erobret,  diser 
statt  sy  und  ire  vordren  gedienet  und  ufbracht,  uf  iren  herr- 
schaften,  da  ir  nüt  zil  gebieten  hend,  ouch  sy  üch  etwas 
vergönnt  und  geschenkt,  wend  ir  zö  Ion  das  übrig  ouch  *> 
nemmen. 

[9]  Nun  lönd  uns  lögen,  wie  der  ander  teil  der  urteil 
bestan  möge.  Er  spricht:  So  nun  das  mulve  under  den 
wildpan  vergriffen  ist,  so  ghöre  es  ouch  einer  obristen  herr- 
schaft. Und  ist  der  wildpan  by  im  vil  höher,  denn  das » 
mulve;  und  ist  aber  erzeigt,  das  nit  allein  die,  so  nit  volle 
herrschaft  hend,  ouch  so  kein  herrschaft  hend,  etwan  wildpan 
hend,  aber  mulve  mag  niemant  nemmen  dann  der  so  ein 
herr  ist,  gloub  ouch  allein  der,  so  volle  herrschaft  het.  Doch 
so  weiß  ich  nit,  wie  es  die  keiserlichen  recht,  von  denen  (es|  ao 
so  ich  etwanen  ghört,  flüßt,  erlütterend ; aber  es  ist  ein  straff 
eines  roubs.  Und,  als  ich  acht,  weißt  junker  Heinrich  Matter. 


1.  O.  zn  Zeiten  der  edlen  — gewohnt  hand.  2.  G.  mich  damal  darab 
verw.  30.  G.  von  denen  es,  wie  ich  — . 32.  St.  G.  weiß  (es  bildet  den 
Gegensatz  zu  dem:  ich  weiß  nit). 


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IV,  9.  Fränkli's  Antwort. 


128 


Und  wo  min  herr  schultheis  doch  eine  sölche  lüterung  geben : 
das  mulve  ist  ein  straff  des  roubs  oder  diebstals,  welches 
dem  malefitz  und  hochgericht  dienet  — so  aber  minen  gne- 
digen  herren  Münsigen  und  Hiirselden  züstat  — das  hette 
sdoch  etwas  form  und  gstalt  ghept.  Do  aber  er  sprach:  dos 
mulve  ghört  zü  dem  wildpan,  müßt  junker  Heinrich,  der  ein 
jeger  ist,  lachen,  und  fürwar  ich  oucli,  der  ich  eil  kllrsiner 
bin ; und  gedachten  beid,  gloub  ich,  das  es  schimpfl  ch  einem 
metzger  were,  so  ungrympt  vom  wildpan  und  muhe  zü  ur- 
10  teilen,  so  doch  zun  zyten  das  wildpret  und  mulve  ouch  in 
ire  hend  kumpt.  UfT  das  er  aber  andermals  wyßlicher,  wie 
wol  von  nöten,  wüsse  umb  mulve,  wohar  es  kömmt,  zü  ur- 
teilen, wil  ich  im  den  bscheid  sagen,  wie  ich  in  hit  vor  vil 
jaren  von  den  gelerten  und  alten  ghört  han  geben.  Das  mulve 
is  ist  verfallen  vech,  so  einer  herrschaft  verfallt,  so  das  6 wu- 
chen  und  etlich  tag  in  der  herrschaft  sich  weidet  , darinnen 
sin  herr  oder  meister  nit  sitzet,  oder  zü  deinselbigen  wiidgang 
nit  ghört;  und  das  dorum,  das  nit  z’glouben  ist,  das  er  ein 
sömliche  lange  zyt  ongverdt  sines  vychs  mangle  oder  das 
a«  nit  wüsse;  sonder  so  er  das  nit  reicht  oder  sücht,  ist  zü  er- 
messen, uß  untrüw,  eigennutz  und  vorteil  wölle  er  sii  vych 
uff  anderer  lüten  weidt  also  sümmeren.  Sölchem  vorteil  oder 
untrüw  und  roub  vor  zü  syn,  ist  geordnet,  das  nach  söirlicher 
zyt  zur  straff  der  eigennützigen,  das  vych  der  herrschaft  ver- 
as fallen  sol  sin.  Doch  min  herr  doctor  hie,  so  in  den  keiserli- 
chen  rechten  gelert,  wüßte  minem  herrn  schultheissen  besseren 
bscheid  zü  geben;  wil  in  ouch  gebatteu  han,  hinfür  von  siner 
und  miner  herren  wegen , wenn  er  umb  derglychen  sathen  (B1.66) 
wegen  ein  urteil  wil  geben,  nit  so  schnell  sige.  Ist  er  der 
so  dingen  nit  kündig,  so  an  in  kömmend , so  beschäme  sich  nit 
rat  z’hanj  dann  das  tiind  alle  wyse  richter.  Dann  er  fürvar 

1.  St.  und  so  doch  — geben  hette.  (Allerdings  dürfte  hette  cus 
dem  Text  gefallen  sein;  allein  wo  ist  nicht  zu  ändern.  Der  Satz:  wo  (=  un- 
fern) — geben  hette  bildet  den  Vordersatz  zu  den  Worten:  das  hette  — 
ghept;  dazwischen  ist  das  Schema  eines  Syllogismus,  von  dem  aber  nur  de. 
beiden  Praemisscn  angedeutet  sind,  da  sich  der  Schlußsatz  „das  urteil“  vot 
selbst  versteht). 


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124 


17,  9.  Fränkli’s  Antwort 


[wo]  hüt  wol  erzeigt  hat,  das  im  weder  vom  wildpan  noch  mulve 
. iitzit  zü  wüssen  gsin  sigej  und,  wie  ich  vorgseit,  wenn  es 
ein  hande!  gsin  were,  umb  welichen  die  so  es  angat,  alle 
sach  in  trief  und  sigel  begert  hettend  zü  haben,  wie  der 
bruch  ist,  mit  was  spott  wurdent  ir  bstan?  was  wurdent  s 
alle  versündigen  sagen?  Wend  ir  wüssen,  was?  Nämlich, 
das  wir  all  mit  einandren  in  disem  regiment  eintweders  blinde 
kind  oder  unverstendig  narren  oder  öffentliche  röuber  wererid» 
die  unverschanter  wyß  unser  bürgeren  und  undertanen  gilt 
uns  wölind  zfizüchen.  Und  wo  min  herr  schultheis  so  gfer-  io 
liehen  wyter,  wie  nun  mermalen  beschechen,  mit  sinen  un- 
gerympten  urteilen  wurde  fürfaren,  so  müßte  ich  im  flirwar 
recht  geben , das  er  gestert  im  rat  und  vormals  ouch  einest 
gesagt,  das  er  bekennet,  minen  herren  sinen  kleine  er  und 
nutz  züitande ; und  wurde  gütigklich  gloubeu,  das  er  profeciert  is 
hette  wie  der  hochpriester  uff  dem  karrfrytag,  der  da  sagt, 
es  were  denocht  weger,  das  ein  mensch  umküme,  denn  das 
ganz  volk,  unangseen  das  der  mensch  unschuldig  were. 

[D\  Und  sprach  wyter:  Noch  eins  das  falt  mir  yn.  Min 
herr  arhultheis  bekennt  alwegen  in  sinen  urteilen  (als)  [alles]  *> 
„der  Christen  herrschaft“zü.  Da  weiß  ich  nit,  welche  er  meint? 
Wir  tend  biß  iez,  und  gloub  noch,  den  keiser  oder  Römischen 
könig  für  unser  houpt  und  oberen  erkennt,  wie  er  schultheis 
in  disem  rat  zü  herr  Niclausen  von  Dießbach  seit  und  be- 
kantich  was.  Ist  es  dieselb  meinung,  so  hend  wir  warlich  *> 
der  statt  nutz  wol  betrachtet.  Denn  der  keiser  bedarf  sin 
wol,  das  wir  im  solches  narrenwerk  züsprechind,  und  darmit 
aber  unsere  trüwen  lieben  burger  und  ratsfründ  übel  gehelkt 
wurdint.  Und  so  wir  nit  so  wyt  usserthalb  dem  rych  legind, 
da  der  keiser  oder  sine  procuratores  hinwandletind , meinet  » 
ir  nit,  sy  wurdent  sömlicher  urteil  bericht,  wurdent  die  ouch 
ziehen?  Ob  es  glych  der  keiser  nüt  schätzte,  so  wurd  er 

10.  11.  G.  so  beharrlichen,  Bl.  so  bärlichen.  14.  G.  gesagt  und 
bekennt.  14.  15.  G.  Bl.  noch  nutz  hettend.  15.  St  propheeeyt.  20.  St  G. 
•lies.  24.  G.  das  geredt.  30.  G.  sine  fiscal  u.  procuratores.  31.  G.  und 
lie  ouch.  (Vielleicht  ist  das  zweite  wurdent  zu  streichen  und  bericht  ist  — 
certiores  facti.) 


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IV,  10.  Frank  li'«  Antwort. 


125 


wol  etlich  siner  dieneren  und  amptltiten  finden,  die  dasselbig  [tfio] 
z’eren  zugind;  wie  noch  in  kurzen  jaren,  (öb)  feb]  üch  keiser 
Sigmund  des  rychs  lehen  in  disen  landen  zügestelt  hat,  be- 
schach,  das  die  keiser  alwegen  über  dieselben  einen  vogt 
s verordnet  hend,  und  zA  allen  zyten  grosse  personen  an  die 
keiser  darum  geworben,  under  welchen  der  minsttürist,  ouch 
der  letst,  Peter  vom  Tor  gsin  ist  Wend  ir  denn  disere  ge- 
scheft  der  statt  zAzüchen,  als,  ich  gloub,  die  meinung  sige, 
warumb  gibt  man  im  denn  nit  den  namen,  wie  denn  unsere 
io  eiteren  gebrucht?  und  geschwygen  der  unnützen,  hochmüti- 
gen unerkannten  tittlen?  Wir  sind  nit  könig  oder  keiser. 

Das  wir  aber  von  denselben  für  andere  stett  uß  mit  fryheiten  (BL67) 
und  herrlichen  gaben  g'eret  sind,  sönd  wir  sy  desto  in  hö- 
cheren  eren  haben  und  prysen.  So  ist  das  unsere  dankbar- 
is  keit,  das  wir  sy  darum  anfallend  verachten,  schmechlich  von 
inen  reden  und  haltend,  das  ich  zun  zyten  übel  darab  er- 
schräken und  mich  vor  Gott  und  der  weit  schämen  unserer 
Undankbarkeit  und  grobheit.  Das  tünd  nun  nit  die  von  eren 
har  und  in  der  weit  erfaren  sind;  man  ghört’s  von  inen  nit; 

*o  aber  die  stattkelber,  so  nie  ußkommen,  die  weder  giert  wer- 
ken noch  gwerben,  sonders  allein  müssiggang  und  uff  der 
statt  und  dem  volk  mit  miet  und  gaben  zA  geleben;  und 
trybend  ouch  sömliche  hüpsche  wyß  und  wort  — dann  sy 
gseend,  das  sömlich  hoch  erdichte  tittel  uns  in  oren  kutzlend  — 

*s  das  man  da  sage:  das  gibt  fürwar  ein  redlicher  Berner!  man 
mAß  im  helfen!  WarzA?  Die  statt  und  landtschaft  helfen  essen 
und  darby  gricht  und  recht  verkeren.  Wenn  ich  vormals 
dise  stuk  nit  etwan  noch  rücher  hette  b’rütet,  so  weiß  ich 
wol  das  es  übel  wurde  gan.  Aber  die  so  schuldig  sind,  die 
sowüssend,  das  ich  nit  uß  einem  Liren  hafen  reden.  So  müß 
ich ’s  tün,  min  concienz  zA  entladen,  diewil  ich  nun  vil  jar 

2.  St.  ob,  G.  eb.  9.  St.  G.  wie  den.  10. 11.  G.  hochmütigen,  ehrlauten 
(erlaudtten?)  (Bl.  hochmütig  erlangten)  titeln:  wir  sind  könig  oder  keyserl 
12.  G.  und  um  das  uns  dieselben  — beehret,  daß  wir  sie  — prysen  sölten,  so 
ist  — . 19.  G.  u.  die  der  weit  erkundet.  21.  St.  müssig  gangend.  G.  miisaig 
gähn.  22.  St.  gelebend.  22.  23.  G.  die  trybend  sömliche.  G.  hübsche,  weise 
wort  25.  G.  das  wird.  26.  St.  verfressen.  26.  G.  noch  ruhiger  hette  berudet 


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126 


IV,  10.  Fränkli's  Antwort. 


[1470]  gehalten  bin  für  den  llltpriester  uff  dem  rathuß.  Das  best 
ist  aber,  man  laßt  mich  wol  hie  vil  zürnen  und  predigen, 
und  fart  ein  ieder  für,  ja,  wöllend  (als  mir  fürkumpt)  mich 
ein  nrsach  aller  Unordnung  darstellen,  sagend:  Das  Fränkli, 
den  verbünstigen  mann,  Gott  hie  und  dort  sehende;  er  meint,  s 
kein  frommer  Berner  sülle  der  statt  und  landtsehaft  gniessen 
denn  er  allein.  Warumb  schryet  er  nit  uff  sich  selbs?  Wer 
het  in  gseen  werken?  Wahar  kumpt  im  so  groß  güt?  Man 
weißt  wol,  das  im’s  sin  vatter  nit  verlassen  hat.  Diß  ist  mir 
nun  vilmalen  fürkon,  und  gloub,  es  gange  noch  mer.  Und  die-  io 
wyl  ich  bin  ankon  zü  predigen  (Got  wölle  das  es  die  letste 
sye),  und  es  eben  die  materi  gibt,  und  ich  schädlicher  dingen 
sol  ein  anstoß  und  deckmantel  sin  in  unserem  regiment,  wird 
ich  gezwungen,  hette  es  ouch  gern  langest,  so  es  die  ursaeh 
und  zyt  hette  geben,  getan,  vor  (ich  allen  ein  rechnung  mi-  ie 
nes  zytlichen  güts,  ouch  lebens  und  handtierung  ze  tön,  wie 
ich  mich  in  disem  regiment  gebrucht,  uff  das  sich  niemants 
an  mir  verhouwe.  Und  wil  hie  vor  Gott  und  üch  miner 
oberkeit  ein  sömliche  rechnung  gen,  by  deren  ich  wil  mit  der 
hilf  Gottes  in  minem  hinscheidt  (der  ob  Gott  wil  bald  wirt 
sin)  und  am  jüngsten  tag  bestan,  und  so  ofl  ir,  min  herren, 
deß  begerendt,  die  ich  üch  hie  uff  ertrich  ouch  heiter  weiß 
zü  wysen  und  berechnen. 

[11 J Es  sind  noch  etlich  erbare  menner  in  leben,  aber 
wenig,  deren  die  min  vatter  saligen  gesehen , welcher  mich  » 
(B1.68)  zehenjärigen  jüngling  gan  Ravenspurg  abgevertiget  zu  minem 
handtwerk,  mit  dem  gebott,  ich  sölte  nit  heim  widerkommen, 
biß  er  mich  durch  sin  handtgschrift  beschribe;  des  ich  mich 
hielt  und  diewyl  uff  minem  handtwerk  lart  und  wandlet  und 
dienet  zü  Ravenspurg  uff  mines  vatters  costen  zwei  jar.  Dem-  w 
nach  so  bin  ich  one  sinen  costen  uff  miner  henden  werk  ge- 
zogen gan  Augspurg,  Nürrenberg,  in  Bühem  gan  Prag,  in 

10.  G.  sein  gang.  Bl.  deß  gang.  12.  G.  Bl.  schädlicher,  böser 
dingen.  13.  G.  Bl.  rockmantel.  18.  G.  Bl.  uff  mich  und  an  mir.  21.  G. 
so  dick.  22.  G.  begerend  hie  nff  erdrich  heiter  weiß  zu  erscheinen  nnd 
berechnen.  Bl.  die  ich  nff  erdr.  onch  h.  w.  zu  erscheinen  nnd  berechnen. 


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IV,  11.  Fränkli’s  Antwort.  Sein  Lebenslauf. 


127 


Polandt  gan  Crackouw,  und  hab  mich  in  denen  stetten  nün  [tno] 
jar  enthalten.  Do  beschreib  er  mich  und  nötet  mich  ein  wyb 
zü  nemmen,  deß  ich  im  gehorsam  was;  und  in  nachvolgen- 
den  osteren  ward  mir  gebotten  zü  dissem  grossen  rat.  Do 
swußt  ich  nit  anders,  denn  ich  sölte  ghorsam  sin,  das  mir 
oueh  min  vatter  seit,  das  ich’s  tön  sölt§,  der  gar  übelmögend 
was  und  bald  darnach  starb.  Do  verordnetend  mich  mine 
herren  in  den  kleinen  rat.  Ach  Gott,  der  weißt,  wie  mir  was. 

Dann  ich  mich  schampt,  das  ich  junger,  unkundiger  und  uu- 
10  erfarener  sölte  by  denen  treffenlichen  menneren  sitzen.  Es 
was  da  kein  junger  und  keiner,  denn  der  siner  gülten  erhell 
mocht  geleben,  oder  der  sin  handtwerk  tribe,  dann  ich  allein. 

Ich  hete  mer  lust  ghan  z’werken  und  z’gwerben,  wie  das 
unser  handtwerk  ervorderet,  dann  hie  zü  sitzen ; gspürt  ouch 
io  bald,  das  es  baß  min  nutz  were  gsin.  Do  ich  etwas  elter 
und  frischer  ward  und  an  min  herren  ein  früntlichs  urloub 
begert  und  anzeigt  das  so  mich  trukt,  vergannten  sy  mir, 
wenn  ich  usserthalb  der  statt  minem  gwerben  nachgienge, 
wie  ouch  denen  so  vor  der  statt  in  iren  hüseren  oder  ge- 
20  schelten  sind,  ich  kein  pangelt  zalen  sölte.  Deß  benügt  ich 
mich  wol  und  fieng  an  zü  werken  für  und  für  wyter  mit 
gütem  glück.  Wie  ich  demselben  glück  nachhielt,  do  ende- 
retend  ir  üweren  vogt  zü  Lenzburg,  den  Wendtschazen , von 
etlicher  ungschikter  hußhaltung  wegen,  so  man  in  zihe;  und 
25  verordnetend  mich  min  herren  dahin.  Ach,  gütiger  Gott, 
ich  was  sin  übel  bekümmeret  um  vil  Ursachen.  Min  herren 
warend  noch  nit  gestillet  mit  der  herrschaft,  der  adel  wolt  inen 
nit  hulden,  der  sich  nit  wyt  Anet  dem  Ryn  enthielt,  daruff 
ouch  die  landtlüt  gsahendt.  Das  wußt  ich  wol;  dann  min 
so  herren  es  all  tag  im  rat  hattend.  So  solt  ich  ein  stark  huß 
hüten.  Das  hat  ich  noch  nie  in  keinen  kriegen  giert.  Darby 
so  gsach  ich,  wie  übel  man  des  Wendtschatzen  dienst  für 
güt  hat,  der  so  von  einem  treffenlichen,  erlichen  geschlecht 


6.  G.  so  da  schwach  was.  Bl.  so  doch  vil  untauglicher  was.  11.  H. 
auch  keiner,  der  — tribe.  20.  G.  Bl.  peengelt.  2ö.  G.  daruff  sahen  und 
koffeteu  ouch  die  landiüt. 


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128  IV,  11.  FrSnkli'ä  Antwort.  9«in  Lebenilanf. 

\t470]  was.  Zületst  trakt  mich  vast  ser,  min  angefangnen  gvrerb 

(B1.69)  zfi  verlassen,  von  dem  ich  mich  ser  erbesseret  hat  Und  als 
ich  des  llitpriesters  dozmal,  so  mich  vast  lieb  hat,  ouch  min 
bychtvatter  was,  rat  hat,  der  mir  seit,  ich  wüßte  mich  nit 
zfl  entschuldigen  vor  Gott  und  sölt  miner  oberkeit  ghorsam  s 
sin,  do  hab  ich  minen  herren  bewilliget,  als  ich’s  inen  zfi 
6 mal  hat  abgschlagen.  Und  hat  da  min  erhebe  narung,  so 
wol  einem  edelman  gebürt  hette;  hab  ouch  daselbst  giert 
in  miner  hußhaltung  brachen,  das  es  mich  syder  järlichen 
wol  etwas  costet  Als  ich  aber  den  gwin  des  gewerbs  em- 10 
pfunden  hat,  und  mich  antiengen  kind,  so  mir  lieb  gsin,  an- 
fallen, wolt  mich  nit  nützlich  dünken,  das  ich  allein  feiß  und 
wol  lebte,  und  nach  minem  hinscheidt  die  kinder  mangel 
bettend;  tet  ich  stets  alle  jar  min  herren  umb  urloub  bitten. 
Und  als  min  herren  beducht,  die  hendel  der  grafschaft  mitj5 
undergang  und  marchen  gegen  üweren  eidgnossen  und  an- 
deren werend  in  rüwen  gestelt,  do  hend  sy  mich  deß  ampts 
erlassen,  doch  abermals  mit  dem  rat  beladen,  das  mich  de- 
nocht  etwas  irret  an  minem  gwerb,  mit  dem  es  mir  glücklich 
gieng.  Und  mit  dem,  so  ich  vor  minem  ampt  zi  Lenzburg  w 
erübriget  hat,  schliig  ich  für  ein  guldin  oder  6000.  Do  hend 
ir  mich  übergwaltiget  mit  disem  üwerem  ampt.  Wie  gern 
ich  das  annam  und  biß  iez  daran  gsin,  weißt  Gott  und  vil 
biderber  lüten,  die  sin  noch  wol  yndenk  sind.  Dann  ich  wol 
wußt,  was  mir  und  minen  kinden  daruffen  stilnd,  das  ich  von  u 
minem  gwerb,  wie  ouch  vormals,  do  ich  gan  Lenzburg  müßt, 
stau  und  kommen  müßte;  welcher  verlurst  mir  we  tat;  aber 
in  der  warheit  so  was  mir  schäm  vil  grösser,  das  ich  sölt 
ein  sekelmeister  zü  Bern  sin,  an  weüchem  ampt  erlich,  rych 
menner  von  geschlechten  und  hohen  stammen  warend,  und  *> 
wie  min  herr  schultheis  hüt  klagt,  das  ich  der  erst  von  handt- 
werken  daran  kommen  bin,  und  wol  von  den  gnaden  Gottes, 
besonders  in  denen  zyten,  vorhanden  warend,  die  minen  her- 
ren vil  erlieher  werend  gsin  dann  ich.  Hette  ouch  Urban  von 


16.  O.  Bl.  nndergängen.  32.  O.  da  doch  von  gn. 


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IV,  11.  Fränkli’s  Antwort.  Sein  Lebenslauf.  129 

Muleren  vil  baß  und  minen  herren,  des  vatter  und  beide  [1410] 
großvätter  diß  ampt  vil  jaren  erlich  und  herrlich  verwaltet 
hend,  angestanden  und  gebürt  dann  mir.  Und  als  ir,  min  her- 
ren, mich  anfiengend  zü  tagen  schiken  und  unsere  eidgnossen 
s ghortend,  das  ich  sekelmeister  were,  und  mich  nummen  junk- 
herren  woltend,  hend  sy  mich  vast  schamrot  gemachet.  Denn 
müßt  ich  inen  sagen,  ich  were  nummen  ein  kürsiner;  das  sy 
treffenlich  wunder  nam,  diewyl  vor  mir  das  ampt  trüg  junker 
Hans  von  Müleren.  Das  war  üch  und  mir  sputlich.  Hiemit 
io  hend  ir  üch , min  herren , treffenlich  ernideret  und  mich  vil 
z’vil,  das  weder  mir  noch  minem  geschlccht  züstünd,  geeret, 
aber  darby  min  und  miner  kinden  nutz  nit  gschaffet.  Dann  (B1.70) 
by  der  warheit,  die  Gott  selber  ist,  so  weiß  ich,  das  die 
i'mpter  Lenzburg  und  üwers  sekels  Verwaltung  mir  schadent 
is  ob  (len  fünfzehen  tusend  schilten,  deren  ich  rycher  wölte  sin, 
so  ich  by  minem  gwerb  were  bliben.  Mich  hette  ouch  diser 
verlurst  wirs  geschmurzen,  denn  das  ich  von  den  gelerten, 
zü  denen  ich  mich  inin  lebtag  gehalten,  beredt  war,  das  ich 
Gott  dienete,  so  ich  miner  oberkeit  ghorsam  were,  und  be- 
2o  sonders  in  sömlichen  ä mpteren , die  zü  gemeinem  nutz  des 
vatterlands  reichend ; zü  dem,  das  ich  die  rechnung  machet, 
das  mich  Gott  mit  dem  het  von  dem  gwerben  zogen,  in  dem 
man  sich  lichtlich  vertiefen  mag.  Wie  ich  diß  üwer  ampt 
von  anfang  derselben  zyt  verwaltet  habe,  wüssend  die  alten 
äs  und  jungen.  Und  was  arbeiten  ich  in  derselben  zyt  (ich) 
ußgestanden,  mit  der  hußhaltung,  und  fürnemlich  mit  den 
kriegslöufen,  so  dise  stat  zü  keinen  zyten  nie  langwyriger 
noch  schwerrer  glian  het,  das  ich  mit  vil  minderer  arbeit  und 
sorgen  minem  gwerb  in  Böhem,  Polen,  Prüssen,  Italien  und 
so  Frankrych  were  nachzogen. 

[12]  Des  gwins  und  verlursts  nalb  wil  iel  kein  red  mer 


1.  St.  hette  onch  Urban  v.  Mul.  (dessen  vater  — verwaltet  band)  u. 
minen  hh.  vil  bas  angest.  G.  hätte  onch  Urb.  v.  M.  (dessen  vater  — ver- 
waltet) vil  baß,  n.  minen  hh.  onch,  angest.  7.  8.  G.  das  nam  sie  trefflich 
wunder,  auf  jkr.  Hansen  v.  Muleren;  was  ouch  mir  u.  üch  spöttlich,  nnd 
hand  hiemit  — genidriget.  17.  G.  übler  geschm.  18.  G gezogen. 

Quellen  zur  Schweizcr-Gcschicbte*  1.  Q 


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130 


IV,  12.  Frinkli'i  Antwort. 


[I4it>]  halten.  Dann  miner  herren  hie  zügegen  vil  wiissend,  was  das 
sekelmeister  ampt  mag  ertragen,  das  inmassen  ist,  das  wo 
ich  nit  hetto  mit  minern  gwerb  vormals  gewunnen,  das  ich 
by  der  warheit  nit  bette  by  des  ampts  belonung  ußkommen 
mögen,  dann  das  ich  bette  müssen  min  hüßli,  (wyn)  fmin]  s 
boumgArtli  und  ein  kleines  geltli,  so  mir  min  vatter  verließ, 
und  100  rynischer  guldin , so  ich,  als  ich  wandtet,  mit  miner 
arbeit  und  blonung  gwunnen  heimbrncht,  angryffen;  welches 
gelt  mir  zü  minem  gwerb  gholfen  den  schulden  het  müssen 
geben.  Nun  weiß  ich  wol,  das  etlich  werdent  sprechen:  Ei,  w 
er  ghept  sich  übel.  Er  ist  doch  von  sim  gwerb  nie  gstanden 
von  des  ampts  wegen,  er  het  doch  oft  dry  oder  4 gsellen  uff 
dem  handtwerk  ghept  und  zü  vil  malen  etlich  gan  Frankfurt, 
Lyon,  Genf  etc.  gschikt;  zü  dem,  was  bringend  die  grossen 
schenkinen,  die  diserem  ampt  zükonunend ! Diewyl  ich  an-  w 
kon,  müß  ich ’s  ußmachen,  domit  ich  min  warhaftige  ent- 
schuldiguug  an  tag  briuge  und  etwan  ein  ursach  nemme  die 
statt  uud  lantschaft  zü  schluken,  wie  der  brueh  wil  werden. 
Denen  ich  antworten  zum  ersten,  das  es  war  ist,  das  ich  biß 
uff  den  hüttigen  tag  min  handtwerk  gehandthabet,  nit  von  w 
gwine  wegen,  dann  ich  keinen  nie  migen  gespüren;  beson- 
ders wenn  ich  durch  knecht  wollen  werben , so  han  ich  al- 
wegen  darvon  müssen  lan,  dann  ich  wol  verworben  hette, 
was  ich  vormals  gewunnen  hat.  So  trüg  mir  das  handtwerk 
gar  wenig  yn,  dann  ich  gar  selten  zü  den  gsellen  kon  bin, » 
hau  nit  können  selbs  darzü  lügen;  sonder  allein  han  ich 
min  handtwerk  ghandhabet,  wenn  ich  von  disem  ampt  käme, 
(B1.71)  das  ich  wider  werkete , und  diewyl  ich  möchte  wandien, 
gwurbe;  fürnemlich,  das  ich  mine  sön  werken  larte  und 
darzü  hielte,  uff  das  sy  nit  stattkelber  wurdint,  hernach  der  » 
statt  uud  landtschaft  überlegen  wereud,  dieselben  hulfend 
fresseu,  wie  es  der  brueh  werden  wil,  das  ich  min  lebentag 


5.  6.  St.  myu  bannig.  Bl.  wyn-  und  baumg.  G.  wyu-  oder  bamng 
8.  G.  n.  lil.  lassen  augrylfeu  aus.  *J,  G.  Bl.  ata  (alles)  vertrybeu  u.  ilcu 
schulden  hiitt  müssen  geben.  17  G.  und  etwan  einem.  22.  G.  bun  wollen 
w.  Bl.  han  wollen  hundlen  und  werben. 


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IV,  13.  Fränkli’s  Antwort.  i3l 

ghasset  han,  Gott  geh  was  etlicli  von  mir  gern  sägen  weiten,  [1410] 
uff  das  sy  ire  mengel  möchtend  deken.  Dann  so  sy  die  war- 
heit  wend  bekennen,  so  wüssend  sy  wol,  wie  ich  mich  klagt, 
das  es  mit  miet  und  gaben  zü  nemmen  übel  wolt  gan  und 
5 von  näten  were,  das  man  deß  etwas  ftlrsehung  erdechte; 
denn  uns  das  Oberlentsch  molchen  sunst  gar  die  ougen  uß- 
stcchen  wölte.  Ja,  sprechend  sy,  er  nimpt  ouch  etwan.  Es 
ist  war,  vil  zyts  bringend  mir  erenlüt  schenkinnen,  die  ich 
schandenhalb  nit  kan  ußsehlan;  so  vast  ist  diser  schädlich 
10  bruch  yngrisen.  Ir,  min  herrcn,  mein  ich,  wüssind,  das  ich 
vil  entwennt  han  mit  grosser  unwirse;  und  bezügen  hiemit 
mich  uff. alle  die,  so  umb  mich  siud,  das  wenn  ich  ein  gab 
behalten,  zehen  wider  von  mir  schiken,  und  keiner  ist  zd 
mir  mit  miet  und  gaben  ie  kon,  denn  das  ich  von  ganzem 
15  herzen  darab  erschroken  bin ; und  dessen  wirt  Gott  min 
züg  sin. 


[/3|  Das  ich  aber  ein  end  mache,  domit  ein  ieder  gsehe, 
wie  ich  uß  der  statt  oder  den  landtlüten,  uß  iren  miet  und 
gaben  gelebt  oder  rvch  worden  sige:  es  sige  hüt  oder  nach 
so  minem  tot,  wenn  ir  werdent  finden,  das  ich  mer  güts  ver- 
lassen, denn  ich  an  und  zd  dem  ampt  gebracht,  ußgenommen 
das  Oberteil  mines  huses,  so  ich  alsbald  ich  an  das  ampt 
kam,  von  den  meisteren  zun  Schmiden  gekouft  hab,  so  hal- 
teud’s  darfür,  ich  hab  es  der  statt  gestolen  und  vom  gmeinen 
ja  mann  mit  gricht  und  grecht  verkoufen  erschunten,  und  sige 
alles  was  ich  han,  wie  billich  were,  der  statt  verfallen. 
Min  herren  wöllind  mir  verzyhen.  Die  lönf  der  statt  und 
der  uudertauen,  oueh  die  notturft  habend  gegenwürtige  pre- 
dig ervorderet.  Nun  ist  zit,  min  urteil  darumb  wir  hie  sind 
so  zd  geben.  Junker  Hartman  und  min  frouw  von  Hünenberg 
erklageud  sich,  üwere  amptlüt  habend  inen  das  mulve  in 
irer  herrschaft  Münsingen  ufghept,  entwerend  sy  deß,  so  ire 
vorfaren  und  vorderen  besessen  hendt.  So  hend  ir  hüt  lang 
von  minem  herr  schultheis  und  mir  ghört  von  wildpänen 


11.  St.  abgewendt. 


* 


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IV,  13.  Fränkli's  Antwort. 


[WO]  und  rnulve  disputieren.  So  weiß  [ich]  by  Gott  und  guter 
conscienz  niemant  an  rechten  dingen,  so  ers  besessen,  zü 
entweren,  besonders  herren,  die  herrschaften  hend,  in  söm- 
lichen  dingen,  das  alle  die,  so  volle  herrschaft  hend,  in 
Übung  und  bruch  besitzen;  als  wir  all  wol  wtlssen,  das  uns  s 
hie  junker  Hartman  vilinalen  durch  gschrift  und  lüt  an- 
botten  zü  erzeigen,  das  inen  ouch  die  hochgricht  da  züstün- 
dint,  und  vermeint,  wie  ouch  hüt  deß  etwas  gemeldet,  das 
die  mit  schlechten  zügen  zü  der  statt  handen  gebracht  syendt, 
hat’s  aber  nienen  hin  mögen  bringen , dann  min  herren  der  io 
dingen  kein  wüssen  tragend,  und  behalfend  sich  gegen  im 
der  landtsgwerdt.  Aber  gern  wil  ich ’s  glouben,  das  er  mit 
(BL72)  briefen  und  zü  denen  zyten  mit  liiten  hette  mögen  er- 
zeigen, das  sy  die  hohen  gricht  ghept.  Dann  umb  Mün- 
singen  ein  altes  wösen  ist.  Und  wie  ich  in  miner  jugent  u 
von  den  alten  ghört,  so  ist  zü  Münsingen  ein  grosse  statt 
gsin,  ja  grösser  denn  dise  sige,  die  vor  zyten  wie  Wifflis- 
purg  und  andere  zerstört  ist  worden.  Und  demnach  ist  ein 
kloster  da  gsin  der  Tempelherren,  so  ein  bapst  gebot  ußzü- 
tilgken,  von  welichen  als  die  alten  gseit,  die  Tütschen  Her-so 
ren  hie  und  das  frouwen  kloster  zü  Brunnadern,  so  iez  hie 
in  der  Insel  sind,  ufgestanden;  und  sind  grosse  herren  von 
Münsingen  gsin,  nach  den  grossen  graffen  im  land  die 
hochgeachtisten;  die  hend  eroberet  grosse  herren,  die  Sen- 
nen, deren  noch  spat  etlich  gsin,  sind  aber  vast  abkom-e 
men ; und  achten , von  denselben  an  die  beid  gschlecht 
vom  Stein  und  Bürren  kommen,  das  ich  acht,  wie  sy  sich 
mit  gschrift  und  lüten  erbietend,  dise  und  vil  mer  herr- 
schaftrechte besessen,  von  denen  ich  sy  (wie  ich  vorgseit) 
keines  wegs  noch  nieniants  wil  tringen,  diewyl  mir  Gott» 
min  sinn  bhütet. 

Dise  lange  red  ist  von  vilen  mit  grosser  bitterkeit  und 


1.  St.  G.  Bl.  weyß  ich.  St.  reden  u.  disp.  2.  St.  die  ao  ea  besessen. 
G.  ane  rechter  dingen,  so  es  besessen  hat.  Bl.  so  er.  3.  4.  G.  in  sämli- 
chen  dingen,  und  mit  vollem  recht  üben  und  besitzen.  5.  G.  das  hat  uns. 
2ö.  G.  Bl.  so  noch  spat  harnt  {Bl.  hierum)  gsin. 


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IV,  13.  Fränkli's  Antwort  133 

verdruß,  doch  fljssigem  zfilosen  verhört  worden.  Und  be-  \MO] 
ducht  mengklichen,  das  die  dry  teil  des  rats  dem  sekel- 
meister  recht  gebindt.  Und  sprachend  schier  all,  er  redete 
d’warheit.  Als  aber  gefragt  ward,  und  man  nit  wußt» 

5 weliche  urteil  das  mer  were,  fand  sich  nach  der  zal  des 
schultheissen  umb  dry  man  das  mer  ze  syn,  deß  er  nit 
kleine  fröudt  hat,  wie  man  im  das  wohl  angsach. 


2.  ff.  Bl.  bedacht  vilnach  menkl.  2.  G.  Bl.  vilnach  all. 


* 


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Fünfter  Abschnitt. 


Die  eidgenössische  Intervention  und  ihre  Abweisung. 

[lfio]  [/]  Item,  unsere  eidtgnossen  von  Luzern,  Uri,  Schwatz, 
Underwalden  und  Zug  und  Soloturn  hend  ir  ersam  bot- 
schaft  geschikt,  so  vor  kleinem  und  grossem  rat  verhört 
hend  anzeigt:  wie  ire  herren  habind  vernommen,  das  grosse  5 
spAn  zwllschen  inen  im  kleinen  und  grossen  rat  entstanden, 
ouch  anderen  erlichen  geschlechten,  iren  bürgeren  und  under- 
tanen,  das  s y ouch  bedunke  sich  also  habe,  diewyl  sy  der 
alten,  die  inen  bekannt,  keinen  mer  zü  tagen  gsehind,  das 
iren  herren  in  trüwen  leid  sige.  Dann  sy  und  ire  vorderen  10 
zü  mermalen  gehört,  das  durch  sömliche  bürgerliche  sp'tn 
und  zwytrachten  grosse  regiment  zergangen  sigindt.  Begebe 
sich  ouch  zun  zyten,  wo  im  anfang  nit  werde  underlllffen 
und  durch  trüwe  mitler  den  Sachen  wol  werde  gholfen,  das 
in  die  harr  vil  Übels  darus  entstanden  möchte.  Darumb  we- 15 
rend  sy  von  iren  herren  gesant  und  inen  bevolchen,  allen 
flyß,  ernst,  arbeit  und  costen  anzükeren,  das  anzünnte  fiiwr 
zü  löschen  und  dem  zü  widerstan.  Dann  zun  zyten  ein  kleins 
Aiwr  vast  groß  und  verderblich  werde.  Harumb  bättind  sy 
ire  kleinfügen  personen  nit  zü  verschmehen  uud  inen  in  a> 
diser  sach  zü  vertruwen;  und  so  das  inen  gefellig,  wöltind 
sy  mit  ernst  die  anderen  von  wegen  irer  herren  ansüchen, 


8.  G.  Bl.  daß  sy  der  alten.  11.  G.  zu  dickennalen.  Bl.  zu 
dickeren  malen.  14.  G.  Bl.  lassen  und  au«. 


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V,  1.  Die  eidgen.  Vermittlung.  2.  Kistler  räth  zur  Abweisung.  135 

das  sj’  achtind  sy  inen  disc  Werbung  nit  wcrdint  abschlahen. 

Wo  man  aber  vermeinte,  ire  personen  werind  zA  kleinfüg  (B1.73) 
disen  hendlen,  als  sy  wol  erkanntind,  so  begerind  doch  ire 
herren  an  beide  partyen,  das  d&ruinb  ein  tagleistung  in  die 
s statt  Luzern  gelegt  wurde.  Da  wöltind  sy  so  dapfer  und 
wichtig  handlen,  das  es,  ob  Got  wil,  der  statt  von  Bern  zA 
cren  und  rfiwen  dienen  wurde;  und  welches  mittel  under 
disen  das  fruehtbarest  möchte  sin,  begertend  sy  inen  anzeigt 
wurde,  mit  wil  efbietung. 

io  [2]  Uff  disen  anzug  wardt  erstlich  vom  schultheissen 
geraten,  das  er  inen  uff  das  allerhöchst  ires  frllntlichen  erbie- 
tens  danken  wölte  und  darby  sagen:  das  ire  personen  vil 
mer  werdt  sigind,  denn  das  man  sich  iren  in  disen  kleinfü- 
gen Sachen  und  kindischen  sp'.nen  nit  benügen  sdte,  die  sy 
ts  lichtlieh  mit  iren  bürgeren  und  undertanen  wurden!  on  arbeit 
und  zütün  so  vil  herrlicher  menneren  oder  trllwen  lieben 
eidgnossen  betragen,  so  vil  und  dick  sy  des  begertind.  So 
werend  keine  so  grosse  sp'n  und  zwytracht  under  inen,  als 
aber  möchte  unseren  lieben  eidgnossen  fürkommen  sin.  Doch 
ao  wöltend  sy  .inen  nit  verhalten : es  were  von  der  ordnung  der 
fridbrüchen  wegen  entstanden,  so  vor  jaren  ir,  min  herren, 
wie  ouch  etlich  irer  eidgnossen  vorhin  angenommen,  deren 
straffen  aber  etlich  uß  den  nnderherren  vermeintend  ynzü- 
zlthen;  darwider  aber  min  herren  meintind,  diewyl  es  ein 
zs  gmeine  Ordnung  were  einer  obristen  herrschaft  uff  alle  ire 
lantschaft,  und  keines  underherren  oder  undertanen  Ordnung 
were,  und  besonders  so  min  herren  vast  über  sy  all  die  hoeh- 
gricht  habind,  wolle  denselbigen  nit  gebüren  die  straff  der 
übertretteuden  fridbrüchen  ufzühebeu.  Mau  sig  ouch  bericht, 
so  das  by  etlichen  unseren  eidgnossen  uieinauts  denn  der  obresten 
herrschaft  gestattet  werde  s’dche  ufzühebeu.  Darnelicn  sig 
etlichs  anderes  kleines  narrenwerk,  so  nit  werdt  darvon  red 

13.  (j.  Bl.  dann  sich  in  d.  kl.  s.  — bemühen  selten,  (Es  scheint 
diese  Lesart  eine  bloße,  wenn  auch  scharfsinnige,  Verbesserung ; tler  ur- 
sprüngliche Text  mag  gelautet  haben : denn  daß  man  sich  iren  — gebrachen 
und  selber  uit  benügen  solto.J  31.  G.  Wol  laafTe  hiemit  ctl. 


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136 


V,  3.  Seine  Gründe. 


[/470]  zö  halten,  darum  uff  keinen  teil  wurde  gezangket  noch  ge- 
haftet, wo  man  umb  die  f'ridbrüch  überein  kumpt,  als  licht- 
lich  beschchen  möchte.  Dann  der  mißhAl  nit  so  groß,  denn 
das  alle  die,  so  diser  handel  antreffe,  noch  ire  plitz  und  ort 
by  kleinem  und  grossem  rat  habind,  und  wo  sy  uß  iren  s 
herpsten  heimkon  werend,  sy  dieselben  gegenwirtig  gseeu 
wurdint. 

[3]  Daruf  der  schultheis  aber  redt:  Er  wüßte  wol,  das 
gegen  vilen  mit  disem  ratschlag  er  übel  gesündet  und  ver- 
dacht wurde;  darum  er  wider  sinen  willen  gezwungen  wereio 
(dann  so  heimlich  möcht  sömlicher  ratschlegen  Ursachen  nit 
geöffnet  werden)  zö  offnen.  Uß  was  grundt  er  unseren  eid- 
gnossen  in  diser  sach  zö  sprechen  nit  möchte  vertruwen,  were 
erstlich:  das  min  herren  nun  mermalen  hettend  verstanden, 
das  ein  statt  von  Bern  kein  rechte  undertAnigkeit  noch  satte  is 
(BL74)  oberkeit  in  den  vier  landtgrichten  als  in  anderen  iren  herr- 
schaften  hettend.  Und  wiewol  das  die  alten  flyssig  gesöcht 
zö  überkommen,  hat  es  sich  doch  nie  wollen  schiken.  Wer 
das  gehinderet,  wiisse  ein  ringverstendiger.  Nun  were  eben 
an  derselbigen  landtschaft  einer  stat  mer  gelegen  dann  keiner  »> 
anderen;  das  schöfe,  das  die  under  das  paner  gehörte,  haryn 
zö  märit,  zö  gricht  und  grecht;  und  eben  die  statt  und  die- 
selbe umb  ir  nehe  und  ründe  harumb  einandren  in  allen 
dingen  mößtend  erneren  und  ufenthalten;  und  in  summa  so 
were  von  nöten,  das  die  landtschaft  der  statt  herz  were,  umb  *> 
das  sy  (vil  noch)  [vilnach]  die  fümemsten  handtwerk  diser 
statt  erhieltind,  und  vil  anderer  Ursachen  mer,  z’lang  zö  er- 
zellen.  Nun  hoffete  er,  das  die  sach  alle  angeschanzt 
were,  das  im  gang  were,  das  mit  der  hilf  Gottes  nümmen 
wyt  were,  dann  das  man  dahin  kommen  werd,  da  die  alten  so 
hin  gehoffet  hend,  so  fer  ir,  min  herren,  standthaft  blybendt. 


1.  O.  wurde  onch  darum.  11.  G.  obschon  sömL  ratscht.  Ursachen  nit 
sötten  geöffnet  werden,  (so  heimlich  ist  gleich:  als  h.,  sofern  diese  Bath- 
schläge  zu  den  heimlichen  gehören).  19.  G.  ein  kleinverständiger.  21.  St. 
die,  so  — gehörten.  26.  St.  G.  vilnach.  28.  G.  Bl.  also,  (doch  vergLS.138, 14). 


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V,  3.  Seine  Gründe. 


137 


Lönd  ir  ilcli  aber  bereden,  das  ir  die  sach  ufgebend,  so  hend  [N70\ 
ir  sy,  wie  inan  spricht,  wol  halb  verloren  oder  ja  gar.  Wa- 
rmnb?  Darumb,  das  die  edlen  und  geschlechter,  so  sy  für 
dise  botten  oder  gan  Luzern  kömmend,  könnend  schwetzen, 

5 bereden,  schamrot  machen  einen  ieden  nach  irem  gvallen. 

Ich  weiß  under  üch,  minen  herren,  (es  wöll  niemant  zürnen) 
keinen,  so  da  vor  inen  bestan  wurde,  besonders  zü  Luzern. 

Wer  wölt  wider  sy  üwer  sach  da  handlen?  Ir  gseend  wol, 
min  herr  sekelmeister  ist  unwillig  und  stets  wunderlich  in 
io  disen  Sachen.  So  ist  im  ouch  sihes  alters  und  übelmögende 
halb  wyter  nit  grosse  müy  anzümüten.  Uff  mich  mit  ryten 
und  reden  vertröstend  üch  nüt;  dann  ir  verfürend  üch,  das 
hend  ir  dalome  wol  gsecn  und  ghört.  Wyter  so  wüssend  ir, 
wie  dise  lüt  uff  ir  brief  und  sigel  bochend,  ja,  die  sich  ouch 
is  rümend,  das  sy  die  von  der  statt  habind  in  eim  und  dem 
anderen,  als  ich  ouch  gloub;  dann  sy  sind  am  regimen  t gses- 
sen,  hend  die  einandren  mögen  gen,  wie  es  inen  wol  kam; 
römend  sich  irer  possessign  und  gewerden,  die  ich  inen  ouch 
im  rechten  glouben  müß;  dann  sy  einanderen  nit  darum  er- 
*o  sücht  hend.  So  kennend  sy  die  eidgnossen,  hinwiderumb  die- 
selben [sy.J  Ir  hend  zü  inen  gschikt  und  uff  gmcinen  tagen 
schier  niemant  dann  sy  gebracht,  besonders  syt  min  herr 
sekelmeister  het  angfangcn  so  gar  vast  alten.  Sy  sind  inen 
anmütig,  das  weiß  ich.  Ja  sy  schetzend  keinen  Berner  denn 
25  die  edlen.  Ich  bin  etwau  drü  oder  vier  mal  zü  tagen  gsin 
by  inen,  deßgelichen  so  sy  hie  sind  gsin,  hab  ich  inen  flys- 
siger  dann  kein  Berner  gsellschaft  gleistet.  Aber  da  ist  nach 
niemants  frag,  niemants  ist  inen  angeuem,  keinem  wünschend 
sy  dank,  niemant  hat  inen  güts  tan  und  das  ir  erhalten  dann 
30  der  adel  von  Bern.  Ja  sy  bekennend  heiter,  das  sy  im  Zü- 
richkrieg und  wider  den  keiser  und  die  Oesterrycher  nit  bet- 
tend mögen  bstan,  wenn  die  reisigen  und  der  adel  von  Bern  (B1.75) 
nit  were  gsin,  und  sprechend  heiter,  sy  hettend  üwers  füß- 


2.  G.  so  hand  ir  si  nit  halb  (wie  man  spricht)  halb  verloren  (?) 
14.  G.  bochind,  und  nit  allein  ihr  alten,  da  die  sie  auch  rühmen  von  der 
statt  habind  in  einem  u.  andern.  20.  so  k.  s.  d.  e.,  hinw.  dieselben  sy.  Ir  hend  — . 


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138 


V,  4.  Seine  Oründe. 


[/470]  volks  nOt  bedürfen , dann  sy  lüten  dam)  gnfig  gehept,  aber 
reisigen  volks  und  houptlüten  werend  sy  notwendig  gsin,  in 
dem  habind  ir  sy  erhalten;  rümendt,  wie  sy  inen  die 
spyß  erhalten,  den  fyenden  verhalten,  alle  ding  erkundiget,  — 
grosse  ding,  die  sy  inen  zügebendt.,  und  uns  ander  all  ver-  5 
tutzend;  allen  unsäglichen,  ja,  verderblichen  costen,  so  ir  und 
all  llwcrc  landtschaft  ghept,  und  noch  ob  die  hundert  tusend 
rynischer  guldin  umb  Irctwillen  verzinsend,  on  das,  so  min 
herr  sekelmeister  etliche  jar  erspart  und  abglößt  hat,  ist  by 
inen  nüt;  nüt  achtend  sy  dann  der  Berneren  adel;  hend  (wir)  ’® 
[mir  mit  demj  so  vil  und  dik  ghofiert,  das  mir  der  schweiß 
ußgieng.  Wider  disen  adel  und  uff  die,  so  dieselben  wie  die 
götter  schetzend,  wollend  ir  üwere  sach  setzen?  Wenn  das 
beschicht,  so  weiß  ich  das,  das  ir  dise  sach  alle  verloren 
hendt  und  darzfl  in  schand  und  spott  köminendt.  Dann  sind  is 
sy  gsinuet  wie  noch  in  kurzen  jaren,  so  sind  by  inen  keine 
Berner  dann  die  geschlechter  in  etwas  aehtung,  und  meinend 
onch  nit,  das  ir  inen  nüt  zü  mögind  oder  künnind  dienen, 
denn  mit  üwerem  reisigen  volk  und  houptlüten. 

[4]  Was  volget  wyter,  so  ir  inen  volgend?  Das  ir  by  20 
inen  und  allen  umbligenden  landen  verlierendt  den  namen, 
so  Uch  by  inen  und  iedennann  forclitsam  machet,  das  kein 
statt  noch  staudt  inTütschen  landen  grössere  gehorsamine  habe 
dann  ein  statt  von  Bern.  Und  allein  diser  namen  macht  Uch 
so  hoch  in  allen  landen  geachtet  und  nit  die  grosse  manu- 
schuft,  weliche  beide  unser  eidgnossen  Uch  zü  allen  zyten 
verbönnendt;  deß  ir  ein  güt  exempel  hend  in  rechtshendlen 
und  uffrüren,  so  sy  gesücht  habend  under  llweren  underta- 
neu  zü  machen.  Vil  weger  were  gsin,  das  dise  hcndel  (die 
aber  uff  güten  wegen  gsin  ein  recht  wesenliche  Ordnung  in  v> 
den  landtgrichten  ulzürichten,  daran  der  statt  nit  ein  kleins 
ligt.)  werend  nie  lürgnon,  denn  disen  lüten  zü  übergeben,  hie 


3.  G.  erhaben.  4.  St.  den  fynden  aber.  11.  G.  Bl.  hand  mir  mit 
dem.  14.  G.  Bl.  lassen  das  erste  das  aus.  18.  nüt  zu  ist  wol  tn  Ein 
Wort,  me  dazn,  hiezu,  zu  verbinden;  es  steht  hier  statt  „zu  irgend  etwas.“ 
;)2.  St.  dann  sy. 


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V,  5.  Seine  Gründe. 


139 


oder  gan  Luzern  zü  kommen ; dann  ich  wol  weiß,  das  ir’s  [tfio] 
alles  wurdent  verlieren,  das  so  in  spfinen  ist,  und  wol  alsbald 
iner  darzü.  Dann  ich  weiß  von  mincr  jugendt  uff,  wie  das 
volk  alwegen  gsücht  diser  statt  abzübrechen.  Was  exempels 
s wurde  denn  das  geben,  nit  allein  by  Uweren  eidgnossen  und 
nachpuren,  so  sy  gsehend,  das  tlwere  ghorsauime  by  den 
üweren  uß  were,  ja  by  üweren  undertanen,  so  die  gespurtend, 
das  etwan  35  mann  (Ich  hettend  gemeisteret,  so  Uwere  bur- 
ger  innerthalb  Uweren  muren  sind  gsin?  Hend  ir  nit  etlich 
io  herrschaften,  darin  ir  ob  1000  mann  hend  ? Durften  die  dann  (BL76) 
nit  hernach  uff  disers  byspil  ouch  etwas  anfahen  ? Ja  sy  für- 
war! Dann  sy  es  vor  etlichen  jaren  durch  alles  Oberlandt  biß 
in  das  landtgricht  Seftingen  hattend  fürgenomnien,  und  das 
durch  unserer  eidgnossen  ynblasen,  wiewol  nummen  die  Un- 
is derwaldner  und  Walliser  darin  öffentlich  verschryt  warend. 

[5|  Wyter,  so  ir  eben  einem  ieden  der  üweren  oder  joch 
frömbden  wollend  wilfaren,  so  wurd  es  darzukon , das  die 
vermeintend,  das  ir  inen  vor  üweren  eidgnossen  zum  rechten 
sültend  stan,  wie  ir  disen  getan  hettend.  Deßglychen  sind 
*o  unser  eidgnossen  denn  grob,  hochmütig  und  vermessen  gnög, 
das  sy  sömlichs  dürften  turnen,  wo  ir  anfiengendt:  sy  hend 
vil  jar  an  Uch  gebracht  ab  tagen  und  botschafteu  von  allen 
orten  zü  vil  malen,  das  ir  inen  bewilligend,  so  umb  etwas 
gemeiner  gescherten  under  inen  das  iner  werde,  das  ein  statt 
a5  von  Bern  darin  ouch  haft  und  vergriffen  sin  sölle.  Ir  hend 
es  aber  inen  nie  wällen  bewilligen,  sonders  den  vortrit  itch 
alwegen  behalten  das  nachzügeben,  ob  es  Uch  wurde  geval- 
len;  und  flirnemlich  darum,  das  sy  nit  etwas  schyns  ilber- 
kämend,  uns  zü  beherrschen  oder  z’regieren.  Darum  hütend 
so  üch,  das  ir  Uch  iez  nit  vertietindt,  ob  ir  wollend.  Und  was 
not  tüt  es  uns,  das  wir  disen  boten  alhie  oder  zü  Luzern 
unsere  hendel  übergebind,  darüber  zü  sprechen?  Ich  gsich 
und  kann  nit  finden,  das  der  statt  einiche  gferd  oder  sorg 
und  Übels,  aber  wol  vil  nutzes  und  rüwen  müg  hieruß  entstan. 


1.  G.  Bl.  dann  ich  sicher  bin.  24.  St.  wurde.  26.  St.  G.  den  vorteil. 


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140 


V,  6.  Seine  Gründe. 


[/•#70]  Man  hat  ouch  noch  mer  gwunnen  weder  verloren.  Ob  es 
joch  nit  glych  des  ersten  tags  in  allen  grichten,  twingen  und 
kilchhürinen  wil  gan,  so  müß  man  nit  verzagen.  In  20jaren 
wirt  es  wol  rüwig  werden.  So  nummen  der  anfang,  der  in 
allen  dingen  das  schwerest  ist,  beschehen,  so  ist  nit  nilt  s 
ußgrichtet. 

[fl]  Ich  hette  verschworen,  das  ir  in  zweien  jaren  mit 
üweren  gebotten  so  wyt  werend  kon,  als  ir  aber  sind,  und 
ist  noch  nit  ein  jar,  das  der  anfang  beschehen,  ob  joch  etlich 
unrein  ussehend  und  fiiwr  spüwendt;  das  (wir)  [wirt]  mit 10 
der  zyt  wol  gebüßt.  Das  convent  tiberlept  den  apt.  Ist  glich 
etwan  ein  rüuwlirig  an  einem  ort,  dem  man  etwas  wenig  von 
sinefbüse  müß  Überseen;  morn,  ist  er  nit  mer,  so  kumpt  ein 
milderer;  oder  blybend  da  kind,  die  üwerer,  miner  herren, 
bedürfend,  so  hend  ir  ie  dest  besser  zü  machen.  Unsere IS 
vorfaren  hend  gar  vil' und  grosse  fürsten  ußgharret,  wie  ir 
werdent  finden  mit  den  graffen  von  Kyburg  und  Arberg.  Sy 
kuderend;  ist  aber  umb  ein  kleine  zyt  zü  tün,  das  inen  der 
blast  vergat.  WAnnend  ir,  das  sy  umb  dise  kleinfüge  Sachen 
(BL77)  ein  statt  von  Bern  übergebind  ? Nein ! Sy  sind  der  statt  zü  » 
nottürftig;  wenn  sy  glych  das  regiment  nüt  schetzendt,  als 
sy  aber  tünd.  Und  sind  sin  ouch  wert  darinnen  ze  syn. 
Gseend  ir  nit,  das  der  grüst  blast  ist,  das  der  fleischhaker 
schultheis  zü  Bern  ist  worden?  Bekenn  wol,  das  er  sin  nit 
wert  ist,  aber  uß  Ordnung  Gottes  es  diser  statt  zü  gütem  ge-  * 
schehen,  damit  die  prophety  des  narren  oder  stummen  erfült 
wurde:  das  diser  statt  die  regierung  alles  disere^  lands  sülle 
geben  werden,  als,  ob  Gott  wil,  bald  wirt  beschehen,  so  ir 
verharrend.  Sy  sind  sin  als  nottürftig  das  sy  in  diser  statt 
und  deren  regierung  sitzind , als  ire  vorderen  nie  sind  gsin. » 
Rümend  sich  stets  umb  ires  ynzugs  willen : darmit  habind  sy 


8.  H.  nit  wärend  kon  (allein  vorschweren  heißt  gerade  etwa s mit 
Eidschwur  in  Abrede  stellen,  oder  schwören , daß  etwas  nicht  geschehen 
werde).  10.  St.  G.  wird.  11.  G.  gelöscht.  14.  G.  oder  blybend  kind  da, 
mit  denen  ihr  dann  besser  zu  machen  hand.  21.  G.  wenn  sy  joch  — nit 
achten.  26.  St.  oder  zwergen  (Justinger,  S.  32). 


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V,  6.  Seine  Gründe. 


141 


der  statt  ein  mannschaft  gemacht,  habind  der  Btatt  ire  hoch- 
gricht  geschenkt  und  andere  herrligkeiten  über  die  iren  der 
statt  vergönnet.  Es  ist  war.  Hend  sy’s  aber  so  von  grosser 
liebe  wegen  getan,  die  sy  zür  statt  trügend?  Nein  sy  fürwar! 
s Sonder  umb  zweierlei  Ursachen  willen.  Die  erst  ist:  das  sy 
etlichen  bürgeren  in  der  statt  überlegen  werend,  darum  ein 
gemein  erzürnt  war,  so  dozmal  in  diser  statt  starker  dann 
iez  war;  wutschtend  hinuß  zü  reisen  für  ire  hüser,  als  Dieß- 
bach,  so  der  Sennen  war,  Burgenstein,  Belp,  Münsingen;  als 
io  die  gsahend,  das  sy  von  den  grossen  graffen  und  fürsten, 
denen  sy  anhangetend,  nit  mochtend  beschirmpt  werden,  denn 
das  sy  und  die  iren  darby  verderbt  wurdent,  hend  sy  die 
rechnung  wol  können  machen,  das  inen  diser  teil  anzünem- 
men  were,  das  sy  by  dem  iren  blyben  müchtend;  und  sind 
is  darumb  haryn  zogen  und  hend  wyßlich  gehandlet.  Dann 
mit  disem  mittel  sind  sy  herren  da  ussen  bliben  und  hie  in 
der  statt  ouch  zü  herren  worden.  Die  andern  aber,  so  die 
kriegsrüstung  nit  (getrugen)  [getrungen],  sind  irer  eignen  pu- 
ren mütwillens  halb,  den  sy  entsassend,  in  dise  statt  ent- 
so  runnen  nach  den  schlachten  vor  Loupen,  Sempach  und  Mor- 
garten und  etlichen  anderen,  do  der  edlen  namen  mer  dann 
alle  landtswölf  verechruwen  war,  ulf  das  sy  nit  erschlagen 
und  vertryben  wurdent  und  umb  das  ir  kämend.  Do  wur- 
dent sy  Berner,  verpflichtetend  sich  mit  den  iren,  liberga- 
*5  bend  die  hochgricht,  domit  sy  sicher  wereqd  und  das  überig 
behieltend,  und  warfend,  wie  man  spricht,  ein  wurst  an 
ein  baehen. 

[7j  Die  hattend  sich  der  statt  können  gebrachen.  Mei- 
nend ir  nit,  wenn  uff  den  hüttigen  tag  die  puren  wüßtendt, 
»das  ire  herren  nit  so  vil  in  diser  statt  geacht  werend  und 
von  üeh,  minen  herren,  gehandhabet  wurdent,  das  sy  syen 
also  wurdent  achten,  fürchten,  und  mit  so  vil  grossen  be- 


4.  St.  nein  fürwahr!  G.  Bl.  nein,  sy  zwar.  6.7.  G.  wann  ein  gm.  — 
wußtend  sy  hinuß.  18.  Bl.  so  die  kriegsr.  nit  getrungen.  G.  so  mit  kr. 
nit  getrungen. 


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142 


V,  7.  Seine  Gründe. 


[wo]  schwerden  gchorsammen  ? 8y  wüssendt  das  selb  wol;  und 
wenn  ir,  min  herren,  inen  die  statt  verhütend,  sy  wurdent 
nit  das  wenig,  darumb  sy  iez  kuderendt,  sonders  all  ire  herr- 
schaften  üch  übergeben,  domit  sy  hie  wider  ynsessend.  Dann 
die  ding  sy  nit  rych  machend;  ire  zins  und  zeenden  und  5 
(B1.78)  güter,  die  erhalten  sy;  deren  mögend  sy  by  den  puren  da 
ussen  mit  gnieß  nit  abkon,  aber  in  der  statt  vertrybend  sy 
ire  fründ;  darumb  sy  vil  minder  011  die  statt  mögend  in  die 
harr  leben  denn  die  statt  on  sy.  Und  hettend  sich  noch  nüt 
von  üch,  mineii  herren,  zi  erklagen.  Ir  hend  inen  noch  nie  10 
nüt  in  ire  gebott  noch  verbott  noch  herrschaftpflicht  weder 
wenig  noch  vil  geredt,  allein  so  ir  als  ein  hohe  herrschalt 
gebietend,  und  so  üch  von  wegen  üweren  hochgrichten  zö- 
stat  ufzftheben.  Harumb  die  sach  nit  so  grundsam  und  schwerr, 
als  sy  etlich  machend.  Ja  sprechend  etlich : es  ist  zö  ent- 15 
sitzen,  sy  machind  uns  ein  empörung,  und  hör  es  ouch,  das 
der  gmein  handtwerksmann  sich  übel  umb  ires  bläyen  und 
abwesen  gehept,  umb  ires  geniesses  willen;  so  sy  aber  be- 
richt werdent,  was  nutzes  einer  statt,  so  es  behouptet  wirt, 
daruß  entstanden  mag,  sind  sy  echter  trüwe  Berner,  so  wer- » 
dent  sy  wol  gestillet  und  werdent  sich  willigklich  lyden  ein 
klein  zyt  der  statt  zö  gfltem.  Und  des  soltend  ir,  min  her- 
ren hiezögegen  all,  so  man  uff  den  Stuben  zflsammenkumpt, 
üch  arbeiten  die  gmeind  also  t'yu  zö  berichten  und  zö  stillen ; 
so  bedörfte  man  gar  keiner  unröwen  zö  entsitzcu  hie  in  der« 
statt;  in  landtgrichten  förcht  ich’s  vil  minder.  Sy  sind  nun 
so  bald  lange  zyt  by  der  statt  gsin  und  ernerend  sich  uß 
der  statt  mit  allen  dingen,  des  sy  bedürfend  und  das  so  sy 
vertrybend;  deßglychen  sind  sy  dem  Stattvolk  mit  gsellschaft 
verwant,  das  sy  vil  e ire  herren  denn  dise  statt  ufgeblnd,  so 
wenn  cs  joch  dieselbigen  söchtend  dem  sy  zu  witzig  sind; 
daran  hend  keinen  zwyfel.  Sy  mögend  wol  wüssen,  wenn  sy 
sömlichs  fümemmendt,  das  ir,  min  herren,  einen  einigen  spieß 


13.  O.  gebietend,  da  die  straffen  üch  — billich  zustand  nffznheben. 
Bl.  billich  zustat.  31.  St.  dem  sy  aber. 


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V,  8.  Seine  liründe. 


143 


lierul,  den  sy  nit  möchtend  abbyssen,  dann  daran  noch  wur-  [i4lo\ 
dent  iren  vil  erwogen. 

[8]  Domit  ich 's  beschliesse  wie  ich  angfangen,  wil  ich 
unser  eidgnossen  hinweg  fertigen.  Dann  inen  zü  wilfaren 
5 uns  sorgklich  were,  wie  gmeldet,  oucli  nit  von  nüten.  So 
kommend  wir  wol  alwegen  zü  disem  schwert.  Ich  wil  oucli 
vil  lieber  mit  den  twingherren  selber  handlen  denn  durcli 
unser  eidgnossen.  Da  dürfend  wir  nüt  uß  der  band  zü  ge- 
ben wie  uff  den  anderen  w.lg.  Hie  gend  wir  hinweg  oder 
io  behaltend  was  uns  gevalt,  das  aber  uns  abgestrikt  were,  so 
wir  der  sach  uff  unsere  eidgnossen  kümendt.  So  zwyllet 
mir  nilt,  denn  das  die  twingherren  wol  züfriden  werendt  mit 
(Ich  in  einen  vertrag  zü  kommen.  Und,  wie  ich  hür,  so  be- 
schvverdt  sy  nüt  hier  denn  das  ir  die  fridbrüch  und  dergly- 
i5  eben  Ordnungen  und  gebott  hinder  inen  wöllend  ynzüchen. 

So  ir  dasselbig  nachlassen  werdent,  könnendt  ir  wol  zü  einer 
güten  tAdung  kommen.  Und  üb  üch  joch  nit  wyter  blybt, 
denn  das  mengklichem  har  zü  appellieren  und  üch  die  fünf 
gebott  (daruf  die  alten  alwegen  getrungen)  in  iren  herrschaf- 
20  teil  zü  gebieten  nachgelassen  werdent,  so  hend  ir,  min  her- 
ren,  ein  hüpsches  eroberet,  und  der  fleischhaker  ist  der  statt 
noch  nit  unnützer  schultheis  gsin.  Den  blast  den  geschlech-  ^bi.79) 
teren  zü  vertryben,  mag  lichtlich  geschechen,  so  ir  lierr  Ni- 
clausen  von  Dießbach,  so  das  ampt  vor  einest  wyßlicli  ver- 
25 sehen  und  ergytig  ist,  oder  herren  Adrian,  dem  es  von  ge- 
schlecht  und  dapferkeit,  als  sy  meinend,  baß  gebürte  (als  icli 
ouch  wol  erkenn)  zü  einem  scliultheissen  setzend,  als  ir  ouch 
tün  sündt.  So  ist  denn  der  krieg,  den  wir  so  übel  fürchtend, 
one  zwyfel  uß. 

so  \>)\  Item  als  der  sekelmeister  Fränkli  gefragt  ward,  der 
hat  gsagt:  er  müsse  alwegen  das  widerspil  lian,  spreche  man ; 
so  wolle  er’s  noch  hüt  also  behalten.  Er  sige  ganz  anderist 


1.  St.  dann  daß  daran  — . G.  dann  daran  schon  vil  erworget.  Bl. 
dann  daran  noch  vil  erworgen.  5.  G.  nns  Borglich,  ouch  von  keinen  nöten 
wäre.  9.  St.  wie  aber  den  a.  w.  G.  wie  uff  die  andere  weiß.  22.  St.  G. 
nit  ein  unnützer.  27.  G.  anch  ich  das  wol  erkenn. 


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144 


V,  9.  Der  Seckeimeister  räth  zur  Annahme. 


[1470]  gsinnet  dann  min  herr  schulthcis,  und  wolle  in  schimpflich 
bedunken,  so  sy  nun  eben  nmb  groß  hendel  in  spin  sind 
kommen  mit  unseren  undertanen  und  bürgeren  (wie  wir  sy 
nennend),  und  das  denn  ein  herrschaft  dieselbigen  sölle  an. 
keren  umb  einen  vertrag.  Es  sige  ouch  zü  glouben,  so  söm-  5 
lichs  beschche,  die  dester  kümer  sich  daryn  liessend  bereden 
oder  zü  dem  minstcu  sich  dester  herter  liessend  in  der  hand- 
lang finden.  Darum  in  formklicher  und  minen  herren  er- 
licher  hedunkc  zü  sin,  das  andere  hierin  mitlend ; so  gebe 
[es]  sich  eben  fyn  milter,  so  sy’s  an  min  herren  selbs  brin- 10 
gend.  Wolle  ouch  nit  daran  sin,  das  der  liandel  gan  Luzern 
kommen  sülte,  aber  das  disen  erlichen  hotten  der  sacli  ver- 
truwet  werde,  deren  er  sich  früuwe.  Dann  ire  herren  eben 
sines  bedunkens  die  wysesten  uud  obristen  irer  Stetten  und 
leuderen  geschikt,  und  die  da  wol  wüßtcnd  einen  schweren  15 
landskrieg  zü  erlegen  und  ze  befriden:  bette  ouch  gar  kein 
zwyfel,  sy  wurdent  disen  liandel  vertragen,  das  sin  ein  statt 
von  Bern  er  und  nutz  wurde  han,  und  die  geschlecht  sich 
hernach  ouch  [nit]  müchtend  klagen  gwalts  und  Unrechts 
von  iren  herren,  weliches  fürwar  einer  herrschaft  übel  an-  so 
stat.  Söltend  sich  nüt  lassen  irren,  das  die  edlen  inen  wol 
bekannt  und  by  inen  wol  verdient  werind,  weliches  alles  nit 
käme  von  iren  sondrigen  personen,  sonders  lietteiid  sinnliche 
güttaten  inen  bewisen  in  einer  statt  von  Bern  namen,  weli- 
cher  harumb  die  eidgnossen  dank  wüßtend  und  nit  den  ed-  45 
len.  Also  han  ich’s  alwegen  von  inen  verstanden,  sprach  er, 
und  bin  doch  mer  umb  sy  gsin  weder  kein  Berner,  denn  erst 
by  einem  jar,  do  ich  nit  wol  mer  ryten  mag. 


2.  St.  so  sy  nun  aber  in  eben  grosse  span  syen  kommen.  9.  10.  St. 
so  gebe  es  sich.  Bl.  so  gebet  sich  für  mittler.  G.  fyn  mittler,  so  es  an  m. 
hh.  (allein  milter  bildet  einen  Gegensatz  zu  dem  obigen  herter.  Wenn 
nicht  die  Obrigkeit  den  Unterthanen,  sondern  diese  selbst  (durch  jene  Ver- 
mittler) ihre  Anträge  an  m.  HH.  bringen,  so  wird  sich  für  die  Verhand- 
lung mehr  Müde  und  Nachgiebigkeit  von  Seiten  der  Twinglterren  ergeben. 
11.  G.  welche  auch  nit.  12.  13.  St.  Bl.  die  sach.  G.  der  saeh  trouwet  (der 
sach  ist  s.  v a.  in  Bezug  auf  die  Sache).  16.  G.  Bl.  ze  friden.  19.  G.  Bl. 
auch  nit. 


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V,  10.  Der  Seckeimeister  räth  zur  Annahme.  145 

f/O]  War  ist  es,  wenn  und  wo  ich  zü  den  alten,  und  \1410\ 
ir  anderen,  min  herren,  oucli  kömmindt,  so  fallend  sy  an  und 
zellendt  von  den  alten  kriegen  und  rümend  ob  allen  dingen 
üwere  reisige,  ab  deren  taten  und  gschikligkeiten  sy  sich  ver- 
5 wunderendt  noch  hüt  by  tag,  und  bekennend  heiter,  wo  die- 
selben und  die  wysen  ratschleg  und  fürung  Uwerer  houptlü- 
teu  nit  gsin  werend,  das  sy  und  wir  vilmalen  gar  werend  zü 
schänden  wordeu,  wie  das  ouch  die  warheit  ist.  So  bin  ich 
ganz  anderst  gsinnet  dann  min  herr  schultheis.  Ich  lebt  denn 
ui  in  rosen , das  sy  hiemit  einer  statt  Bern  den  pryß  und  er  (B1.80) 
müßtend  geben.  Ich  war  inen  ouch  desto  hölder,  das  sy  die 
warheit  bekanntend.  Und  fürwar  vil  ist  iez  geredt  worden 
von  unseren  eidgnossen,  da  nit  gilt  were,  das  es  für  sy  käme ; 
dann  es  uns  kein  nutz,  sonders  bösen  Unwillen  brechte,  und 
is  one  zwyfel  so  meinend  sy  es  güt  für  uns.  Und  eben  dise 
sechs  personen,  wenn  ich  sölte  nach  inen  güte  Bemer  nach 
minem  wünsch  ußläsen,  so  wüßte  ich  by  glouben  keinr  an- 
deren zü  begeren.  Darum  dörfeudt  ir  sy  nüt  z’entsitzen;  die 
saeh,  als  ich  truw,  wirt.  recht  kon,  domit  wir  einmal  z’rüwen 
» kömmindt,  und  wirt  gwüß  durch  diser  erenlüten  hilf  bestan 
und  besser  werden  dann  sy  iez  ist,  wie  vast  inan  rürnpt,  das 
die  sach  wol  stande.  Ich  hör  wol  in  der  statt  ein  treffenli- 
chen  Unwillen  — deßglychen  facht  er  uff  dem  landt  ouch  an ; 
das  wüssend  ir,  min  herren,  von  üwerem  fryweibel  — und 
*5  hinnen  und  da  ussen  durch  all  üwers  landt  ein  treffenliche 
Verachtung  üwerer  oberkeit.  So  weiß  ich  wol,  wie  wir  bald 
ein  jar  hie  so  wyßlich  und  billich  geratschlaget  hend,  das 
es  ein  grüwel  vor  Gott  und  ein  schaud  vor  der  weit  ist. 
Besonders  wenn  die  vier,  so  noch  in  der  statt  verharren,  ab- 
3«  träten,  und  das  gröst,  söltend  krieg  uff  uns  kon  — wän 
bettend  ir  die  sy  füren  wurdent?  Es  soll  niemant  zürnen, 
ich  weiß  keinen  in  diser  Versandung.  Harumb  zyt  ist  das 
man  lüge,  das  sich  die  abwesenden  wider  herzü  fügiudt. 


24.  O.  Bl.  üweren  fryweibeln. 
Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  I. 


30.  G.  in  der  statt  Bind. 

10 


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146 


V,  11.  Der  Seckeimeister  räth  zur  Annahme. 


[/470]  |//]  Ir,  min  herren,  mögend  keins  verlierens  an  di- 

sen  lilten  han;  dann  so  hierin  wirt  getädiget  Vertrags 
wyß,  so  ist  nit  inüglich,  denn  das  es  iich  gwinnes  daruff 
stat.  Ich  gloub  wol,  wo  dise  erliche  botten  by  iren  eiden 
söltend  erkennen,  und  nach  form  deß  rechtens  der  handel  5 
sich  ußfüren  wurde,  so  bettend  ir,  min  herr  schultheis, 
nüt  zü  erlangen  denn  spott  und  schandt.  Das  han  ich  üch 
vor  mermalen  gseit.  Und  diewyl  wir  somlichs  selbs  müs- 
send bekennen,  so  wblt  ich,  das  wir  also  geschikt  werend, 
so  wir  doch  Gott  nit  fürchten  wend,  das  wir  uns  doch  un-io 
billichs  filrzünemmen  vor  der  weit  schamptendt.  Und  ist 
fürwar  ein  grüselich  ding,  das  min  herr  schultheis  htlt  heitar 
bekennt,  das  wir  dise  suchen  im  rechten  nit  erhalten  möch- 
tend,  und  aber  was  nilwerungen  fürgenouunen  werdent  er 
alwegen  bekennt,  das  wir  deß  glimpf  und  recht  habindt.  e> 
Wie  wend  zwei  widerwertige  stuk  by  einandren  bstan  ? Hilf 
allmechtiger  Gott ! Ich  müß  aber  sagen , das  mir  ab  diseni 
unserem  nüwen  verkerten  regiment  ilbel  fürchtet.  Nun,  dise 
werdent  nit  richter  syn,  sonder  mittler,  werdent  nit  ilwere 
herren  wollen  syn,  wie  üch  grusamlich  anzeigt  ist.  Doru  mb 
(BI.81)  wirt  ouch  nit  volgen,  das  ein  ieder  iiwerer  undertaneu  üch 
werde  betagen  für  unsere  eidgnossen.  Dann  unser  eidgnos- 
sen  vor  mermalen  zwüschen  üch  gesprochen,  als  vil  noch 
wol  wüsseudt,  liend  darum  noch  nie  üwere  herren  zu  wer- 
den fürgenommen,  noch  keiner  der  üweren  darumb  under- *5 
standen  durch  sy  oder  süinlich  mittel  üch  zil  bochen  und  zu 
zwingen.  Und  so  gredt  ist,  das  sy  ab  tagen  und  sonst  vil 
bottschaften  zu  üch  geschickt  und  begert  üch  ouch,  wie  an- 
der eidgnossen,  von  Zürich  ouch,  angenommen;  understanden 
(sich)  fsyj  doch  keines  zil  beherrschen.  So  wenig  wurde  ge-  so 
gen  üch  ouch  beschehen.  Aber  darumb  liend  wir  inen  nie 

6.  G.  Bl.  so  hättet  ihr,  wie  min  h.  schultheis  geredt.  27.  G.  Bl. 
lassen  sonst  ans.  28.  G.  vil  ouch.  Bl.  ich  onch  (Schreibfehler).  27.  ange- 
nommen muß  hier  dasselbe  bedeuten , was  in  Kistlers  Rede,  in  ähnlichem 
Zusammenhänge  haft  n.  vergriffen  heißt;  desiiUrabant  vos  quoque  com- 
prehensos iis,  quae,  confoederationis  nomine  decrevissent,  sicut  et  alios  con- 
foederatos,  inter  quos  Tigurinos  quoque.  30.  G.  sie  doch. 


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V,  12.  Der  Seckeimeister  räth  zur  Annahme.  147 

willen  bewilligen  und  die  band  offen  haben,  das  sy  fräch  [/470] 
und  gdeli  sind,  by  denen  die  alten,  kalten,  erfarnen  nit  vil 
geltend,  wie  es  leider  hie  ouch  gan  wil,  fahend  unnötige  krieg 
an,  und  wenn  sy  deren  müd  sind,  als  dann  gschet,  so  ligt 
5 inen  nüt  dran  mit  schand  und  schaden  darvon  zü  stan.  Wend 
denn  ir,  min  herren,  nit  ouch  zü  schänden  werden,  so  müs- 
send ir  (Ich  darhinder  tön,  den  krieg  und  ire  löst  uf  ilch 
nemnien.  Üwere  l(it  die  sind  aber  ouch  müd  und  wurdent 
in  die  lenge  ir  gfit  darzstreken  statt  und  landt  arm  kriegen. 

10  Und  so  wir  inen  nit  wend  verwilligen,  so  sindt  wir  inen  und 
uns  vor  kriegen;  und  hend  die  verstendigen  by  inen  ursach 
von  uns  genommen,  die  zü  weren;  wie  mir  ouch  mennalen 
in  gheim  gseit  worden,  das  wir  wyßlich  und  aller  eidgnos- 
schaft  nützlich  handlind,  das  wir  uns  nit  in  ir  mer  wöltend 
15  verpflichten ; dann  sy  wurdent  alle  monat  uff  unsere  achßlen 
einen  krieg  anfahen. 

[J2|  Und  kan  mich  nit  verwundern  an  mim  herren 
sehultheissen,  das  er  anzeigt,  inen  abgeschlagen  sye  sölches 
von  deßwegen,  das  man  gefürchtet,  so  wir  uns  in  ir  mer 
zoergebind,  sy  uns  bald  wurdent  fümemmen  zü  beherrschen: 
so  er  doch  weißt,  als  sy  zületst  ire  treffenliche  botschaft  von 
allen  orten  mit  treffenlichem  ermanen  hie  hattend,  vermein- 
tend, es  were  nit  eidgnössisch  und  den  pünteu  spütlieh,  ja, 
vilnach  züwider,  das  ein  ort  sich  also  wölt  von  den  andern 
Z5  sündem,  das  man  inen  das  müßte  ableinen : do  hört  ich  von 
mim  lierr  schultheis  vil  andere  reden,  das  wüssend  noch  min 
herren  vast  all:  er  glimpfet  inen,  gab  inen  recht,  und  müßt 
man  umb  sinen  ratschlag  ein  frag  han,  hat  ouch  etwas  volg, 
deß  menger  frommer  Berner  Verdruß  hat.  So  het  er  den 
30  namen  von  jugendt  uff  ghan,  das  er  alwegen  ein  besonders 


4.  St.  als  dann  geschieht.  G.  Bl.  als  si  werdend.  10.  G.  Bl.  nit  darstrecken. 
12. 13.  G.  dieselben  mehrm.  ingh.  gesagt.  17.  St.  nit  gnug.  18.  G.  Bl.  daß  er  die 
einzücht,  ihnen  abgeschlagen  seye  allwegen,  am  daß  gefürchtet.  20.  G.  Bl. 
si  ans  nachwerts  dardnreh  za  beherrschen  anderwunden.  29.  30.  G.  Bl.  ln 
summa,  so  hat  er  biß  kürtzlichen,  näcber  denn  in  jaresfrist,  sider  daß  ich 
ihm  den  hab  abzogen,  den  namen  — . 


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148 


V,  13.  Oer  Seckeimeister  räth  zur  Annahme. 


[1470]  müsse  hau.  Er  weißt,  das  es  im  oftmals  im  rat  von  schult- 
heissen  und  venneren  ist  gseit  und  an  im  gstrafft  worden: 
und  wolle  Gott,  das  ich  im’s  habe  erleidet.  Und  ein  grosse 
enderung  ist  es  an  im,  das  er  htlt  wider  dise  botten  so  streng 
lichtet.  Welcher  Berner  hat  solches  vorhin  ie  von  im  ghört?  s 
Dann  wir  im  sin  lebenlang  nie  hendt  mögen  gnüg  eidgenös- 
sisch syn  noch  inen  gnüg  können  tön.  So  habend  sy  so  un- 
grympts  nie  nüt  können  fürneminen  denn  das  er  inen  alweg 
(B1.82)  recht  gab,  dermassen  das  man  in  nit  mer  darumb  zü  ineu 
hat  wöllen  zü  tagen  schiken,  noch  so  sy  hie  tagend,  ine  zü  w 
inen  verordnen  wolt,  ja  (des  inan  wol  het  mögen  entbären) 
unverordnet  und  ungeheissen  inen  wenig  gselschaft,  so  sy 
harkömmend,  leiste.  Das  wüssen  alle  inine  herren,  die  alten 
schultheissen,  venner  und  vil  röte. 

(13)  Uff  hüt,  do  ich  achten,  uns  allen  z’gütem  und  z’rü-  is 
wen  werde  dienen  und  künftigem  übel  zü  fürkommen,  das 
Gott  dise  erlichen  menner  har  gsendt,  kan  man  unsere  eid- 
gnosseu  nit  gnüg  verdacht  machen,  domit  das  angezünt  füwr 
nit  glöscht  aber  gmeret  wurde,  und  werdent  uns  verlütfne 
ding  wol  zü  gönnen  anzeigt,  in  dem  aber  das  hinder  für  kert  so 
wirt:  so  wir  liessend  unsre  eidgnosseu  handle n,  so  uuder- 
stündent  sy,  uns  under  iren  richtstül,  deßglychen  unsere  hin- 
dersessen  und  undertanen  ouch,  zü  bringen.  Das  were  den 


3.  G.  Bl,  daß  ich  ikni’e  alles  hab  genommen.  8.  G.  daß  er  ihnen 
recht  geben.  11.  G.  Bl.  ja,  das  man  wol  möcht  entbehren,  daß  er  ihnen 
auch  onverordn.  u.  nngeh,  wenig  ges.  leistete,  wann  si  harkommen.  — 
13.  G.  Bl.  Warum  das?  das  wüssend.  14.  G.  Bl.  sehnlth.,  etlich  gegen- 
wärtig, und  alte  venner  und  meertheil  min.  lih.  des  raths.  15.  G.  Bl.  — 
so  ich  achten,  uns  allen  zu  gut  und  ruhwe  und  künftigem  übel  vorzukom- 
men, Gott  uns  — habe  hargschickt.  19.  G.  und  wäre  uns  wol  zu  gönnen, 
daß  erlüflene  ding  uns  anzeigt  wurden  (ist  mir  unverständlich,  tote  auch 
die  folgenden  Zusätze.  Im  Texte  ist  zu  gönnen  wol  s.  v.  a.  zu  Gunsten, 
näml.  der  angeführten  Behauptung.  Die  Worte  und  werdent  — kert  wirt  bil- 
den eine  Parenthese).  20.  G.  für  keert  wird,  wie  vormals  in  disem  kandel 
mehr  fürgeben,  müssen  also  unser  suchen  mit  dem  widerspil  beheben,  also: 
wir  liessend.  22.  G.  unter  unsern  r.  23.  G.  Bl.  zu  bringen,  so  aber  dahin 
nienen  (Bl.  niemants)  kommen  mag. 


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V.  13.  Der  Seckeimeister  räth  zur  Annahme. 


149 


frommen,  alten,  wysen  Bemeren<iibel  gseit  sin.  Do  etlich  [1*70] 
üwerer  undertanen  mit  der  statt  spänig  warend  und  aber  an 
ire  Ordnung  darüber  nit  inochtend  kommen  und  wol  sich  er- 
boten, was  min  herren  by  gschwornen  eiden  darum  erken- 
5 nen  wurdent,  dem  wöltend  sy  gehorsammen,  da  ducht  min 
herren  sorgklich  sin  ir  conscienzen  und  eren  halb,  uff  weli- 
chen  weg  ire  urteil  fallen  wurde,  und  wolten  in  iren  eignen 
Sachen  darum  keinswegs  urteilen.  Dorumb  dozmal  vor  riU 
und  bürgeren  beschlossen  ward,  wenn  es  sich  zütrüge,  das 
ro  die  statt  ein  sach  antreffe,  es  were  gegen  landtliiten,  so  sel- 
ten uß  den  Stetten,  were  es  gegen  den  stetten,  so  sölte  man 
uß  ieden  herrschaften  von  den  landtlüten  grichtsessen  nem- 
men,  von  12  biß  uff  24,  ob  der  kleger  so  vil  wölte  haben ; 
weliche  wyß  biß  kürzlich-,  welicher  teil,  ir  min  herren  oder 
is  die  undertanen,  sich  tidung  oder  der  Sprüche  nit  möchtend 
benügen,  gebrucht  ist  das  recht  zü  bruchen.  So  denn  sich 
umb  die  lehen  zwüschen  üch,  min  herren,  und  den  lehen- 
lüten  spin  zü tragen,  so  sind  nach  altem  bruch  von  12  biß 
uff  24  oder  so  vil  der  kleger  begert  hat  züsamen  genampt, 

*o  und  hend  ire  urteil  by  iren  eiden  erkennt,  deren  all  partyen, 
ir  min  herren  und  undertanen,  ouch  lehenlüt,  alwegen  wol 
züfriden  gsin;  und  hend  denocht  weder  undertanen  noch  le- 
henlüt nie  fürgnon  (wiewol  sy  über  min  herren  sowol  als 
über  die  widerpart  ir  urteil  sprachend,  und  hend  ir  ouch, 
z5  min  herren,  mengs  mal  unrecht  gwunnen)  üch  darumb  zö. 
beherrschen,  wie  man  aber  üch  hüt  wil  erschreken. 

[14j  Wenn  man  sölicher  Ordnung  were  nachkommen, 
als  die  erlichen  geschlecht  nun  mermalen  rechts  begert,  we- 
liches  unsere  vorderen  keim  undertanen  nie  verseit  hendt, 
soso  wer  es  nit  von  nöteu,  das  frömbde  kirnend  und  uns  uß 
unserem  kat  hulfend  (anderst  kan  ich’s  nit  nennen),  vor  (Bl. 83) 


3.  4.  G.  wiewol  si  sich  erb.  5.  G.  bedacht  m.  hh.  besorglich  ihr  c. 
7.  G.  sömliche  nrthel  fallen  wurden.  7.  G.  wolten  deßwegen.  14.  G,  biß 
kürtzlich  gebraucht.  16.  G.  benügen,  mocht  das  recht  bruchen.  Also  ouch, 
so  nun  lehen.  19.  G.  gnambt  worden.  20.  G.  und  ire  urteil  — erkennen 
müssen.  24.  G.  ouch  min  herren  manchmal  unrecht  gwunnen. 


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150 


V,  14.  Der  Seckeimeister  räth  zur  Annahme. 


[/470]  denen  wir  uns  denocht  terenhalb  etwas  müssend  schämen. 
Dann  one  zwyfel,  so  man  zu  handlen  kumpt,  werdent  sy 
sich  billichen  klagen,  das  inen  das  recht,  so  sy  lange  zyt  be- 
gert,  inen  nie  mögen  gevolgen;  und  billich  klagend  sy's. 
Dann  wie  alt  ich  bin,  so  wölt  ich  hinder  keim  herren  blyben,  s 
der  zwüschen  im  und  sinen  undertanen  nie  möcht  lassen 
sprechen.  Dann  were  da  zü  verhoffen  anders  dann  mütwill, 
gwalt  und  tyranny?  Und  dise  treffenlichen  alte  Berner  schla- 
hend  üch  über  den  alten  geübten  rechtsbruch  noch  mer  mitt- 
len  für:  das  ir  12  oder  mer,  so  vil  ir  wöllendt,  in  der  Eid-  io 
gnoschafl  oder  im  Rych  oder  Welschen  landen  erfamer,  un- 
verlümdeter  menueren  erwellen,  so  by  eren  und  eiden  darumb 
erkennendt,  oder  sy  wöllind  hie  uß  üwerem  grossen  und  klei- 
nen rat  von  20  biß  uff  100,  so  vil  ir  wöllend,  ußzühen  und 
denselben  by  iren  eiden  und  eren  darüber  zü  erkennen  ver-  is 
truwen;  und  mag  inen  nit  gevolgen!  Wo  ist  doch  sölches 
iemalen  hie  oder  anderschwo  erhört?  Dorumb  sind  wir  not- 
türftig,  das  etwar  uns  uß  disen  fürgenomnen  saehen  helfe. 
Dann  uns  Gott  allen  verstandt  enzukt  hat.  Der  wöll  uns  den 
wider  gönnen,  sinem  volk  und  diser  statt  zü  gütem.  Amen.  *> 

Do  umgefragt  ward  und  gemeret  um  beid  meinungen,  hat 
man,  als  man  abzelt,  deß  schultheissen  rat  umb  zwen  mann 
das  mer  funden.  Darby  man  wol  gsach,  das  der  sekelmeister 
die  warheit  geredt  habe.  Gott  erbarm  sin. 

f 15]  Item  nach  wenig  tagen  hend  unsere  eidgnossen  von  25 
Fryburg  ein  treffenliche  bottschaft  har  gschikt,  nämlichen 
junker  Jacob  Felgen  iren  schultheissen,  junker  Rüdolfen  von 
Wippingen,  den  von  Englisperg,  einen  von  Beroman  und  Pa- 
villart.  Die  hend  minen  herren  ouch  anzeigt,  wie  ire  herren 
den  grossen  span,  so  sich  zwüschen  inen  und  den  geschlech-  so 


1.  G.  euwer  halb.  3.  G.  Bl.  nun  langa  zyt  vergönnet,  ihnen  nit  mag 
(Bl.  möge)  gevolgen.  4.  Die  Grundschrift  setzt  klagend  sy’s  in  Parenthese. 
Bl.  und  billich : denn.  G.  läßt  und  billich  kl.  ai  aus.  17.  G.  Bl.  hamm 
wir  villicht.  Bl.  notwendig.  19.  G.  verzukt.  24.  G.  erbarm  sich  es.  St. 
erbarm  es.  25.  G.  Nach  nnsem  eidgenossen  in  wenig  tagen  hand  die  von 
Fr.  Bl.  Nach  in  wenig  tagen  harnach. 


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V,  15.  Die  Gesandtschaft  von  Freiburg.  Kistler.  Fränkli.  151 

ten  erhept,  habind  vernommen,  das  inen  leid  sige,  mit  beger,  [1470] 
in  demselben  handlen  zü  lassen.  Welicher  platz  dann  uns 
gefellig  sige,  hie  in  diser  statt  oder  zü  Fryburg  oder  an- 
derschwo  uff  der  landtschaft,  das  sy  inen  das  wöltind  anzei- 
5 gen,  so  wöltind  sy  an  den  andern  teil  ouch  Werbung  tön, 
güter  hoffnung,  sy  wurdent  das  nit  abschlahen;  so  wurdent 
sy  tag  bestimmen  und  etliche  erfarne  personen  darzü  verord- 
nen, inmassen  das  es,  ob  Gott  wil,  der  statt  Bern  zu  nutz,  er 
und  rüwen  dienen  werde,  mit  mer  Worten. 

io  Uff  sölch  ir  aubringen  bat  der  Schultheiß  geraten,  das 
inen  zü  danken  sige  wegen  ires  erbietens  und  güten  willens, 
darby  ouch  anzüzeigen,  das  kein  sonderlicher  span  zwüschen 
uns  were,  wie  ouch  unseren  eidgnossen  anzeigt  were;  kön- 
tend  ouch  anders  nit  handlen  umb  zweier  Ursachen  willen.  (B1.84) 
is  Die  erste:  so  wir  inen  bewilligetendt,  was  Unwillens  das  by 
unseren  eidgnossen  uns  brechte,  so  erst  diß  tagen  hie  werend 
gsin,  könne  ein  ieder  wol  ermessen;  möchte  ouch  nit  ver- 
neinet werden,  denn  daß  es  ein  grosse  Verachtung  wurde  sin. 

Die  ander  ursach  were,  das  min  herren  wol  deren  von  Fry- 
ao  bürg  herz  zü  einer  statt  Bern  von  alter  har  erkanntind. 

Da  möchtend  sy  wol  erkennen,  was  sy  einer  statt  Bern  für 
ein  tAding  wurdent  machen,  besonders  durch  dise  edlen,  die 
ouch  herrschaften  hettend,  die  on  zwyfel  ouch  gsinnet  sygind 
wie  unsere  edlen;  sind  ouch  all  einandren  gfrtind  und  han- 
*5  gend  aneinandren  wie  harz.  Item  des  sekelmeisters  red  war 
aber,  das  er’s  niemants  erbaren  und  verstendigen,  als  dise 
werend,  abschlahen  wölte,  und  wen  Gott  zü  disem  mittel 
verordnet  hette,  den  wölte  er  frölich  ufnemmen  und  dank  sa- 
gen. Dann,  wie  er  nunmals  geredt,  so  gsehe  er,  das  wir 
30  dermassen  verblendt  sigind,  das  wir  einmal  wegwyseren  not- 
türftig  werend.  Zü  dem,  so  die  sach  früntlicher  wyß  betddi- 
get  wurde,  so  möchte  doch  einer  statt  nüt  dann  gwünnens 
daruff  stan,  und  das  uns  doch  etwas  müßte  werden,  da  wir 


1.  Cr.  Bl.  geschl.  habe,  vernommen.  4.  G.  n.  ihnen  das  anzeigt  wurde. 
16.  G.  Bl.  ußbrächte  (Bl.  uns  brächte),  so  frisch  diß  tagen.  29.  St.  nun 
mehrmals  geseyt.  Bl.  wie  er  meermalen  geredt.  G.  wie  er  nächermals  geredt 


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152  V,  15.  Die  Gesandtschaft  von  Freibnrg.  Fränkli. 

f /-#70]  vorhin  nüt  ghept.  Das  dise  hotten  nß  den  edlen  werind, 
irrete  nüt,  so  sy  doch  allein  umb  Werbung  und  nit  tädingens 
halb  geschikt  werind.  Wenn  es  nun  darzü  käme,  so  wurdent 
die  von  Fryburg  andere  vilichter  oder  mer  zö  disen  verord- 
nen, wie  er  dise  ouch  nüt  schlichte.  Und  das  sy  etwan  fyend  5 
werind  gsin,  so  werend  sy  doch  zii  beiden  syten  wol  versünt 
und  lebten  wol  und  nachplirlich  mit  einandren,  darnmb,  als 
von  Christen  zü  verhoffen,  alle  rach  hindan  gsetzt  hettend. 
Die  im  Machometischen  glouben  die  köntend  doch  das,  wenn 
sy  nach  schwerren  kriegen  befridet  wurdent;  wie  fyner  das  » 
denn  Christenlüten  gebürte!  So  hettend  min  hcrren  mit  di- 
sen den  vorteil,  das  sy  nit  dörflend  in  denen  grossen  sorgen 
ze  stan,  so  ein  statt  Fryburg  darin  handlete,  wie  unser  eid- 
gnossen  halb,  das  sy  dardurch  sich  underwundint  uns  nahen- 
werts  zft  beherrschen,  wie  nun  ernstlich  gewarnet.  Darnmb  e 
in  Gottes  namen:  ist  es  sin  will,  so  gfalt’s  mir,  das  man  ein 
statt  Fryburg  lasse  harin  handlen. 

Als  gemeret  ward,  ist  übermalen  des  schultheissen  rat 
das  mer  worden. 


2.  G.  u.  zu  tädigen  gesch.  w.  Bl.  u.  nit  zn  tädigen.  8.  G.  gesetzt 
syn  solle.  9.  10.  G.  doch  dag,  daß  sy.  10.  G.  Bl.  wie  vielmehr.  19.  Bl. 
das  mehr  worden  oder  gäben. 


\ 


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Sechster  Abschnitt. 


Der  Handel  mit  Peter  Dietrioh  und  den  Bauern  zu  Worb. 

Die  Stadt  macht  Anspruch,  verdächtige  Personen  und  Uebelthäter  in  dm 

Landgerichten  überall  aufzugreifen  und  in  die  Stadt  zu  führen. 

1 1 1 Item  disen  handel  kreftiger  zü  verwirren,  hat  sich  (/-*70) 
s zütragen,  das  der  amman  von  Haßli  minen  herren  hat  gschri- 
ben,  wie  das  Peter  Dietrich,  so  vor  23  jaren  ein  junger,  fräf- 
ner  landtmann  und  by  denen  von  Haßli  der  oberst  in  der 
prattick  so  gefüret  ward  zil  abl'al  des  Oberlands,  welcher  sich 
sithar  zü  Underwalden  und  Wallis  enthalten,  were  by  nacht 
io  abhinwerts  gan  Haßli  zil  siner  vetteren  einem  kommen ; und 
als  in  desselben  huß  einer  siner  nachpuren  vor  tag  zü  dem  (B1.86) 
anderen  von  etwas  gescheiten  wegs  gangen,  habe  er  in  fun- 
den  da  ein  suppen  essen  und  habe  in  bkennt,  aber  doch  nit 
derglychen  tan ; und  als  über  etlich  stundt  derselbig  sich  er- 
i5  inneret,  das  er  in  dem  amptman  villicht  sülte  anzeigen,  als 
er  ouch  tet,  wiewol  er  im’s  kum  glouben  kont,  sücht  er  Peter 
Dietrichen  in  sinem  huß,  sich  des  zü  ert'aren,  und  aber  nit 
anheimsch  funden.  Doch  versorget  er,  wenn  er  komme,  das 
er  sich  zü  im  fügte,  etwas  mit  im  zü  reden;  welcher  dessel- 
ao  bigen  tags,  doch  nachts  nach  dem  nachtmal  kam.  Als  er  in 
zü  worten  hette  gestossen,  were  er  sin  bekanntlich  gsin,  und 
als  er  zornig  were  warumb  er  im’s  nit  anzcigt,  hette  er  im 
geantwortet:  er  were  unwüssendt  nachts  zü  im  kon,  were 
ouch  ab  im  übel  erschroken,  und  hette  in  gebetten  ine  nit  zü 
»melden.  So  were  er  im  so  nach  gesipt,  das  er  meinte,  min 

11.  St.  gesch.  wegen.  O.  ms  etw.  gesch.  willen. 


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154 


VI,  1.  Die  Anzeige  des  Ammans  von  Hasli. 


[1470]  herren  wurden!  im  nit  zümüten  in  uff  den  fleischbank  zü 
geben.  Als  ich  in  fragt,  warumb  er  harüber  were  kommen, 
und  was  sin  handticrung  werc,  habe  er  im  gseit,  wie  er  zü 
Underwaldcn  eigentlich  von  den  gewaltigen  daselbsten  ver- 
standen, das  die  obristen  und  fürnemsten  der  statt  Bern  von  5 
grosser  zwytracht  wegen  sich  uß  der  statt  getan  in  die  landt- 
gricht,  so  denselben  anhengig,  und  were  so  wyt  kommen,  das 
ein  enderung  im  regiment  von  Bern  sige  oder  müsse  ervolgen. 
Und  do  er  sömlichs  gehört,  so  tete  er  als  einer,  der  durch 
solche  enderung,  wo  die  volgete,  ein  verhoffen  hette  wider  io 
zü  sinem  gilt  und  land  wider  rnöcht  kommen.  Er  hette  sich 
lang  gelitten,  verschmecht  und  arm,  und  hettend  min  herren 
vilen  vergeben,  so  mer  wider  sy  getan  hettend,  und  wölte 
sich  wagen,  einmal  so  er  die  Sachen  also  funde,  als  er  eigent- 
lich gloubte,  das  er  ganz  wider  empor  kam.  In  disem  für-  is 
nemmen  habe  er  ine  treffenlich  abgewisen  und  geraten  und 
gebetten  sich  uß  dem  landt  zfi  machen,  und  do  were  er 
zwyfelhaftig  von  im  gescheiden,  das  er  nit  wüßte,  ob  er  wi- 
der hindersich  gan  Underwalden,  oder  nidtsich  in  die  landt- 
gricht  (da  sin  herz  hinstünde,  als  in  beduchte)  zogen  were ? *> 
Und  demnach  als  er  den  Sachen  stets  nachgesinnet  und  über 
etlich  tagen  wider  zü  disem  landtman  kon  sige  und  in  gefragt» 
öb  er  nüt  von  Peter  Dietrich  hette  vernommen,  öb  er  wider 
gan  Underwalden  were  kon  oder  so  frdvenlich  (das  er  kum 
glouben  möcht)  sich  nitsich  in  die  landtgricht  gelassen,  do  is 
heig  er  im  geantwortet,  er  wüßte  nüt  darumb,  aber  er  were 
im  frefen  gnüg,  das  er’s  hette  dürfen  wagen;  und  das  dester 
e,  das  er  in  landtgrichten  nöuwcs  früntschaft  hette.  Und  als 
(B1.86)  er  seite,  öb  man’s  erfaren  könnte,  und  diser  sprach,  er  wüßte 
es  nit,  und  aber  den  amptman  beducht,  er  möchte  es  wol  so 
wüssen,  habe  er  in  beeidet,  die  warheit  zü  sagen.  Aber  er 
beharret  daruf,  das  er  in  nit  wüßte.  Öb  er  nitsich  gegen 
Bern  were,  wurde  man  eigentlich  erfaren  zü.  Brienz  by  sinem 
vetteren,  der  im  neher  und  heimlicher  were,  denn  er,  weli- 


11.  G.  u.  land  zu  kommen.  15.  G.  Bl.  daß  er  ganz  gräch  oder  wider 
emp.  32.  G.  Bl.  beharret,  daß  er  ihn  nit  wiisee  zu  erfaren. 


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VI,  2.  Schreiben  des  Raths  an  ihn. 


155 


chen  ungegrüßt,  er  one  zwyfel  nit  were  fiirgangen.  Nach  [1470] 
sölchem  bescheid  were  er  gan  Brienz  geritten  und  sich  zü 
demselben  gefügt;  welicher  glych  anred  gsin,  wie  er  by  im 
ein  nacht  gsin  und  mit  im  gredt  uff  die  wyß,  wie  ouch  der 
5 vorder  gseit  hat;  hette  in  ouch  vast  gebetten  wider  hinder 
sich  zft  keren,  heig  aber  nUt  geschaffet,  dann  er  nitsich  were. 

Und  als  ich  fragt:  wohin?  sprach  er,  er  wüßte  es  nit,  er 
meinte  aber  in  die  landtgricht;  in  denen  hette  er  etwas  frün- 
den,  nämlich  ein  schwösterson  und  ein  basen.  Aber  er  wüßte 
io  nit,  wo  sy  sAssendt.  Und  das  wölle  er  minen  herren  nit  ver- 
halten, ob  sy  im  wyters  wöllind  bevelchen. 

[2]  Uff  das  habend  min  herren  etwas  schrekens  em- 
pfangen ab  diser  frefnen  tat,  das  er  so  durstig,  so  tief  und  so 
nach  sich  glassen  zü  der  statt,  und  gedacht,  etwas  prattiken 
is  gangindt.  Und  hend  angents  wider  gan  Haßli  geschriben, 
das  er  zü  Brienz  in  geheim  erfaren,  wie  Peter  Dietrich  be- 
kleidt  und  gestaltet  sige,  deßglychen  wo  und  an  welchem 
endt  sine  frtftidt  in  den  landgrichten  sitzend?  dann  er  one 
zwyfel  das  wol  wüsse;  und  domit  es  in  der  stille  blibe,  sölle 
an  er  im  von  wegen  miner  herren  ein  vererung  biß  uff  100  rynsch 
guldin  verheissen;  öb  er’s  aber  nit  weit  bekennen,  das  er 
versüche  das  mit  tröuwen  von  im  ußzübringen;  und  so  das 
ouch  nüt  bschusse,  so  sölle  er  sich  zü  herren  propst  verfü- 
gen, mit  dem  credenzbrief,  und  in  ankeren,  in  lassen  ze  fa- 
ss hen  zü  dem  stillisten,  und  in  grosser  gheim  in  zü  behalten. 
Warumb?  So  werde  er  vilichter  schneller.  Sölle  ouch  mit  dem 
von  Haßli  noch  mer  handlen,  ob  er  etwas  wyter  erfaren 
möchte.  Hiezwüschen  sol  man  bschiken  zürn  stillesten  die 
fryweibel,  das  sy  allen  ernst  ankerind,  ouch  mit  denen  puren 
so  redint,  so  in  landtgrichten  miner  herren  sind,  und  weliche  sy 
erkennindt  güt  Berner  ze  syn,  ein  ernstig  gespech  zü  haben, 
ob  sy  etwar  frömder  in  die  landtgricht  gelassen.  Hat  der 
amman  von  Haßli  geschriben  und  uß  Peter  Dietrichs  fründen 


25.  G.  in  gr.  gheim  behalte.  Bl.  behalten.  26.  G.  dester  schnel- 
ler sein. 


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156 


VI,  3.  Der  nächtliche  Ueberfall  in  Worb. 


\1470 ] erkundet.,  wie  er  bkleit  und  gstaltet  sye;  sy  wellend  aber 
ntit  wiissen,  wo  sieh  die  in  landtgrichten  enthaltind,  die  im 
gesipt  sindt.  Er  habe  ouch  mit  im  alles,  so  min  herren  im 
geschriben,  versücht,  habe  demnach  sy  in  geheim  zürn  her- 
ren propsfc  mit  dem  credenz  verfügt  und  miner  herren  mei-  s 
nung  fiirgehalten,  welicher  im  geantwortet  : es  nemme  in 
(BI.87)  frömbdt,  das  min  herren  ein  söliche  anmütnng  tüyndt  an  in. 
Dann  nit  der  bruch  sye  einen  erbaren  unverlümdeten  landt- 
man  one  gricht  und  recht  also  ynzül eggen.  Wenn  er  söm- 
lichs  fürnemmen  sölte,  im  und  sinem  gotshuß  wol  zü  grossen  «o 
uiyüwen  dienen.  Der  amman  zeigt  darby  an,  das  er  gloube, 
das  es  sin  nit  wyters  bedürfte;  dann  er  in  der  warheit  gloubte, 
was  sy  beid  wüßtend,  alles  by  trüwen  entdekt  hettendt. 
Dann  sy  beid  zwen  warhaft  mann  werindt. 

|.3|  Uff  obgemelte  anzeigung  der  bekleidung  und  gestaltis 
ist  flyssig  gesücht  worden  und  wargenommen,  üb  etwas  ntiws 
entstan  wülte;  denn  min  herren  das  entsessen.  Nach  flyssi- 
gem  süchen  hat  sich  funden,  das  er  zü  Worb  by  einem  puren 
was.  Do  ward  man  erstnnet,  das  er  so  nach  was,  und  wol 
14  tag  sich  da  enthalten  hat.  Und  hat  man  glych  uff  herr» 
Niclausen  angefangen  argwoneu  und  erdenken  im  grossen 
Unwillen  ze  machen.  Und  ist  zü  allem  unfal  der  sekelmeister, 
Bendicht  Tschachtlan  und  Peter  Simon  nit  im  rat  gewesen. 
Und  ward  schnei  uß  des  schultheissen  angeben  geordnet,  das 
nachvolgender  nacht,  etwas  nach  mittemacht,  vier  stattknecht,  ® 
imd  süllend  etwan  einen  bürgeren  sampt  dem  fryweibel  zü 
inen  nemmen,  sich  verkleiden,  und  Peter  Dietrichen  sampt 
dem  puren  so  ine  ufenthalten,  uff  das  man  ire  Sachen  und 
anschleg  erkunden  könne,  beid  fahen  söllind  und  haryn 
bringindt.  Als  sy  dem  haben  wollen  statt  tün  und  nachts» 
zü  des  puren  huß  kon  warend  und  dasselbig  wider  iren 
bruch  wol  verspert  fandent,  hend  sy  müssen  ein  tür  zerstos- 
sen,  ab  welichem  gestüchel  etlich  erwachtend,  und  hat  der 

11.  St.  dienen  wnrde.  G.  dienen  möchte.  12.  G.  Bl.  lassen  ein  aus. 

14.  G.  Bl.  bidermann.  17.  St.  entsassen.  G.  des  entsassen.  Bl.  den  ent- 
sassen.  21.  G.  Bl.  oder  den  verdenken.  33.  G.  Bl.  gepöchel. 


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VI,  3.  Der  nächtliche  Ueberfall  in  Worb. 


157 


pur  und  all  sin  volk  niordt  gschruwen.  Den  puren  liend  sy  [1470\ 
gfangeu  und  Lunden,  ouch  sinen  kneclit.  Denn  sy  meintend, 

Peter  Dietrich  were  es,  welicher  (als  man  zwyflet  was  der 
anschlag  were)  in  dem  gestüchel  ist  uß  dem  huß  kommen 
s und  entrunnen.  Als  aber  schnei  etlich  nachpuren  zü  dem 
geschrei  kamend,  und  für  und  für  sich  die  puren  stärkten, 
mit  schouben,  lichteren  und  wallen  kamend,  und  gsahendt, 
das  sy  die  in  hembdren  gebunden  und  gfangen  battend,  tien- 
gendt  sy  an  syen  zü  schlachen,  das  sy  den  gefangnen  puren 
io  und  kneclit  müßtend  lassen  gan,  und  sich  zusammen  stellen, 
sich  zü  erweren.  Und  wie  vast  sy  schruwen,  sy  werend  statt- 
weibel  und  von  minen  herreu  gesendt,  wolt  mau  doch  inen 
nit  glouben,  biß  das  der  amman  und  etlich  auder,  die  sy  be- 
kanntend, kamend,  welicher  inen  schiedt  und  inen  ir  leben 
if  errettet.  Do  sy  aber  den  fryweibel  erkanntend,  gegen  dem 
war  kein  gnad,  der  ward  zü  Loden  geschlagen,  und  so  der 
kilchherr,  so  darkam,  nit  gsin  were,  hettend  sy  in  der  lenge 
nach  getüdet;  welicher  halb  tod  in  einer  roßbaren  in  die  statt 
gfürt  ward. 

*o  |4|  Als  sy  haryn  kamend,  ist  grusamlich  über  die  puren 
und  herr  Niclauseu  gelobet  und  abgeraten,  den  handel  an  den 
grossen  rat  zö  bringen,  vor  welichen,  als  der  am  minsten  (BL88) 
verletzt  war,  ist  fürgestelt  worden.  Dann  die  anderen  mit 
Stangen  und  hölzeren  so  schwerlich  geletzt  warend,  das  sy 
25  nit  mer  wandien  möchtend.  Hat  minen  herreu  allen  handel 
erzeilet;  uff  das  der  sclmltheis  fraget;  hat  er  erstlich  müssen 
raten.  Der  ist  vast  hitzig  gsin  und  het  grusamlich  geschelkt 
über  die  puren,  und  anzogen,  wie  sy  vormalen  ouch  habind 
dürfen  dem  fryweibel  wider  min  herren  die  appellalzion  ab- 
3o  bekennen:  iez  habind  sy  ire  um ptliit  wollen  zü  tot  schlachen, 
einen  verrätter  zü  erlidigen,  und  sig  ein  argwünig  ding,  da- 
ran, usserthalb  disem  gewaltigen  frävel,  minen  herren  vil 


3.  G.  Bl.  welcher,  als  man  acht,  zwyflet.  7.  G.  Bl.  mit  schoublichtern 
bewaffnet  kamen.  18.  G harin  in  d.  st.  22.  G.  Bl.  vor  welchen  der,  so  am 
minsten  v. 


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158 


VI,  4.  Kistler  räth  zu  (iewaltmaßregeln. 


[1410]  ligge,  und  sige  zü  gedenken,  die  puren  wüssind,  wem  sy 
barin  gedienet,  das  sy  nit  mögen  lyden,  das  der  bößwicht 
were  haryn  gfürt  worden,  zu  erfaren,  öb  er  etwas  Unrats  ge- 
sayt  bette,  als  zü  gedenken,  wyl  er  sich  eben  au  dem  ort 
nidergelassen  und  so  lang  da  enthalten,  da  dise  spän  ein  au-  5 
fang  genommen.  Harumb  ich  dise  puren  wil  straffen  nach 
irem  verdienen  und  nüws  und  alts  züsamen  geben.  Dann 
wo  das  nit  dapfer  beschicht,  so  wirt  tiwer  nam  in  aller  weit 
veracht,  wie  nit  ein  wunder  were,  das  ir  den  nechsten  puren 
an  der  statt,  und  in  Uweren  hochgrichten,  und  umb  das  ma-  ia 
lefitz  so  Uch  züstat  zu  üben,  nit  das  allein  werend,  sonder 
ouch  üwere  diener  und  amptlüt  zü  tot  wend  schlacken,  als 
vast  beschehen  ist.  Dann  hüt  vor  rat  mir  die  arzet  geseit, 
wo  der  fryweibel  nit  were  haryn  gfürt  worden,  das  man  irn 
mit  lassen  und  tr Ankeren  were  zü  hilf  kon,  were  nit  müglich  is 
gsin  ime  darvon  ze  kommen,  und  wollend  in  ouch  noch  nit 
versicheren.  Und  so  ir  der  rüche  nach  wend,  so  hettend  sy 
den  tod  zwurend  verdienet:  Erstlich,  das  sy  gewaltigklich 
mit  einer  entpörung  und  ufrür  (Ich  hend  gwert  üwer  recht 
zü  füren  an  einem  kuntlichen,  meineiden  ufrürer,  dardurch  so 
sy  verletzer  der  obristen  herrschaft  worden,  und  andern  teils, 
das  sy  üwere  amptlüt,  so  vil  an  inen  gestanden,  umbgebracht. 
Darum  ich  widerwertiger  meinung  by  mir  selber  bin,  und 
nit  weiß  wie  wir  es  angryffen  wellend,  domit  es  dapferlich 
möge  gstrailt  werden,  und  aber  fürsehen  werde,  das  im  laud- « 
gricht  kein  unrüw  geh,  und  durch  söliche  fiirsehung  die  Ubel- 
teter  nit  abtrAttind.  Und  wenn  ich  an  eins  komm,  so  icli 
mein  an  die  hand  zü  nemmen,  so  irrt  mich  ein  anders,  in- 
massen  es  über  mich  wil  sin,  und  nit  weiß,  wo  uß.  Wil 


7.  G.  Bl.  zusammen  zalen.  11.  G.  das  nit  allein  nit  werend.  Bl.  nit 
allein  das  werend  (das  Anakoluth  der  Hdschr.  wird  durch  die  Textänderung 
in  G.  nicht  vermieden,  denn  es  müßte  weiter  heißen:  sonder  ouch  — zu  tod 
schlachen  lassend.  Der  Satz  sollte  mit  den  Worten  beginnen:  daß 
üwere  nächsten  puren  — nit  allein  das  werend,  sond.  zu  tod  wend 
schlachen). 


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VI,  4.  Kistler  räth  zu  Gewaltmaßregeln. 


159 


doch  min  meinung  sagen,  so  mir  eben  ynt'alt-,  domit  wir  desto  [/470] 
kelter  und  zimlicher  gesehen  werdint  by  den  andren,  mit  im 
zü  handlen.  Ein  anderer  wirt  villieht  ein  bessers  bringen. 

Es  ist  nit  minder,  ich  war  willens  mit  inen  zü  handlen,  wie 
s sy  mit  den  unseren  gehandlet  hend.  Domit  sy  tich  nit  ent- 
rünnind,  ist  min  rat,  das  uff  sonntag  z'morgen,  zum  stillesten 
SO  iniiglich,  wir  400  knecht  der  beringsten  hinus  gschikt  het-  (BI.89) 
tend  und  die  in  der  maß,  (sy)  (soj  gmeinlieh  versandet,  in 
der  kilcheu  umgeben  (hette)  und  die  dorflüt  vom  kilchspil  ge- 
rn sünderet,  und  dieselben  liaryn  geferget.  Es  möchte  aber,  öb 
das  beschehe,  ein  gestiichel  und  unröw  geben,  als  vor  zyten 
ouch  beschehen:  so  wil  mich  bedunken,  das  es  weger  sige, 
das  man  inen  gebiete  oder  tag  bar  gebe,  was  14  jar  und  dar- 
über habe;  ir,  min  herren,  wöllind  mit  inen  red  halten  und 
i5  by  inen  erkundigen  die  urheber  disers  uffloufs  und  die  an- 
deren früntlich  wider  heim  schiken:  körnend  sy,  wol  güt; 
kumpt  denn  ein  teil  und  ein  teil  nit,  so  gseend  und  erfarend 
ir  denn  wol,  wer  die  secher  sind  und  uff  die  etwas  prattik 
mit  Peter  Dietrichen  zö  verdenken  ist.  So  findt  man  denn 
2o  aber  rat,  wie  im  zff  tön  sige.  Kumpt  dann  iren  keiner,  so 
mag  mau  min  erste  meinung  an  die  band  neimnen,  und  wer- 
dent  hiezwiischen  die  anderen  in  den  landtgrichten,  ob  es 


1.  2.  Cf.  min  meinung,  — damit  wir  desto  k.  u.  z.  by  den  andern  gesehen 
werden,  was  mit  ihnen  gehandelt,  sagen.  Bl.  damit  wir  desto  klarer  u.  z.  ge- 
sächint  by  den  andren  mit  inen  zn  handlen.  (Statt  mit  im  scheint  im  Texte 
allerdings  mit  inen  verbessert  werden  zu  miissen,  wie  es  gleich  nachher  auch 
heißt,  wenn  im  nicht  Neutrum  ist,  s.v.a.  mit  der  Sache.  Die  Worte  „mit  inen 
zn  handlen“  langen  ab  von  „so  mir  eben  ynfalt“;  by  den  andren  — näm- 
lich: den  andern  Bauern  in  dem  Landgericht ; s.  weiter  unten:  „n.  werdent 
hiezwiischen  die  anderen  in  den  landtgrichten.“)  4.  G.  es  ist  nit  an.  Bl.  es 
ist  nit  anders  (es  ist  nit  minder  heißt:  es  ist  nichts  Geringeres  als  folgen- 
des). 4.  G.  Bl.  zu  machen  — gemacht  hend.  7.  beringesten,  ohne.  Variante  ; 
bering,  bring,  ring  = gewandt,  behend.  8.  G.  die  si  in  der  maß,  so  si  — 
versammlet  — Bl.  and  die  in  der  maß,  so  sy.  St.  die  so  in  der  maß. 
9.  G.  läßt  hette  am.  12.  Mit  den  Worten  weger  sige  bricht  leider  die  Handschr. 
St.  ab.  16.  Cr.  so  ist  im  recht.  18.  G.  n.  die  etw.  prat.  mit  P.  Dietr.  zu  ha- 
ben zu  verdenken  sind.  22.  Cf.  hiezw.  werden  die  andern  bericht  in  den 
landger.,  ob  es  joch  glich  — gebe,  duß  sy  wol  möchten  gedenken. 


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160 


VI,  5.  Fränkli's  Rathschlag. 


[/470]  glych  eiu  gschrei  gebe,  wol  gedenken,  Uber  wen  es  gienge, 
und  neinend  sich  iren  dest  minder  an.  Dann  sy  gwüß  noch 
in  den  landtgrichten  inen  der  handlung  kein  recht  könnend 
gen.  Man  möcht  alsdann,  wyterer  unrüw  ze  türkommen,  üwere 
rüter  und  andere  redliche  burger  zü  roß  ulT  alle  Strassen,  so  ’■> 
von  Worb  zü  anderen  kilchspilen  gandt,  schiken  und  ieder- 
mann  berichten,  das  es  nüt  nüws  noch  böses  sige,  denn  al- 
lein die  anfänger  des  uffloufs  zü  Worb  ze  süchen.  Und  hie- 
mit  möchtend  sy  vor  züloufen  und  sturm  syn,  biß  das  mau 
die  Worber  wol  von  dem  kilchspil  sünderete  und  harferge.  »® 
|5j  Item,  als  der  sekelmeister  het  sollen  rateu,  hat  er 
gesprochen:  Das  gmeinlich  gschehe,  das  uff  närrsche  taten 
unwyse  rät  volgindt,  das  gsehe  man  by  disem  verlüffneu 
handel  und  ghöre  es  by  disem  ungrympten  ratschlag,  in  we- 
lichem  vil  von  ufrüren,  ufflöufen  und  mütwillen,  ouch  vil  u 
scliantlichen  fr.itlen  gebruchter  luißhandlungen  klagt  worden. 
Ouch  nach  verhörung  des,  so  by  dem  nachtglöuf  oder  ufrür 
gewesen,  so  kau  ich  by  minem  eid,  den  ich  Got  und  mineu 
herren  geschworen,  niemant  fUr  sülche  achten  und  ußgen, 
dann  Uch,  min  herren;  ußgenommen  so  sich  funde  etwas  bö-“ 
sen  anschlags  mit  Peter  Dietrichen  wider  üch,  min  herreu, 
iusonders  von  minem  herren  alten  schultlieissen  von  Dieß- 
bach,  das  icli  keins  wegs  verhütten,  wiewol  sy  und  besonders 
er  übel  augetastet  worden.  Und  so  wir  hie  wie  in  Lampar- 
teu  geartet  werend,  wurde  ich  etwas  zwyfels  haben.  So  aber  ss 
des  nüt  ze  achten,  furcht  ich,  wir  sigind  uff  dem  pan  und 
furt  zü  grund  zü  faren.  Dann  uß  vorgenden  Sachen  und  zü- 
sagungen,  den  landtgrichten  getan,  wir  wol  söltend  gwüßt 
hau,  das  uns  sölicher  nechtlicher  überfal  uns  nit  gebürte. 
Ja,  ouch  so  wir  sin  füg  und  recht  ghan  hettend,  were  es  doch  so 
unwyßlich  angeschlagen  gsin.  Das  es  üch  aber  nit  gebürt 
habe,  so  wüssend  ir,  min  herren,  wie  in  merem  teil  der  herr- 

3.  G dann  gwüß  si  in  d.  1.  ihnen  ouch  in  der  haudl.  7.  G.  Bl.  nüt 
fremdes.  6.  10.  G.  kilchspänen.  Bl.  kiichspiilen.  G.  kiichspan.  Bl.  kilch- 
späl.  29.  G.  Bl.  lassen  das  erste  uns  aus.  32.  G.  Bl.  wiewol  (wie  ist  rich- 
tiger; die  Constructio n ist:  ihr  icisset  — wie  gekommen  sind,  (nämlich)  der 
Mal.  wegen,  (so,  daß  ihr  — hand). 


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VI,  5.  Fränkli’s  Rüthschlag. 


161 


schäften  die  hochgricht  an  üch  kon  sind  von  der  malefitz  we-  f /#70 ] 
gen,  das  ir  nit  wyter  rechts  hend  liaud  anzdlegen,  dann  so  (BL90) 
vil  üch  von  den  herren  des  orts  überantwortet  wirt.  Dann 
das  also  von  iewülten  gebrucht  worden,  das  weder  ir  noch 
5 andere,  sonder  sy  allein  hend  gf.ingklich  angenommen  und 
in  ire  tiirn  gfört.  Und  so  man  vermeint,  die  notturft  ervordere 
es,  hend  sy  üweren  nachrichter  gevorderet,  welicher  inen 
geschikt  worden  in  irem  costen,  und  so  die  übelteter  vor  irem 
gricht  zum  tod  erkennt  worden,  hend  sy  ein  sömlichen  ouch 
io  ln  irem  costen  alhar  mit  dem  urkuridt  für  üweren  schultheis- 
sen  mit  aller  hab,  so  er  uff  im  und  by  im  hat,  do  er  gfangen  und 
verurteilet  [ward]  ...  fand,  war  desselben.  Dißist  (ein  malefizi- 
scher  handel)  [in  malefizischen  handeln]  iewelten  also  gebrucht; 
das  man  aber  heige  gseen  etliche  zun  zyten  harynfüren,  ist  nie 
is  bscheen  denn  uß  nachlassen  und  gutem  willen  der  herren, 
ouch  zun  zyten  uß  irem  beglr,  und  luruemlich  in  denen  zy- 
ten, do  die  laudtlüt  vast  müdt  und  unwillig  warend  der  reiß 
und  des  tellens  halben ; zun  zyten  wider  üch , min  herren, 
denne  ouch  etwannen  wider  ire  eignen  herren,  so  schantliche 
so  wort  ußliessend  etlich  under  inen,  das  min  herren,  ouch  die 
twingherren  selber,  beduchte  sömliche  schreier  zu  geschwei- 
gen,  und  das  sicherer  were  hie  in  der  statt,  dann  da  ussen 
syen  zu  fahen  und  haryn  .zü  fergeu;  daun  sy  ufrür  und  par- 
tyen  entsassendt.  Das  hend  sy  also  lassen  zügan,  der  statt 
sä  zd  gdtem.  Aber  keinen  übelteter  hab  ich  anderst  daun  wie 
obgemelt  nie  gseen  haryn  ffiren. 

[o]  Das  aber  min  herr  scliultheis  mir  in  die  red  spricht, 
weiß  ich  wol  warvon  er  sagen  wil.  Der  ward  nit  vom  herren 


3.  ff.  Bl.  lassen  dann  aus.  4.  5.  ff.  Bl.  dass  sie,  weder  ir  noch  andrer 
iemants,  allein  gefangen  n. — gefürt.  12.  ff.  verurteilet  ward.  Dißist — . 12.  G.  läßt 
die  sinnlosen  Worte  „fand,  war  desselben“  aus.  Bl.  liest  dafür  ebenso  sinnlos: 
fand,  was,  darstellen.  Es  scheint  hier  Einiges  aus  dem  Texte  gefallen,  t.  B. 
verurteilet  ward,  geferget,  und  alles  was  man  uff  ihm  fand,  war  desselben 
(des  Schultheißen)  12.  13.  ff.  in  malefizischen  handeln.  22.  G.  Bl.  ouch 
da  ussen.  23.  24.  ff.  pratiken.  24.  ff.  Bl.  zugan  und  geraten.  27.  28.  G. 
spricht:  er  wol!  (nämlich:  habe  einen  gseen)  weiß  ich  wol.  28.  G.  von  welchem. 

Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  I.  11 


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162 


Vi,  6.  Fränkli'8  Rathschlag. 


[J470]  von  Münsingen  zü  richten  haryn  gschikt,  sonder  er  was  ein 
frefner  gsell  eines  grossen  anhangs,  der  so  elterliche  wort 
gredt,  das  junker  Hartman  von  Stein  zü  Münsingen  beducht, 
etwas  wurd  hinder  im  steken  der  Underwaldischen  prattik, 
die  im  Oberland  was.  Darum  er  in  zü  Münsingen  in  sin  huß  s 
bsebikt,  wyl  sy  kein  güte  gfengknus  hattend,  als  er  sprach, 
do  ferget  er  in  persönlich  haryn.  Und  wiewol  sich  des  nüt 
by  im  fandt,  das  er  entsaß,  ward  er  doch  umb  andere  Sachen 
hie  gerichtet,  so  uff  in  kamend.  Und  so  min  herr  schultheis 
desselben  so  frische  gedechtnus  hat,  so  nimpt  mich  trefflich  10 
wunder,  wie  er  habe  gestattet,  das  man  disen  handel  zü  Worb 
fürgenommen  habe.  Dann  umb  dieselbe  zyt,  als  er  und  noch 
vil  im  grossen  und  kleinen  rat  wol  wüssendt,  ein  Oberlender 
vil  tag  zü  Toffen  im  wirtshuß  lag,  nüt  tat  denn  prassenund 
etliche  wort  under  den  puren  ußgiessen.  Do  die  min  herren  15 
vernamendt,  warend  sy  inen  argwönig,  darumb  das  die  red 
gieng,  das  etwas  giftes  in  die  landtgricht  Seftingen  gesäyt 
were.  Do  wurdent  ouch  miner  herren  diener  in  frömder 
kleidung  nachts  hinus  geschikt  mit  gunst,  wüssen  und  wil- 
len Kesslins,  der  sinen  amman  darby  hat.  Do  gab  es  ein  a> 
sömlichs  gelöuf,  das  üwere  diener  all  verwundt  wurdent,  und 
ward  vom  landtgricht  gestürmpt,  item  im  Guggisperg,  Schwar- 
zenburg,  biß  gan  Fryburg  an  die  statt,  das  die  von  Fryburg 
B 1.91)  nüt  anders  wentend,  denn  wir  wöltind  sy  überfallen.  Ir  sind 
wol  yngedenk.  Ich  dacht,  min  herr  schultheis  wölte  es  in  *5 
sinem  rat  melden,  wie  das  landtgricht  ire  botschaft  harin 
gschikt  und  nit  früntlich  mit  üch  umb  den  handel  rattend 
und  eins  und  das  ander  räß  anzugend,  was  ires  landts  bruch 
und  recht  were  zü  fahen,  wän  man  in  die  statt  sölte  füren, 
und  was  vor  etlichen  jaren  darvor  von  üwer,  miner  herren, » 

5.  Cf.  Bl.  im  Oberl.  was,  und  min  hk,  ouch  die  twingherren,  mäch- 
tig sorg  hatten  (Bl.  mächtig  battent)  nit  in  die  landgericht  käme,  so  er 
ihn  zu  M.  — beschikt,  nm  daß  si  kein  g.  g.  — sprach,  ferget.  12.  G.  Bl. 
er  weiß  es  freylich  wol  und  noch  vil  — rat,  daß.  14.  ß.  Bl.  etlich  viL 
15.  G.  Bl.  ußgoß.  17.  G.  das  landger.  22.  G.  Bl.  u.  gestürmpt  von  dem 
landg.  in  das  Guggisperg.  25.  G.  mich  dunkt.  Bl.  mich  gedacht.  27.  G. 
Bl.  rettend. 


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VT,  6.  Fränkli’s  Rathschlag. 


163 


botschaften,  ouch  iren  eignen  herren,  in  allen  landtgrichten  [1470] 
inen  darumb  zügseit  were;  und  entdaktendt  üch  heiter,  wo 
s y sölicher  nachtglöufen  und  gefenknussen  nit  möchtend  ent- 
prosten  sin,  so  müßtend  sy’s  an  die  anderen  landtgricht 
5 bringen  und  lögen,  öb  sy  by  irem  alten  bruch  und  rechten 
nit  möchtend  blyben,  so  doch  üwere  und  irer  eignen  herren 
verheissung  ntit  mer  wölte  gelten;  und  seitend  Keßlin  hie 
vor  röten  und  bürgeren,  er  were  ein  liederlich  mann.  Ob- 
schon glych  derselbig  gsell  ein  landtsveräter  were  gsin,  so 
io  bette  er  zerst  in  sin  turn  und  für  sin  gricht  zö  Toffen  gehört 
zü  stellen.  Und  so  er  wyter  zö  sölichem  butzenwerk  wurde 
helfen,  so  sölte  er  wüssen,  das  sy  den  sinen  zö  Toffen  wöl- 
tind  zöstan  und  wöltind  im  die  Schlüssel  nemmen  zum  turn, 
und  müßte  nütdestminder  gricht  und  recht,  wie  es  sich  ge- 
is  bürte,  verfürt  werden.  Dise  reden  bissend  min  herren  do- 
zmal  übel,  mößtend  aber  patienz  han  und  inen  alles  beken- 
nen das  es  war  were,  mit  grosser  entschuldigung,  wie  die 
ding  nit  bedacht  und  uff  Keßlins  willen  und  nachlassen 
bscheen  were.  Und  belödent  den  frommen  mann  mit  der 
20  begangnen  torheit,  das  er  in  einem  jar  nit  dorft  ußkon.  Und 
ward  inen  tüwr  und  hoch  verheissen  das  es  inmassen  in  der 
statt  bücher  geschriben  sölte  werden,  das  sy  in  künftigem 
wol  wurdent  rüwig  sin:  wie  es  ouch  dozmalen  von  rät  und 
bürgeren  bevolen  ist  worden,  domit  zö  künftigen  zyten  hierau 
*5 gedacht  wurde,  als  wol  recht  were  gsin;  dann  man  sin  klei- 
nen genieß  hat.  Dann  mit  diser  botschaft,  und  ouch  den 
sturm  zö  weren,  nit  ein  kleiner  costen  uff  die  statt  kam. 

[7]  Und  nimpt  mich  wunder,  das  in  diser  nachtmetti 
es  nit  also  gangen  ist.  Und  wo  es  nit  durch  herr  Niclausen 
so  wyßheit,  als  ich  im  wol  vertruw,  abgstelt  were  worden,  Got 
geh  wie  gern  man  in  verdacht  machte,  so  hab  ich  keinen 
zwyfel,  denn  das  wir,  wer  es  nit  hinacht,  doch  morn,  aber 


19.  O,  belndent  also.  27.  G.  za  weeren,  so  dennoch  nit  vergebens, 
nit  kl.  Bl.  mit  diser  bottsch.  and  onch  dem  stnrm  nit  kl.  k.  32.  G.  Bl. 
lat  es  nit  hienacht,  biß  morn  {Bl.  doch  biß  m.). 


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164 


VI,  7.  Fränkli’a  Rathschlag. 


[/470]  22  botten  oder  mer  wurdent  han  uß  allen  kilchspilen,  die 
sich  mütwillens,  deß  Unrechten,  und  das  inen  niit  ghalten 
were,  erklagen  wurdent,  und  die  (ich  wol  driftend  resse, 
hochmütige  wort  gen.  Und  müßtendt  inen  darzü  den  wyn, 
zerung  und  güten  taglon,  wie  vormals,  geben.  Man  hat  die  5 
(B1.92)  jänigen  alwegen  für  die  gröberen,  aber  dise  für  die  hochmü- 
tigeren glian.  Meinend  ir  nit,  das  sy  noch  lüt  by  inen  hei- 
gindt,  die  noch  frischer  gedechtnus  sind  was  mit  inen  des 
fahens  und  ynherfürens  halb  in  unseren  langwyrigen  kriegen 
verabscheidet  ward,  so  noch  unseren  hie  etwan  menger  sitzt,  w 
der  sich  des  wol  bsinnt?  Und  wie  jung  ich  was,  so  ducht 
mich,  man  Uberfüre  mit  den  puren,  und  wurde  in  die  harr 
etwas  empörung  bringen,  als  es  ouch  tet,  doch  nit  als  böß, 
als  ich  forcht.  Dann  des  fahens  hie  in  der  statt  und  darvor 
zü  vil  wolt  werden.  Und  beschach  doch  alles  mit  irer  her-  «5 
ren  götem  willen,  ouch  etwan  uß  irem  angeben.  Gedacht 
aber  in  mir  selber:  diß  volk  wirt’s  nit  in  die  harr  lyden  sy 
wyder  ire  recht  und  bruch  also  zü  jöchen,  wie  ouch  beschach 
und  ußbrach.  Und  uff  ein  zyt,  do  uns  die  Eidtgnossen  mann- 
tendt,  und  ouch  vast  not  tet,  und  wir  mit  unserem  panerso 
woltend  ußzühen,  und  iedermann  gan  Burgdorf,  ußgnon  die 
zwei  landtgricht,  so  haryn  in  die  statt  bescheiden  warendt, 
kamendt,  schiktend  ir  botschaft  von  allen  landgrichten : wie 
sy  nit  willens  werend  zü  züchen,  wegen  das  min  herren, 
wie  ouch  ire  herren,  etliche  wider  ir  recht  und  bruch  gfengk-  *5 
lieh  fürtend,  mit  welicher  wyß  ir  sach  vil  böser  wölte  wer- 
den, denn  sy  von  den  alten  gehört  vor  alten  zyten,  öb 
ire  herren  in  die  statt  gezogen  werind,  und  die  mannschaft 
(in)  [an]  dise  statt  kon.  Und  so  dieselbigen  joch  mit  einan- 
deren zü  krieg  kamend  und  überfal  entsassen,  so  haftend  sy  so 
schirm  in  irer  herren  schlösseren  und  hüseren : iezund,  wenn 
man  sy  in  langwyrigen  reißzügen  mit  grossem  irem  costen 


4.  G.  and  ir  ihnen  hingegen.  17.  G.  dulden.  18.  O.  za  jagen. 
Bl.  zu  fachen.  21.  G.  gan  Burgd.  kam.  23.  G.  Bl.  kamen  nit.  24.  G.  Bl. 
nm  daß.  25.  G.  ir  herren  etlich  si  wider  — . 27.  G.  denn  sy,  wie  sy  — 
ghört,  vor  a.  z.  gsin.  29.  G.  Bl.  an  dise  st.  29,  G.  dann  so  dieselben. 


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, 7.  Frankli’s  Rathschlag. 


165 


harumb  gesehleipft  und  dar  zu  übel  getället,  und  s y heim  [t470\ 
kämend,  rüwen  und  lüwen  und  fröud  mit  wyb  und  kinden 
bau  wöltend,  so  wurdent  sy  denn  erst  uinb  reden  und  lie- 
derlicher taten  willen  und  wider  ire  recht  und  brüch 
5 und  mit  deren  gunst  und  zütün , die  sy  schirmen  söl- 
teud,  in  die  statt  in  gfengknus  gfiirt;  darumb  sy  nit  wyter 
wöltind  zähen,  sy  wöltindt  vorhin  wüssen,  warumb,  wannen- 
har  und  wie  vil  sy  in  miner  herreu  reisen  müßtend  zühen, 
und  wie  ire  alten  herren  das  mit  der  statt  überkommen,  und 
*o  6b  sy’s  ouch  macht  hottend  ghau  sy  also  zü  verpenigen ; 
darby  wöltend  sy  sömlichs  fahen  nümmer  mer  lyden.  Min 
herren  erschrakend  übel.  Dann  man  müßt  widerschryben, 
still  zü  halten  biß  man  die  laudtgricht  wider  züfriden  gestelt 
bette.  Das  fiimemmst  was  des  reisens  halb.  Da  wußtend 
is  min  herren  kein  anderen  bscheidt  zü  geben,  dann  von  wegen 
irer  herren,  wölche  ire  herren  iewelten  gewesen  über  ir  lyb 
und  güt.  Und  hette  man  sy  sinnlicher  pflicht  müssen  allein 
uß  irer  herren  brieten  underrichten,  weliche  man  inen  nit 
gern  zeigte.  Dann  man  entsaß  die  unwilligen  noch  unwilli- 
ao  ger  zü  machen,  wenn  sy  die  alten  rechten  und  brieten,  so  (B1.93) 
scharpf  sind,  wurdent  hören.  Und  wurdent  in  yl  alle  landt- 
gricht  versandet  und  gebetten  zü  zücken,  mit  verheissung,  so 
man  mit  der  hilf  Gottes  widerkäme,  weite  man  inen  nüt 
verhalten,  sonders  alle  ding  anzeigen.  Des  fahens  halb,  das 
25  versprachen  inen  mine  herren,  ouch  ire  eigne  herren,  die  da 
zügegen  uff  dem  lanttag  müßtend  syn,  das  fürhin  kein  ge- 
fangner in  die  statt  noch  anderschwo  hingefürt  söllte  werden, 
denn  so  es  nach  irem  bruch  und  rechten  züvor  erkennt  werde. 

Mit  diseu  züsagungen  sind  sy  beredt  worden,  das  sy  zugendt. 

30  Und  das  wüsseud  noch  etlich  Berner  mines  alters.  Harumb 
ir,  min  herren,  mit  diser  hüpschen  nachtmetti  übel  gefält  ha- 
bendt,  wider  den  zimlichen,  ja,  ich  gloub,  versprochnen  alten 
bruch  gehandlet,  herren  Niclausen  hend  ir  gwalt  in  sinr  herr- 


20.  G.  Bl.  n.  scharpfen  briefen  wurdent  hören.  21.  G.  Deßhalb  wur- 
dent.  22.  G.  Bl.  onch  inen  anzeigt  die  not  u.  verheissen.  24  G.  Bl.  lassen 
das  ott«,  wofür  wol  da  tu  schreiben  ist. 


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166 


VI,  8.  Fränkli’s  Rathschlag. 


[/470]  schaft  getan  und  sind  lügenhaft  gegen  den  landtlüten  worden. 
Deß  allessin,  wo  es  für  einen  richter  käme,  wurdent  ir 
überwisen. 

[8]  Darumb  ich  inen  nit  wil  gebieten  oder  tag  har  ge- 
ben; es  wirt  mir  leid  sin,  wenn  sy  sunst  (nit)  kömmendt.  s 
Dann  es  mit  iiwerem  gspött  und  schaden  wirt  bscheen.  Ich 
dörfte  baß  zfi  ersparen,  das  ich  alle  tag  tlwere  schweren 
zinsen  abrichtete,  denn  sölche  kilbinen  und  versamlungen 
zü  verlifern.  Und  so  ir  inen  schon  haryn  pietend,  wurdent 
sy  doch  nit  kommen.  Das  wüssendt  ir.  Dann  ir  inen  u£F>® 
ertrich  nüt  zü  gebietend  habend,  dann  ein  einiges  gebott, 
mit  üch  zü  reisen.  Und  wurde  es  herr  Niclaus  ouch  nit  ge- 
statten. So  wil  ich  sy  ouch  eben  als  wenig  überfallen.  Dann 
wir  wider  in  nüwe  gscheft  kämmend  mit  den  landtgrichten, 
da  man  nit  wüßte,  wie  sy  wurdent  ußschlitzen.  Dann  zd  15 
denen  zyten  min  herren  und  die  twingherren  züsammenstün- 
dent  und  warend  vast  fro,  das  die  puren  gstillet  wurdent; 
iezunder  bringend  ir  dieselben  nit  allein  von  üch,  sonders 
nötend  sy  ouch  zö  den  puren  ze  stan  wider  üch.  Wie  das? 
Also,  indem  da  ir  on  alle  form  des  rechtens  wider  alte » 
brüch  und  harkommen  und  wider  all  üwere  eignen  verheis- 
sungen,  nüt  denn  mit  gwalt,  mit  disen  landtlüten  gehandlet 
und  noch  handlen  wend  und  eben  mit  denselben  ouch  uff 
das  höchst  die  twingherren  an  iren  herrligkeiten  verletzend. 
Meinend  ir  nit,  so  üch  dieselben  übel  wöltendt  oder  unrüw  *s 
und  entpörung  süchtend,  öb  sy  nit  fro  w.urdeut  syn,  das  ir’s 
ouch  mit  iren  puren  wöltend  anfahen,  und  eben  an  dem 
stuck,  das  inen  alwegen  das  verhassetest  ist  gsin?  Min  herr 
schultheis  meint  alwegen,  so  ich  dise  nüwerung  entsitzen,  es 
bedörfe  der  forcht  nüt,  ire  puren  wurdent  sy  verlassen,  öb  » 
sy  wider  uns  etwas  fümemmen  wurdent,  und  zii  uns  stan. 

2.  ff.  des  alles.  Bl.  dises  alles  (allessin,  wenn  es  kein  Schreibfehler 
ist,  scheint  s.  v.  a.  allesammt,  alles  zusammen).  5.  ff.  Bl.  lassen  nit  aus, 
was  auch  der  Sinn  verlangt  7.  Bl.  bedürffte.  8.  ff.  kilchwichen.  12.  G. 
es  würde  es  auch  — nicht  gest.  14.  G.  kämend.  17.  G.  doch  vast.  25.  G. 
Bl.  ob  üch. 


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VI,  8.  Frankli's  Rathschlag. 


167 


Er  wirt  siu  leider  wol  innen  werden,  wyl  er  sich  diser  taten  l147 °\ 
und  räten  wil  gebruchen,  und  die  volg  het,  als  er  ouch  hat. 

Und  kan  doch  darumb  nit  underlassen  die  warheit  zü  sagen,  (BL9<) 
das  es  mich  gehe,  verwegne  und  unwyse  ratschleg  von  wy- 
s sen  lüten  bedunkt  het  sin.  Das  ich  nun  nit  erstunet  syge 
ab  dem,  das  der  frefne  ufrürer,  nachdem  ir,  min  herren, 
in  vor  vil  jaren  gestillet,  als  er  selbs  wol  weißt,  sich  so  wyt 
in  das  landt  und  so  nach  zur  statt  dürfen  lassen,  lougne  ich 
nit,  dann  ich  förchten  in;  das  ich  aber  darumb  könne  raten 
io  neißwann  zü  löschen,  do  ich  noch  nüt  gseen  noch  ghöre 
brünnen,  das  weiß  ich  nit.  Dann  lichtlich  möchte  geschehen, 
das  man  mer  gschante  dann  besserete,  wie  man  oft  in  den 
kleinen  brllnsten  gseet  beschehen.  Aber  mich  dunkt  güt  zü 
syn  nahin  ze  sichen,  öb  etwas  filwres  yngleit  were,  uff  dise 
i5wyß:  Ir  bkennend  allsamen  den  amnian  von  Worb,  das  er 
ein  güter  Berner  ist.  Dann  ir,  min  herren,  wüssend  wie  vor 
jaren  und  ouch  kürzlich  er  so  groß  arbeit  und  ernst  in  üwe- 
ren-  büwen  mit  dem  holzfergen  uff  sich  genommen,  und  wie 
wol  er  üch  huß  hat  und  syn  zyt  übel  verlor  und  nüt  über 
20  siu  zerung  wolt  nemmen  daun  üwere  färb.  Ir  wüssend,  wie 
er  sich  so  weidlich  in  üweren  reisen  und  kriegen  in  Stillung 
der  puren,  so  sy  zö  reisen  und  teilen  unwillig,  getragen  hat, 
ouch  was  er  uns  in  gheim  der  statt  zü  gütem  etwann  entekt 
hat,  das  min  herren  mengs  mal  herren  Niclausen  siner  dien- 
*5  sten  halb  gedanket,  und  gertimpt,  das  sy  uff  iren  ämpteren 
kum  ein  trüweren  und  geflißneren  diener  hettend  in  der  statt 
gescherten;  welches  herr  Niclausen  vast  fröuwt,  und  sin  hof- 
fertig was;  zü.  dem  ir  wüssendt,  das  er  ein  hüpsches  erbli 
von  siner  langligerigen  schwöster  all  tag  erwarten  ist ; so  das 
30  feit,  hat  er  müt  die  sinen  die  güter  zü  Worb  buwen  zü  las- 
sen und  sich  haryn  ze  setzen,  als  er  mir  und  anderen  minen 
herreu  das  mermalen  verheissen  hat.  Den  wölt  ich  bschiken, 


1.  G.  will.  2.  G.  vil.  4.  G.  gliche.  6.  7.  G.  nach  dem  ir,  m.  hh.,  so  vil  jaren 
gestellt:  so  auch  Bl.,  nur  daß  er  auch  gestillt  schreibt.  Der  Zwischensatz : 
als  — weißt  paßt  nur  zu  dieser  Lesart  in  G.  8.  9.  G.  Bl.  lassen,  das  bin  ich 
[nämlich  : erstaunt]  n.  türcliten  ihn.  23.  G.  Bl.  ouch  unser  etlich  noch,  was. 


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168 


VI,  8.  Fränkli’s  Rathschlag. 


[1470]  uf  morn  den  morgen  hie  zü  S3rn,  und  in  umb  disen  handel 
erkunden,  üb  er  Utzit  geschmekt  bette?  Ist  etwas  angezündet, 
so  mag  es  im  kum  verborgen  sin.  Dann  ir  bkennend  in  ein 
wysen,  erfarnen,  geschwinden  und  nun  betagten  gsellen  ze 
S3Tn,  und  was  er  Üch  bekanntücli  wirt  sin,  das  mögend  ir  5 
mines  teils  wol  gloubcn,  als  wenn  er’s  by  sinem  eid  bette 
geredt.  Weißt  er  nüt,  so  ist  es  nit  sorgklich,  das  man  ein 
sömliche  rüstung  und  empörung  erhebe,  die  bald  ein  sorgk- 
lichere  geberen  möchte:  wüßte  er  aber  etwas  und  es  üch 
verhielte,  das  ich  nit  gloub,  so  ist  die  enderung  an  im  sorgk-  io 
lieh  und  dütet  uff  iiwerer  syten  nüt  gfits,  welches  doch  mit 
der  zyt  nit  mag  verhalten  werden.  Und  nach  dem  man  funde 
oder  schmakte,  wüßte  man  aber  wyter  ze  handlen  und  sich 
zfi  beraten,  ob  man  mit  recht  oder  mit  handt,  wie  hüt  gera- 
(B1.95)  ten,  die  sach  müsse  fümemmen.  Darmit  möchte  man  ouch  is 
vilicht  darus  oder  daryn  kon  in  dem  man  herr  Niclausen 
verdenkt,  domit  man  zi\  rftwen  komme.  Dann  so  im  disers 
mans  wonung  zä  Worb  in  wlissen  were  gsin,  so  were  kum 
müglich,  denn  das  sines  glychen  vil  mer  personen  das  gwüßt 
hettend,  so  werend  gwüß  schwerre  hendel  vorhanden,  die  »o 
etwas  uff  im  tragen  wurdent.  Dann  herr  Niclaus  wol  so  wyß 
were  zü  ermessen,  das  er  (denn  ich  in  den  rychsten  Berner 
achten)  sin  er  und  gfit  an  disen  lotter  und  böttler  wägete  zft 
henken.  Ich  gloub  aber  eigentlich,  das  er  uß  sinem  ange- 
bornen  frevel  disen  zug,  wie  ouch  vor  mer,  fürgenommen. » 
Wie  oft  hat  man  in  in  üweren  landen,  wiewol  nit  eben  hieni- 
den,  gespürt  und  gesehen  innerthalb  28  jaren,  das  ir  in  zü 
s flehen  grossen  costen  gehept? 

Als  umb  dise  beid  r;U  gefragt  ward,  ist  des  sekelmei- 
sters  wyt  das  mer  worden,  das  mich  gewunderet  hat,  das  der  *> 
wyser  einmal  ist  an  die  hand  genommen  worden. 

[0]  Item  uff  den  abendt  hat  der  schultheis  den  rat 
berüft  und  anzeigt,  wie  dem  fryweibel  sige  botschaft  kon,  die 

5.  G.  Bl.  betagten  (wiewol  er  nit  so  alt  scheint)  gesellen.  14.  G. 
von  band.  22.  G.  als  zu  erm.  26.  G.  nit  hierab.  Bl.  nit  bie  herab. 
27.  G.  Bl.  innerth.  20  jaren  oder  23. 


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VI,  9.  Der  Amman  v.  Worb. 


169 


habe  er  zu  irn  geschikt,  weliehe  im  anzeigt,  das  warhaftig  [tt"0] 
das  landtgricht  uff  Sonntag  zfi  Grossen  H ehstetten  sich  ver- 
sainlen  wurde  von  des  uffloufs  wegen  zu  Worb  beschehcn. 

Und  als  man  begert  zft  wüssen,  öb  das  ganze  landtgricht  oder 
5 verordnete  von  den  kilchspAlen,  wie  sy  im  bruch  iiend,  zu- 
sammen kflmend,  do  wußt  er  kein  bscheid  zft  geben.  Und 
als  min  herr  sekelmeister  angfangen  zft  raten,  ist  sin  meinung 
gsin:  Diewyl  diser  bott  kein  heiteren  bscheidt  k'nne  geben, 
so  könne  er  nüt  heiters  raten,  diewyl  aber  uff  morn  den  mor- 
io  gen  der  amman  von  Worb  vor  dem  kleinen  rat  werde  erschy- 
nen,  der  dessen  min  herren  eigentlicher  wüsse  zft  berichten, 
wölte  er’s  ufschlan  darin  zft  handlen,  uff  das  man  dann  wüsse, 
was  darinnen  zft  handleu  were;  und  das  der  groß  rat  ouch 
versandet  wurde,  inen  anzftzeigen,  was  aller  gescheiten  halb 
is  by  dem  amman  Funden  were  worden,  und  ob  es  von  nöten 
einen  ratschlag  zft  tön.  Dises  gfiel  minen  herren  allen. 

Item  morgens  ist  der  amman  von  Worb  erschinen,  we- 
lichcm  der  schultheis  geöffnet:  min  herren  habint  in  bschikt 
sich  «mb  etwas  von  im  zft  erkunden,  und  das  er  inen  die 
2o  warheit  und  was  im  darmnb  zft  wüssen  nit  verhalten  wölle; 
deß  sölle  er  sin  hand  ufheben  und  einen  cidt  schweren.  Do 
der  amman  das  hört,  begert  er,  min  herren  sölltcnd  im  ver- 
zyhen,  er  wurde  inen  den  cidt  nit  tftn,  bette  ouch  sin  leben 
lang  keinen  eidt  tan  dann  (sinen)  fsinem]  herren  allein,  des-  (ß1-96) 
*5  sen  amptmann  er  iez  ouch  were.  Haruinb  er  im,  so  er  disen 
eidt  tette,  dester  mer  bedürfte  zft  lag  legen.  Es  were  ouch 
in  irem  landtgricht  die,  so  hinder  den  herren  sessendt,  nie 
gebrucht  zft  eiden,  anderst  denn  wenn  sy  under  statt  Zeichen 
und  under  den  houptmann  schwörend,  welcher  cid  sy  nit 
3o  wyter  bunde  denn  so  lang  dieselbe  reiß  wftrte.  Wyter  so 
wurd  inen  von  iren  herren  oder  derselben  amptlüten  etwan 
haryn  für  griclit  und  rat  geholten  zft  reden,  so  schwörend  sy 
ouch  cid,  und  anderst  wer  es  mit  inen  nienen,  so  under  den 


24.  G.  Bl.  sinem.  20.  G.  zulag  zulegen  (die  Redensart  „ Jemanden 
etwas  zu  Lag  legen  — zur  Last  legen,  kämmt  unten  Bl.  IOC  wieder  vor). 
28.  G.  under  der  st.  z. 


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170 


VI,  9.  Der  Amman  v.  Worb. 


[1470]  herren  sessend,  gebrucht.  Und  ob  min  herren  etwas  nottiirftig 
werend  von  im  by  dem  eidt  zü  wlissen,  so  möehtend  sy  in 
vor  dem  gricht  zü  Worb  ankeren  oder  verschaffen,  das  im 
sin  herr  gebiete  alhie  zü  reden,  so  were  er  willig  minen 
herren  zii  gehorsamen  und  z’tün  was  einem  bidermann  zu-  a 
stünde.  Als  aber  der  schultheis  im  streng  anhielt,  und  er 
sich  des  eids  wert,  hieß  der  sekelmeister  den  amman  ußgan 
und  ward  vast  undultig  mit  dem  schultheissen  und  sprach: 
Wie  es  käme,  das  er  alle  ding  verkeren  wöllte  und  alles  uß 
sinem  eignen  gwalt  machen,  ungefragt  und  unberaten?  Werio 
in  gheissen  dem  amman  den  eid  anmüten?  So  er  doch  wol 
wüsse,  das  es  sich  mit  der  twiugherren  undertanen  in  landt- 
grichten  anderst  denn  mit  den  andren  verhalte,  wie  dann 
der  amman  im  das  wol  erllltteret  habe,  das  minen  herren  ein 
schand  were,  das  ein  pur  iren  schultheissen  leren  müßte.  u> 
Hinwider  der  schultheis  klagt,  er  hette  unlengest  erfaren, 
das  der  sekelmeister  im  ghaß  were,  und  er  im  nUt  rechts 
künte  tün,  und  das  all  sin  tün  und  lassen  by  im  nüt  dann 
gift  und  gallen  were.  Do  antwortet  der  sekelmeister:  Er  tete 
im  unrecht,  er  hette  weder  in  noch  einichen  menschen  nie  so 
ghasset,  aber  sin  unrüwige  art  und  natur,  so  von  jugendt  uff 
niiwe  ding  gsücht  und  alwegen  gesücht  sich  zü  erheben  mer 
dann  einem  gmeinen  burger  von  nöten  were  gsin.  Und  so 
er  nun  den  höchsten  Staffel  erlanget,  wölte  er  sich  der  har- 
gebrachteu  Verwaltung  wie  sine  vorfaren  nit  benügen,  sonder  *6 
uß  sinem  gfallen  alles  regieren.  Mit  der  wyß  bedürfte  man 
keines  ratsfründes  noch  rathuses  mer.  Der  schultheis,  so  er 
zü  Bern,  wie  etlich  sprechen,  Julius  Caesar  wil  sin,  mag  er’s 
in  sinem  huß  mit  dem  (inger  alles  regieren.  Als  aber  sich 
ein  grosser  zangk  erhüb,  und  der  schultheis  den  sekelmeister  au 
tröuwt,  er  müßt  im  sagen  mit  recht,  wer  im  züleite,  das  er 
zü  Bern  Julius  Ca:sar  werden  wölte,  antwortet  der  sekelmei- 
ster: Er  dürfte  siuen  nüt  z’verschoneu.  Er  wölt  im  einen  dar- 
(B1.97)  stellen,  der  wol  noch  spötlicher  weder  das  redte  Er  wolt 
wüssen  was?  und  wer?  sprach  der  sekelmeister:  Er  redt,  as 

34.  G.  Bl,  uoi_h  »pöttiger  über  diß  redte. 


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VI,  9.  Der  Amman  v.  Worb. 


171 


ir  sigind  der  tyrann  von  Bern.  Iez  wüssend  wer  er  ist,  und  [I 
das  weiß  ich  und  han  min  vorsager  Uch  gestellet;  gangend, 
nemmend  ine  iez  mit  recht  fllr,  oder  mich,  welchen  ir  wöl- 
lendt.  Als  der  schultheis  schwig  und  erstunet,  sprach  der 
5 sekelmeister  : Was  hend  min  herren  mit  unserem  zangk  zü 
schaffen  die  zyt  zü  verlieren?  Ich  gedacht  nechten,  wir 
möchtend  nit  uff  die  bottschaft,  so  uß  dem  landtgricht  kom- 
men, des  hüttigen  brichts  erwarten;  wir  müßtend  aber  in 
harnist.  Und  htlt  gedenkt  man  sin  nüt.  Warum  ferget  man 
w nit  nottürftigere  gscheft?  Do  fragt  in  der  schultheis,  er  sölte 
raten.  Do  sprach  der  sekelmeister:  Ir  wüssend  wol,  herr 
schultheis,  das  sich  dises  gebürt  hette,  öb  der  amman  haryn 
genommen  were,  so  werend  wir  iez  mit  allem  grech.  Mich 
wil  das  für  das  erst  dünken,  zü  erfaren  öb  das  landtgricht 
i*  und  in  was  gstalt  und  warumb  es  zusammen  komme?  Ob 
von  nöten  werd  sin,  etwas  zü  förchten  oder  fürsehen,  das 
man  sich  daruff  berate?  Ich  achten  wol,  er  werde  sagen, 
das  es  bescheche  von  des  glöufs  von  Worb  wegen;  so  gibt 
er  uns  darmit  anlaß  um  denselben  handel,  darumb  er  ouch 
bschikt  ward,  in  zü  fragen.  Und  wil  mins  teils  im  keinen  eid 
anmüten.  Er  wurd  in  ouch  nit  tön,  gebürt  uns  ouch  nit,  zü  dem 
das  es  ouch  nie  gebrucht  ist.  Dise  meinung  güel  minen  herren 
allen.  Und  als  der  amman  wider  ward  haryngelassen,  do  ent- 
schuldiget sich  der  schultheis,  das  er  im  den  eid  hat  gebotten : 

Er  were  erst  sit  osteren  an  dem  ampt  und  hette  der  dingen  vor 
nie  wargenommen.  Min  herren  aber  hettend  in  berichtet,  das  er, 
der  amman,  recht  hette  und  vertruwtend  im  vil  grössere  denn 
darumb  sy  in  bschikt  hettend  inen  underrichtung  zü  geben. 
Das  were  [daß]  inen  fürkommen  wie  sich  das  landgricht  uff 
so  künftigen  Sonntag  zü  Kleinen  Höchstetten  sölte  versanden ; so 
im  nun  sömlichs,  ouch  warumb,  nit  unwüssend  were,  diewyl  er 
der  nechsten  einer  were,  dem  min  herren  zum  basten  vertruwt, 
begerten  min  herren  an  in,  syen  der  warheit  zü  berichten. 

1.  Vor  „iez  wüssend“  müssen  einige  Worte,  die  diesen  „ Vorsager“  mit  Na- 
men nannten,  absichtlich  unterdrückt  worden  sein.  Die  Handschriften  bieten 
keine  Hülfe.  Ist  der  Bischof  gemeint?  oder  sonst  eine  unantastbare  geistliche 
oder  weltliche  Autorität?  11.  G.  raten  darum.  Bl.  darum  raten.  29.  G.  Bl. 
das  wäre  aber,  daß  inen  fürkomen.  30.  Bl.  zu  Großen  Höchst. 


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172 


VI,  10.  Sein  Bericht. 


[ifio]  [10]  Also  fieng  der  am  man  an:  Als  das  nachtglöuf  war 
vergangen  zü  Worb,  habe  er  arbeit  ankert  die  gesanten  zü 
erretten  und  habe  den  fryweibel  haryn  geferget ; und  als  er 
ein  wenig  gessen,  sig  er  angentz  gan  Signouw  zü  sinem  her- 
ren  geritten,  ine  desselbigen  handeis  zü  berichten.  Dann  er  s 
förchte,  so  er  sin  innen  werde  züvor,  wurde  er  undultig  über 
in,  ouch  unrüwig,  als  er  ouch  nüttedstminder  ward.  Und  uff 
morndrigen  tag  nach  dem  inorgenbrot  reit  der  herr  gan  Worb. 
Dann  er  vil  hat  zü  handlea  gehept  des  vorigen  tags  von 
mengerlei  tagsatzungen  wegen,  und  herr  Wilhelm,  sin  vetter,  « 
mit  im.  Und  als  sy  mit  den  frouwen  z’abend  essend,  kam 
(BL98)  der  weibel  von  Münsingen  und  begert  minen ; der  mir  saget, 
wie  der  amrnan  von  Münsingen  von  vilen  uß  den  kilchspilen 
Worb,  Münsingen  und  anderschwohar  gewamet  were,  das 
landtgricht  zü  versanden.  Darumb  sölt  ich  uff  sonntag  mit  n> 
vieren  uß  unserm  kilchspil  gan  Hochstetten  kommen,  daselbst 
wurdent  uß  allen  kilchspilen  landtlüt  sin,  und  das  were  für- 
nemlich  von  des  nachtloufs  wegen,  zü  Worb  vergangen;  wel- 
ches ich  minem  herren  anzeigt,  der  darab  erschrak  und  sprach 
zü  herr  Wilhelmen : Das  darf  wol  unrüw  bringen  in  allen  *> 
landtgrichten,  und  darf  man  mich  des  wol  verdenken,  als  üb 
ich 's  anghetzt  habe.  Ich  müß  lügen,  öb  ich’s  müg  erweren. 
Und  seit  zü  herr  Wilhelmen:  Ir  müssend  angentz  gan  Mün- 
singen zü  Hartman  von  Stein  und  im  anzeigen,  das  uß  diser 
versamlung  der  statt  von  Bern  nüt  rüwigs  noch  güts  möge  25 
entstan;  deßglychen  unseren  handel,  den  wir  gegen  Kistleren 
und  sinem  fryweibel  hend,  nüt  forderen,  sonders  uns  vil  mer 
wirt  hinderen.  Daun  vil  unserer  güten  fründen  ein  mißfallen 
umb  der  statt  willen  an  uns  wurdent  haben,  als  ob  wir  dise 
versamlung,  by  deren  es  one  zwyfel  nit  blyben  wirt,  habind  » 
angerichtet  und  wöllen  die  puren  ufrürisch  machen,  uns  zü 
rächen.  Und  bittendt  Hartman  umb  unser  aller,  ouch  mi- 
netwillen,  das  er  mit  sinem  amman  verschaffe  zü  gebieten, 


2.  G.  Bl.  zu  Worb  vergangen  wäre,  da  er  arb.  ank.  — erretten  und 
den  fryw.  — geferggot,  hab  er  ein  wenig  gessen  u.  angentz  — . 6.  7.  G. 

Bl.  uff  in.  33.  G.  Bl.  verschaffe,  ouch  den  andern,  sich  nit  hinufffügind. 


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VI,  10.  Sein  Bericht. 


173 


das  sich  niemant  hinuf  füge;  deßglychen  denen  von  Wich-  [/470] 
trach  entpietendt,  das  die  Versandung  abgstelt  werde,  wie 
ich  ouch  in  den  übrigen  kilchspilen  versorget  habe.  Dannet- 
hin so  rytend  gan  Dießbach  und  verseheud’s  by  üwerem  am- 
5 man,  ob  ieinants  schon  verordnet  were  von  der  kiJhchöri, 
das  es  still  blibe  oder  gewendt  werde.  Deßglychen  sölto  er 
nit  vergessen:  dem  amman  von  Signouw,  so  mit  minem  her- 
ren  gan  Worb  was  geritten,  hat  er  bevolchen  angcnts  gan 
Signouw  zü  ryten  und  es  daselbst  ouch  zü  versehen  oder  ab- 
10  züstellen,  und  underwegen  dem  amman  von  Höchstetten  in 
sinem,  ouch  junker  Hartmans  und  miner  frouwen  von  Wyssen- 
wegen  zü  gebieten  ouch  sömlichs  zü  tftu  und  kein  versamlung 
da  zü  gestatten,  und  so  by  dem  wirt  versorget  were  zü  ko- 
chen, das  es  wurde  gewendet.  Deßglychen  sölt  er  sich  hin- 
15  über  gan  Biglen  angents  zü  dem  amman  verfügen  und  dem- 
selben anzeigen,  das  sömliche  versamlung  wider  ein  statt 
von  Bern  were,  darumb  er’s  in  stille  halte  oder  abstelle. 

Und  hat  dem  amman  vou  Signouw  sincn  grossen  ring  mit 
dein  grünen  stein  an  den  von  Höchstetten  geben  zum  wort- 
so  Zeichen,  welichen  wir  sine  amptlüt  all  bkennend ; liatt  ouch 
demselben  bevolchen,  so  er’s  zü  Signouw  versehen,  das  er 
denn  angents  hinüber  gan  Rötenbach  ryten  solle  und  daselbst 
mit  beden  ainptlüten  reden,  wie  der  amman  von  Hochstetten 
zü  Biglen;  deßglychen  hat  er  einen  brief  gan  Torberg  dem 
r>  herrn  by  Lois  sinem  diener  geschikt,  das  sy  hinuf  gan  Wal- 
kringen schikindt,  und’s  by  iren  ainptlüten  daselbsten  ouch 
versehindt.  So  weißt  noch  zü  Worb  niemandt  nüt  von  diser  (£1,99) 
botschaft;  so  ist  ouch  und  wirt  niemants  by  uns  verordnet. 
Darumb  ich  genzlich  gloub,  das  mines  herren  auschlag  nach 
30  dise  versamluug  gebrochen  sige,  so  echter  junker  Hartman 
vom  Stein  zü  Münsingen,  Wichtrach  und  Wyl  solches  hat 
wöllen  abstellen,  wie  in  dann  min  lierr  durch  junker  Wil- 
helmen hat  bitten  lassen. 

Darnach  uß  miner  herren  gelieiß  ist  der  amman  gefra- 


11.  G.  j.  Hartmans  namen.  Bl.  m.  fr.  von  Wyßenwegen  namen. 
14  G.  dass  es  gewehrt  wurde. 


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174 


VI,  11.  Sein  Verhör. 


[/470]  get,  was  ursach  habe  demselben  nachtglöuf  geben?  Daruf 
der  ainman  geantwortet:  Das  möge  niemandt  baß  wüssen 
dann  mine  herren,  so  ire  diener  und  andere  hinus  gschikt, 
einen  zü  fahen,  warumb,  möge  er  nit  wüssen.  Wie  es  aber 
anfengklich  zugangen,  und  das  gschrei  sich  erhept,  wüssind  5 
ire  gesanten  allerbest  syen  zA  berichten. 

\1l\  Wyter  ward  gfragt:  wie  der  hiesse?  von  wannen 
er  were?  wie  lang  er  zü  Worb  gewonet  und  was  sin  hand- 
tierung  daselbst  were  gsin?  ob  er  vil  zum  wyn  und  gsellen 
gangen?  ouch  ussenfilr  in  andere  kilchspil  und  dörfer  und  io 
tavernen  gewandlet?  und  was  sin  wäsen  und  handlung  were 
gsin?  das  er  deß  min  herren  eigentlich  wölte  berichten. 
DarufT  der  amman  antwortet:  Wie  er  hiesse,  ouch  wannen 
er  were  oder  wie  lang  er  zü  Worb  gewonet,  wüsse  er  kein 
andren  bscheid  z’geben,  dann  uff  einen  tag,  als  er  für  sines  15 
vetteren  huß  gangen  mit  etlichen  anderen  puren,  do  hette  er 
in  gseeu  tröschen,  und,  als  in  düchte,  vast  unwatlich ; stünde 
er  still  und  spreche  zü  den  andren:  So  einer  einen  tröscher 
wölt  anstellen,  so  hette  er  wol  einen  funden,  der’s  baß  hette 
können  und  vermögen;  dann  mich  ducht,  er  fieng  an  alten.  a> 
Do  seitend  im  die  andren:  Ja,  er  ist  synes  wybs  etter.  Do 
fragt  er:  Von  wannen  ist  er?  Sy  sprachend:  Er  sol  von  Un- 
dersewen  sin  oder  von  Brienz  und  ist  kommen  sin  basen  zü 
besichtigen.  Doruf  antworte  er:  So  nemme  es  in  nit  mer 
wunder,  das  er  unwatlich  trösche,  dann  es  den  Oberlenderen,  « 
die  es  nit  bruchtind,  nit  anzümüten  were ; und  giengend  dar- 
mit  von  dannen.  Am  nechsten  frytag  darnach,  do  man  uß 
der  kilchen  gangen,  hette  er  in  gseen  uff  dem  kilchhofif  stan. 
Und  aber  nachvolgenden  frytags,  als  sy  im  wirtshuß  ein 
abendtürti  getan  und  abendts  für  das  wirtshuß  kommen,  habe  » 


11.  G.  n.  was  sines  Wesens  n.  siner  handlang  er  wäre  gsin,  deß  er  — 
wölte  berichten.  17.  G.  unwatlich,  u.  seyt  man,  er  wäre  von  Cntersewen 
od.  von  Brienz  komen  sin  basen  heimzusochen  ( Die  Worte : stünde  er  still  — 
von  wannen  ist  er?  sind  ausgelassen;  von  hier  an  folgt  nämlich  G.  der  ab- 
gekürzten Textrecension  von  H.,  wie  sie  in  der  Helv.  Sibl.  abgedruckt  ist  ) 
90.  Bl.  er  bynne  (?) 


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Vi,  11.  Sein  Verhör. 


175 


er  in  gseen  darvor  stan  by  sines  etters  nachpuren;  und  so  [/470] 
vil  sig  im  von  disem  menschen  kundt  und  nit  wyters,  und 
wüßte  nit  mer,  wenn  es  im  glich  an  er  und  leben  stünde, 
darvon  zü  sagen.  Und  als  er  streng  gefragt  ward,  6b  er  in 
s nüt  in  das  schloß  heig  sehen  gan  oder  zu  herr  Niclausen,  • 
und  mit  im  reden?  das  sülte  er  frölich  entdeken,  dann  es 
im  nüt  wurde  schaden,  müßte  in  gheim  blyben,  und  were 
schon  by  dem  eid  ein  helig  gebotten  zü  halten.  Antwortet  der(ül.loO) 
amman,  er  habe  in  weder  im  schloß  noch  by  herr  Niclausen 
io  nie  gseen  und  sige  doch,  wenn  er  zü  Worb  wone,  mer  umb 
in,  dann  kein  mensch,  ußgenommen  sin  ordenlich  hußgsind. 

Er  gloube  ouch,  das  es  nit  wol  müglich  sie  gsin  mit  herr 
Niclausen  red  zu  halten,  dann  das  er’s  het  müssen  gseen. 

Dann  diser  gsell  erst  nach  herr  Niclausen  hinryten  an  se 
is  (anders  wüßte  er  nit)  gan  Worb  were  kon;  so  were  herr 
Niclaus  nutamen  ein  nacht  und  einen  halben  tag  (als  er  ab 
dem  se  kon)  zü  Worb  gsin;  dann  er  gan  Signouw  müßte, 
umb  vil  treffenlicher  hcndlen  willen,  und  besonders  den  tot- 
schlag  zü  befriden;  und  hat  dest  fruyer  ab  dem  sc  gmüssen. 

2o  Darzwüschen  als  er  ab  dem  roß  gsessen  und  wider  daruf, 
sige  er  nie  von  im  kommen,  dann  so  er  z’nacht  in  sin  bett 
sye  gangen ; sige  ouch  morgens  by  sinem  ufstan,  wie  abends 
by  sinem  nidergang  gsin.  Harumb  er  frolichen  wüsse  zü  re- 
den, das  der  gsell  in  der  zyt  als  er  zü  Worb  gsin,  an  herr 
25  Niclausen  angsicht  nie  sye  kommen,  es  were  dann  in  der 
nacht,  als  er  den  herren  am  bett  gelassen,  beschehen,  das  er 
keins  wegs  gloube. 

[12]  Als  der  amman  uß  examiniert  und  abgeträtten 
war,  hat  der  schultheis  ein  groß  gespei  uß  deß  ammans  ant- 
so  wort  gemachet.  Seit  ouch,  er  hette  vorhin  wol  gwüßt,  das 
min  herren  durch  des  ammans  beschrybung  nüt  merers  wur- 
dent  wüssen  noch  ußrichten.  Dann  er  und  herr  Niclaus  we- 
rend  ein  lyb;  so  were  er  ouch  nit  haryn  kon  denn  mit  wüs- 
sen sines  herren,  welcher  in  wol  hette  können  leren  reden; 

85  und  es  möchte  dem  amman  glouben,  wer  da  wölte,  er  wölte 
aber  im  nüt  glouben.  Schmützt  grüsenlich  herr  Niclausen 


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176  VI)  12.  Die  entgegengesetzten  RnthsohliigeKistler’gn.Fränkli’s. 


[1470]  und  sprach : Er  wüßte  nit  was  den  Sachen  geholfen  were 
durch  verhörung  des  amuians.  Es  wurde  von  nöten  sin  zu 
ratschlagen  wie  man  der  statt  er  errette  und  schand  an  den 
bösen  puren  reche,  die  nun  der  statt  zwcn  schantlich  posscn 
. zügefügt  hottend;  und  das  es  an  den  grossen  rat  gebracht  s 
werde,  welche  ser  wundere,  das  es  noch  nie  von  ininen 
lierren  an  sy  kon  sige;  wurde  ouch  darby  von  nöten  sin  ein- 
mal einen  ratschlag  zü  tün,  wie  man  die  übelteter  und  ver- 
lümbdete  personell  uuder  unseren  hochgrichteu  auzügryffen 
oder  zü  fallen  tün  sölle,  domit  Schelmen  nit  iren  underselilouf  io 
lieigind,  und  ir,  min  lierren,  alwegen  unrüw  zü  entsitzen  ha- 
biudt.  Daruff  hieß  er  den  sekelmeister  raten.  Der  sprach: 
Er  möchte  wol  lyden,  diewyl  min  lierren  die  bürget'  so  be- 
ging werend  den  liandel  zü  vernemmen,  inen  alles  zü  ent- 
deken.  Wie  das  ouch  were  abgeraten,  sprach  er,  er  bäte  ia 
Gott,  das  es  von  rüwen  wegen  beschehe,  anschlüg  zü  tün, 
der  statt  Bern  er  zü  erretten  und  rechen,  und  wurde  vast 
(BLlOl)siu  meinuug  sin,  wie  er  nehermal  gseit,  das  man  liette  glial- 
ten  und  noch  hielte  was  wir  züvor  versprochen  zü  halten, 
das  on  alles  Zusagen  sunst  zü  halten  die  billigkeit  uff  im  zo 
trüge,  und  man  niemant  das  sin  nemme,  mengklichen  by 
gricht  und  recht  liessend  blyben.  Dann  hettend  wir  der  statt 
er  rychlich  errettet  und  wurdent  Schelmen  keinen  under- 
schlouf  han,  als  sy  ouch  by  minen  zyteu  in  (miner  üwer) 
[üwer,  miner]  herren  zaig  nie  gchept.  Und  mögend  ir  daun  45 
in  grossen  rüwen  sitzen.  So  wir  aber  wöltend  einen  liandel, 
da  wir  in  allen  rechten  müßtend  unrecht  gwünnen,  erst  mit 
grösserem  gwalt  verwirren,  fürwar,  fürwar  ich  förclit,  uns 
wurde  der  unrüwen  gnüg  dürfen  werden.  Man  spricht:  Gott 
ist  nit  ein  Peyger!  Des  amuians  halben  von  Worb,  han  ich  so 
gern  ghört  und  gloub,  das  er  die  warheit  geredt  habe.  Dann 
ich  in  fromm  und  warhaft  zü  allen  zyten  funden  han  und 


4.  Bl.  G.  schantliche  Sachen.  5.  Bl.  G.  mit  dem  grossen  rntk  be- 
Bchehe.  7.  Bl.  G.  an  si  gebracht  wäre.  15.  Bl.  abgeraten.  Sprach,  er  bäte 
Gott,  das  es  von  ruwen  wegen  beschäche,  anschlegen  halb«  ze  thnn,  der 
statt  — rächen.  25.  Bl.  in  üwer,  miner  hh.,  zarg.  30.  Bl.  Peyer, 


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VI,  12.  Die  entgegengesetzten  Rathschläge  Kistler’»  tu  Fränkli’s.  177 

sag,  das  sin  verhörung  der  statt  grossen  nutz  het  bracht.  [1470] 
Dann  er  uns  anzeigt  hat,  wie  fyn  wyßlich,  schnell  und  still, 
one  allen  der  statt  costen  herr  Niclaus  die  versamlung  des 
landtgrichts,  daruß  grosse  unrüw  und  costen  entstan  mögen, 

5 abgstelt  hat;  welichs  abstellen,  so  wir  darüber  gsessen  zü 
ratschlagen  — so  fyne  ratschleg  hend  wir  giert  in  8 oder  9 
monaten  geben  — hetten  wir  zü  grossem  costen  wol  dtrfen 
wider  erweken  grössere  unruw,  da  wir  von  Gottes  gnaden 
nun  sicher  sind  und  des  herren  Niclausen  hoch,  hoch  zü 
io  danken  hand;  und  gar  und  ganz  kein  schyn  hat  — dann 
sin  herrliche,  fromme,  wyse  gedechtnus  das  widerspil  lert 
denn  das  er  verdacht  söl  werden  — das  er  etwas  anschlags 
oder  wüssens  mit  disem  lekeren  ghept.  Und  was  hette  herr 
Niclaus  sinem  amman  können  hie  leren  reden,  da  doch  iren 
is  keiner  mocht  wüssen,  weß  sy  wurdent  gefragt  werden?  Vi- 
lichter  hend  sy  mögen  erdanken,  es  wurde  umb  der  an- 
gschlagnen  Versammlung  willen  des  landtgrichts  sin.  Denn 
herr  Niclaus  weißt,  das  ir  durch  sinen  amman  etwan  mer 
erfaren  und  vil  vornaher  vertruwet  hand.  Hette  er  im  dann 
» sin  flyssige  abstellung  bevolen  zü  sagen,  und  aber  wer  ein 
lugi  gsin,  ir  werend  der  warheit  in  wenig  tagen  wol  innen 
worden,  wie  ir  schon  disers  morgens  anderschwohar  sin 
kuntschaft  handt,  das  der  amman  die  warheit  geredt  hat. 
Darumb  an  ort  und  enden,  da  gricht  und  recht  soll  brucht 
35  werden,  gehörte  das  böß  gift,  der  nyd,  sich  hinwegk  zü  schüt- 
ten. Und  müß  fürwar  reden,  das  nit  erbar  ist  fromme,  er- 
liche und  wolverdiente  personen  also  verdachtlich  zü  machen. 

Ich  will  mines  teils  — ir  wullind  denn  den  amman  für  den 
grossen  rat  ouch  stellen,  und  das  gfiele  mir  ouch  — im  trüw- 
solich  danken  sinei  ghorsame  und  berichts  und  darby  ouch 
herren  Niclausen  in  üwerem  namen  durch  üwere  brief  treffen- 
lich  danken  siner  trüw,  wie  das  dann  min  herr  doctor  aller- 


8.  Bl,  die  wir.  16.  Bl.  gedenken.  24.  Bl.  an  orten,  da.  25.  Bl. 
läßt  sich  aus.  26.  Bl.  daß  es  nit  erb  ist.  30.  31.  Bl.  darby  von  fleh,  m. 
hh,,  herren  Niclausen  lassen  by  im,  doch  durch  üweren  brieff,  treffenlichen 
siner  trüwen  danken. 

Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  L \2 


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178  VI,  13.  Der  Handel  vor  R.  n.  Burger.  Kiitler  räth  zur  Gewalt 


[1470]  bast  weißt  zü  stellen,  und  für  den  amrnan  sin  zerung  beza- 
(BL102)len,  darzü  im  zwen  guldin  für  ein  vererung  verordnen.  Wie- 
wol  ich  weiß,  das  er’s  nach  sinem  bruch  nit  nemmen  wirt, 
so  bin  ich  als  tugenthaft  alwegen  und  erspar  es,  einen  hotten 
daruß  zü  bezalen,  und  hend  ir,  min  herren,  denocht  üwere  5 
erung  getan. 

Daruff  der  schultheis  sprach : Man  söllte  mit  der  gschrift 
still  stan  an  herr  Niclausen,  dann  er  nit  wüßte,  ob  minen 
herren  dem  grossen  rat  darmit  gedienet  wurde.  Ist  geraten, 
den  amman  nach  geheptem  rat  abzflfergen.  io 

[13]  Und  ist  der  schultheis  hinus  zü  unseren  herren 
gangen  und  hat  minen  gnedigen  herren  anzeigt,  wie  der  am- 
man von  Worb  were  verhört  und  gfragt  worden  erstlich  von 
der  Versammlung  deß  landtgrichts,  so  zü  Grossen  Höchstetten 
züsamen  solt  kommen,  deß  min  herren  gestrigen  abents  durch  15 
deß  fryweibels  kuntschaft  verstendiget  worden.  Der  hette 
inen  anzeigt,  das  sölche  versamlung,  als  er  eigentlich  hoffete, 
abgstelt  were;  wie  dann  deß  min  herren  hüttiges  morgens 
von  anderen  orten  versicheret  .werend.  Demnach  were  nach 
aller  notturft  gefragt  deß  verretterischen  Schelmen  halb  von  *> 
Haßli,  aber  umb  keinerlei  ding  wölte  er  ntit  wüssen.  Er 
hoffete  ouch  nit,  das  min  herren  durch  die  Worber  ützit  wur- 
dent  innen  werden;  dann  ein  wurmässigs  näst  da  were,  als 
er  vestenklich  gloubte,  von  houpt  biß  an  schwänz.  Und  so 
nützit  wyters  dißmals  zü  erfragen,  bedachte  in  nun  zü  rat- » 
schlagen,  wie  die  grosse  schmach  und  erverletzung,  so  einr 
statt  Bern  von  iren  undertanen  — das  sy  müssend  sin,  ob 
Gott  wil,  willig  oder  unwillig,  wie  ungern  herr  Niclaus 
und  andere  diß  bekanntend  — beschehen,  errettet  werde? 
Daby,  wie  iu  künftigem  sömlichem  unrat  und  ufrfir  möge » 
fürkon  werden?  Als  gefragt  ward,  hat  der  schultheis  den 
ersten  rat  geben  und  hat  den  handel  grüsenlich  erhitzget  über 
die  puren  und  herr  Niclausen  mit  vil  verdenkens,  byspilen 
und  exemplen,  wie  er’s  denn  wol  kan,  und  hat  anzeigt,  wenn 


12.  Bl.  gangen,  u.  min  hh.  die  kleinen  räth  mit  im  nach  dem  bruch. 


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.VI,  13.  Kistler’s  Rath. 


179 


sölcher  handel  nit  (nit)  schwer  gewägen  werde,  was  verach-  [/470] 
tung  einer  statt  Bern  darus  entstan  werde,  und  wie  die  puren 
das  wol  verdienet  hettend ; dann  es  nit  mtiglich  sige,  das  di- 
ser  schelm  sich  so  fer  herab  one  bescheidt  gelassen  habe; 
s der  zangk  hab  sich  ouch  an  dem  ort  aDgefangen  und  eben 
mit  irem  herren.  Was  anders  zü  gedenken,  dann  das  der 
gschwind  listig  keib  sin  herberg  gwüßt  hab;  und  wölle  die 
straffen,  das  alle  miner  herren  undertanen  ein  exempel  ab 
inen  söllind  nemmen,  oder  er  wölle  sich  fiirhin  ein  Berner 
iozü  nennen  beschämen.  Wie  aber  die  puren  zü  behendigen 
siendt,  ist  er  uff  sin  vordrigen  rat  kommen.  Wie  man  aber 
sömlich  empörung  oder  der  gefangnen  entschlittung  fürkom- 
men  möge,  hat  er  sich  lang  darob  gemüyet,  ist  doch  entlieh 
sin  meinung  gsin,  das  in  die  landtgricht  geschriben  wurde, 

15  den  schantlichen  handel  zü  Worb  mit  dem  verrätter  verlüffen, 
und  darby  wyter  inen  zü  sagen,  das  so  inen  min  herren, 
ouch  ire  herren  der  gfengknussen  halb  verheissen,  das  wöl-(B1.103) 
lind  min  herren  inen  trlilich  halten.  Aber  verlümbdete  per- 
sonen  und  Schelmen  belangend  sige  dozmalen  vergessen  wor- 
so  den  zü  erliiteren,  wie  wol  das  von  nöten  were  gsin  und  noch 
sye,  und  fürnemlich  inen  uff  dem  landt,  da  min  herren  in 
iren  hochgrichten  vil  versumnus  der  underherren  findint,  dar- 
durch  undcrschlouf  den  bösen  geben  werde.  Sölchem  zü  für- 
kommen habind  min  herren  angesehen,  an  welichen  orten  sy 
*5  die  hochgricht  hend  verlümbdet  oder  übeltätig  personen  ge- 
fengklich  anzünemmen  und  in  die  statt  oder  der  underher- 
ren gefengknussen  zü  fergen,  wie  das  aller  landen,  königen 
und  keiseren  recht  zügibt;  wöllind  ouch  hiemit  deu  nideren 
iren  gewalt  und  brach  nit  abgetan  haben,  sömlich  übeltättig 
»personen  zü  fahen  und  die  in  iren  gefengknussen  zü  enthal- 
ten, biß  sy  die  uns,  wie  sy  schuldig,  überantwortend.  Und 
domit  sy  mögindt  gespüren,  das  wir  des  lands  wolfart  allein 
süchindt,  gebend  wir  uß  kraft  unser  hohen  gerichten  |iuen, 
den  lantlüten  in  unsern  hohen  gerichten,]  one  wyteren  bevelch 


33.  Bl  inen  den  landlüten  in  unsern  hohen  gerichten  (diese  Worte 
find  durch  ein  llomoioteleuton  aus  dem  Text  gefallen). 


A 


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18(1  VI,  13.  Kistler'«  Rath. 

[1*70]  oder  on  unsere  oder  der  underherren  amptlüten  undertenig- 
keit  oder  gegenwürtigkeit  gewalt,  sampt  und  sonders  anzü- 
gryffen  und  haryn  in  die  stat  oder  in  der  underherren  ttlm 
zü  füren,  weliches  inen  gefellig  wirt  sin.  Harumb  er  Schult- 
heis inen  ouch  wil,  so  oft  sy  sömlichs  in  die  statt  bringend,  5 
ire  zerung  und  tawen  zalen.  Doch  darby  ouch  bevolchen,  so 
vil  müglich,  (minen)  [miner]  herren  ouch  der  underherren  diener 
und  undertanen  sömlich  personen  by  tag  behendigen,  und 
nit  nachts,  uff  das  mengklich  möge  gseen,  das  übel  und  böß 
ußzertlten  ein  herrschaft  allein  süche.  Er  wil  ouch,  das  in  io 
sömlichen  missiven  min  herren  sich  irer  dieneren  narty,  das 
sy  by  nacht  den  Schelmen  gesucht,  klagind,  und  das  es  inen 
nie  bevolen  gsin  sige.  Und  heigind  vermeint,  in  diser  Ord- 
nung sige  nieinant  nüt  beschehen.  Die  nideren  herren  habind 
sich  nüt  zü  klagen,  und  werdint  die  undertanen  vast  fro  sin.  u 
Zületst  sprach  er : Er  gloubte,  der  herr  bedörfte  baß  straffens 
denn  die  undertanen,  dann  in  welchem  hafen  der  Worbisch 
unrat  sich  hette  kochet,  könnte  ein  iegklicher  licht  sinnen. 
Er  wölte  es  aber  ufschlachen;  vilicht  wurde  sich  etwas  wy- 
ters  zütragen  mit  der  zyt;  so  wüßte  man  einem  dester  baß  w 
zu  messen. 

[14]  Als  der  sekelmeister  sines  rats  gefragt  ward,  do 
wuscht  er  sine  ougen,  dann  er  hat  geweinet,  und  hat  wol 
lang  an  im  gsehen,  das  er  kum  patienz  gehept,  und  bat  Gott 
nmb  hilf  und  gnad  und  sprach : Er  müßte  sin  herz  hüt  ent-  * 
schliessen,  wölte  er  echter  sinen  rat  wurde  am  jüngsten  tag, 


1.  Bl.  oder  one  unserer  nideren  amptlüten  gegenwürtigkeit  (unsere 
oder  der  Amtleute  der  Unterherren  (Twingherren)  Unterthänigkeit  ist  s.v. 
a.  das  Unterihanenoerhältniß,  in  welchem  ihr  sowohl  tu  uns,  als  zu  den 
Amtleuten  der  Twingherren  steht,  und  welches  hei  solchen  Anlässen  nicht 
berücksichtigt  zu  werden  braucht,  so  wenig  als  ihre  Gegenwart  dam  er- 
forderlich ist).  6.  Bl.  u.  tagwan  halten.  6.  Bl.  darby  und  mit  bev. 
7.  minen  (ist  wol  in  miner  zu  verbessern,  und  vorher  ergänze : dasz).  24.  Bl. 
im  angsehen.  26.  Bl.  einen  rat  geben  — mit  Auslassung  der  Worte : „am 
jüngsten  tag.“  (Der  Sinn  ist:  wollte  er  anders,  daß  seiner  am  jüngsten 
Tag  zum  Besten  gedacht  werde,  ff.  umschreibt:  wolt  er  acht  mit  einer 
guten  conscienz  am  jüngsten  tag  bestehen.) 


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VI,  14.  Fränkli’s  Antwort. 


181 


und  hiemit  min  herren  und  ein  statt  Bern  gewamet  han,  vor  [1470] 
den  sorgklichen,  verfürischen,  frefuen  und  ungrechten  ratschle- 
gen ires  schultheissen  sich  hüten  als  vor  einer  apotek,  darus(BU04 
nüt  dann  scharpfes  gift  verkouft  wirt.  Tfind  ir  das  nit,  so 
5 gseen  ich,  das  der  zorn  Gottes  uff  uns  ist,  das  Gott  het  dises 
mannes  wyßheit  in  alle  torheit  verkert  und  ine  darmit  ge- 
strafft und  wil  uns  mit  im  straffen.  Hat  doch  ie  ein  mann 
torechtere,  widerwertigere  und  ungerechtere  ratschleg,  bekannt- 
nussen,  urteil  von  einem  richter,  so  gricht  und  recht  verfüren 
io  sol,  ie  ghi’irt,  dann  üwer  Schultheis  htlt  hat  tan  ? Er  hat  iich, 
min  herren,  hie  gseit,  wie  er  und  wir  so  fro  gsin,  das  die 
versamlung,  so  im  landtgricht  vorhanden  war,  abgstelt  sige; 
und  ist  war.  Und  wil  aber  mit  sim  ratschlag  vil  ein  bösers 
erweken.  Denn  wo  die  puren  von  Worb,  was  ob  14  jaren, 
is  uß  sinem  gebott  nit  haryn  kommend,  als  sy  nit  kon  werdent  — 
daun  ir  inen  nüt  dann  zü  reiß  zü  gebieten  hendt,  sonst  ver- 
meinend sy,  wie  ouch  billich,  so  ir  ansprach  an  sy  habindt, 
so  sollind  ir  das  recht  brachen  — , die(wyl)  [wilj  er  mit  ge- 
wapneter  handt  in  der  kilchen  unversehenlich  am  dienst 
20  Gottes  überfallen  (were),  die  schlffli  von  böken  sünderen  und 
haryn  zum  jüngsten  gricht,  mein  ich,  oder  in  ewige  verdam- 
nuß,  ich  weiß  nit  zü  welichem  lüfel,  füren.  Ist  das  zü  der 
statt  und  landts  rüw  und  ufflouf  fürzekommen  geraten?  So 
doch  ja  von  eines  Schelmen  wegen  ein  ufflouf  und  unrüw 
25  entstanden,  und  wir  übel  entsessen  hendt;  was  meinend  ir, 
so  wir  alle  ynwoner  eines  grossen  dorfs  fahendt,  one  bekant- 
nus  des  rechten  ? so  durch  (alle)  [alles]  landtgricht,  ja  wol 
als  bald  in  den  andren  dryen  ouch,  gefründet  sind  ? Und  die 
wurdent  still  sitzen,  so  sy  nit  wend  gestatten,  das  ein  frömb- 
so  der,  und  den  man  Schelmen  werks  zücht,  haryn  gfengklich  ge- 
fürt  werde,  züvor  eb  es  mit  der  urteil  erkennt  sige?  Wirt 
nit  ein  ietlichs  dorf,  ja  ein  iede  person  in  den  landtgrichten 
gedenken,  diser  gwalt  wirt  züneclist  an  dir  ouch  syn?  Und 


5.  H.  dann  Gott.  14.  Bl.  14  jaren  nff.  18.  Bl.  die  will  er.  20.  Bl. 
läßt  were  mit  Hecht  aus. 


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182 


VI,  14.  Fränkli’s  Antwort 


[1410]  meinend  ir,  die  übrigen  werdint  still  sitzen  und  sich  diser 
vilen  nüt  beladen?  Das  wil  ich  uß  vorgenden  verlüffnen  Sa- 
chen und  erwegung  unsers  rechtens,  so  wir  in  den  landt- 
grichten  hend,  iedem  verstendigen  geben  zü  erwegen.  Das 
aber  mit  disem  gwaltigen  überfal  üwer  schultheis  wil  der  t 
statt  er  erretten,  wie  er  stets  das  also  nempt,  müß  man  ein 
wenig  erturen,  ob  unsere  statt  darmit  geret  werde?  Sy  sind 
in  possess  und  gewerdt,  und  nit  sy  allein,  die  landtgricht, 
wie  wir  sy  in  kurzen  jaren  genempt,  ouch  wir  hie  in  üwerer 
statt  und  allenthalben  in  üweren  gekouflen  und  bezwungnen» 
herrschaften,  niemant  sin  lyb  noch  güt  anzögryffen  one  vor- 
gend  recht.  Ir  hend’s  etwan  mit  gunst  und  willen  irer  her- 
ren  übergangen ; ir  trungend  ouch  ire  herren  zü  bekennen, 
(Bl.lü5)das  ir  an  inen  überfaren  habind,  und  versprachendt,  .das 
sömlichs  niemer  mer  bscheen  sölle.  Und  iez  uff  ein  nüws  so« 
wil  üwer  schultheis  inen  durch  Uwere  brief  und  sigel  das 
versprechen,  das  dieselbig  alte  verheissung  gehalten  soll  wer- 
den, wiewol  es  nüt  dann  ein  geferbte  lugi  ist.  Und  tüt  aber 
kreftigklich  darwider  mit  zweien  ratschlegen,  in  disem  deren 
von  Worb  überfal,  und  mit  der  ewigen  Ordnung,  do  er  üch» 
minen  herren  zübekennet  von  üwer  hochgrichten  wegen  gwalt 
zü  han,  alle  verlümbdete  und  übeltiUige  personen  one  vor- 
gende  urteil  oder  recht  wider  iren  bruch,  so  sy  mit  üch  ge- 
übt, syder  sy  üch  ire  hochgricht  übergeben,  zü  fahen  und 
anzüfallen.  Meinend  ir  nit,  das  ire  herren  und  sy  könnind*5 
ermessen,  das  üwere  güte  wort  und  geschritten  ouch  züsa- 
gung  üweren  werken  gar  züwider  sigindt?  Was  werdent  sy 
sagen,  deßglychen  üwere  nachpuren  und  ouch  die  so  wyt 
gesessen,  so  sy  sömliche  wyse  Sachen  von  üch  ghörendt? 
Sy  werdent  sprechen : Die  Berner  haltendt  kein  gelübdt  noch  * 
brief  noch  sigel;  und  sagend  grad  die  warheit.  Dann  vor 
einem  gemeinen  richter  könnte  es  one  not  erzeigt  werden. 
Als  es  nun  uff  die  9 monate  hie  gangen  ist,  ich  meine,  das 


13.  Bl.  das  ir  tr.  14.  Bl.  das  fehlt  vor  ir.  28.  Bl.  wyt  von  üch. 
81.  Bl.  sigel,  u.  über  wen  sy  denn  mögend,  tringend  sy  von  gericht  and 
recht,  u.  sagend  hiemit. 


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VI,  14.  Fränkli's  Antwort. 


183 


sige  der  statt  er  herrlich  errettet!  Mich  nimpt  nit  mer  wun-  [1470] 
der,  warumb  er  dise  litt  alle  lachen  und  haryn  luren  welle, 
und  was  er  mit  inen  tün  welle?  Ja,  spricht  er,  sy  hend  den 
Schelmen  von  Haßli  by  inen  ufenthalten.  Das  ist  noch  nit 
5 fündig  worden,  ob  er  glych  etlich  tag  da  gwonet  hat.  Mei- 
nend ir  nit,  wenn  er  ein  basen  oder  schwüster  hie  in  der 
statt  ghept,  so  in  beherberget  hette,  ob  er  nit  hie  lang  hette 
mögen  sin,  das  in  nicmant  bkennt  hette?  Ich  weiß,  das  in 
kein  Berner  bkennt  hette,  und  ich  selber  nit,  den  ich  im  landt 
10  und  darnach  usserthalb  gesehen.  Also  zü  Worb  mag  in  sin 
Schwester  oder  basen  nit  allein  vilicht  nie  bkennt,  sonder 
ouch  nie  von  im  ghört  hau  reden.  Spricht  der  schultheis: 
das  wil  ich  erkunden  an  inen.  Wie?  wenn  sy  „nein“  spre- 
chend, und  | nitj  anred  sind?  So  gloub  ich,  sy  werdint  dem 
is  henker  müssen  bychten,  und  wirt  der  vatter  den  son  und  der 
son  den  vatter,  und  eiu  brüder  den  andren  zum  schelmen 
müssen  machen,  es  sige  denn  war  oder  nit.  Zü  dem  minsten 
ist  nit  müglich,  das  des  schelmen  handlung,  alte  oder  nüwe 
(ist  echter  etwas,  das  ich  nit  gloub),  inen  allen  wüssend  sige. 

20  Und  wil  aber  der  schultheis  sy  all  Iahen  und  keinen  under- 
scheidt  machen.  Ist  das  nit  fyn  nach  form  deß  rechtens  ge- 
handlet?  Nit  milglich  kan  es  syn,  were  joch  etwar,  so  gern 
mit  im  gsin,  das  sy  all  schuldig  werend ; denn  es  nit  heim- 
lich hette  mögen  blyben.  Aber  wol  ist  es  müglich,  das  iren 
25  keiner  in  bkennt  heige  noch  von  sineren  hendlen  gewußt : 
doch  wil  ich  das  huß  ußnemmcn,  da  er  sich  enthalten  hat.(B1.106) 
Denocht  wyl  unverscheidenlich  üwer  schultheis,  der  grecht 
richter,  sy  allsammen  binden,  fahen  und  gloub  ouch  töden 
oder  doch  zum  minsten  marteren;  er  dürfte  iren  nüt  hie  in- 


1.  Bl.  eerlichen.  1.  Bl.  nimpt  nur  wunder  ( wenn  nit  mer  die  rich- 
tige Lesart  ist,  so  fehlt  als  vor  warumb).  10.  Bl.  allso  zu  Worb,  on 
vilicht  das  hus,  daryn  er  by  syner  schwöster  oder  basen  gsyn,  bedörff  ich 
ein  hüpsches  wetten,  daß  sy  inn  nit  allein  nit  kennt,  ouch  nie  von  im  ghört 
hattend  reden  (d.  i.  sie  haben  in  Worb  vielleicht  wol  gewußt,  wo  er  sich 
aufhielt,  allein  ohne  nähere  Kunde  von  seiner  Person).  14.  Bl.  u.  nit  an- 
red (geständig)  sind.  22.  Bl.  etwar,  der  es  gern  mit  im  ghept  29.  Bl.  er 
bedörffte  iren  sonst  nützit  hie  innen. 


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184 


Yl,  14.  Fränkli’s  Antwort. 


[/470]  nen.  Er  mannt  mich  ganz  an  wylandt  herren  Rüdolf  Hof- 
meisteren, welcher  kümerlich  wolt  zülassen  einen  mit  der 
marter  zü  fragen;  sprach  alwegen,  das  es  sicherer  und  göt- 
licher  were  10  Schelmen  barmherzigkeit  zü  bcwysen,  denn 
einen  unschuldigen  zü  verletzen  an  lyb  oder  an  eren.  Ir  hend  5 
ganz  ein  simlichen  schultheissen!  Ir  wüßt,  das  er  spricht: 
Die  tat  ist  hie,  das  sy  den  Schelmen  entschüttet  hend,  miner 
herren  botten  schier  gar  umbgebracht:  so  mfiß  ich  zum  er- 
sten fragen  wie  vor,  öb  sy  hierin  ouch  gesünderet  heigind? 
diewyl  am  tag  ist,  das  nit  der  dritt  teil  der  Worberen  hend  io 
an  tlwere  diener  hand  angelegt.  So  hend  iren  vil  mit  dem 
amman  und  kilchherren  trüwlich  den  üweren  gescheiden  und 
sy  errettet,  der  amman  die  üweren,  ouch  sinen  fyendt  den 
fryweibel,  heimgfürt,  gspyßt  und  trenkt,  ein  roßbar  lan  ma- 
chen und  in  mit  sinen  rossen  und  knechten  har  in  die  statt  e> 
geferget  an  schärer.  Und  die  söno  duch  für  Caiphas  und  Pi- 
lati gricht  gefürt  werden?  Und  hat  darzü  den  Schelmen  nie- 
mants  entschüttet.  Dann  syin  nie  gseen  noch  ergriffen  hend; 
sonder  do  sy  iren  burs-  oder  dorfman  sampt  sinem  knecht 
in  hembderen  gebunden  gseen,  hend  sy  vermeint,  fromme» 
bekannte  nachpuren  wider  röuber,  dieben,  mörder  zü  ent- 
schütten,  wie  dise  ouch  nachts  ungwarnet,  verkleidet  sy  über 
fallen  hendt.  Und  wer  kan ’s  inen  zü  lag  leggen  ? Dann  wann 
ich  undertanen  hette,  so  sich  in  einem  nächtlichen  überfal 
nit  dörften  weren  und  einanderen  entschütten,  die  wurd  ich  « 
nit  grosses  werds  schetzen.  Dann  wo  gricht  und  recht  ist, 
als  es  in  unserer  zarg  noch  brucht  wirt  von  Gottes  gnaden, 
leider  besser  denn  hie  by  üch,  so  gebürt  niemants  uff  söliche 
wyß  zü  handlen,  und  insonders  denen,  so  obere  wend  sin; 
und  man  hette  mengs  mittel  ghan,  da  er  ußgespecht  war,  so 
(ynher)  [in  har]  tags  und  frommer  gestalt  on  alle  unrüw  zü 
bringen.  Und  wiewol  er  entrunnen  were,  und  üwere  diener 


9.  Bl.  gsündet  hatten.  1L  Bl.  angelegt,  ja,  alles  verlüffen,  das  noch 
etlich  in  iren  betten  gelegen  synd?  19.  Bl.  iren  bnrger.  20.  Bl.  läßt  „in 
hemderon“  atu.  21.  Bl.  dieben,  brönner,  mörder.  31.  Bl.  inne  har.  32.  Bl. 
u.  wiewol  entrannen  o.  üw.  d. 


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VI,  14.  Fränkli's  Antwort. 


185 


übel  gschlagen,  — wölte  Gott,  das  die,  so  disen  unrat  erdich-  [/470] 
tet,  für  sy  da  werend  gsin  — so  wil  ich  mines  teils  mit  herr 
R Adolf  Hofmeisteren  das  sicherer  und  frömmer  an  die  hand 
nemmen  und  unser  statt  und  landt,  ouch  uns,  uit  verwirren, 

5 sonders  ernstlich  bitten,  das  uns  nit  sonst  hierus  on  unser(BU07) 
sAchen  unrAw  entstände,  und  niemants  lassen  dardurch  süchen 
und  haryn  füren.  Dann  ich  hierin  niemants  finden,  so  billi- 
cher  gstraft  söllte  werden  denn  die,  so  disers  nachtbutzenwerk, 
so  nit  zA  schimpf  und  fröuden,  erdacht  hendt,  weliches  doch 
w in  grossen  stetten  zA  zyten  by  der  nacht  verbotten  wirt.  — 
Dannethin  mit  der  Ordnung,  die  verlümbdeten  und  übeltäti- 
gen personen  in  üweren  hochgrichten  zA  fahen,  domit  sich 
Uwer  schultheis  treffenlich  bemüyt,  üch  des  glimpf  zA  schöp- 
fen uß  den  keiserlichen  rechten,  deren  er  vil  gläsen  und 
isgstudiert  hat  in  der  fleischschal,  wie  ich  in  miner  Werkstatt 
ob  den  alten  beizen,  und  wil  die  puren  verblenden,  das  sy 
sich  hierwider  nüt  setzen  söllind,  mit  hüpschen  Worten  und 
zAsagungen,  und  darby  inen  ouch  gwalt  gen,  das  ein  ieder 
möge  die  fahen  und  anfallen  und  haryn  in  die  statt  füren, 

20  und  seit  inen  darumb  Ion  zA  — diß  ist  sin  alte  gygen,  etwas 
ansprach  zA  sAchen,  das  er  den  geschlechten  möge  einen  yn- 
griff  tAn  in  ire  herrschaften.  Hette  mich  ouch  wunder  gnon, 
so  von  dem  Worbischen  nachtglöuf  gehandlet  wurde,  wenn 
nit  etwas  seltzams  gebracht  wurde.  Wir  hend  hüt  und  gestern 
25  stets  disputiert  uflöuf  und  unrAw  fürzAkommen  und  wüssend, 
das  keine  in  diser  statt  gsiu  ist,  dann  umb  des  fahens  und 
fürens  willen  in  die  statt.  Ob  joch  etlich  der  nechsten  puren 
etwan  unwillig  gsin  üch  zA  füren,  die  landtgricht  sich  gewid- 
riget  sich  lassen  tillen,  so  syend  sy  doch  allwegen  by  lan- 
30  gern  durch  hilf  irer  herren  und  ouch  der  prelaten  überlistet 
worden  und  das  best  tan.  Aber  des  fahens  halb  hend  sy  zA 
allen  zyten  über  üch  und  ire  herren  ungestümigklich  ge- 
schrüwen  und  warend  nüt  zA  begütigen.  So  wüssend  ir  all 
wol  die  form  derselbigen  zA  fahen,  begichtigen,  überantworten» 


15.  Bl.  von  der  fl.  20.  Bl.  damit  Ion,  24.  Bl.  etw.  sömliches.  34.  Bl. 
zu  fachen,  fragen,  berechtigen. 


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186 


VI,  14.  Fränkli’s  Antwort. 


[wo]  zö  richten;  und  der  übel t Heren  hab  und  göts  halb  nit  not 
zö  melden,  wie  das  mit  den  herren,  so  üch  die  hochgricht 
übergeben,  von  derselben  zyt  gebrucht  ist.  Ich  acht,  so  es 
wurde  not  tön,  söllte  man  dessen  gschrift  finden  by  üch  zö 
beiden  syten,  wiewol  ich’s  nit  weiß;  denn  by  minen  zyten  5 • 
kein  gspan  ist  gsin;  man  hat  sich  zö  beiden  syten  deß  bru- 
ches  gehalten ; es  sige  denn  gschrift  drumb  oder  nit,  so  sind 
wir  zö  beiden  teilen  disers  bruchs  und  Übung  in  gewerdt 
(B1.108)und  possess,  von  deren  ich  niemants  tringcn  wil  mit  der 
hilf  Gottes;  wil  niemants  das  sin  helfen  nemtnen,  ouch  nit  10 
undankbar  sin,  welches  laster,  als  die  gierten  sprechen,  Got 
und  die  mcnschen  ob  allen  hassendt.  Ire  vorderen  hend  üch. 
ire  hochgricht  gen  und  on  zwyfel  ußbescheiden  und  gedinget, 
wie  man  sömlichs  gegen  einandren  ein  lange  zyt  nun  gebrucht 
hat;  und  ir  woltend  inen  nun  das  Uberig  darzö  nemmen.  « 
Und  so  wir  glych  glimpf,  den  ich  aber  nienen  gsee,  darzö 
möehtend  finden,  noch  wölt  ich  solches  mit  der  gfar,  daryn 
wir  uns  stekend,  nit  begeren.  Meinend  ir  nit,  wie  ich  hüt 
mer  gredt,  die  herren  würdint  den  puren  üweren  wol  gferb- 
ten  brief  meisterlich  können  entferben?  Ja,  nüt  hettend  irso 
wider  die  herren  können  fürnemmen,  darin  inen  die  puren 
wider  üch  lieber  zöstöndint,  denn  in  disem  artikel.  Das  wer- 
dent  ir  erfaren,  volgend  ir  üwerem  schultheissen.  Ich  gloub, 
das  under  allen  Stuken,  so  ir  diß  jars  wider  die  herren  für- 
gnon  von  iren  herrschaften  ze  ryssen,  sy  keins  minder  wer-» 
dint  dulden  denn  eben  disers;  denn  es  gar  nach  zö  nichti- 
gung  aller  irer  herrschafteil  dienet.  Sy  bedürfen  irer  starken 
türmen  nüt  mer,  noch  so  viler  amptlüten;  und,  so  in  diser 
Ordnung  das  hüpschest  und  billichest  ist,  so  lert  man  inen 
ire  gehorsamen  undertanen  unghorsam  machen,  das  011  allen  » 
bevelch  ire  amptlüt  mögind  fahen  und  in  d’statt  füren.  Ist 

4.  Bl.  finden  by  üch  oder  den  herren;  weiß  doch  nit,  denn  darum 
by  mynen  zyten  nie  kein  span  gayn  ist.  20.  Bl.  entferben,  wenn  sy  joch 
denselben  nit  könnend  verstan.  24.  Bl.  so  ir  diß  jars  vermeynend  den  her- 
ren von  iren  herrschafften  geryssen  [zu]  haben.  26,  Bl.  denn  eben  disers, 
u.  daran  u.  (dar)  ob  werden  vester  halten,  denn  es  vil  nach.  31.  Bl.  und 
amptlüt. 


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VI,  14.  Fränkli's  Antwort. 


187 


das  nit  ein  wyser  und  billicher  ratschlag?  Ja  es  ist  uß  Lu-  [tfio] 
cifers  rathuß  harkon.  Was  finen  yugangs  möchte  zü  künfti- 
gen zyten  zü  aller  unghorsamen  nit  allein  den  herren  sonder 
ouch  üch  mit  discm  gwalt  entstan,  ja  ouch  roub,  mordt  und 
salle  gweltigung,  das  wölte  ich  one  not,  wenn  es  die  zit 
litte,  erzeigen.  Also  kann  nyd  und  gyt  einen  wysen  mann 
verblenden ! Wenn  dise  beide  stuk  nit  in  üwerem  schultheis- 
sen  regierten,  so  hette  er  disen  sorgklichen,  ungrechten 
gwalt  gwüßlich  nit  geraten;  und  so  das  ein  anderer  hette 
1°  geraten,  hette  er’s  wol  können  ufläsen ; wer  ouch  verstendig 
gnüg,  das  er  wüßte,  wohin  es  mit  der  zyt  möchte  langen. 

Daun  ich  bekennen  müß,  han  es  ouch  zü  mengem  Berner 
geredt:  Wenn  gewandlet  were  und  alle  zyt  einen  selbs  war- 
genommen  hette,  wer  er  were,  von  wannen,  was  sin  stat  und 
is  vermögen  were,  und  nit  so  trefflich  gütgytig  gsin  wer,  so 
hette  er  den  prys  an  wyßheit  und  wolredenheit  vor  allen 
Bemeren.  Aber  die  mengi  bringt  in  ouch  in  nyd  und  haß.(BU09) 
Dann  er  sich  nit  vernügt,  das  er  in  kleinen  rat  gesetzt  ward, 
da  sin  vatter  kein  hoffnung  mer  von  im  hat;  do  hat  er  er- 
»o  dacht,  das  er  an  des  von  Speichingen  statt  venner  wardt; 
do  ist  kein  rüw  gsin,  biß  er  in  stfil  kerne.  Dorurnb  het  er 
müssen  erdenken,  wie  er  noch  all  tag  dahin  dichtet,  wie  er 
die  herrlichen,  dapferen  menner  unwillig  machte,  das  sy  die 
statt  verliessend  und  sy  dussen  behielte,  domit  er  uß  disem 
*5  stül  nit  verrukt  wurde,  und  wir  in  mit  unserer  unrüw  und 
der  statt  grossen  costen  und  sorg,  wie  ich  nun  mermalen 
under  ougen  geklagt,  (sin  grossen)  [in  grossem]  pracht,  den  er  . 
baß  könnte  öugen  denn  die  vier  schultheissen  so  da  ussen  sind, 
[erhaltind],  Ir  gseend  iemer  wol,  alle  die  herrschaftrecht,  so  er 
ao  den  gescblechten  abzücht  in  der  statt  namen,  wo  es  also  — 

7 

1.  Bl.  billicher,  gerechter  ratscht.  2.  Bl.  ratb.  wol  ein  fryerer  gangen. 

9.  Bl.  geraten,  den  pnren  zuzestellen.  15.  Bl.  nit  er-  n.  gutgytig  so  treffen- 
lich  gewäsen.  17.  Bl.  U.  die  mängel  bringent  ( scheint  die  richtigere  Lesart. 

Die  Mängel  sind  die  oben  gerügten,  daß  er  nicht  gewandelt,  d.h.  gereist  sei, 
also  Mangel  an  Welterfahrung,  an  Selbsterkenntniß  und  Bescheidenheit,  ver- 
bunden mit  Geldgier:  diese  Mängel  bringen  ihn  in  — erregen  bei  ihm  Neid 
und  Haß.  27.  Bl.  H in  grossem  pracht.  29.  Bl.  H.  erhaltind. 


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Berner  Chronik  1424—1470 


von 

Bendicht  Tsehachtlan 

nebst  den  Zusätzen  des 


I>iebold  Schilling. 


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Vorwort. 


(Vgl.  den  Aufsatz  „die  Chronik  von  Tschachtlan“  im  Archiv  des  histor. 

Vereins  des  Cant.  Bern,  B.  VI,  S.  627  ff.) 

Die  Chronik,  welche  der  Venner  Bendicht  Tschachtlan  mit 
Beihülfe  Heinrich  Titlingers  gegen  Ende  des  XV.  Jahrhunderts 
verfaßt  nnd  mit  Bildern  illustrirt  hat,  umfaßt  die  Geschichte 
Berns  von  seiner  Gründung  an  (1191)  bis  1470.  Zum  Abdruck 
eignet  sich  aber  davon  nur  derjenige  Theil,  der  sich  als  Fort- 
setzung an  die  Justinger’sche  Chronik  anschließt,  d.  h.  der 
mit  dem  Jahr  1423  beginnende  Zeitraum;  denn  was  dem 
vorangeht,  ist  blos  eine  Ueberarbeitung  Justingers,  und  was 
Tschachtlan  von  sich  aus  beigefügt  oder  mit  andern,  meist 
verdeutlichenden,  Worten  ausgedrückt  hat,  ist  unter  dem  Text 
der  neuesten  Ausgabe  Justingers  (Bern  1871)  mit  der  Chiffre  T 
bereits  publizirt.  Allein  auch  in  der  nun  folgenden  Periode 
von  1424 — 1470,  die  zum  größeren  Theil  vom  alten  Zürich- 
krieg handelt  (1436  - 1446),  hat  Tschachtlan  nicht  ausschließ- 
lich bemische  Geschichtsquellen  benutzt,  sondern  sich  für 
die  Geschichte  jenes  Kriegs  damit  begnügt,  die  ostschwei- 
zerische Chronik  des  Hans  Fründ  ')  einfach  auszu- 
schreiben und  in  Auszug  zu  bringen,  und  zwar,  nach  dama- 
liger Sitte,  ohne  seinen  Gewährsmann  mit  Namen  anzuführen. 

')  Bevor  die  Veröffentlichung  derselben  darüber  entschieden  hatte,  war 
die  schweizerische  Geschichtsforschung  über  ihren  Verfasser  zweifelhaft,  nnd 
bedeutende  Autoritäten,  unter  andern  schon  H.  Bullinger,  schrieben  sie  dem 
Ulrich  Wagner  von  Schwyz  zu.  Vgl.  Arch.  des  hist.  Ver.  des  Canton 
Bern,  VI,  635  f. 


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192 


Vorwort. 


Wie  vieles  Wichtige  und  Bern  zunächst  Betreffende  aus  die- 
ser Zeit  in  einheimischen  Quellen,  in  Rathsprotokollen,  Rap- 
porten der  im  Felde  stehenden  bernischen  Kriegsobersten, 
Privatbriefen  u.  dgl.  zu  finden  und  zu  berichten  gewesen  wäre, 
ersehen  wir  aus  verschiedenen  in  Frickarts  Twingherrenstreit 
gelegentlich  eingestreuten  Andeutungen1)  und  aus  den  von 
Löhner  im  Schweizer.  Geschichtsf.  VI,  S.  321  f.  VIII,  S.  110  ff. 
aus  dem  Thunerarchiv  mitgetheilten  Berichten  und  Correspon- 
denzen. Die  Chronik  von  Hans  Früud  ist  im  vorigen  Jahr 
(1875)  im  Auftrag  der  allgemeinen  geschichtsforschenden  Ge- 
sellschaft der  Schweiz  zum  erstenmale  von  Herrn  Cantous- 
archivar  Kind  in  Chur  herausgegeben  worden,  und  was 
Tschachtlan  am  Wortlaute  seines  Originals  verändert  oder  in 
seltenen  Fällen- beigefügt  hat,  ist  unter  dem  Texte  als  ab- 
weichende Lesart  bemerkt  Auslassungen  finden  sich  indessen 
häufiger,  als  Zusätze;  denn  in  einer  Geschichte  Berns,  die 
sich  Tschachtlan  zum  Vorwurf  gemacht  hatte,  konnte  natür- 
lich der  Zürichkrieg  nur  als  Episode  und  daher  nicht  in  der 
Ausführlichkeit  beschrieben  werden,  in  der  ihn  Fründ  dar- 
gestellt hatte;  daher  gibt  er  mehr  einen  Auszug  aus  letzterem, 
unterdrückt  einige  für  Bern  nachtheilige  Bemerkungen  und 
ändert  oder  läßt  alle  Stellen  aus,  in  welchen  Fründ  in  eige- 
ner Person  von  sich  spricht,  um  so  die  Einheit  des  Werkes 
und  seines  Verfassers  möglichst  zu  wahren.  Es  war  das  da- 
mals allgemeiner  Brauch  unter  den  Historikern,  und  luzer- 
nische  und  freiburgische  Chronisten  verfuhren  mit  den  Chro- 
niken Justingers  und  Schillings  nicht  anders.  Ihre  Werke 
galten  als  Gemeingut  und  der  Vorwurf  eines  Plagiats  war 
damals  imbekannt. 

Sehen  wir  nun  von  denjenigen  ab,  was  Tschachtlan  von 
seinen  Vorgängern,  Justinger  und  Fründ,  entlehnt  hat,  so 
bleibt  als  zur  Publication  geeignet  von  seiner  Chronik  nur  so 
viel  übrig,  als  er  aus  eigenen  Mitteln  an  historischem  Stoff 
gesammelt  und  zusammengestellt  hat  und  wofür  er  bei  dem 
Mangel  an  anderweitigen  gleichzeitigen  Aufzeichnungen  als 


‘)  S.  oben  S.  75,  137,  145,  164. 


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Vorwort. 


193 


Quellenschrift  dienen  kann.  Es  ist  dies  derjenige  Theil  sei- 
nes Werkes,  den  er  als  Fortsetzung  der  „statt  chroneck“ 
(Justingers)  und  als  Darstellung  dessen,  was  er  „in  gloub- 
samer  geschritTt  zusamengelesen,  ouch  zum  teil  selber  gelebt 
und  etlichs  gesehen  hat“,  mit  einer  besondern  Vorrede  ein- 
führt und  worin  er  1)  einige  Bern  betreffende  Begebenheiten 
aus  den  Jahren  1423 — 1440,  vermuthlich  aus  flüchtigen  No- 
tizen des  damaligen  Stadtschreibers,  Heinrich  von  Speichingen, 
oder  seiner  Kanzleigehülfen  geschöpft,  mittheilt,  und  dann,  im 
Anschluß  an  den  der  Fründ’schen  Chronik  entlehnten  alten 
Zürichkrieg,  2)  den  Krieg  Berns  mit  Freiburg  (1448  — 53)  er- 
zählt, 3)  den  Ueberfall  Rheinfeldens  (1448),  4)  Bern’s  Hülfe- 
zug  nach  Savoi  (1454),  5)  den  Zug  in’s  Hegöuw  (1456),  6)  den 
Constanzerzug  (1458),  7)  den  Algöuwerzug  und  den  nach  Dies- 
senhofen  (1460)  nebst  einigen  bernischen  Ereignissen  aus  den 
Jahren  1461 — 66.  In  das  Jahr  1466  fällt  der  Abschluß  des 
25jährigen  Bündnisses  zwischen  Mülhausen  und  den  Städten 
Bern  und  Solothurn,  und  daran  knüpft  nun  Tschachtlan  8)  den 
Krieg  der  Eidgenossenschaft  mit  der  Herrschaft  Oesterreich 
(1467  und  68),  nämlich  den  Zug  nach  Mülhausen  (15.  Mai  1468), 
den  Zug  in’s  Sundgau  (21.  Juni)  und  den  Zug  nach  Waldshut 
(25.  Juli).  Den  Schluß  macht  9)  eine  Schilderung  des  Twing- 
herrenstreits,  die  uns  eine  erwünschte  Ergänzung  zu  der 
Schrift  Th.  Frickarts  liefert;  doch  ohne  diese  letztere  würde 
uns  dieser  Streit  nie  in  seiner  tieferen,  staatsrechtlichen  Be- 
deutung klar  geworden,  sondern  lediglich  als  ein  hartnäckiges 
Behaupten  standesrechtlicher  Privilegien  in  äußerlichen  Din- 
gen, in  Putz  und  Kleidertracht,  von  Seite  des  Adels  gegen- 
über der  aufstrebenden  Bürgerschaft  erschienen  sein.  Die  uns 
von  Frickart  aufgezeichneten  Verhandlungen  der  beiden  Räthe 
zeigen  uns  den  Venner1)  Tschachtlan  in  diesem  Streite  je- 
weilen auf  Seite  des  Führers  der  conservativen  Minderheit, 
des  Seckeimeisters  Fränkli  (S.  oben,  S.  33,  56  , 61,  156). 


*)  Venner  war  er  »eit  1469  und  blieb  es  bis  1473;  in  den  großen  Bath 
trat  er  1452,  in  den  kleinen  1458  nnd  wieder  1465,  nachdem  er  inzwischen 
die  Vogtei  Bnrgdorf  verwaltet  hatte.  Sein  Tod  erfolgte  1493. 

V£ueUeu  zur  ScUweizcr-GeacUichte.  1«  13 


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104 


Vorwort. 


In  seiner  Chronik,  wo  er  einfach  Geschehenes  berichtet  ohne 
sich  ein  Urtheil  darüber  zu  erlauben,  fand  sich  keine  Gelegen- 
heit, seine  politische  Ueberzengung,  etwa  durch  eingestreute 
Reflexionen;  hervortreten  zu  lassen;  und  da  wo  sich,  wie 
etwa  im  Twiugherrenstreit,  eine  Gelegenheit  dazu  darbot, 
beobachtet  er  über  das  Wesentliche  des  Streits  ein  diploma- 
tisches Stillschweigen.  Wie  ganz  anders  Th.  Frickart!  Und 
doch  hat  Tschachtlan  nicht  etwa,  wie  einst  Justinger,  im  Auf- 
trag und  unter  Controlle  seiner  Obrigkeit  sein  Buch  geschrie- 
ben ; es  ist  eine  Privatarbeit,  die  sein  und  seines  Mitarbeiters 
Titlinger  Eigenthum  blieb,  über  welches  sie  testamentarisch 
verfügten.  In  einem  der  in  Zürich  befindlichen  Original- 
handschrift voigesetzten,  von  einer  andern,  aber  gleichzeitigen 
Hand  geschriebenen  Blatt ')  steht  nämlich  die  Notiz : wand 
nun  diese  croneck  also  geschriben  und  gemalet  ist  durch  die 
obgenanten  zwen  man,  so  haben  si  sich  des  geeinbert,  das 
sölich  ir  buch  und  croneke  ira  beider  wesen  und  beliben  sol, 
diewil  so  si  beid  in  leben  sind;  wenn  aber  wäre,  das  ir 
einer  von  todes  wegen  abgan  wurd,  das  Gott  lang  wenden 
welle,  denne  so  sol  dem  lebenden  dis  cronik  beliben  und  sin 
in  erbes  wise  als  sin  frei  eigen  one  hindernusse  allermenck- 
lichen.“ 

Worin  der  Antheil  Titlingers  an  der  Abfassung  des  Buchs 
bestand,  ist  aus  den  dem  Angeführten  vorangehenden  Worten 
nicht  ganz  deutlich.  Sie  lauten:  „In  dem  jar  als  man  zalt 
von  der  gebürt  Christi  1470  jar,  wart  dise  croneck  geschriben 
und  gemalet  durch  den  fromen  Bendicht  Tschachtlan,  fenner 
und  des  rats  zu  Bern,  ouch  durch  Heinrich  Titlinger,  schriber 
des  buchs“  u.  s.  w.  Der  Ausdruck  „schriber  des  buchs“  be- 
zeichnet nicht  nothwendig  den  Verfasser,  so  daß  etwa  Tschacht- 
lan nur  die  Bilder  gemalt,  Titlinger  den  Text  verfaßt  hätte, 
zumal  die  Anfangsworte  die  Chronik  als  von  Venner  Tschacht- 
lan „geschriben  und  gemalet“  bezeichnen;  vielmehr  hat  es 
den  Anschein,  dem  Titlinger  komme  nur  das  Verdienst  einer 
Reinschrift  des  Conceptes  zu.  Wenn  daher  die  Tradition  die 


*)  Es  folgt  unten  am  Schluß  der  Chronik. 


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Vorwort. 


195 


Chronik  nur  unter  dem  Namen  Tschachtlans  kennt,  so  dürfte 
diese  Benennung  nicht  blos  der  höheren  Würde  des  Venners 
zu  verdanken  sein.1)  Nach  dem  Tode  der  beiden  Verfasser 
kam  das  Buch  durch  Heirath  der  einzigen  Tochter  Tschacht- 
lans zuerst  in  die  Familie  Stockar  nach  Schaffhausen,  und 
von  da  nach  Zürich  in  die  Familie  Ziegler,  von  der  es  auf 
die  Zürcherische  Stadtbibliothek  geschenkt  wurde.  Die  Hand- 
schrift bildet  einen  schön  auf  Papier  geschriebenen,  mit  bun- 
ten Bildern  verzierten  Quartband  und  trägt  die  Nummer  A 120. 
Da  dieselbe  nicht  wol  aus  ihrem  dermaligen  Aufbewahrungs- 
orte entfernt  werden  konnte,  so  diente  zu  Herstellung  gegen- 
wärtiger Ausgabe  der  Text  einer  ebendaselbst  vorhandenen, 
sehr  sauber  und  correkt  verfaßten  Abschrift  aus  dem  17.  oder 
18.  Jahrhundert  (A  76),  die  zu  diesem  Behuf  Hr.  Professor 
Dr.  Georg  v.  Wyß  mit  dem  Original  zu  vergleichen  und  zu 
verbessern  die  große  Gefälligkeit  hatte.  Zum  Ueberfluß  ist 
noch  eine  mit  zum  Theil  verblaßter  Dinte  geschriebene,  durch 
Auslassungen  und  Mißschreibungen  vielfach  entstellte  Copie 
verglichen  worden,  die  sich  unter  der  falschen  Aufschrift 
„Justingers  Chronik“  auf  der  Berner  Stadtbibliothek  befindet 
(H  X,  34)  und  über  welche  das  Nähere  im  Archiv  des  histo- 
rischen Vereins  des  Cantons  Bern  IV,  4,  S.  61  nachzu- 
sehen ist.1) 

Der  offizielle  Charakter,  welcher  der  Chronik  Tschacht- 
lans abgeht,  kommt  dagegen  in  vollem  Maße  seinem  gleich- 
zeitigen Ueberarbeiter  und  Fortsetzer,  dem  Gerichtschreiber 
Diebold  Schilling,  zu,  dessen  dreibändige,  in  Folio  auf 


'}  Von  älteren  heroischen  Geschichtsforschern  wnrde  Tschachtlan  auch 
als  Verfasser  eines  heroischen  Zeitregisters  von  1451 — 1477  angeführt, 
eine  Meinung,  welche  von  F e t s c h e r i n im  X.  B.  des  Archivs  für  schwei- 
serische  Geschichtsforschung  8.  3 ff.  mit  einer  so  umständlichen  Gründlichkeit 
widerlegt  worden  ist,  daß  man  sich  wundern  muß,  dieselbe  in  dem  „Prodro- 
mus einer  schweizerischen  Historiographie“  (Bern,  1874)  8. 167  wieder  auf- 
gefrischt zu  finden,  zumal  S.  148  des  Richtige  bereits  gesagt  worden  war. 
>)  Merkwürdigerweise  steht  darin  ein  Blatt,  welches  im  Original  selbst  ab- 
handen gekommen  ist  und  daher  auch  in  der  Zürcherabschrift  fehlt;  man 
vgl.  in  letzterer  die  Bemerkung  auf  S.  309. 


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196 


Vorwort. 


Pergament  geschriebene,  mit  „me  denn  600  köstlicher  figuren“ 
ausgestattete  Chronik  „uff  s.  Stephanstag  zu  wienechten,  da 
man  zalt  von  der  gebürt  Christi  1484  jar“,1)  von  dem  Ver- 
fasser seiner  Obrigkeit  zum  Geschenk  gemacht  und  von  dieser, 
nach  Beseitigung  der  bisherigen  Stadtchronik  Justingers  an- 
erkannt und  dem  Staatsarchiv  einverleibt  wurde.  Von  da 
kam  sie  dann  um  die  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  in  die 
Handschriftensammlung  der  öffentlichen  Bibliothek,  wo  sie 
(H  I,  1)  sich  gegenwärtig  noch  befindet. 

Schilling  hat  seiner  Stadtgeschichte  fllr  die  Jahre  1191 — 1470 
die  Arbeiten  seiner  Vorgänger,  Justinger  und  Tschachtlan,  zu 
Grunde  gelegt  und  namentlich  den  letzteren  bedeutend  abge- 
kürzt. Er  führt  dann  die  Geschichte  seiner  eigenen  Zeit  fort 
bis  1480,  und  hat  sich  durch  Schilderung  der  Burgunderkriege, 
an  welchen  er  persönlich  Theil  genommen,  ein  besonderes 
Verdienst  erworben.  Die  zwei  ersten  Bände  seines  Wer- 
kes, welche  die  Geschichte  der  Stadt  bis  auf  das  Jahr  1466, 
bis  zu  dem  Kapitel:  „Als  Frutigen,  das  schön  dorf,  verbrann“, 
herabführen,  sind  von  den  beiden  bernischen  Geschichtsfor- 
schern Em.  Stier lin  und  J.  R.  Wyß  unter  den  Titeln 
Justingers  Berner-Chronik  und  Tschachtlans  Berner-Chronik 
(Bern,  1819  und  1820)  herausgegeben  worden.  Der  dritte 
Band,  welcher  den  Rest  der  von  Schilling  überarbeiteten 
Tschachtlan’schen  Chronik  (bis  1470)  und  dann  seine  Fort- 
setzung derselben  bis  1480  enthält,  ist  bereits  1743  in  einer 
Folioausgabe  mit  dem  Titel:  „Diebold  Schillings  Beschreibung 
der  Burgundischen  Kriege“  anonym  zu  Bern  gedruckt  worden. 
Mit  Ausnahme  einiger  orthographischen  Neuerungen  schließt 
sich  der  Text  dieser  Ausgabe  ziemlich  genau  dem  Original 
an;  nur  sind  die  sechs  Kapitel,  die  im  Anfang  stehen  sollten, 
durch  einen  argen  Verstoß  des  Setzers  erst  S.  12 — 17  abge- 
druckt und  der  Text  zu  der  Aufschrift:  „das  Züllissen,  das 
schön  schloß“  u.  s.  w.  (auf  S.  12)  folgt  erst  am  Fuß  von  S.  17. 

Das  in  sachlicher  oder  sprachlicher  Beziehung  Bemerkens- 
werthe  der  Schilling’schen  Ueberarbeitung  seiner  beiden  Vor- 


*)  S.  Haller,  Schweizer,  ßiblioth.  IV,  8.  312. 


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Vorwort. 


197 


gänger,  Justinger  und  Tschachtlan,  ist  mit  der  Sigle  Sch.  in 
den  Varianten  der  neuesten  Ausgaben  Justingers  und  Fründs, 
des  letzteren,  so  weit  es  den  Bericht  über  den  alten  Zürich- 
krieg betrifft,  unter  dem  Texte  hervorgehoben  worden  und 
kann  überdies  in  den  Ausgaben  von  Stierlin  und  Wyß  in 
seinem  Contexte  nachgesehen  werden.  Den  Uebelstand,  daß 
Tschachtlan  eine  ostschweizerische,  Bern  und  seine  Interessen 
nicht  vorzugsweise  berücksichtigende  Chronik  in  seine  ber- 
nische  Stadtgeschichte  verwebt  hat,  sucht  Schilling  dadurch 
zu  verdecken,  daß  er  überall,  wo  von  den  Eidgenossen  die 
Rede  ist,  dafür  setzt:  „die  von  Bern  und  die  andern  Eidge- 
nossen.“ Auch  fügt  er  hin  und  wieder  in  der  Weise  Justin- 
gers Reflexionen  und  Nutzanwendungen  bei;  allein  wesentliche 
Ergänzungen  oder  Verbesserungen  seiner  beiden  Vorgänger 
enthalten  die  zwei  ersten  Bände  seiner  Chronik  nicht.  Anders 
verhält  es  sich  in  dem  dritten  Bande  mit  demjenigen  Theile 
der  Tschachtlan’schen  Chronik,  der  in  der  Ausgabe  von  Stier- 
lin und  Wyß  nicht  mit  abgedruckt  worden  ist.  Je  mehr 
sich  nämlich  die  Zeiten,  welche  Tschachtlan  beschreibt,  dem 
7.  und  8.  Dezennium,  d.  h.  derjenigen  Epoche  nähern,  in  wel- 
cher Schilling  in  bernische  Staatsdienste  trat1)  und  daselbst 
Burger  wurde,  um  so  zahlreicher  und  ergiebiger  werden  seine 
Zusätze  zu  den  oft  etwas  kargen  Berichten  Tschachtlans; 
und  weil  er  die  von  ihm  mit  erlebten  Begebenheiten  der 
Jahre  1467 — 70,  den  Mülhauser-  und  Waldshuter-Zug  nebst 
dem  Twingherrenstreit  mit  ‘größerer  Selbstständigkeit  be- 
arbeitet und  die  Tschachtlan’sche  Relation  wesentlich  erwei- 
tert hat,  so  scheint  er  diesen  Theil  des  Werkes  in  Verbin- 
dung mit  seiner  Geschichte  der  burgundischen  Kriege  als 
seine  eigene  Arbeit  betrachtet  zu  haben  und  setzte  deshalb 
seinem  dritten  Bande  eine  besondere  Vorrede  vor. 

Bei  dieser  Sachlage  war  es  nicht  wohl  möglich,  in  gegen- 
wärtiger Ausgabe  dem  Texte  Tschachtlans  aus  den  Parallel- 
abschnitten Schillings  überall  nur  einzelne  Varianten  unterzu- 
setzen ; der  Abweichungen  und  Erweiterungen,  die  nicht  selten 


•)  Etwa  seit  1450;  1468  wurde  er  Mitglied  des  Gr.  Raths. 


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198 


Vorwort. 


ganze  Kapitel  ausmachen,  waren  zu  viele.  So  wurde  lieber 
gleich  der  fortlaufende  Text  aus  Schilling  dem  kürzer  gehal- 
tenen Tschachtlan’schen  beigesetzt,  damit  die  Vergleichung 
zwischen  beiden  um  so  leichter  werde. 

Wenn  nun  so  alles,  worin  Schilling  von  seinen  Vorgän- 
gern abweicht  oder  was  er  vor  ihnen  voraus  hat,  in  den  Les- 
arten der  Ausgaben  Justingers,  Fründs  und  Tschachtlans  ent- 
halten ist,  so  wird  sich  in  einer  allfällig  späteren  Publication 
seiner  Burgunderkriege  der  Herausgeber  auf  Mittheilung  dessen 
beschränken  können,  was  Schilling  als  Fortsetzer  Tschacht- 
lans geleistet  hat  und  was  seine  unbestritten  selbstständige 
Arbeit  ist. 


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Durch  des  willen,  das  allermenklich  zu  ewigen  zitten  in- 
gedenk und  offenbar  sy,  was  redlicher  und  manlicher  tat  und 
wie  die  löblich  statt  Bern  und  die  würdigen  Eidgnossenschaft 
ir  Sachen  dahar  biß  uff  dise  zyt,  als  diß  buch  geschriben 
5 ist,  gebracht  und  gefürl  hand,  und  all  Berner  zu  ewigen  zy- 
ten  nach  alten  vergangenen  Sachen  sich  wüssen  in  allen  Sa- 
chen dester  wyslicher  ze  halten,  so  han  ich  etlich  vergangen  . 
Sachen,  so  beschechen  sind  in  diser  statt  Bern  und  ouch  zum 
teil  in  der  Eidgnossschaft  von  diser  jarzal  hin  als  denn  der 
i®  statt  chroneck  von  Bern  erwunden  ist  untz  uff  dis  zyt,  als 
ich  das  denn  in  gloubsamer  geschrillt  zusainengelesen  han, 
ouch  zum  teil  selber  gelebt  und  etlichs  gesechen  han,  in  ge- 
schril't  gesetzt  und  ingeschriben,  so  ich  best  könnt,  als  man 
das  hienach  in  disem  buch  findet.  Und  ward  diß  buch  us- 
is  geschriben  in  dem  jar,  als  man  zalt  tusend  vierhundert  und 
sibenzig  (1470)  jar.  Gott  helf  dem  schriber!  M7 o 


1.  Wie  Grassburg  und  das  land  Schwarzenburg  und  Guggis- 
perg  in  der  von  Bern  band  komen  ißt. 

In  dem  jar  als  man  zalt  tusend  vierhundert  und  vier  und  [1423] 
20  zwenzig  jar1)  kam  die  veste  Grassburg  und  das  land  Schwarzen- 
burg und  Guggisperg  in  der  von  Bern  hand,  und  kouften  es 
von  einem  herm  von  Safoi  umb  achttusend  rynisch  guldin. 

2.  Das  kung  Friderich,  Römischer  kung,  gan  Bern  kam, 

Da  man  zalt  tusend  vierhundert  und  zwei  unddrissigjarkam  1432 
25  kungFridrich,  Römischer  kung,  geboren  von  Oestrich,  gan  Bern,  [W4*] 
am  sechsten  tag  des  anderen  herpstmanodes  an  einem  sontag.1)  [Oct.i] 

')  Soll  heißen  1423,  s.  Becueil  diplomat.  du  Canton  de  Fribourg  VH,  141 : 
Convenit  avec Berne  au  sujet  de  Urasb.iySept.  1423.  ’) S.  FründsChron.S.  109 , 


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200 


Freibnrgerkrieg. 


3.  Das  zwen  jung  herren  von  Savoi  gan  Bern  kamen. 

1438  Da  inan  zalt  tusend  vierhundert  und  acht  und  drissig  jar 
kamen  zwen  jung  herren  von  Savoi  gan  Bern  und  danketen 
minen  herren,  das  man  inen  hilf  zugeseit  hat  wider  die  Schint- 

ter  oder  Schnaggen,  die  inen  in  das  land  gezogen  warend,  5 • 

das  man  da  nempt  Burg  in  Bress;  und  kostet  das  min  herren 
von  Bern  by  achthundert  guldin.  Denn  si  schanktend  inen 
und  allem  irem  volk  was  si  hie  verzartend  untz  an  den  drit- 
ten tag. 

4.  Ein  sterbett  zu  Bern.  « 

1439  Als  man  zalt  tusend  vierhundert  drissig  und  nUn  jar 
vieng  es  zu  Bern  an  sterben  zu  ingendem  ougsten,  und  starb 
man  fast  untz  wider  wienacht;  und  sturbend  eins  tags  zum 
grössten  vier  und  zwentzig  liehen.  Man  meint  ouch,  das 
über  eilf  hundert  menschen  des  sterbettz  stur  bin  ze  Bern  in  w 
der  statt 

5.  Das  der  b&pst,  ein  herr  von  Safoi,  zu  Bern  inritt, 

1440  An  dem  achtzechenden  tag  brachmanodes  do  man  zalt 

Jun.is  tusend  vierhundert  und  vierzig  jar  kam  der  alt  herr  von 

Safoi  gan  Bern,  als  er  gan  Basel  wolt  und  bapst  worden » 
was.  Do  reitt  er  zu  Bern  in  mit  grosser  herrschaft. 

(£"*  folgen  nun  beiläufig  270  Kapitel,  die  lediglich  eine  abgekürzte 
Reprodurtion  von  Fründt  Chronik  vom  alten  Zürichkrieg  ent- 
halten. Da  toi'r  di u Originaltcerk,  dat  Tschachtlan  zum  Grunde  gelegt 
hat,  selbst  noch  besitzen,  so  wäre  ein  Abdruck  dieses  Theils  der  Tschaclu-  » 
Ionischen  Chronik  ebenso  nutzlos,  als  wenn  wir  die  erste  Hälfte  seines 
Werkes,  in  welcher  der  Test  Justingers  auf  ähnliche  Weise  wieder- 
holt und  überarbeitet  ist,  wieder  abdrucken  wollten.  Die  bemerkens- 
werthesten  Zusätze  und  sonstigen  Abweichungen  Tschachtlans  von  dem 
Teste  jener  beiden  Chroniken  sind  in  den  Ausgaben  dieser  letzteren » 
jeweilen  unter  dem  Texte  beigefügt.) 


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Freibnrgerkrieg. 


201 


6.  Von  dem  schnee  im  mertzen. 

Do  man  zalt  tusend  vierhundert  und  acht  und  d rissig 
jar  am  zwölften  tag  irn  mertzen,  do  viel  ein  grosser  schnee, 
grösser  denn  er  des  winters  ie  was  gevallen,  und  ward  kalt, 
5 und  wärt  untz  am  nünzehenten  tag  im  mertzen,  das  war  si- 
ben  tag  dass  der  snee  lag.  Do  kam  ein  grosser  regen  und 
wind  und  trib  den  schnee  glich  ab,  und  ward  das  wasser  gross; 
und  gieng  unden  in  der  Gerwer  graben  ein  löwina  an  und 
trug  bynach  zwei  hüser  hinweg  und  der  ringkmur  ein  ort 
und  gieng  hinab  in  die  Ar.  Darnach  kam  desselben  jares 
ein  grosse  thilre  ze  körn  und  ze  wyn;  denn  man  musst  ge- 
ben umb  ein  mlltt  dinkel  zween  guldin  und  umb  ein  miitt 
kernen  acht  pfund,  und  umb  ein  mütt  haber  galt  2 pfund, 
und  ein  mUtt  roggen  7 pfund,  und  galt  ein  mass  wyn  zween 
is  plappert.  Das  wärt  ein  jar. 

7.  Der  anfang  des  Friburgerkriegs. 

In  dem  jar  do  man  zalt  von  Gottes  gebürt  tusend  vier- 
hundert acht  und  vierzig  jar  was  der  krieg  zwtischen  horzog 
Ludwig  von  Safoi,  dess  vater  zu  der  zyt  bapst  was,  und  der 
*>  statt  Friburg  im  Oechtland,  und  warend  die  von  Bei  n des 
hertzogen  belfere.  Und  was  die  sach  also  zugangen. 

An  dem  ersten:  Vormalen  vor  etwas  jaren  hat  der  hertzog 
von  Oestrich  oder  die  sinen  dem  kämmerling  des  hertzogen 
von  Safoi  etwas  gelts  genomen,  wol  uf  vierthuseng  guldin 
25  oder  mer;  das  wolt  der  hertzog  von  Safoi  an  der  statt  Fri- 
burg bekomen,  und  understund  inen  das  ira  ze  pfenden,  und 
verhall  inen  all  ir  gute  das  si  zu  Genf  hattend  und  an  andern 
enden  under  im,  und  was  die  iren  flirtend  durch  sin  land, 
das  verhaft  man  inen  und  nam  inen  das,  sover  das  si  den 
30  genamsten  hertzogen  mantend  ir  vereinung,  so  si  zewamen 

Schilling.  13.  achthalb. 


9.  Die  Zürcher-  und  Bernerabschrift:  by  nacht. 


1438 

Märs 

12 


1448 


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Freiburgerkrieg. 


202 


[1445  hattend,  inen  das  ir  ze  kerende.  Und  namend  sich  die  von 
Oct.  si  Bern  an  darunder  ze  redende  und  ze  tädingen,  und  schufend 
' ^ mit  dem  hertzogen  von  Saldi,  das  inen  das  ir  entschlagen 
Vrib.  und  zu  guter  mass  widerkert  wartt. 


Nu  macht  sich  zu  derselben  zyt,  das  die  von  Zürich  und  5 
von  Schwytz  einen  krieg  miteinandern  hattend,  und  hattend 
sich  die  von  Zürich  zu  dem  hertzogen  von  Oestrich  verbun- 
den, nach  dem  und  denn  hievor  im  Zürichkrieg  geschriben 
stat,  und  ein  herrschaft  von  Oestrich  den  Delphin  in  das  land 
bracht;  und  sobald  man  das  vernam,  das  das  Welsch  volk  w 
also  zu  land  körnen  solt,  do  mantend  die  von  Bern  die  von 
Friburg,  ir  mitburger,  das  si  inen  hilflich  sin  sölten  wider 
die  Welschen  herren  nach  ir  bünden  sag.  Des  wollen  die 
von  Friburg  nit  tun  und  meinten,  si  sölten  es  nit  tun,  wand 
es  wäre  wider  ir  herren  von  Oestrich.  Darumb  wurden  inen  15 
die  von  Bern  ungünstig,  und  was  der  erst  Unwillen  zwüschent 
inen.  Also  hattend  nun  die  von  Friburg  soldner  von  Wallis 
in  ir  statt,  die  trugen  alle  pfauwenfedern  lange  in  ir  hüten, 
und  ander  die  in  ir  statt  warend:  das  verdross  aber  ein  teil 
lüt  zu  Bern  von  der  herrschaft  wegen,  und  meinten,  si  her-  a® 
schelotin. 


t446  Und  in  dem  jar  da  man  zalt  tusend  vierhundert  und 
Mai  3 secj)sundvierzig  jar  ze  ingendem  meyen  an  des  helgen  crützes 
aben,  als  man  gan  Friburg  uf  den  jarmärit  gefaren  was,  da 
kamen  suß  gesellen  ouch  dar,  und  mit  denen  der  nachrichter 
von  Bern ; also  viengend  si  neiswas  geverdes  undereinandern  an, 
sover  das  die  von  Friburg  den  henker  von  Bern  todt  schlu- 
gen, und  wundtent  etlich  ander  ouch ; doch  so  seit  man  vast, 
es  beschäche  darumb,  das  der  henker  von  Bern  die  60  man 
von  Griflensee  enthouptet  hat ; denn  si  schruen : hie  Griffen-  »> 
see!  Do  ward  der  nyd  und  der  Unwille  noch  vil  grösser 
zwüschen  beiden  stetten. 


Schilling.  13.  Das  — überein  nit  tun.  19. 20.  die  von  Bern 
und  ander  ir  eidgenossen.  20.  si  schmektend  nach  der  herr- 
schaft. 26.  miteinandren.  27.  mit  kleinem  rechten  ze  tod  schl. 


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Freiburgerkrieg. 


203 


Ouch  hat  sich  gemacht,  das  ein  span  was  zwüschen  Ru- 
dolph von  Ringoltingen  und  Hentzman  Velgen  von  Loysen, 
Peterman  Ritschen  seligen  tochter  von  der  ehe  wegen,  da 
Rudolph  von  Ringoltingen  meint,  si  hätte  sineui  sun  Hein- 
s riehen  am  ersten  die  ehe  verheissen,  und  aber  Hentzman 
Velg  meinte,  si  hätten  im  die  ehe  verheissen,  und  wöllte  in 
ouch  haben.  Dess  nam  sich  herr  Wilhelm  Velg,  ritter,  an, 
von  sines  bruders  Hentzman  wegen,  und  ander  sin  fründ. 
Und  als  si  zu  beiden  siten  und  in  beiden  stetten  wol  ge- 
io  frünt  waren,  stunden  inen  ire  fründ  zu  beiden  siten  by,  und 
leitend  sich  die  von  Basel  darin,  von  Solotern  und  ander 
eidgnossen , und  wurdend  darumb  vil  tagen  geleistt  ze 
Bern  mit  grossen  kosten,  ze  Friburg,  ze  Soloturn  und  an- 
derswo, das  man  die  Sachen  gerne  zu  gutem  gebracht  hette.  / 
is  Das  mocht  inen  nit  gelangen.  Zum  letsten  kamen  beid  teil 
ze  recht  für  das  concilium  ze  Basel  und  unserem  heligen 
vater  dem  bapst,  und  tädingetend  da  mer  denn  zwei  jar,  und 
gieng  grosser  kost  darüber  und  kamend  beid  teil  tür.  Am 
letzten,  da  urthel,  vil  kost,  müy  und  arbeit  über  die  Sachen 
*o  gangen  warend,  do  gieng  die  tochter  in  ein  beschlossen 
kloster  zu  Basel  an  den  Steinnen.  Und  als  nun  Rudolph  von 
Ringoltingen  die  alte  Ritschin,  der  tochter  mutter,  hat  und 
si  sin  ehelich  wyb  was,  do  für  er  zu  und  kouft  der  tochter 
gut  von  der  tochter,  und  von  den  frouwen  an  den  Steinen 
ss  umb  sibenzehn  hundert  guldin.  Als  nun  das  herren  Rudol- 
phen von  Wipingen  fürkam,  der  der  tochter  nächster  vater- 
mag was,  do  für  er  zu  und  kouft  das  gut  von  der  tochter 
und  den  frouwen  an  den  Steinen  umb  drytusend  guldin. 
Und  also  wolt  ietweder  teil  das  gut  haben,  und  tädingetend 
ao  lang  darumb  und  gieng  aber  grosser  kost  darüber.  Als  nun 
beid  teil  in  beiden  stetten  wol  gefründt  warend  und  die  inen 
vast  bystundend  mit  iren  anhängern,  das  macht,  das  der  Un- 
willen, nyd  und  hass  aber  noch  grösser  war,  und  ouch  von 
worten  wegen,  die  si  gegen  einandem  bruchten,  dardurch  alles 


Schilling.  6.  hätte.  19.  da  ieglicher  teil  vermeint,  ihm 
werde  die  brut.  33. 34.  und  gar  vil  unnützer  Worten  gebrucht. 


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204 


Freiburgerkrieß. 


beid  stett  zu  grossem  Unwillen  kament  und  einandren  ir  bünden 
ermanten  etc.  Und  als  die  genampten  stett,  Basel,  Solotum 
und  Biel,  sich  in  den  Sachen  arbeiten  und  dess  grossen  ko- 
sten hatten,  das  si  die  beiden  stetten  gern  gütlich  betragen 
und  den  Unwillen  hingeleit  und  ouch  die  spane  von  der  ehe  5 
wegen,  das  mocht  inen  nit  gelangen. 

8.  Wie  es  sich  machet  biss  an  den  krieg. 

Und  als  nun  der  herzog  von  Oestrich  und  die  von  Zü- 
rich mit  denen  von  Schwytz  einen  grossen  tötlichen  krieg 
hattend,  als  vorstat,  do  wurdend  die  Sachen  zum  lesten  in  10 
ein  recht  betildinget  und  zu  richtung  uf  den  durchlüchtenden 
herzog  Ludwig,  pfalzgraf  by  Rin,  als  ouch  vorstat.  Und  do 
mocht  die  sach  nit  gesetzt  werden  noch  zu  richtung  komen 
des  herzogen  von  Oestrich  halb,  der  unwill,  so  zwüschen 
beiden  stetten  Bern  und  Friburg  was,  wurde  denn  ouch  hin  u 
und  abgetan.  Des  gewaltes  wolten  sich  die  boten  von  Bern 
uf  den  tag  zu  Costenz  nit  annemen  untz  für  ir  herren.  Also 
schikte  der  genambt  unser  herr  der  pfalzgraf  sine  treflfen- 
liche  botschaft,  mit  namen  den  von  Thalheim  und  andere 
mit  der  von  Strassburg,  Basel  und  gemeiner  Eidgenossen  bo-  a> 
ten  haruf  gan  Bern,  die  Sachen  an  si  ze  bringen  und  si  ze 
bitten,  iren  willen  zu  disen  Sachen  ze  geben.  Als  nun  die 
sach  also  vor  rät  und  burger  zu  Bern  kam,  do  wurdend  si 
zu  rat,  sittmals  der  jung  fürst,  unser  herr  der  pfalzgraf,  sich 
so  getrüwlich  in  den  Sachen  gearbeitet  hett  und  sich  so  gnä-  m 
dig  und  gütig  in  den  Sachen  bewisen,  das  man  in  denne 
der  bitt  eeren  sölte  und  im  die  Sachen  übergeben.  Und  das 
beschach  ouch  und  wurdend  im  die  Sachen  übergeben,  und 
tät  er  ouch  sinen  Spruch  darum  b,  desselben  spruchbriefs  ein 
abgeschrift  hievor  stat  in  der  richtung,  da  denn  der  Zürich-  so 
[i446  krieg  verschriben  ist.1)  Und  von  kraft  des  Spruchs  getorsten  beid 
stett  den  Unwillen  nit  fürer  grünen  noch  rügen,  das  si  daran 
nit  überfüren.  Und  gestundent  die  Sachen  also  etwas  zytes. 


‘)  S.  Fründs  Chron.  S.  279. 


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Freiburgerkrieg. 


205 


9.  Nun  fürba8  bis  uf  den  krieg. 

Nu  hatten  die  von  Friburg  vormalen  herm  Wilhelmus 
von  Aventschen,  ritter,  iren  schultheiss,  in  straf  genommen 
und  in  gelanknusse  um  Sachen,  die  er  denn  gegen  inen  ver- 
6 schuldt  solt  haben,  und  hat  er  in  ir  statt  geschworen  nit 
herus  ze  komen  denn  mit  irem  willen,  und  sich  darumb 
gegen  inen  verschriben.  Der  kam  nu  von  ir  statt,  ob  das 
mit  oder  one  iren  willen  was,  weiss  ich  nit.  Und  der  reit 
do  zu  dem  herzogen  von  Safoi  und  ruft  in  umb  hilf  an  wider 
io  die  von  Friburg,  als  er  sin  man  was;  und  der  enthielt  in  in 
sinem  land  und  in  sinen  schlossen;  und  zu  dem  schlugend 
allerlei  knechten  und  die  kriegten  uf  die  von  Friburg;  und 
warend  under  den  gesellen  Hagelstein,  Pfefferli  von  Arberg 
und  andere  etc.  Und  wiewol  man  seit,  es  wäre  denen  von 
is  Bern  leid  und  si  inen  ouch  das  verhütten,  nützit  dester 
minder  triben  si  das  und  bekriegten  die  von  Friburg.  Si 
wurden  aber  hernach  gestrafet. 

Als  sich  nun  die  Sachen  untzhar  also  ergangen  hattend, 
do  lag  noch  der  nyd  und  Unwillen  in  dem  herzogen  von  Sa- 
so foi  gegen  den  von  Friburg,  und  sprach  die  an  und  hat  an- 
sprach an  si  und  verbot  allen  den  sinen,  das  man  inen  durch 
sin  land  ntltzit  liesse  zukommen,  das  si  ouch  tatend : und  hat 
also  march  uf  si  geleit,  und  also  ward  ein  tag  geleit  gan 
Jenff.  Da  kamen  die  von  Friburg  hin,  und  mit  inen  des 
äs  herzogen  von  Oestrich  botschaft,  und  was  der  von  Bern  bot- 
sehaft  ouch  da  und  ander.  Und  leisten  einen  treffenlichen 
tag  und  buten  einandereu  gross  recht.  Das  mocht  alles  nit 
helfen,  und  schiedent  also  ungeschaffet  vom  tagen.  Also  ka- 
mend  da  gan  Losen  der  stadt  Basel,  Soloturn  und  von  Biel 
so  boten  zu  dem  bapst  und  des  herzogen  räten,  und  warend 
der  von  Bern  boten  ouch  da,  und  suchten  zwüsehen  beiden 
teilen,  ob  si  nützit  gutes  finden  könnten  und  reittend  liarab 
gan  Friburg  und  gan  Bern  und  wider  uf,  und  wurbend  und 
suchtend  das  beste,  das  aber  nüt  helfen  mocht. 


Schilling.  34.  Das  mocht  ouch  nüt  verfachen  und 
helfen;  dann  der  herzog  von  Safoi  ganz  über  die  von  Friburg 


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200 


Freibnrgerkrie^. 


Und  als  nu  der  h erzog  von  Safoi  denen  von  Friburg 
die  richsstrass  also  abgeworfen  hatt  und  march  uf  si  geleit, 
das  verdross  si  also  ser,  und  zugend  gan  Vilarse  vor  die 
veste  und  gewunnen  die  und  namend  zween  gefangen  darus 
H47  der  iren,  und  namend  was  da  was  und  furten  das  heim  in  » 
°2o  *r  s^tt  und  verbranten  die  veste  in  grund. 

10.  Dass  die  von  Friburg  für  Montenaoh  zugen. 

Dez.  Darnach  zugend  die  von  Friburg  aber  us,  uf  der  helgen 
24  nacht  zu  wienachtt  für  Montenach,  und  gewunnen  die  statt 
und  erstachen  neiswie  menigen,  und  verbranten  die  statt  und  » 
was  guts  da  war  furten  si  heim  in  ir  statt.  Die  veste  mochten 
si  nit  gewinnen.  Und  warend  ir  houptlUt  herr  Peter  von 
Mörsperg  und  Ludwig  Meyer. 

11.  Dass  die  von  Bern  mit  macht  für  Friburg  zugen. 

Das  verdross  den  herzogen  von  Safoi  und  mante  die  von  u 
Bern  umb  hilf.  Die  von  Petterlingen  und  von  Murtten  vorch- 
ten  sich  fast  übel  vor  denen  von  Friburg  und  manten  ouch 
die  von  Bern ; do  seiten  inen  die  von  Bern  hilf  an,  dem  her- 
zogen  und  inen,  wider  die  von  Friburg  und  zugen  us  mit  ir 
paner  gan  Murten,  und  kam  des  herzogen  volk  von  Safoi.  *o 
!i44S  Zu  dem  zugen  si  hin  uf  gen  Wibelsburgund  wurden  da  ze  rat,  was 
'on'el  si  tun  wölten  und  wurden  ze  rat,  das  si  zugen  für  Friburg,  und 
huwen  inen  den  galgen  ab  und  branten  denen  von  Friburg  alles, 
was  si  enent  der  Sanen  hatten.  Also  was  ein  harst  für  die  statt 
Friburg  getrapt  mit  herm  Wilhelm  von  Avenschen  und  anderen.  » 
Und  kamend  die  von  Friburg  herus  und  viengen  den  herrn  von 
Momütschiez  und  furtend  den  in  ir  statt  hinin  und  was  ein 


erzürnt  war  und  wolt  von  keiner  riehtung  noch  täding  über- 
ein nit  hören  reden,  und  vermant  allweg  die  von  Bern  über 
si,  wie  ungern  si  das  taten.  So  warend  ouch  die  von  Friburg 
darhinder  komen  und  durch  ir  frömbden  und  üngetrüwen 
houptlüt  so  ganz  verwiset,  das  inen  glük  und  unglük  glich 
war.  Domit  wolt  sich  der  schimpf  machen.  19.  w.  die  v. 
Frib.,  und  taten  das  ganz  ungern. 


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Freiburgerkrieg. 


207 


gut  wyl  in  der  statt  als  ir  gefangen.  Und  als  nun  der  krieg 
angangen  was  und  die  von  Friburg  dem  herzogen  von  Safoi 
schaden  getan  hatten  und  uf  in  gebrönt  hatten,  als  vorstat, 
und  denen  von  Bern  in  der  herschatt  ze  Louppen  ouch  scha- 
5 den  zufiigen  weiten,  zu  Nüwenegg  und  anderen  dörfern,  do 
hattend  die  von  Bern  grosse  hutt  wider  si  an  den  hegen,  und 
hatten  gross  wächte. 

12.  Die  mansohlaoht  in  der  Galternen. 

Also  in  denen  dingen  machte  sich,  das  die  von  Friburg, 
io  an  dem  donstag  zu  nacht  nach  ostern,  do  man  zalt  tusend 
vier  hundert  und  acht  und  vierzig  jar,  uszugen  mit  einem 
grossen  reisigen  volk,  und  was  ir  houptman  Ludwig  Meyer 
by  inen,  und  zugen  gan  Guggisperg  und  gan  Grasburg,  und 
si  warend  denen  vigent  darum  das  si  sich  an  die  von  Bern 
is  hieltend  und  von  inen  in  den  löufen,  als  dann  die  herrschaft 
halber  ira  was  und  halber  dera  von  Bern.  Und  kamend  die 
von  Friburg  ftir  die  hegin  und  stigen  in  das  land  mit  leitern 
und  verbranten  das  land  Guggisperg  und  Sch warzenburg  und 
erstachen  acht  man  da;  und  was  Peter  von  Gryers  houptman 
s.i  da  von  der  von  Bern  wegen.  Der  ward  ouch  erstochen. 
Und  als  si  nun  das  land  branten,  do  sach  man  zu  Bern 
den  rouch,  do  man  zu  Barfussen  mess  hatt,  und  gaben  ouch 
die  uff  den  hüten  wartzeichen.  Do  wurdent  rät  und  bur- 
ger  schnellenklichen  ze  rat,  das  si  uszugent.  Und  zugen 
*5  gegen  der  statt  Friburg  zun  Siben  Furten  über  die  Sensen  die 
heimlichsten  weg  und  den  kürzesten  gan  Täfers  und  fürhin 
an  die  strass;  und  kamend  zwüschen  die  fyent  und  die  statt 
Friburg.  Und  als  nun  die  von  Friburg  gebrönnt  hatten,  da 
plündereten  si  und  namen  das  vich  und  sumten  sich  damit, 
an  das  si  nit  wider  in  ir  statt  körnen  mochten.  Und  kamend  die 
von  Bern  also  an  ir  vigent  by  Täfers  uff  dem  veld  und  griffen 
si  an  by  der  Galternen  uf  der  nüwen  matten  in  dem  namen 


Schilling.  6.  und  hattend  wider  si  grosse  hut  und  wacht  in 
einem  u.  dem  anderen.  15.  hielten  und  nit  zu  denen  von  Friburg. 
24.25.  und  zugeud  als  die  wütenden  löwen  angents.  31.  die  von 


1448 

März 

28 


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208 


Freibwgerkrieg. 


1448 

März 

29 


Gotfcs.  Alsobald  namend  die  fyent  die  flucht,  und  erschlugend 
und  erstacheud  ira  by  dryhundert,  etlich  meintend  irer  wären 
über  vierhundert,  die  da  verlurend,  und  jagten  si  in  die 
Galteren;  und  verluren  die  von  Bern  nit  mer  denn  fünf  man; 
wol  wurdend  mer  denn  viertzig  wunt  übel,  das  etzlicli  stur-  s 
ben.  Und  beschach  diss  in  dem  angriff;  denn  gar  wenig  ge- 
sellen den  angriff  tatend.  Und  also  behüben  die  von  Bern 
das  veld  mit  grossen  eren,  und  kamen  die  von  Friburg  mit 
schautlicher  flucht  heim,  die  nit  erschlagen  wurdent  an  der 
getat.  Man  zog  ouch  die  toten  alle  us,  und  beleih  man  über  io 
nacht  uf  der  waldstatt.  Es  war  ouch  by  diser  redlichen  ge- 
tat niemauts  denn  die  stattlüt  von  Bern  und  wenig  dorilüten 
zenächst  an  der  statt  gesessen  und  die  soldner,  die  si  hatten, 
bi  inen,  die  inen  hülfen  der  hegen  hüten.  Man  schätzt  ouch, 
das  dera  von  Bern  warend  wol  uf  die  achthundert  an  der  15 
getat,  und  deren  von  Friburg  wärent  by  zweytusend  oder 
sechszehn  hundert.  Und  wertend  sich  die  von  Friburg  am 
ersten  angriff  redlich,  untz  das  man  sitlingen  in  si  brach,  do 
gewunnend  si  die  flucht.  Und  beschach  dise  getat  am  nech- 
sten  fritag  nach  ostern  in  dem  vorgenanten  jar.  Es  ward  20 
ouch  dozemal  ufgesetzt,  dem  allmechtigen  Gott  zu  lob  und 
ze  ehren,  des  man  ouch  biUigen  in  dankbarkeit  niemer  ver- 
gessen soll,  denselben  fritag  zu  l'yren  järlichen  und  ewenckli- 
chen,  ouch  ein  löblichen  crützgang  ze  tun  uf  den  tag,  ouch 
all  fritag  durch  das  ganze  jar  sol  man  bäten  ze  mittemtag  25 
fünf  paternoster  und  avemaria  dem  bitteren  sterben  und  herz- 
brechen unseres  hern  'Jesu  Christi,  wenn  man  mit  der  gros- 
sen glocken  lüten  ist;  war  ouch  dozemal  ufgesetzt,  aber  sithar 


Bern  bi  Taffers  uf  dem  felde  an  si.  1.  und  namend  si  von 
stund  an  mit  iren  nüwen  houptlüten  ein  schantliche  flucht. 
3.  und  verjagtend  si  durch  die  Galteren.  9.  flucht,  und  war 
man  inen  nachgeylt,  so  war  die  statt  ouch  gewunnen,  denn 
si  mit  den  iren  enent  us  fluchent.  12.  und  wenig  dorflüten 
umb  die  statt,  und  ouch  der  harst  von  Loupen,  die  sich  gar 
manlich  und  wol  hielten  und  man  ir  ouch  notdurft  war. 
15.  aller  miteinander  nit  800. 


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Freiburgerkrieg. 


209 


ist  der  virtag  abgesetzt  von  etzlicher  Ursachen  wegen  und 
durch  des  besten  willen;  ist  nit  nottürftig  hie  zu  melden. 

13.  Das  man  einen  grossen  ronb  zu  Friburg  nam. 

Darnach  kürtzlich  zog  man  zu  Bern  us  und  zugen  gan  £*484 
s Friburg  und  namen  ein  roub  vichs,  by  vierhundert  höupten 
schaf,  ross,  swin  und  geiss,  und  brachten  den  harheim  mit 
inen  gan  Bern  mit  gewalt  und  ane  schaden.  Darnach  zugen 
ouch  gut  gesellen  etwe  dick  dar,  und  namen  vil  kleiner  rou- 
ben,  und  die  Walhen  von  Safoi  obenharzu  ouch.  Einsmals  do 
w zugend  mutwillig  gesellen  gan  Friburg,  ira  wol  by  drihundert 
und  namen  einen  roub  vichs,  und  hattend  den  getriben  für 
Täfers  herus  und  sumten  sich  zu  lang.  Also  zugend  die  von 
Friburg  herus  und  fürzugen  si  ein  teil  und  erschlugen  ir 
wol  by  sechs  und  zwantzig  mannen  UDd  namen  den  roub 
is  wider.  Das  dett  ungehorsame  und  hoffart.  Wann  die  un- 
seren wären  wol  mit  dem  roub  darvon  komen,  hätten  si 
den  wisen  gevolget. 

14.  Wie  man  denen  von  Friburg  ein  but  gestossen  hat  und 
si  gewarnet  wurden  von  einem  schärer. 

so  Darnach  ward  aber  ein  zug  angeleit  mit  vil  volks,  und  \>44S 
zoch  man  für  Loupen  hin  gan  Friburg  und  stiess  man  inen 
ein  hut,  und  wolt  man  si  herusgezöcktt  haben,  denn  das  si 
gewarnet  wurden  von  einem  schärer,  was  ze  Tun  gesessen  und 
was  ein  frömbd,  herkomen  man.  Doch  so  ward  im  sin  Ion 
»s  ouch,  dann  er  ward  zu  Solotern  ergriffen  und  ward  im  sin 
houpt  abgeschlagen ; und  hiess  mit  dem  namen  meister  Andres. 

Also  was  die  sach  vergebents  und  ward  nüt  darus. 


Schilling.  1.  den  virtag  und  crützgang  hat  man  umb 
der  von  Friburg  willen  abgetan.  4.  zugent  die  von  Bern 
aber  mit  einem  venli  g.  Fr.  8.  me  dann  einmal  dar  — und 
nament  alweg  ir  vech  und  anderes.  10.  dritthalb  hundert 
mutw.  knechten.  14.  by  30  mannen.  27.  und  vematzt  die 
saeh  miteinanderen. 


Quellen  zur  Schweizer  Qeechichte.  I.  14 


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210 


Freiburgerkrieg. 


1448 
Juli  10 


1450 
Juli  25 


15.  Das  der  Friburger  krieg  verioht  ward. 

Also  in  dem  vorbenambten  jar,  am  sechszehnten  tag 
heuwmanodes,  do  ritten  zwtlschen  denen  Sachen  ein  erbri 
botschaft  von  Frankenrich  und  des  herzogen  botschaft  von 
Burgund  und  aller  Eidgenossen  botschaft  und  leiten  sich  so  5 
trungenlich  und  ernstlich  in  die  Sachen,  das  si  es  von  den 
gnaden  Gottes  ze  friden  brachten,  doch  in  sömlichen  Worten : 
das  die  alte  pündtniss  ab  wurdent  gesprochen  und  das  die 
von  Friburg  musstend  geben  dem  herren  von  Safoi  40000  gul- 
din,  in  vier  jaren  bezalen,  und  4000  guldin  für  Montenaeh  io 
und  umb  Vilarsy,  das  die  von  Friburg  hatten  verbrant  unab- 
gseiter  sach,  ouch  musstend  die  von  Friburg  denen  von  Bern 
vorab  lassen  die  herschaft  Grasburg  mit  ir  zugehört,  wannd 
Grasburg  ward  vor  halb  dera  von  Friburg  und  halb  dera  von 
Bern;  und  lies  man  gefangene  gegen  gefangene  us,  und  vil  a 
Sachen  ward  zum  rechten  gesetzt  uf  graf  Hans  von  Nüwen- 
burg,  burger  zu  Bern. 

16.  Wie  herzog  Albrecbt  von  Oestrich  gan  Friburg  kam. 

In  dem  jar,  do  man  zalt  tusend  vierhundert  und  fünfzig 
jar  an  St.  Jacobs  tag,  do  kam  herzog  Albrecht  von  Oestrich  so 
ingeritten  gan  Friburg.  Da  er  nun  zu  Friburg  was  und  etlich 
Sachen  mit  inen  da  ftirnam,  do  waren  etlich  zu  Friburg,  brach- 
ten irem  herren,  herzog  Albrecht,  für,  wie  si  denn  einen  an- 
schlag  getan  hätten  von  der  von  Bern  wegen;  do  die  vor 
Rynvelden  lagen,  sollen  si  gan  Bern  gezogen  syn  und  das  » 
ingenomen  haben,  damit  si  iren  herren  wol  entschütt  und  im 
bystand  getan  hätten;  darwider  aber  sich  etzlich  gesetzt  hät- 
ten und  nit  wellen  lassen  zugan,  sonder,  sprechen  si,  wir  sol- 
len sollichs  nit  tun,  denn  die  von  Bern  stand  in  guter  friint- 
schaft  noch  mit  uns;  wenn  si  zu  veld  ziechen,  so  befelchen  si  m 
uns  ir  statt,  land  und  lüt,  und  möchten  das,  wo  es  ze  schul- 

Schilling.  22.  ftirnam,  die  umb  des  besten  willen  un- 
derwegeu  blibent.  28.  und  meinten,  es  wer  mortlich  und 
unerlich  getan. 


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Freibur#  kommt  an  Safoi. 


211 


den  käm,  mit  eren  nit  verantworten.  Do  solichs  h erzog  Al- 
brecht  vernam,  do  t&t  er  ein  teil  derselben  fahen;  etlich  ent- 
ronnen ouch;  und  furt  die  gefangenen  mit  im  gan  Friburg 
im  Brisgöuw  ab  und  beschützt  die  umb  gut.  Darnach  wur- 
« dent  die  von  Friburg  under  inen  selber  in  der  statt  und  uf 
dem  land  uneinhälig  und  partygig  von  etzlicher  Sachen  we- 
gen, so  inen  deun  begegnet  was;  und  macht  sich  die  sach 
so  ver  das  ein  grosser  uilouf  in  der  statt  beschach  und  si  ge- 
gen einandern  zugent  mit  offnen  Zeichen,  die  uff  Burg  wider 
10  die  in  der  Ouw,  und  was  ein  wunderlich  ding  und  gefertt, 
das  niemants  wist,  wa  er  sines  lebens  sicher  was;  und 
machten  sich  die  Sachen  iesoverr  das  by  dritthalb  hundert 
mannen  von  der  statt  wichen  und  von  dem  iren  mussten. 
Und  als  man  seit,  so  waren  es  fast  derselben,  die  mit  iren 
is  retten  und  getäten  wareu  darwider  gewesen,  das  man  nit  gan 
Bern  ziecken  solte  und  das  schantlich  böslich  in  understan 
ze  nemen.  Und  also  nach  vil  vergangnen  Sachen,  do  ka- 
men si  ir  stössen  und  mishel  uf  ininen  gnädigen  herren  schult- 
heissen  und  rat  zu  Bern,  die  sich  ouch  so  trungenlich  und 
2o  ernstlich  in  die  Sachen  leiten  und  si  also  mit  einander  ver- 
richten und  si  ouch  zu  beiden  siten  schwuren,  keiner  dem 
anderen  nit  ze  verwisen.  Also  in  denen  Sachen  vernameut 
mine  herren  von  Bern  ein  grund  der  sach  ganz,  wie  sich  ieder- 
man  gehalten  hat  gegen  den  von  Bern  und  in  allen  Sachen. 

a»  17.  Das  die  von  Friburg  kamen  in  die  händ  einer  herscbaft 

von  Safoi. 

Dise  uneinhällikeit,  span  und  stöss,  die  si  undereinande- 
ren  hatten,  waren  ouch  zu  gutem  teil  von  sölichen  Sachen 
wegen,  das  si  ie  meintend,  einen  anderen  herren  ze  haben; 
so  und  weiten  ein  teil  haben  den  herzogen  von  Safoi,  oder  aber 
die  von  Bern,  etzlich  wolten  ouch  haben  iren  herren  von 
Oestrich.  Und  die  alse  hotteten  an  eine  herrschaft  von  Oest- 

Schilling.  6.  von  allerlei  Worten  wegen,  die  einer  dem 
andern  verweiss. 

33.  Die  Berner  Abschrift  liest:  houpteteu  (Just.  B.  35. 105). 


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212 


Freibnrg  kommt  an  Safoi. 


rieh,  die  engulten  sin : denn  etzlichen  die  höupter  abgeschla- 
gen wurden.  Warumb  si  ouch  also  von  ir  herrschaft  von 
Oestrich  stundent,  hat  etzlich  merklich  Ursachen  darumb 
das  beschach.  Die  herschaft  von  Safbi  und  die  von  Bern 
wolten  si  ufgenommen  haben  ingemein;  das  wolten  die  von  5 
Friburg  überein  nit  endun,  das  si  zween  herren  haben  wöl- 
ten,  und  hatten  ein  herzog  von  Safoi  und  die  statt  Bern  eine 
vereinung  under  inen  beiden  gemacht  und  gelobt,  das  dewe- 
der  teil  ze  der  statt  Friburg  ganz  nützit  tun  solt  an  den  an- 
deren, nach  dem  und  denn  die  brief  wisent,  so  darumb  ge- 10 
macht  wurdent.  Ditz  übersach  der  herzog  von  Safoi.  Denn 
nach  mancherlei  handlung  und  vil  Sachen,  do  nam  er  si  uf 
Air  die  sinen  und  si  in  fllr  iren  rechten  herren,  und  schwu- 
rend im  als  irem  rechten  herren.  Hie  machte  sieh  erst  ein 
nüwe  vigentschaft,  denn  er  damit  getan  hat  wider  eid  und  is 
ere,  wider  sine  brief  und  sigel;  er  hat  ouch  vergessen  der 
früntschaft,  so  im  die  von  Bern  vor  unlangem  getan  hatten, 
das  si  durch  sinen  willen  mit  denen  von  Friburg  in  krieg 
körnen  waren,  die  doch  ouch  in  püntnus  mit  denen  von  Bern 
warend;  und  verdross  also  die  von  Bern  ser  und  vast  und  so  . 
woltend  den  herzogen  von  Safoi  bekriegt  han  umb  das  un- 
recht. Da  leitend  sich  die  Eidgnossen  darin  und  schiktend 
ir  botschaft  darzwüschen,  und  ouch  ander  erbar  stett,  und 
leitend  sich  so  bedenklich  in  die  sach,  das  ie  nach  vil  er- 
gangenen dingen  die  stöss  verricht  und  verschlicht  wurdent« 
also  in  denen  Worten,  das  der  herzog  von  Safoi  der  statt 
Bern  geben  müsst  15000  guldin  für  das  unrecht,  so  er  an 
denen  von  Bern  begangen  hat. 

18.  Das  die  zwo  statt  Bern  und  Friburg  ir  burgrecht 

ernüwertend.  » 

Also  nach  disen  Sachen  ward  so  vil  geworben,  das  die 
von  Friburg  ir  alt  burgrecht  zu  denen  von  Bern  schwurend, 


Schilling.  1.  denselben  etlichen  wurden  darumb  ir  höup- 
ter abgeschlagen  von  mengerlei  untrüw  wegen.  11.  darnach 
nam  der  herzog  von  Safoi  die  von  Friburg  uf  mit  dero  von 


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Haut  von  Rechberg  in  Rheinfelden. 


213 


und  emüwertend  ir  alten  pündt,  die  getrüwlich  und  ewengk- 
lich  gegen  einandern  ze  halten  nach  dem  und  denn  die 
brief  darüber  gemacht  wisend. 

19-  Wie  Hans  von  Eechberg  Rynvelden  mordlioh  innam. 

s In  dem  jar,  als  man  zalt  tusend  vierhundert  und  acht 
und  viertzig  jar,  do  tat  Hans  von  Rechberg  einen  bösen 
mortlichen  anschlag,  wie  er  Rynvelden  möcht  ingenemmen, 
schamlich,  wider  Gott,  er  und  recht,  und  besamlet  ein  volk 
heimlich ; mit  dem  kam  er  von  Loufenberg  und  von  Seckin- 
io  gen  den  Ryn  herab  mit  vier  schiffen  in  bilgerkleidern  ge- 
kleidett,  darunder  hatten  si  harnisch.  Si  hatten  sich  ouch 
vor  beiden  toren  verschlagen,  und  furen  uf  mitwuchen  nach 
St.  Gallen  tag  des  vorgenambten  jares  zwüschen  10  und  11  vor- 
mittag zu  beiden  toren  in,  und  ab  den  schiffen  zu  einem  tür- 
islin  hinin,  heisst  das  kupfertürle  und  in  die  statt,  und  über- 
fielend  die.  Die  biderben  lüt  von  Rynvelden  wolten  sich 
weren,  do  was  der  vinden  ze  vil  in  der  statt;  also  wurdent 
die  von  Rynvelden  by  10  erschlagen  und  mussten  sich  also 
ufgeben.  Ira  warend  ouch  vil  gefangen  und  übel  gemarteret. 
so  Also  machtend  si  sackman  in  der  statt,  und  namen  was  da 
was  in  iren  gewalt,  und  stiessen  die  anderen  us,  und  be- 
sessen si  die  statt  in  gewalt  und  ane  recht. 

Darnach  zu  S.  Johans  tag  zu  sungihten  und  darvor  ritten 
die  von  Basel,  von  Bern,  von  Solotern  und  anderen  richs- 
25  stetten  boten  zusamen  und  darunder,  und  leistend  tag  mit 
herzog  Albrecht,  und  ward  so  vil  gesucht  und  betädinget, 


Bern  willen  und  erlouben.  Und  wiewol  er  das  am  ersten 
vor  denen  von  Bern  heimlich  hat  und  nit  solt  haben  getan 
— so  ward  es  doch  durch  die  Eidgen.  betragen.  6.  H.  v. 
Rechb.  nach  siner  angebomen  gewonheit.  10.  alle  in  bilgers- 
formen  bekleidet  in  langen  grauen  röcken.  17.  und  wurden 
der  frommen  lüten  12  erstochen.  20.  sakman  und  tribend 
mit  frouwen  und  töchtern  grossen  mutwillen,  davon  vil  zu 
8chriben  wer. 


1448 
Oku S 


1449 

Juni 

24 


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1454 

April 

13 


1454 


/ 


214  Per  H«rzog  v.  Burgund  in  Bern,  — Bern  hilft  d.  Herzog  v.  Safoi. 

tlas  die  von  Rynvelden  widerumb  in  ir  statt  zu  irem  ligen- 
den  gut  kamen;  das  vareud  gut  war  hinweg;  doch  mussten 
si  zu  dem  hus  von  Oestrich  schweren,  als  irem  herm,  und 
daby  bestund  die  sach. 

20.  Das  der  herzog  von  Burgund  gan  Bern  kam.  5 

Do  man  zalt  tusent  vier  hundert  und  vier  und  fünfzig 
jar  an  dem  palmabent  in  den  vasten,  do  kam  der  herzog  von 
Burgund  gan  Bern,  und  ward  da  von  denen  von  Bern  wol 
empiaugen  und  gross  er  erboten. 

21.  Das  man  dem  herzogen  von  Safoi  ein  hilf  sandt.  t« 

Do  man  zalt  tusent  vierhundert  und  vier  und  fünfzig 
jar,  do  kam  des  herzogen  von  Safoi  sun  gan  Bern,  der  do- 
zemal  printz  was,  nachdem  als  der  herzog  von  Burgund  hie 
was  gewesen,  und  bat  und  begert  an  min  herren  von  Bern, 
das  man  im  hilf  und  bystand  weite  tun  wider  den  Delphin  ts 
im  Welschland.  Also  was  man  im  nit  ganz  willig  ze  helfen. 
Denn  die  sach,  so  er  mit  denen  von  Friburg  gehandlet  hat, 
lag  inen  noch  in,  als  hievor  geschriben  stat,  und  warend  die 
15000  guldin  noch  nit  bezalt.  Also  kam  er  zum  anderen  mal 
gan  Bern  und  bracht  ein  teil  gelts  mit  im.  Do  seit  man  im  so 
hilf  zu,  und  wurdent  ze  stund  usgelesen  by  drytusend  man- 
nen. Die  zugeud  us  ze  Bern  mit  einer  paner  und  zugen  bis 
gan  JenfF.  Also  ritten  miner  herren  von  Bern  botschaft  und 
ander  darzwüschen,  und  ward  der  krieg  verrichtet,  und  zu- 
gend wider  herheim  in  einem  manot.  % 


Schilling.  8.  gen  Bern  mit  vil  lüten.  9.  gros  zucht 
und  ere  mit  merglichen  kosten.  16.  Welschland,  der  im 
dann  etwas  widerdries  getan  und  erzöugt  — nit  willig 
und  wolt  nieman  usziechen.  22.  mit  der  statt  paner. 
24.  und  kamend  in  einem  monad  mit  eren  und  fröuden 
wider  heim  und  battend  anders  nüt  getan,  dann  einen 
guten  mut  gehebt  und  wol  gessen  und  getrunken. 


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Zng  in’s  Hegöuw,  vor  Constanz  und  in’s  Algöuw. 


215 


22.  Das  der  Eidgenossen  knecht  in  das  Hegöuw  zugend. 

In  dem  jar  do  man  zalt  tusent  vierhundert  sechs  und  ins 
fünfzig  jar,  do  wurdent  erbar  ltit  von  Strassburg  nidergewor- 
fen  an  einem  ort  in  der  Eidgenossen  land  uf  dem  wasser,  und 
skamend  von  den  Einsidlen  und  unser  lieben  frouwen,  und 
die  das  tatend  wurden  von  dem  graven  von  Tengen  und  von 
dem  graven  von  Lupfen  ufenthalten,  und  warend  der  von 
Fridingen.  Ditz  vertross  die  Eidgenossen  und  woltend  nit 
vertragen,  das  man  iemant  in  irem  land  niderwurf,  und  be- 
10  sammeten  sich  wol  bald  uf  St.  Verenen  tag  in  dem  vorgenamb-  Sept.i 
ten  jar  und  zugend  zu  Zurzach  über  Ryn  und  zugend  in  das 
Hegey  und  branten  und  roubten  was  si  funden,  und  straften 
die  herren  umb  ir  unrecht.  Also  kamend  si  ouch  gan  Tengen 
an  das  stettli;  und  do  si  das  erst  ersachend,  do  sturmpten 
is  si  daran  und  gewunnen  das  und  erstachend  darin  by  viertzig 
mann  und  inachtend  do  sackman.  Also  wüsten  si  das  land 
und  brandschatzeten,  das  inen  ob  zwein  tusent  guldinen  wur- 
dent, und  zugen  wider  heim  ane  schaden.  Darnach  hüben  die 
buben  hinder  sich,  die  den  lüten  das  ir  namend,  und  ward 
ao  etliche  jar  guter  frid  uf  dem  Rasterveld  [RaffzerveldJ,  da 
vormals  wenig  lüten  sicher  torften  wandien. 

23.  Das  die  Eidgenossen  für  Gostentz  zugend. 

In  dem  jar  do  man  zalt  tusent  vierhundert  acht  und  1458 
fünfzig  jar  vor  des  heil,  crützes  tag,  was  ein  schiessent  ze  Co- 
» stentz,  und  warend  vil  lüt  da  von  vil  stetten  und  landen; 
also  warend  ouch  etzlich  von  den  Eidgenossen  ouch  da,  und 
ward  sich  fügen,  das  etlich  knecht  von  den  Eidgenossen  mit 
etzlichen  in  der  statt  uneinh&lig  wurdent  und  luffend  die 


Schilling.  15.  16.  me  dann  40  man.  17.  me  dann 
3000  guldin.  18.  dann  die  buben  getorsten  die  nasen  nit 
me  harfürbieten.  26.  denen  wurden  von  etlichen  von  Costenz 
unvernünftig  und  uncristenlichen  wort  geboten. 


216 


Zug  in's  Algöuw. 


Eidgenossen  zesamen;  denn  si  bedacht,  man  wöllte  gewalt 
mit  inen  triben  in  einem  fryen  schiessen.  Also  ward  die  sach 
dozemal  gestillet,  und  zugen  also  us  der  statt  iederman  heim. 
Also  da  si  nun  heim  kamen,  bracht  einer  den  anderen  zeweg 
und  besamneten  sich  die  Eidgenossen  von  allen  örteren  und  * 
zugen  mit  ganzer  macht  für  Costentz,  und  meinten  ie  die 
Schmach  ze  rächen,  so  inen  beschechen  was.  Also  wurdent 
die  von  Bern  ouch  gemant,  und  zugen  us  mit  einer  paner 
zu  Bern;  und  do  si  kamend  untz  gen  Burgdorf,  do  kam  inen 
botschaft,  wie  die  sach  verrichtet  was,  so  verr  das  die  von 10 
Costentz  und  ander  den  Eidgenossen  geben  mussten  fünf- 
tusent  guldin,  und  was  die  sach  und  der  stoss  damit 
verrichtt. 

24.  Wie  der  Eidgenossen  knecht  in  das  Algöuw  zugen. 

1460  In  dem  jar  do  man  zalt  von  der  gebürt  Christi  tusent  u 
vierhundert  und  sechzig  jar,  do  zugend  der  Eidgenossen  knecht 
über  den  Bodensee  us  gan  Lindouw  zu  und  in  das  Algöuw 
an  den  Buchenberg.  Was  aber  sach  wäre  desselbigen  zugs, 
das  ist  aso  ze  merken:  Es  was  ein  apt  ze  Kempten  in  dem 
kloster,  genembt  abt  Gerwig  von  Sunendingen;  der  hat  einen*1 
amman  in  dem  dorf  Lego,  der  hiess  Jörg  Beck;  hat  ouch 
den  gewerb  vast  mit  wyn  zu  koufen  im  Elsas,  im  Brisgöuw 
und  an  andern  enden.  Also  von  empfelens  wegen  des  vor- 
genambten  apts  von  Kempten  koufet  er  und  fertigett  er  dem 
apt  win  in  sin  kloster  heim,  das  si  beid  von  solcher  rechnung  *> 
eine  grosse  rechnung  miteinandem  zu  tun  hatten ; und  in  der 
rechnung  warend  und  wurdend  si  nit  einhellig,  denn  das  si 
einen  stoss  gewunnend;  und  als  ich  es  vernommen  hab,  so 
was  der  stoss  als  vil  als  umb  drissig  guldin  zu  tun  da  der 


Schilling.  3.  gestillet,  das  sich  die  Eidgnossen  muss- 
ten lassen  trucken,  dann  ir  wenig  war  uud  mochten  die 
smach  dazemal  nit  gerechen.  3.  wider  heim  und  clagten  das 
iren  herren  und  fründen,  und  sunders  die  von  Luzern,  denen 
der  merteil  smach  beschechen  was.  8.  mit  ir  paner  und  gan- 
zer macht.  18.  Buchholterberg. 


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Zug  in'»  Algöuw. 


217 


vorgenambt  Jörg  Beck  meint,  das  im  unrecht  bescheehen 
wäre,  und  im  aber  der  apt  nit  gnug  darumb  tun  wölt;  und 
bot  im  darzu  böse  antwort  und  redt  im  übel  zu,  das  densel- 
ben Jörg  Becken  übel  verschmacht,  und  wisst  nit  wie  er 
seinen  Sachen  tun  solt;  denne  er  in  zu  deheinem  rechten  nit 
bringen  mocht,  wiewol  er  vil  rechts  erlanget  hat  gegen  in; 
es  enhalf  im  aber  alles  nüt,  dann  er  im  ze  gewaltig  und  ze 
mächtig  was.  Also  nach  vil  Sachen,  do  machet  er  sich  uf 
mit  siuer  gewarsame,  mit  briefen  und  mit  siglen,  und  kam 
10  in  die  Eidgenossenschaft,  und  zeigt  da  was  er  erreicht  hat  an 
etzlichen  rechten  und  wie  er  den  apt  ze  recht  nit  bringen 
mocht,  begert  und  bat  die  Eidgnossen,  das  si  im  etlich 
knecht  erlouben  weiten  mit  im  zu  ziechen  umb  sinen  sold. 
Also,  nach  verhörung  siner  briefen  und  sines  rechten,  wurdent 
is  im  erloubt  dryhundert  knecht,  die  zugend  mit  im  Über  den 
Bodensee  us  und  kamend  gau  Lindouw.  Do  ward  inen  gross 
ejr  erboten,  und  wurdent  us  der  statt  gezelt,  das  ira  warend 
dreihundert  und  drissig.  Zugend  also  mit  dem  vorgenannten 
Jörg  Becken  gan  Isni  in  die  statt.  Da  hettend  nun  gern  die 
20  von  Isni  ir  best  darzugetan  und  die  Sachen  zu  guotem  ge- 
bracht, und  rittend  darzwüschen.  Das  enhalf  nit  so  vil  denn 
das  vorgenannten  aptes  landvogt,  genambt  herr  Walthert  von 
Hochenegg,  gesessen  zu  Wolkenberg  sich  besamnet  mit  sinem 
landvolk  in  dem  Algöw  wol  mit  achthundert  mannen,  und 
»5  schlugend  sich  in  das  dorf  am  Büchenberg.  In  dem,  als  kein 
tädiug  nit  enhalf,  do  zugend  der  Eidgenossen  knecht  von  Isni 
us  und  zugend  wider  dasselbig  dorf,  da  die  vigend  lagen,  am 
Buchberg.  Also  wurdent  ir  die  vigend  gewar  und  machtend 
sich  uf  und  zugend  herus  für  das  dorf  und  hielten  gegen  den 
30  Eidgenossen.  Also  hielten  ouch  der  Eidgenossen  knecht  und 
der  Jörg  Beck  gegen  inen  und  begerten  an  die  Algöwer,  das 
man  si  weit  in  das  dorf  lassen  ziechen  und  da  essen  und 
trinken,  denne  si  waren  hungrig  und  müd.  Also  mocht  das 

Schilling.  1.  bescheehen,  des  im  der  abt  nit  anred  sin, 
noch  wandel  darumb  tun  wolt,  weder  mit  dem  rechten  noch 
anderen  dingen. 


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218 


Zog  in’«  Algönw. 


nit  gesin;  dennc  man  seit,  under  inen  were  einer,  der  was 
ein  wirt  im  dorf,  und  hatte  einen  kellcr  vollen  win,  besorget 
er,  der  win  wurde  im  usgetninken ; der  was  vast  darwider, 
das  man  si  nit  in  das  dorf  liess.  Und  in  den  Sachen,  das  si 
also  gegen  einandren  hielten,  und  die  Eidgenossen  in  irer  5 
Ordnung  zugent,  als  weiten  si  für  si  ziechen,  und  in  dem 
Hessen  die  Algöuwer  alle  ir  geschiltz  us  uf  der  Eidgnossen 
knecht  initeinandren,  die  man  doch  schätzt  uf  vierhundert 
armbrustschützen.  Do  liessend  sich  die  guten  gesellen  all 
nider,  ietlicher  uf  ein  knüw,  das  das  geschütz  also  übergieng.  1« 
Also  mit  fryem  mut  die  Eidgenossen  uf  und  an  si  hin  mit 
stechen  und  mit  schlachen.  Zehand  ward  der  egenambt  herr 
Walthert  von  Hohenegg,  ritter,  erschlagen.  Do  das  die  vigend 
sachend,  da  namend  si  die  flucht  liinder  sich  in  das  dorf  und 
hinder  die  heggen  da  denn  ein  ietlicher  hin  mocht.  Also  15 
hangtend  inen  die  Eidgenossen  nach  und  schlugend  si  dar- 
nider.  Und  wannd  es  uf  der  nacht  was  und  inen  unkunt  in 
dem  land  was,  do  luffend  si  nit  vast  ver  hinnach;  doch  do 
bHbend  der  Algöuwer  an  der  getat,  die  da  erstochen  und  er- 
schlagen wurdent,  hundert  und  ein  man  und  belibeud  der» 
Eidgenossen  knecht  zween.  Do  furend  si  mit  inen  über  den 

1460  Bodensee  wider  heim.  Das  beschach  an  einem  zinstag  vor 

18  “ mittervasten  nach  mittag  umb  den  abend  spat  in  dem  vor- 
genambten  jar;  do  dise  tat  beschach  und  das  geschrei  bis 
nach  Kempten  und  in  das  land  kam,  musst  der  vorgenambt* 
apt  in  derselben  nacht  us  dem  kloster  wichen.  Darnach  ward 
derselb  apt  ab  der  apty  gesetzt  und  gab  man  im  ein  järlich 
Summ  gelts,  nemHch  sibenhundert  guldin.  Ouch  so  ward 
die  sach  vertädinget  und  verrichtt  zwüschen  dem  apt  und 
Jörg  Becken,  das  der  apt  im  geben  musst  nünhundert  guldin  «o 
und  wer  verloren  hat,  der  hat  sinen  schaden. 

25.  Das  man  für  Tiessenhoven  zoch  und  onch  gewan. 

1460  In  dem  jar  als  man  zalt  tusent  vierhundert  und  sechzig 
jar,  do  zugen  die  Eidgenossen  über  den  herzog  von  Oestrich, 

Schilling.  22.  an  einem  fritag  vor  mitv.  (/4.  Mäiz). 


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Zog  vor  Diessenhofen. 


219 


in  zu  schädigen  von  etzlichen  suchen  wegen,  die  er  den  Eid- 
gnossen  zugefügt  hatte,  ouch  von  deswegen,  das  er  in  dem 
grossen  bann  was  und  in  aller  ungnad  der  heilgen  Römischen 
kilchen.  Und  namend  im  also  in  Frouwenveld,  Walenstatt 
s und  andere ; und  wurdent  die  Eidgnossen  ze  rat  und  schlu- 
gend  sich  für  Diessenhoven.  Also  von  manung  wegen  der 
anderen  Eidgenossen  zugend  die  von  Bern  ouch  us  mit  einem 
paner  und  mit  irem  zug  zu  den  Eidgnossen  für  Tiessenhoven 
und  richteten  die  buchsen  darin  und  ward  die  statt  beschossen 
10  und  genötiget,  das  man  si  stürmen  wolt ; und  rieht  man  sich 
zu  dem  sturm.  Also  do  die  in  der  statt  gesachen  und  merk- 
ten, das  man  inen  nit  ablassen  wolt  und  si  ouch  keinen  ent- 
schüttung  hattend,  do  gabend  si  die  statt  uf  in  der  Eidgenos- 
sen hand,  und  das  man  si  abziechen  liesse  mit  irer  hab.  Also 
isbesatzt  man  die  statt  Tiessenhoven,  und  zoch  man  für  Win- 
tertur  und  liess  man  von  allen  Eidgenossen  soldner  vor  der 
statt  und  zoch  iederman  heim.  Darnach  kurtzlich  ward  die 
sach  uf  dem  tag  ze  Costentz  verricht  durch  den  durchlüchti- 
gen  fürsten,  herzog  Ludwig  von  Paiem  etc.  und  ander  fürsten 
*o  und  herren,  und  ward  ein  frid  gemacht  fünfzechn  jar. 

26.  Wenn  die  steinin  pfyler  under  der  nideren  brugg  in  der 

Aren  gemaoht  wurden. 

Do  man  zalt  tusend  vierhundert  ein  und  sechzig  jar  uf  >4t!i 
unser  lieben  frouwen  tag  in  dem  ersten  wintermanot  ward  ■> 1 
» angefangen  der  erst  steinin  pfyler  in  der  Ar  under  der  nide- 
ren bruck,  und  hat  man  gross  arbeit  mit  schöpfen,  ob  man 
die  wasserstuben  möcht  erschöpfen.  Darnach  ze  angender  t4ü 

f 

vasten  ward  der  ander  angefangen.  Das  gieng  vil  liechtenkli-  Sonn- 

eher  zu  dann  der  erst.  Also  geriet  es  alles  von  den  gnaden 

so  Gottes  woL  cavit, 

März 

27.  Das  das  erwürdig  heiltum,  S.  Vincenzen  houpt, ganBernkam.  ‘ 1 

In  dem  jar,  do  man  zalt  tusend  vierhundert  dry  und  U63 

Schilling.  8.  m.  irem  zug  u.  vil  erlicher  lüten.  14.  die 
frömden  mit  ir  habe. 


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220 


Begebenheiten  in  Bern. 


14g. ’s  sechzig  jar,  uf  S.  Urbanus  tag,  do  kum  das  erwürdig  heiltum, 
3fot25  g vincenzen  houpt,  gan  Bern  in  das  münster  und  ward  mit 
grossen  eren  und  Würdigkeit  empfangen.  Es  war  vor  gewe- 
sen ze  Köln  in  der  statt,  und  ward  mit  listen  da  dannen  ge- 
nommen und  hargefürt  durch  einen  biderman,  der  ouch  lib  t 
und  leben  darumb  wagen  musst. 

28.  Von  einem  grossen  Bohnee. 

1464  In  dem  jar,  do  man  zalt  tusend  vierhundert  vier  und 
sechzig  jar,  do  was  gar  ein  kalter  winter,  und  vielen  mer 
denn  zwentzig  schnee  ufeinandren,  und  ward  der  schnee  so  w 
gross,  das  niemant  gewandlen  mocht  schier  vor  schnee,  er 
truckt  ouch  an  etzlicben  enden  den  luten  die  dächer  in,  das 
man  in  an  vil  enden  ab  den  dächeren  werfen  musst.  Also 
lag  er  untz  wider  fasnacht,  do  gieng  er  ab  ane  schaden. 

29.  Wie  Buf  ABpers  son  gefangen  gan  Bern  in  die  Btatt  « 
gefürt  ward. 

1464  Do  man  zalt  tusend  vierhundert  sechzig  und  vier  jar 
0ct 16  umb  S.  Gallen  tag  schicktend  die  von  Bern  etlich  knecht  mit 
herrn  Niclausen  von  Scharnachtal,  ritter,  hinin  in  des  herzo- 
gen  land  von  Safoi  Uber  Ruf  Asper,  den  zu  pfänden  umb  etz-io 
lieh  schuld,  so  er  denen  von  Bern  schuldig  was  und  inen 
sonst  in  deheinem  weg  von  im  nit  werden  mocht.  Also  zugen 
si  durch  das  Sibental  us  und  fUr  Sanen  hin  über  das  gebirg 
und  kamend  in  das  land,  do  dozemal  Ruf  Asper  wonhaftig 
was,  und  Uberfielen  im  sin  hus  an  einem  morgen  fru,  in  dem  u 
dorf  genambt  Bee.  Also  funden  si  Ruf  Asper  selbs  nit  da- 
heim, dann  er  von  unlangem  ufgesessen  was  und  geritten  zu 
S.  Moritzen.  Doch  so  funden  si  einen  siner  Bönen;  den  na- 
men  si  gefangen  und  furten  in  mit  gan  Bern ; ouch  ward  das 
hus  entplunderet  und  genomen  was  da  was,  usgenomen  der» 
frouwen  dingen.  Darnach  ward  die  sach  vertädinget  und 
kam  des  vorgenambten  Ruf  Aspers  sun  wider  us  und  wur- 
dent  min  herren  von  Bern  ihrer  sum  ouch  bezalfc 


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Begebenheiten  in  Bern. 


221 


30.  Von  der  grossen  vorfasnaoht,  so  zu  Bern  was. 

Do  man  zalt  tusend  vierhundert  sechzig  und  fünf  jar,  1465 
am  achteten  tag  nach  unser  frouwen  tag  ze  liechtmess,  da  er- 
hub  sich  die  grosse  vorfasnacht  zu  Bern,  und  kament  uf  die 
5 fasnacht  unser  lieben  eidgnossen  von  Lutzern,  Uri,  Schwitz, 
Underwalden  und  ander,  nit  allein  von  dem  gewalt,  ouch  von 
den  gemeinden  ein  michel  teil.  Ouch  kamen  har  unser  lieben 
mitburger  von  Friburg,  unser  lieben  eidgnossen  von  Soloturn, 
von  Sanen,  ouch  us  miner  herren  gebieten  und  landen  und 
io  ummendum  har,  und  ward  ein  frölich,  frisch,  gut  geselschaft 
und  früntlich  leben  ze  Bern  in  der  statt,  und  zergieng  mit 
grossem  lieb. 

31.  Das  die  von  Soloturn  uszugent  mit  ir  paner  ze  dienst 
graf  Oswald  von  TierBtein. 

is  In  dem  jar,  do  man  zalt  tusend  vierhundert  fünf  und  1465 
sechzig  jar,  zugend  die  von  Solotum  mit  ir  paner  ze  dienst 
und  von  manung  wegen  graf  Oswalds  von  Tierstein,  der 
dozmal  ir  burger  was,  und  zugen  in  das  land  gan  Miimpel- 
gard,  brantend  und  wustend  was  si  funden  und  kamend  un- 
*o  geschädiget  wider  heim. 

32.  Das  Frutigen  das  dorf  verbrann.*) 

Do  man  zalt  tusend  vierhundert  sechzig  und  sechs  jar  1466 
an  einem  montag  zu  nacht  umb  die  achte  oder  umb  die  ntine 

Schilling.  10.  und  hat  man  ir  merglichen  und  grossen 
costen,  darzu  was  iederman  willig.  16.  mit  ir  paner  und 
ganzer  macht.  19.  und  hatten  ouch  in  demselben  zuge  ir 

*)  Mit  diesem  Kapitel  endigt  der  zweite  Band  der  Schilling’ sehen 
Ueberarbeitung  von  Justinger’s  und  Tsehachtlan’s  Chroniken  und  ebenso 
was  unter  Tschachtlan’s  Namen  von  Stierlin  und  Wyfi  1830  im  Druck  er- 
schienen ist.  Die  folgenden  Kapitel  (1466— WO)  sind,  also  noch  ungedruckt; 
Schilling  hat  sie  im  dritten  Bande  seiner  Stadtchronik  in  seine  eigene 
Fortsetzung  jener  beiden  Vorgänger,  welche  die  Jahre  WO— 1480  umfaßt, 
mit  zum  Theil  bedeutenden  Erweiterungen  verarbeitet. 


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222 


MiUk&uMrkrieg. 


1466 


1467 


do  gieng  für  uf  zu  Frutigen  und  verbrann  das  dorf  vilnach 
gnot,  und  beschach  in  der  wuchen  vor  der  liechtmess. 

83.  Das  die  von  Bern  und  Solotern  ein  pündnus  mit  denen 
von  Mülhusen  machten. 

In  dem  jar,  do  man  zalt  tusend  vierhundert  sechzig  und  s 
sechs  jar,  die  von  Bern  und  Soloturn  zu  einem  teil  und  die 
von  Mülhusen  zu  dem  anderen  teil  machten  einen  pundt  zu- 
samen  fünf  und  zwentzig  jar,  das  si  einanderen  sönd  behol- 
fen sin  nach  uswisen  des  briefs,  so  in  der  statt  kisten  litt. 

34.  Der  anfang  des  kriegs  zwischen  der  herrsohaft  von  10 
Oestrich  und  gemeinen  Eidgnossen. 

Do  man  zalt  von  gebürt  Christi  tusend  vierhundert  sech- 
zig und  siben  jar,  erhubend  sich  die  stöss  zwüschen  der 
herrschaft  von  Oesterich  und  gemeinen  Eidgnossen,  und 
warend  das  die  Sachen:  Herr  Bilgram  von  Hoidorf,  ritter,  et-u 
was  stosses  lange  zit  gehebt  hat  mit  unseren  eidgnossen  von 
Schaffhusen;  wiewol  dieselbe  sach  in  dem  fufzechenjärigen 
friden  zu  Costentz  gemacht  sover  betädinget  und  beret 
ward,  das  die  sach  stillstan  soll  und  einandren  unangriffen 
und  ungeschädiget  lassen  den  friden  us  denn  mit  dem  rech- » 
ten,  über  das  alles  für  herr  Bilgram  von  Hoidorf  zu  und  fieng 
Hans  Imstad,  den  alten  burgermeister  zu  Schaffhusen  und 
furt  den  hinweg  durch  des  fürsten  von  Oestrich  Schlösser  und 
stett,  ouch  mit  hilf  des  fürsten;  denn  etzlich  von  Villingen 
im  zugeben  wurdend,  das  er  den  gefangnen  dester  sicherli- » 
eher  hinwegbringen  möcht,  das  doch  nit  beschechen  sin  sölt 
nach  inhalt  und  Verbindung  des  frideus.  Also  musst  sich 
Hans  Imstad  us  der  gefangenschaft  lösen  umb  ein  summa 
gelts,  nämlich  achtzechenhundert  guldin.  Die  sach  und  die 
schmach,  so  denen  von  Schaffhusen  beschechen  was,  mochten  so 
unser  eidgnossen  von  Schaffhusen  nit  liden  und  klagten  es 

land  und  lüte  denen  von  Bern  in  trüwen  bevolhen.  24.  mit 
hilf  und  stüre  siner  amptlüten  und  sunderlich  etlicher  von 
Villingen,  die  im  zugeben  wurden. 


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Mülhanserkrieg. 


223 


gmeinen  Eidgnossen  und  manten  ouch  die.  Also  ward  inen 
nach  Til  Sachen  zugeseit,  das  man  inen  hilflich  und  rettlieh 
sin  wölt,  und  lib  und  gut  darzu  setzen,  das  die  schmach 
gerochen  wurd.  Dise  sach  gieng  dem  bischof  von  Costentz 
5 und  anderen  herren  und  biderben  liiten  ze  herzen;  die 
leitend  sich  so  heltenklich  in  die  sach  und  von  ir  bitt 
ward  ein  tag  gan  Costentz  gestimmet.  Uf  dem  tag  ward  so 
vil  fanden,  das  denen  von  Schadhusen  die  achtzechnhundert 
guldin  wider  werden  soltend  und  einen  bescheidenen  kosten, 
io  doch  also  das  sich  die  boten  zu  der  herrschaft  haruf  bedenken 
söltend.  Also  ward  es  dem  fürsten  kunt  getan;  der  wolt  das 
gelt  nit  geben,  daruf  sich  nun  die  Eidgnossen  zurusten  und 
wolten  ziechen  mit  einem  grossen  volk  und  mit  macht  in  das 
Hegöuw  und  in  den  Schwarzwald. 

15  35.  Wie  man  früntlich  täding  sucht  zwüsohen  denen  Sachen. 

Das  vernam  der  hochwirdig  fürst  und  herr,  der  bischof 
von  Costentz,  ouch  der  bischof  von  Basel  und  ander  erbar 
lüt.  Die  erzeigten  sich  dazwüschen  als  fürsten  des  fridens, 
und  ritten  darunder  und  meinten,  si  wölten  die  Sachen  zu 
20  guten  bringen  und  noch  etwas  guts  schaffen,  und  überkamend 
mit  grosser  bitt,  das  aber  ein  tag  gestimmet  ward,  ouch  von 
verschribens  wegen  unsers  heiligen  vaters,  des  bapstz,  und 
unseres  allergnädigosten  herren,  des  kaisers,  so  si  taten  von 
der  Tüiggen  wegen,  das  iedermann  friden  haben  sölt  die 
« nächsten  fünf  jare,  und  das  buten  by  dem  grossen  schweren 
ban,  das  man  dem  Türggen  ein  widerstand  getun  möcht.  Also 
und  nach  sölichem  verschriben  wurdent  die  Eidgnossen  ze 
rat,  das  man  söllich  schriben  heimbringen  solt,  iederman  an 
sine  herren  und  oberen.  Und  nach  langen  dingen  so  beleih 
so  der  zug  dazemal  underwegeu. 


Schilling.  7.  bestimmet,  und  wart  da  so  vil  ge- 
arbeit,  das.  9.  werden  6olten  mit  zimlichen  costen.  10.  Und 
namend  sich  daruf  die  räte  von  Oestrich  für  iren  fürsten  zu 
bedenken. 


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224 


MiUhtoserkrieg. 


146 7 
Sept. 
29 


36.  Wie  man  aber  ze  tagen  reit  zwischen  die  saohen. 

In  dem  so  die  Eidgenossen  also  still  sitzend  und  niemant 
me  bektlmmereten  durch  der  sach  willen,  so  werden  unser 
eidgnossen  von  Mülhusen  anggriffen  von  der  herrschaft  von 
Oestrich  volk  und  ranten  inen  für  ir  statt,  huwen  ir  grändel  * 
ab  und  wüsten  inen  an  etlichen  enden  ir  räben  und  ir  land 
und  triben  grossen  gewalt  mit  inen  unabgeseiter  sach,  und 
über  das  si  nüt  wüsstend  mit  inen  ze  schaffen  han,  denn 
das  si  müht  das  si  in  püntnusse  mit  den  Eidgnossen  stun- 
dent;  und  ira  wort  waren : si  wöltend  den  kuhestal  zerstören.  i# 
Ditz  vertross  die  von  Bern  und  von  Solotern,  und  wölten 
fürer  gedenken  zu  den  Sachen  ze  tun  und  den  mutwillen  nit 
vertragen;  ouch  von  manung  wegen  unserer  eidgnossen  von 
Mülhusen.  Also  ward  aber  sovil  darin  gesucht  durch  die 
egenambten  zween  bischöf  und  die  von  Basel,  das  aber  ein  is 
tag  gesetzt  ward  gan  Basel  uf  S.  Michels  tag  des  vorgenannten 
jares:  dar  sölt  herzog  Sigmund  von  Oestrich  selbs  persönlich 
hinkomen;  er  kam  aber  nit  dar;  doch  schickt  er  sine  bot. 
schaff  dar.  Also  ward  der  tag  geleistt  und  mancherlei  ge- 
such;  und  wart  nit  so  vil  da  funden,  denne  das  der  tag  zer-  *> 
schlug.  Wand  in  dem  als  mau  mit  den  Sachen  umbgieng, 
da  rönnen  die  rütter  mit  einem  reisigen  züg  aber  für  die  statt 
und  Schüssen  hinin;  ouch  schussend  die  von  Mülhusen  vast 
herus.  Dise  mär  kamen  gan  Basel,  als  man  da  ze  tagen 
was  und  do  das  die  Eidgnossen  vemamen,  do  wurden  si  » 
zornig  und  wolten  nit  mer  da  beliben;  denn  si  sassen  uf  und 
reit  iederman  heim.  Doch  so  rittend  die  von  Bern  und  von 
Solotern  gan  Mülhusen  in  die  stat,  ze  besechen  ob  si  ütz 
guts  da  möchten  schaffen.  Also  von  grosser  bitt  wegen,  so 


Schilling.  5.  mit  hochem  schal  und  mutwillen  vor  ir 
statt.  8.  und  Uber  das  si  mit  inen  anders  nit  wistent  zu  tun 
de  haben  denn  guts,  denn  das  si  verdros.  14.  darin  gerett 
und  vertedinget.  29.  hettend  mögen  schaffen ; dann  si  gern  zu 
friden  und  ruwen  körnen  und  bi  dein  löjärigen  friden  bliben 
werent. 


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Mülhanserkrieg. 


225 


man  an  die  von  Mtllhusen  thät,  ward  aber  ein  bestand  ge- 
macht an  der  saeh  und  fürer  tag  angesetzt  und  ward  also 
menger  tag  geleistet  und  gieng  grosser  kost  darüber,  und 
ward  ouch  menger  frid  gemacht,  und  doch  wenig  keiner  nie 
s gehalten  von  der  herrschaft,  des  die  von  Mülhusen  wol  innen 
wurden.  Und  machten  sich  also  die  Sachen  allwegen  ie  hert- 
ter  und  hertter;  denn  die  herrschaft  vertross,  das  die  von 
Mülhusen  sich  verbunden  zu  der  Eidgnossschaft  und  fugten 
inen  grossen  kummer  und  trang  zu  tag  und  nacht. 

10  37.  Das  man  denen  von  Schafhusen  einen  zuschub  tat. 

In  dem  zit  hatten  ouch  die  Eidgnossen  denen  von  Schaf- 
husen einen  zuschub  getan  mit  soldneren  von  ir  manung  we- 
gen, von  iedem  ort  siben  knecht.  Also  wurden  ir  ob  achtzig, 
die  solten  inen  hellen  die  statt  behüten. 

i5  38.  Das  man  denen  von  Mülhusen  ein  hilf  schickt 

Do  sich  nun  vil  sachen  verluffen  und  menger  tag  ge- 
leistet ward  und  weg  gesucht,  wie  man  zu  friden  körnen 
möcht,  deren  von  Schafhusen  und  aller  Sachen  halb,  und  sich 
die  Sachen  verzogen  hatten  untz  wider  zu  osteren  ushin  do 
*o  man  zalt  tusend  vierhundert  sechzig  und  acht  jar ; nachdem  1468 
und  die  herrschalt  unsern  eidgnossen  von  Mülhusen  grossen 
kummer  zufugten  und  inen  all  ir  schonen  reben  abgehuwen 
wurden  und  die  verwüst  hatten,  beducht  die  von  Bern  und 
von  Solotern,  das  man  von  eren  wegen  nit  über  werden  könt, 

*3  man  müsste  zu  denen  Sachen  fürer  gedenken  ze  tund.  Und 
also  von  manung  wegen  der  von  Mülhusen  ward  man  ze  rat, 
inen  ze  schicken  einen  zuschub ; und  wurdend  usgeschriben 
und  geordnet  von  minen  herren  von  Bern  hundert  knecht, 


Schilling.  6.  wol  innen  wurdent  mit  teglichem  an- 
reizen.  10.  Kapitel  37  ist  von  Schilling  ausgelassen.  28.  hun- 
dert knecht;  und  w'as  der  hundert  mannen  von  Bern 
houptman  Niclaus  zer  Bünden,  der  sich  gar  wol  und  er- 
lich hielt. 

(ioellea  tur  Schwtixor  Getchich  te.  I.  15 


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226 


Mülhanferkrieg. 


1468  und  von  Solotern  ouch  so  vil;  das  warend  zweihundert  knecht, 
die  schickt  man  inen  in  ir  statt  Mülhusen,  die  helfen  ze  be- 
hüten und  beschirmen  untz  das  man  furer  ze  rat  wurd,  wie 
man  die  Sachen  handlen  wolt,  damit  inen  geholfen  möcht 
werden.  5 

39.  Das  die  zweihundert  knecht  gan  Mülhusen  kamen. 

Mails  Also  an  dem  fünfzechenden  tag  des  meien  in  dem  vor- 
genannten jar,  zugend  die  zweihundert  knecht  gan  Mülhusen 
Mails  und  am  nünzechenden  tag  des  meien  kamen  si  in  die  statt. 
Darnach  uf  der  nechsten  wuchen  kam  man  uf  den  tag  gan  « 
Basel,  nachdem  und  der  vor  verlassen  ward,  ob  man  noch 
deheinen  weg  möchte  finden,  das  die  Sachen  zu  gutem  kä- 
men und  die  von  Mülhusen  in  ruwen  und  friden  nG.htend 
sitzen. 


40.  Das  Riohtessen  das  dorf  verbrennt  ward.  15 

In  denen  Sachen,  do  man  zu  Basel  uf  tagen  was  und 
dennocht  der  krieg  nit  ganz  offen  stund,  do  wurdend  die 
houptlüt  zu  Mülhusen  mit  denen  von  Mülhusen  ze  rat,  uf 
Mai22  den  nechsten  sunnentag  darnach  als  si  darkamend  hinus  ze 
ziechen  wider  Richtessen  hin  dishalb  dem  dorf  uf  den  bergen  » 
harum b,  und  da  ir  hüten,  die  si  vor  inen  gehebt  hettend,  ze 
geschouwen,  und  besechen,  ob  es  zu  krieg  kam,  wie  man 
inen  die  abgewinnen  möcht  mit  den  besten  fugen.  Und  als 
si  kamen  uf  den  berg  und  gegen  dem  dorf,  das  si  das  dorf 
gesechen  möchtend,  do  sclmssen  etzlich  gesellen  vorus  hinab ö 


Schilling.  9.  und  kamen  am  3.  tag  gen  Mülhusen  u. 
wurden  von  menglichem  gar  wol  und  mit  grossen  fijöuden 
empfangen.  10.  Also  wart  aber  ein  tag  zu  Basel  geleist, 
nachdem  es  dann  vorhin  angesechen  was,  ob  man.  18.  die 
houptlüt  von  Bern  und  Sollotern.  21.  die  hüten  und  rick,  so 
die  Oestr.  vorhin  alwegen  ingenomen  hattent,  ze  besechen,  ob 
es  nachmalen  darzu  würde  körnen,  das  si  dann  ir  Ordnungen 
und  auschlege  dester  bas  möchtend  machen. 


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Mülhauserkrieg. 


227 


gegen  dem  dorf.  Doch  wurdend  si  bald  herwider  gemant  1468 
von  den  houptlilten.  Also  was  einer  fürgeritten  von  Solotern, 
der  ward  von  den  vigenden  gefangen.  Do  unser  gesellen 
erst  inne  wurdend,  das  si  den  verloren  hatten,  do  wurdend 
s si  ze  rat,  man  solt  acht  oder  zechen  gesellen  in  das  dorf 
hinabschicken  mit  inen  ze  reden  nach  dem  allerglimpflichsten, 
ob  inen  der  man  wider  werden  mocht,  wann  si  doch  durch 
keines  kriegs  willen  nit  da  gewesen  warend,  sonder  dozemal 
dennocht  in  einem  finden  mit  inen  stunden  t.  Also  da  die 
10  gesellen  in  das  dorf  hinab  kamen,  do  forderten  si  an  inen 
einer  trostung  und  begärten  mit  inen  ze  reden.  Do  wurdend 
si  getrost  von  einanderen  zu  beiden  siten,  und  Hessen  ouch 
daruf  etzlich  ir  armbrust  ab  und  viengend  au  ze  reden  mit 
einanderen.  Indem  do  kamen  ander  gesellen  us  dem  kilch- 
13  turn  geloufen  und  schussend  uf  die  unseren.  Also  ward 
einer  von  Kriechstetten  erschossen  und  sunst  zwei  übel  ge- 
schossen, doch  stürben  si  nit.  Do  das  unser  gesellen  sachend, 
do  Messend  etzHch  ir  büchsen  ab  uf  si  und  ir  armbrest,  und 
erSchussen  der  vienden  dry,  die  uf  der  statt  beliben,  als 
»wir  das  eigentlich  vemamen  von  dem  den  si  gefangen  hat- 
tend;  der  gesach  si  nebeneinandem  ligen.  Also  zugend  si 
von  dannen  und  wolten  si  nit  fiirer  schädigen.  Darnach  kürz- 
lich gieng  der  krieg  an,  und  zugend  etHch  gesellen  von  Mül- 
husen us  uf  der  vigenden  schaden,  und  viengen  der  vigenden 
*5  etzlich,  wol  by  nün.  Do  ward  mit  dem  einen,  der  do  der 
richest  under  inen  was,  der  unser,  den  si  gevangen  hatten, 
wider  us  der  gefangenschaft  erlöst.  Also  do  er  am  abend 
wider  gan  Mülhusen  kam,  früw  am  morgen  zugend  unser 
gesellen  us  gan  Richtessen  in  das  schön  dorf  und  verbranten 
ao  das  und  namen  was  si  da  funden  und  zugen  wider  heim. 
Also  do  si  nach  zu  gan  Mülhusen  kamen,  do  waren  die  ritter 
hernach  gerant  untz  schier  uf  die  nachhut,  das  si  ir  nie  ge- 


Schilling.  1.  und  wurden  doch  von  den  houptlüten 
gestillet.  17.  Da  das  die  houptlüt  von  Bern  und  Sollotern  ver- 
nament, da  wurden  der  vienden  ouch  angendes  dryg  er- 
schossen, und  zugent  dazemal  wider  heim. 


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228 


Mülhauserkrieg. 


1468  sachend.  Und  do  si  ir  sichtig  wurden,  do  kertend  si  sich 
urnb  gegen  inen  und  triben  si  wider  hinder  sich  von  inen; 
doch  kamen  si  nit  gnot  on  schaden  wider  dannen;  denn  inen 
wurdend  zween  hengst  geschossen  und  ein  man;  denn  si  ge- 
sachend  darnach  des  tags  den  schweis  uf  der  erden  ligen;  s 
und  kamend  die  unseren  ungeschädigt  wider  gan  Mülhusen 
in  die  statt.  Also  kamen  si  darnach  täglich  für  die  statt  ge- 
ritten und  ward  mit  inen  gescharmützt.  Wie  es  sich  da  macht, 
wär  vil  ze  schriben,  es  ist  aber  nit  not.  Doch  so  wurdend 
si  wol  innen,  wie  die  handbüchsenschützen  waren,  ob  si  w 
schiessen  konden  oder  nit,  die  in  der  statt  lagen;  denn  si 
gelüst  nit  vast,  ze  nach  hinzuzeriten  zu  der  statt. 

4L  Das  man  das  dorf  Brunstatt  entplündert  und  verbrannt. 

Und  also  wurdend  die  knecht,  so  ze  Mülhusen  lagen  mit 
denen  von  Mülhusen  ze  rat  und  zugen  an  einem  morgen  « 
frttw  hinus  gan  Brunstatt,  in  das  schon  dorf.  Das  was  mit 
einem  Wassergraben  umbgeben;  und  kamen  in  das  dorf,  das 
es  uns  niemant  wart  denn  us  dem  schloss  und  us  dem 
kilchturn  mit  gescliütz,  und  viengend  an  und  entblündereten 
das  dorf.  Üuch  geriet  man  an  den  kilchhof  und  an  den  tum,  *> 
und  tat  man  inen  so  ang,  das  si  den  tum  ufgaben,  und  fand 
man  me  denn  zwentzig  man  daruf;  die  furt  man  gefangen 
gan  Mülhusen;  und  fand  man  in  der  kilchen  und  in  dem 
turn  vil  husplunders  von  häfen,  kessinen,  kannen,  kisten  und 
anderes,  als  denn  die  lüt  hiningeflöchnet  hatten.  Man  fand« 
ouch  über  viertzig  vass  win  in  dem  dorf  und  in  dem  vorhof 

Schilling.  6.  und  kamen  also  mit  dem  roube  ungesch. 
wider  heim  und  teilten  den  früutlich  und  gütlich  mit- 
einanderen. 9.  Da  warent  aber  gar  endlich  gesellen  von  Bern 
und  Sollotern  mit  hantbüchsen  in  der  statt;  von  den  wurdeut 
si  hintersich  getriben  und  luffen  ouch  dick  herus  under  si  und 
taten  inen  grossen  schaden,  davon  mengerley  zu  schriben  wer. 

17.  und  kamen  dar  das  ir  nieman  innen  wart,  dann  die  uff  dem 
sloss  und  uf  dem  kilchturn,  die  schlissen  zu  inen  ( allein  wart 
im  Texte  Tschachtluns  bedeutet:  es  wehrte  niemand). 


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JMüLhauserkrieg. 


229 


des  Schlosses  5 denn  man  gewan  inen  darnach  momdes  den  1468 
vorhof  ab  an  dem  schloss,  und  machten  ein  brugg  über  den 
graben  und  brach  man  ein  gross  loch  durch  die  rauren  am 
vorhof,  und  trolt  man  wol  siben  vass  voll  guts  wins  herus, 
i und  fbrten  den  mit  inen  gan  Mülhusen  mit  gewalt,  und  ward 
das  dorf  verbrunnen.  Denn  so  si  am  ersten  tag  us  dem  dorf 
zugen  und  gar  nach  gan  Mülhusen  kamen,  do  gieng  das  dorf 
in  für  uf  und  verbrann  in  grund.  Wer  darin  schuldig  was, 
enweiss  ich  nit.  Also  furt  man  dristen  mit  gewalt  über  viertzig 
io  wägen  mit  plunder  und  mit  win  in  die  statt  Mülhusen,  un- 
geschädiget  von  den  vigenden,  und  hattend  ouch  gar  nach 
vierzechen  tag  an  dem  win  ze  trinken  in  der  statt. 

42.  Das  soharmützlen  ze  Müllrasen  am  Galgenberg. 

Vor  disen  Sachen  warend  etzlich  knecht  ze  Mülhusen  ge- 
i5  legen  von  den  Eidgnossen;  die  hattend  nun  menig  gereitz 
von  den  vigenden;  deren  waren  villicht  uf  drissig;  und  uf 
einmal  kamen  die  vigend  von  Brunstat  herus  mit  gewalt  und 
mit  macht,  ze  ross  und  ze  fuss ; doch  warend  ouch  etzlich  von 
der  statt  ouch  by  inen.  Dise  knecht  hielten  sich  so  ritter- 
*)  lieh  gegen  den  vigenden,  das  si  dem  Volk  allem  sammend 
widerstand  tätend,  wie  wenig  iren  was,  und  gewunnend  inen 
ouch  die  flucht  an,  behubend  das  veld  mit  grosser  manheit  und 
eren,  latztend  inen  lüt  und  ross,  das  etzlicher  von  den  vigen- 
den sin  leben  da  lassen  müsst,  etzlicher  kam  ouch  verwundt 
35  darvon,  und  tat  wenig  knechten  eine  frische  munliche  getat. 

43.  Das  Dudenheim  yerbrent  ward. 

ln  denen  tagen,  do  man  Brunstat  entplunderet  hat,  und 
darnach  kürzlich,  ward  das  dorf  Dudenheim  verbrant  von 

Schilling.  14.  Vor  disen  dingen  und  e die  200  man 
hinabkament,  warent  by  30  knechten  von  Bern  und  Sollotem 
umb  sold  ze  Mülhusen  gelegen.  15.  mengerlei  anreizung  ge- 
liebt und  zugen  einsmals  mit  denen  von  Mülhusen  für  die 
statt,  da  kamen  — und  vermeinten  si  gar  liechticlichen  umb- 
zebringen. 


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230 


Mülhauserkrieg. 


1468  unseren  gesellen,  als  man  denn  hinusgezogen  was  uf  das  veld 
und  uf  die  futeri,  das  man  gras  in  die  statt  fürt  dem  rieh. 

44.  Das  8oharmüzlen  zu  Mülhusen  am  bach. 

Item  nach  der  kuntschaft  so  die  vigend  hattend,  das  der 
unseren  allen  so  wenig  zu  Mülhusen  lagend,  do  gedachtend  » 
si  tag  und  nacht,  wie  si  zwüschen  die  unseren  und  die  statt 
Mülhusen  kommen  möehtend  mit  irem  vorteil;  und  fiengen 
an  und  besambieten  sich  in  dem  Sungöuw,  ze  ross  und  ze 
fuss,  und  schlugend  sich  ob  Brunstatt  nider  in  die  dürfen 
me  dann  mit  fünftusend  mannen,  als  ich  eigentlich  von  dem  » 
widerteil  vernomen  hab:  und  hattend  sich  ze  veld  geschla- 
gen ob  Züllissen  in  dem  dorf  ze  Freningen.  Und  au  einem 
fritag  früw  warend  etzlich  frouwen  von  Mülhusen  hinus  in 
die  kom  gangen;  do  kamend  die  rütter  harzu  geritten,  und 
viengen  der  frouwen  zwo.  Die  mär  kam  in  die  statt.  Do  is 
luffen  unser  gesellen  hinus  und  wolten  si  erilen,  aber  es 
mocht  nit  gesin,  denn  das  si  hinweggefürt  wurden  für  Brun- 
statt uf  in  das  schloss  Züllissen.  In  dem  hinwegfüren  ilten 
inen  etzlich  knecht  nach  mit  denen  von  Mülhusen  untz  in 
das  verbrunnen  dorf  Brunstatt,  und  kamen  aber  an  das  schloss  » 
als  vor  me  beschechen  was,  und  in  den  vorhof,  und  schussen 
zesamen;  deren  warend  villicht  uf  achtzig;  und  sumptend 
si  sich  da  wol  uf  dry  stund.  Zehand  wurdend  die  vigend  ir 
gewar  die  zu  Freningen  lagend  und  zugend  herab,  der  reisig 
züg  von  ersten,  und  kamend  die  rütter  ze  Brunstatt  vor  dem  m 
dorf  in  dem  veld  an  die  unseren  und  griffend  si  an  und 
scharmütztend  eine  gute  wil  mit  inen;  und  werten  sich  die 
unseren  ritterlich  in  dem  toppel;  und  unter  den  vigenden 
ward  ein  ritter  erschossen;  den  zugen  die  unseren  us.  In 


Schilling.  2.  Denn  si  alles  ir  veche  tag  und  nacht  in 
der  statt  musten  han  und  weiden,  und  torsten  das  nit  harus- 
tryben ; denn  es  zering  umb  si  alles  voll  vienden  was,  und 
kamen  damit  gan  Tudenheim  in  das  dorf;  das  verbranten  si 
ze  grund  und  namen  was  da  was,  und  zugen  wider  heim. 
24  die  ze  ring  umb  in  den  dörferen  waren. 


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Mülhanserkrieg. 


231 


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den  Sachen  kam  das  geschrei  in  die  statt  Mülhusen,  wie  die  U68 
unseren  werend  angriffen  von  den  vigenden.  Also  lüffend 
der  unseren  etlich  hinus  und  meinten  die  zu  entschütten. 

Und  als  si  hinus  kamend  zu  dem  verbrunnen  dorf  Brunstatt, 

5 do  warend  nun  die  vind  abgezogen  und  hattend  si  hinder 
sich  in  das  dorf  getriben  und  belibcn  die  unseren  da  us. 

Und  in  dem  gefiird  waren  die  vigend  gesterckt  worden  und 
kam  der  hufen  des  fussvolks  harzu  und  sambleten  sich  und 
machtend  ir  Ordnungen.  Und  als  wir  hinus  zu  den  unseren 
10  unordentlich  geloufen  warend  — denn  welcher  bass  mocht 
der  tät  ouch  bass  — und  kamend  also  zu  den  unseren,  das 
unser  aller  villicht  bi  anderthalb  hundert  wurden.  Nun  hat- 
ten si  ir  anschlag  und  Ordnung  gemacht,  das  si  dry  hülfen 
hattend,  und  soltcn  die  statt  mit  uns  stürmen  und  abloufen 
is  an  dryen  enden  und  zu  dryen  toren  hinzuilen.  Und  als  wir 
stundent  vor  Brunstatt  uf  dem  veld  in  dem  körn  unordent- 
lich und  einer  hie  lufif,  der  ander  dort,  so  brechen  si  gegen 
uns  herus  mit  ganzer  macht  us  dem  dorf,  die  denn  an  das 
end  geordnet  warend,  und  kam  der  reisig  züg  vordann  in 
20  einer  guten  Ordnung,  und  Hessen  gegen  uns  herin  gan.  Und 
als  wir  si  sichtig  wurden,  zestund  sprachen  etzlich  gut  ge- 
sellen zu  den  houptlüten : machend  uns  bald  ein  gut  Ordnung, 
gsechend  ir,  wa  si  sind;  denn  man  mocht  ir  macht  und  ir 
anschlag  vor  nit  gesechen.  Also  warend  die  houptlüt  da  und 
25  viengcnd  bald  an  und  machtend  ir  Ordnung,  und  stalten  das 
geschütz  ein  halb  zuvorderst  und  sunderüch  die  büchsen- 
schützen.  Eb  man  nun  die  Ordnung  recht  möcht  gemachen, 
do  warend  si  gar  nach  harzu,  das  man  si  musst  angriffen  mit 


Schilling.  1.  das  die  Eidgenossen  angriffen  und  von 
den  vienden  ganz  umbgeben  weren.  Da  luffen  die  anderen  von 
Bern  und  Sollotem  und  etlich  von  Mülhusen  mit  inen  hinus. 
14.  in  meinung,  die  statt  abzuloufen  und  an  drin  enden  ze  stür- 
men und  inzenemen.  Und  als  die  von  Bern  und  Sollotem  mit 
denen  von  Mülh.  also  by  einanderen  im  veld  stunden  und  Gottes 
gnaden  erwarten  und  manlich  mit  einanderen  sterben  und  ge- 
nesen wollen,  und  dennoch  kein  Ordnung  hatten  gemacht. 


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232 


Mülh&userkrieg. 


1468  geschütz;  und  schussend  die  büehsenschützen  des  guten 
muts  in  si,  und  in  dem  angriff  warend  etalich  dahinden  die 
sprechend : lieben  gesellen,  der  vigenden  ist  gar  vil,  kerend 
tlch  umb  und  züchend  an  den  bach,  den  wöllen  wir  ze  hilf 
nemen.  Also  körten  si  sich  umb  und  kerten  zu  dem  bach  5 
in  einer  Ordnung.  Und  in  dem  abziechen  kamend  die  büch- 
senschtitzen  zu  hinderst  und  haltend  die  vigend  hinder  sich 
mit  irem  geschütz,  das  die  unseren  ungesehädiget  untz  an 
den  bach  kamen.  Do  man  nun  untz  an  den  bach  kam,  da 
was  der  rinden  so  vil  worden  an  allen  enden  uf  dem  veld, 10 
das  etzlich  ser  begunt  grusen.  Und  lüffend  die  vorderesten 
einswegs  durch  den  bach.  Also  luff  iedermau  hinacb;  do 
musstend  inen  die  hindersten  fast  entsitzen,  si  möchtend  nit 
mit  lieb  hinach  körnen,  dann  die  vind  uf  inen  warend  und 
neben  inen  an  allen  enden,  denn  das  ouch  gut  gesellen,  so 15 
enent  dem  bach  sich  umbwurfend,  mit  geschütz  und  mit  an- 
deren werinen  die  vigend  hinder  sich  hattend  bis  das  wir 
hindurch  kamend.  Es  was  ouch  enent  dem  bach  ein  huf 
geordnet;  under  denen  warend  die  von  Tann.  Also  kam 
man  doch  nit  gnot  an  schaden  durch  den  bach,  denn  es  be-  *° 
libend  fünfzechen  man  da,  und  ward  etzwe  menger  wund, 
die  aber  von  Gottes  gnaden  nit  stürben.  Deren  die  da  be 
libend,  waren  nün  von  Mülhusen  und  vast  alt,  übelmögend- 
lüt;  dry  gehörten  ouch  under  miner  herren  von  Bern  venli, 
dry  ouch  under  unser  eidgenossen  von  fcolotern  venli.  Gott» 
sye  denen  und  allen  glöubigen  seelen  gnädig  und  barmherzig. 
Die  lüt,  die  zugend  si  us;  ouch  belibend  der  vigenden  etz- 
lich da,  wie  vil  aber  der  war,  kontend  wir  eigentlich  nit 
wüssen;  doch  so  funden  wir  darnach  ouch  zwentzig  rütter- 
hengst  uf  dem  veld  tot  ligen,  vernamend  ouch  wol,  das  lüt» 
ouch  wol  darbi  belibend.  Und  als  ir  nun  gehört  hand,  wie 


Schilling.  7.  die  warten  sich  gar  manlich  gegen  den 
vienden  und  hielten  inen  die  nasen  hinder  sich,  bis  das  man 
an  den  bach  kam.  11.  begunde  grusen,  als  nit  unbillich 
was.  19.  die  von  Tann  mit  irem  paner.  23.  von  Mül- 
husen  us  der  stadt.  31.  Da  si  nun  mit  grosser  not  durch 


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MiUWueikrieg. 


233 


man  durch  den  bach  kam,  do  ilt  man  vast  zu  der  statt;  1468 
denn  man  besorgen  musst,  das  die  vigend  uns  die  statt 
ablüffend  und  damit  die  statt  ingenomen  wurd.  Do  wir  nun 
als  nach  zu  der  statt  kamend,  als  einer  mit  einer  hand- 
s buchsen  geschiessen  mag,  da  kamen  erst  etzlich  knecht  der 
friheit  gegen  uns  herus  mit  ir  venli  und  ruft  der  so  das 
venli  trug  die  gesellen  an,  mit  im  wider  um  ze  ziechen  an 
die  vigend.  Als  man  sich  nun  umbkart  wider  gegen  den 
vigend,  do  wurfend  sich  die  von  Tan  und  ander  vind  umb 
10  und  fluchend  darvon.  Hetten  wir  dozmal  mögen  wüssen, 
das  das  uf  enkeinen  ufsatz  beschechen  war,  wir  woltend  vil 
Kits  mit  der  hilf  Gottes  haben  nidergelegt.  Also  zugend  wir 
mit  der  von  Mülhusen  venli  wider  in  die  statt,  mit  dem  wir 
usgezogen  waren;  aber  etzlich  warend  vorhin  ingelüflfen,  die 
is  des  venlis  nit  gebeitten  wollten.  Und  indem  als  die  vigend 
die  flucht  gewunnend,  do  brachtend  ouch  unser  gesellen  die 
so  da  von  den  unseren  umbkomen  warend  mit  inen  gan 
Mülhusen  in  die  statt. 

45.  Das  die  vind  vor  Mölhusen  in  den  reben  lagend. 

so  Darnach  als  die  sach  am  fritag  vergieng  an  dem  bach, 
der  da  genempt  ist  die  111,  morndeß  am  samstag  da  zugen 
si  frü  mit  irem  gewalt  und  mit  macht  aber  für  Mülhusen  und 
schlugend  sich  uf  den  berg  und  hinder  den  berg  und  in 
die  reben,  und  verwüsten  aber  die  jungen  reben,  die  wider 
26  geschossen  waren  und  verbrantend  die  und  ander  böum,  und 


den  bach  karnent  und  zu  beiden  siten  schaden  hatten  em- 
pfangen. 3.  ablüffen,  als  ouch  ir  anschlag  was.  10.  und  zu- 
gent  mit  schantlicher  Ordnung  und  unerlichen  ab.  Und  möcht 
man  gewisset  haben,  das  sämlich  ftiechen  nit  uf  iren  vorteil 
und  einen  ufsatz  beschechen  wer.  16.  da  brachten  die  Eid- 
genossen und  friheiten  die  iren  so  von  den  vienden  waren 
umbkommen,  mit  inen  in  die  statt,  und  wurden  als  Cristenlüte 
dem  gewichten  ertrich  bevolchen.  23  und  darhinder  in  die 
reben.  25.  verbranten  die  alle  und  schunden  die  fruchtbaren 


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234 


MiUluHiMrkriag. 


1468  was  si  vor  hattend  gelassen.  Also  luffen  gut  gesellen  hinuf 
zu  inen  uf  das  veld  und  scharmützelten  vilnach  allen  tag  mit 
inen  untz  zu  nacht  mit  geschütz.  Darnach  am  mentag  früw 
kamend  si  aber  mit  ir  macht  für  die  statt  und  in  die  reben 
als  vor;  und  besunders  hattend  sich  zugerUst  ir  puren  in  die  ä 
körn  und  viengen  an  das  kom  abmäyen,  und  verwüstend  also 
böum,  reben  und  kom.  Und  beschloss  man  zu  Mülhusen 
alle  tor,  und  wolt  man  niemant  zu  inen  hinuslassen.  Also 
ward  sovil  geredt,  das  man  gesellen  kom  us  liess  unser  ze- 
chen mit  haudbüchsen  und  zween  oder  dry  mit  armbrüsten.  io 
Die  scharmütztend  ein  wil  mit  inen,  untz  das  ein  grosser  re- 
gen kam,  der  uns  zu  beiden  siten  abtrib.  Ditz  war  wol  umb 
mittag.  Indem  so  kamend  inen  dry  absägbrief  in  das  veld, 
nemlich  von  Bern,  von  Fryburg  und  von  Solotern.  Also  be- 
samlet  herr  Thüring  von  Hallwil,  landvogt,  sine  obersten,  die  i* 
er  by  im  hat,  und  wurdend  eins  abzugs  zerat.  Also  rittend 
sin  trummetter  uf  den  berg  hinuf  ze  blasen ; do  zugend  si  ze- 
samen  byhend  und  bald,  und  zog  iedermann  hinweg. 

46.  Wie  man  ze  Bern  uszog  mit  macht  in  das  Suntgöuw  mit 

der  paner.  » 

1468  Momdrest  am  zinstag  vor  S.  Johansen  tag  in  dem  vorge- 
Jmi2t  nam^(-en  jar  ZOg  man  zu  Bern  u8  einer  paner  und  mit 
einem  schönen  volk;  schätzt  man  ob  sibentusend  mannen; 
es  zugend  ouch  mit  inen  die  von  Friburg  mit  einem  venli, 
ouch  die  von  Biel,  von  Sanen,  und  der  junger  graf  von  Va-  a 
lendis  mit  sin  selbs  lib  und  ander  ir  puntgenossen.  Ouch 


böum  und  was  si  vorhin  hatten  gelassen,  das  ward  da  alles 
verderbet,  das  doch  den  unglöubigen  zuvil  were  gewesen,  ich 
geschwige  das  ein  Cristmensch  dem  anderen  das  tun  sol ; doch 
weis  der  almechtig  Gotte  nach  siner  göttlichen  gerechtigkeit 
einen  ieglichen  nach  einem  verdienen  zu  belonen.  13.  kamen 
dryg  loufen  boten  von  B.,  Fr.  u.Soll.,  die  brachten  von  den  drin 
Stetten  dryg  offen  absagbrief  in  dem  langen  stecken.  21.  S.  Joh. 
zu  snngichten.  23.  ob  7000  stritbarer  m.  und  gar  vil  wägen,  kar- 
ren und  soumross.  25.26,  Wilh.v.  Valend.,  der  von  Bern  burger. 


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Mül)ura*erkrieg. 


235 


zugen  die  von  Solotem  mit  ir  stattpaner  mit  inen.  Und  zu-  uss 
gen  in  das  Suntgöuw,  und  meinten  also  ein  streipfreis  ze 
tun.  Ditz  ward  unsem  lieben  eidgnossen  kunt  getan,  und 
seitend  ze  stund  minen  herren  an,  hernach  ze  ziechen,  und 
5 schicktend  ouch  der  herrschalt  ir  absagung. 

47.  Das  man  in  dem  zug  brant. 

Also  namend  mine  herren  von  Bern,  do  si  in  der  vigen- 
den  land  kamen,  ein  strich  für  sich  ze  brönnen,  und  vien- 
gend  an  zu  Blatzen  und  branten  da  durch  nider  unz  gan 
10  Mülhusen. 

48.  Das  die  Eidgnossen  ouch  zn  veld  zugen. 

Unser  eidgnossen  von  Zürich  und  von  Switz  mit  beiden 
panern  zugend  bald  harnach  und  namend  ouch  ein  strich 

Schilling.  S.  234,26.  Und  waren  houptlüt  von  Bern,  herr 
Adrian  von  Bubenberg  ritter,  herr  zu  Spiez,  herr  Niclaus  von 
Scharnaehtal,  ritter,  herr  zu  Oberhofen,  und  Hartman  vom 
Stein,  edelknecht;  und  was  venner  Ludwig  Brügler,  des 
erberen  handwerks  der  gerwern,  und  sin  houptman  und  rat 
Peter  Kistler,  von  dem  erberen  hantwerk  der  metzgern.  Die 
ordneten  alle  Sachen  wol  und  vernünfticlich.  Man  hat  ouch 
ein  rosspaner  gemacht,  dess  houptman  was  Caspar  von  Schar- 
nachtal,  herr  zu  Brandis ; dann  die  von  Bern  gar  ein  erlich 
rossvolk  hatten.  1.  ir  allergetrüwesten  fründe  und  alten  eid- 
gnossen von  Sollot.  2. 3.  — ze  tun  und  die  schmach  und  den 
schaden  ze  rechen,  der  den  von  Mülhusen  wider  alle  billich- 
keit  beschechen  was.  12.  Dis  vernamend  die  anderen  Eid- 
genossen, nämlich  von  Zürich,  Luzern,  Ure,  Swiz,  Under- 
walden,  Zug  und  Glarus,  und  seiten  von  stund  an  der  herr- 
schaft  ouch  ab,  und  ward  denen  von  Under walden  ir  löufer, 
der  iren  absagbrief  trug,  von  etlichen  der  herrschaft  lüten 
ertrenkt,  das  doch  unerlich  und  schantlich  was.  Und  zugen 
also  dieselben  Eidgenossen  mit  iren  offenen  panern  und  gan- 
zer macht  durch  das  Ergöuw  über  den  Nideren  Houwenstein, 
und  was  inen  gar  ernst,  das  si  bald  zu  denen  von  Bern  und 


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Müllutaserkricg. 


1468  für  sich  ze  brönnen  mit  einem  hübschen  volle.  Die  von  Lu- 
zern, Ure  und  Underwalden,  Zug  und  Glaris  kamend  ouch 
schnell,  teteud  als  getrüw  fründ  und  namend  ouch  ein  strich 
für  sich  ze  brönnen  durch  das  land,  all  mit  ir  offnen  panem. 
Zugend  also  an  dryen  enden  durch  das  Suntgöuw  und  in  6 
das  Elsas,  und  verbrantend  vil  schöner  dörfer  und  Schlösser, 
und  tatend  inen  grossen  schaden. 

Item  mine  herren  von  Bern  zugend  von  Blatzen  den 
nechsten  zu  der  eichinen  statt  gan  Happchessen,  und  mein- 
tend  die  zu  erobern.  Denn  si  hattend  davor  vil  Worten  ge-  u 
triben,  wie  si  unser  da  gebeiten  wöltend:  si  hattend  ouch 


Sollot.  kernend  als  getrüw  herzfründe.  8.  Aber  die  von  Bern 
und  Sollotern  mit  anderen  iren  verwanten  namen  iren  strich 
wider  Habkesseu  dadurch  nider  bergs  halb  den  nechsten 
weg  gen  Mülhusen  zu,  da  sie  essen  und  trinken  gnug  fun- 
den,  und  was  dazwüschen  ze  ring  umb  was  das  verbran- 
ten  und  wüstent  si  und  zugent  gar  snelle  gegen  Habkessen 
zu  der  hölzinen  statt,  in  ganzer  meinung  die  mit  dem 
swert  und  sturm  zu  eroberen.  Dann  die  viend  hatten  da- 
vor gar  vil  tröu  Worten  getriben,  und  vermeint  in  der  höl- 
zinen stadt  zu  beiten  und  da  eins  stumis  und  strites  erwar- 
ten, und  hattend  darumb  mit  buwen  und  andern  dingen 
grossen  costen  daruf  geleit,  damit  si  einen  widerstand  möch- 
ten tun.  Und  als  man  darkam,  da  hatten  si  die  statt 
gerumpt  und  ir  eignen  fründe  und  die  armen  lüte  selber  ge- 
plünderet,  und  was  nieman  mer  da.  Doch  fand  man  gar  vil 
gut  wins  und  wenig  wasser;  dann  si  hatten  die  brunnen 
verworfen  und  verslagen.  Und  bleip  man  dem  guten  star- 
ken win  zween  tag  aueinanderen  zu  dienst  da,  des  menger 
gar  frölichen  wart.  Und  als  man  dannen  zoch,  da  stackt 
man  die  hölzin  statt  an  allen  orten  an  und  wart  in  grund 
verbrant,  des  menglich  begirlich  was. 

Die  von  Bern  Hessen  ouch  mit  grossen  arbeiten  und 
costen  die  nechsten  hüser  umb  die  kirchen  abbrechen,  umb 
das  der  mit  iren  gezierden  wurde  geschonet,  als  das  von 
Gottes  gnaden  beschach. 


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Miilhauaerkrieg. 


237 


darumb  grossen  kosten  daruf  geleit  mit  buwcn,  das  si  uns  1468  , 
möchten  da  ein  widerstand  getun.  Aber  eb  man  darkam, 
do  hattend  si  die  statt  gerumbt  und  waren  dämm  gezogen. 

Doch  fand  man  noch  gross  ding  von  win  darin  ligen.  Also 
* blib  man  zween  tag  Uber  da;  do  zog  man  von  dannen  und 
ward  die  holzine  statt  verbrannt. 

In  dem  als  man  zu  Habchessen  lag,  zugend  die  zwei- 
hundert knecht,  so  zu  Mülhusen  gelegen  warend,  zu  minen 
herren  gan  Habchessen ; und  do  man  da  dannen  wolt  ziechen 
»o  mit  dem  paner,  do  wurdent  die  zweihundert  geordnet  vor- 
dannen  ze  ziechen  mit  ira  venlinen  für  das  dorf  Brunstatt, 
das  ouch  beschach.  Und  zoch  man  mit  dem  hufen  hinach, 
und  schlugend  ir  läger  ob  Brunstatt  hinuf.  Und  ward  das 
schloss  Brunstatt  darnach  so  vast  genötiget,  das  si  bald  be- 
lsgunteud  gnad  begären.  Also  gaben  si  das  schloss  uf  und 
liess  man  si  abziechen  mit  ir  hab,  und  nam  man  das  gut, 


Schilling.  7.  Und  als  man  denuocht  in  der  hölzernen  statt 
was,  da  kament  die  200  man  von  Bern  und  Sollotern  von  Mül- 
husen  und  mit  inen  die  von  Mülhusen  mit  ir  stattpauer  und 
enpiingen  ir  herren  mit  frölichein  herzen  und  fröuden,  als 
nit  unbillich  was ; denn  si  erst  am  3.  tag  hatten  vernomen, 
das  man  als  naclie  bi  inen  lag.  Und  wurden  also  an  dem 
abzug  dieselben  200  man  in  die  vorhut  mit  iren  venli  ge- 
ordnet für  das  sloss  Brunstatt.  12.  Dafür  man  angendes 
ein  gewaltig  und  gros  leger  slug,  und  ving  man  glich 
an,  die  in  dem  sloss  zu  nötigen,  imnassen  das  si  sich 
balde  eigaben  und  gnaden  begerten,  des  si  ouch  durch 
Gottes  willen  gewert  und  ufgenomeu  wurden.  Und  zu- 
gen  mit  ir  habe  ab  von  menglichen  unverkümert,  und 
ward  darnach  das  schön  sloss  geplünderet  und  ganz  ver- 
brönt. 

[Zutatzcapilel  in  Schilling.  | 

48.a  Das  die  anderen  Eidgenossen  ouch  miteinander  zugen 
und  was  si  ankamen  alles  verbranten. 

Die  anderen  und  übrigen  Eidgenossen  alle  zugen  in 


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238 


XtUhAUMrkrieg. 


14C8  das  drinnen  was,  us  dem  schloss,  und  verbrant  man  das 
schloss  Brunstatt. 

49.  Wie  ZüUisen  ingenommen  ward. 

In  dem  läger  nament  ouch  fryheitgesellen  in  das  schloss 
Ztillisen,  und  ouch  ander  gut  gesellen  mit  inen,  und  viengend  s 
die  darin  waren,  namend  das  gut  das  si  darin  Funden  und 
verbranten  das  dorf  und  das  schloss  Züllisen. 

Item  es  lufFeud  ouch  gut  gesellen  an  das  schloss  Fre- 
ningen  und  wolten  ir  heil  versuchen.  Do  wurden  dry  ge- 
schossen ; einer,  der  starb  hernach  ; also  müssten  si  von  dan-  w 
nen  ungeschatFet.  Darnach,  do  man  da  dannen  zoch,  zugend 
die  vigent  ab,  und  ward  das  schloss  ouch  verbrennt. 


2 hufen  und  namen  den  strich  Ryns  halben  für  Otmersheim 
nider  und  durch  die  Hard  über  das  Hirzveld,  und  was  da- 
zwüschen  was  von  slossen  und  stetten  und  dörfern,  das 
ward  merenteils  alles  von  denselben  Eidgenossen  erobret,  ver- 
brant und  gewust ; und  zugen  also  umb  über  das  Hirzveld 
und  anderswo  mit  gewalt  und  macht,  das  inen  von  den  vien- 
den  gantz  kein  widerstand  besehach,  wie  vast  si  vorhin  alwe- 
gen  getröwet  und  die  Eidgenosen  zu  inen  an  die  wyte  ge- 
wünschet  hatten.  Sie  waren  aber  inen  nach  minem  bedun- 
ken  zu  fru  komen,  und  besehach  von  Gottes  gnaden  niernan 
der  iren  kein  leid. 

4.  Und  als  die  von  Bern  und  Sollotem  mit  iren  ver- 
wanten  dennocht  vor  Brunstatt  am  leger  waren,  da  luffen 
etlich  under  inen  gen  Züllisen  zu  dem  sloss  und  gewun- 
nen  das  von  stund  an  und  vingend  alle  die  darinnen  wa- 
ren und  brachten  die  den  houptlüten  von  Bern;  die  liess 
man  durch  Gottes  willen  loufen.  Sie  funden  darinne  gar  vil 
gutes;  denn  es  gar  ein  wol  erbuwen  schön  sloss  was,  und 
war  dasselb  sloss  und  das  dorf  darnach  angestossen  und  in 
grund  verbrant.  8.  Es  luffen  ouch  etlich  von  Bern  und  Sol- 
lotern  für  ein  stark  sloss  genant  Freningen.  11.  Da  zugen 
die  viend  ouch  glich  darab  und  namen  was  inen  werden 
mocht  und  verbranten  das  sloss  selber. 


I 

1 

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Mälh*u*erkrieg. 


239 


Nach  disen  Sachen  brach  man  uf  mit  den  pannern  und  1468 
mit  den  zeichnen  und  zog  man  über  das  Ochsenveld  und  schlug 
man  sich  nider  in  dem  dorf  Ufholtz  und  daby  und  verbrant 
man  hierzwüschend  was  man  fund;  ouch  ward  das  stettlin 
s Wattwiler  ingenommen , das  si  den  Eidgnossen  müsstend 
schweren. 


50.  Das  man  für  Tann  zoch. 

Momdeß  brach  man  uf  und  zog  man  wider  Tann  zu, 
do  man  Uffholtz  ouch  verbrannt.  Uf  dem  zug  ward  denen 
io  von  Tann  ir  galgen  abgehuwen  und  ward  inen  das  dorf  Alten 
Tann  vor  der  statt  gebrönnt,  und  schlug  man  sich  nider 
neben  Tann  by  einem  dorf  und  in  dem  dorf. 

51.  Das  die  von  Zürich  und  von  Schwitz  gan  Mülhusen  kamen. 

Als  man  by  Mülhusen  vor  Brunstatt  und  allermeist  ob- 
i5  wendig  lag,  do  kamend  unser  lieben  eidgnossen  von  Zürich 
und  von  Schwitz  gau  Mülhusen  ziechen,  und  hattend  dar- 
zwüschen  ouch  verbrennt  was  si  funden;  zugend  momdeß 
hin  ir  strass,  da  man  inen  denn  hin  bescheiden  hatt,  und 
hattend  sich  hinder  geschlagen  ncbent  Tann,  ob  wir  dar- 
so  kamend,  nit  ver  von  uns.  Und  als  si  zugend  von  Mülhusen 
in  das  lager  uf  der  strass,  do  gewunnend  si  Pfaffstatt  das 
schloss,  liessend  die  darin  warend  abziechen  mit  ir  hab,  und 
verbranntend  das  schloss  Pfaffstatt  und  was  darinnen  was. 


Schilling.  1.  Darnach  brachen  die  von  Bern  mit  iren 
eidgenossen  und  mitburgern  von  Sollotern,  Friburg  und  Biel 
aber  uf,  und  zugen  über  das  Ochsenveld  und  namen  ir  leger 
in  einem  schönen  dorf,  genant  Ufholz,  und  wart  ouch  da- 
zwüschen  alles  das  gewust  und  verbrant  das  man  vand.  Si 
gewunnen  ouch  ein  stettlin  genant  Wattwyl;  dieselben  armen 
lüte  schwuren  inen  angendes:  doch  wurdent  si  bald  ir 
eiden  ledig  gelassen  durch  Gottes  und  rechter  erbermden  wil- 
len, damit  si  von  iren  herren  dester  gnedenlicher  wurden 
gehalten.  12.  vor  Tann  und  in  die  dörfer  darum  b.  20.  Si  ge- 
wunnen ouch  das  sloss  Pfaffnacht  und  verbranten  das  in 


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240 


Mälhatuerkrieg. 


1468  Ouch  zugend  si  vor  das  schloss  Schweighusen,  und  als  die 
ersten  das  schloss  sachend,  da  luffend  si  daran  unordentlich 
und  stürmpten  an  das  schloss  hefftencklich,  und  wertend  sich 
die  im  schloss  ouch  redlich.  Also  mocht  man  das  schloss 
dozemal  nit  gewinnen;  denne  si  warend  nit  beztiget  zu  söli-  5 
chen  Sachen ; und  empiiengen  die  von  Zürich  und  von  Schwitz 
schaden.;  da  denn  inen  wurdent  ob  vierzechen  mannen  er- 
schossen, und  über  fünfzechen  ül>el  wund  von  dem  geschütz ; 
da  etzlicher  darnach  ouch  starb.  Gott  sye  denen  und  allen 
glöubigen  seelen  gnädig  und  barmhertzig.  w 

Da  nun  min  herren  von  Bern  und  von  Solotern  mit  ir 
panner  darkamend,  als  vorstat,  da  kamend  unser  eidgnossen 


grund,  das  gar  wol  getan;  dann  ein  recht  roubhus  und  de- 
nen von  Mülhusen  vil  Schadens  und  kuinbers  darus  besche- 
chen  was,  und  wart  ouch  allerlei  unerlichen  volkes  wider 
die  Eidgenossen  und  ir  verwanten  daruf  enthalten.  1.  Und 
als  nu  die  von  Zürich  und  ander  Eidgenossen  ouch  umb- 
zugen  und  brauten  und  wüsten  was  si  funden,  da  luffend 
etlich  von  inen  ungeordneter  sach  an  ein  sloss  genant 
Sweighusen  und  wolten  das  mit  einem  sturm  understandeu 
han  abzeloufen  und  hatten  aber  kein  büchsen  noch  andern 
züg,  damit  si  sich  konden  oder  mochten  behelfen.  Und  als 
si  zu  dem  sloss  kamen,  da  wurden  ir  leider  14  erschos- 
sen und  umbracht,  und  etlich  ir  dimen  ouch,  und  gar  vil 
wund  und  übel  gewust,  dann  si  hatten  heisses  wasser 
darin  zugerüst,  das  schütten  si  harus,  damit  si  gar  übel 
verbrönt  wurden.  11.  Und  als  die  von  Bern  semlich  Sachen 
vernamen,  da  warent  si  daran,  das  man  von  stund  an  das 
sloss  verhüten  solt,  das  nieman  darin  noch  darus  möcht 
körnen,  und  ordneten  angendes  1000  gewapneter  mannen  zu 
denen  von  Zürich  und  Switz  in  meinung,  das  sloss  mit 
gewalt  zu  erobren  und  den  merglichen  schaden  ze  rechen. 
Da  was  der  herr  mit  wyb  und  kinden  und  mit  sinem  gesind 
heimlich  dannen  gezogen  und  hat  ouch  den  vassen  mit  dem 
wyn  die  boden  usgestossen  und  vil  swinen  in  dem  sloss  er- 
tött,  das  man  alles  nachmaln  vand  und  sach. 


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Mülhaaserkrieg. 


241 


von  Zürich  und  von  Schwitz  und  klagtend  inen  iren  kurn-  1468 
mer,  so  si  empfangen  haftend  vor  Schweighusen  und  begär- 
ten,  das  man  inen  wolte  helfen  die  sach  rächen  an  dem 
schloss,  und  gabend  zc  verstan:  si  hätten  vierhundert  man 
s usgelesen,  das  min  herren  ouch  so  vil  zuschieben  woltend, 
als  ouch  beschach,  und  namend  etzlich  büchsen  mit  uns,  so 
man  denn  da  hatt.  Als  wir  nun  zu  dem  schloss  kamend, 
do  warend  si  vor  darab  gezogen  und  hatten  mit  inen  geno- 
men  was  si  denn  mochtend.  Also  belibend  die  Eidgnossen 
10  die  nacht  in  dem  schloss,  und  zugend  wir  von  ir  bitt  wegen 
des  abends  wider  zu  unserem  her.  Morndess  früw  stiessen 
si  das  schloss  an  und  verbrannten  es  in  grund. 

52.  Wie  man  denen  von  Tann  die  hut  und  die  vorstatt  angewan. 

Nach  disen  Sachen,  als  man  nit  ver  von  Tan  lag,  do  be- 
is  ducht  etzlich,  die  von  Tan  tribent  so  vil  mutwillens  uf  der 
hut  by  Tan  uf  dem  berg,  denn  si  schruwend  und  ruftend 
unchristenliche  wort  herab  zu  unseren  gesellen,  das  nit  ze 
schriben  ist;  also  ward  man  ze  rat,  das  man  inen  die  hut 
angewunnen  sölt,  und  wurdent  lüt  darzu  geordnet,  die  das 
*o  tun  solten.  Also  wurdent  si  ab  der  hut  gejagt,  das  si  mit 
schamlicher  flucht  hinab  in  die  statt  fluond;  und  in  der 
flucht  luffend  inen  unser  gesellen  nach  und  kamend  in  die 
vorstatt;  ein  teil  luffend  ouch  vor  der  statt  zu  dem  vich  und 
tribentt  das  zesamen  und  tribentt  das  mit  inen  hinweg.  Das 
»geschrei  kam  ze  stund  zu  unseren  herren  in  das  läger.  Die 

Schilling.  15.  die  hatten  ir  hüten  uf  dem  berg,  der 
Stoufen  genant,  gar  mit  mutwilligen  lüten  besatzt  und 
schruwen  herab.  17.  das  verdros  die  von  Bern  und  ander 
und  luffen  von  stund  an  uf  den  berg,  und  gewunnen'  den 
mit  gewalt,  der  vorhin  nie  mocht  gewunnen  werden  und  ver- 
jagten die  snöden  buben  des  uncristenlichen  geschryes  mit 
schantlicher  flucht  in  die  statt,  darin  si  kum  entrunnen. 

23.  und  wer  etlichen  zu  rouben  nit  als  not  gesin,  und  etli- 
chen, die  ouch  dem  veche  nachluffen,  so  hette  man  inen  die 
recht  statt  ouch  angewunnen. 

Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  1.  16 


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242 


Mlilh&nserkrieg. 


)4Sf>  schicktend  ze  stund  me  lütz;  harnach  ouch  schicktend  die 
von  Zürich  und  von  Schwitz  zweihundert  man  hernach  gan 
Tan  in  die  vorstatt.  Also  lag  inan  in  der  vorstatt  bis 
morndess;  und  hette  manchen  biderman  wol  gelüst  an  die 
statt  zc  stürmen,  denn  das  man  nit  darzu  bezüget  was.  Der  5 
merteil  des  volks  lag  in  dem  Parfussen  kloster,  und  sunst 
lag  man  in  allen  hüseren.  Si  scharmützelten  ouch  da  mit 
einanderen  mit  geschütz,  das  zu  beiden  siten  lut  übel  gewust 
wurdent,  das  etzlicher  starb.  Man  fand  ouch  vil  guts  wins 
in  den  hüseren,  und  sunderlich  in  herr  Hans  Erhärt  von  Ri- 10 
nach  hus  ligen;  der  ward  vast  usgetrunken.  Und  uf  dieselbe 
nacht  stiess  man  die  vorstatt  an  an  allen  enden,  uud  ver- 
brant  man  si,  und  zog  man  von  dannen  wider  zu  der  paner. 

53.  Wie  man  Hirtzenstein  das  schloss  innam  und  verbrannt. 

Es  wurdend  ouch  uf  dieselben  nacht  zweihundert  ge- 
seilen  von  unseren  panem  geschickt  mit  einem  kundtman 
gan  Hirtzenstein.  Der  was  ab  dem  schloss  geschickt  gan  Tan 
ze  besechen,  wie  es  inen  gieng;  nachdem  er  dann  botschaft 
brächt  wölten  si  sich  ouch  halten.  Und  ward  der  gesell  von 
den  unseren  gefangen  und  genötiget,  das  er  das  tat.  Also  *> 
do  er  mit  inen  darkam,  seit  er  inen  söliche  märe,  das  si  das 
schloss  ufgaben ; und  man  liess  si  abziechen  mit  ir  hab,  und 
namend  die  unseren  das  schloss  in,  und  furtend  das  gut  gan 
Mülhusen.  Si  funden  ouch  uf  dem  schloss  des  apts  paner  von 
Murbach,  ein  wisse  paner  mit  einem  swartzen  wind;  wand* 


Schilling.  5.  Da  man  darkam,  do  hat  man  kein  büch- 
sen,  noch  anderen  züg  darzu  dienende,  und  must  man  ir  ma- 
nigvaltig  geschütz  entsitzen.  So  was  ouch  die  statt  mit  an- 
dern werinen  gar  stark  zugerüst,  das  es  underwegen  bleip. 
9.  guten  starken  Rangen  win,  und  wurden  von  dem  guten 
win  gar  wolgemut.  21.  semlich  underwisung,  das  es  bald 
gewonnen  und  verbrant  ward.  Es  was  gar  ein  werlich 
sloss  und  hoch  gelegen,  und  hette  man  von  dem  gevangnen 
nit  underwisung  und  kuntschaft  geliebt,  so  hett  man  es  nit 
wol  mögen  gewannen. 


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Miilhanserkrieg. 


243 


das  schloss  was  des  apts  von  Murbach.  Die  paner  kam  gan  ucs 
Friburg  im  Üchtland. 

54.  Wie  die  Eidgnossen  zesamen  kamend  uf  dem  Ochsenveltt. 

Also  in  dem  namen  Gottes  brachend  aber  bede  her  uf 
5 des  tags,  die  von  Zürich  und  von  Swytz  mit  ira  panern  und 
den  iren,  ouch  die  von  Bern  und  von  Solotern  mit  ir  panern 
und  den  iren,  und  zugend  uf  das  wit  Ochsenveltt,  und  stal- 
ten  sich  da  zesamen.  Ouch  kam  dar  das  dritt  heer,  nämlich 
unser  lieben  eidgenossen  von  Luzern,  Ure,  Underwalden, 
io  Zug  und  Glans,  die  fünf  Örter  mit  ira  panern  und  zeichnen, 
und  hatten  ouch  gebrönt  untz  dar  was  si  funden  hatten.  Und 
hieltend  also  alle  Eidgnossen  uf  dem  witcn  veld  bi  einande- 
ren, als  si  das  vor  angesechen  hattend,  und  erzeigtend  sich 
da  vor  den  vinden  mit  irer  macht.  Und  geschach  das  vor 
is  Sennhen  und  vor  Tan  harus  uf  dem  Ochsenveld  allermeist 
darumb,  das  si  gesechen,  das  wir  si  uf  der  wite  und  in  dem 
irem  besucht  hettend ; denn  si  vormals  vil  unfrüntlicher  Wor- 
ten getriben  hattend  und  sprachend : wir  bedörfteud  nit  hinus 
körnen;  kämend  wir  hinus  uf  die  wite,  und  besunders  möch- 


Sc  hi  Hing.  1.  die  schankt  man  denen  von  Friburg  von  Sün- 
der lieb  wegen;  die  furtentz  ouch  mit  inen  heim.  7.  uf  dem 
Ochsenv.;  da  enptingen  si  einandern  gar  früntlich  und  in 
ganzen  brüderlichen  trüwen,  als  ein  bruder  den  anderen,  wie 
dann  die  frommen  Eidgnossen  iewelten  gegen  einandem  ze 
tunde  gewonet  hand,  und  sagten  ouch  einandern  in  brüder- 
lichen trüwen  was  si  getan  und  gehandlet  hatten.  Und  zu- 
gen  in  3 grossen  mechtigen  hülfen  uf  dem  witen  velde  zu- 
samen  gar  in  lieplicher  Ordnung  und  waren  von  ganzem 
herzen  begern,  mit  der  herschaft  und  allen  iren  vienden  einen 
strit  ze  tunde  und  .des  manlichen  zu  erwarten.  Dann  die 
edlen  im  lande  und  allenthalben  vorrnalen  gar  dick  gerett 
und  tröwwort  gebrucht  hatten:  möchtend  si  die  Switzer  an 
die  wite  und  sonderlich  uf  den  rechten  spor,  das  Ochsenveit, 
bringen,  so  wolten  si  gern  mit  inen  striten  und  inen  iren 
gewalt  und  hochmut  erzöugen. 


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244 


Mfllhamerkrieg. 


1468  tend  si  uns  uf  das  Ochsenveld  bringen,  wie  si  mit  uns  wol- 
tend  umbgan!  Es  wolt  aber  dozmal  niemants  die  nasen  har- 
fiirbieten.  Item  nach  denen  Sachen  deiltten  sich  aber  die 
Eidgnossen  in  drü  heer,  als  vor,  und  zugend  wider  ob  sich 
das  land  hinuf  wider  Brattellen  und  Mutetz,  und  brantend  5 
als  ouch  vor  uf  dem  zug  was  si  funden  underwegen. 

55.  Wie  zwenundviertzig  man  der  Eidgnossen  zweihundert 
riter  ab  dem  veld  schlugen. 

Indem  schicktend  die  fünf  Örter,  Luzern,  Ure,  Under- 
walden,  Zug  und  Glans  zwen  und  viertzig  man  wol  zugerüst,  to 
all  ze  ross,  gan  Mülhusen  us  dem  heer  umb  spis  ab  dem 
Ochsenveld.  Ouch  schicktend  die  von  Bern  zweihundert 
knecht  umb  spis  gan  Mülhusen.  Als  nun  der  Eidgnossen 
knecht,  die  zwen  und  viertzig  mit  der  spis  von  Mülhusen 
furend  wider  zu  irem  heer,  und  si  kamend  villicht  ein  mil  u 
wegs  von  Mülhusen,  so  koment  die  rütter  an  si,  ira  by  zwei- 
hunderten, und  Hessen  gegen  inen  inhergan.  Also  stundend 
die  Eidgnossen  in  einer  guten  ordnung  und  warend  all  ab- 
gesessen und  griffend  die  vigend  manlich  an,  und  half  inen 
Gott,  das  si  dem  züg  allem  widerstundent,  und  erzeugtend » 
sich  gegen  inen  ritterlich,  und  tatend  inen  so  wehe,  das  si 

Schilling.  3.  Und  also  dankten  die  von  Bern  und 
Sollotern  den  Eidgenossen  gar  früntlich  und  mit  ganzen  herz- 
trüwen,  das  mengem  biderman  sin  ougen  übergingen  von 
rechten  fröuden  und  schieden  damit  in  allen  trüwen  von 
einander  und  teilten  sich.  5.  gen  Basel  zu.  6.  was  enent 
Basel  was.  Das  hattent  si  mit  irem  grossen  Übermut  und 
hochvart  umb  den  allmechtigen  Gotte  wol  verdient  und  was 
inen  ouch  ir  rechter  Ion  worden.  9.  Es  wurden  ouch  40  man 
von  etlichen  orten  der  Eidgenossen  geordnet,  die  warent  meren- 
teils  von  Luzern  und  us  iren  gebieten  und  solten  etwas  wines 
und  spiswägen  den  Eidgenossen  von  Mülhusen  hnrusfüren 
und  nachbeleiten.  20.  und  warten  sich  als  ritterlich,  das  der 
vienden  etlich,  edel  und  ander,  von  inen  erstochen  wurden, 
und  die  andern  namen  ein  schantlich  flucht.  Und  behu- 


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Molhanserkrif/r. 


245 


abziechen  musstend  und  die  Eidgnossen  das  veld  mit  grossen  w>g 
eren  behubend.  Do  nun  diser  toppel  vergieng,  do  betrachteten 
si  die  grosse  gnad,  die  inen  Gott  erzeigt  hat,  das  so  wenig  lütz 
so  vil  der  vigenden,  die  all  reissig  und  ze  ross  warend  und 
5 wol  bezüget,  in  irem  land  uf  der  wite,  und  bi  inen  einer  mil 
wegs  nienen  frtlnd  noch  hilf  hattend,  so  redlichen  überwun- 
den hatten;  und  danketen  Gott  siner  gnaden.  Also  darnach 
wurdent  si  ze  rat,  das  si  also  in  dem  namen  Gottes  wider 
gen  Mülhusen  zugend;  denn  si  nit  wussten,  wo  si  die  iren 
10  iinden  konnten.  Also  ward  es  bald  unseren  eidgnossen  kund 
getan  in  dem  veld,  und  besunder  zu  Hesingen,  da  si  lagen; 
die  schicktend  fünfzehn  hundert  man  gan  Mülhusen  nach  inen. 

Als  nun  mine  herren  von  Bern  mit  irem  volk  dozemal 
gezogen  warend  bis  für  Altkilchen  uf  bi  einem  dorf,  do  man 
is  sich  nidergeschlagen  hat,  ward  inen  sölichs  ouch  kunt  getan, 
und  wurdent  ze  rat,  die  iren  ouch  ze  reichen,  die  zwen- 
hundert,  die  zu  Mülhusen  dennoch!  lagend;  und  kerten  sich 
mit  irer  aller  macht  und  mit  allem  volk  wider  umb  und  zu- 
gend gan  Mülhusen  und  kamend  also  zu  den  Eidgnossen,  die 
»o  ouch  dar  gesant  warend  nach  den  iren.  Morndess  an  dem 
morgen  frü  zugend  die  Eidgnossen  mit  ir  gesellen,  die  si  ge- 
reicht hatten,  wider  zu  den  iren.  Darnach  zugend  min  her- 
ren von  Bern  mit  irem  volk  und  mit  den  iren,  die  si  umb 


ben  also  die  40  man  das  veld  mit  eren,  das  von  Gottes 
gnaden  ir  keinem  am  leben  nit  beschach,  dann  einer  von 
Glarus,  hiess  Heini  Schüler,  der  wart  erstochen,  und  ver- 
luren  ouch  etwas  rossen,  nachdem  si  dann  zu  fus  warent 
abgestanden.  7.  Indem  zugen  si  wider  gen  Mülhusen;  dann 
si  nit  wisten,  war  ir  herm  und  obern  warent  körnen. 
22.  zu  den  iren.  Und  wurden  die  von  Bern  und  Sollotem 
ze  rat,  das  si  Mülhusen  mit  etlichen  soldnem  besetzen  und 
im  namen  Gottes  ouch  wider  heimziechen  und  sich  vereinen 
wolten,  was  inen  und  andern  Eidgnossen  in  disen  Sachen 
furrer  ze  tunde  wäre. 

NB.  An  dies  Kapitel  schliesst  Schilling  das  Lied:  „Wol  uf  mit  ri- 
chem  schalle“  an,  t.LiliencronI,550f.  modemisirt  bei  Rochholtz,  S.8d. 


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246 


‘Waldshuterkriej'. 


1468  die  spis  geschikt  hatten,  ouch  wider  hinuf  und  zugend  den 
nechaten  heim. 

56.  Das  sich  die  Eidgnossen  vür  Waldshut  schlugen. 

In  disen  Sachen,  als  nun  inine  herren  von  Bern  und  von 
Solotern  heim  kamend  mit  iren  panuern  und  mit  irem  volk  5 
und  es  inen  von  den  gnaden  Gottes  wol  ergangen  was  — 
denn  warumb  si  usgezogen  warend  hatten  si  ouch  völlenk- 
lich  volbracht  — do  beliben  die  Eidgnossen  zu  Tüngen  und 
darumb  mit  iren  panem  und  zeichnen,  und  woltend  nit  heim- 
ziechen,  si  brechten  denn  einen  friden  mit  inen  heim;  und  io 
wurdent  ze  rat,  das  si  ein  läger  schlagen  wölten  für  Walds- 
hut, und  manten  und  baten  min  herreu  von  Bern,  ouch  dar- 
für  ze  ziechen  mit  ir  paner,  und  besunder  mit  dem  grossen 


Schilling.  10.  mit  inen;  dann  si  hatten  vernomen, 
das  ein  grosser  treffenlicher  zug  der  vienden  von  Behem  und 
' andern  landen  uf  den  beinen  waren,  denen  si  gern  widerstan- 
den hetten,  und  besatzten  daruf  Schaffhusen  mit  noch  mer 
lüten  und  solduern,  das  si  von  inen  einen  guten  trost  und 
ufenthalt  möchten  haben  und  zugen  also,  am  ersten  die  von 
Luzern  mit  etlichen  andern  orten  uf  S.  Marien  Magdalenen  abend 
[21.  Jiäi]  durch  Baden  für  die  statt  Waltzhut,  und  kamen 
die  andern  Eidgenossen  alle  zu  inen  mit  iren  panern.  Die 
von  Zürich  beschicktend  ouch  äugendes  ir  gros  houptbüchsen 
und  andern  iren  züg  was  si  dann  hatten  und  darzu  nutz 
und  gut  was  und  leiten  den  für  die  statt  Waltzshut  und 
vingen  an  schiessen  und  werken.  12.  Als  balde  man  dis 
denen  von  Bern  verkünd,  da  kamen  si  von  stund  an  mit 
einer  grossen  treflenlichen  macht  und  ir  ufgeworfenen  paner, 
und  brachten  desselbenmals  mit  inen  2000gewapneter  und  strit- 
barer  mannen,  darzu  zwo  gros  houptbüchsen,  boler  und  andern 
züg.  Und  waren  ir  obresten  houptlüt  herr  Peterman  von  Wa- 
hren, ritter,  herr  zu  Belp  und  Caspar  von  Scharnachtal,  herr 
zu  Brandis,  und  was  venner  Peter  Bomgarter  von  dem  er- 
bern  hantwerk  zen  Smiden,  und  sin  houptman  und  rat  An- 
thoni  Archer  von  dem  erbern  hantwerk  der  Pfistern,  und  bi 


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Waliishuterkrieg. 


247 


züg.  Also  seit  man  inen  von  stund  an  zu,  und  zog  man  zu  146S 
Bern  us  mit  einer  paner  und  fünfzehn  hundert  mannen,  und 


inen  ander  from  lüt  von  raten  und  bürgeren,  mit  denen  si 
alle  Sachen  gar  wol  und  erlichen  usrichten.  Es  kamen  ouch 
die  frornen  notvesten  lüte  von  Sollotem  angendes  mit  einem 
erlichen  volke  und  einem  venner,  und  brachten  dennocht  nach- 
mal ir  stattpaner  und  noch  me  lüten  ouch  gen  Waltzhut, 
als  hamach  bas  gelütert  stat.  Darzu  wart  ouch  den  von 
Zürich  und  von  Bern  von  gemeinen  Eidgnossen  zugesagt: 
was  si  mit  irem  schiessen  costens  betten,  das  man  nach  mar- 
zal  der  orten  inen  solichen  costen  wolt  helfen  tragen,  wann 
dennocht  die  andern  ort  nit  vil  semlicher  büehsen  und  ge- 
züges  hatten. 

Das  gemein  Eidgnossen  bi  einandern  mit  allen  iren  pa- 
nern  vor  Waltshut  warent.  Und  da  also  alle  ort  der  Eid- 
gnossschaft,  darzu  die  von  Sollotern,  Friburg  und  Biel 
vor  Waltzhut  zusamen  kamen,  da  wart  die  statt  mit  ge- 
leger  und  büehsen  zu  beiden  orten  des  Rines  zuring  umb- 
geben ; und  wurden  die  frornen  lüte  von  Sollotem  enend  dem 
Rine  zu  bliben  geordnet  mit  etlichem  zusatz  der  inen  geben 
wart.  In  der  vorgenanten  statt  Waltzhut  waren  gar  gut 
lüte  von  graven,  fryen,  rittern  und  knechten,  der  bi  800 
was,  und  zu  irem  houptman  hatten  herrn  Wemhem  von 
Schinen,  rittern.  Die  hatten  ouch  die  statt  mit  bollwerken, 
mit  büehsen  und  ander  notdürftiger  were  besorget,  als  lüte, 
die  sich  ie  vermeinten  mit  macht  zu  weren  und  die  statt  zu 
behalten.  Und  als  die  von  Luzern  und  ander  Eidgnossen 
am  ersten  für  Waltzhut  kament,  het  man  da  angendes  die 
ding  mit  einem  zulouf  oder  sturm  fürgenomen  und  nit  als 
langen  rat  geliebt  e das  die  viend  sich  zur  were  und  andern 
dingen  zu  vast  zugerusten,  so  hette  mau  dennocht  desselben 
abends  inen  ir  bollwerke  und  alle  werinen  abgeloufen  und  wer 
die  statt  an  allen  zwifel  dazemal  erobert  worden.  Darumb 
man  dis  in  künftigem  bedenken  sol,  und  ob  es  zu  schulden 
keme,  das  man  furer  für  stett  oder  sloss  als  snell  und  un- 


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24« 


W aldshnterkrieg. 


U68  warend  die  von  Fryburg  und  ander  ir  lieben  friind  aber  bi 
inen,  ouch  flirten  si  mit  inen  die  zwo  grossen  büchsen;  denn 
die  Eidgnossen  dessen  einh&lig  worden  warend,  was  zügs 
man  do  verschiessen  wurd  und  was  kostens  über  den  züg 
gieng,  den  soltend  gemein  Eidgnossen  ustragen.  5 

57.  Wie  etlioh  der  Eidgnossen  knecht  in  den  Schwartzwald  zugen. 

Vor  disem  läger  waren  der  Eidgnossen  knecht  in  den 
Schwartzwald  gezogen,  und  gewunnen  die  letze  und  erste- 
chend bi  achtzig  mannen  daran,  und  namend  einen  grossen 
roub  vichs  und  triben  den  mit  inen  gan  Schaffhusen ; ouch  10 
versprach  inen  der  apt  von  Sant  Blfisi  drytusend  gülden 
brandschatzung  ze  geben. 

58.  Wie  Waltshut  vast  genötiget  was. 

i4$8  Item  umb  St.  Jakobs  tag  des  vorgenannten  jars  schlug 
Julm  man  s;ch  fjjr  Waltshut,  und  leit  man  den  züg  gar  nach  hin  15 

gewamet  viel,  sol  man  alsdann  die  ding  angendes  tröstlichen  zu 
handen  nemen,  diewile  die  viend  ungewarnet  und  in  schrecken 
sind,  und  denen  nit  so  lang  frist  lassen.  Wann  doch  alwe- 
gen,  als  der  gewaltig  Hannibal  sprach,  da  er  die  sinen  vor 
Rom  anreitzte,  das  gewonlich  der  vorteil  des  ist,  der  sich  zur 
sach  gerust  und  die  ze  tunde  mut  hat;  und  das  ouch  von 
langem  ufenthalten  vil  gesechen  ist,  die  viend  in  mass  da- 
durch gesterkt  worden  sin,  das  man  am  letsten  mit  schaden 
ungeschaffet  abziechen  must,  oder  aber  des  grössern  kum- 
ber  liden. 

Schilling.  8.  ein  stark  letze,  die  si  den  Eidgenossen 
zu  gegenwere  gemacht  hatten.  11.  umb  3000  guldin,  daran 
wurden  von  im  bezalt  1500  guldin,  und  das  übrige  ward  von 
Eidgnossen  gantz  abgetedinget.  14.  Als  nun  die  von  Zürich, 
Lutzem  und  ander  gemein  Eidgnossen  alle  bi  einandem  ob- 
wendig der  statt  Waltzhut  lagent,  da  leiten  die  von  Zürich 
ir  grossen  büchsen  ouch  darfür.  Aber  die  von  Bern  mach- 
ten ir  leger  under  der  statt  Waltzhut  hinab  als  man  gen 
Louffenberg  gat,  und  leiten  ir  grossen  büchsen  von  stund  an 


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W aldihuterkrieg . 


249 


zu  der  statt,  nämlich  die  von  Zürich  ein  grossi  büchs,  die  uea 
von  Bern  ir  zwo  grossen  büchsen,  ouch  haltend  die  von 
Schaffhusen  da  ir  büchs;  die  was  aber  ser  klein.  Und  nöti- 
get man  also  die  von  Waltshut  an  allen  enden  ser  und  vast. 

5 Ouch  hat  man  ein  läger  geschlagen  hie  dissent  Rins ; da 
lagend  unser  Eidgnossen  von  Solotern  mit  ir  panern,  und 
hat  man  inen  ein  zuschub  getan  von  allen  Eidgnossen.  Die 
haltend  nun  ein  pollwerch  ufgeworfen  am  Rin,  und  tätend 
inen  ouch  wehe  mit  geschütz  über  Rin.  Und  liess  man  inen 
to  also  wenig  ruow  tag  und  nacht,  besunders  miner  herren  zwo 
büchsen  von  Bern,  die  wercheten  so  redlich  an  der  statt, 
das  in  kurzem  zit  der  turnen  etzliche  und  der  muren  vil 
nidergeschossen  ward.  Zwar  es  ward  ouch  etzwe  menger 
geschossen  und  etzliche  ze  tod  erschossen  vor  der  statt;  wir 
t&vernamend  ouch  darnach,  das  man  inen  ouch  nit  gnot  valtt. 

59.  Wie  man  me  volks  hinaoh  für  Waldshut  sohiokt. 

Als  man  nun  vor  Waltshut  lag  und  die  statt  vast  ge- 
nötiget  ward  von  den  Eidgnossen,  und  sovil  adels  in  der 
statt  lag,  do  kamend  inin  herren  vil  Warnungen,  wie  man 
w ein  grosse  samlung  täte  in  Tütschen  landen  mit  Behemen  und 


gar  nache  zer  statt.  Und  des  ersten  Schutzes  ward  das  un- 
ter tor  an  Waltzhut  nidergeschossen,  und  darnach  gar  ein 
starker  turn,  darus  sich  die  von  Waltzhut  vast  warten  und 
grossen  schaden  taten.  Mit  demselben  wart  ouch  mit  schies- 
sen so  wit  gehandlet,  das  si  sich  darus  nit  lang  behelfen 
mochten.  Darzu  schussen  ouch  der  von  Bern  büchsen- 
meister  etlich  turn  und  muren  ab,  das  gar  ein  gros  wite 
wart,  und  wurden  ouch  vil  lüte  darin  zu  tode  geschossen  und 
übel  gewust,  als  man  nachmalen  wol  sach.  Desglich  taten 
die  von  Zürich  mit  ir  gross  büchsen  ouch;  die  in  der  statt 
taten  ouch  ir  bestes  und  wartent  sich  gar  manlich  mit 
schiessen  und  andern  dingen;  dann  etlich  von  Eidgenossen 
ouch  geschossen  und  gewust  wurdent,  und  besunder  ein 
büchsenmeister  und  ander  entlieh  lüte  von  Bern. 


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250 


W aUlshuterkrieg 


1468  mit  andereui  volk,  und  man  wollte  Waldshutten  entschütten. 
Also  wurden  die  von  Bern  ze  rat  und  schicktend  inen  zu 
trost  ouch  ir  paner  und  ir  züg,  zweitusend  man,  hinach  gen 
Waldshut  in  das  veld;  ouch  zugend  die  von  Solotern  hernach 
mit  ir  paner;  und  ander  unsere  eidgnossen  starktend  sich  '■> 
nach  dener  grossen  warnuuge  mit  ir  volk;  und  ward  das 
läger  enet  Hins  geschlagen  mit  gemeiner  Eidgnossen  rat. 

60.  Das  etzlich  der  Eidgnossen  knecht  us  dem  läger  vor 
Waldshut  in  den  Wald  gan  Bondorf  zugen. 

In  dem  läger,  als  man  vor  Waldshut  lag,  do  zugend  der  w 
Eidgnossen  knecht  etzlich  hinin  in  den  Swartzwald,  und  be- 
sunder  kamend  si  gan  Bondorf  an  einem  morgen,  und  über- 
lielend  das  dorf  und  erstachen  darin  bi  sechszechen  mannen, 
und  namend  wol  vier  und  drissig  mannen  gefangen.  Ouch 
ward  inen  der  von  Bondorf  vänli  und  ein  grosser  roub  vichs, 11 


Schilling.  2.  und  schickten  noch  2000  werlicher  man- 
nen mit  einem  venlin  dar,  der  houptlüt  waren:  herr  Niclaus 
von  Scharnachtal,  herr  zu  Oberhoven,  und  herr  Niclaus  von 
Diespach,  herr  zu  Signow,  beid  rittere,  in  das  leger.  Do  be- 
valchen  si  die  Sachen  den  vordrigen  houptlüten  und  hulfent 
denselben  das  volk  gar  wislich  und  mit  hocher  Vernunft  regieren. 
Darzu  zugen  ouch  die  von  Sollotern  mit  ir  paner  und  einem 
erlichen  volk  ouch  hinnach ; desglich  die  von  Ure  und  ander 
ouch  mit  ireu  panern.  Und  hatten  ouch,  als  vorstat,  die  von 
Sollotern  vorhin  ein  venli  mit  ltiten  dargeschickt;  die  lagent 
enent  dem  Rine  mit  einem  merglichen  zusatz  von  denen  von 
Bern  und  andern  Eidgnossen,  und  hüben  da  bi  einandern 
in  demselben  leger,  und  taten  denen  in  der  statt  mit  schies- 
sen und  anderem  grossen  merglichen  schaden.  Dann  vor  inen 
nieman  in  die  statt  über  Rine  körnen,  noch  si  getrosten  mocht. 
Das  kam  inen  übel,  als  man  nachmalen  wol  vernam.  10.  zu- 
gent  etüch  von  Bern  und  ander  an  den  Swarzwald  und 
kamen  gar  in  ein  schön  dorf  genant  Bondorf.  14.  und  namen 
jne  dann  40  gevangen. 


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Waldsliuterkrieg. 


251 


mer  denn  sechshundert  houpt;  furtend  si  alles  mit  inen  für  t4«s 
Waldshut  in  das  veld. 

61.  Das  etlicher  der  unseren  erstoohen  wurdent. 

Item  als  man  vor  Waldshut  lag,  do  warend  etzlich  us 
5 deren  von  Bern  und  von  Ure  und  Underwalden  lfiger  hinus 
uf  das  veld  gangen  in  das  körn  und  woltend  das  körn  ab- 
mäjen  und  stundent  also  in  iren  hem  den  und  wamszlen.  Do 
kamen  die  riiter  über  si  geraut  von  der  letze  herus  unwüs- 
sender  dingen,  und  erstachend  der  unseren  eilt*  man;  dera 
io  warend  sechs  von  Underwalden. 

62.  Wie  die  vigend  die  unseren  nachts  uf  der  wacht  hiedisent 
Rins  angriffend. 

In  disem  läger,  eb  und  man  das  läger  enent  Rins  ge- 
schlüge,  do  hat  man  ein  hut  Uber  Rin  geordnet  uf  die  nacht 


Schilling.  2. gen  Waltzhut  und  teilten  das  alles  under- 
einander.  4.  da  luffen  ouch  us  dem  leger  etlich  ungehorsam 
knecht  on  Ordnung,  die  waren  von  — Underwalden,  hinus  gegen 
der  letze,  da  die  viend  waren.  6.  7.  abmeigen  und  damit  futern. 
7.  hemden  und  ein  teil  ganz  abgezogen.  10.  desglich  wurden 
der  ritern  etlich  von  inen  ouch  erstochen. 

11.  \ Zusatz  ton  Schilling].  Das  etlich  von  Bern  von  denen  von 
Waltzhut  erstochen  wurdent.  Es  geschach  ouch,  das  etlich  von 
Bern  us  dem  lantgericht  Zollikofen  sich  in  die  garten  vor  der 
statt  Waltzhut  an  die  bollwerk  machten  und  verslugen,  und 
meinten  vor  den  vienden  sicher  sin,  und  enslieflen  an  der  war- 
men sonnen  und  hatten  ir  werinen  neben  sich  geleit.  Und 
als  die  in  der  statt  innen  wurden,  da  slichen  si  heimlich 
harus  über  das  bollwerk  und  erstachen  etlich  also  slafen 
mit  iren  eignen  werinen  und  wundeten  ein  teil;  die  kamen 
darvon.  Das  han  ich  darunib  haringezogen,  das  iederman  in 
semlichen  kriegssachen  und  legern  sorg  haben  und  nieman 
sin  viend  versmachen  noch  verachten  sol. 

14.  da  was  von  Bern  und  andern  ein  hut  dar  geordnet, 
das  si  dieselben  nacht  wachen  solten.  Also  in  derselben 


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252 


'Wildshoterkrieg. 


i4es  uf  zwei  hundert  man,  und  hattend  die  vigend  einen  anschlag 
getan  und  meintend  Waldshut  zu  spisen  mit  mftl  und  mit 
bUchsenpulver  und  mit  anderem  zllg,  das  si  ouch  taten.  Und 
was  ir  ufsatz,  das  si  die  hut  angriffend  wol  mit  tusend  man- 
nen ee  fuss  und  zweihundert  ze  ross  und  soltend  die  mit  der  s 
spis  oben  Uber  in  die  statt.  Also  griffend  si  die  unseren  an, 
und  ruftend  die  unseren  einanderen  ouch  an,  und  staltend 
sich  ze  wer.  Zehand  namend  die  vigend  die  flucht,  und  was 
inen  so  not  ze  fliehen  das  si  ir  werinen  ein  teil  liessend 
fallen;  harnisch  und  anderes  liessend  si  hinder  inen;  das  man  to 
alles  momdess  fand,  handbüchsen,  armbrüst  und  anderes. 
Das  ward  alles  geteilt  under  gemein  Eidgnossen.  Der  vind 


nacht  hatten  die  viend  — . 3.  und  andern  dingen  und  ouch 
me  luten  darin  ze  tun,  als  ouch  beschach.  5.  ze  ross,  und 
vermeinten  damit  über  Rine  in  die  statt  ze  komen.  8.  ze  man- 
licher  were.  Si  ruften  ouch  die  von  Bern  hie  disenthalb 
dem  Rine  und  ander  ir  herren  und  oberen  an.  Alsbald  man 
das  hört,  und  ouch  die  trumeter,  die  enenthalb  warent, 
bliesen,  da  kam  man  inen  snellicklichen  in  schiffen  zu  hilf, 
wiewol  es  dennocht  nacht  und  ganz  vinster  was,  das  nieman 
den  andern  gesechen  mocht.  In  dem  hatten  die  viend  die 
flucht  genomen.  9.  das  si  iren  harnesch  von  inen  huwent. 
11.  armbresten,  swinspiessen  und  andern  dingen,  das  alles 
am  morgen  fanden  und  geteilt  ward.  Man  vand  ouch  der 
vienden  uf  dem  velde  vier  tot  ligen  und  wart  einer  gevangen 
harüberbracht.  Der  sagt,  das  es  des  bischofs  volk  were, 
als  ouch  die  warheit  was.  Es  wurden  ouch  der  vienden 
me  dann  60  wund  gan  Basel  an  die  artzat  gefürt,  der  stur- 
bent  etwie  menger.  Es  was  ouch  derselben  nacht  vast  vinster. 
Und  als  die  viend  die  flucht  so  unerlich  namen  und  iren 
harnesch  selber  absnitten  und  werinen  hinder  inen  liessen, 
da  meint  man,  si  hetten  einander  selber  erstochen  und  ver- 
wunt;  dann  sich  dieselben  200  man  von  Bern  und  andern  Eid- 
gnossen vast  zusamen  hielten  und  in  ir  Ordnung  bliben,  da- 
ran si  gar  wol  taten.  Doch  kamen  derselben  nacht  in  die 
statt  me  dann  200  werlicher  mannen,  darzu  gar  vil  bulvers, 


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'Waldshntorkrieg. 


253 


wurdent  ouch  vier  erstochen  und  einer  gevangen.  Man  ver-  hss 
nam  ouch  darnach,  das  ir  über  viertzig  ze  Basel  an  den 
artzeten  lögen,  die  all  wund  worden  warend  uf  die  nacht. 

Doch  meintend  ein  teil  lttt,  si  hetten’s  inen  selber  vast  ge- 
5 tan,  als  es  nacht  und  vinster  was,  und  niemands  wüsst,  wer 
fründ  oder  vind  was;  denn  die  unseren  hieltend  sich  vast 
zesamen  und  täten  daran  nit  unwislich. 

63.  Als  man  vor  Waldshut  uf  die  fuotteri  zoch. 

Uf  Sant  Partolomes  tag  zoch  man  mit  miner  herren  von  1468 
io  Bern  venli  und  mit  achthundert  mannen  uf  die  fuoteri,  ouch 
tetend  die  von  Ure  und  von  Underwalden  einen  zuschub  mit 
zweihundert  mannen.  Und  als  mau  kam  in  das  nechst  dörfli, 
do  warend  die  vigend  da  ze  ross  mit  zweiundhalb  hundert 
pferden,  und  kamend  an  etzlich,  die  vorusgeschossen  warend, 
is  der  gar  lützel  was.  Also  ward  unser  einer  übel  gewundt, 
das  er  darnach  starb,  ouch  ward  einer  gefangen ; und  ranten 
domit  wider  darvon.  Also  luffend  gut  gesellen,  die  wol  zu 
ftiss  mochten,  iemer  mer  den  vigenden  nach,  ouch  etlich  zu 
ross,  bis  gar  nach  zu  der  letze.  Aber  die  Zeichen  und  der 
jo  huf  zugend  allergemachst  hernach.  Und  wie  fast  inen  die 
guten  gesellen  nachhangten,  so  mochten  si  doch  den  reisigen 
zug  nit  erilfen.  Aber  es  warend  etzlich  lussknecht  der  vigen- 
den mit  inen  für  die  letze  lierusgezogen,  deren  waren  dry 
erstochen  und  einer  gefangen,  und  etzlicher  wund;  die  an- 
as dem  entrunnend  inen.  Wir  vernamen  ouch  darnach  eigen- 
lich,  das  der  schrek  in  die  vigend  komen  was,  das  si  sich 
gekert  und  gericht  hattcnd  ab  der  letze  ze  fliechen ; und  wären 


mel  und  anderes,  das  man  nachmalen  wol  und  eigentlichen 
vernam.  13.  da  warent  die  viend  darin  bi  200  zu  ross  und 
etlich  zu  fuss.  14.  umb  roubens  willen  vor  dannen  geloufen. 
27.  hette  man  vertruckt  und  fürgezogen. 

27.  [Zwei  Zusätze  von  Schilling.]  Das  die  statt  Waltzhut 
nützit  destminder  an  allen  orten  genötiget  wart.  Man 

hat  aber  nützit  destminder  die  statt  Waltzhut  bi  vier 


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254 


W alfUhntorkrieg. 


1468  wir  für  uns  gezogen,  wir  hetten  die  letze  on  not  gewunneu. 
Also  zugend  wir  heim  in  das  läger  und  beleih  die  letze  un- 
gwunnen, 

oder  fünf  wuchen  belagert  und  doch  vor  und  nach  aller- 
lei angriff  und  scharmutzens  uf  dem  Swartzwald,  an  der 
letze,  ze  Tüngen,  ze  Bondorf,  ouch  vor  der  statt  Waltzhut 
und  an  andern  enden  beschechen,  da  man  merglich  gut  den 
vienden  genomen  und  ir  ouch  vil  ertöt  hat,  als  dann  hievor 
zem  teil  ouch  gemelt  ist;  und  aber  dabi  under  allen  malen 
etlich  knecht  von  Eidgnossen  ouch  umbkomen,  die  den  mer- 
teil  iren  houptlüten  ungehorsam  gewesen  sind  und  mit  Un- 
ordnungen den  vienden  ze  wit  in  iren  vorteil  gan  und  si  gantz 
verachten  wolten,  das  aber  selten  nutz  oder  ere  bringet.  Wann 
wie  stark,  wie  gewaltig  oder  wie  manlich  einer  ist,  so  sol 
doch  von  göttlicher  oder  natürlicher  ordnunge  nieman  sinen 
viend  als  gantz  verachten;  dann  was  man  mit  guter  Ordnung 
tut,  das  mag  kum  ilbel  geraten;  wo  man  oucli  in  gehorsam 
lebet,  da  würket  die  krall  des  barmherzigen  ewigen  Gottes, 
wann  doch  gehorsamkeit  in  allen  dingen  die  obreste  tugent  ist. 

Das  etlich  Behem  von  dem  riehen  herzogen  von  Peiern 
wider  die  Eidgnossen  harnskamen  und  vermeinten,  die  in 
Waltzhut  zu  entschütten.  Es  wurden  ouch,  in  dem  als 
man  vor  Waltzhut  lag,  vom  riehen  herzogen  wol  sechs- 
zechen hundert  Behem  zu  hilf  der  herrschaft  harusgeschickt; 
und  als  die  kamen,  wart  dennocht  durch  si  nit  krieghaftigs 
wider  die  Eidgnossen  gehandlet,  wann  das  si  den  fründen 
me  Schadens  taten  dann  den  Eidgnossen:  doch  so  liess 
dennocht  der  rieh  herzog  dis  durch  sin  botschaft  gegen  deu 
Eidgnossen  also  verantworten:  Er  were  mit  herzog  Sig- 
munden von  Oesterich  in  einer  verstentnus;  nach  der  inhalt 
hett  er  im  lüt  müssen  schicken,  und  ob  joch  die,  so  er  im 
geschickt  hette,  underwegen  bliben  und  nit  wider  heim  ke- 
ment,  da  lege  im  nit  vil  an ; wann  er  hette  im  die  eren  und 
siner  versehribung  halb,  die  si  vor  disen  kriegen  allen  mit 
einandern  gemacht  hetten,  müssen  schicken.  Was  er  aber 
suss  zu  friden  und  gutem  in  disen  Sachen  getun  und  bete- 


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W aldahnterkriep. 


255 


64.  Wie  der  krieg  zwüschen  der  herrschaft  und  den  Eidgnossen 
verrichtt  ward. 

Do  das  volk  nun  alles  zesamenkam  und  niemants  kam,  HUft 
der  si  angriffen  wölt,  als  aber  vorhin  vil  Warnungen  beschechen 


dingen  möcht,  das  wolt  er  mit  guten  triiwen  tun,  als  er  und 
sin  vorderen  iewelten  getan  hetten  in  dem  vorgenanten  fllnf- 
zechenjerigen  friden  und  anderen  Sachen. 

1.  Das  der  vorgenant  krieg  zwischen  der  herrschafft 
und  gemeinen  Eidgnossen  bericht  wart.  Und  als  man  nu 
die  statt  Waltzhut  mit  dem  geschutz,  das  dann  die  von  Zü- 
rich, und  sunderlich  die  von  Bern,  darbracht  hatten,  an  tur- 
nen, muren  und  andern  werlichen  dingen  imnassen  beschos- 
sen, und  dabi  mit  schiffen  uf  dem  Rine  und  andern  brücken 
und  die  graben  inmassen  zugerust  hat,  das  ie  von  gemeinen 
Eidgnossen  angesechen  und  ouch  die  ordnunge  gemacht  was, 
wie  man  an  einem  fritag  fru  im  namen  Gottes  die  sach  mit 
einem  sturm  zu  lianden  nemen  wolt;  und  man  sich  mit 
katzen,  iglen,  brücken,  und  anderm  gantz  darzu  gerust  hat, 
h&bend  sich  der  vorgenant  hertzog  Ludwig  von  Peyern,  ouch 
des  bischoffs  und  der  statt  von  Basel,  darzu  der  Marggraff  von 
Röteln,  die  statt  von  Nüwenburg  und  ander  durch  ir  treffen- 
lichen  bottschafften  understanden,  mit  grossem  ernst  und  fliss 
in  denen  dingen  zu  arbeiten.  Darnach  kam  ouch  der  bischoff 
von  Costentz  in  eigner  persone  gen  Klingnow.  Man  gab  ouch 
des  fürsten  von  Oesterich  raten  frid  und  geleit;  und  wur- 
den von  beiden  teilen  etlich  tage  zu  Togern  und  anderswo 
im  velde  geleist,  und  vermeinten  dieselben  herren  und  hot- 
ten, die  herrschaff't  erbutt  sich  semlichs  glimpl's  und  rechten, 
das  man  billich  darzu  solt  lassen  reden;  also  vermeinten 
ouch  der  merteil  der  Eidgnossen,  man  solte  es  tun,  dann 
möcht  inen  ein  erlicher  friden  und  darzu  gelt  werden,  so 
kernen  si  wol  und  erlichen  heim.  Aber  die  von  Bern  und 
mit  inen  die  von  Sollotern  und  Fryburg,  ir  allerliebsten  fründe, 
meinten,  man  solt  den  angevangnen  Sachen  gnug  tun,  und 
dem  nachgan,  darum!)  man  usgezogen  were,  und  daruf  man 


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256 


W «Jdshnterkrieg. 


uta  warend,  und  man  die  statt  Waldshut  ser  und  vast  beschos- 
sen hat,  do  ward  man  ze  rat,  die  statt  Waldshut  ze  stürmen, 
und  ward  der  sturm  geordnet,  in  wellen  fugen  und  wie  man 


so  vil  libes  und  gutes  hette  geleit,  und  also  in  dem  namen 
Gottes  den  sturm  anfachen  uud  kein  gelt  darfür  nemen ; dann 
es  gar  vil  erlicher  wer,  die  statt  mit  ritterlicher  hand  und 
dem  swert  zu  gewinnen,  dann  also  gelt  darfür  ze  nemen, 
und  bliben  ganz  daruf.  Das  wolt  den  andern  Eidgnossen 
überein  nit  smecken,  uud  werent  gern  heim  gewesen,  und 
meinten  wie  vor,  wann  inen  gelt  und  ein  erlicher  friden 
wurd,  so  hetten  si  es  wol  geschaffet.  Es  beschach  aber  meren- 
teils  darumb,  das  etlich  von  Zürich  und  ander  ir  zins  und 
guter  zu  Waltzhut  und  in  derselben  ort  hatten,  die  vorchten 
darumb  zu  körnen.  Und  also  nach  langen  Worten,  die  dann 
harunder  gebrucht  wurden,  liessen  sich  die  von  Bern  den- 
nocht  überreden  und  gedachten  an  die  trüw  und  früntschaft, 
das  gemein  Eidgnossen  mit  allen  iren  machten  und  panem 
als  brüderlich  in  das  Suntkow  zu  inen  ouch  gezogen  waren, 
und  schickten  ir  botschaft  ouch  zu  den  Sachen  und  wurdent 
die  ding  nach  vil  red  und  widerred  von  einem  an  das  ander, 
das  gar  lang  zu  schriben  were,  durch  den  vorgenanten  bi- 
schof  und  ander  also  betedinget  und  abgeret,  als  harnach 
geschriben  stat. 

Yon  etlichen  punoten  und  artickeln  des  vorgenanten  ab- 
geretten  friden.  Nämlichen,  am  ersten:  Das  die  von  Bern 
und  gemein  Eidgnossen  abziechen  und  das  veld  rumen,  und 
solten  damit  alle  uflfrür,  todslege,  brand,  roup,  und  anders 
in  disen  kriegen  vergangen,  hin  und  gericht  sin;  darzu  solt 
ouch  der  fünfzechenjerig  friden,  zu  Costentz  gemacht,  als 
Diessenhofen  gewunnen  wart,  gehalten  werden  und  bestan, 
nach  inhalt  der  richtungbriefen. 

Item,  es  solten  ouch  die  houptsecher  des  kriegs,  nämli- 
chen die  von  Schafhusen,  entschediget  und  abgetragen  wer- 
den der  achtzechen  hundert  guldin,  damit  Hans  am  Stad,  ir 
burgermeister,  von  inen  gelöst  wurde,  mit  allem  costen;  und 
ouch  das  si  us  der  keiserlichen  ocht  wurden  getan,  an  alle 


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WalikhuU'rkrieg, 


257 


die  statt  stürmen  solt,  und  rustt  man  sich  wesentlich  zu  146S 
dem  sturm  mit  katzen,  iglen,  bruggen  und  anderem  gezüg. 

In  dem  zurüsten  kamend  geritten  des  bischofs  von  Basel  bot- 

entgeltnus.  Und  inen  ouch  den  von  Höwdorff  umb  sin  an- 
sprachen  abnemen  und  dannen  tun. 

Es  wurden  ouch  mit  sunderheit  die  von  Mülhusen  in 
disen  friden  vertedinget,  also  das  man  si  solt  lassen  bliben 
bi  allen  iren  friheiten  und  altem  herkommen,  ir  merckten 
und  aller  ander  Sachen,  und  sicherlichen  zu  einandem 
wandien.  Und  hette  die  herschafft  ützit  an  si  ze  spre- 
chende, oder  si  hinwiderumb  an  die  herschafft  oder  die 
iren,  so  solten  si  einandern  fürnemen,  als  das  in  disem  fri- 
den ouch  abgerett  ist.  Darzu  solten  ouch  alle  brantschatzun- 
gen  bezalt  werden.  Dis  ward  aber  gar  balde  in  mengen 
stucken  an  denen  von  Mülhusen  gebrochen  und  nit  gehalten, 
als  man  harnach  hören  wirt. 

Und  zu  dem  allem  solt  man  geben  gemeinen  Eidgnossen 
von  den  acht  orten  mit  denen  von  Sollotern,  die  ouch  mit 
ir  paner  und  einer  treffenlichen  macht  da  warent,  an  iren 
kosten  zu  stür,  umb  das  si  us  dem  velde  zugent,  nämlichen 
zechen  tusent  rinscher  guldin ; darumb  ouch  die  statt  Waltz- 
hut  und  der  Swartzwald  mit  einandern  den  vorgenanten 
Eidgnossen  zu  pfände  geben  und  versetzt  wurden.  Und 
swuren  angends  zu  Gott  und  an  die  heiligen,  nach  lut 
guter  versigelter  briefen,  die  daruinb  nach  aller  notturfft  uf- 
gericht  wurden,  wo  semlich  gelt  mit  den  achtzechenhundert 
guldin,  so  denen  von  Schaffhusen  gehörten,  bis  San  Johanns 
tag  zu  sungichten  darnach  kommende  nit  usgericht  noch  be- 
zalt wurden,  das  dann  die  statt  Waltzhut  und  der  Swartz- 
walt  mit  einandern  zu  ewigen  ziten  den  Eidgnossen  bliben 
und  dienen  solten  in  allem  dem  rechten,  wie  si  einer  her- 
sehaft  verbunden  weren,  das  ouch  die  herschafflt  verwilligen 
must.  Semlich  gelt  alles  kam  uf  dasselb  zit  gen  Bern  und 
ward  gar  früntlich  und  brüderlich  geteilt.  Denen  von  Bern 
ward  ouch  vorus  von  demselben  gelt  an  iren  costen  der 
grossen  büchsen,  des  bulvers  und  anders  zu  stür,  vierzechen- 

Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  I.  17 


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258 


Waldihuterkrifg. 


1468  schaft,  der  statt  von  Basel,  des  marggrafen  von  Rötelen  und 
ander;  damach  kam  ouch  dar  der  bischof  von  Costentz  mit 
sin  selbs  person,  ouch  des  fürsten  herzog  Ludwig  von  Peyren 
und  ouch  der  statt  Nürenberg;  erbuten  sich,  in  disen  Sachen 
ir  bestes  und  wegstes  ze  tund,  ob  es  zu  Ariden  komen  möcht;  * 
und  meintend  also,  die  herrschaft  schlugen  den  Eidgnossen 
sölich  erlich,  glichlich  Sachen  für,  das  si  billichen  darzu  losen 
Sölten.  Also  warend  etzlich  Örter  der  Eidgnossen  daran, 
man  söllte  zu  den  Sachen  losen;  meintend  aber  min  herren 
von  Bern  und  alle  die  iren,  man  sölte  den  Sachen  fllrerio 
nachgan  und  das  volbringen  darumb  man  dargezogen  wäre; 
denn  die  statt  in  sölicher  mass  beschossen  was,  das  si  mit 
gottes  hilf  wol  gewunnen  worden  wäre;  meintend  aber  etz- 
lich der  Eidgnossen,  wenn  si  einen  erlichen  friden  heim- 
brächtind  und  inen  darzu  gelt  wurd,  so  kämend  si  mit  eren  n 


hundert  guldin,  die  inen  die  Eidgnossen  verheissen  und  zu- 
geseit  hatten,  desglich  denen  von  Zürich  ouch.  Dem  burger- 
meister von  Schafhusen  ward  ouch  sin  abgenomen  schatzgelt 
widerkert. 

Und  also,  nach  semlichen  Sachen  und  richtungen  allen 
zugen  die  von  Bern  und  ander  Eidgnossen  mit  grossen  eren 
wider  heim  und  namen  urlop  von  einandern  in  allen  brüder- 
lichen trüwen.  Und  als  die  von  Bern  mit  iren  büchsen  und 
dem  grossen  zuge  neben  der  statt  Waltzhut  den  uechsten 
weg  uff  dem  graben  abzugen,  da  ruft  ein  alt  wib  überlut 
mit  heller  stimm:  0 du  unseliger  grimmer  ber!  wie  liastu 
uns  so  gar  übel  gekratzet  und  zerrissen!  ich  bitten  Gott, 
das  sich  das  ertrich  ul'tüge  und  dich  verslinde,  und  dich 
niemermer  weder  glück  noch  heil  angang.  Das  wart  anders 
nit  verantwurt  dann  mit  lachen.  Man  hat  ouch  in  disen 
zwein  zügen  gar  mengerlei  und  vil  getan,  das  umb  kürtzerung 
der  ding  underwegen  gelassen  wird.  Die  von  Bern  und  an- 
der Eidgnossen  haben  ouch  gar  erlichen  kriegt;  dann  in 
disen  beiden  zügen  haben  si  weder  böme,  reben,  körn,  noch 
anders  desglich  verwüst;  als  dann  der  herschaff't  lüte  denen 
von  Mülhusen  getan  und  an  inen  erzöugt  hand. 


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"VValdshuterkrieg. 


259 


heim.  Doch  so  blibend  ie  die  von  Bern  lang  uf  ir  sach  und  1468 
meintend,  irer  sach  mit  der  statt  Waldshut  ftlrer  nachzegan. 

Also  nach  langen  Sachen  ward  so  vil  darzu  geret,  das  die 
von  Bern  ouch  ir  botschaft  zu  den  Eidgnossen  fügen  muss- 
s tend  und  lassen  zu  den  Sachen  reden.  Und  ward  also  zu 
dem  lesten  abgeret  und  verricht  uf  soll  ich  form  und  meinung 
als  hienach  stat. 

Item  so  ward  ein  friden  vor  Waldshut  im  veld  gemacht 
durch  die  vorgenambt  botschaften  von  herren  und  stetten, 
io  die  fünfzechen  jar  us  als  der  ze  Costentz  gemacht  was,  do 
man  Diessenhoven  gewunnen  hat,  nach  inhalt  der  richtung- 
briefen  darüber  gemacht.  Es  sollen  ouch  die  houbtsächer, 
nämlich  die  von  Schaffhusen,  von  deretwegen  sich  der  krieg 
erhaben  hat,  entschediget  werden  der  achtzechenhundert  gul- 
is den,  damit  Hans  im  Stad  usgelost  was,  und  der  kost;  ouch 
sollen  die  vorgenambteu  unser  eidgnossen  von  Schaffhusen 
usser  acht  gelöst  werden  one  entgeltnuss  irahalb,  und  sollend 
ouch  darmit  herr  Bilgeri  von  Hoidorf  umb  die  houbtsach  be- 
richtet sin;  es  söllend  ouch  unser  eidgnossen  von  Mülhusen 
2o  in  disem  friden  ouch  begriffen  sin  und  soll  man  si  lassen 
beliben  bi  iren  alten  friheiten  oder  harkomenheit  der  märitten 
und  andrer  Sachen  halb  und  söllend  zesamen  wandien  sicher 
und  fridlich;  hand  ouch  die  von  Mülhusen  an  der  herschaft 
von  Oestrich  ützit  ze  sprechen  oder  die  herschaft  an  die  von 
Mülhusen,  so  sollend  si  einandren  gerecht  werden  nach  dem 
denn  das  vor  Waldshut  abgeredt  ward ; es  sollend  ouch  all 
brandschatzungen  bezalt  werden,  und  soll  man  geben  den 
Eidgnossen  für  die  statt  Waldshut  zechentusend  guldin, 
darumb  sich  ouch  die  statt  und  der  Schwarzwald  versetzt 
so  und  angends,  ob  man  das  veld  rumen  wölt,  geschworen  üb- 
lich eid  zu  Gott  und  den  heiligen,  wo  das  gelt  nit  sambt 
den  achtzechenhundert  gülden,  die  den  von  Schaffhusen  ge- 
hören, nit  bezalt  wurde  uf  den  nächstkünftigen  St.  Johans 
tag  ze  sungichten,  denn  sölte  der  Wald  und  die  statt  Walds- 
36  hut  one  alle  fürwort  gemeiner  Eidgnossen  sin  mit  aller  recht- 
same,  wie  si  einer  herschaft  von  Oestrich  ietz  gewant  siend. 

Das  gelt  kam  ouch  darnach  uf  das  genant  zil  gan  Bern  in 


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2(J0 


W&ldiliuter  krieg. 


uea  die  statt,  nemlich  die  zechentusend  guldin,  und  ward  erberk- 
lich  und  redlich  bezalt. 

65.  Uf  ein  end  dis  kriegs. 

Und  als  ir  gehört  hand  die  Sachen  und  die  löuf  des  ver- 
gangnen kriegs,  den  anfang,  das  mittel  und  das  end,  uf  das  5 
kürzest  begriffen,  want  mengerlei  handeis,  Worten  und  wer- 
ken halb,  sich  verlüfFend;  doch  so  mag  man  hier  verstau, 
was  willens  die  herschaft  von  Oestrich,  ir  landvögt,  diener 
und  lüt  gewesen  sind,  besunder  gegen  unser  eidgnossen  von 
Mülhusen,  denen  si  doch  leider  Gott  vil  kummers  zufugten  10 
an  iren  schönen  reben  und  an  iren  berenden  böumen  und 
an  anderen  iren  früchten,  die  si  inen  alle  in  grund  verderbt 
hand.  Es  stundend  ouch  zwei  arme  siechenhüser  vor  der 
statt;  die  mochtend  vor  inen  nit  genesen,  denn  si  müssten 
verbrunnen  [sin],  damit  si  die  von  Bern,  von  Sollotern  und  is 
ander  ir  lieben  eidgnossen  gereitzt  und  bewegt  hand,  über 
si  ze  ziechen,  und  inen  grossen  schaden  getan  hand  mit  roub 
und  mit  braud;  wie  doch  dem  allem  gewesen  ist,  und  mit 
wie  grosser  macht  die  Eidgnossen  an  drien  enden  durch  das 
land  gezogen  sind  der  vigeuden,  so  sind  si  doch  all  des  *» 
willens  gewesen  und  hat  sich  iederman  gehütet,  das  man 
inen  kein  schaden  wolt  tun  an  iren  reben,  an  den  berenden 
böumen  und  an  irem  körn,  dess  man  alles  mit  fliss  geschonet 
hat;  ouch  hat  man  weder  kilchen,  noch  priestern,  noch  frou- 
wen,  noch  kiuden  dehein  Unzucht  nie  erboten.  Das  mag» 
ich  mit  der  warheit  wol  schriben  und  ich  nit  anders  gese- 
chen  und  gemerken  kont,  denn  das  die  fromen  Eidgnossen 
nit  anders  denn  nach  eren  gekriegt  hand.  Hiemit  sie  diss 
Sachen  ein  end  in  dem  namen  des  alimechtigen  gottes,  der 
nun  und  hinfür  zu  ewigen  ziten  behüten  und  beschirmen  » 
wolle  die  fromme  Eidgnossenschaft  vor  allen  iren  vigenden. 

Amen. 


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Verschiedene  Begebenheiten. 


201 


66.  Das  unser  frouwen  oappel  gemaoht  ward. 

In  dem  jar,  do  man  zalt  tusend  vierhundert  acht  und  usa 
sechzig  jar,  do  ward  unser  lieben  frouwen  cappel  gemacht 
uf  dem  pein  by  der  ltltkilchen,  und  ward  die  alte  schul  und 
5 die  alte  cappel  dannen  gebrochen. 

67.  Eine  brunst  zu  Untersewen. 

Uff  frytag  am  sibenten  tag  zu  usgendem  meyen  in  dem  mp 
jar  als  man  zalt  tusend  vierhundert  und  sibenzig  jar  am  •afo‘25 
morgen  fril  umb  die  zwei,  do  gieng  für  uf  zu  Unter- 
wsewen  und  verbrant  die  statt  in  grund  was  in  der  ring- 
in uren  was. 


Schilling  1.  Wann  unser  lieben  frowen  cappel  und 
ouoh  das  beinhus  gebuwen  wart.  Do  man  zalt  von  der  ge- 
bürt unsere  herren  Jesu  Cristi  tusend  vierhundert  sechzig 
und  acht  jar,  wart  unser  lieben  frowen  cappel  von  nilwem 
ufgebuwen  und  gemacht,  und  wart  die  alte  cappelle  und 
schul  dannen  gebrochen  und  das  totenbein  in  dem  beinhus 
darunter  ouch  gar  ordenlich  geleit;  und  ward  von  biderben 
luten  vil  geltes  daran  ufgenommen;  doch  hat  die  statt  des 
gar  merglichen  costen,  und  beturet  sy  des  gantz  nit,  des  si 
die  himmelkünigin  magt  Maria  nach  minem  begeren  wol 
ergetzen  mag.  Und  warent  buwmeister  derselben  cappelle 
Jacop  Closs  und  meister  Tilmann  ein  scherer,  zwen  burger 
von  Bern,  die  ouch  darzu  grossen  ernst  hatten. 

6.  Das  die  statt  Untersewen  gantz  mit  einandern  verbran. 
Darnach  in  dem  andern  jar,  an  einem  frytag  nach  dem  rney- 
tag,  am  morgen  fru,  um  die  zwey  nach  mitternacht,  ging 
füre  uf  zu  Untersewen  und  verbrant  leider  die  statt  zu 
gründe  was  in  der  ringmur  was,  des  die  armen  lüte  zu 
grossem  verderplichem  schaden  kamen.  Die  von  Bern,  ir 
herren,  taten  inen  gros  hilf  und  stUr,  damit  si  wider  mochten 
gebuwen;  si  machten  inen  ouch  ein  nüw  koußius,  das  gar 
vil  costet,  und  ander  gros  hilf  die  si  inen  tatent. 


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Twinglierrenitreit. 


68.  Von  dem  gebot  so  zu  Bern  gemacht  ward  von  der  spitzen 
an  den  Bchuchen , den  langen  sohwentzen  an  den  kleideren 
und  ander  Sachen  wegen. 

[t466]  In  dem  jar  als  das  heilig  wirdig  sacrament  mit  der  mu- 
strantzen  zu  Bern  leider  dieplich  zu  Bern  verstolen  ward  in  * 
der  ltltkilchen,  darab  nun  min  genädig  herren  gar  ser  er- 
schrecken, und  ouch  ein  erschrockenlich  ding  ist,  da  ein  söl- 
cher  kostbarer  schätz  verloren  wirt  und  hingetrageu,  und 
wol  ze  besorgen  ist,  daz  das  umb  Gott  in  etlich  weg  ver- 
schult  worden  ist,  das  ein  sölicher  verlust  nit  widerumb  10 
vintlichen,  ouch  der  almächtig  ewig  Gott  sölich  gross  freven- 
heit,  unehr  und  bosheit,  so  mit  im  t'ürgenomen  und  begangen 


Schilling.  1.  Wann  das  heilig  sacrament  leider  us  dem 
münster  zu  Bern  verstolen  und  dieplichen  genomen  wart.  Do 

man  zaltvon  der  gebürt  unsere  herrn  tusend  vierhundert  secht- 
zig  und  fünf  jar,  ward  leider  das  heilig  wirdig  sacrament  mit 
einer  köstlichen  silbrin  monstrantzen  us  dem  münster  verstolen 
und  hinweg  getragen  und  beschach  das  in  einer  nacht,  und 
da  man  morndes  in  die  kilchen  kam  und  den  merglichen 
verlust  sach,  da  erschreck  menglich  von  gantzem  hertzen, 
als  nit  unbillich  was.  Und  wurden  etlich  personen,  geistlich 
und  weltlich,  darurnb  gevangen  und  in  mengen  weg  ersucht 
und  mocht  man  doch  uff  keinen  rechten  grund  körnen.  Die 
von  Bern  schriben  ouch  Ln  Tütsch  und  Welsch  lande  und 
schickten  mengen  botten  us,  des  si  gar  grossen  costen  hat- 
ten, und  konde  man  das  niendert  erfragen,  bis  lang  darnach 
vernam  man,  das  es  durch  einen  priester,  der  dann  gestor- 
ben, verstolen  was;  derselb  hat  das  an  dem  totbette  ver- 
jechen ; das  ward  den  raten  von  Bern  in  geheimd  durch  etlich 
from  priester  geseit,  und  beschach  das  darumb,  das  ander 
from  liite,  die  man  damit  verlümbdet  und  in  argwon  hat,  zu 
friden  kemen,  das  gar  wol  getan  und  gein  Gott  dem  all- 
mechtigen  nit  Sünde  was. 


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Twingherrenstreit. 


263 


za  Bern  in  der  statt  ungerochen  von  im  selbs  belibt,  das 
doch  ein  sölich  gottslesterer,  der  sölich  diebstal,  frevenheit 
und  schmachheit  dem  allmechtigen  Gott  erbütet,  in  etlichen 
weg  angendes  nit  geschent,  geplaget  oder  gestraft  von  im  wirt, 
# als  dick  an  menigen  enden,  da  desglichen  beschechen  ist, 
gross  wunderzeichen  sind  beschechen,  damit  denn  geoffen- 
baret  ward  der  ein  solcher  gottsschmächer  was  und  im  ouch 
sin  Ion  ward. 

Harumb,  das  der  allmechtig  ewig  Gott  der  statt  Bern 
io  hinftir  dester  gnädiger,  barmherziger  und  hilflicher  in  allen 

Schilling.  9.  Das  etlich  Ordnungen  und  Satzungen  von 
des  vorgenanten  grossen  Verlustes  des  heiligen  und  wirdi- 
gen  sacraments  wegen  gemacht  wurden.  Und  nachdem  dann 
die  von  Bern  betrachten  wurden,  wie  es  inen  mit  semlichem 
harten  verlust  als  übel  ergangen  was  und  iederman  darumb 
betrübt  wart,  da  machten  si  dem  allmechtigen  Gott  zu  sun- 
derm  lobe  und  eren,  umb  das  er  einen  zom  gegen  inen  ab- 
lassen  und  barmhertzikeit  erzöugen  wolt,  etlich  Satzungen 
und  Ordnungen:  Am  ersten,  von  der  bösen  swüren,  ouch 
von  des  spils,  der  kurtzen  kleidem,  und  sunderlich  der  lan- 
gen swentzen  halb  an  den  frowenkleideren,  ouch  von  der 
langen  spitzen  wegen  an  den  schuchen,  in  semlicher  mey- 
nunge,  das  man  sölich  Satzungen  und  Ordnungen  alwegen 
am  ostermentag  mit  andern  Satzungen  und  Ordnungen  swe- 
ren  und  bi  der  buss  darüber  gemacht  halten  solt,  das  ouch 
beschach.  Und  wurden  die  Ordnungen  am  nechsten  oster- 
mentag darnach  mit  andern  Satzungen  geswom  und  etwas 
zites  gehalten,  das  aber  dennocht  nit  lang  bestund  und  von 
menglichem  in  der  statt  und  uf  dem  lande  allenthalben  ge- 
brochen wart,  und  sunderlich  von  den  edlen,  frowen  und 
mannen,  die  vermeinten,  man  hette  inen  weder  von  der 
swentzen  noch  von  der  langen  spitzen  wegen  nit  zu  ver- 
bieten, dann  si  also  harkommen  werent,  das  man  inen  bil- 
lich  vor  andrem  gemeinem  volck  einen  vorteil  tun  und  gön- 
nen solt;  desglich  wurden  die  andern  Ordnungen  von  dem 
gemeinen  volcke,  mannen  und  frowen,  ouch  gebrochen  und 


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264 


Twingherrenrtreit. 


iren  Sachen  sin  wölle  und  sich  mit  sinen  göttlichen  gnaden 
von  der  statt  nimmer  scheiden  welle  — als  ich  ouch  nit  ge- 
trüw  das  uns  den  schätz  niemants  gestälen  möge  — , so  hend 
min  gnedig  herren,  ein  schultheiss,  der  rat  und  die  zwei- 
hundert der  statt  Bern  ufgesetzt  und  geordnet  etzlich  löblich  5 
Satzungen,  in  ir  statt  und  uf  dem  land  und  allenthalben  in 
iren  gebieten  ze  halten,  gar  treffenlichen  gesworen  mit  ufF- 
gehepten  eiden  zu  halten,  nun  und  alwegen  und  zu  ewigen 
ziten  unabgenklich ; und  sölich  Satzungen  ouch  ein  zit  also 
gehalten  und  dera  nachgangen  ward,  aber  nit  lang,  denne  das  10 
sölich  ufgesetzt,  geschworen  und  gemacht  Ordnungen  abge- 
lassen wurdent  durch  etzlich  sonder  ltit,  und  doch  nit  durch 
einen  gemeinen  gesessnen  rat,  vor  denen  denn  sölich  Satzun- 
gen ufgesetzt  wurdent;  und  verhelfend  sich  die  zit  also  drü 
oder  vier  jar,  das  der  Satzung  ganz  nüt  nachgangen  und  die  is 
verachtet  ward,  wiewol  gar  dick  und  vil  söllich  unbillich 
Sachen  angezogen,  gerüget  und  gemeltet  uf  den  kanzeln  von 
den  priestem  au  ira  bredyuen  wurdent,  das  sölich  eid,  die 
so  hoch  gesworen  und  gelobt  wurdent,  nit  gehalten,  fräven- 
lich  gebrochen  und  denen  in  deheinen  weg  nachgangen  *o 
wurde,  darumb  aber  Gott  gar  swerlich  erzürnt  werden  möcht. 
Söliches  lag  nun  einer  gemein  von  Bern  ob  und  gieng  men- 
gem  biderben  man  ze  herzen,  so  ver 

69.  Das  die  Satzung  ernüweret  ward,  der  spitzen,  der  swenzen 
und  anderer  Sachen  halb.  » 

U70  Das  in  dem  jar,  do  man  zalt  tusend  vierhundert  und 
sibenzig  jar  an  dem  ostermentag,  so  man  setzt  einen  schult- 

nit  gehalten,  und  möcht  man  nieman  me  gemeistern  noch 
darvon  bringen. 

24.  Das  die  Satzungen  und  Ordnungen  aber  wider  ernü- 
wert  und  gesworen  wurden.  Dis  gestund  bis  das  man  von 
Gottes  gebürt  zalt  tusend  vierhundert  und  sibentzig  jare,  da 
wart  an  einem  ostermentag  von  den  zweyhunderten  mit  der 
meren  hand  zu  einem  schultheissen  erwelt  Peter  Kistler,  von 
dem  erbern  handwerck  der  metzgern,  der  was  vorhin  lange 


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Twingherrenstreii 


265 


heissen,  die  vier  venner  und  die  zweihundert,  den  grossen  lfio 
rat  der  statt  Bern,  und  man  da  swert  und  sweren  soll  nach 
löblicher  gewonheit,  der  statt  friheiten,  Satzungen  und  Ord- 
nungen ze  halten,  die  man  ouch  da  öffentlich  vor  einem 


zit  ein  venner  zu  Bern  gesin.  Und  als  man  dann  gewonlich 
am  ostermentag  die  Ordnungen  und  Satzungen  von  der  Zünf- 
ten und  ander  Sachen  wegen  swert,  da  schrüwent  etliche 
under  den  zweinhunderten,  man  solt  die  Ordnungen  und 
Satzungen  von  der  spitzen  und  swentzen  wegen  ouch  wi- 
der harfür  tragen  und  die  mit  andern  Satzungen,  als  vorhin 
ouch  beschechen  were,  sweren  und  halten;  und  wart  das 
geschrey  von  denselben  als  gros,  das  man  dieselben  Satzun- 
gen und  Ordnungen  harfür  trug  und  verhört;  die  wiseten  in 
einem  artickel,  das  man  die  unablosslichen  halten  solt  und 
vorhin  ouch  gesworen  hat.  Und  wiewol  das  mengem  bi- 
derben  mann  leid,  so  was  doch  das  wort  unablessig  durch 
den  schriber,  der  das  gemacht  und  villicht  nit  als  wit  be- 
dacht hat,  war  es  in  künftigem  langen  wurde,  darin  gesatzt, 
uf  das  ouch  der  merteil  von  burgem  fiel;  und  wolten  ie  ge- 
bebt haben,  das  semlich  Ordnungen  mit  andern  Satzungen 
wider  emüwert,  gesworn  und  ouch  gehalten  wurden  by 
den  penen  und  bussen  daruff  gesatzt,  das  ouch  an  demselben 
ostermentag  beschach.  Deshalb  gar  merglich  irrungen  und 
unruwen  zwüschen  dem  adel  und  anderm  gemeinen  volck 
erwuchsen,  als  harnach  stat.  Darumb  man  sich  nu  künftic- 
lichen  gar  wol  bedencken  und  betrachten  sol,  wann  man 
semlich  oder  derglich  Satzungen  oder  Ordnungen  machen 
welle,  das  man  darinne  gewalt  Vorbehalt;  nachdem  dann  ein 
statt  Bern  von  mengen  Römschen  küngen  und  keisem  so 
hoch  und  löblich  begabet  und  gefriget  ist,  das  si  in  allen 
iren  Sachen,  Satzungen  und  Ordnungen  machen  und  die  als 
dick  inen  eben  ist  abtun,  endem,  mindern,  meren  oder  ander 
machen  notigen.  Und  wer  das  in  disem  ouch  beschechen  und 
das  einig  wort,  unablessig,  nit  darinne  gestanden,  so  wer  man 
bi  guten  ruwen  bliben;  darumb  soll  im  niemau  sin  eignen 
gewalt  nemen  noch  sich  des  berouben,  dann  anderes  nit  dann 


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m 


Twingherrenstreit. 


WO  grossen  rat  der  zweihundert  list  und  swert,  als  vorstat,  do 
ward  ouch  angezogen  von  etlichen  fromen  loten,  das  under 
andern  Satzungen  solche  hievor  berllrte  Satzungen,  so  man 
vor  etzlichen  vergangenen  jaren  ufgesetzt  gar  treffenlich 


grosser  rüwen  und  etwan  zweyung  darvon  kompt,  davor  uns 
Gott,  nach  minem  begeren,  ewiclich  behüten  welle. 

Das  man  semlich  Ordnungen  und  Satzungen  offenlich  an 
dem  cantzel  in  dem  münster  vor  einem  gemeinen  volcke  lesen 
lies  und  man  den  edlen  frowen  einen  vorteil  erbott.  Do 
nu  die  Ordnungen  und  Satzungen  wider  emüwert  und  ge- 
swom  wurden,  da  hat  man  lüte  darzu  geordnet,  die  daruf 
lugen  solten;  und  sunderlich  der  gerichtschreiber,  grossweibel, 
und  die  andern  gemeinen  weibel  alle,  die  semlichs  an  die 
heiligen  swuren,  und  das  ouch  rechtvertigen  musten;  doch 
wart  den  edlen  frowen  darinne  eine  billicheit  und  vorteil 
Vorbehalten,  das  si  sich  mit  berlin,  siden,  edlem  gestein,  gold, 
vech,  und  anderm,  nach  irem  gevallen,  uszeichen,  und  aber 
bi  dem  mess  der  spitzen  und  swentzen,  nämlichen  die 
swentz  ein  gemüude  uf  dem  herde,  und  die  spitz  an  den 
schuchen  eins  vordem  gleiche  lang  an  den  vingern,  und  nit 
lenger,  nach  inhalt  der  satzunge,  und  als  ander  bliben  und 
tragen  solten;  und  wart  ouch  semlichs  an  offnem  cantzel  vor 
allermenglichem  gelesen  und  andern  gemeinen  frowen  soli- 
cher  vorteil,  als  davor  gesündert  ist,  verboten. 

Das  die  edlen  zu  Bern,  von  mannen  und  frowen,  an  di- 
sen  dingen,  dem  vorteil,  kein  benügen  haben  und  das  nit 
halten  wolten.  Do  nu  semlicher  vorteil  am  cantzel  gelesen 
und  den  edlen  frowen  Vorbehalten  wart,  in  Worten  als  obstat, 
da  hatten  der  adel,  von  mannen  und  frowen,  kein  benügen 
an,  und  meinten,  si  weren  dabi  und  mit  nit  gewesen,  und 
hetten  ouch  das  nit  gelobt  noch  gesworn,  und  satzten  sich 
etwas  darwider  und  meinten  nit  das  man  inen  semlichs  ver- 
bieten noch  kein  Satzung  noch  Ordnung  über  si  machen 
möcht,  sunder  solt  man  inen  vor  andern  einen  vorteil  lassen, 
als  dann  das  in  aller  weit  recht  und  ouch  dem  adel  zuge- 
eignet were,  und  meinten,  ir  wiber  und  töchtem  könden 


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Tw  ingherreustreit. 


267 


gesworen  und  geordnet  het  ze  halten  flir  uns  und  unser  WO 
nachkomen,  abgegangen  und  gar  liederlich  geschetzt  und  nit 
gehalten  wurd,  darum  b Gott  wol  swerlichen  erzürnt  werden 
möcht.  Und  warend  das  solich  artikel  in  der  Vorberürten 
s Satzungen,  nämlich  der  langen  kleideren,  der  schwentzen, 
und  der  kurzen  kleideren  der  mannen,  und  der  spitzen  an 
den  schuen. 

Nun  warend  die  vorberürten  zweihundert,  der  gross 
rat  der  statt  Bern,  ganz  des  gemüts  und  des  willens,  das  si 
x«  uf  dem  vorgenambten  ostermentag  dehein  friheit,  Satzung 
noch  Ordnung  schweren  wölten,  dieselbe  Satzung  wurde  denn 
ouch  gehalten  und  ernüweret,  als  die  vor  vier  jaren  ufgesetzt 
und  ze  halten  gesworen  ward.  Und  nach  verhörung  dersel- 
bigen  Satzungen,  so  ward  si  ernüweret,  geschworen  und  ge- 
i5  boten  zu  halten  bi  der  pen  und  buss,  als  denn  die  daruf 
vorhin  gesetzt  ward,  und  sölte  ouch  deme  fürwerthin  getrüw- 
lich  und  fromklich  nachgegangen  werden  one  alle  widerred, 
und  darwider  nimmer  me  getan  noch  darin  gebrochen  wer- 
den bi  der  buss  als  vorstat,  von  edlen  und  unedlen,  mannen 
» und  frouwen,  niemants  usgescheiden.  Wiewol  war  ist,  das 
etlich  under  minen  herren  den  edlen,  oder  all  gemeinlich 
sich  gärn  darwider  gespert  und  gesetzt  bettend,  so  ward  es 
doch  nach  verloffnen  Sachen  und  nach  vil  inzügen  beschlos- 


sich mit  keinen  andern  dingen  uszeichen  noch  bekantlich 
machen,  dann  mit  den  langen  swentzen  an  iren  kleidern. 
Den  andern  vorteil,  mit  gold  und  andern  dingen,  den  man 
inen  hette  geben,  der  wurde  von  gemeinen  frowen  ouch  ge- 
brucht.  Und  wart  gar  grosser  merglicher  unwill  von  inen  ge- 
sechen  so  verr,  das  ein  gemein  geschrei  allenthalben  in  Eid- 
gnossen  und  an  andern  enden  gebrucht  und  offenlichen  gerett 
wart:  Es  weren  uneinikeiten  und  gross  parthien  zwüschen 
dem  adel  und  der  gemeinde  von  Bern,  das  von  Gottes  gena- 
den nit  was;  und  wurden  vil  wunderlicher  und  seltzner 
Worten  gebrucht  von  einem  und  dem  andern  die  ich  umb 
der  kürtze  und  sunderlich  umb  fridens  und  ruwen  willen 
underwegen  lass. 


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268 


Twingherrenstreit. 


1468  sen  wie  obstat,  und  ouch  gehalten,  und  alle  die  gcfertiget 
und  gestraft,  die  denn  darwider  tettend;  und  dieselben  min 
herren  von  dem  adel,  ir  mithaften,  ir  frouwen  und  wiber, 
so  si  hattend,  sich  vast  wider  das  ufgesetzt  Ordnung  und 
Satzung  sparten  und  satzten,  und  nit  meintend,  das  man  si  s 
sölte  zwingen  und  trengen,  die  Satzung  ze  halten,  sonderlich 
der  schwentzen  halb  an  den  kleideren;  und  suchtend  und 
stiessend  in  ir  mann  gar  mengerlei  wegs  und  flirzugs,  damit 
man  versucht,  ob  man  die  Satzung  möcht  abgetun  und  miner 
herren  gebot  an  ruggen  werfen  und  ir  will  damit  ein  fürgang  w 
gewun.  Darwider  aber  meintend  min  gnedigen  herren,  die 
rät  und  die  zweihundert,  das  es  gar  ein  schimpflich  ding 
were,  solte  man  also  liederlich  vallen  von  sölichen  löblichen 
guten  Ordnungen  und  Satzungen,  die  doch  verzogen  warend 
so  treffenlichen  bi  hochen  gelübten  und  eiden,  als  man  doch  ,5 
gegen  Gott  in  deheinen  weg  mit  glimpf  und  eren  verspre- 
chen möcht. 

Nun  ist  war,  es  kam  ein  geschrei  und  red  in  die  land 
hinus  zu  unseren  eidgenossen  und  ander  stetten  und  lende- 
ren,  wie  nun  solche  uneinhelligkeit,  partyung  und  zweiung  K 
uferstünd  und  sich  erhub  zu  Bern  von  sölicher  obgeschribe- 
ner  Sachen  wegen,  das  darvon  wol  gar  vil  böser  und  übler 
dingen  entspringen  möcht;  und  macht  man  die  Sachen  gar 
hert  und  vil  herter  denn  si  aber  an  inen  selbs  warend. 


Schilling.  18.  Das  min  herr  von  Basel,  der  marggraff 
von  Röteln,  und  ander  von  der  sach  wegen  gen  Bern  kamen 
und  sich  in  trüwen  arbeitent.  Darumb  da  nu  semlich  wort 
allenthalben  gerett  und  gebrueht  wurden,  das  in  der  statt 
Bern  ein  misshell  und  zweyung  sin  solt,  da  kamen  gen  Bern 
die  hochwirdigen  und  hochgebom  fürsten  und  herrn,  herr 
Johanns  von  Gottes  gnaden  bischof  zu  Basel,  der  was  einer 
von  Venningen,  und  herr  Rudolf  marggraf  von  Hochperg,  graf 
zu  Welschem  Nüwenburg,  herr  zu  Röteln  und  Susenburg, 
gubernator  zu  Lützelburg,  der  ein  ewig  burgrecht  mit  denen 
von  Bern  hat;  darzu  der  erbem  stetten  boten,  von  Basel, 
Sollotern,  Friburg,  Biel  und  ander,  als  getrüw  herren  und 


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Twingherrenstreit. 


209 


Durch  wen  das  aber  zugieng,  das  lass  ich  sin  als  es  ist.  Denne 
die  mer  wurdent  so  hert,  das  der  hochwürdig  iiirst,  der  bi- 
schof  von  Basel,  der  hochgeboren  filrst  marggrat'  Rudolf  von 
Hochberg,  herr  zu  Rötelen  etc.  mit  ir  selbs  personen,  die 
5 statt  von  Basel,  die  statt  von  Friburg,  Sollotern  und  Biel, 
von  der  Nüwenstatt,  und  etzlich  von  den  Eidgenossen  ir  bot- 
schait  har  gan  Bern  schickten  für  schultheiss,  rät  und  zwei- 
hundert, das  si  iren  bissigen  ernst  darzu  bruchen  solten,  als 
si  ouch  taten,  ob  man  in  keinen  weg  möchte  finden,  das  sö- 
10  lieh  ufgesetzt  Satzungen  möchten  abgetan  und  hingelegt  wer- 
den, als  das  ouch  gar  in  mengen  weg  vor  dem  vorgenambten 
rat  versucht  und  fürzogen  ward,  das  doch  nit  inocht  noch 
kont  gesin  von  Ursachen  wegen  als  ir  vor  gehört  hand,  wie 
dieselben  Ordnungen  und  Satzungen  ufgesetzt  und  gesworeu 
i5  worden  sind ; und  wurdent  also  mit  fürlegung  und  verhörung 
sölicher  gesatzten  gütlich  abgewist  und  inen  ein  antwort  ge- 
geben, das  si  also  dazemal  von  Bern  rittend  und  schiedent, 
und  die  sach  bestund  wie  vor;  daran  aber  mine  herren  von 
dem  adel  und  ir  mithaften  nit  ein  gut  benügen  hattend,  und 
20  meintend  ie,  si  solltend  billich  einen  vorteil. haben  nach  irer 
harkomenheit.  Und  ward  also  allerlei  geret  und  gebrucht 
wo  man  uf  tagen  was  under  den  Eidgenossen  oder  in  miner 


fründe ; denen  dann  semlich  irrungen  und  zweiträcht  in 
gantzen  trüwen  leid  waren,  und  begerten  an  die  von  Bern, 
räte  und  zweihundert,  inen  der  Sachen  zu  vertruwen  und 
ander  gut  mittel  darinne  zu  suchen,  damit  man  bi  l'riden  und 
einikeit  möcht  bliben,  mit  gar  früntlichen  worten  und  erbie- 
tens,  das  dennocht  menglich  wol  erkant,  das  inen  die  ding 
vast  zu  hertzen  gingen:  also  wart  inen  von  raten  und  bür- 
gern vast  gedancket  und  wurden  inen  die  gemachten  Satzun- 
gen und  Ordnungen  vorgelesen  und  zu  erkennen  geben, 
warumb  die  gemacht  und  angesechen  weren,  und  das  mau 
davon  eren  halb,  nachdem  man  die  gesworen  hette,  nit 
wol  köude  noch  möcht  stan,  und  wurden  also  dazemal 
gütlichen  von  Bern  gewiset,  wiewol  si  ungern  dannen 
schieden. 


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270 


Twingherrenstrtit. 


wo  herren  von  Bern  gebiet,  sovern  und  wit,  das  gemeine  Eid- 
genossen von  allen  örtern  ze  rat  wurdent,  ir  treffenlich  bot- 
schaft  sambt  den  stetten  Friburg,  Soloturn  und  anderer  har 
gan  Bern  in  die  statt  schicktend  und  geschickt  ward  zum 
anderen  mal  für  schultheiss,  rät  und  die  zweihundert,  und  s 
soltend  da  suchen  etzlich  weg  und  ir  vermögen  tun,  wie  die 
Sachen  am  allerbesten  zerleit  würden;  und  bruchtend  allwegen 
ire  wort  uf  die  form  und  meinung,  wie  ein  zweiung  und  ein 
grosse  uneinhelligkeit  uferstan  möcht  von  sölichen  Sachen  und 
vil  übler  Sachen  darvon  entspringen.  Da  aber  min  gnädigen  10 
herren,  schultheiss,  rät  mit  den  zweihunderten,  die  doch  ganz 
einhellig  in  disen  Sachen  warend,  nüt  anders  konten  finden, 
das  ganz  dehein  uneinhelligkeit  noch  partyung  under  inen  war, 
sonder  so  werend  si  gantz  einhellig  miteinanderen,  si  wolten 
ouch  gern  getrüwlich  halten  was  si  ufgesetzt,  gelobt  und  ge- « 
sworen  hetten  als  ir  vorderen,  von  denen  man  nie  anders 
vernomen  hette;  es  weren  wol  etzlich,  die  sich  widerten  die 
Satzungen  ze  halten  und  nit  mit  willen  den  Ordnungen  nach- 
giengend,  die  si  doch  zum  teil  hettend  gehulfeu  raten,  setzen 
und  ordnen ; man  getrüwete  aber,  si  gedachten  sich  der  tagen  a> 

Das  darnach  gemeiner  Eidgnossen  und  ander  hotten  ouch 
gar  treffenlichen  gen  Bern  kamend.  Do  nu  die  vorgenanten 
herrn  und  botten  von  Bern  furen  und  inen  gar  leid  was, 
das  si  nit  geschaffet  hatten,  da  wart  der  unwill  vom  adel, 
von  mannen  und  frowen  mit  irem  anhang,  noch  grösser  und 
ie  mehr  inrisen,  und  meinten  ie  man  hette  si  in  semlichem 
nit  also  zu  zwingen,  sunder  solt  man  inen  vor  anderm  ge- 
meinem volck  einen  vorteil  lassen,  dann  si  dennocht  semlich 
Satzungen  noch  Ordnungen  nit  gesworen  hetten  noch  willen 
darzu  geben;  und  was  allweg  ir  meinung  von  der  langen 
swentzen  wegen  an  den  cleidem,  damit  möchtent  sich  ir 
wiber  und  töchtern  bas  dann  mit  andern  dingen  uszeichnen ; 
und  wurden  gar  mengerlei  seltzner  worten  zu  Bern  in  der 
statt  und  allenthalben  im  lande  gebrucht  und  gerett,  es  we- 
rent  irrung  und  zweyung  under  inen;  das  wart  ouch  in  den 
Eidgnossen  und  anderswo  unverholen  gerett.  Umb  das  ka- 


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Tw  inghcrrcnstreit. 


271 


eins  bas.  Und  werdend  also  der  stetten  und  der  Eidgenos-  w 0 
sen  boten  abgewist  und  inen  geantwortet  uf  die  form  und 
meinung  wie  obstat,  mit  mer  und  hübscheren  Worten. 

70.  Wie  der  adel  zu  Bern  frevenüch  wider  miner  gnädigen 
s herren  gebot  tetend  einhellenklich. 

Also  verluff  sich  die  zit  untz  uf  S.  Catrinen,  der  heiligen  wo 
jungfrouwen  tag  in  dem  vorgenannten  jar  an  einem  sontag,  N.^' 
do  man  das  heilig  ambt  sang  in  der  mess.  Do  kommend  die 
vorberürten  min  herren  von  dem  adel,  ouch  etliche  irer  mit- 
»o  haften,  nach  den  vorgeschribenen  vergangnen  Sachen  in  die 
lütkilchen  freventlichen  wider  das  ufgesetzt  gebot  und  nach 
dem  abschlachen  der  grossen  bitt,  so  denn  mer  denn  einmal 
an  min  gnedig  herren  rät  und  zweihundert  beschechen  was, 
mit  ira  spitzen  an  den  schuchen  über  das  mäss,  desglichen 
is  ir  frouwen  und  wiber  mit  iren  swentzen  an  den  kleideren 
wit  über  das  mäss,  und  losten  also  das  heilig  ambt  und  die 
mäss.  Was  si  des  gottslons  hattend,  das  setz  ich  hin  zu  Gott; 
der  erkennt  alle  hertzen.  Nun  was  mancher  biderbman  zu 
Bern,  der  das  gesach  und  ser  erschrack  ab  sölichem  ir  für- 
aonemen;  denn  man  da  wol  verstund,  das  sölich  fümemen  mit 
einhellem  rat  under  inen  beschach;  und  beducht  ouch  man- 
chen biderman,  das  sich  sölich  ir  fümemen  nit  ziechen  noch 
angesechen  wär  uf  einigkeit,  sonder  uf  zwitrachtigkeit  und 
partyung  der  ganzen  statt  ze  Bern,  denne  das  ein  schultheiss, 

25  der  rat  und  die  zweihundert  mit  Vernunft  und  wisheit  darin 
giengend  und  die  zum  besten  wider  übertrugend  uf  sölch 
wis  und  meinung  als  hienach  stat: 


men  ouch  gemeiner  Eidgnossen  hotten  von  stetten  und  len- 
dem und  darzu  ander  erber  botten  gen  Bern,  und  begerten 
ouch  an  rät  und  zweihundert  inen  gönnen  in  dis  ding  zu 
reden  und  etwas  mittel  zu  suchen,  damit  man  zu  friden  und 
ruwen  kerne,  mit  gar  früntlichen  worten  und  vil  erbietens. 
Also  wart  inen  ouch  vast  gedancket  und  luter  zu  erkennen 
geben,  warumbe  man  dis  ding  angesechen  bette,  und  wurden 
inen  ouch  die  gemachten  Ordnungen  und  Satzungen,  als  ouch 


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272 


Twinglierrenstreit. 


71.  Wie  min  herren  von  dem  adel  förgenomen  wurdent  von 
Übertretung  des  gebots  wegen. 

1410  Item  nachdem  und  denn  sölich  Sachen  von  minen  herren 
und  frouwen  dem  adel  frevenlichen  fürgenomen  wurdent,  als 

den  vorbestimpten  herrn,  vorgelesen  und  ouch  dabi  gesagt, 
das  man  von  eren  wegen  nit  wol  davon  lau  noch  die  endern 
möcht,  und  schieden  damit  ouch  von  Bern,  und  warent  nit 
wol  content. 

1.  Das  der  adel,  von  mannen  und  frowen,  mit  irem  anhang 
die  obgenanten  Satzungen  mit  einandern  brachen  und  nit 
halten  wolten.  Bis  gestund  also  durch  das  gantz  jar  an,  bis 
umb  wienechten,  und  wurden  dazwischen  etwie  menger  von 
dem  gemeinen  volck,  die  dann  semlich  Satzungen  brachent, 
mit  recht  gevertiget,  die  ouch  darumb  leisten  musten.  Und 
also  an  sant  Catherinen  tag,  der  heiligen  jungfrouwen  und  mar* 
trerin,  der  da  was  an  einem  Sonnentag,  da  kament  etlich  von 
dem  adel  mit  irem  anhang,  als  man  dann  das  fronamt  und 
die  mess  hat  angefangen,  oflenlichen  in  die  kirchen  gan  mit 
iren  langen  spitzen  an  den  schuchen,  desglich  derselben 
edlen  wiber,  töchtern  und  jungfrowen  mit  iren  langen 
swentzen  an  den  kleidem  und  ouch  langen  spitzen  au  den 
schuchen,  das  alles  über  das  mes  und  wider  die  gemachten 
Satzungen  und  Ordnungen  was,  daran  menglich  ein  Unwillen 
nam,  und  vorcht  menig  bidermann,  das  darus  grösser  unruw, 
und  anders  das  zu  misshelle  dienen,  entspringen  wurde; 
doch  wart  es,  von  Gottes  gnaden,  zem  besten  undertragen. 
Und  glich  an  demselben  Sonnentag  wart  inen  allen  vom  adel, 
frowen  und  mannen,  von  schultheissen  und  räten  tag  verkündt, 
das  si  morndes,  am  mentag,  für  das  usser  gericht  gan  und 
da  nach  inhalt  der  Satzung  erwarten  und  liden  solten,  was 
recht  were.  Daruf  was  ir  aller  begern,  das  man  an  inen 
nit  also  ilen,  sunder  inen  morndes,  am  mentag,  gemein  bur- 
ger  mit  der  glocken  berufen,  vor  denen  si  dann  ir  Sachen 
und  anligen  erzelen  und  dann  aber  was  recht  wer  liden  und 
tun  wolten;  das  inen  ouch  zugesagt  wart.  Und  kament  mit 


< 


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Twingherrenstreit. 


273 


vors  tat,  uf  denselben  tag  ward  inen  tag  verkündet,  das  si 
momdess  für  recht  an  das  gericht  komen  sollend  und  mit 
recht  gefertiget  werden  als  andere,  so  sölich  gebot  gebrochen 
und  darwider  getan  hetten.  Nun  was  ir  begeren  und  anmu- 
5 tung  an  mine  gnedigen  herren  schultheiss  und  rat,  man  wölt 
inen  sölich  Sachen  und  gericht  ufschlachen,  und  inen  gönnen, 
einen  grossen  rat,  nämlich  die  zweihundert,  ze  samlen:  vor 
denen  wolten  si  ir  antwort  geben,  das  si  getruwtind  des 
glimpf  und  er  zu  haben.  Das  geschach  und  ward  gesammet 
io  ein  grosser  rat  zu  Bern,  die  zweihundert,  mit  der  gloggen. 
Also  stundent  si  dar  gemeinlichen  und  einhellenclichen  und 
leitend  iren  glimpf  an  tag  so  si  best  mochtend.  Begertend 
ouch  darbi,  man  sölt  inen  ein  gemein,  gut,  stark  gricht  ma- 
chen und  si  darftir  lassen  komen,  da  woltend  si  getrüwen, 
is  ir  Sachen  in  sölicher  mass  an  tag  ze  legen,  das  si  in  disen 
Sachen  anders  nützit  fürgenomen  hettind,  dann  das  si  mit 
recht  wol  verantworten  möchtind.  Dis  ward  inen  völlenkli- 
chen  zugeseit,  und  ward  gemachet  und  verordnet  ein  gut 
gericht  mit  erbaren,  fromen  lüten  von  minen  herren  den  raten 


einandern  tiir  gemein  burger  und  retten,  was  si  getan  hetten, 
das  were  nieman  zu  leid  beschechen,  sunder  von  inen  also 
angevangen  und  understanden,  das  si  meinten  recht  darzu 
haben,  dann  si  doch  semlich  Satzungen  nit  gesworn  noch 
willen  darzu  geben ; so  hette  man  inen  ouch  einen  vorteil  vor 
andern  verheissen  und  zugesagt,  der  inen  ouch  nit  worden 
wer,  das  si  könden  oder  möchten  benügen  daran  han.  Und 
ob  man  si  darumb  mit  recht  vertagen  oder  ersuchen  und  si 
des  nit  üherhebt  möchten  werden,  so  begerten  si  das  man 
inen  ein  offen  gericht,  mit  fromen,  erbern  und  unparthien  lüten 
machen  und  besetzen,  so  wolten  si  sich  darnan  [daran?  darnach?] 
nach  dem  besten  verantwurten,  des  si  getrüwten  glimpf  und  ere 
zu  erlangen ; das  inen  ouch  von  räten  und  zweihunderten  zuge- 
seit. Und  wart  ein  starck  gericht  gemacht  in  der  grossen  rat- 
stuben  zu  Bern,  dahin  gar  vil  luten  kamen  von  mannen  und 
von  frowen,  das  die  gross  Stuben  allenthalben  vol  lüten  was, 
das  sich  nieman  wol  gerüren  noch  gewenden  mocht. 

Quellen  zur  Schweizer  Qeachichte.  I. 


274 


Twinghsrrenitreit. 


1*10  und  den  bürgeren  und  ouch  inen  da  befolchen,  was  recht 
wär  solt  man  inen  lassen  vorgan;  das  ouch  beschach.  Und 
ward  geraten  und  geheissen,  das  ein  schultheiss  selber  richter 
in  der  sach  sin  sölte.  Wie  es  sich  aber  gab  im  rechten  von 
eim  an  das  ander  werdent  ir  hienach  gehören  und  verstan  in  s 
den  urkunden ; darumb  ist  nit  nottilrftig,  das  ich  titzit  mer 
darvon  schrib. 

72.  Hier  facht  an  das  urkund,  das  Niolans  von  Erlach,  der 
unelioh,  an  dem  gerioht  nam;  wand  er  ouch  der  erst  ward, 
der  mit  recht  fürgenomen  ward  von  der  spitzen  wegen.  « 

Nov.  Ich  Peter  Kistler,  schultheiss  zu  Bern  und  richter  in  dirre 
29 

nachgeschribnen  sach,  vergi ch  offenlieh  und  künden  all  er- 
menglich mit  disem  brief,  das  ich  donerstag  vor  S.  Andresen 
tag  des  heiligen  zwölfboten,  als  man  von  der  gebürt  Christi 
zalt  tusent  vierhundert  und  sibenzig  jar,  von  heissens  und  u 
befelch  wegen  miner  gnedigen  lieben  herren,  der  räte  und 
bürgeren,  die  man  nennet  die  zweihundert,  in  der  grossen  rat- 
stuben  ze  Bern  öffentlich  zu  gericht  gsessen  bin:  kam  für 
mich  das  gemein  gericht  und  Urteilsprecher  hienach  genant 
der  fümem  Rudolf  von  Kilchen  gerichtschriber,  und  klagt» 
anstatt  und  in  namen  miner  gnedigen  herren  von  Bern  uf 
den  fromen  Niclausen  von  Erlach,  und  liess  sin  klag  mit  für- 
spreclien  also  eröffnen : Nachdem  dann  mine  gnedigen  herren 
gemeinklich  und  einhellenclich  vorab  dem  allmechtigen  Gott 
zu  eren  und  lob,  ouch  durch  nutzes  und  fromen,  und  sunders  ss 
umb  des  grossen  und  herten  verlusts  [willen]  des  heiligen  wirdi- 
gen  sacraments,  das  denn  leider  uf  dieselbige  zit  dieplich  ver- 
stolen  ward,  als  ouch  si  das  ze  tun  nach  uswisung  der  keiser- 
lichen  friheit  wol  gewalt  und  macht,  ein  Ordnung  und  Satzung  in 


Schilling.  13.  am  domstag.  16.  lieben  fehlt.  17.  nempt. 
18.  19.  für  mich  und  das  gern.  ger.  19.  genempt.  20.  21.  ge- 
richtschr.  in  namen  u.  an  statt  m.  gn.  hh.  v.  B.  u.  klagt. 
22.  N.  v.  Erlach  den  unelicbeu.  23.  dieselben  min  gn.  hh. 
29.  fryheiten. 


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Twingherrenstreit. 


275 


der  statt  Bern  gemacht  und  semlich  Ordnungen  an  die  heili- 
gen unablesslichen  gesworen,  ouch  vor  gemeinem  volk  in  der 
kilchen  verlesen  lassen,  und  das  allen  iren  undertanen  in  allen 
iren  landen  und  gebieten  verkundt:  das  nieman  fürwerthin  de- 
6 heinen  spitz  an  sinen  schuchen  lenger  denn  das  vorder  gleich 
eins  vingers  tragen  soll;  über  das  alles  so  hat  der  genambt 
Niclaus  von  Erlach  sölich  Satzung  frevenlich  mit  eignem  willen 
gebrochen  und  soliche  spitz  an  sinen  schuchen  lenger  denn 
das  mess  getragen;  getrüwete,  er  solt  darumb  liden  das,  so 
10  min  herren  darüber  gesetzt  und  geordnet  hetten.  Und  be- 
falch  das  dem  rechten. 

73.  Darzu  Niolaus  von  Erlach  duroh  sinen  gebnen  fürspreohen 

antwort: 

Er  wäre  ouch  von  fromen  biderben  lüten  und  sonderlich 
is  von  dem  stammen  von  Erlach  harkomen  und  hette  ouch  dem- 
nach von  jugend  uf  künigen,  fürsten,  grafen,  fryen,  ritteren 
und  knechten  gedient  und  sich  mit  denen  allweg  gehalten, 
were  ouch  daruf  har  gan  Bern  körnen  und  sich  mit  der  e 
den  eren  nach  beraten,  und  hetten  ouch  in  min  herren  zu 
*o  irem  ambtman  gan  Burgdorf  geordnet,  das  er  von  inen  nach 
siner  erkantnuss  zu  gutem  danke  und  sunderen  eren  hätte, 
und  also  semlich  spitz  mit  ritteren  und  anderen  edlen  fromen 
lüten  ze  Bern  in  bescheidenheit  angefangen  zu  tragen,  und 
das  minen  genedigen  herren  noch  niemand  anderen  zu  keiner 
*5  widerwertigkeit  noch  Unwillen  getan,  denn  er  sich  ouch  mit 
denselben  ritteren  und  edlen  halten  und  sich,  (so  war)  [soverj  si 
des  begerten,  von  inen  nit  scheiden  wölt.  Er  getruwet  aber  Gott 
und  allen  geistlichen  und  weltlichen  rechten,  daran  nit  un- 
recht getan,  noch  also  mit  mutwillen,  als  er  angezogen  wurde, 


Schilling.  1.  und  semlich  Ordnung  unablessig  ze  hal- 
tende gesworen.  9.  10.  darüber  gesatzt  hetten.  11.  durch 
sinen  fürspr.  17.  erlich  gehalten  — gen  Bern  zu  sinem 
Ursprung  körnen.  26.  soverr.  27.  nit  Sündern  noch  scheiden. 
29.  als  er  aber. 


1470 

Noo. 

29 


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276 


Twingherrenstreit 


1470  gefrevelt  habe,  von  ursach  wegen  das  aller  miner  herren  von 
^29'  Bern  Ordnungen  und  Satzungen,  so  si  denn  machend,  us  den 
keiserlichen  friheiten  fliessen  und  entspringen,  von  denselben 
friheiten  ouch  ein  statt  von  Bern  hoch  gefryet  und  löblich  bega- 
bet ist,  das  er  hofft,  das  (inen)  [man]  demnach  kein  Ordnung  noch  5 
Satzung  wider  in  ze  machende  noch  also  ze  zwingen  habe.  Denn 
ouch  in  derselbigen  friheit  und  güldenen  bulle  luter  stande: 
wa  min  herren  zu  nutz  und  fromen  irer  statt  Ordnungen  oder 
Satzungen  machen  wollen,  das  semliches  alwegen  mit  gemeinem, 
einhellem  und  guttem  rat  solle  zugan;  sölliches  aber  hie  nit  10 
bescheehen.  Denn  uf  die  zit,  do  söllich  Ordnung  gemacht,  do 
syend  die  dry  nilw  und  alt  schultheisscn  nämlich  Türing  von 
Ringeldingen,  dozemal  erwelter,  herr  Heinrich  von  Bubenberg 
und  herr  Nielaus  von  Scharnachtal,  dazu  ouch  dry  der  ven- 
neren,  Ludwig  Iletzel  von  Lindnach,  Peter  Brüggler  und  Ni- 13 
claus  von  Wattenwil  selig,  ouch  etlich  dry  oder  vier  der 
raten  nit  under  ougen  gewesen  noch  das  verwilliget,  (lesgli- 
chen er  es  ouch  nit  gesworen  habe,  und  sye  ouch  uf  diesel- 
bige  zit  angends  wider  abgetan  und  me  dann  in  fünf  jaren 
nie  gehalten  und  siderhar  ouch  gebrochen  worden.  Und  als  *) 
nun  söllichs  wider  ze  Ostern  angefaugen  und  am  kantzel  in 
der  kilchen  offenlich  gelesen,  da  wurde  durch  den  grossen 
weibel  von  befelens  wegen  miner  herren  geret  und  Vorbehal- 
ten, das  si  semlich  Satzungen  und  Ordnungen  minderen,  meren, 
enderen  oder  abtun  möchten;  und  ward  ouch  das  wort  un- » 
ableslich  dozemal  ouch  nit  gelesen  und  von  minen  herren 
verboten;  denn  si  meinten  in  semlichen  Ordnungen  den  edlen 
frouwen  und  mannen  einen  vorteil  ze  tunde  und  billikeit  ze 
erscheinen,  und  ouch  Uber  die  und  ander  der  statt  Satzungen 
ze  sitzen  und  die  ze  enderen.  Das  were  aber  nach  sinem  so 


Schilling.  4. 5.  begabet  were  ö.da^man.  6.  noch  damit. 
7.  denselben  k.  fryheiten.  14.  Scharn.  rittere.  16.  etlich  fehlt. 
18.  19.  dazemal  ang.  19.  u.  fünf  od.  sechs  jare.  20.  dick 
gebr.  w.  21.  zu  ostem  -wider  ang.  23.  miner  herren  fehlt. 
26.  unablessig  dazem.  nit  gcl.  29.  30.  ordn.  sitzen  u.  die 
endern. 


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Twingherreiwtreit. 


277 


bedunken  nit  gescheeben ; dann  noch  zwtlschen  edlen  und 
unedlen  kein  undersclieid  möchte  erkennen,  wiewol  es  von 
Gott  dem  almechtigen,  klingen  und  keiseren,  vor  menig  hun- 
dert jarcn  wer  angesechen  und  geordnet,  das  vorab  priester, 
s ritter  und  edellüt  einen  vorteil  und  underscheid  sollten  haben 
und  ouch  in  allen  dingen  fri  und  unverbunden  sin,  als  denn 
semliches  in  den  keiserlichen  friheiten  und  sunders  in  den 
geistlichen  und  weltlichen  gesalzten  und  rechten  stünde;  und 
möchte  man  inen  ouch  semlich  friheiten  wider  iren  willen 
10  nit  genemen,  weder  min  herren  von  Bern  noch  andere ; es 
were  denn,  das  semlichs  durch  in  oder  ander  mit  uneren, 
das  noch  nit  beschechen  were,  verdienet  wurde,  so  müsst 
doch  sollichs  nach  keiserlichen  rechten  und  anders  nit  zugan ; 
und  nachdem  ein  statt  von  Ilern  nach  uswisung  der  güldenen 
is  bull  von  Römischen  künigen  und  keiseren  gar  löblichen  be- 
gabet und  nach  der  statt  von  Köln,  von  Friburg  im  Brisgöuw, 
in  denselben  rechten  gefriet,  darinnen  dann  begriffen  were 
das  recht,  so  dann  priester,  ritter  und  edellüt  vor  anderen 
haben  sölten  und  ouch  des  billich  in  aller  weit  gemessen 
so  und  nit  entgelten  sollten,  so  getruwte  ouch  er,  man  sölte  am 
ersten  miner  herren  handveste,  und  ouch  ob  die  darumb  kein 
lüterung  gebe,  und  aber  daruf  gefuudiert  were,  der  statt  von 
Köln  und  von  Friburg  im  Brisgöuw  friheiten,  ouch  herrn  Ni- 
klaus  von  Scharuachtal  dotzeinal  schultheiss,  der  den  eid  ge- 
25  ben  und  meister  Türing  Fricker,  stattschriber,  der  es  gelesen, 
darzu  ouch  den  grossweibel  mit  der  vorbehaltung,  so  er  am 
kantzcl  in  nainen  miner  herren  getan  hette,  verhören.  Wann 
denn  semlichs  bescheche,  hette  er  denne  darüber  keinen  fre- 
vel begangen,  das  er  doch  nit  hoffte,  wölte  er  gern  ablegen ; 
so  und  getrüwete,  man  sölte  in  zuerst  semlich  kundschaft  und 
ouch,  das  er  fürbringen  wolt,  das  es  vorhin  ouch  gebrochen 


Schilling.  1.  dann  mann. zw.  den  edlen.  3.darzukun.u.keis. 
8.  gesatzten  rechten.  13.  dennocht  semlichs.  14.  nachdem  dann. 
16.  nach  der  beiden  Stetten.  21.  ouch  fehlt.  22.  und  ouch 
der  stetten  C.  u.  Fr.  27.  zu  verhören.  29.  doch  fehlt. 


1470 

Xov. 

2a 


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278 


Twingherrenatreit. 


^70  und  nit  gehalten  wer,  lan  lesen;  und  betalch  das  dem 
29  rechten. 

74.  Ward  daruf  mit  einheller  urteil  erkennt:  das  man  am 
ersten  söllich  handveste  und  guldin  der  statt  Bern  bulle,  und 
darnach  die  Ordnung  und  Satzung  verhören,  und  denn  aber  s 
was  recht  were  beschechen  sölt.  Und  nach  verhören  dersel- 
ben ret  aber  der  gerichtschriber  mit  einem  fürsprechen  als 
ouch  vor:  Niklaus  von  Erlach  hette  semlich  Satzungen  und 
Ordnungen  gebrochen  frevenlichen,  und  wider  miner  herren 
gebot  getan,  über  das  söllichs  an  die  heiligen  geschworen,  io 
öffentlich  am  kantzel  verlesen  und  in  aller  miner  herren  land 
und  gebieten  verkünt,  und  were  ouch  denne  uf  vom  gemei- 
nen volk  gehalten;  so  stünde  es  ouch  unablesslich  und  möcht 
man  es  nit  wol  geendem.  Denn  alle  die,  so  es  übersechen 
und  nit  gehalten,  hetten  ouch  darumb  müssen  liden  nach  us-  is 
wisung  der  Satzung.  Zudem  werend  ouch  min  herren  hoch- 
gefriet,  von  künigen  und  keiseren  begabet,  das  si  zu  nutz 
und  fromen  ir  statt,  als  ouch  das  angesechen  were,  wol  möch- 
tend  Ordnungen  und  Satzungen  machen  nach  irem  wolgefallen ; 
und  truwete  nit  das  in  semlichs  sölt  schirmen,  das  er  für- 
want,  es  were  mit  gemeinem  rat  nit  beschechen,  sunder  was 
das  mer  under  min  gnedigen  herren  räten  und  bürgeren 
were,  das  solt  und  möcht  wol  ouch  beliben  und  besten  -und 
durch  den  minderen  teil  nit  geenderet  werden.  Hoffte,  er 
solt  darumb  liden  was  die  Satzung  und  Ordnung  miner  herren  » 
inne  hette.  Und  liess  das  aber  an  die  urteil. 

75.  Daruf  Niolaus  von  Erlaoh  sin  naohred,  als  ouch  vor, 
tet : Was  er  in  semlichem  gehandlet,  hette  er  zuwider  minen 
herren  von  Bern  nit  getan,  noch,  das  er  trüwete,  so  hart,  als 


Schilling.  1.  gan  lassen  (falich ).  befalch  das  ouch. 
5.  und  darzu  die  o.  6.  7.  desselben  — durch  sinen  ftirspr. 
11.  verboten.  13.  unablessig.  15. 16.  nach  lut  der  s.  17.  und 
von  k.  u.  k.  19.  gevallen.  22.  gnedigen  fehlt.  24.  geendert 
noch  vernicht. 


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Twingherrenstreit 


279 


er  dargeboten  wurd,  gefrevelt;  dann  er  sollichs  von  sinen 
vorderen  har,  das  er  hofft,  wol  tun  möcht;  und  ouch  von 
deswegen,  das  semlich  Ordnung  am  ersten  mit  gemeinem  und 
guten  rat  nach  der  guldinen  bullen  inhalt  nit  were  zugangen, 
® und  ouch  glich  daruf  als  es  gemacht  worden,  gebrochen  und 
me  dann  in  fünf  jaren  siderhar  nit  gehalten ; und  ob  er  joch 
in  dem  gefrevlet  hette,  das  er  nit  meint,  so  möcht  in  darumb 
niemants  dann  die  geistlichen  strafen;  und  hofft  ouch  als  vor: 
am  ersten  solt  man  der  beiden  stetten  Köln  und  Friburg  im 
»o  Brisgöuw  friheiten,  daruf  ouch  ein  statt  Bern  gefundiert,  darzu 
ouch  den  von  Schamachtal,  den  stattschriber  und  andere 
geistliche  und  weltliche  personen,  ouch  den  grossen  weibel 
und  schriber,  die  sölichs  am  kantzel  im  namen  miner  herren 
ktlnt  hetten,  und  ouch  das  er  kuntlich  machen  wolt,  das  es 
i®  vorhin  ouch  abgelassen  und  in  fünf  jaren  nie  gehalten  were, 
verhören,  und  im  semlich  kuntschaft  nit  abschlachen;  denn 
man  doch  in  aller  weit  dem  begerenden  und  notdürftigen 
kuntschaft  der  worheit  nit  verseit;  und  befalch  das  aber  dem 
rechten. 

so  76.  Und  also  nach  klag,  antwort,  red  und  widerred 
ward  von  gemeinen  urteilsprecheren  einhellenklich  uf  ir  eid 
erkant!  Nachdem  denn  min  herren  rät  und  burger  gemein- 
lich  semlich  Satzungen  und  Ordnungen,  als  si  ouch  dessen 
hoch  gefriet  sind,  vorab  dem  allmechtigen  Gott  und  allem 
äs  himlischen  her  zu  lob  und  zu  eren,  und  durch  keiner  an- 
deren sach,  sunder  des  harten  Verlustes  des  heiligen  sacra- 
ments  willen  gemacht,  ouch  semlich  Ordnungen  mit  anderen 
Satzungen  am  ostermentag  unablesslichen  an  die  heiligen  ge- 
schworen, das  offenlich  einem  gemeinen  volk,  frouwen  und 
so  mannen,  am  kantzel  verlesen  lassen,  und  in  alle  ir  land  und 
gebiet  verkünt  und  hochgeboten  hend  dem  nachzegan,  ouch 
daruf  den  edlen  frouwen  ein  vorteil  und  billikeit  geben,  mit 

Schilling.  6.  gehalten  ist.  8.  als  ouch  vor.  14.  das 
er  das.  15.  u.  me  dann  in  5 jaren  von  menglichem  nit. 
16.  zu  verhören.  21.  einhel.  uf  ir  eid  fehlt.  28.  unablessig. 


1470 

Nov. 

29 


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280 


Twingherrenstreit 


/470  gold,  berlen,  siden  und  anderen  köstlichen  kleinödien  und 
zierd,  ouch  also  die  das  gebrochen  nach  sag  der  Satzung  ge- 
straft hatten,  und  Niclaus  von  Erlach  in  demselben  zit  miner 
herren  ambtman  zu  Burgdorf  gewesen  ist,  semlichs  als  wol 
gewist,  selber  gehalten,  im  namen  miner  herren  von  Bern  * 
selben  verkünt,  und  aber  ietz  am  lesten  freventlichen  gebro- 
chen und  darwider  getan  hat,  das  er  darumb  an  zit  und  an 
Pfennigen  leisten  und  liden  sol  nach  uswisung  der  Satzung 
darüber  gemacht.  Als  dick  er  ouch  von  diser  stund  hin  söl- 
lichs  mer  brechen  und  nit  halten  wurde,  als  dick  sol  er  ouch  w 
nach  derselben  Satzung  inhalt  liden  und  leisten  und  dem  ge- 
richtschriber  sin  recht  gen  im  Vorbehalten  sin.  Und  ward 
ouch  daruf  geurteilt,  das  er  angendes  an  die  heiligen  schweren 
solt,  dem  also  nachzekomen.  Harumb  vorderet  Niclaus  von 
Erlach  ein  urkund;  der  ward  ouch  im  under  minem  des  ob- 15 
genanten  richters  angehenktem  insigel  erkent  und  sind  dis 
so  harumb  urteil  geben  und  gesprochen  hant,  mit  namen  die 
fromen,  fümemen,  wisen 

Bendicht  Tschachtlan,  venner 
Hans  Kuttler 
Bendicht  Krumiflen 
Cunrad  Rietwil 
Peter  Boumgarter  im  Graben 
Bartlame  Huber 
Gilgan  Achshalm,  und 
Peter  Irrenei,  alle  von  den  raten. 

Und  von  den  bürgeren: 

Hans  Schütz 
Hans  Schöni 
, Dietrich  Hübschi 


Z5 


10 


Schilling.  2.  ouch  alle  die  so  das  gebr.  nach  lut 
der  s.  5.  ouch  selber.  7.  das  er  dann  darumb.  8.  nach  lut 
der  s.  12.  sin  recht  in  namen  miner  herren  gein  im  vorb. 
14.  nachzegan.  15.  ouch  fehlt.  16.  anhangendem  — und  haben 
harumb  urteil  gesprochen.  21.  Bend,  Krumo. 


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Twingherrenstreit. 


281 


Hans  Sterrer 
Rildi  Closs 
Rudolf  Dietrich 
Cuno  Biderbo 
5 Peter  Schilling 

Peter  Subinger  der  alt 
Jost  Kässli 
Hans  Hubler 
Ruf  Glücki 
10  Hans  Wyler 
Simon  Torman 
Bartlame  Künig 
Lienhart  Hübschi 
Clewi  Brunner 
is  Peter  von  Wingarten 
Hans  Grafenried 
Gilyan  Eschler  und 
Clewi  Meienberg. 

77.  Das  ist  gezogen  us  dem  urkund  der  fünf  rittren. 

tu  An  demselben  gerichtlichen  tag  ward  ouch  von  dem  vor- 
genantten  gerichtschriber  in  namen  miner  gnedigen  herren 

Schilling.  19.  Der  fünf  rittern  urkunde,  als  die  ouch 
mit  recht  fürgenommen  wurden,  und  wie  sie  sich  vor  aller- 
menglichem  verantwurtent.  Uff  demselben  tage  kam  ouch 
für  mich,  den  obgenanten  richter,  der  vorgenant  grichtschri- 
ber,  und  klagt  durch  sinen  fürsprechen  in  namen  miner 
herren  zu  den  edlen,  strengen  und  notvesten  herrn  Adrian 
von  Bubenberg  herrn  zu  Spietz,  herr  Cunraten  und  herr 
Nicla usen  von  Schamachthai  herren  zu  Oberhofen,  herr  Ni- 
clausen  und  herr  Wilhelmen  von  Diespach  herrn  zu  Signow, 
allen  fünfen  rittern.  Als  dann  min  herren  rate  und  burger 
gemeinlich  ein  Ordnung  und  Satzung,  dem  almechtigen  Gotte 
zu  lobe  und  eren,  und  ouch  zu  widerbringung  des  harten 
Verlustes  des  heiligen  sacramentes,  das  dann,  leider  dazemal 
dieplichen  genomen  was,  und  si  ouch  des  wol  gewalt  ge- 


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Twingherrenstreit. 


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Nov. 
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von  Bern  mit  recht  fürgenomen  und  geklagt,,  mit  fürsprechen 
wie  vor,  uf  die  edlen,  strengen  und  notvesten  fünf  ritter,  mit 


hebt,  gemacht,  und  die  unablessig  an  die  heiligen  geswom, 
ouch  am  cantzel  in  dem  münster  vor  gemeinem  volck  offen- 
lich  verlesen  lassen,  und  in  alle  ir  lande  und  gebiet  ver- 
kündt  und  hoch  gebotten  haben,  das  nieman  fürwerthin  an 
sinen  schuchen  keinen  spitz  lenger  tragen  soll  dann  unge- 
varlich  das  vorder  gleich  eins  vingers;  darüber  hetten  die 
vorgenanten  min  herren  alle  semlichs  ouch  etwas  zites  dahar 
selber  gehalten  und  das  ietz  am  letsten  frevenlich  gebrochen 
und  darwider  getan,  getrüvs  t si  sölten  darumb  alle  liden  das 
so  die  Ordnung  und  Satzung  darumb  inhielt,  und  bevalch  das 
dem  rechten.  Daruf  die  genanten  min  herren  durch  iren 
fürsprechen  mit  gemeinem  und  einhellem  mund  retten:  Si 
wolten  gar  ungern  wider  min  herm  röte  noch  burger  kein 
hochmut,  frevel  noch  gewalt,  als  aber  si  dargeben  wurden, 
bi  uchen  noch  fürnemen,  und  ob  si  semlichs  von  andern  hor- 
ten oder  vememen,  wolten  si  mit  irem  libe  und  gut  als 
getrüw  burger  nach  allem  irem  vermögen  dem  widerstand 
tun  und  selber  nit  gestatten;  dann  was  si  in  dem  getan, 
hetten  si  doch  in  zimlicher  bescheidenheit,  als  wol  ougen- 
schin  were , fürgenomen  und  mit  keinem  freveln  gewalt  un- 
derstanden ; und  hetten  ouch,  des  si  dem  almechtigen  Gott, 
darzu  allen  geistlichen  und  weltlichen  gesatzten  rechten  ge- 
trüwten,  daran  nit  unrecht  getan;  dann  si  alle  und  ir  ieg- 
licher  besunders  hetten  den  orden  der  ritterliehen  wirdikeit 
mit  lobe  und  eren  ervolget,  und  sich  ouch  darin  bishar  erlich 
betragen  und  inmassen  gehalten,  das  der  durch  si  noch  un- 
erkrencket.  Darzu  werent  si  und  alle  ritter  gefriget,  das  si 
semlich  und  derglich  ding  wol  tragen,  sich  damit  vor  andern 
zieren,  und  nieman  inen  das  verbieten  noch  Satzungen  über 
si  machen  möchten ; dann  doch  semlichs  von  angeng  der  weit 
bishar  also  gehalten  und  in  dem  himmel  und  uf  dem  ertrich 
billich  wer,  das  man  underscheid  und  ouch  zimlich  Sachen, 
als  ouch  dis  weren,  nit  abtun  solt.  Zudem  weren  ouch  alle 
ritter  als  hoch  gefriget,  das  inen  weder  bapst,  keiser  noch 


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Twingherrenstreit. 


283 


namen:  herr  Adrian  von  Bubenberg,  herr  Cunraten  und 
Niclausen  von  Scharnachtal,  herr  Nielaus  und  herr  Wilhelm 


niemant  anders  ir  fryheiten  nemen  oder  intrag  tun  möch- 
ten; dann  ob  ein  ritter  ützit  wider  recht  tette  und  sich  mit 
uneren  verwürckt  oder  verhandlet,  das  doch  in  disen  dingen 
nit  beschechen  wer,  so  hette  ein  Römscher  keiser,  und  nie- 
mand anders,  den  gewalt,  si  mit  recht,  und  anders,  nach  dem 
ritterlichen  orden,  ze  strafen.  Es  \%er  ouch  in  allen  bäpstli- 
chen  und  keiserlichen  gesatzten  rechten  luter  geschriben  und 
angesechen,  und  ouch  in  der  guldin  bull  und  andern  fry- 
heiten der  statt  von  Bern  eigentlichen  begriffen,  das  priester, 
ritter  und  edellüte,  vor  andern  vorteil  haben  und  allerdingen 
fry  und  unverbunden  sin  solten,  des  si  sich  ouch  fröwen  und 
halten  wolten.  Si  hetten  ouch  iren  gunst  noch  willen  nie  darzu 
geben  noch  gesworen,  semlich  Ordnungen  zu  halten;  dann 
doch  nieman  dem  andern  sin  fryheiten  ze  nemende  hette, 
was  im  von  Gotte,  darzu  dem  heiligen  stul  von  Rome,  küni- 
gen  und  keisern  zugeordnet;  so  wer  ouch,  als  semlich  Satzun- 
gen ietz  am  ostermentag  durch  etlich  angezogen  und  geswo- 
ren wurden,  inen  und  andern  edlen  frowen  und  mannen  ein 
vorteil  Vorbehalten  und  der  eid  also  mit  gedingen  getan,  das 
man  die  und  ander  Satzungen  lütern  und  underscheiden  solt; 
das  wer  noch  nit  beschechen,  und  siderhar  ouch  mit  swfl- 
ren  und  andrem  gebrochen  und  nit  gehalten,  das  si  ouch 
mit  geistlichen  und  weltlichen  fürbringen  wolten,  und  sun- 
ders  mit  herr  Niclaus  von  Schamachthai,  dazemal  schultheiss, 
der  ouch  den  eid  geben,  und  mit  dem  statschriber,  der  in 
gelesen  hett,  küntlich  machen,  das  der  eid  mit  underscheid 
were  geben,  und  lege  ouch  semlich  lütrung  an  dem,  der  den 
eid  gebe  und  nit  an  denen  die  in  swüren;  dann  man  alle 
ostermentag  ein  Satzung  swür,  das  man  nieman  kundschaft 
der  warheit  verziechen  solt;  so  wer  ouch  durch  den  gross- 

weibel  am  cantzel  luter  berett  und  Vorbehalten  worden,  das 

• • 

min  herren  inen  vorbehielten  semlichs  ze  endem,  ze  mindern 
und  ze  meren,  und  wer  ouch  das  wort  unablessig  von  be- 
felhens  wegen  miner  herren  nit  gelesen,  und  inen  und  iren 


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Twingherrenstreit. 


im 

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von  Diesbach.  Daruf  si  nun  ir  antwort  satzten  und  gaben 
mit  ireui  gegebnen  filrsprecheu,  uf  die  meiuung  als  in  dem 


elichen  gemacheln  ze  verstan  geben,  inan  wolte  inen  darinne 
einen  vorteil  und  billicheit  tun ; das  wer  ouch  nit  beschechen, 
das  si  daran  könten  oder  möchten  benügen  haben;  darzu 
weren  ouch  semlich  Satzungen  und  Ordnungen  am  ersten  mit 
gemeinem  und  gutem  rat  nach  uswisung  der  guldinen  bull 
nit  gemacht.  Dann  in  denselben  ziten  die  dryg  nüw  und 
alt  schultheissen,  darzu  drig  venner  und  ander  von  raten 
nit  under  ougen  gewesen,  und  wer  ouch  darnach  äugendes 
gebrochen  und  me  dann  in  fünf  jaren  aneinander  nit  ge- 
halten und  ouch  von  ostem  har  übersechen  worden;  und 
nachdem  dann  miner  herren  hantveste  und  ouch  die  gtlldin 
bull  nach  der  beiden  stetten  Cölue  und  Friburg  im  Briss- 
gow  geben  und  daruf  gefundiert,  so  wer  die  statt  Bern  und 
alle  die  darinne  wonent  als  ein  fry  richstatt  ouch  löblich 
begabet,  und  wurden  mit  semlichem  fürnemen  ir  fryheitten 
beroubet,  do  doch  nieman  im  selber  sin  fryheit  nemen  soll 
noch  mag;  so  hoften  si,  Gott  und  dem  rechten  möchten  si 
mit  denselben  fryheiten,  darzu  ouch  mit  geistlichen  und  welt- 
lichen gesatzten  rechten,  wisen,  das  man  si  nit  also  wider 
iren  willen  ze  zwingen  hette,  und  darzu  ouch  mit  dem  von 
Scharnachthai,  dem  statschriber,  und  andern  geistlichen  und 
weltlichen  personen,  ouch  mit  dem  grossweibel  fürbringen, 
das  inen  ein  vorteil  Vorbehalten  und  geofnet  wer,  (Jas  min 
herren  semlichs  mindern,  meren  oder  endem  möchten,  und 
darzu  ouch  das  wort  unablessig  nit  were  gelesen,  si  solten 
des  gemessen  und  getrtlwten,  man  solt  inen  ir  kuntschafft 
verhören;  und  Hessen  das  an  die  urteil.  Uff  das  rett  aber 
der  gerichtschriber  mit  sinem  fürsprechen : min  herren  rät 
und  burger  hetfen  semlich  Ordnung  und  Satzung  am  ersten 
durch  Gottes,  ouch  umb  nutzes  und  fromen  willen  einer  statt 
von  Bern,  des  si  ouch  gefriget  weren,  gemacht,  und  die  ouch 
am  ostermentag  unablessig  an  die  heiligen  ze  haltende  ge- 
sworn,  darzu  offenlich  am  cantzel  verlesen,  und  in  alle  ir 
land  und  gebiet,  als  vor  gelütert  ist,  verkünden  lassen;  und 


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Twingherrenstrei  t. 


285 


vorderigen  urkund  stat,  denn  mit  etzlichen  zugesatzten  Wor- 
ten, als  ir  hören  werdent.  Under  anderen  iren  Worten 


hetten  ouch  alle  die,  edel  nnd  ander,  rieh  und  arm,  so  das 
übersechen  hand,  darum b nach  wisung  der  Satzung  müssen 
leisten ; über  das  alles  werent  die  durch  die  genanten  min 
herren  frevenlichen  gebrochen  und  nit  gehalten  worden,  hoft 
si  solten  darumb  nach  inhalt  der  Satzung  leisten  und  liden, 
als  das  angesechen  wer,  und  darüber  anders  nit  fürgenomen 
werden;  dann  was  min  herren  räte  und  burger  gemeinlich 
machten  und  das  mer  were,  das  möcht  der  minder  teil  nit 
widertriben;  und  bevalch  das  aber  der  urteil.  Darzu  min 
herren  ir  nachred  mit  irem  fürsprechen,  als  ouch  vor,  satzten: 
Man  hette  über  si  kein  Ordnung  noch  Satzung  wider  iren 
willen,  als  ouch  dis  wer,  ze  machen;  dann  ouch  si  semlicher 
und  aller  ander  heladuusseu  gantz  fry  und  unverbunden 
weren;  mit  witer  ir  vorgemelten  antwurt;  und  begerten,  wie 
vor,  inen  der  vorgenanten  beider  stetten  Cöln  und  Friburg 
keiserlichen  fryheiten,  daruf  der  statt  von  Bern  hantveste 
gefundiert  were,  darzu  ouch  alle  geistlichen  und  weltlichen 
gesatzten  geschribnen  rechten,  ouch  herr  Niclausen  von  Schar- 
nachthal,  den  statschriber,  ander  geistlich  und  weltlich  per- 
sonen,  und  den  grossweibel,  als  vorstat,  zu  verhören,  so 
hoften  si,  man  solt  dabi  ir  harkomen  und  fryheiten  erkennen 
und  eins  andern  bericht  werden ; und  liessen  das  aber  an 
die  urteil.  Und  also  nach  klag,  antwurt,  red  und  widerred 
wart  von  gemeinen  Urteilsprechern  erkant:  Nachdem  dann 
min  herren  räte  und  burger  gemeinlich  semlich  Satzungen 
und  Ordnungen,  als  si  ouch  des  gewalt,  vorab  dem  almech- 
tigen  Gotte  und  allem  himelschen  here  zu  lob  und  eren, 
und  durch  keiner  anderer  sach,  sunder  des  harten  Verlustes 
des  heiligen  sacramentes  willen  gemacht,  und  semlich  Ord- 
nungen mit  andern  Satzungen  am  ostermentag  unablessig 
an  die  heiligen  gesworen,  das  offenlichen  einem  gemeinen 
volck,  frowen  und  mannen,  am  cantzel  verlesen  lassen,  und 
in  alle  ir  land  und  gebiet  verkttndt  und  hoch  geboten  hand 
dem  nachzegan;  ouch  daruf  iren  gemachein  und  andern 


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Twinghfirren  streit. 


1470  leitend  si  ouch  filr  ub  oinhellem  mund:  si  getruwtind  dem 
allmechtigen  Gott,  darzu  allen  geistlichen  und  weltlichen 
gesatzten  rechten  fsi  hetten]  daran  nit  unrecht  getan.  Dann 
si  alle  und  ir  ieclicher  insunders  hetten  den  orden  der  ritter- 
lichen Würdigkeit  mit  lob  und  eren  ervolget,  und  sich  dar-  s 
innen  ouch  sithar  erlich  betragen  und  in  massen  gehalten, 
das  er  durch  si  noch  unerkrenkt.  Darzu  werend  si  und  alle 
ritter  gefriet,  das  si  semlichs  und  derglichen  ding  wol  tragen, 
sich  darmit  vor  anderen  zieren,  und  inen  niemant  das  ver- 
bieten noch  Satzungen  über  si  machen  möchte.  Denn  doch  10 
semlichs  von  anfang  der  weit  bishar  also  gehalten  und  im 
himmel  und  uf  ertrich  billich  were,  das  man  underscheid 
und  zimlich  Sachen  als  ouch  die  werend,  nit  abtun  solL  Zu- 
dem werend  ouch  alle  ritter  so  hoch  gefriet,  das  inen  weder 
babst,  keiser  noch  iemants  anders  ir  friheiten  benemen  und  15 
intrag  tun  möchten.  Denn  ob  ein  ritter  ützit  wider  recht  tete 
und  sich  mit  uneren  verwürkt  oder  verhandelt,  das  doch 
in  disen  dingen  nit  beschechen  were,  so  hette  ein  Römscher 
keiser  und  niemants  anders  den  gewalt,  si  mit  recht  und 
anders  nit  nach  sag  des  ritterlichen  Ordens  ze  strafen.  Es» 
were  ouch  in  allen  bäpstlichen  und  keiserlichen  gesatzen  und 
rechten  luter  beschriben  und  angesechen,  das  priester,  ritter 
und  edellüt  vor  anderen  vorteil  haben  und  aller  dingen  fri 

edlen  frowen  ein  vorteil  und  billicbeit  mit  gold,  berlin,  siden, 
und  andern  köstlichen  kleinödem  und  gezierden  geben,  und  si 
das  über  dis  alles  frevenlich  gebrochen  und  darwider  getan 
haben,  darzu  ouch  die  alle,  von  denen  es  gebrochen  und  nit 
gehalten  ist,  edel  und  ander,  nach  uswisung  der  Satzung  ge- 
straft sind,  das  dann  si  alle  darumb  an  zit  und  pfennigen 
liden  und  leisten  sullen,  nach  lut  der  Satzung  darüber  ge- 
macht ; und  als  dick  si  ouch  von  dirre  stund  hin  das  me  bre- 
chen und  nit  halten  wurden,  als  dick  söllen  ouch  si  nach  der- 
selben Satzung  inhalt  leisten.  Und  wart  ouch  daruf  geurteilt, 
das  si  angends  an  die  heiligen  sweren  sollen,  dem  also 
nachzekomen.  Harumb  vorderten  si  alle  ein  urkundj  das 
wart  inen  erkant.  Datum  et  testes  ut  supra. 


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Twinghen-flngtnit. 


287 


und  unverbunden  sin  sollend,  des  si  sich  ouch  fröuwen  und 
halten  weiten  — mit  vil  mer  Worten,  die  ich  alle  durch  der 
kilrtze  willen  underwegen  gelassen  hab;  denn  si  ouch  zum 
teil  in  dem  vorderigen  urkund  vast  gemeldet  sind. 

6 Und  ward  also  nach  klag,  antwort,  red  und  widerred 
von  gemeinen  Urteilsprechern  einhellenklichen  uf  den  eid  er- 
kennt, das  si  alle  und  ieder  insunders  an  zit  und  an  Pfenni- 
gen leisten  und  liden  sölten  nach  uswisung  der  Satzung  dar- 
über gemacht,  und  in  aller  mass,  wie  das  urkund  hievor  us- 
lowiset  und  Niclausen  von  Erlach  erkant  ward. 

78.  Antroffen  min  frouw  von  Bubenberg  von  der  swenzen 

wegen. 

Item  uf  den  vorgenanten  tag  klagt  der  obgenantt  ge- 
richtschriber  im  namen  miner  gnedigen  herren  von  Bern, 
is  raten  und  bürgeren,  uf  die  edlen  wolgebomen  frouwen,  frouw 
Ennelin  von  Bubenberg,  gebome  von  Roseneg,  wilend  des 
gestrengen  herrn  Heinrichs  von  Bubenberg,  ritters,  sei.  ver- 
lassnen  elichen  gemachel  und  frouw  Johannen  von  Buben- 
berg, geborne  von  Lasserra,  herrn  Adrians  von  Bubenbergs, 
so  ritters,  elichen  gemachel,  beide  geborenen  frigin.  Nachdem 
mine  herren,  rät  und  burger,  gemeinlich  dem  allmechtigen 
Gott  zu  lob  und  sundren  eren  und  von  des  herten  verlusts 
wegen  des  wirdigen  sacraments,  das  leider  uf  dieselbe  zit 
böslich  verstolen  ward,  von  kraft  wegen  ir  keiserlichen  fri- 
ss heiten  etlich  Ordnungen  und  Satzungen  gemacht  und  ge- 
schworen, als  vorstat,  unablesslich  hetten,  das  nun  fürwerthin 
kein  edel  oder  unedel  frouw  under  minen  herren  wonende 
an  iren  röcken  noch  mentlen  kein  swantz  uf  dem  herd  lenger 
tragen  sölltend  denn  ungefarlich  ein  gmund  einer  hand,  nach 
so  uswisung  derselben  miner  herren  Ordnung  und  Satzung ; über 
das  alles  hetten  die  genanten  min  frouwen  semlich  swentz 


Schilling.  20.  ritters  u.  herren  zu  Spiez.  22.  zu  sun- 
derm  lobe  u.  eren.  24.  dieplichen  verst.  25. 26.  u.  die  unab- 
lessig  an  die  heiligen  gesw.  28.  schwänz  uf  dem  herd  fehlt, 
uiol  aus  Versehen.  29.  30.  nach  lut. 


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29 


288 


Twingherremtreit . 


1470 
Nov. 
2 9 


an  iren  kleidern  lenger  denn  das  mfiss  sye,  neulich  und  mit 
eignem  willen  getragen,  und  also  miner  herren  gebot  ge- 
brochen; getrüwete,  si  soltend  darumb  nach  irem  verdienen 
an  zit  und  an  Pfennigen  liden,  als  denn  die  Satzung  uswisete 
und  recht  were.  Und  liess  das  an  die  urteil.  s 

Daran  die  genanten  min  beid  frouwen  in  gegenwürtig- 
keit  herr  Adrians  von  Bubenbergs  ritter  durch  iren  fiirspre- 
clien  antworten  und  reden  liessen:  Si.weren  von  iren  vor- 
deren und  stamme  har,  als  vor  erltlteret,  erboren  fri  frouwen 
in  sölichen  eien  harkomen,  das  si  semlichs  und  anders  wol  io 
tragen  und  inen  nieman  verbieten  noch  Satzungen  über  si 
machen  möchte,  weder  der  bähst,  kciser  noch  nieman  uf  ert- 
rich ; denn  es  also  von  Gott  dem  allmechtigen,  ouch  künigen 
und  keisern  angesechen  und  iewelten  gebrucht,  das  in  söli- 
cliem  im  himmel  und  uf  dem  erdrich,  wie  sich  iederman  15 
tragen  oder  vorteil  haben  sölt,  underscheid,  als  das  alle  geist- 
lichen und  weltlichen  gcsatzten  recht  ufwisen  werend  und 
luter  dargebend;  und  wenn  das  nit  sin  sölt,  so  könt  oder 
möcht  doch  kein  underscheid  under  semlichen  gebomcn  und 
auderen  armen  frouwen  sin ; dann  si  zu  allen  ziten  und  sun-  w 
der  an  werchtagen  nit  möchten  siden  oder  güldene  kleider 
tragen,  so  miisten  si  sich  nothalb  mit  den  swentzen  an  iren 
kleideren  uszeichnen,  damit  man  si  vor  anderen  erkennen 
und  den  vorteil  wissen  möcht.  Zudem  were  ouch  inen  von 
ininen  herren  raten  und  bürgern  am  kantzel  in  der  lütkilchen  *5 
durch  den  grossweibel  öffentlich  zugeseit,  man  wölt  inen  vor 
anderen  gemeinen  frouwen  einen  vorteil  und  bilfigkeit  geben. 
Das  were  nach  irem  bedunken  und  nach  miner  herren  Zu- 
sage nit  inmassen  beschechen  noch  angesechen  worden,  das 
si  daran  kein  benügen  könden  oder  möchten  haben.  Ge-  *> 

Schilling.  1.  frevenlich  u.  mit  e.  willen.  4.  an  zit 
u.  an  pfenuigen  fehlt.  4.  d.  Satzung  das  uswisen  wer.  9.  fry 
frowen  u.  wol  erbom.  11.  u.  inen  das  niem.  16.  als  dann 
das.  17.  ouch  uswisen  weren.  20.  und  andern  gemeinen 
frowen.  25.  in  dem  münster.  28.  29.  u.  demselben  Zu- 
sagen. 


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TwingherrenBtreit. 


289 


trüwtend  von  obgerürter  ursach  wegen,  man  solle  über  si 
kein  Ordnung  noch  Satzung  machen;  dann  ouch  das  in  der 
gantzen  weit  weder  babst  noch  keiser  nieman  mit  recht  ver- 
mocht. Und  was  si  also  getan  hetten  were  minen  herren 
5 von  Bern  noch  nieman  zu  keinem  widerdriess  noch  mit  fre- 
veln mutwillen,  sunders  darumb  beschechen,  das  si  hofftend 
si  hetten  das  recht  und  gehört  inen  ze  tunde,  und  begerten 
inen  daruf  beider  Stetten  Köln  und  Friburg  im  Brisgöuw  fri- 
heiten,  die  geistlichen  und  weltlichen  gesatzten  geschribDen 
io  recht,  darin  der  underscheid,  wie  sich  iederman  halten  sölt, 
verschriben  stund,  darzu  ouch  die  Satzung,  die  man  alle  jar 
am  ostermentag  swert  und  wist,  das  man  nieman  kuntschaft 
der  warheit  versagen  sol,  und  ouch  den  grossweibel,  was  er 
mit  inen  an  offenem  kantzel  umb  den  vorteil  geret  hette,  zu 
»s  verhören,  hoffend,  man  solt  inen  das  nit  abschlachen.  Und 
satztend  das  zur  urteil. 

Uf  das  ret  der  gerichtschriber  mit  fürsprechen : min  beid 
frouwen  hettend  semlich  Satzungen  und  Ordnungen,  als  die 
am  ostermentag  geschworen  und  verkünt  weren,  etwas  zites 
ao  gehalten  und  darnach  freventlich  gebrochen ; darzu  were  ouch 
inen  und  anderen  edlen  frouwen  von  minen  herren,  rät  und 
bürgern,  ein  vorteil  und  billigkeit  mit  gold,  berrli,  siden  und 
anderen  kleinöden  und  gezierden  geben,  darbi  man  si  wol 
vor  anderen  gemeinen  frouwen  möchte  erkennen;  darzu  het- 
*5  ten  ouch  alle  die,  edel  und  ander,  arm  und  rieh,  so  semlichs 
übersechen  und  nit  gehalten  hand,  fnachj  uswisung  der 
Satzung  müssen  [leisten]  und  liden,  und  were  darinnen  nie- 
man geschont  noch  usgescheiden.  Getruwete  si  solten  da- 
rumb ouch  leisten  und  liden,  so  si  semlich  Ordnungen  nit 
sohieltend;  und  satzt  aber  das  dem  rechten  heim. 

Daruf  min  beid  frouwen  ir  nachred  gabend,  als  ouch  vor : 
was  si  in  semlichem  fürgenomen,  darzu  hettend  si  recht,  und 


Schilling.  3.  noch  nieman  anders  vermocht  6.  7.  das 
si  darzu  vermeinten  recht  han.  9.  geschribnen  fehlt.  15.  hoff- 
ten. 24.  wol  möcht  erkennen.  27.  leisten  u.  liden  das  die 
Ordnungen  inhieltent,  und  satzt  das  aber  dem  rechten  heim. 

Quelles  zur  Sohweizer-Ocachiciite.  X.  IQ 


1470 

Nov. 

29 


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290 


Twinghemmtreit. 


WO 

Nov. 

29 


ward  inen  von  ir  gebnrt  angeboren,  and  möcht  inen  semlichs 
nieman,  weder  babst  noch  keiser  nemen,  noch  ei  dessen  be- 
rouben;  hofftend  ouch  als  vor  man  solt  inen  za  grüntliCher 
underricbtung  ir  verwegne  kuntschaft  verhören,  und  die  nit 
also  abschlachen;  und  satztend  das  ouch  zur  urteil.  s 

Und  also  nach  klag,  antwort,  red  und  widerred  ward 
von  gemeinen  urteilsprecheren  einhellenclich  uf  den  eid  er- 
kant:  Nachdem  denn  min  herren,  rät  und  bürgere  gemeinlich, 
semlich  Ordnungen,  Satzungen,  als  ouch  si  des  hochgefriet 
sind,  was  dem  allmechtigen  Gott  und  allem  himlischen  her  » 
zu  lob  und  eren,  durch  keiner  anderen  sach,  sunder  des  her- 
ten  verlusts  des  heiligen  sacraments  willen  gemacht,  ouch 
semlich  Ordnungen  mit  anderen  Satzungen  am  ostermentag 
unablesslichen  an  die  heiligen  gesworen,  das  öffentlich  einem 
gemeinen  volk,  frouwen  und  mannen,  am  cantzel  verlesen  « 
lassen,  und  in  all  ir  land  und  gebiet  verkunt  und  hoch  ge- 
boten hand  dem  nachzegande,  ouch  daruf  inen  und  anderen 
edlen  frouwen  einen  vorteil  und  billikeit  mit  gold,  berrlin, 
siden  und  anderen  köstlichen  Zierden  und  kleinöden  gegeben 
und  si  darüber  dis  alles  frevenlichen  gebrochen  und  darwider  #> 
getan  haben,  darzu  ouch  alle  die,  so  es  gebrochen  und  von 
denen  es  nit  gehalten  ist,  edel  und  ander,  nach  uswisung  der 
Satzung  gestraft  sind,  das  dann  die  genanten  min  frouwen 
an  zit  und  pfennigen  leisten  und  liden  söllend  nach  uswisung 
der  Satzung  darüber  gemacht,  und  als  dick  si  ouch  von  diser  a 
stund  hin  sölichs  me  brechen  und  nit  halten  werdent,  als 
dick  sollend  si  ouch  nach  derselben  Satzung  liden  und  leisten, 
und  dem  gerichtschriber  gein  inen  sin  recht  Vorbehalten  sin. 
Und  ward  ouch  daruf  geurteilt,  das  si  angendes  an  die  heili- 
gen schweren solten,  dem  also nachzekomen.  Harumb fordereten  » 
min  frouwen  von  Bubenberg  ein  urkunt;  das  ward  inen  erkennt 


Schilling.  1.  u.  wer  inen.  3.als  ouch  vor.  4.  verwegen. 
5.  das  aber  zem  rechten.  9.  als  si  ouch.  10.  vorab  dem.  11.  dann 
des  h.  14.  unablessig.  27.  Satzung  inhalt.  28.  sin  recht  in  na- 
men  miner  herren.  30.  vorderten  min  beiden  frowen.  31.  er- 


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Twingherrenatreit. 


291 


79.  Item  uf  demselben  vorgeschribnen  tag  ist  ouch  ge- 
urteilt, das  jungher  Casper  von  Scharnachtal,  Hartman1)  und 
Jacob  vom  Stein,  Peterman  von  Waberen  und  Hans  Rudolf 
von  Erlach,  Hans  Wilhelm  von  Scharnachtal  und  Heinrich 
6 Matter  leisten  und  liden  sullent  als  ouch  die  anderen  davor 
gemelt,  nach  uswisung  der  Satzung;  und  hand  darumb  an- 
gends  gesworen.  üesglich  sollend  ouch  min  frouw  von  Schar- 
nachtal, herr  Niclausen  gemachel,  min  frouw  von  Diesbach 
ouch  herr  Niclausen  gemachel,  Jacobs  vom  Stein  gemachel 
io  und  Hans  Wilhelms  von  Scharnachtais  gemachel,  ouch  Lud- 
wig Brilgglers,  des  venners,  gemachel  gelicher  wiss  als  die 
urteil  beseit  leisten,  und  haben  ouch  darumb  angends  an 
die  heiligen  gesworen. 

Nach  sölicher  bekanter  urteil,  so  mit  recht  über  si  alle 
is  erkant  ward,  als  vorstat,  so  sind  si  von  der  statt  Bern  ge- 
faren,  alle  miteinanderen,  usgenomen  Hartman  vom  Stein, 
edelknecht,  und  Thüring  von  Ringoltingen,  wiland  schultheiss 
zu  Bern.  Die  warend  dozmal  uf  denselbigen  tag  rechtlichen 
nit  anheimsch,  aber  sobald  und  si  kamend,  do  giengend  und 
*o  trugend  si  öffentlich  die  spitz  an  den  schuchen ; denn  si  ouch 
woltend  in  ir  geselschaft  pen  und  buss  sin,  und  sich  von 
inen  nit  scheiden.  Also  wurden!  si  ouch  gerechtfertiget  von 
dem  gerichtschriber  und  mit  recht  fürgenomen,  also  das  si 
nach  der  Satzung  und  Ordnung  sag  usswuren  und  ouch  von 
& der  statt  furen  als  ouch  die  anderen. 

80.  Wie  aber  der  Eidgenossen  boten  gan  Bern  kamen. 

Diewil  nun  also  die  vorgenanten  min  herren  und  min 
frouwen  von  der  statt  Bern  warend  in  der  leistung,  nämlich 


kant,  u.  haben  harumb  die  vorgenanten  personen  ouch  urteil 
gesprochen.  1 — 25  sind  bei  Sch.  bedeutend  abgekürzt. 

28.  Das  aber  gemeiner  Eidgnossen  und  darzu  ander 

')  Der  Name  Hartman  scheint  verschrieben;  v.  Rodt  (8.  281)  vermu- 
thet,  es  solle  Peterman  heißen. 


1470 

Nov. 

22 


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29 2 


Twinghemnitreit. 


t470  einen  manot,  do  gierig  nun  mengerlei  red  ussenftir  in  stetten 
und  lenderen,  und  anderlicher  danne  es  aber  an  im  selbs 

botten  von  der  vorgenanten  saoh  wegen  gen  Bern  kament 
und  iren  ernst  brnohtent.  Do  nu  die  herren  und  ander  edel 
mit  iren  gemachein,  ouch  etlichem  irem  anhang,  nach  lut 
der  Satzung,  usgeschworn  hatten  und  leisten  musten,  da  ward 
in  allen  Eidgnossen  und  andern  stetten,  und  sunderlich  in 
dero  von  Bern  landen  und  gebieten  allenthalben  gar  vil  Wor- 
ten gebrucht  und  offenlichen  gerett,  es  werent  misshell  und 
gros  zweyung  in  der  statt  von  Bern,  das  dennocht  von  Gotts 
gnaden  nit  als  gros  was.  Da  kamen  aber  gen  Bern  gemei- 
ner Eidgnossen  von  stetten  treffenlichen  darzu  ander  erber 
boten  und  brachten  in  disen  dingen  gar  grossen  flis  und 
ernst,  damit  si  etwas  gutes  betten  mögen  schaffen ; da  wart 
inen  von  räten  und  bürgern  ze  erkennen  geben,  das  si  mit 
denselben  herren  kein  sundem  Unwillen  und  misshelle  hetten ; 
dann  si  weren  mit  recht  einen  monad  von  der  statt  geverti- 
get,  und  wolten  inen  gentzlichen  vertrawen,  wann  derselb 
monad  us  wer,  das  si  dann  wider  zu  inen  in  die  statt  kernen, 
und  mit  inen  lieb  und  leid  [litten],  als  si  iewelten  getan  hetten ; 
und  wart  ouch  denselben  botten  gönnen,  das  si  zu  inen  keren 
und  das  zem  allerbesten  zu  erkennen  geben  möchten;  das 
beschach  von  inen  in  guten  trüwen,  und  bestimpten  deu 
herren  allen  einen  tag  gen  Künitz,  und  retten  als  vil  mit 
inen,  das  si  inen  zusagten,  wann  der  monad  ir  leistung  us- 
keme,  so  wolten  si  mit  iren  gemachein  all  früntlich  und  güt- 
lich wider  zu  den  iren  keren,  und  gemeinen  räten  und  bür- 
gern vertrüwen,  man  wurde  si  in  semlichen  Sachen  anders 
und  bas  bedencken.  Und  als  der  monad  uskam,  da  kamen 
si  alle  miteinandern  an  der  heiligen  driger  küngen  tag  wider 
gen  Bern  riten,  und  wurden  dennocht  von  menglichem  wol 
empfangen. 

Das  die  vorgenanten  herren  all  mit  einandern  wider  gen 
Bern  kamen,  und  inritten.  Und  also  kamen  die  vorgenanten 
herren  alle  wider  gen  Bern,  und  was  dennocht  ir  Zukunft 
iedermann  fro,  und  sunderlich  gemein  hantwereklüte,  die 


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TwingherreMtreit 


293 


was,  und  besorgeten  unser  lieben  eidgenossen  und  ander  wo 
unser  guten  friind,  das  noch  gross  kummer  us  solichen  Sachen 


vast  vorchten,  das  si  sich  entsetzen  und  anderswo  hinziechen 
wurden ; das  wer  inen  und  menglichem  in  der  statt  dennocht 
nit  wol  komen,  als  dann  in  der  statt  offenlich  gerett  wart; 
da  wurden  dennocht  biderb  lüte  von  räten  und  bürgern  be- 
sinnen und  betrachten,  das  us  semlichen  irrungen  in  die 
harr  anders  nit  möcht  erwachsen  noch  entsprungen  sin,  dann 
sorglich  widerwertik eiten,  und  davor  uns  der  almechtig  Gott 
ewiclich  behüten  welle,  zweytracht  und  villicht  Zerstörung 
landen  und  lüten ; und  wart  so  vil  durch  den  adel  angetra- 
gen und  mittelwege  gesucht,  das  inen  von  räten  und  bür- 
geren merenteils  verwilliget  und  inen  gantz  heimgesatzt  ward, 
das  si  sich  nach  irem  stattwesen  und  harkomen  tragen  und 
erzöugen  möchten,  das  inen  zimlich  und  iren  eren  wol  ge- 
mess  wer;  dann  si  sich  ouch  vor  räten  und  bürgeren  bega-  ' 
ben,  ob  si  oder  die  iren  sich  in  setnlichem  anders,  dann 
zimlichen  were,  tragen  und  erzöugen  wurden,  das  si  sich 
dann  davon  früntlich  und  gütlich  wolten  lassen  wisen,  und 
in  dem  und  andrem  nieman  bas,  dann  räten  und  bür- 
geren, vertruwen;  das  wart  inen  also  heimgesatzt,  und 
aller  Unwillen  und  vindschaft  von  Gottes  gnaden  gantz  er- 
löschen. 

Es  hatten  ouch  etlich  derselben  ritteren  und  edlen  etwas 
ansprachen  an  ein  statt  von  Bern  von  der  hochen  gerichten 
wegen,  und  sunderlich  in  den  vier  lantgerichten,  die  si  mein- 
tent  inen  mit  aller  herrlieheit  zngehören  und  dienen  solten; 
da  aber  die  von  Bern  vermeinten,  dieselben  ritter  und  ander 
edel  understunden  inen  von  semlicher  hochen  gerichten  we- 
gen in  mengerlei  stucken  me  abbruchs  und  intrags  ze  tunde, 
denn  aber  von  altem  herkomen  were.  Also  erzöugten  sich 
rät  und  burger  von  Bern  gein  inen  in  semlichen  Sachen 
ouch  früntlich,  und  welcher  under  inen,  von  adel,  oder  sus, 
umb  semlich  hochgericht  brief  und  sigel  und  ouch  erzöugen 
mocht,  das  er  recht  darzu  hat,  den  liess  man  dabi  beliben, 
und  nam  man  nieman  nit ; und  ward  da  von  derselben  hochen 


/ 

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294 


Twingherren*treit. 


1470  wachsen  inochl,  und  santend  aber  ir  treffenlichen  ratsboten 
har  gan  Bern,  allen  Unwillen  ze  verrichten  ob  deheiner  zwü- 
schen  schultheissen,  rat  und  bürgeren  were,  und  verkünten 
allen,  so  in  solicher  leistung  waren,  einen  tag  in  das  doster 
gan  Kunitz,  und  ward  so  vil  mit  inen  geret,  das  ie  am  testen  s 
nach  vil  Sachen  die  ding  gütlich  übertragen  wurden  und 
sich  dieselben  minen  herren,  die  in  der  leistung  zu  Künitz 
warent,  gar  gütlich  ergabend  also:  wenn  der  manot  der 
leistung  halber  uskäm,  so  soltend  si  in  die  statt  gan  Bern 
komen  und  tun  was  fromen  lüten  zu  tun  gebürt,  als  si  vor  to 
iew  eiten  getan  hetten,  und  solt  ouch  damit  ob  dehein  Un- 
willen zwüschen  beiden  partyen  uferstan  wär  gantz  hin  und 
weg  sin. 

Nun  hatten  dieselben  mine  herren  oder  etzlich  under 
inen  ouch  spenn  und  stöss  mit  minen  gnedigen  herren  von  is 


und  ouch  der  nidern  gerichten  wegen  ein  gantz  luter  Ord- 
nung gemacht,  wie  man  sich  nu  fürwerthin  darinne  halten 
sol,  und  die  in  der  statt  buch  geschriben;  und  wurden  also 
von  Gotts  gnaden  umb  alle  Sachen  gentzlichen  mit  einandern 
verricht  Zwar  es  was  ein  sunder  gnad  und  barmhertzikeit 
von  dem  almechtigen  ewigen  Gott,  der  disen  heilsamen 
knöpf  selber  wider  zesamen  geflochten  hat,  der  sich  als 
snelliclich  von  einandern  hat  getan,  daran  nach  minem  hertz- 
lichen  begem  alle  fromen  biderben  Berner  gedencken  und 
niemermer  semlich  oder  derglich  Ordnungen  oder  Satzungen 
machen,  si  sülleut  sich  vorhin  wol  betrachten  und  inen  darin 
gewalt  Vorbehalten,  die  wider  ze  endren,  mindern,  meren 
oder  abtun,  des  ouch  ein  statt  von  Bern  wol  gewalt  und 
macht  hat  und  darumb  hoch  und  löblich  gefriget  ist.  Ge- 
denck  menglich  daran,  wer  allein  das  wort  unablessig  nit 
darin  gestanden  und  durch  den  schriber  das  betracht  worden, 
so  wer  man  zu  semlichen  irrungen  nit  komen;  es  zergieng 
aber  alles  wol  und  glücklich,  und  wurden  rät  und  burger 
mit  dem  vorgenanten  adel  gantz  wider  einhell,  und  wart 
aller  unwill  von  Gottes  gnaden  abgetan,  als  ob  des  nie  ge- 
dacht und  angevangen  were. 


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Twingherrenstreit 


295 


Bern  von  ir  herschaften  wegen,  so  da  gelegen  sind  in  miner 
herren  von  Bern  gepiet,  und  sunderlich  von  der  hochen  herr- 
likeit,  da  denn  etzlich  von  alter  her  und  iewelten  in  die 
vier  landgericht  gedienet  hand  mit  sölicher  dienstlickeit,  als 
s das  denn  der  allerobresten  herrschaft  gebtirlichen  und  von 
iewelten,  sit  mine  herren  von  Bern  herren  gewesen  sind, 
gebrucht  hand.  Darwider  sich  aber  etzlich  sparten  und  so- 
liche  dienst] ikeit  zugend  in  ire  herrschaft.  Söllich  spenn 
und  stöss  ouch  zu  Kiinitz  durch  der  Eidgenossen  boten  ab- 
«o  geret  wurdent  also:  wenn  ir  leistung  uskäme  und  si  har  in 
die  statt  kämen,  so  söltend  und  wöltend  min  gnedig  herren 
mit  sambt  inen,  so  die  Sachen  berurte,  nach  verhörung  aller 
ir  briefen  und  Sicherheit,  so  si  iechlicher  het  von  ir  herschaf- 
ten wegen,  antreffend  die  hohe  und  nidere  herrligkeit,  als  si 
»s  vor  gar  dick  gehört  hattend,  lassen  verfolgen  warzu  iederman 
recht  hette  und  mit  inen  bericht  sin,  sölte  joch  des  ein  statt 
von  Bern  einen  merklichen  schaden  empfachen. 

81.  Wie  si  ze  Bern  inritten. 

io  Also  uf  der  h.  dryer  könig  tag,  do  ir  leistung  us  was, 
do  kartend  si  all  wider  harin  in  die  statt,  und  nach  verhörung 
aller  briefen,  gewarsame,  kuntschaft  und  alles  des,  so  sich 
iederman  getrösten  möcht,  ward  dieselbe  sach  beschlossen 
und  verrichtt  uf  söliche  wis  und  form,  als  hienach  stat: 

» Als  dann  etwas  zites  dahar  zwüschen  minen  gnedigen  her- 
ren räten  und  gemeinen  bürgeren  und  etzlichen  irer  bürgeren 
und  erwauten  von  hohen  und  nider  gerichten  wegen  etzlich 
spenne  und  zweiung  gewesen  sind,  habend  sich  die  genan- 
ten min  genedig  herren  uf  hüt  des  früntlichen  vereinbart  und 
soabgeret  in  Worten  und  mit  erlüterung,  hernachvolgend : 

Nämlichen  und  des  ersten  von  der  fünf  geboten  wegen 
in  den  hohen  gerichten,  so  inen  denn  mine  genedigen  herren 
vorhin  ouch  Vorbehalten  und,  als  so  hernach  stat,  gesünderet 
hand,  mit  namen:  all  furung,  an  landtag  zu  gebieten,  zu 
is  reisen  ze  gebieten,  haraasch  ze  geschouwen  und  teil  ufze- 
nemen,  habend  alle  die  so  die  sach  berürt  minen  gnedigen 


1470 


1471 
Jen- 
ner 6 


Febr. 

e 


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296 


Twinghemustreit 


H7I  herren  one  alle  fürwort  zugeseit,  si  darin  gütlich  beliben  las- 
sen  und  die  gebot  durch  ir  friweibel  lassen  verfllren. 

Itein  — so  denn  von  der  10  pfunden  der  e wegen, 
die  in  den  nideren  gerichten  verschült  worden,  die  sullent 
nun  fürwerthin  mincn  gnedigen  herren  und  hochen  gerichten  s 
werden  und  zugehören. 

Item  — all  übeltettig  und  verlümbdet  lüt,  wie  die  in  den 
nideren  gerichten,  frouwen  oder  manspersonen,  funden  oder 
verlümbdet  werden,  sollend  und  mögend  min  gnedige  her- 
ren von  den  hochen  gerichten  wegen  ouch  zu  denselbigen  io 
griffen  und  mit  inen  handlen  und  tun  nach  irem  verdienen 
und  als  das  von  alters  harkomen  und  wie  dicke  inen  das 
eben  ist  oder  verschült  wird. 

D e n n e von  der  geboten  wegen  der  10  lb-,  so  denn 
vor  denen , die  nidere  gericht  hand , in  denselben  nideren  is 
gerichten  von  brutlöuffen,  kilchwichnen  oder  anderer  Sachen 
wegen  beschechend,  als  das  von  alter  harkomen  ist,  sollend 
und  wellend  die  genantten  min  gnedig  herren  von  ir  hochen 
gerichten  wegen  bi  semlichen  zu  irem  teil  als  wol  als  die,  so 
uidere  gerichte  hand  und  die  gebot  tund,  beliben,  von  ieder-  «o 
man  ungeirt  und  unverkumret. 

Item  darzu  wollend  ouch  min  genedig  herren  nun  für- 
werthin als  bishar  allenthalben  in  hochen  und  nideren  ge- 
richten bi  irem  bösen  pfennig  beliben  und  inen  darin  nüt 
intragen  noch  brechen  lan.  » 

Dann  von  den  nideren  gerichten  wegen. 

Item  alle  trostungbrüch , wie  die  mit  Worten  tringeud 
oder  hebend  ungefarlich  beschechen,  fürgcnomen  oder  ver- 
handlet werden,  sollent  nu  fürwerthin  den  nideren  gerichten 
dienen  und  zugehören.  30 

Item  mulfe  und  imbten  söllend  von  dishin  den  nideren 
gerichten  ouch  zugehören  und  werden ; denn  min  gnedig  her- 
ren inen  das  ouch  gönnen  wöllend. 

Item  darzu  ouch  alle  anderen  frevel,  bussen,  gebot,  wie 
das  von  alter  harkomen  ist  und  man  in  den  nideren  gerichten  » 
gebrucht  und  haigebracht  hat,  soll  fürwerthin  als  bishar  den- 


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Twingherrenstreit. 


297 


selben  nideren  gerichten  dienen  und  iederman  darbi  bliben;  uii 
denn  min  genedig  herren  inen  das  ouch  gönnend  und  gevol-  6 
gen  lassen  wellend. 

Darzu  habend  ouch  min  genedigen  herren,  rät  und  bur- 
5 ger,  allen  [denen,  so  dis  Sachen  hocher  oder  niderer  gerichten 
halb  berürend,  vorhin  und  ouch  ietz  luter  Vorbehalten  und 
zugeseit,  und  sonders  als  herr  Niclaus  von  Diesbach  der  fünf 
geboten  und  in  den  hochen  gerichten  sinen  brief  umb  Sig- 
nouw  wisende,  desglichen  herrn  Adrian  von  Bubenberg  umb 
io  Röutigen,  der  von  Stein  umb  Münsingen  ouch  von  der  ho- 
chen gerichten  wegen;  darzu  all  ander  dise  sach  berürende 
angezogen  und  vermeint  hand,  ein  anderes  mit  iren  briefen 
und  gwarsamen  zu  erzeigen ; mag  da  iemants,  der  von  Diess- 
bach  oder  die  anderen,  mit  denselben  iren  briefen  und  gwar- 
i5  samen  ützit  anderes  fürbrmgen  hocher  oder  niderer  gerichten 
halb,  wil  man  si  zu  semlichem  ouch  gütlich  komen  lassen 
und  inen  das  nit  nemen.  Und  welcher  under  inen  meint 
das  also  fürzubringen,  das  sol  er  tun  innert  jaresfrist  nach 
dato  diser  verkomniss  und  darüber  nit  anstan  lassen.] 

»o  Und  sullent  daruf  min  genedigen  herren,  rät  und  bur- 
ger,  und  alle  die,  so  dise  Sache  berürt  hat,  gentzlich  gericht, 
versünt  und  allen  unwill,  worten  und  werken  halb,  gantz 
n ützit  usgenomen  noch  Vorbehalten,  in  disen  dingen  ent- 
sprungen, tot,  hin  und  vergessen  sin  und  des  niemerme  ge- 
» dacht  werden,  sunder  sullent  si  nu  fürwerthin  einander  helfen 
und  raten  nach  dem  besten  von  hin  als  bishar. 

Dise  abred  und  früntliche  verkomnisse  ist  vor  minen  genedi- 
gen herren  rät  und  gemeinen  bürgeren  volzogen  und  beschlossen 
worden  uf  mitwuchen  nach  purificationis  Mariae  anno  1471.  — Febr. 
90  Das  EingeUammerte  ist  im  Originale  ausgelassen  oder  vielmehr 
bloss  durch  ein  „etc.“  angedeutet. 

( Was  von  hier  an  folgt , steht  im  Original  auf  einem  besondem 
Blatte,  das  der  ganzen  Chronik  vorangeklebt  ist.)  — 

In  dem  jar  als  man  zalt  von  der  gebürt  Christi  tusend  WO 
35  vierhundert  und  sibentzig  jar  wart  dise  croneck  geschriben 


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298 


Twingherrenstreit 


WO  und  gemalet  durch  den  fromen  Bendicht  Tschachtlan,  fenner 
und  des  rate  zu  Bern,  ouch  durch  Heinrich  Titlinger,  schri- 
ber  des  buchs;  und  ist  geschriben  und  gezogen  worden  us 
der  rechten  croneck  der  statt  Bern,  so  ver  die  denn  an  iren 
selbs  gesetzt  und  geschriben  ist,  und  darnach  us  anderer  » 
geloubsamen  geschrift  zusamengelesen,  das  man  denn  zum 
teil  vindet  sölich  vergangen  Sachen,  so  bis  uf  dise  zit,  als  dis 
buch  geschriben  ist,  beschechen  sind  in  diser  löblichen  statt 
Bern  und  in  der  wirdigen  Eidgnossschaft.  Dann  man  sölich 
vergangen  Sachen  billich  in  geschrift  setzen  sol,  das  man  zu  10 
ewigen  ziten  angedenk  sye  der  grossen  wisheit  und  manli- 
keit,  so  die  alten  Berner  gebracht  hand  in  vergangenen  zitenf 
damit  si  iren  vigenden  mit  der  hilf  Gottes  grossen  wider- 
stand getan  hand  und  land  und  lütt  zu  der  statt  handen 
gezogen  und  gewunnen  hand ; darumb  man  billich  Gott  dem  is 
almechtigen  lob  und  danck  sagen  sol  und  in  bitten,  das  er 
allen  Berneren  nun  und  zu  ewigen  ziten  vernuft  und  wis- 
heit geben  und  verliehen  welle,  das  sölich  land  und  lütt,  so 
an  die  von  Bern  mit  grossem  kosten,  müi  und  arbeit  körnen 
ist,  also  geregiert  werden,  das  die  nach  sinem  göttlichen  lob  » 
behalten  und  gemeret,  und  nit  geminderet  werden. 

Amen. 

Und  wand  nun  dise  croneck  also  geschriben  und  ge- 
malett  ist  durch  die  obgenanten  zwen  man,  so  haben  si 
sich  des  geeinbertt,  das  sölich  ir  buch  und  cronecka  ira» 
beider  wesen  und  beliben  sol,  diewil  so  si  beid  in  leben 
sind;  und  wenn  das  aber  were,  das  ir  einer  von  todes 
wegen  abgan  wurd,  das  Gott  lang  wenden  welle,  denne  so 
sol  dem  lebenden  dis  cronick  und  diss  buch  beliben  und  sin 
in  erbes  wise  als  sin  fry  eigen  ane  hindernusse  allermenckli- » 
chen.  Und  ist  also  diser  cost,  müi  und  arbeitt  beschechen 
zu  eren  und  zu  lob  von  uns  beiden  der  löblichen , erwirdigen 
statt  Bern,  die  Gott  behüten  welle  nun  und  zu  ewigen  zitten 
vor  allen  iren  vigenden  ! Amen ! 


i 


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JOHANNIS  GRUYERE 


narratio  belli  ducis  Sabaudiae  et  Bemensium 
contra  Friburgenses 

1447  — 1448. 


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Einleitung. 


Johannes  Gruyere  war  der  Sohn  des  Henricus  Turem- 
berg  de  Gruyeria,  eines  Bürgers  von  Freiburg. 

Als  sein  Vater  um  1427  gestorben  war,  erwarb  Johannes 
Gruyere,  am  25.  November  1428,  ebenfalls  das  freiburgerische 
Stadtbürgerrecht  und  war  von  da  an  Notar  allhier  bis  zu 
seinem  Todestag,  dem  14.  Juli  1465. 

Er  hinterließ  einen  Sohn,  Guillaume  Gruyere,  der  seit 
1461  bis  1487  auch  Notar  war  und  von  1475  bis  im  Juni 
1483  noch  die  Stelle  eines  Staatskanzlers  bekleidete. 

Seine  Familie  war  in  der  Mitte  des  XIV.  Jahrhunderts 
von  Saanen  im  Greierzerlande  nach  Freiburg  gekommen  und 
nannte  sich  ursprünglich  Thurembert,  auch  Thuremberg  de 
Gruyeria.  Johannes  verließ  den  alten  Namen  Thurimberg 
und  nahm  als  Familiennamen  einfach  Gruyere  an.  Dieser 
Name  wird  hie  und  da  auch  Gruerie  oder  Grueyri  geschrie- 
ben, nie  aber  de  Gruyeria. 

Johannes  Gruyere  hat  eine  kleine  lateinische  Chronik 
geschrieben.  In  dieser  Chronik  erzählt  er  den  Krieg,  den  die 
Savoyer  und  die  Berner  gegen  Freiburg  geführt  haben,  und 
schildert  genau  Tag  filr  Tag,  was  vom  20.  December  1447 
bis  zum  16.  Juli  des  folgenden  Jahres  1448  sich  zugetra- 
gen hat. 

• Er  sagt  am  Ende  seiner  Erzählung,  daß  dieser  Krieg 
durch  einen  Frieden  beigelegt  worden  sei,  und  äußert  mitten 
in  seiner  Schrift  die  Vermuthung,  daß  der  Herzog  von  Sa- 


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302 


Einleitung. 


voyen  diesen  Krieg  nur  deßwegen  möchte  angefangen  haben, 
um  die  Freiburger  unter  seine  Botmäßigkeit  zu  bringen,  und 
sagt,  daß  sie  sich  bis  zum  Tode  dagegen  wehren  sollen.  Da 
nun  dieser  Friede,  wie  Johannes  Gruyere  auch  selber  er- 
zählt, am  16.  Juli  1448  geschlossen  wurde,  und  die  Freibur- 
ger am  1.  Juni  1452  sich  doch  unter  die  Botmäßigkeit  von 
Savoyen  stellen  mußten,  so  sehen  wir  daraus,  daß  diese  la- 
teinische Chronik  in  dem  Zeiträume  zwischen  1448  und  1452 
geschrieben  worden  ist,  also  gleich  nach  den  Ereignissen. 

Dieser  Umstand  gibt  der  Chronik  einen  sehr  großen 
historischen  Werth,  da  wir  daraus  sehen,  daß  sie  von  einem 
Zeugen  herrilhrt,  der  alles  selbst  gesehen  und  gehört,  und 
wohl  auch  mit  gehandelt  hat,  und  daß  sie  niedergeschrieben 
worden  ist  in  einer  Zeit,  wo  die  verschiedenen  Begebenheiten 
noch  alle  in  frischem  Angedenken  waren. 

Johannes  Gruyere  fing  seine  Chronik  auf  der  Seite  43 
eines  seiner  Notar -Register  an,  aber  der  betreffende  Band 
ist  jetzt  leider  nirgends  mohr  zu  finden,  weder  in  dem  Staats- 
archiv, noch  in  den  Bibliotheken. 

Die  älteste  Abschrift,  die  wir  von  dieser  lateinischen 
Chronik  haben,  stammt  erst  aus  dem  Anfänge  des  XVIII.  Jahr- 
hunderts und  rührt  von  der  Hand  des  Prosper  Gady,  der 
ein  großer  Freund  und  ein  fleißiger  Sammler  der  alten  Chro- 
niken war.  Diese  Abschrift  befindet  sich  heute  in  dem  bi- 
schöflichen Archiv  von  Freiburg, 

Wir  besitzen  auch  eine  deutsche  Uebersetzung  dieser 
Chronik.  Es  ist  behauptet  worden,  daß  diese  Uebersetzung 
von  Wilhelm  Techterman  gemacht  worden  sei,  als  er  von 
1579  bis  1592  hiesiger  Staatskanzler  war.  Ich  habe  den  be- 
treffenden Band  dieses  Kanzlers  in  unserm  Staatsarchiv  unter- 
sucht, mußte  mich  aber  überzeugen,  daß  Wilhelm  Techter- 
man diese  deutsche  Uebersetzung  nicht  selbst  gemacht, 
sondern  einfach  irgendwoher  abgeschrieben  habe. 

Was  mich  zu  dieser  Ueberzeugung  gebracht  hat,  ist  der 
Umstand,  daß  am  Ende  der  Abschrift  einige  Zusätze  folgen 
mit  Hinweisung  auf  Seiten,  die  im  Bande  gar  nicht  Vor- 
kommen, oder  besser  gesagt,  zu  dieser  Chronik  gar  nicht 


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Einleitung. 


303 


gehören.  Wilhelm  Techterman  wird  diese  Uebersetzung  ab- 
geschrieben haben,  wie  er  sie  fand,  sammt  den  Zusätzen, 
und  die  Seiten-Hinweisung  dieser  Zusätze  mögen  auf  sein 
Original  gepaßt  haben. 

Der  lateinische  Text  dieser  Chronik  wurde  zum  ersten 
Mal  in  den  Archives  de  la  Socidtd  d’Histoire  du  Canton  de 
Fribourg,  tome  II,  p.  299  ff.,  veröffentlicht.  Allein  dieser  Text 
ist  hie  und  da  fehlerhaft:  einige  Worte  sind  ausgelassen,  und 

gewisse  Eigennamen  ganz  entstellt  angegeben.  Glücklicher- 
weise ist  die  deutsche  Uebersetzung  besser  und  vollständiger, 
und  mit  Hilfe  dieser  ist  es  mir  möglich  geworden,  den  rich- 
tigen lateinischen  Text  des  Johann  Gruyere  wieder  herzu- 
stellen. Dieser  verbesserte  Text  ist  der  nun  folgende. 


P.  Nik.  Eädle,  Franziskaner 
in  Freiburg. 


ß 

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Ne  ea,  quorum  in  praesenti  habemus  notitiam,  per  pro- 
cessum temporis  labi  contingat  e memoria,  consueverunt  an- 
tiqui prudentes  res  gestas,  prout  gestae  sunt,  scripturae  testi- 
monio commendare,  ne  propter  difficultatem  comprobationum 
contingat  alium  a jure  cadere  et  vero  rei  suae  dominio  defrau-  s 
dari:  ea  propter  est  sciendum  et  firmiter  tenendum  pro 
memoria : 

v Quod 

Friburgenses  non  cum  omnimoda  potestate,  sed  solum- 
1441  modo  aliqui  ex  ipsis  Friburgensibus  iverunt  apud  Villarzel*)  10 
DecM  die  mercurii  ante  festum  nativitatis  domini  nostri  Jesu  Christi 
DecM  in  anno  1447.  Et  die  jovis  sequenti  mane,  erat  autem  fes- 
tum S.  Thomae,  expugnaverunt  castrum  et  existentia  in  eodem 
totaliter,  quod  ipsum  intraverunt  et  magnam  quantitatem 
bladi  et  plura  bona  mobilia  ibidem  depraedaverunt  et  ce-  u 
perunt  et  ad  Friburgurn  conduxerunt;  etiam  plures  homines 
et  specialiter  castellanum  ipsius  castri  captivos  secum  ad- 
duxerunt, et  ipsum  castrum  ad  ignis  incendium  totaliter 
posuerunt. 

Dec23  Die  vero  sabbathi  sequenti  de  nocte  iverunt  circa  mille  *> 
DecM  et  sexcenti  homines  apud  Montagniacum’),  et  die  dominico 
sequenti,  vigilia  nativitatis  domini  nostri  Jesu  Christi,  de 
mane  expugnaverunt  villam  et  eorum  subjectioni  posuerunt 


*)  ViUarsel-le-Oibloux,  bei  Estavayer-le-Gibloux.  Diese  Herrschaft 
gehörte  damals  einem  welschen  Edelmanne  aus  dem  Hause  de  ChaUant, 
der  ein  Bürger  von  Bern  geworden  war. 

*)  Montagny  - la  - ViUe,  damals  eine  kleine  Stadt,  jetzt  aber  nur  ein 
Dorf  an  der  Straße  nach  Payerne. 


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Johannes  Grnyere. 


305 


et  ad  ignis  incendium,  salvo  castro,  qnod  non  fuit  captum. 
Ibidem  occiderunt  plures  et  multa  bona  et  bladum  ceperunt 
et  plures  captivos  et  specialiter  vexilliferum  de  Montagniaco, 
nominatum  Roletum  Chauzi,  et  ipsos  Friburgum  conduxerunt. 

» Die  vero  epiphaniae  domini  nostri  Jesu  Christi  venerunt  U48 
Sabaudienses  et  Bemenses,  etiam  illi  de  Biello,  nostri,  ut Jan'  6 
apparuit,  confoederati,  circa  decem  millia  hominum,  ante  Fri- 
burgum versus  Rapam  Furcarum1)  et  ibi  circa  retro  rapam. 

Tunc  Friburgenses  exiverunt  contra  ipsos  et  ceperunt 
io  captivum  quemdam  capitaneum,  videlicet  Petrum  de  Vergie, 
dominum  de  Montrichier,  et  erat  capitaneus  Rotundi-Montis. 

Et  plures  interfecerunt  et  ad  mortem  posuerunt  ultra  qua- 
draginta homines.  Et  tunc  cum  magna  verecundia  reces- 
serunt, furcas  truncaverunt  et  plura  villagia  combusserunt, 
is  Item  venerunt  die  lunae  post  laetare  versus  crucem  de  Meru 
Juvisie1)  et  versus  campos  de  Chamblot*)  circa  horam  nonam, 
et  post  inde  recesserunt  Et  Friburgenses  interfecerunt  duos 
equos  eorumdem  inimicorum,  et  quam  plurimos  interfecerunt, 
quod  fuit  quarta  martii. 

»o  Item  fuerunt  Bemenses  circa  quinque  millia  ante  Fribur- 
gum versus  La  Schürra4)  in  angulo  nemoris  dicti  Briinisholz 
cum  quatuor  vexillis,  die  dominica  de  judica  me,  quae  fuit  Mere 
decima  martii,  et  fuerunt  plures  ex  ipsis  tam  interfecti  quam  10 
vulnerati,  licet  de  nostris  fuerunt  interfecti,  videlicet  quidam 
*5  illorum  de  Nflwenhus,  et  Antonius  Carmentran,  qui  fuit  cras- 
tina die  sepulturae  traditus.  Et  tunc  usserunt  plura  villagia, 
quae  erant  extra  portam  de  Burgillon.4) 

Item  post  venerunt  ex  ipsis  inimicis  nostris  certi  Gani- 
medes  apud  claustrum  Altaeripae6)  circa  duodecim  vel  quinde- 
ao  cim,  qui  truncaverunt  capita  imaginum,  ferentes  serta  plu- 


‘)  Der  Galgen  war  mitten  auf  dem  Abhänge  emischen  dem  Guintzet 
und  der  obigen  Straße.  Rapa  heißt  in  unsrem  Romanisch- Latein  e.  Abhang, 
*)  Givisiee,  Dorf  links  an  der  obigen  Straße. 

*)  Chamblioux , Weiler  rechts  an  der  obigen  Straße. 

*)  La  Schurra,  Weiler  links  an  der  Straße  nach  Marly. 

•)  Stadtthor  genannt  Bürglenthor,  Porte  de  Bourguillon. 

•)  Ehemaliges  Kloster  Altenryff,  Hauterive,  Oisterzien ser-Ordens, 
q»Uen  rar  Schweizer  Geschieht«,  t,  20 


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306 


Johannes  örnyere. 


1448  marum  pavonum.  Sic  quatuor  socii  de  nostris  ipsos  infuga- 
verunt  taliter  quod  duos  interfecerunt,  tres  captivos  adduxe- 
runt et  alios  infugaverunt. 

Item  deinde  in  eodem  mense  martii  venerunt  ipsi  inimici 
versus  Bretignie1),  et  nostrae  gentes  iverunt  ipsis  obviam.  Et  t 
fUerunt  ibidem  interfecti  duo  nobiles  ex  ipsis  inimicis,  videli- 
cet Aymo  de  Gallera  et  quidam  alter,  qui  fuerunt  sepulturae 
traditi  versus  et  prope  pratum  Hospitalis  Beatae  Mariae  Vir- 
ginis, ubi  archerii  cum  arcubus  se  exercent*).  Quae  duo  ca- 
davera postmodum  fuerunt  per  certos  de  Montagniaco,  supplice  io 
requisitione  per  ipsos  dominis  nostris  de  Friburgo  facta,  ab 
eorum  sepulturis  extracta  et  alibi  deposita. 

Item  in  eodem  mense  martii  venerunt  ipsi  inimici  nostri 
versus  Agie*),  et  nostrae  gentes  illi«  obviaverunt,  et  insimul 
taliter  praeliati  sunt,  quod  ex  ipsis  plures  fuerunt  interfecti, u 
et  circa  viginti  quinque  equi  fuerunt  per  nostras  gentes  tam 
interfecti  quam  graviter  usque  ad  mortem  vulnerati;  tamen 
duos  de  nostris,  videlicet  Petrum  Knabis  et  quemdam  alium 
antiquum,  dum  sua  animalia  pascebant,  nequiter  occiderunt, 
et  Nicodum  Loriod  apud  Aventicam*)  captivum  duxerunt.  w 
Mere  Item  die  jovis  ante  festum  paschae,  quae  fuit  vigesima 
prima  martii,  exiverunt  villam  certi  boni  socii  et  viri  audaces 
de  societate,  quae  dicitur  das  Fryvenli,  et  alii  socii  secum,  et 
intraverunt  dominium  de  Murato,  et  ibidem  combusserunt 
Villars-les-Moines5),  Curgivol*),  Corlevon  et  Salvagnie1)  ibi-  *> 
demque  interfecerunt  undecim  homines  aut  ultra,  quatuor- 
decim  homines  captivos  adduxerunt  et  circa  centum  et  viginti 


')  Bertigny,  Weiler  auf  der  Anhöhe  zwischen  den  Straßen  nach 
Payeme  und  Bomont. 

*)  Diese  Stelle  ist  heute  die  Schüttenmatte , Lee  Grandtplaces  ge- 
nannt. Sie  ist  gerade  vor  der  Stadt  an  der  Straße  nach  Bomont. 

*)  Agy,  Weiler  an  der  Straße  nach  Murten. 

*)  Avenches,  Wiftisburg. 

•)  Münchenwyler,  Villars-les-Moines,  ehemaliges  Priorat  Cluniatenser 
Ordens. 

*)  Courgevaux,  Ourwolf  bei  Murten. 

*)  Courlevon  und  Sdkagny  bei  Murten. 


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Johann«  Grayere. 


307 


grossa  animalia  secum  adduxerunt  Et  sic  illi  de  Mureto  1449 
non  multum  lucrabantur  in  die  festo. 

Item  vigesima  octava  die  praedicti  mensis  martii,  anno  Mere 
ut  supra,  exiverunt  Friburgenses,  circa  mille  et  sexcenti  ho-  sa 
t mines,  de  nocte  post  Ave-Maria,  et  iverunt  apud  Guggisperg 
et  Schwartzenburg,  et  in  solis  ortu  subsequentis  diei  veneris 
usserunt  ipsa  duo  villagia  Guggisperg  et  Schwartzenburg  et 
omnia  alia  villagia  dominiorum  de  Montcuchin  et  de  Nigro 
Castro*),  qu®  fuerunt  in  numero  circa  quinquaginta  villagia 
10  et  ultra.  — Nam  homines  ipsorum  dominiorum  spectabant 
tam  ad  Friburgenses  quam  ad  Bernenses,  licet  iidem  probi 
(ut  apparuit)  homines  dominos  suos  de  Friburgo  denegaverunt 
et  ad  voluntatem  Bernensium  totaliter  se  posuerunt,  et  contra 
nos  suo  posse  ftierunt  tamquam  pessimi  proditores  et  per- 
is juri.  Igitur  merito  iidem  Friburgenses  vindictam  contra  pro- 
ditores praedictos  sumpserunt  plurimosque  ipsorum  proditorum 
et  perjurorum  ibidem  neci  dederunt. 

Cum  autem  iidem  Friburgenses  ipsa  die  veneris,  quae  Mere 
fuit  vigesima  nona  martii,  ad  villam  Friburgi  regrediebantur,  39 
ao  ipsis  obviaverunt  inimici,  videlicet  Sabaudienses  et  Bernenses 
cum  suis  adhaerentibus.  Erant  in  numero  circa  decem  millia 
hominum  et  ultra,  nominatim  ibidem  in  prato  die  Nüwmatte1), 
prope  et  desuper  Galtera'),  et  ibidem  insimul  praeliati  sunt, 
taliter  quod  nostrae  gentes  maximum  damnum  receperunt,  et 
is  inimici  pessime  et  proditive  nostros  occiderunt,  videlicet  du- 
centos quadraginta  sex,  qui  fuerunt:  Hensilinus  Verwer,  de 
consilio,  Willinua  Perrotet,  tunc  magnus  preeo  in  Friburgo, 
Jacobus  Vögilli,  Hensilinus  Cudrefin,  cognatus  meus,  Petrus 
Küng,  Nicodus  de  Blumisperg  etc.,  nam  iidem  inimici  pes- 
so sime  et  proditive  nostros  expugnaverunt,  quia  signa  nostrarum 
gentium  deportabant,  videlicet  crucem  rubeam  sicut  nostrae 


*)  Montcuchin  et  Nigrum  Castrum,  lateinische  Namen  von  Guggis- 
berg  und  Schtoareenburg. 

*)  Die  Neumatte,  bei  Bohr  an  der  Straße  von  Täfers,  Tavel,  nach 
Schwareenburg. 

•)  Gatter en,  Qotteron,  Thal  und  Bach,  der  in  die  Saane  fließt. 


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1448 


April 

20 


308  Johannes  Gray  ere. 

gentes  cruces  rubeas  ferebant,  quod  fecerunt  tanquam  falsi 
et  proditores,  quia  si  sua  signa  videlicet  cruces  albas  realiter 
portassent,  indubitanter  nostrae  gentes  tale  damnum  non  rece- 
pissent Nam  sub  umbra  rubeae  crucis  nostras  gentes  nequi- 
ter occiderunt.  Tamen  ex  ipsis  inimicis  fuerunt  per  nostras  5 
gentes  occisi  circa  centum  et  quindecim  homines  de  melio- 
ribus et  audacioribus  ipsorum  mimicorum,  et  sic  non  frustra 
gentes  nostrae  sunt  defunctae  et  occisae,  quarum  animae  re- 
quiescant in  sancta  pace.  Hujusmodi  mortem  incurrerunt 
circa  nostra  manutenendo.  w 

Ulterius  est  sciendum  quod  Sabaudienses  ceperant  ad 
misericordiam  circa  sexaginta  homines  de  numero  ipsorum 
ducentorum  quadraginta  sex  occisorum,  antequam  fuissent 
occisi,  et  ipsos  captivos  inducere  volebant,  erantque  quasi  de 
melioribus  ipsorum;  sed  illi  proditores  Bemenses  ceperunt« 
illos  sibi,  ultra  eorum  voluntatem,  et  ad  mortem  posuerunt. 

Etiam  est  verum  quod  nostrae  gentes  ceperunt  illis  per- 
juris ac  proditoribus  de  Schwartzenburg  apud  Montcuchin  vi- 
delicet vexillum  illorum  de  Schwartzenburg,  quod  nostrae 
gentes  apportaverunt  apud  Friburgum,  et  est  depositum  in» 
ecclesia  nostra  parochiali  Sancti  Nicolai. 

Item  est  sciendum  quod  in  istis  actibus  erant  capitane; 
nobiles  viri  dominus  Petrus  de  Mörsperg,  miles,  ac  Ludovi- 
cus  Meyer,  domicellus,  qui  Ludovicus  erat  tunc  ex  nostris 
gentibus.  Cui  Ludovico  si  credere  voluissent,  tuto  Fribur-  a 
gum  reintrassent,  sed  nullo  modo  eidem  obedire  volebant,  et 
sic  eorum  grandissima  culpa  occisi  fuerunt.  Fuerunt  autem 
sepulta  eorum  corpora  apud  Friburgum  in  cemiterio  ecclesiae 
Sancti  Joannis,  etiam  in  aliis  cemiteriis  et  ecclesiis  Friburgi, 
quorum  animae  requiescant  in  pace.  a> 

Item  die  sabbathi  ante  festum  Sancti  Georgii,  quae  fuit 
20.  aprilis,  venerunt  ipsi  inimici  nostri  circa  sex  millia  homi- 
num armatorum,  equitum  et  peditum,  , versus  Juvisie  et  Ber- 
tignie,  et  sic  nostrae  gentes  exiverunt  villam  et  iverunt  ipsis 
obviam  versus  campos  de  Chamblot,  desuper  campum  Johan-  « 
nis  Pavilliard,  et  quaedam  bombarda  seu  pixis  ibidem  cum 
nostris  gentibus  fuit  adducta,  et  quidam  optimus  magister 


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Johannes  Gruyere. 


309 


pixidum,  qui  vocabatur  magister  Nicholaus,  traxit  cum  pixide  1448 
ad  inimicos  valde  notanter  et  quam  plurimos  interfecit  et 
laäsit,  nostraeque  gentes  contra  ipsos  cum  suis  balistris  ac  pi- 
xidibus  traxerunt  et  multos  interfecerunt  et  vulneraverunt, 
s Ex  una  alia  parte,  ubi  capita  truncantur,  erant  nostrae 
gentes  cum  equis,  et  sic  statim  post  modicum  intervallum, 
dum  una  pars  contra  alteram  instaret,  venerunt  festinanter 
ipsi  inimici,  videlicet  una  maxima  pars  ipsorum  inimicorum  . 
per  retro  Rapam  Furcarum  et  per  versus  Bretignie,  et  volue- 
10  runt  includere  et  circum  circa  claudere  dictas  nostras  gentes, 
quod  tamen  Deus  omnipotens  non  permisit.  Nam  illi  socii, 
qui  erant  supra  turres  villae,  exeuntes  ex  omni  parte  mira- 
biliter divino  auxilio  contra  ipsos  inimicos  suis  bombardis 
et  aliis  tractibus  mirifice  traxerunt,  taliter  quod  ipsi  inimici 
is  malignam  suam  voluntatem  ad  effectum  ponere  non  potuerunt, 
sed  fuerunt  ex  ipsis  inimicis  occisi  aut  vulnerati  circa  sexa- 
ginta  homines;  etiam  plures  equi  fuerunt  ibidem  tam  inter- 
fecti quam  graviter  vulnerati ; et  sic,  Deo  dante,  nostrae  gentes 
absque  damno  se  retraxerunt  ad  villam. 

*o  Item  die  mercurii  post  dictum  festum  Sancti  Georgii  ve- Apra 
nerunt  certi  ex  ipsis  inimicis  "versus  Marlie  et  versus  La 
Schürra,  et  erant  certa  animalia,  quae  dum  abducerent,  ipsis 
obviaverunt  nostrae  gentes,  et  ipsos  inimicos  expugnaverunt, 
et  decem  ex  ipsis  interfecerunt,  et  unum  dictum  Ludovicum 
» Bidaul  de  Corbeiris,  cognatum  Jacobi  Aygro,  captivum  cepe- 
runt et  ad  Friburgum  adduxerunt.  Et  ipsa  die  ipsi  inimici 
certa  animalia  nostra  induxerunt. 

Item  die  sabbathi  post  dictum  festum  S.  Georgii  venerunt  April 
ipsi  inimici  nostri  et  specialiter  Bernenses  versus  le  Galteron, 
so  et  aliqui  ex  ipsis  intraverunt  vallem  de  Galteron  et  invene- 
runt quemdam  hominem  claudum  de  nostris,  quem  nequiter 
interfecerunt,  et  tres  folias,  videlicet  foliam  Petri  Perrotet, 
tum  magistri  civium  Friburgi,  foliam  Cononis  de  Lanten  et 
Roleti  Gambach,  ac  foliam  Cononis  Vögili  combusserunt,  et 
os  tunc  nostrae  gentes  iverunt  ipsis  obviam,  et  taliter  quod  ipsos 
infugaverunt  et  aliquos  occiderunt. 

Item  die  sabbathi  sequenti  venerunt  ipsi  inimici  versus  Meti  4 


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310 


Johanne«  Gray  ere. 


tus  le  Brünisholz*)  in  angulo  ipsius  nemoris,  et  nostrae  gentes 
contra  ipsos  suis  pixidibus  mirabiliter  traxerunt,  taliter  quod 
ipsos  infugaverunt  et  quam  plurimos  occiderunt,  licet  plura 
animalia  induxerunt. 

Ipsa  die  tarde  circa  sextam  horam  post  meridiem  aliqui  s 
ex  ipsis  inimicis  venerunt  versus  Fontes  de  Chamblot’)  et 
tres  homines  sua  animalia  pascentes  nequiter  occiderunt  et 
quemdam  alium  virum  dictum  Johannem  Asnoz  graviter  vul- 
neraverunt. 

Est  etiam  sciendum  quod  illi  de  Basilea,  de  Zürich,  de  10 
Lucerna,  de  Solodoro,  de  Schwytz,  de  Unterwalden,  de  Zug, 
de  Glaris,  et  ali®  Ligae  transmiserunt  apud  Friburgum  suos 
honorabiles  ambaxiatores,  qui  rogaverunt  dominos  nostros  de 
Friburgo  intima  affectione,  ut  eisdem  ambaxiatoribus  annuere 
vellent  ad  tractandum  et  loquendum  pro  una  amicabili  dieta, « 
non  astricta,  tenenda  apud  Solodorum,  pro  eo  quod  erat  ibi- 
dem locus  magis  conveniens  ad  tractandum  quam  alibi,  se- 
cundum'eorum  visum  et  cognitionem;  qua  accepta  volebant 
se  transferre  ad  dominum  ducem  Sabaudiae  seu  ejus  consilium 
et  erga  illum  taliter  laborare  (prout  confidebant)  quod  idem» 
dux  Sabaudiae  ipsam  dictam  amicabilem  dietam  tenendam 
apud  Solodorum  siquidem  acceptaret,  nam  eisdem  ambaxia- 
toribus fore  consonum  rationi  videbatur. 

Et  sic  donjini  nostri  de  Friburgo  tanquam  humiles,  dul- 
ces et  benigni  et  tanquam  guerram  non  habere  desiderantes« 
ipsam  amicabilem  dietam  apud  Solodorum  tenendam  amore 
ipsorum  ambaxiatorum  benigniter  acceptaverunt.  Qui  tamen 
dux  seu  ejus  consilium  ipsam  dietam  totaliter  denegavit  et 
ipsi  ambaxiatores  apud  ipsum  ducem  Sabaudiae  in  vanum  la- 
boraverunt; licet  idem  dux  seu  ejus  consilium  acceptare  vo-so 
lebat  unam  dietam  tenendam  apud  Lausannam  seu  Bernam, 
quod  tamen  in  domiciliis  talium  nostrorum  inimicorum  nullo 
modo  erat  fiendum. 

Quamobrem  unusquisque  probus  vir  justitiam  diligens 


‘)  Brünitholt-  Wald  bei  La  Schurra  linkt  an  der  Straße  nach  Marly. 
*)  Föntet  de  Chmblot  haßt  heute  Bonnefontaine. 


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Johannes  Gray  ere. 


311 


luculenter  cognoscere  potest  ac  evidenter  voluntatem  malig-  i44a 
nam  ipsius  ducis  Sabaudiae,  nos  et  villam  Friburgi  ad  suam 
subjectionem  compellere  volentis  contra  omnem  justitiam,  ut 
omnibus  audientibus  verifice  potest  enucleari. 

5 Et  sic  omnipotenti  Deo  sua  benignissima  misericordia 
auxiliante,  gratiaque  Sancti  Spiritus  favente,  ac  intercessioni- 
bus gloriosissimae  Virginis  Mariae  Dei  Genitricis,  Sancti  Geor- 
gii,  militis  Dei,  et  omnium  Sanctorum  Dei,  contra  talem  du- 
cem Sabaudiae  et  suam  superbiam  et  contra  omnes  inimicos 
w nostros  viriliter  resistere  volumus  et  nos  defendere  usque  ad 
mortem. 

Item  die  sabbathi  ante  festum  pentecostes,  undecima  Main 
maji,  venerunt  ipsi  inimici  nostri  versus  Juvisie  prope  cru- 
cem, et  nostrae  gentes  posuerunt  suam  guardam,  seu  em- 
it boches,  in  quadam  ruetta  publica  versus  campos  de  Chamb- 
lot,  et  posuerunt  siquidem  duas  guardas  seu  duos  custodes 
cum  equis  ibidem  prope,  quos  custodes  ipsi  inimici  infugave- 
runt,  taliter  quod,  dum  ipsos  infugaverunt,  erant  prope  quod- 
dam tornafol  seu  barreriam  et  intrassent  ipsas  barrerias.  Sed 
oo  quidam  nominatus  Johannes  Warney  de  nostris,  qui  erat  in 
guarda  cum  nostris  gentibus,  traxit  cum  pixide  sua,  taliter 
quod  ipsi  inimici  tunc  perceperunt  et  viderunt  nostram  gar- 
dam  et  tunc  fugerunt,  et  sic  decem  de  nostris  agricolis  ex- 
currerunt post  ipsos  inimicos  et  ipsos  taliter  persequi  vo- 
85  lebant,  quod  ab  ipsis  inimicis  fuerunt  occisi  per  maximam 
culpam  ipsius  Warney,  nam  si  non  traxisset  cum  pixide,  ipsi 
inimici  intrassent  infra  barrerias,  erant  circa  quadraginta  ho- 
mines cum  equis,  et  si  intrassent,  indubitanter  omnes  fuissent 
a nostris  occisi  aut  capti.  Tamen  Deus  permittere  noluit, 
so  sed  tamen  de  ipsis  inimicis  fuerunt  quatuor  per  nostros  occisi, 
et  deinde  ex  ipsis  vulneratis  ipsorum  inimicorum  mortui 
sunt  septemdecim  homines,  et  sic  non  frustra  nostros  occi- 
derunt. 

Item  die  lunae  post  festum  Trinitatis,  vigesima  maji,  ve-  Maüo 
as  nerunt  inimiei  versus  crucem  de  Juvisie  et  ibi  circa,  versus 
pratum  Bovin,  et  nostrae  gentes  iverunt  ipsis  obviam  et  insti- 
terunt una  pars  contra  alteram  trahendo  suis  balistris  et 


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312 


Joh&nnes  Grnyere. 


U48  pixidibus  taliter  quod  ex  ipsis  inimicis  fuerunt  per  nostras 
gentes  quatuor  occisi,  et  quam  plurimi  vulnerati;  etiam  equi 
ipsorum  inimicorum  fuerunt  mortui  et  vulnerati  usque  ad  mor- 
tem. Et  tunc  recesserunt,  licet  ipsi  inimici  tanquam  bubulci 
aliqua  animalia  induxerunt,  quae  tamen  pretio  suae  ipsorum  5 
camis  emerunt. 

Item  est  sciendum  quod  quatuor  falsi  et  proditores,  qui 
erant  de  nostris,  per  licentiam  capitaneorum  exiverunt  villam, 
dicebantque  quod  volebant  inimicis  aliquid  depredari,  et  sic, 
iniqua  voluntate  impleti,  iverunt  apud  ipsos  inimicos,  videli-w 
cet  ad  Bernenses,  et  se  cum  ipsis  totaliter  contra  nos  posue- 
runt, qui  sunt  Willinus  Wetzsöw,  Jacobus  Türewächter  de 
Wyler  ante  Oltingen,  quidam  dictus  Zum  Ttirly,  et  filius 
Ullini  Löflfer. 

Deinde  nostri  ambaxiatores  requisitione  nobilium  am- 15 
baxiatorum  illustrissimi  principis  ac  christianissimi  regis  Fran- 
cia»,  etiam  serenissimi  principis  domini  ducis  Burgundiae 
sub  salvo  conductu  ducis  Sabaudiae  equitaverunt  apud  Lau- 
sannam  ad  ipsos  ambaxiatores,  tractando  de  bono  pacis,  et 
cum  nostri  ambaxiatores  redirent  die  veneris,  quse  fuit  vige- » 
Mai24  gima  quarta  maji,  venerunt  ipsi  inimici  nostri  versus  Bre- 
tignie  et  ibi  circa,  et  tunc  nostri  tanquam  animosi  et  audaces 
exiverunt  villam  et  iverunt  illis  obviam,  et  praeliati  sunt  una 
pars  contra  aliam  taliter  trahendo  suis  pixidibus  et  aliis  trac- 
tibus suis,  quod  ex  ipsis  inimicis  fuerunt  circa  quatuordecim » 
homines  occisi  et  quam  plurimi  vulnerati,  etiam  plures  equi 
tam  mortui  quam  vulnerati,  et  nostri,  Deo  dante,  illaesi  re- 
venerunt. 

Mai26  item  vigesima  sexta  praedicti  mensis  maji  venerunt  Fri- 
burgum  praedicti  ambaxiatores];  unus  ipsorum  dominorum  fuit » 
quidam  magnus  abbas,  et  quidam  dominus  nobilis  et  potens 
ex  parte  domini  regis  Franciae.  Fuerunt  autem  ex  parte  do- 
mini ducis  Burgundiae  videlicet  nobilis  et  potens  Philibertus 
de  Vaudrey  ballivus  Burgundiae  et  quidam  licenciatus  legum 
tractando  de  bono  pacis.  ss 

Mai3l  Et  die  veneris,  quae  fuit  ultima  maji,  dum  idem  ballivus 
recessit  et  equitavit  Bemam,  venerunt  ipsi  inimici  versus 


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Johannes  Gruyere. 


313 


Bretignie,  et  nostrae  gentes  iverunt  illis  obviam,  et  institerunt  t44S 
una  pars  contra  alteram,  et  traxerunt  suis  pixidibus  et  bali- 
stris  taliter  quod  ex  ipsis  inimicis  fuerunt  octodecim  homines 
occisi,  pluresque  fuerunt  graviter  vulnerati  usque  ad  mortem, 
s etiam  plures  equi  fuerunt  vel  mortui  vel  vulnerati,  nostri 
vero  fuerunt  illaesi  nisi  quidam  juvenis,  qui  erat  familiaris 
nobilis  viri  Petri  de  Corbeiris,  quem  sub  misericordia  capti- 
vum ceperunt  et  deinde  ipsum  nequiter  occiderunt;  ceperunt- 
que  nostri  unum  capitaneum  captivum  quem  secum  ad  villam 
io  duxerunt,  etiam  lucrati  sunt  unum  vexillum  quod  erat  ini- 
micis nostris  praedictis;  ipsa  tamen  die  fuit  laesus  Johannes 
Aygroz,  filius  Jacobi  Aygroz,  uno  tractu  balistrae. 

Item  die  sabbathi,  octava  junii,  venerunt  ipsi  inimici  Sa-  J“»» 8 
baudienses  et  Bemenses  simul  cum  omnimoda  potestate  ver- 
is sus  campos  de  Torrel1);  et  nostrae  gentes  exiverunt  contra 
ipsos  inimicos  et  traxerunt  suis  ballistris  et  pixidibus,  et  spe- 
cialiter illi  socii  existentes  supra  turres  traxerunt  contra  ini- 
mieos  taliter,  quod  ex  ipsis  circa  viginti  homines  occiderunt 
pluresque  laeserunt,  etiam  plures  equos  interfecerunt  et  ali- 
3o  quos  graviter  laeserunt.  Licet  quatuor  homines  de  nostris 
sub  umbra  proditionis  nequiter  occiderunt,  nam  ipsi  inimici 
ipsos  vocabant,  et  sic  iidem  quatuor  ad  ipsos  ivere  putantes 
habere  socios  suos,  et  cum  appropinquassem  ipsis  inimicis, 
tunc  clare  cognoverunt  ipsos  inimicos  et  sic  voluerunt  se  re- 
3s  trahere,  quod  tamen  facere  non  potuerunt,  et  sic  fuerunt  ne- 
quiter occisi. 

Quapropter  necessaria  sunt  et  utilia  fieri  bona  signa  et 
vestes  tales,  quod  leviter  et  clare  unus  possit  cognosci  ab 
altero. 

so  Ipsaque  die  nostri  ceperunt  unum  captivum  et  ipsum 
secum  ad  Friburgum  adduxerunt,  ipsa  vero  die  illi  inimici 
ceperunt  tres  aut  quatuor  juvenes,  puellas  ac  plura  animalia. 

Item  die  martis,  undecima  junii,  venerunt  ipsi  inimici  et  Jmitt 
ceperunt  multa  animalia  extra  portam  de  Burguillon  et  de 
35  Bisemberg.  Cum  autem  hoc  cognoverunt  socii  ibi  supra 


')  Torry,  Anhöhe  hei  Agy,  links  an  der  Straße  nach  Murten. 


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Johaaae«  Grayere. 


1448  turres  existentes,  aliqui  animosi  et  audaces  statim  exiverunt 
portas,  et  ipsos  inimicos  taliter  persecuti  sunt,  quod  quatuor 
homines  ex  ipsis  inimicis  occiderunt,  et  omnia  animalia  iterum 
ipsis  ceperunt. 

Junia  item  die  mercurii,  duodecima  junii,  venerunt  ipsi  inimici  * 
nostri  videlicet  de  ipsis  de  Berna,  de  Schwartzenburg  et  de 
Montcuchino  versus  lo  Schönenberg l)  et  ceperunt  circa  cen- 
tum et  viginti  grossa  animalia,  quae  secum  inducebant.  Et 
sic  nostrae  gentes  circa  quadringenti  homines  exiverunt  villam 
cum  eorum  capitaneo  Ludovico  Meyer  et  certis  aliis  cum  w 
equis,  et  invenerunt  illos  inimicos  in  villagio  de  Tabernis’) 
supra  coemiterium,  qui  se  opposuerunt  contra  nostras  gentes, 
personas  suas  deffendentes,  taliter  quod  unum  de  nostris  inter- 
fecerunt, qui  erat  filius  molitoris  Wersimoz,  et  dictum  Stengli, 
quemdam  valentem  virum  de  nostris,  laeserunt.  Tamen  nostrae  15 
gentes  taliter  contra  ipsos  praeliati  sunt  et  suis  balistris,  pixi- 
dibus  et  aliis  suis  tractibus  contra  illos  traxerunt,  quod  ab 
eodem  coemiterio  se  removerunt  et  festinanter  fugerunt,  et 
dum  sic  terga  fugae  dederunt,  nostrae  gentes  tanquam  valentes 
viri  ipsos  persecuti  sunt  et  infugaverunt  taliter  quod  ipsa » 
animalia  praedicta  dimiserunt  et  ipsa  secum  non  induxerunt, 
ac  nostri  quinquaginta  homines  ipsorum  inimicorum  versus  lo 
Wyssenbach’)  interfecerunt,  spoliaque  ipsorum  occisorum,  sicut 
vestes,  diploides,  camisias,  decem  bonas  balistras  pixidesque 
ac  longas  lanceas,  enses  et  alios  gladios  secum  apportaverunt » 
et  in  Piscina4),  ante  domum  Henselini  Elpach,  vexilliferi  in 
Burgo,  eadem  ad  usum  buttini*)  vendiderunt,  ultraque  quadra- 
ginta homines  ipsorum  inimicorum  graviter  laesorum  ac  unum 
capitaneum  tantummodo  secum  adduxerunt 


•)  Der  Schonenberg,  Anhöhe  der  Bemerstraße,  gleich  vor  der  Stadt. 
*)  Täfers,  Tavei,  an  der  Straße  nach  Schwartenburg. 

*)  Der  Weißenbach  kommt  von  Ober-Montenach  her  und  fließt  durch 
die  eben  erwähnte  Straße  unten  bei  S.  Antoni. 

*)  Piscina,  der  Fischmarkt,  war  damals  nahe  bei  der  jetsigen  alten 
Linde,  mitten  in  der  Stadt. 

')  Nach  einem  Kriegsgesetz  wurde  die  Beute  verkauft,  und  ein  Theä 
des  Erlöses  war  für  die  Krieger. 


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Johannes  Qrnyere. 


315 


Item  die  sabbathi,  festo  Sanctorum  Petri  et  Pauli,  vige-  1448 
sima  nona  junii,  venerunt  ipsi  inimici  versus  Juvisie  et  inter- Jum2S 
fecerunt  Johannem  Clerc  de  Belfo’)  ac  unum  puerulum  Beta- 
tis decem  annorum  vel  circa.  Et  per  hoc  evidenter  apparet, 

5 quales  guerrerii,  qualem  guerram  honorabilem  illi  inimici 
nobis  faciunt,  nam  in  ista  guerra  plures  pueros  et  mulieres 
nequiter  occiderunt,  tanquam  pessimi  proditores,  nullam  jus- 
tam guerram  seu  querelam  contra  Friburgenses  ullo  modo 
habentes. 

10  Item  die  lunae,  prima  julii,  venerunt  ipsi  inimici  versus  Juli  i 
Juvisie  et  ibi  circa,  et  sic  nostrae  gentes  exiverunt  villam 
contra  ipsos  inimicos  et  ipsos  infugaverunt,  taliter  quod  ex 
ipsis  inimicis  unum  interfecit  Petrus  Stadler,  compater  meus, 
et  alii  quinque  homines  illorum  inimicorum  occisi  sunt  trac- 
15  tibus  nostrarum  pixidum,  etiam  plures  graviter  vulnerati  us- 
que ad  mortem. 

Et  est  sciendum  quod  nostrae  gentes  viriliter  ipsos  ini- 
micos in  numero  ducentorum  equitum  existentes  debellare 
volebant  et  contra  ipsos,  Deo  auxiliante,  praeliari,  sed  illi 
»inimici  festinanter  terga  fugse  dederunt,  non  tam  audaces 
quod  nostras  gentes  expugnare  voluissent,  quod  tamen  non 
fuit  honorabile  pro  una  tam  magna  potestate,  quam  habent 
iste  dux  Sabaudiae  ac  proditores  et  perjuri  de  Berna,  quia 
sunt  contra  nos  et  fecerunt  contra  nos  ut  superius  fit  men- 
* tio,  non  obstante  quod  debebant  nos  juvare  contra  ducem 
Sabaudise,  quia  nostrse  confederationes,  quae  sunt  inter  ipsos 
Bernenses  et  Friburgenses,  sunt  in  data  antiquiores  quam 
sint  confederationes  inter  ipsum  ducem  Sabaudise  et  ipsos 
Bernenses  existentes,  ut  omnibus  intuentibus  evidenter  po- 
»)  test  enucleari,  et  ideo  sunt  proditores  et  perjuri,  quia  ipsae 
confederationes  inviolabiliter  ac  perpetue  debebant  observari. 

Item  die  martis  sequenti,  secunda  julii,  venerunt  ipsi  Juli  s 
inimici  versus  Cormanon5)  desuper  Pyroules’)  ac  invenerunt 


')  Gumschen,  Belfaux,  Dorf  an  der  Straße  nach  Payerne. 
*)  Dorf  an  der  Straße  nach  Bulle. 

')  Perraule*,  Weiler  an  der  obigen  Straße. 


316 


Johannes  Grnyere. 


1448  unum  pauperem,  antiquum  hominem,  dictum  Toniset,  et  qui 
mendicabat,  quem  nequiter  occiderunt.  In  hoc  igitur  potestis 
cognoscere  nobilitatem  talium  gentium,  quae  hujusmodi  per- 
sonas nequiter  occiderunt. 

Juli 6 Item  die  sabbathi,  sexta  julii,  ipsi  mimici  cum  magna  s 
potestate,  cum  equitibus  et  peditibus  venerunt  versus  Üben- 
wile1),  et  nostrae  gentes  contra  ipsos  exiverunt  villam  Fri- 
burgi,  et  taliter  praeliati  sunt  ad  invicem,  quod  de  nostris 
fuerunt  aliqui  laesi,  at  ex  ipsis  inimicis  aliqui  occisi  ex  nostris 
pixidibus.  Etiam  iidem  inimici,  videlicet  Bemenses,  traxerunt » 
cum  suis  pixidibus,  quas  ducebant  supra  currus,  contra  villam 
Friburgi  et  infra  villam,  licet  non  fecerint  aliquod  damnum. 

Juli  7 Die  dominica  sequenti,  septima  julii,  iterum  venerunt  ad 

locum  praedictum  et  solummodo  se  monstraverunt  et  post- 
modum  recesserunt.  u 

Juiiio  Die  mercurii,  decima  julii,  venerunt  versus  Bretignie,  et 
nostrae  gentes  contra  ipsos  exiverunt  et  interfecerunt  quatuor 
ex  ipsis  cum  suis  pixidibus. 

Juli  14  Die  dominica  sequenti,  decima  quarta  julii,  venerunt  illi 
inimici  versus  crucem  de  Villard1)  et  ceperunt  unam  anti- » 
quam  equam  ac  interfecerunt  unam  vaccam  de  nostris  vaccis 
et  sic  magnam  audaciam  ostenderunt,  nostraeque  gentes  eis- 
dem inimicis  duos  bonos  equos  occiderunt. 

In  ipsa  septimana  fuerunt  ambaxiatores  Ligarum,  videli- 
cet Ytal  Reding  et  certi  alii  honorabiles  ambaxiatores  Ligarum,  ts 
qui  prius  saepe  fuerunt  in  Friburgo  ad  tractandum  de  pace, 
et  laboraverunt  taliter  erga  ducem  Saba u diae  et  erga  domi- 
nos Friburgenses,  quod  ipsa  guerra  fuit  totaliter  sedata  et 
concordata  secundum  tenorem  litterarum  inde  confectarum. 

Et  pro  memoria  praemissorum  perpetua  habenda  est #> 
sciendum  quod  nostri  coloni  seu  agricolae  fuerunt  valde  re- 
belles contra  burgenses  villae,  et  loquebantur  mirabilia  di- 
cendo, quod  volebant  nobis  rumpere  domus  nostras,  et  partiri 
nostra  grana  nobiscum,  et  certe  volebant  esse  magistri  in 


‘)  Übenwyl,  Villars-les-Jonce,  Weiler  an  der  alten  Straße  nach  Bern. 
*)  ViUars-sur-Glane,  Dorf  an  der  alten  Straße  nach  Romont. 


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Johanne*  Gruyere. 


817 


Tilia;  et  hoc  bene  apparebat,  nam  burgenses  non  erant  au-  1443 
daces  ipsos  castigare,  quod  faciebant,  ut  inde  majus  inconve- 
niens non  oriretur. 

Ulterius  fuerunt  ex  ipsorum  magnä  praesumptione,  qui 
e frangerent  prata  et  jordilia  burgensium  tam  in  villa  quam 
extra  villam;  quod  fuit  tamen  male  factum,  nam  eorum  ani- 
malia non  habuerunt  ad  pascendum  in  istis  pratis  et  jordili- 
bus  nisi  forte  per  tres  dies.  Per  hoc  est  notum  qualiter 
eorum  nequitiam  et  malevolentiam  ostenderunt.  Et  dixerunt 
»aliqui  ex  ipsis  agricolis,  quod  volebant  nos  interficere,  nisi 
faceremus  pacem.  Aliqui  etiam,  quod  volebant  truncare  ca- 
pita nostris  capitaneis,  quod  fuit  male  dictum,  nam  illi  va- 
lentes viri,  nostri  capitanei,  multum  fuerunt  nobis  utiles  et 
se  gesserunt  tanquam  viri  nobiles  omni  bonitate  renitentes, 
i*  Quamobrem  advisent  et  advisare  debent  multum  studiose  ips; 
Friburgenses,  quod  si  aliquam  guerram  in  futurum  inceperint, 
quod  se  gubernent  taliter  quod  isti  agricolae  non  sint  super 
nos,  et  quod  talia  malefacta  facere  non  praesumant;  nam 
semper  nobis  minabantur,  licet  multa  juramenta  fecerint,  et 
*o  debebunt  refraenari  potentissime. 

Item  die  martis,  decima  sexta  julii,  fuit  pax  proclamata  Mi  te 
et  tubicinata  seu  comata  per  villam  Friburgi,  quod  pax  de- 
beat observari. 

Item  est  sciendum  quod  canes  in  noctibus  multum  latra- 
»bant,  antequam  guerra  inciperet. 

Item  est  sciendum  quod  magnum  defectum  vini  habue- 
runt ipsi  Friburgenses  ab  initio  guerrae  usque  in  diem  pro- 
clamationis  pacis  ipsius.  Licet  certae  personae  habebant  vinum, 
dicebant  cum  juramento  quod  nullum  vinum  habebant,  et 
»false  mentitae  fuerunt  per  capita  sua,  quia  per  eorum  men- 
dacia plures  personae  multas  aegritudines  ob  defectum  vini 
incurrerunt  et  inde  migraverunt.  Et  sic  clare  apparet  quod 
tales  personae,  quae  sic  illud  vinum  occultaverunt  et  celave- 
runt et  nullo  modo  pauperibus  aegris  et  aliis  pauperibus  per- 
as sonis  largiri  voluerunt,  sunt  et  fuerunt  causae  plurimarum 
aegritudinum  talium  hujusmodi  personarum  et  siquidem  mor- 
tis ipsarum. 


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318 


Johune«  Ora  y «re. 


1448  Etiam  est  sciendum  et  pro  certo  notandum,  quod  Fri- 
burgenses  fecerunt  pacem  causa  agricolarum,  qui  nobis,  ut 
praefertur,  minabantur,  nam  si  iidem  agricolae  fuissent  gentes 
stabiles,  prout  erant  illi  de  villa,  non  fecissemus  talem  pa- 
cem, quia  prius  comedissemus  canes  murilegos  et  mures,  s 
Tamen  non  est  dicendum  quod  pax  sit  contra  nostrum  ho- 
norem, sed  est  multum  utilis  et  etiam  honorabilis  consideratis 
considerandis,  quod  tamen  certis  de  causis  pro  praesenti  enu- 
merare hic  supersedeo,  licet  in  futurum,  ut  spero,  Deo  dante, 
se  demonstrabit.  i« 

Etiam  verissime  est  sciendum,  quod  tractus  nostri  tam 
pixidum  coluvrinarumque,  quam  balistrarum . fuerunt  nobis 
utiles  ac  multum  boni,  nam  si  tales  hujusmodi  tractus  non 
fuissent,  absque  dubio  tota  villa  Friburgi  et  omnia  in  eadem 
existentia  fuissent  per  inimicos  nostros  circum  circa  villam  is 
existentes  deperdita  et  ad  perditionem  posita,  nisi  voluntas 
divina  e contra  permisisset. 

Et  ideo  studeant  Friburgenses,  quod  sagittarios  tam  pixi- 
dum quam  sagittarum  multum  diligant  et  prae  oculis  habeant, 
nam  ipsi  sagittarii  cum  illis  magnas  et  longas  lanceas  defe- » 
rentibus  taliter  contra  inimicos  se  habuerunt  et  viriliter  se 
gesserunt,  quod  merito  debeant  laudari. 

Item  pro  memoria  est  sciendum,  quod  animalia  nostra 
in  ista  guerra  multa  damna  nobis  intulerunt,  nam  propter 
ipsa  animalia  multas  gentes  perdiderunt.  Ideo  in  initio  guerrse  a 
talia  animalia  interficiantur  et  salsentur. 

Item  firmiter  est  notandum,  quod  nullae  guerrse  debent 
incipi,  nisi  villa  sit  munita  tam  auro  argentoque  et  victualibus 
quam  gentibus  armorum,  nam  si  aliquod  istorum  trium  desit 
seu  defuerit,  ipsa  guerra  non  potest  fieri  nisi  cum  damno.  » 


1 


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Personen-,  Orts-  und  Sachregister. 


Aarberg,  Grafen  von  4Ö»  41. 

Aar  bürg,  Herren  von  46.  Smoßmus  v. 
A.  31. 

Aargau  s.  Ergönw. 

Achahalm,  Gilian  280, 

Agy  306, 

Albrecht,  Hera,  v,  Oestr.  210.  213. 
Algönw,  Zug  in’s  216. 

Altaripa,  Altenryff  305. 

Altkilchen  245. 

Andres,  Meister,  in  Thnn  209. 
Appellation  23.  53.  54.  87.  110.  143. 
Archer,  Anthoni  246. 

Artikel,  die  fünf  43.  51.  52.  110.  143. 
Asnoz,  Johannes  810. 

Asper,  Ruf  220. 

Avenches  306. 

— (Aventschen),  Wilh.  von  205.  206. 
Aygro,  Aygroz,  Jacob  309.  313. 

— Johann  313. 

Baiem,  Herz.  Ludw.  d.  Reiche  v.254.  255, 
258. 

Baldeck  31. 

Basel  244.  253.  Bischof  (Joh.  VII.)  223. 
257.  269.  Conail  203,  Steinenkloster 
203.  Tag  zn  Basel  226.  Gesandte  in 
Bern  269.  270,  in  Freibarg  310. 

Beck,  Georg  216. 

Belfanx  315. 

Belp  52,  141. 

Bern  erwirbt  Grasbnrg,  Guggisberg  und 
Schwarz enburg  199,  Sterbet  200,  Ger- 
werengraben  201,  Krieg  mit  Freibnrg 
201—210.  3Cß  ft  Tag  in  Bern  vor- 


geschlagen ülfi.  Großer  Schnee  201. 
220.  Brückenpfeiler  219.  Vincenzen- 
hanpt  220.  Bund  mit  Mülhausen  292 
Fasnacht  221,  Mülhanserkrieg  225. 

234.  240.  243.  Waldshuterkrieg  247. 
Kleidermandat  und  Twingherrenstreit 
262  ff.  Umbau  der  Frauen- Capelle 
261. 

Beroman,  von  150. 

Bertigny  (Bretignie)  306.  308.  309.  312. 

313.  316. 

Bei  220. 

Bidanl,  Lndwig  309. 

Biderbo,  Cnno  281. 

Biel  204.  234.  247.  269.  305. 

Biglen  173. 

St.  Blasienabtei  248. 

Blotzheim  (Blatzen)  235.  236. 
Blnmisperg,  Nicod  v.  307, 

Bodensee  216.  217. 

Böhmen  (Behem)  die,  vor  Waldahnt  246, 
254.  Böhmerwald  121. 

Bondorf  250. 

Bonnefontaine  310. 

Boumgarter,  Peter  58.  80»  246.  280. 
Bourgnillon  s.  Bürglen. 

Böspfennig  13.  53,  54,  ZI,  111. 

Bovin,  Wiese  311. 

Brandig  23.  31.  46.  78. 

Bretignie  s.  Bertigny. 

Brientz  154.  155.  174. 

Brüggler,  Pet.  277 ; Lndw,  80. 81. 88.  93. 

235.  291. 

Brünisholz  305.  310. 

Brnnnadernkloster  132. 


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320 


Personen-,  Ort»-  und  Sachregister. 


Brunner,  Clewi  28L 
Brunstadt  228.  230.  237. 

Bubenberg,  Heinr.  v.  3L  Iß.  277.  Anneli 
v.  B.,  seine  Gattin,  geb.  von  Rosen- 
egg  287.  Adrian  32»  62,  seine  Rede 
66  f.;  87.  80.  10Q.  143.  235.  281.  283. 
288.  297.  Johanna,  seine  Gattin,  geb. 
v.  Lasserra  287. 
v.  Bncheck  41. 

Bnchenberg  216.  217. 
v.  Büren  23.  32.  132. 

Burg  in  Bress  200. 

Burgdorf  85.  161.  216. 

Burgistein  141. 

Bürglen  (Bourguillon)  bei  Freiburg  305. 
Burgund  30,  Herzog  v.  B.  29.  (Philipp 
der  Gute)  214.  312. 

Carmentran,  Anton  305. 

Cassinen  121. 
de  CbaUant  304  A.  L 
v.  Chalon  46, 

Chambdry  s.  Kamerach. 

Chamblioux  (Chamblot)  305.  308.  3JLL 
Fontes  de  Chamblot  s.  Bonnefontaine. 
Chauzi,  Rolet  305, 

Clerc,  Johannes  315, 

Closs,  Jak.  26L  Rud.  28L 
Constanz,  Tag  zu  Const.  204.  219.  223. 
Bischof  255.  258.  Krieg  mit  den  Eid- 
genossen 215. 

Corbieres  309.  Peter  v.  313, 

Cormanon  315. 

Courgevaux  (Cnrgivol)  306, 

Courlevon  (Corlevon)  306. 

Cudrefin,  Hensilin  307. 

Diesbach  141.  173. 

— Niel,  von  19,  24.  28.  56.  62.  80,  143. 
112  ft  250,  281,  283,  291,  297*  Wilh. 
v-  172.  281.  283. 

Dießenhofen  218. 

Dietrich,  Pet.  153  ff.  Rud.  281. 

Dijon  (Dischion)  30. 

Dudenheim  229. 

Eidgenossen,  ihr  Verhältniß  zu  Bern 
137.  146  f.;  ziehen  nach  Mülhausen 


235,  nach  Waldshnt  241;  eidgenös- 
sische Boten  in  Bern  134.  269.  270. 
291;  in  Freiburg  310,  316. 

Einsiedeln  215. 

Elpach,  Henselin  314. 

Englisberg  150. 

Ergöuw  121 ; sein  Adel  48. 121. 

v.  Ergöuw,  Conrad  85. 

Erlach,  Herrschaft  46, 

v.  Erlach,  Ulr.  96.  98.  101.  275.  278; 
Hans  Rudolf  29L 

Eschler,  Gilgan  281, 

Etsch  121, 

Felg,  s.  Velg. 

Felix  V.  in  Bern  200. 

Fränkli,  Seckelmstr.  39, 61,  64.  73. 83.  88, 
22.  ÜL  100,  107,  144.  15L  160;  seine 
Autobiographie  126  ff. ; seine  Charak- 
teristik 107.  112. 

Frankreich,  König  v.  (Karl  VIL)  312. 

Frauenfeld  219. 

Freibnrg  im  Breisg.  211.  279,  284.  285. 
289. 

— iip  Üchtland  162.  Burg  211.  314.  Au 
211.  Stadtthore:  de  Burgilion  et  de 
Bisemberg  313.  Kirche  St.  Nicolaus 
308.  Kirchhof  zu  St.  Johann  308. 
Hospitale  B.  V.  Maries  306,  Fischmarkt 
(Piscina)  314.  Schützenmatte  (les 
Grand’places)  306.  Galgen  305.  309. 
nbi  capita  truncantur  309. 

— sendet  Boten  nach  Bern  150,  269,  mit 
Bern  im  Krieg  201  ff.  3Q4  ff.,  wird 
savoyisch  211 ; Parteiung  zwischen 
Burg  und  Au  211;  erneuert  den  Bund 
mit  Bern  212,  nimmt  Theil  am  Mül- 
hanserkrieg  234,  am  Waldshuterkrieg 
247.  248.  255, 

Freiweibel,  ihre  Einsetzung  51,  105. 110 ; 
ihre  Verlegenheiten  82,  91. 

Freningen  230.  238. 

Friedrich  III.  in  Bern  199. 

v.  Fridingen  215. 

Fricker,  Thüring  34  f.  123.  277. 

Fröningen  s.  Freningen. 

Frutigen  verbrannt  221. 

Führungen  23,  51»  52,  185,  295. 


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Personen-,  Orts-  nnd  Sachregister. 


321 


Gady,  Prosper  3Ü2, 

Ualgenberg,  der  (b.  Mülhansen)  229. 
Gallera,  Aymo  de  306. 

Galteren,  die  (b.  Freiburg)  207.  307.  309. 
Qefangennehmung  von  Uebelthätern  161. 
185.  296. 

Genf  (Jenff)  2QL  2Ü5.  214. 

Gerwig  von  Sunendingen  216. 

Gfeller,  Freiweibel  19. 24, 26.  83.  87, 103. 
156.  157. 

Givisiez  (Juvisie)  305.  308.  311.  315. 
Glarus  Bendet  Boten  nach  Freiburg  31Q; 

zieht  nach  Mülhausen  235. 

Glücki,  Ruf  281. 

Grafenried,  Hans  281. 

Grasburg  199.  207.  210. 
v.  Greyers,  Peter  207. 

Greifensee  202. 

Großweibel  56.  58. 

Grüningen,  Herrschaft  75, 

Gruyere,  Guillaume  301. 

— Johannes  301  ff. 

Gruyeria,  Henricus  Turemberg  de  301. 
Guggisperg  199.  207.  307.  308.  314. 

Habsheim  (Habchessen)  236.  237. 
Hagelstein  205. 
v.  Hallwyl  49. 

Hardt,  die  120,  238. 

Harnischschau  5L  52.  295. 

Hasli,  der  Ammann  von  153. 

Hauterive  s.  Altaripa. 

Hegöuw  50;  Zug  in’s  H,  215.  223. 
Hesingen  245. 

Hetzel,  Ludw.  81.  88.  93.  93.  277. 

Heudorf  s.  Hoidorf. 

Hindelwank  85. 

Hirtzfeld  238. 

Hirtzenstein  242. 

v.  Hochberg,  Rud.  Markgr.  v.  268. 
v.  Hochenegg,  Walther  217.  218. 
Hochstetten  68.  172.  173.  Klein  H,  121; 

Groß  H.  169.  128. 

Hofmeister,  Rud.  101.  184.  185. 
v.  Hoidorf  (Höwdorf),  Bilgram  222.  257. 
259. 

Honwenstein,  der  nidere  235. 

Huber,  Anthoni  280. 

Quellen  zur  Schweizer  Geschichte.  L 


Hnbler,  Hans  281. 

Hübschi,  Diet.  280;  Lienhart  281. 
v.  Hünenberg,  Frau  103.  104.  131. 
Hürselden  103,  123. 

111,  die  233. 

Imstad  (am  Stad),  Hans  222.  256.  259. 
Impen,  ob  unt.  Hoheitsrecht  begriffen  ? 

9L  101. 114. 

Interlaken,  Probst  von  155.  156. 

Irrenei,  Peter  80.  280. 

Isny  212. 

Jegistorf  85,  96,  100. 

Kalnach,  Herrschaft  77, 

Kamerach  (ChambÄry)  30.  102. 

Käßlin,  Jost  281. 

Kempten,  Abt  von  216.  218. 

Keßlin  von  Toffen  162  f. 
v.  Kyburg,  Grafen  21.  22.  32.  40. 41. 49. 77. 
v.  Kien,  Herren  22.  32. 
v.  Kilchen,  Rud.  274. 

Kilchspiele,  die  vier  (Muri,  Vechigen,  Bol- 
ligen,  Stettlen)  1L  23. 

Kistler,  Pet.,  Venner  21.  23.  28.  56.  58; 
Schultheiß  80.  91.  104.  157.  175.  178. 
‘2&L  274;  seine  Charakteristik  113. 114- 
120.182;  sein  Verhältniß  zu  den  Eid- 
genossen 137.  148;  im  Mülhauserzug 
235. 

Klingnau  255. 

Klöster  43.  51.  56.  67.  86. 

Knabis,  Peter  306. 

Köln  220.  277.  279.  284.  285.  289. 
Konolfingen,  Landgericht  19,  164.  (die 
„jänigen“  sind  dort  die  jenseits  der 
Aare  wohnenden  Konolfinger). 
v.  Krauchthal,  Peter  43.  109. 
Kriecbstetten  222. 

Krummen,  Bendicht  280. 

Küng,  Peter  307. 

Künig,  BartL  281. 

Künitz  294.  295. 

Kntler,  Hans  &),  280. 

Lamparten  121. 

Landshut  23.  77.  79. 

21 


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322 


Personen-,  Orts-  und  Sachregister. 


Landtage  gebieten  M,  52,  110.  295. 
Lanten,  Cono  v.  309. 

La  Schürra  305.  309. 

Laufenburg  (Lonffenberg)  213.  ‘248. 
Lanpen  2ÜL  208.  209. 

Lausanne  310.  312.  Bischof  v.  209. 

Logo  216. 

Lentzburg  12L  127.  129, 

Lindau  216,  217. 

Lö&er,  Ullin  312. 

Loriod,  Nicod  306. 

Ludwig,  Pfalzgraf  by  Rin  204, 
v.  Lupfen,  Graf  v.  215. 

Lützelburg  268. 

Lutzern  sendet  Boten  nach  Bern  134; 
nach  Freiburg  310;  im  Mülhauserkrieg 

235.  243, 

Marly  309. 

Matter,  Heinr.  8L  87.  102.  104.  291. 
Meienberg,  Clewi  281. 

Meyer,  Ludwig  206.  207.  308.  314. 
Milden  30. 

Momütschiez  206. 

'Montcuchin  s.  Guggisperg. 

Montenach  (Montaguy-la-VUle)  20G.  210. 

SJ4.  m SM. 

Montricher  305. 

St.  Moritz  220. 

Mörsberg  (im  Elsaß),  Peter  v.  206.  308. 
Mörsburg  (Mörsperg)  im  Canton  Bern  2L 

24, 

v.  Muleren,  Urban  72.  81.  88.  102.  128; 
Hans  129. 

Mülhausen,  Bund  mit  Bern  und  Solo- 
thurn  222;  erhält  Besatzung  von  bei- 
den Städten  225;  die  Thaten  der- 
selben 225—234;  die  Eidgenossen  neh- 
men Parthei  für  Mülhausen  und  führen 
Krieg  mit  Oestreich  235—246. 

Mulve  103  ff.  131.  296. 

Mümpelgard  TL  221. 

Münchenwyler  306, 

Münsingen  103.  132.  172.  173.  297. 
v.  Münsingen  52.  123. 162.  (s.  von  Stein.) 
Murbach  242. 

Murten  2SL  306.  307. 

Muttenz  244. 


Nenenburg,  Graf  Hans  v.  210. 

Neuenegg  207. 

Neuenstadt  46.  269. 

Neumatte,  die  307. 

Nicolaus,  Büchsenmeister  von  Freiburg 

309. 

Nidau,  Graf  v.  41. 

Nigrum  Castrum  s.  Schwarzenburg. 
Nürenberg  258. 
de  Nüwenhus  305. 

Oberhofen  23,  77. 

Oberländerunrahen  139. 153. 

Ochsenfeld,  das  239.  243. 

Otmarsheim  238. 

Pabst  20.  102. 

Pavillard  150;  Johann  v.  308. 

Pemmond  (Piemont)  21. 

Petterlingen  206. 

Pfaffstatt  (Pfaffnacht)  239. 

Pfefferli  v.  Aarberg  205, 

Prattelen  (Brattelen)  244, 

Raffzerfeld  215. 

Ravensburg  126. 
v.  Rechberg,  Hans  213. 

Beding,  Ytal  316. 

Reisen  (in’s  Feld  ziehen)  22. 45, 46. 48. 295. 
Reisige  der  Berner  in  eidgenössischen 
Feldzügen  138.  145. 

Reutigen  297. 

Rhein,  der  249. 

Rheinfelden  210.  213. 

Richigen  iS. 

Richtessen  (Rixheim)  226. 

Richtstühle  (Landstühle)  52.  105.  110. 
Rietwil,  Conr.  280. 
v.  Rinach,  Erhärt  242. 
v.  Ringoltingen,  Thür.  23, 28. 62.  Th  180. 
277. 291.  Rudolf  und  sein  Sohn  Heinr. 
203. 

Ritsch,  Petermann  203. 

Rixheim  s.  Richtessen, 
v.  Rötelen,  Markgraf  255.  258.  268. 
Rötenbach  62.  173. 

Romont  (Rotundus  Mons)  305. 
v.  Rüßeck  12L 


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Personen-,  Orts-  und  Sachregister. 


323 


Salvagny  306. 

Sane,  die  206. 

Sanen  220,  234, 

Savoi  3a  42.  68.  102.  200.  205.  305.  ff. 

Herzog  Ludwig  201. 

Schaffhausen  222.  225.  246.  256.  259. 
v.  Schamachthai,  Conr.  30,  281;  Niel., 
Schultheiß  39.  62.  77.  80.  220.  235. 
2Sa  2ZL  2SL  283 ; Caspar  77,  IS,  215, 
246.  291;  Hans  Wilh.  291. 
Schiedsgerichte,  wie  beschaffen  in  früherer 
Zeit  142, 

Schilling,  Pet.  281. 
v.  Schinen,  Wem.  247. 

Schmiedenzunft  131. 

Schönenberg  314. 

Schöni,  Hans  280. 

Schürra,  La,  s.  La  Schürra. 

Schüler,  Heini  245. 

Schütz,  Hans  28a 
Schwaben,  Herzoge  von  5a 
Schwarzenberg  162.  307.  308  314. 
Schwarzwald,  der  223.  248.  250.  252, 
Schweighausen  240. 

Schwytzer,  an  der  Fasnacht  in  Bern  221; 
vor  Mülhausen  235 ; erleiden  Schaden  vor 
Schweighausen  240;  ziehen  nach  Tan 
242;  senden  Boten  nach  Freiburg  310. 
Sefftigen,  Landgericht  139. 162 ; Charakte- 
ristik der  Seftiger  164. 

Seckingen  213. 

Sennhen  (Senheim)  243, 

Sennen,  die  132.  141. 

Sense,  die  207. 

Sigmund,  Kaiser  45.  4a  125. 

— Herzog  von  Oestreich  224.  251. 

Signau  62.  68.  79.  173.  175.  297. 

Simon,  Pet.  33.  SL  156. 

Solothum,  Auszug  im  Dienste  des  Grafen 
.von  Thierstein  221;  Bund  mit  Mül- 
hausen 222 ; sendet  eine  Besatzung 
nach  Mülhausen  225 ; ihre  Thaten 
225—235;  zieht  mit  dem  Stadtpanner 
nach  Mülhausen  235;  im  Lager  vor 
Waldshut  247,  242;  sendet  Boten  nach 
Bern  134. 269.  270,  nach  Freiburg  310; 
Tag  in  Solothum  vorgeschlagen  310. 
v.  Speichingen  187. 


Spiez  23,  78, 

Stadler,  Peter  315. 

Staufen,  der,  bei  Thann  24L 

v.  Stein,  Hartm.  52.  103.  104.  131.  132. 

162. 112. 113, 235. 22L  297;  Jakob  291. 
Stengli  314. 

Sterrer,  Hans  281. 

Stettlen  68. 

Straßburg  215. 

Stuben;  die  4 Vennerstuben  106.  112. 
Subinger,  Pet.  281. 
v.  Sunendingen,  Gerwig  216. 

Sundgöuw  230.  235. 

Susenburg  268. 

Täfers  207.  314. 

Tann  232.  239.  242. 

Techterman,  Wilhelm  302. 

TeUpflicht  23.  44.  52.  110.  185.  295. 
Tempelherren  132. 

Teutsche  Herren  132. 

Tengen  215. 

Thalheim  204. 
v.  Thierstein,  Oswald  22L 
Thuremberg,  Thurimberg,  Thurembert,  s. 
Groyeria. 

Tilmann,  Meister  261. 

Toffen  162.  163. 

Togem  255. 

Toggenburg  78, 

Toniset  316, 
vom  Tor,  Peter  125. 

Torberg  173. 

Torman,  Simon  281. 

Torry  (Torrei)  313. 

Trachselwald  Z8. 

Tschachtlan,  Bend.  33.  56.  61. 156. 
Tüngen  246. 

Türewächter,  Jakob  312. 

Turemberg  s.  Gruyeria. 

Turin  3a  68. 

Uebenwyl  316. 

Uffholz  239. 

Dndersewen  174, 

Unterwalden  und  Ure,  senden  Boten  nach 
Bern  134;  nach  Freiburg  310;  ziehen  nach 
Mülhausen  235;  vor Waldshnt 251. 253. 


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324 


Personen-,  Ort»-  and  Sachregister. 


v.  Valendis  16 ; der  jünger  ÄH. 

Vaudrey,  Philibert  von  312. 

Velg  (Felg),  Jacob  150;  Hentzmann  and 
Wilh.  m 
Venner  80.  105.  112. 
v.  Yenningen,  Joh.,  Bisch,  von  Basel  268. 
Vergie,  Peter  von  305. 

Verwer,  Hensilin  307. 

Vilar8e  (Villarzel)  206.  210.  301. 
Villars-les- Jones  s.  Uebenwyl. 
Villare-les-Moines  s.  Münchenwyler. 
Villars-sur-Glane  316. 

Villingen  222. 

Vögilli,  Jakob  Üfi ; Cono  309. 

v.  Wabern,  Peterm.  246,  291. 
Waldshnterkrieg  246 — 258. 

Walenstatt  219. 

Walk  ringen  173. 

Walliser,  Unrnhstifter  im  Berner-Ober- 
land 130;  Söldner  in  Freiburg  202. 
Warney,  Johannes  311. 
v.  Watten wyl,  Niki.  276. 

Wattwiler  239. 

Weißenbach  314. 

Wendschatz  127. 

Wersimoz,  Müller  311. 

Wetzsöw,  Willin  312. 


Wichtrach  173. 

Wiffli8burg  132.  206.  306. 

Wyl  173, 

Wyler,  Hans  281, 

Wyler-Oltingen  312. 
v.  Wingarten,  Pet,  281, 

Winterthar  219. 
v.  Wippingen,  Rad.  2U3. 

Wyßenbach  s.  Weißenbach, 
v.  Wißen  wegen,  Frau  173. 

Wolkenberg  217. 

Worb  12,  26.  52,  156,  168. 

v.  läringen,  Berchth.  41,  100. 

Zillisheim  s.  Züllissen. 

Zollikofen,  Landger.  251. 

Zog,  sendet  Boten  nach  Bern  134,  nach 
Freiburg  3111;  zieht  vor  Mülhausen 
236. 

Züllissen  230.  238. 

Zum  Türly  312. 

Zürich,  zieht  nach  Mülhausen  235.  239; 
erleidet  Schaden  vor  Schweighusen 
240;  im  Waldshuterkriege  249.  256. 
Gesandte  von  Z.  in  Freiburg  31U. 
Zürichkrieg  23.  15,  136.  145,  16L 
Zur  Kinden,  Niki.  225. 

Zurzach  215. 


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ii  1 o s s a r. 


Abbekennen  (abrogare, jetzt : aberken- 
nen), durch  gerichtliches  UrtheÜ  etwas 
absprechen  60,  23.  89,  11. 
abendt-ürti,  Abendtrunk  174,  30. 
ablegen  (den  Friedbruch)  sich  einer 
Schuld  entledigen  durch  Buße  und 
Strafe  36,  14,  277,  22. 
ableinen,  ablehnen  147,  25. 
abraten,  beschließen  176,  15. 
abrichte n,  entrichten,  bezalen  166,  8, 
ab  sy n (einer  Sache)  enthoben  sein  57, 30. 
abstricken,  mit  List  oder  Gewalt  ent- 
ziehen 35,  2L  36,  30,  143, 10. 
abtreten,  entrinnen,  sich  der  Strafe 
entziehen  158,  27. 

abtriben,  abnutzen  (das  Zugvieh  durch 
Uebertreiben)  23,  9. 

abzälen  (die  Bathschläge),  die  Stimmen 
für  eine  gefallene  Meinung  zählen  76, 22. 
achtbar,  geachtet  41,  23. 
alefantzen,  Listen,  Kniffe  72,  10, 
a 1 le  r bast,  am  allerbesten  177, 32, 178, 1. 
allessin:  deß  allessin,  S.  166,  2 (scheint 
nach  der  Ansicht  von  Dr.  Tobler  eine 
Verlängerung  des  Genit,  alles,  wie  in 
dessen,  wessen). 

als,  wie  — denn  116,  8,  14,  181,  15;  als 
bald,  so  bald  93,  4,  eben  so  bald  181, 
28;  als  mär,  ebenso  gern  41,  35.  42, 
3j  eben  als  wenig,  ebenso  wenig  166, 13. 
alten,  alt  werden,  altern  137,  23, 
an  dei  1 i eher,  anders,  verschieden  292, 2, 


anders,  es  sei  denn  daß,  ausgenom- 
men 52,  19. 

anfallen,  zu  Theil  werden  (es  fielen 
mich  kinder  an,  die  Pflicht,  für  Kinder 
zu  sorgen,  fiel  auf  mich)  128,  11, 
a n g (mit  der  Var.  angst) , einem  ang 
tun,  ihm  hart  zusetzen  228,  21. 
a n g e n t z,  sofort  172,  4. 
angesehen,  bedünken  24,  4, 
angesucht,  angegriffen  41,  24, 
angehan,  angehalten,  gebeten  109,  13, 
angewinnen  (d.  flucht),  zur  Flucht 
nöthigen  229,  21. 

a n h an  g:  des  anhang,  was  damit  zusam- 
menhängt 38,  12, 
anheimsch,  zu  Bause  153,  18. 
a n h e ni  g,  anhängig  40,  34. 
ankeren  (einen) , angehen,  ersuchen 
23,  UL  110,  30, 

— (arbeit)  anwenden,  sich  bemühen 

172,2, 

ankon,  an  etwas  kommen,  es  anfan- 
gen 130,  15. 

anlangen  (einen),  belangen,  anklagen 

26,  21, 

anlegen  (Kosten),  auftegen  75, 26;  sich 
anlegen  (mit  e.  Steuer  belegen)  72,  2. 
anmutig,  angenehm  55,  5. 
annemen  (gefängklich),  gefangen  neh- 
men 161,  5.  179,  26. 

anred  syn  (jemanden), geständig  sein 37, 

2,  96,  11,  104,  2,18,  14, 


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326 


Glossar. 


a n r e i 8 e n,  anweisen,  eine  Richtung  wohin 
geben  69,  14. 

anrenzen,  anfahren  (mit  Worten ) 19, 

2L  36,  18, 

anrichten,  einrichten  69,  12, 
anschantzen,  anbahnen  136,  28. 
an  sehen,  in  Betracht  rieften,  erwägen 
112,  5;  etwas  gut,  angemessen  finden 

82,  7,  286,  22. 

ansigen  (mit  d,  Dativ),  besiegen  70,  L 
an  suchen,  fragen  24,  17. 
antreffen,  betreffen,  beschlagen  26,  18j 
es  trifft  umb  etwas  an,  es  betrifft  etwas 

38,  13, 

anzüchen,  anführen,  Vorbringen,  erin- 
nern 69, 19,  1(£,  3L 
anzug,  Antrag  79,  4, 
arbeiten  (sieb),  sich  bemühen  142,  24, 
argwönig,  verdächtig  157,  31. 

bacben,  Speckseite  141,  27. 
baß,  besser,  eher,  mehr  127,  15.  166,  7, 
bedörfen,  dürfen,  wagen  243,  18. 
beeiden,  bei  Eiden  auff ordern  151,  31. 
bevelcb,  das  Befo/Uene,  der  Auftrag 
81,  25. 

befriden,  beilegen,  aussöhnen  175,  19, 
begichtigen,  verhören  185,  24. 
behalten,  behaupten,  aufrechterhalten 
92,  fL 

beharren,  bleiben  65,  2Ü. 
beherrschen,  Herrschaftsrechte  aus- 
üben, herrschen  21,  29, 
beberten,  durchsetzen,  erzwingen  33,22. 
bekanntlich  syn,  bekennen,  einge- 
stehen 153,  2L  168,  5, 
bekanntnnss,  Erkenntnifi,  Urtheil 
71,  2.  77,  1 ; bek.  des  rechten,  gericht- 
liches Urtheil  53,  8;  bekannt  urteil, 
richterl.  Urtheil  71,  26, 
bekennen,  kennen  168,  3;  erkennen  153, 
13.  183,  8;  Urtheil  sprechen  93,  2, 
beladen,  sich  (c.  gen.) , die  Last  eines 
Andern  mittragen,  ihm  Hülfe  leisten 
182,  2;  sich  mit  etwas  befassen  21,  5, 
benamsen,  einen  Namen  geben  72,  28, 
beraten  sich  mit  etwas,  sich  versehen, 
versorgen  275,  12, 


berende  böume,  Fruchtbäume  260, 

n,  22, 

berechtigen,  vor  den  Richter  ziehen 

64,  28.  86,  5, 

berichten,  unterrichten,  auf  klären  142, 
19.  bericht  werden  124,  3L 
sich  berich ten,  sich  abfinden  84,  2L 
bering  (die  beringesten)  behend  159,  L 
berufen,  zu  etwas  aufrufen,  auffordem 
110,  32, 

sich  beschämen,  sich  schämen  123,  30. 
bescheidt,  Nachricht,  Anzeige  179,  4, 
bescheidenlich,  wie  es  einem  zu- 
kömmt, beschieden  ist,  mit  Recht  39,  29, 
beschreiben,  schriftlich  herbescheiden 
82,  15.  126,  28, 

beschwert  syn,  sich  beschw.  finden, 
Grund  zu  einer  Beschwerde  haben,  un- 
zufrieden sein  22,  18.  26,  16, 
besichtigen,  besuchen  174,  24, 
besinnt,  besonnen,  überlegend  37,  11, 
besuchen,  ansuclten,  bitten  52,  10, 
betagen,  vorladen  146,  22. 
betragen,  schlichten,  einen  Streit  bei- 
legen 26,  3;  betrag  = Vertrag. 
betroffen,  in  Betreff,  antreffend  eine 
Sache  79,  ß, 

beturen,  reuen  (es  beturet  mich  nit) 
69,  10,  76,  10, 
blast,  Unwille  140,  19. 
blauwfuß,  eine  geringere  Falkenart 
101,  3. 

bläyen  sich,  unwillig,  ärgerlich  sein  79, 

2L 

bl  um,  der,  Blüthe,  Zierde  39,  5, 
bochen,  sich  trotzig  auflehnen,  drohen 
146,28. 

zu  boden  gan,  untergehen  24,  5. 
bös,  adv.,  schwierig,  mit  Mühe  67,  16, 
böspfennig,  Abgabe  von  eingekellertem 
Wein  43,  19,  71,  15,  109,  15, 
botschaft,  Bote,  der  eine  Nachricht 
bringt  168,  33. 

brechen  (e.  Versammlung ),  verhindern 

173,  30. 

bruchen,  sic  h bruchen,  gebru c hen 
sich  einer  Sache  bedienen,  sie  anwen- 
den 21,  16.  30,  29,  63,  11;  gericht  u. 


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Glossar.  . 


327 


recht  br.,  ausüben,  anwenden  113,  B9j 
mit  iemand  etw.  brachen,  an  Jemand 
in  Anwendung  bringen  109,  21;  ge- 
bracht werden,  üblich  sein  121,  33; 
sich  brachen,  sich  benehmen  126,  17. 
b’raten,  tadeln,  eig.  wol:  mit  Ruthen 
schlagen,  (vgl.  geisein)  106,  9, 108,  15. 
125,  28.  (So  erklärt  dies  Wort  Dr. 
Tobler ; eine  erklärende  Variante  setzt 
dafür  betnren). 
brnilonf)  Hochzeit  19,  8. 
b’schüßen,  b’schossen,  fruchten  89, 
HL  155,  23, 

büßen,  ausbessem,  gutmachen  140,  11. 
bntzenantlit,  Larve,  Maske  108,  5, 
bntzenwerk,  Narrenwerk,  Mummerei 

163,  1L 

da,  sofern,  (da  Gott  wölte)  38,  26. 
dallome,  dallenme,  nunmehr  61,  10, 
137,  12  (auch  bei  Tschudi  ü,  139). 
dannethin,  ferner,  weiter  185,  11. 
darbieten,  zur  WM  Vorschlägen  80, 
2;  zur  Bestrafung  279,  lj  sich  dar- 
bieten, sich  für  etwas  ausgeben  7G,  22, 
darns  oder  darin  kon,  über  eins 
Sache  in’s  Klare  kommen,  aus  dem 
Dunkel  herauskommen  168,  16. 
darüber  kon,  über  etwas  hinwegkom- 
men, eine  Schwierigkeit  überwinden  85, 
14, 

darwenden,  einwenden,  entgegensetzen 

26,  2SL 

denne  das  ( nach  e.  Negation),  ohne 

daß  264,  10. 

denne  a f,  darauf  278,  12. 
ding,  Prozedur,  Gerichtshandel  142,  5, 
dorf:  zum  dorf  anreisen  69,  11  (s.  dort 
d.  Anmerk.) 

drysten,  dreimal  (eig.  dri  stnnd,  mhd. 

stunt  = Mal  36,  12.  229,  9. 
dürfen,  bedürfen  166  , 7.  183,  29;  c. 
infin.  170,  33. 

durstig,  kühn,  waghalsig  155,  13. 

eb  (öb),  ehe,  bevor  63,  7.  IM,  31, 
eben,  gelegen,  bequem  296,  13. 


echter,  nur,  besonders  in  Bedingungs- 
sätzen 48,12,  142,  20.  180,  26,  183,  19, 
ei  den  {jemanden),  zu  eitlem  Eidanhalten 

169,  28, 

eigentlich,  genau  154, 4;  sicher,  gewiß 
168,  24.  169,  10. 

endlich,  wacker,  vortrefflich  83,  12  (in 
iron.  Sinn). 

engegen,  zugegen,  anwesend  39,  27» 

77,  26, 

entecken  (entdecken),  eröffnen  (e.  An- 
liegen) 63,  17_j  sich  entecken,  sich  er- 
klären, Aufschluß  geben  99,  6,  163,  2. 
entgelten,  c.  gen.,  für  etw.  Schaden 
leiden,  büßen  277,  20. 
en thal  te  n , bewahren  24,  32, 
entprosten  syn,  von  einem  Presten 
( Uebel ) befreit  sein  87,  15.  163,  3, 
entscheiden,  Bescheid  gehen,  a ntwor- 
te w 24,  20. 

entsehlan,  befreien  (von  Beschlag) 

202,  3, 

sich  entschließen  nmb  etw.,  seine 
Meinung  eröffnen  74,  3.  99,  3;  sin  herz 
entschl.  180,  25;  entschlossen,  erklärt, 
ausgesprochen  55,  28.  74,  3. 
entschüttung,  Befreiung  179,  12. 
entsitzen,  besorgt  sein,  befürchten,  c. 
gm.  31,  19;  o.  acc.  166,  29:  c.  infin. 
165,  12. 

entwennen,  ahmahnen  131,  11  (eig. 
entwöhnen,  von  einer  Gewohnheit  ab- 
bringen). 

entweren,  entwären,  einem  ein 
Hecht  entziehen  47,  28j  131,  32. 
en  zacken,  entreißen,  benehmen  150,  19. 
eräfren,  in  Erinnerung  bringen  31,  31 ; 
eräferang,  Erneuerung,  Wiederauf- 
nahme 65,  a. 

sich  erbieten,  sich  bereit  erklären ; er- 
bietnng,  Anerbieten  20,  1L  86,  10. 
erdichtet,  erdacht,  ersonnen  185,  L 
er  fügen,  erforschen  109,  L 
er f ecken,  prüfen,  ausmitteln  62.  3, 
erfüntelen,  ausfindig  machen,  erlisten 
35,  26;  s.  fund. 

sich  ergeben,  s.  herbeilassen,  gestatten 

110,  12. 


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328 


Glossar. 


ergetzen,  entschädigen  86,  28.  261.  22. 
erhitzgen  etw.,  in  Feuer,  Leidenschaft 
setzen  178,  32, 
erjagen,  erringen  40,  12. 
sich  erklagen,  sich  beklagen  164,  3. 
erkunden  iemanden,  befragen  168,  2 ; 
sich  erkunden,  durch  Nachfrage  er- 
fahren 37,  8. 

erlegen,  beilegen,  vermitteln  144,  16, 
erlidigen,  befreien  157,  31. 
sich  erlütern,  sich  erklären  25,  17. 
sich  ermessen,  muthmaßen,  voraus- 
setzen 66,  8. 

ernstig,  eifrig,  fleißig  116,  12.  155,  3L 
erretten,  (e.  Schmach,  Ehrverletzung ) 
tilgen  178,  29. 

erscheinen  (erschynen),  zeigen,  vor- 
weisen 22,  21  nach  der  einen  Lesart ; 
276,  29;  erschynt  urteil,  e.  bekannt 
gemachtes  U.  23, 4;  es  erschynt  sich,  es 
erhellt,  ergibt  sich  58,  32.  101,  2. 
erschießen,  Vortheil  bringen,  nützen 
59,  9. 

erschinten,  unrecht  erwerben  131,  25, 
erschwingen,  entfalten  22,  21, 
ersuchen,  verhören,  zur  Rede  stellen 
106,  6,  273,  27;  auffordem  20,  8, 
ertrych,  Erde,  Welt  (uff  ertrych  nüt, 
in  aller  Welt  nichts ) 46, 18.  91.  24. 
e r t n r e n , t'n  Erwägung  ziehen,  erdau- 
ern  25,  16,  182,  L 

ernng,  Ehrenpflicht,  ehrende  Anerken- 
nung 178,  6, 

erworgen,  erwürgen,  ersticken  143,  2, 
erzeigen  (erzeugen),  darthun , 
rechtfertigen  45, 18.  59,  L 258, 36;  sich 
erzeigen,  sich  zeigen,  erscheinen  86,  29. 
erziehen,  ernähren,  erhalten  67,  25. 
etter,  Vetter  175,  L 
e t w a n,  manchmal,  zu  Zeiten  177,  18. 
e t w a r,  irgend  jemand  39,  30,  106,  7, 

T s.  auch  v. 

fach,  Wasserschwelle  U4,  31. 
f a h e n,  fangen,  gefangennehmen  185,  19, 
fäl  und  geläß,  was  dem  Lehnsherrn 
von  seinen  Unterihanen  oder  Lehns- 
leuten zu  fällt  (cm  Abgaben,  Bußen 


u.  dgl.)  u.  gelassen  werden  muß  bei 
Todesfällen)  48,  15. 

färben,  fucare,  schminken,  falschen  182, 
18.  186,  19, 

f e i ß leben,  reichlich,  im  üeberfliiß  128, 12. 
(er,  fern,  weit,  (so  fer  herab)  179,  4. 
f e r g e n , mit  etwas  fertig  werden,  etwas 
abthun  87,  2;  führen,  wohin  schaffen: 
liaryn  f.  = in  die  Stadt  bringen  159, 
10;  harfergen  100,  IQ  (dasselbe);  mit 
recht  fergen  (fertigen)  rechtlich  abferti- 
gen, verurtheUen  36,  3.  60,  2L  8t,  13. 
273,  3, 

fynanzen,  ftnesses,  Kniffe  34,  16^  fy- 
nanzieren,  Kniffe  gebrauchen  37,  17, 
sich  finden  mit  der  warheit,  sich  als 
wahr  erweisen  111,  15. 
es  fürchtet  mir  ab  etw.,  es  macht 
mir  Furcht  146,  18. 

forchtsam,  furchtbar,  gefürchtet  41, 

23.  138,  22. 

formklich,  förmlich,  wie  es  die  Form 
erheischt  144,  8, 

frag  han,  Umfrage  halten  vor  Gericht, 
verhandeln  84,  17. 

f r e v e n , frech,  kühn  20,  32.  41,  22. 
frisch,  muthig,  keck  59,  16.  105,  29. 
fristen,  schützen  84,  33.  92,  U. 
frölich,  ohne  Scheu  175,  G. 
f r ö m b d : es  nimmt  mich  frömbd,  es 
befremdet  mich  156,  6. 
fromm:  frommer  gestalt,  auf  eine  fried- 
liche unanstößige  Art  184,  31. 
f r ö n d i g , muthig,  keck  88,  20.  91,  18. 
früling,  68,  23,  s.  Nachträge. 
früntschaft,  Verwandtschaft  104,  20. 
154,  28. 

fuge,  Fügung,  Veranstaltung  54,  4, 
fnnd,  erfundener  Rechtsanspruch  21,  24. 

116,  4, 

fündig  werden,  herausgefunden  wer- 
den 183,  5, 
fnnst,  Faust,  85,  9. 
f n r b a s , fernerhin  38,  22. 
furen  (auch  furen),  Führungen  leisten  bl, 
2L  75, 11. 111, 2. 185, 27,  farnng  295, 34. 
fnrfaren,  fortfahren  76,  2L 
fürgan,  vorübergehen  93,  24. 


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Glossar. 


329 


für  gang  gewinnen,  Fortgang  haben, 
gelingen  268,  10. 

fürgeben,  Vorbringen  (t.  Hede)  108,  8. 
fürgeordnet,  verordnet , gesetzlich 
51,  L 

fürhalten  (d,  hand)  97,  9;  schonen  28, 

UI  35,  2, 

f ü r k o n,  voricärtskommen  67,  13j  einem 
etw.,  veneehren  72,  1,  94,  12;  zuvor- 
kommen, Vorbeugen  181,  23;  ich  kan 
nit  fürkon  denn  das  = ich  kann  nicht 
anders,  als  26, 10,  86,  19j  auch  kürzer: 
ich  kan  nit  für  24,  31;  vor  jemand 
kommen,  bekannt  werden  145,  13. 
fürnemmen,  verfahren  63,  30.  79,  HL 
fürnemmen  mit  recht,  vor  Gericht 
fordern  171,  3. 

fürschlagen,  sein  Capitalvermögen 
vermehren  128,  2L 

fürschroten,  Futter  vorsetzen  88,  Ü. 
fürsetzen,  Geld  vorstrecken  76,  10. 
fürsichtigkeit,  Vorsorge  76,  8. 
f ü r s t a n,  seinen  Sitz  verlassen,  abtreten 
63,12;  wahrsch.  tu  lesen:  hinfür,  nicht 
hiefür,  vgl.  hinfürtreten  99,  12. 
fürwenden,  Vorbringen  63,  15, 
fürziechen,  zuvorkommen  {den  Rück- 
zug abschneiden)  269,  13;  Vorbringen, 
beantragen  269,  12. 
f ü r z u g,  Antrag,  Vorschlag  268,  8, 

gäh,  jäh,  übereilt,  vorschnell  50, 25. 167, 
4;  frech  u,  gäh  147,  2, 
g a n,  Vorgehen  155,  15. 
geben  (sich  mit  jemand  in  Span)  be- 
geben, einlassen  62,  24, 
sich  gebrnchen,  sich  gewöhnen  63,  2 ; 

sich  zu  Nutze  machen  141,  28, 
gedech  t n u ß,  Vergangenheit,  fr  älter  es 
Leben  177,  1L 

gefärd,  gefertt,  gevert,  Treiben, 
Tumult  202,  26.  211,  10,  231,  L 
g e h a ß,  abgeneigt  170,  17. 
g e v o 1 g e n , zukommen  115,  26. 
gehorsamen,  gehorchen  149,  5,  170, 
5. 

g e j e g t,  Jagen,  Jagd  107,  20. 
gel  ä ß , s.  fall. 

Quollen  zur  Schweizer  Ocscliiclitc.  L 


gemünde,  gmnnd,  Längenmaß,  eine 
Handbreite  266,  UL  287,  20. 
genampt  (zusamen),  zusammen  berufen 
149,  UL 

genieß,  Geioinn,  Vortheil  95, 11.  142,  Z, 
genug:  schnell  genug,  zu  schnell,  vor- 
schnell 38,  2, 

geprästen,  fehlen  an  etw.  42,  5, 
geschrei,  Rede,  Gerücht  48,  6. 
geschweigen,  zum  Stillschweigen 
bringen  31,  30,  161,  21. 
geschwind,  gewandt  168,  4,  179,  7. 
g e s i p t,  verwandt  38,  UL  153,  25. 
gespech,  Spähen,  Nachforschung  155, 31. 
g e s p e i,  Gespött  175,  21L 
gestüchel,  Gedräng,  Tumult  156,  33. 
157,  4.  159,  LL 

g e w a 1 1,  gewaltthätiges  Verfahren,  An- 
maßung 21,  14. 

sich  gewarsam  halten,  sich  in  Acht 
nehmen  85,  18, 

gewarsame,  schriftliche  Zusicherung 
217,  9, 

ge w erd  (und  possess),  Besitzrecht  61, 
10,  84,  5.  137,  18. 
gleich,  das,  Gelenk  266,  20. 
glych's  bringen,  parpari  referre  49,11, 
der  g 1 y c h e n tun,  faire  semblant,  etw. 

merken  lassen  153,  14, 
gytig,  geizig,  habsüchtig  55,  12» 
glimpf  einer  Sache,  Recht,  Befugniß 
zu  etw,  186,  16.  273,  SL  gl.  gewinnen, 
Recht  bekommen,  einen  Prozeß  gewin- 
nen 31,  UL 

glimpfen,  Recht  geben,  beistimmen 
59,  36,  147,  2L 
gmnad«.  gemünde. 
gott  gab  was,  toas  nur  immer  31,  5, 
45,  2,  74,  14, 

grech  syn,  fertig,  zu  Ende  seih  40, 
17,  171,  13. 

gricht  und  grecht  136,  22;  gr.  u. 
gr.  verkonfen,  sich  ein  gerichtliches 
Urtheil  abkaufen,  sich  bestechen  lassen 
131,  25;  gr.  u.  gr.  bruchen,  anwenden 
113,  29;  gr.  n.  recht  181,  1L 
grynen,  weinen  107,  16. 
g r o ß 1 i c h,  schwer  64,  12. 

22 


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330 


Olossar. 


groß  machen,  großthun  TG,  17, 
g r u n d s a m,  in  die  Tiefe  gehend,  schioie- 
rig  142,  14. 

grünen  noch  rügen  204, 32,  weder 
insgeheim,  noch  öffentlich  Klage  führen; 
grünen  ( statt  g’runen),  wie  wol  zu  schrei- 
ben ist,  scheint  einerlei  mit  mnen,  flüs- 
tern. 

gr  üsenlich,  greulich,  heftin'.H.K.  140.20. 
g’ schänden,  verderben  16",  12. 
g' schochen,  gescheut  113,  9. 
gspan  = span,  Streit  186,  ß. 
gntgytig,  habgierig  187,  15, 
gwaltignng,  Gewaltthätigkeit  187,  5, 
g w ö 1 1 e n , gewollt  75,  2L 

h a f f t e n auf  etw.,  dabei  beharren  136, 2. 
sich  halten  einer  Sache,  sich  an  ehe. 
halten  79,  12, 

handhaben,  beschützen,  unterstützen 
109,  2.  141,  3L 

handhabe r,  Beschützer,  Patron  65, 23. 
an  die  h a n d nemmen,  anfangen,  unter- 
nehmen 67,  14L;  einen  ratschlag  an  d. 
h.  nemmen,  ihn  ausführen,  in  Kraft 
setzen  168,  31. 

hangende  hände,  mit  Geschenken 
beladen  119,  L 

harkommenheit,  Herkommen,  bis- 
heriger alter  Brauch  269,  21. 
harnischgschonwen,  Waffenschein 
halten  51,  28,  52,  16.  295,  35. 
harre:  in  d.  harre,  in  d.  Länge  28,  lil 
119,  14. 

heimdienen,  Vortheil  bringen  117,  23. 
heimlich,  vertraut  154,  34. 
heiter,  offen,  unumwunden  137,  30. 
ein  helig  halten,  geheim  heilten  175,  8. 
helken,  necken, plagen  66, 26  Var.  124, 28. 
herd,  Erde;  nf  dem  herd,  auf  dem 
Boden  266,  19. 

herrligkeit,  Herrschaftsrechte  59,  15, 
herschelen,  nach  der  (östr.)  Herr- 
schaft schmecken  202,  20. 
hin  acht,  diese  Nacht  163,  32, 
hinder  «7m.,  in  seiner  Herrschaft  u. 
Gerichtsbarkeit  36,  12.  62,  35,  (vgl. 
hintersäß.) 


hinfürtreten,  seinen  Sitz  (im  Rath) 
verlassen  u.  sich  entfernen  99,  12j  vgl. 
fiirstan. 

hingang,  Weggehen,  Entfernung  99,  2. 
h i n 1 e g e n ( den  Unwillen ) , beilegen 
204,  5, 

h i n t c r r e d e n , im  Rücken  Jemandes 
reden,  verläumden  99,  lii. 
hoch  fing,  Vogeljagd  101,  1, 
honpten  (höpten),  sich  an  ein  Haupt, 
einen  Führer  anschließen  211,  32. 
hns  haben,  haushalten  71,  31 . 
einem  eine  hat  stoßen,  einen  Hinterhalt 
legen  209,  22. 

Ichts,  etwas  36, 14. 
iewelten,  von  jeher  38,  23.  47,  26. 
i m p,  Bienenschwarm  96,  6, 
i n k o m e n (eines  Schadens),  ersetzen  75, 
2 L 

iumaßen,  dermaßen,  dergestalt  130,  2. 

163,  21;  sodaß  19,  15, 
ynrysen,  eindringen,  aufkommen  (von 
e.  Gebrauch,  einer  $itte)  73, 27.  270,  26. 
(jezt:  einreißen.) 

ynsehen  tnn,  sich  einer  Sache  an- 
nehmen 86,  21. 

inzng,  Einwendung,  Widerspruch  267, 
23. 

irren,  hindern  152,  2,  156,  28, 
irrig,  zu  Irrthum  verleitend,  verirr- 
lich  112,  2, 

J ä n i g,  jenseits  icohnend  164,  6, 
j Sehen  (jetzt : jäuken),  jagen  (frequent.), 
herumjagen,  beunruhigen  164,  18. 
jonkeren,  als  Junker  tituliren  106,  2. 
129,  5. 

k a t,  Koth  149,  31» 
k e y b,  Aas  (als  Schimpfwort)  179,  L 
kein,  irgend  ein  277,  28. 
keren,  wieder  verschaffen  202,  L vgl. 

widerkeren. 
kyh,  Groll  55,  5, 

kilchhöri,  Kirchgemeinde  140,  3. 
k 1 e i n f ü g,  geringfügig  60,  16.  73,  32. 
knabatzen,  Schuljungen  88,  15, 


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Glossar. 


331 


kramen  64,  LL  s.  Nachträge. 
ködern,  knurren,  brummen  140,  IS. 
kn  m,  kaum  Kt,  lj  kümer,  dester  kiimer, 
mit  um  so  weniger  Wahrscheinlichkeit 
144  Sk 

kom,  Behälter  89,  28, 
kundtman,  Kundschafter  242,  1Ü. 
kundtschaft,  Verkündigung,  Meldung 
108,  8;  einem  kundtschaft  tragen  einer 
Sache,  etui.  bezeugen  109,  24. 
in  kurzen  jaren,  vor  nicht  langer 
Zeit  125,  2.  182,  9, 
k u t z e 1 n,  kitzeln  125,  24. 

lag,  Zulage,  Zumuthung,  in  der  Phrase: 
zur  lag  legen,  zur  Last  legen  169,  26. 
184,  22. 

landtsgewerde,  durch  Landessitte 
eingeführte  und  gewährleistete  Hechte 
u.  Gebräuche  65,  30.  83.  24. 
landtswölf,  Wölfe,  die  im  Lande 
herumstreifen  141,  22. 
der  länge  nach,  mit  der  Zeit,  zuletzt 
157,  1L 

langligrig,  seit  längerer  Zeit  bett- 
lägerig 167,  22. 

lassen,  zu  Ader  lassen  158,  12. 

1 ä t z , verkehrt  48,  1, 
legen,  an  einen  seberer , bei  einem 
Wundarzt  unterbringen  85,  (i. 
lecker,  loser  Vogel,  leichtfertiger  Mensch 
71,  25.  177,  13, 

leistung,  Verbannung  aus  dem  Stadt- 
bezirk (verbunden  mit  der  Eideslei- 
stung, die  Grenzmarch  nicht  zu  über- 
treten) 95,  16j  leisten,  in  die  Ver- 
bannung gehen  280,  11  und  ö. 
lichtvertig  achten,  gering  achten 
60,  12. 

lydenlich,  erträglich,  annehmbar  74, 
24;  lydenlich  u.  verständtlich,  billig  u. 
verständig  31,  L 

liederlich,  leichtfertig  163,  S.  165,  3. 
losen,  aufmerksam  zuhören,  lauschen 

55,  32. 

lotter,  leichtfertiger  Schwätzer  88,  4 
lugen,  sehen  130,  26. 

1 u g i,  Lüge  177,  2. 


liiterung,  Erläuterung,  Auslegung  123,  4 
1 ü w e n,  ausruhen  165,  2. 

m är,  werth,  lieb,  gern;  s.  als. 
mer,  Mähr,  Gerede,  Geschichte  269,  2. 
merung,  Abmehren,  Zählen  der  Stim- 
men im  Math  93,  14. 
m i n t ü r e,  weniger  theuer,  geringer  101, 
14;  minsttüre,  mindeste,  geringste  (min 
mhd.  — minder)  125,  SL 
molchen,  a.  die  Gesammtheit  der  Milch- 
produkte 131,  S. 

morn  den  morgen,  morgen  Vormit- 
tags 168,  L 169,  9. 

mnlve,  zugelaufenes  Vieh  120,  20,  122, 
22.  123.  12. 

mutwillen  (als  Zeitw.),  Muthwillen 
treiben  70.  27.  71,  3, 

nachhengen,  nachsetzen  (verfolgend) 

253,  24 

nachtmetti,  Nachtlärm  163.  28. 
n a r t y,  Narrheit,  Thorheit  180,  U, 
n echten,  letzte  Nacht  171,  6. 
nehermal,  neulich,  kürzlich  176,  18. 
n e i ß w a n,  irgendwoher  119,  8, 
n e m m e n,  (in  den  rat),  beiziehen,  ein- 
berufen 56,  12. 

nichtigen  g,  Vernichtung  186,  26. 
n i d s ic  h,  abwärts,  ins  Unterland  155,  6, 
niendert,  nirgends 43,  7;  nienen35,  12, 
von  nöten,  nothwendiger  Weise  33,  24 
123,  12, 

nottürftig  c.  gen.,  bedürftig  150,  17; 

ebenso : notwendig  138,  2, 
nätzit,  nichts  hi,  lä. 
n ü t z u,  zu  nichts  (zu  ist  hier  Suffix  wie 
in  dazu,  wozu)  138,  18. 
nutzung,  Einkünfte,  Finanzen  42,  2. 
n um  men,  nur  68,  24  28,  9. 
nummen,  nicht  mehr  TU,  12, 
n ü w f u n d i g,  der  neue  fände  macht  40, 
4j  s.  fund. 

obhan  (näml.  die  hand)  conj.  obheige, 
etwas  schirmen,  bewahren  72,  23. 
offnen,  offenbaren,  auf  decken  106,  9. 
136,  12, 


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Ulusaar. 


3 Ä2 


Ordnung,  Verordnung  87.  91').  83,  11. 
oren  geben,  Gehör  gehen  23,  30. 
o r t : an  keinem  ort,  in  keinem  Punkte 

25,  2L 

ö n g g e n,  zeigen  187.  28, 

Pflicht,  (Adj.)  verpflichtet,  c.  gen.  77, 
11 ; pflichtig  41,  Hi, 

possessu,  ge  w erd,  gewährleistete#  ' 
liecht,  zugesichertes  Eigenthum  61,  111 
84,  ä,  137,  1& 

p rattick,  Um  trieb,  Gomplott  153,  8. 

räß,  sclutrf  73.  12.  162.  28. 
rat  hau,  sich  mit  Andern  herathen, 
Rath  einholen  1:13,  31 ; es  wird  eines 
rat,  er  findet  Hülfe  1811,  21L 
raten,  («.  Einzelnen)  seine  Meinung  im 
Bathe  eröffnen  58,  7,  16j  (von  der  Ge-  ! 
sammtheit)  einen  Beschluß  fassen  56,  1 
11L 

r at  sfründ,  Mitglied  des  Ratlus,  College 
105,  22.  124,  28.  i 

rechnung  haben  einer  Sache,  rationem 
habere,  Rechnung  tragen  120,  L 
rechtbott,  rechtsbott,  Rechtsaner- 
bieten 73.  2L  86,  L 
rechtigen,  procediren  31,  «32, 
Redensarten  und  Sprichwörter, 
uff  dem  bau  und  furt  sin,  auf  dem  besten 
Wege  sein  160,  24L 

mit  einem  guldinen  netz  fischen,  kost- 
spieligen Gewinn  suchen  74,  17. 

Steg  und  weg  wider  brachen , vom 
Krankenlager  aufstehen  85,  2U. 

Gott  möge  in  hie  und  dort  sehenden 
126,  5, 

einen  spieß  haben,  den  man  nit  abbyßen 
kan,  zum  Kampf  einig  sein  142,  23. 
das  convent  überlebt  den  apt  140,  1L 
sich  träycn  wie  ein  wid,  sich  winden 
vor  Ärger  118,  2U. 

guten  luft  haben,  aura  populari  frui 
89,  24. 

zu  han  und  zu  lan,  zu  behalten  und 
fahren  zu  lassen  40,  23» 
eine  warst  nach  einer  bachen  werfen 
(an  eine  Speckseite)  141,  20. 


das  ist  sin  alte  gygen,  das  alte  Lied 
185,  QQ, 

dem  henker  bychten,  auf  der  Folter 
bekennen  183,  15.  . 

uß  einem  lären  hafen  reden,  ohne  guten 
Grund  125,  30. 

in  rosen  leben,  hoch  zufrieden  sein  1 45, 
9, 

in  die  nase  stoßen,  einem  vor  die  Käse 
halten,  ihn  nachdrücklich  erinnern 
122,  1L 

der  suw  die  schellen  anhenken  106,  24, 
si  hangend  aneinandren  wie  harz  151, 25, 
den  stab  in  die  hand  nemmen  26,  lj 
wenn  der  Rath  sich  als  Gerichts- 
hof constituirte,  vertauschte  der  Vor- 
sitzende Schultheiß  das  Scepter  mit 
dem  Richterstab. 

so  die  maß  voll  wirt,  so  kumpt  der 
Schlegel  (um  den  Stöpsel  einzu- 
schlagen) 119.  24. 

Gott  ist  nit  ein  Peyger  (Peyer,  Baier), 
d.  i,  er  läßt  seiner  nicht  spotten  176, 
20, 

er  versteht  sich  darauf,  wie  eine  Kuh 
auf  Mittag  101,  26  (jetzt:  wie  eine 
Kuh  auf  eine  Muskatnuß). 
reichen,  gereichen  35,  29,  129,  2L 
reisen,  in’s  Feld  zielten  51,  26,  u.  ö. 
richtstnl,  Bingstätte  in  den  Land- 
gerichten 52,  12. 

\ rych tagen,  Reichthümer  67,  26. 
rick,  Engpaß  226,  30, 
ring  verständig,  wer  mir  etwas  ver- 
ständig ist  136,  HL 

r o ß b a r e , Tragbahre  mit  einem  Pferd 

157,  18. 

r o u b , Vortheil,  Gewinn  40,  15, 
r ö u w 1 i n g,  e.  rauher,  unfügsamer  Mensch 
140,  12. 

der  r ü c h e nach , der  Strenge  nach  158, 
17, 

racher,  mit  rauheren  Worten  125,  28. 
ruf,  öffentliche  Verkündigung,  Ausruf 
19,  22, 

r u n 8 , Richtung,  Weg  119,  2, 
ruschen,  Geräusch  machen  39,  3,  55, 
33.  62,  LL 


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Glossar. 


333 


8 ä c h e r , Rechtspartei,  Kläger  45,  11. 
120.  12.  14. 

satt,  vollständig,  befriedigend  130,  15. 
schaffen,  bewirken,  veranlassen  130, 
21;  verschaffen  172,  33. 
schandenhalb,  um  die  Leute  nicht  zu 
beschämen,  zu  verletzen  131,  8. 
scheiden  c.  dat.,  einem  durch  Trennung 
der  Streitenden  zu  Hülfe  kommen  157, 
14.  184.  12, 

schelken,  schelten  157,  TL 
Schelmen,  Schelm  schelten  35,  14, 
schenkinen,  Geschenke  131,  äh 
schilte,  Schildthaler,  ecus  129,  15. 
schimpf,  Scherz,  Spiel  185,  9, 
schirmen,  etwas  behaupten,  verthei- 
digen  88,  L 

schlag  und  gang,  Kaufpreis  71,  13. 
schlagen  (einen  Rechtshandel  vor  ein 
Gericht)  ziehen  21,  fi. 
schlecht,  schlicht  105,  29. 
Schleipfen,  schleppen  165,  1, 
schmecken,  merken  168,  2. 
schmirzen,  Partie,  geschmurzen,  schmer- 
zen 129,  17. 

schmutzen,  beschimpfen  28,  6,  99,  16, 
s c h n i tz  ig,  erpicht  116,  12. 
s ch  on b,  Fackel  157,  L (fiig.  Strohtvisch). 
schwert,  meton.  f.  Gewalt  143,  6. 
sin,  dessen,  davon  89,  29. 
sy  e n Acc.  plur.,  sie  21,  7,  171, 33  174,  3 
sinnen,  denken  180,  18. 
s o gibt  einem  folg,  demonstrativum  rück- 
beziehende Kraft : s o uff  denen  = auf 
welchen  40,  15j  es  steht  auch  für  den 
Genit,  für  wessen : d a s s o er  u.  die 
sinen  in  besitzung  wären  gsin  96,  2ü 
= in  dessen-,  sofern:  so  heimlich  = 
sofern  sie  heimlich  seien  136,  11;  da- 
gegen 119,  L 140,  13. 
sonderbar,  besonder,  einzeln  99,  8, 
BOrgklich  syn  jemanden,  Besorgniß 
erregend,  gefährlich  143,  5.  149,  3 
s p ä n i g,  streitig  42,  11h  149,  2, 
g p o r , der,  Spur,  Fährte  243,  33. 
spötlich  c.  dat.,  zum  Spott  147,  23; 
spötlich  reden  170,  34. 


s p ö t i g , spöttisch,  zum  Spott  geneigt 
104,  23. 

Staffel,  Stufe  170,  24. 
stan  von  etwas,  von  etw.  abstehen, 
zurücknehmen  22,  12.  128,  27. 
es  s t a t daruf,  es  ist  auf  dem  Punkte 
75,  9, 

stattkelber,  Leute,  die  nie  aus  der 
Stadt  gekommen  siiul,  und  die  an  der 
Stadt  saugen  wie  an  einer  Milchkuh 
118,  20.  119,  13.  130,  3a 
still  stan,  anhalten,  warten  37,  L 
178,  8, 

stimmen,  bestimmen  (ein  Gericht)  92, 

2L 

stoßen:  zu  Worten  stoßen,  zu  Rede 
stellen  19,  15.  96,  ä. 

Bünden,  sich  verfehlen,  jemand  verletzen 
136,  a, 

sns,  sonst  202,  25, 

tädigen,  tädnng,  vergleichen,  Ver- 
mittlung 143,  17. 

tagen  (einen)  auf  einen  bestimmten  Tag 
vor  laden  96,  12, 

tawen,  (aus  tagwen,  tagwan)  Taglohn, 
Taggeld  180,  6. 

teil,  Gemeindesteuer,  teilen,  solc/te  auf- 
legen  oder  bezahlen  33,  15.  75,  Ith 
tifig,  pfiffig  115,  24, 
toppel,  Kampf  (eig,  Würfelspiel)  245, 2. 
t o ub  ea,  toben,  wüthen  28,  2. 
sich  tragen,  sich  betragen,  benehmen 
107,  22. 

trefflich,  sehr  21,  2,  95,  3.  104.  23; 
e.  treffenliche  Verachtung,  e.  große, 
schwere  145,  22 ; e.  treffenliche  bot- 
schaft,  dringend  147,  2L 
tringend  oder  be b end,  jurist.  For- 
mel, von  Trostungbrüchen,  die  nicht 
mit  Worten,  sondern  thätlich  verübt 
werden,  wahrscheinlich , indem  man  auf 
Andere  eindringt  oder  die  Hand  zum 
Schlag  erhebt  296,  27. 
tröschen,  dreschen  474,  17. 
trösten,  trostung,  Sicherheit  ge- 
währen, Sicherheit  227,  11;  trostbrnch 
77,  21h  trostungbrnch  296,  27. 


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334 


(i  lossnr. 


t r n w e n c.  g.,  Zutrauen  63,  li. 
tugenthaft,  gewissenhaft,  ehrt  ich  178,  4. 
tugenlich,  tauglich,  fähig  41,  33. 
tun:  sich  in  etw.  oder  von  ctw.  tun,  ein- 
od.  ausziehen  42,  10, 

übel:  sich  übel  g’haben,  klagen  130,  11. 
übelmögend,  schwach , gebrechlich 
127,  0. 

übel  für  gut  hun,  etw.  verübeln  lt>4, 
16.  127,  32. 

üben:  sich  üben  mit  einem  befelch,  ihn 
ausüben,  vollziehen  86,  L 
über  werden,  enthoben  werden,  sich  einer 
Sache  entziehen  225,  24. 
überfareu.  an  jemd.,  ihm  Unrecht  thun 
182,  14.  204,  33. 

überfüren  mit  jemd.,  zuviel  attfladen 
164,  12. 

über  jemd.  syn,  einem  zu  hoch,  unbe- 
greiflich sein  158,  22. 
ü b e r g a n,  sich  über  etw.  hinwegsetzen 
182,  13, 

überlegen,  lästig  69,  22.  71,  5.  21. 
sich  übernemmen,  sich  überheben  98, 
12. 

uffheben,  erheben,  einführen,  e.  Strafe 
60,  11,  ein  Gebot  54,  14,  den  Bös- 
pfennig 54,  21j  bestrafen  77, 20;  uffge- 
hepter  eid,  ein  Eid  mit  erhobener  Hand 

24,  12, 

uffenthalten  jemd.,  beherbergen  156, 
28.  83,  4 ; erhalten,  unterhalten  136,  24, 
u f 1 ä s e n , etwas  aufgreifen,  nicht  unbe- 
merkt vorbeilassen  187,  10. 
ufsatz,  Anschlag,  List  233,  11. 
ufschlag,  Fristverlängerung  24,  30. 
ufschlachen,  auf  schieben,  verspüren 
180,  19;  ein  gericht  ufschl.,  cinsetzen, 
bestellen  273,  6, 

uffwerfen,  auf  stellen,  cinsetzen  106, 16. 
u m b das,  deßhalb  weil  32,  2.  117,  3. 
136,  25. 

unargwönig,  unverdächtig  64,  L 
unberaten,  unbesonnen,  unverständig 
92,  31  (not.). 

unbesinnt,  unüberlegt,  unbesonnen  42, 

25,  92,  11. 


undergünge,  Bereinigung  der  Märchen 
mit  Anstößern  128,  16. 
sich  undernemen,  unterstehen,  unter- 
fangen 77,  32,  78,  4. 
underschlouf,  Beherbergung  ver- 
dächtiger Personen  176,  23.  179,  23. 
understan,  unternehmen,  versuchen  44, 
5.  47,  20.  273,  22. 

unerkannt,  unverständig,  ohne  Kennt- 
niß  der  Sache  od.  Personen  125,  1L 
uuerkrenkt,  ungeschwächt  286,  7, 
unerturet,  ohne  Überlegung,  leicht- 
sinnig 73,  6. 

ungesellig,  unglückbringewl  24,  10, 
ungeschickt,  unpassend  65,  7, 
unglimpf,  Unrecht  49,  2L 
unkriegt,  ohne  Krieg  geführt  zu  haben 
108,  L 

unrat,  Unordnung,  Verwirrung  33,  24. 
unrein  (aussehen),  sauer  dreinsehen 
140,  10, 

unständig,  sich  dem  Gericht  u.  einer 
Vorladung  entziehend  21_,  18. 
untreglich,  unerträglich  72,  ti.  74,  20. 
unverlümdet,  unbescholten  150,  H, 
156,  2, 

unverscheidenlich,  ohne  Unterschied 

183,  2L 

u n w a 1 1 i c h,  linkisch,  ungeschickt  114,  2.7. 
Unwille,  Feindseligkeit,  Zwist  88,  2» 
204,  L 

uuwirse,  Unwille  131,  LL 
unzucht,  Ungezogenheit,  Mangel  an 
Schicklichkeit  20.  3.  65.  lii. 

Ursachen,  Gründe,  Ausreden  20,  30, 
ussenfür,  auswärts  292,  1± 
ußgießen  (Worte),  verbreiten  162,  15, 
ußhüppen,  verhöhnen  88,  26, 
ußmischung,  Ausscheidung  34,  5, 
ußschlitzen,  aus  fallen,  ausschlagni, 
endigen  166,  lü. 

nßschreien,  in  d.  Öffentlichkeit  bringen 
(von  einer  üblen  Nachrede)  70,  29, 
ußschwercn,  sich  eidlich  der  Strafe 
der  Verbannung  unterziehen  291,  24. 
u ß g c z i 1 e t , in  bestimmte  Ziele,  d.  L 
Märchen,  eingegrenzt  121,  21. 


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Glossar. 


335 


T s.  auch  f. 

vech,  Pelzicerk  266,  17. 
vereffen,  verscherzen,  sich  entgehen 
lassen  54,  L, 

verbönnen,  mißgönnen  (adj.  verbünstig) 
68,  14  126,  j». 

verdachtlich  machen, verdächtigen  177, 
2 L 

verdank,  Bedenkzeit  20,  16, 
verdenken,  Übles  von  Jemand  denken, 
verdächtigen  156,  36  (not).  168,  17. 
verrere  n,  vergießen  69,  21. 
vereerung,  Geschenk  155,  20.  178,  2. 
verfüren:  gricht  und  recht  verfüren, 
handhaben  163,  15.  181,  9j  die  gebot 
verf.,  besorgen,  führen  296,  2;  sin  klag 
verf.,  führen , vortragen  21,  13j  sich 
verf.,  sich  in  Irrthum  u.  falsche  Maß- 
regeln stürzen  76,  U.  137,  12. 
vergan,  begehen  (v.  Todtschlägen)  110, 
15. 

vcrgich  von  verjehen,  erklären  271,  12. 
vergriffen,  inbegriffen  101,  19. 
verhalten,  verschweigen  78,  5. 165,  21; 
versperren  138,  i. 

sich  verhandlen,  verkehrt  handeln  286, 
17, 

sich  verhonwen,  sich  eine  Blöße  geben 
109,  19;  sich  an  iemand  verhouwen, 
sich  in  der  Beurtheilung  irren  126, 18. 
verlangen,  zu  Theil  werden  27,  12, 
verlifern,  das  Nöthige  liefern,  verpro- 
viantiren  166,  9. 

verlüffen,  abgelaufen,  vergangen  118, 
12.  179,  15. 

verliimdet,  übel  berüchtigt  1 76, 8, 179, 1 8. 
vernügen,  befriedigen  36,  5;  sich  ver- 
nügen,  sich  befriedigt  erklären  26,  Z, 
vernatzt  Part.  v.  vernetzen,  (durch 
Nässe)  verderben  209,  32. 
verpenigen,  einschränken,  beschränken 
112,  15.  165,  10.  (eig.  bannigen,  in 
Bann  thun), 

verrichten,  schlichten,  beilegen  291,  2, 
verrnffen,  verruff,  durch  öffentl.  Ruf 
verbieten  19,  13.  60,  Z. 
verschaffen,  Anstalt  treffen,  bewirken 
172,  33.  vgl.  schaffen. 


verschinen,  vergangen  110,  33. 
verschlagen,  verbergen  213,  12. 
verschlinden,  verschlingen  258,  23. 
verschmähen:  es  verschmacht  mich,  ich 
empfittde  es  als  eine  Schmach  217,  4, 
verschmortzen,  verschmerzt  117,  18. 
verschreien,  in  üblen  Ruf  bringen 
139,  15. 

verschwören,  mit  einem  Schwur  läugnen 

110,  L 

Versehen,  (die  Thore),  besetzen,  be- 
wachen 92, 9j  für  etw.  sorgen  173,  1^  c. 
gen  , etw.  zusichem,  gewährleisten  54, 12. 
verseit,  versagt,  abgeschlagen  20,  2. 
13,  25. 

versorgen,  besorgen,  bestellen  173,  3 ; 

für  etw.  sorgen  153,  18. 
versperren,  die  Ausübung  eines  Rechtes 
verwehren  26,  2. 

versprechen,  sich,  sich  verantworten, 
vertheidigen  57, 14,  268, 16;  versprochen 
recht,  durch  einen  Spruch  zugesichert 
2. 

verstricken,  verpflichten  24,  12, 
vertieften,  sich,  (in  ein  Gewerbe), 
sich  tief  einlassen  139,  32;  t»  gewagte 
Speculationen  129,  35. 
vertigen,  s.  fergen,  fertigen, 
vertryben,  in  Betrieb  setzen,  in  Han- 
del bringen  112,  2. 

vertrösten  (zu  dem  rechten),  Sicher- 
heit geben,  daß  man  sich  vor  Gericht 
stellen  werde  19,  12. 
vertutzen,  vertuschen , verschweigen 
138,  5. 

vcrwarlose,  Fahrläßigkeit  106,  8, 
verwegen:  verwegene  kuntscliaft,  die 
Kundschaft,  die  beizubringen  sie  sich 
verwegen,  sich  bereit  erklärt  hatten 
290,  4, 

verwerben,  verlieren  toas  man  erwor- 
ben hat  130,  23. 

verwiirken,  sich,  sich  in  Werken  ver- 
gehen 286,  17. 

verzeenden,  den  Zehnten  geben  68,  2. 
verzihen,  verweigern,  abschlagen  43,  3, 
verzogen,  verwahrt,  geschätzt  (?)  268, 
LL 


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336 


Glossar. 


vilnaeh,  beinahe  136,  26.  147,  24. 
vilichter,  vielleicht  177,  15. 
v i n 1 1 i c h,  auffindbar  262,  11. 

Ti si erlich,  sehenswert. , possirlich  107, 

12. 

volg,  Folge:  d.  volg  haben,  die  Mehr- 
heit der  Stimmen  haben  120,  4.  167, 2; 
d.  volge  machen,  beistimmen  21,  1; 
d.  volg  sin  28,  ü. 
vor,  bevor,  ehe  39,  20. 
vordann,  voran  231,  12. 
vorgan  lassen  (einem) , geschehen 
lassen,  nachsehen,  einräumen  274,  2. 
vorteil,  Übervortheilung  123,  21. 
vor  tritt,  Vorrecht,  Privilegium  139, 
26. 

Wägen  Part,  gewägen,  gewogen  179,  1» 
wäger,  besser  124,  12.  133,  29, 
wandel  tun,  Genngthuung  leisten  217, 35, 
wandeln,  wandern  mit  dem  Handwerk 

118,  L 112,  12. 
wann,  weil,  denn  209,  15. 
wäre,  Gewährsmann  24,  30p  (an  einen 
wären  züchen,  sich  auf  einen  Gewährs- 
mann berufen,  ib.;  vgl.  Justinger  187), 
w a r ne  n , ermahnen  172,  14. 
w a t m a n.  n , Kaufmann  mit  Tuchwaaren 
71,  8. 

w eibsgese  ssen legen  22  not. 
weich,  feig  113,  2. 
weidlich,  wacker,  tüchtig  41,  30, 
weidlüt,  Jäger  107,  18. 
werben,  Gewerbe  treiben  118,  5, 
werken,  arbeiten  als  Handwerker  70, 
1L  127,  13, 

wichtig,  nachdrücklich,  energisch  135, 6, 
w i d , Weidenruthe.  118,  21. 
widerkcren,  zurückgeben,  erstatten  75, 
25. 

widerspil:  umb  das  widerspil  ligen, 
widersprechen  33,  1L 
widerwertig,  entgegengesetzt  113,  17. 
158,  23, 

widrigen,  sich,  sich  weigern  39,  10. 

185,  23. 

willen,  Beifall,  Gunst  57,  19, 


willwänkig,  wankelmütig  112,  30 
113,  ML 

wirs,  schlimmer  87,14;  am  wirsesten  98,15 
witzig,  klug,  listig  44,  22, 
wurmäßig,  von  Würmern  angefressen, 
faul,  morsch  178,  23, 
wüssen:  in  wüssen  syn,  bekannt  sein; 
jemand  wüssend  syn  168, 18.  183, 12;  e. 
wüssen  tragen,  Kenntniß  haben  132, 11 . 
wüst,  in  hohem  Grade ; (in  schlimmem 
Sinne,  eig.:  arg)  112,  23. 
wüt sehen,  wischen,  sich  schnell  wohin 
begeben  141,  8, 

larg,  ( Umfassung ) Bezirk,  Gebiet  176, 
25.  184,  22. 

Zeichen,  Feldzeichen,  Fahnen  243,  KL 
253,  19, 

zerryßen,  zerstören , (v.  Burgen) 

schleifen  118,  24, 

zerstoßen,  (v.  e.  Thüre)  einstoßen 

156,  32. 

zimlich,  billig,  mäßig  71,  13p  e.  ziml. 

pfennig,  mäßiger  Preis  95,  L 
znbekennen,  durch  e.  Bekanntnuß  (ge- 
richtl.  Urteil)  einem  etwas  zumessen, 
als  Strafe  auferlegen  60,  22. 
züchen,  ziehen  22,  4.  81,  12p  <L  strafen 
zühen  — Strafgelder  einziehen  87,  lj 
gezogen,  gebüßt  87, 2:  anklagen,  zeihen 
181,  30. 

zn fallen,  einf allen  (in  d.  Sinn)  47,  13. 
zng,  das  Zugvieh,  Pferde  23,  9;  das 
Ziehen,  Wandern  a.  e.  Ort  168,  25. 
znlegen  einem,  etwas  zur  Last  legen 

98,  5. 

znlosen,  zithören  133,  1, 
znreden,  mit  Worten  zu  nahe  treten 
35,  21  64,  10. 
zuvor  und,  bevor  5^  2L 
znzüchen,  Jemandes  Interesse  fördern 
97, 24. 101,  fi.  109,  4.  (Gegens.  abzüchen, 
entziehen  109,  5} 

zwyfeln  daß,  vermuten  91,  3.  93,  3; 
ungewiß  sein  157,  3. 

z wyfelhaftig,  im  Zweifel,  unentschlos- 
sen 154,  18. 


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Nachträge  und  Verbesserungen, 


S.  V,  Z.  „ Nidaus  Fricker  war  bis  1448  Stadtschreiber  und  bis  1458  Schultheiß 
zu  Brugg,  inzwischen  auch  Hofmeister  der  Frauen  von  Königsfelden.  Anno  1458  be- 
rief ihn  die  Regierung  als  Stadtschreiber  nach  Bern,  ein  Amt,  das  er  zwei  Jahre  ver- 
sah ; dann  ein  2.  Mal,  nach  Joh.  von  Küchen,  im  Jahr  1465,  gleichzeitig  mit  seinem 
Sohne  Thüring.  Hie  und  da  heißen  sie  beide  simultan  Stadtschreiber.  Von  1470 
an  war  es  Thüring  allein,  und  er  blieb  es  bis  1492,  da  er  in  den  Rath  gelangte.  Er 
nannte  sich  Anfangs  Meister  der  1 freien  Künsten,  später  mit  Vorliebe  Hoctor  der 
Rechte v.  Stürler. 


S.  VI,  Anm.  ,L  „ Die  Mutter  des  Venners  Nidaus  Manuel  war  die  unehliche 
Tochter  des  Thüring  Fricker,  nicht  dessen  Stieftochter.  Sie  heirathete  den  Weibel 
Hans  Vogt  und  starb  erst  1647,  80  Jahre  alt.  — An  das  Mirakel  der  Selbstzeugung 
von  2 Kindern  durch  den  fast  neunzig  Jahre  alten  Thüring  Fricker  mögen  Naivere 
glauben  als  ich.  Immerhin  schrieb  er  sich  dieselben  ganz  gläubig  zu,  wie  aus  seinem 
Testamente  zu  ersehen  ist t>.  Stürler. 

Seite  21 , Zeile  15.  I.  treffenlichen. 

„ 22,  „ 2.  Hie  Umschreibung  des  Wortes  gelimetirte  in  gelümete  rüty 

scheint  ein  unzeitiger  Scherz  des  Schreibers,  soioie  er  Seite  102 , 18  den  „allerheiligsten 
vater“  in  den  „allerhellischten“  verdreht. 

Seite  23,  Zeile  2L  St.  ihne  by  sinen. 

n 23,  „ 28,  G.  ihne  zn  handhaben  nnd  zu  schirmen. 

„ 24,  „ 2,  St.  G.  gemacht  hattend. 

„ 24,  „ TH  St.  hottend  abgeraten. 

„ 24,  „ SH  O.  daß  er  ihne  hette. 

„ 25,  D 5 l±  uff  das. 

„ 26,  „ 2L  St.  nnd  als  der  freyweibel  ist  angelanget,  ist  ab  ihm  klagt 

worden  ( letztere  Worte  über  der  Linie  ergänzt )% 

Seite  28,  Zeile  33.  L die  Handschrift  H.  1,67, 

„ 30,  , 2,  Hie  Handschrift  liest:  ballinaten,  wohl  durch  einen  Schreib- 

fehler. 

Seite  32,  Zeile  35.  I beschuhen  sye. 

Quellen  zur  Schweizer  Qeschichte.  i.  2a 


r' 


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338 


Nachträge  und  Verbesserungen. 


Seite  33,  Zeile  34.  Zu  8.  41,  21  füge  noch  S.  113,  6, 

„ 34,  „ 33.  St  welche  reden. 

. 37.  . 35.  1/.  mit  der  Meinung,  daß  «olche  Worte  darin  gesagt,  die 

der  Stadt  möchten  Schaden  bringen,  o.  Rodt  paraphrasirt : .in  jenem  Angenblick 
vielleicht  nicht  bedenkend,  daß  ans  diesen  Worten  hernach  der  Stadt  Schaden  er- 
wachsen könne.“  Beide  Umschreibungen  geben  einen  passenden  Gedanken , werden 
aber  dem  Wortlaute  des  Textes  nicht  gerecht.  Vielleicht  liegt  in  dem  .noch  anderst“ 
ein  stillschweigender  Gegensatz  tu  „ weder  in  dem  vorliegenden  Falle “ und  der  Sinn 
ist  dann:  indem  ich  weder  in  dem  vorliegenden  Falle,  noch  sonst  ( i i,  überhaupt) 
überlegte,  daß  — 

Seite  39,  Zeile  10,  St.  den  Kistler. 

„ 40,  . 17.  sindt  sy  geswungen.  Vgl.  datu  Justinger  S.  115. 

. 40,  „ 25,  .vermeinet“  ist  vielleicht  ein  Part.  Perf.  „opinati“  = gedacht, 

S.  54,  1,  wie  Z.  9 vereinbart  = pacti  und  S.  33,  lß  hinyngetan  - inducti,  collecti 
in  urbem  (das  Komma  ist  tu  streichen) : 80  S.  37,  IQ.  nit  besinnt  = non  recordatus. 

Seite  41,  tu  Zeile  UL : Vielleicht  stand  aber  ursprünglich  nach  »hilf“  ein  Wort, 
wie  .geleistet*. 

Seite  41,  Zeile  35.  St  G.  vielmehr. 

» 42,  „ 3.  St.  noch  mehr. 

» 43,  , 35.  Interpungirt  man:  .so  vil,  vast  all,  der  statt  bewilliget“, 

so  ist  keine  Textänderung  nöthig;  der  Sim  ist:  der  Böspfennig,  den  viele,  ja  fast 
alle  der  Stadt  bewilligt  haben.  Vfrl  Z.  16i  vil,  ja  vast  alles. 

Seite  47,  Zeile  23,  Da  die  in  der  Anmerkung  für  die  Partikelverbindung 
»on  so"  vorausgesetzte  Bedeutung  „ ungeachtet  daß,  obgleich “ stcA  sprachlich  kaum 
rechtfertigen  läßt,  so  wird  man  besser  mit  G.  »on“  als  Schreibfehler  ganz  weglassen. 

Seite  49,  Zeile  19  l,  vil  mer. 

„60,  „ 2.  St.  gegeben,  G.  gaben. 

» 50,  » 28.  „Mer  ist  wol  nicht  als  „Meer“  zu  nehmen,  da  das  Wort  in 

diesem  bildlichen  Sinn  ganz  modern  ist,  sondern  im  Sinn  von  plus,  Überfluß,  Über- 
maß.“  Tobler.  — Das  „Mehr“  wird  aber,  meines  Wissens,  nur  von  einer  Mehrheit 
von  Stimmen  beim  Votiren  gebraucht. 

Seite  51,  Zeile  36.  Allein  Subjekt  kann  „geschäft“  nicht  sein,  weil  sonst  im 
folg.  Bedingungssatz  „ab  inen“  statt  auf  die  Freüoeibel,  auf  die  Geschäfte  bezogen 
werden  müßte. 

Seite  53,  zu  Zeile  Kl:  „sehen“  steht  allerdings  für  „gesehen“,  wie  oben  S.  50, 2 
„geben“  für  „gegeben“. 

Seite  53,  zu  Zeile  TL  : ufgenommen,  so  hend. 

Seite  57,  Zeile  1.  „als  wahrscheinlich  ßr  „alles“,  adverbial.  Acc.  im  Sinn  von 
immer  stets“.  Tobler. 

Seite  64,  Zeile  LL  „Zu  schreiben  kramen,  krammen,  packen,  kratzen,  bildlich 
ßr  tadeln,  schelten“.  Tobler. 

Seite  68,  Zeile  23,  „früling  ist  vielleicht  doch  nicht,  wie  in  der  Anmerkung 
zu  dieser  Stelle  angenommen  wird,  bloße  Entstellung  von  nrling,  weil  Kriege  meistens 
mit  der  guten  Jahreszeit  begonnen  werden.  Auch  Mars  war  ja  zugleich  und  ur- 
sprünglich Gott  des  Frühlings.“  Tobler. 

Seite  69,  Zeile  24,  „vererret  wird  wol  richtiger  verreret  geschrieben,  da  das 
Wort  nicht  verehren  = schenken  sein  kann,  sondern  mit  dem  alten  reren  = fallen 
lassen,  zusammengesetzt  ist  und  „ vergießen “ bedeutet.“  Tobler, 


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Nachträge  und  Verbesserungen. 


339 


Seite  71,  Zeile  2 Q±  „ Wahrscheinlich  in  die  harre,  auf  die  Länge , zuletzt,  was 
ja  auch  an  andern  Stellen  vorkommt  (S.  28,  HL  11 9,  14);  in  die  hand  werden  = kom- 
men ist  unerhört,  dagegen  werden  allein  = zu  Theil  werden  sehr  häufig .“  Tobler. 

Seite  73,  Zeile  19  L red. 

„ 73,  „ g.  Über  die  hier  und  weiter  unten  noch  wiederholt  berührten 

Oberländer  Unruhen  sind  folgende  Aktenstücke  zu  vergleichen:  1)  Stettier,  Begesten 
des  Männerklosters  zu  Interlachen,  die  Nummern  642  und  543  (in  Mohrs  Begesten 
S.  92,  ff.).  % Eidgenössische  Abschiede,  Band  II,  Nr.  305  und  379.  3)  Schweizerischer 
Geschichtsforscher,  Band  VI,  447  und  VIII,  148. 

Seite  77,  Zeile  34.  Wenn  sich  Frickart  nicht  eines  kaum  denkbaren  Lapsus 
memoriae  schuldig  gemacht  haben  soll,  so  muß  allerdings  „sines  vetteren  Conrads“ 
verbessert  werden,  was  um  so  weniger  Schwierigkeit  hat,  als  man  annehmen  darf, 
in  der  Originalhandschrift  sei  der  Vornamen  blos  durch  ein  C.  angezeigt  gewesen 
was  der  Abschreiber  fälsMich  „ Caspar “ gedeutet  hat;  von  diesem  ist  aber  erst  nach- 
her als  Herr  von  Brandts  die  Bede  (S.  78,  6h 

Seite  88,  Zeile  31  LI  statt  0, 

„ 89,  Anm.  zu  Zeile  28:  „kum  nicht  für  lcumpf,  Gefäß , sondern  nach 

Stalder  2,  143:  Verschlag,  Stall,  natürlich  in  bildlichem  Sinn.“  Tobler. 

Seite  94,  Zeile  37.  Wenn  die  Lesart  (oder  Vermuthung)  in  II.  richtig  ist,  so 
ist  wohl  „ Cato  der  mindere “ (Cato  minor),  der  Feind  des  Jul.  Cäsar,  mit  welch 
letzterem  Fricker  S.  Gü  Kistlern  zusammenstellt,  zu  emendiren.  Cossar  ist  vermuthlich 
aus  Caesar  entstanden  und  dieses  wiederum  aus  einem  misverstandenen  C.,  wie  der 
Name  Cato  im  Original  abgekürzt  geschrieben  war,  hervorgegangen. 

Seite  97,  Zeile  27  L werendt  gsin  — zu  behalten. 

„ 107,  „ 14  L zustünde. 

„ 110,  „ fi.  „denen“  ist  hier  nicht  Relativ,  sondern  Demonstrativ,  da 

sonst  der  Nachsatz  fehlen  würde. 

Seite  110,  Zeile  34  L G.  sambt  dem  mehrentheil.  Bl.  läßt  die  Worte  aus. 

i)  114,  „ 35,  Die  Lesart  von  G.  wird  durch  den  Sinn  erfordert;  nur 

möchte  ich  mit  Rücksicht  auf  S.  116,  14  „als  fromm  und  ger.“  schreiben. 

Seite  118,  Zeile  2Q  „ist  wohl  ein  sich  zu  streichen .“  Tobler. 

„ 119,  „ 16.  Durch  Aufnahme  der  von  G.  gebotenen  Lesart  kommt  erst 

Sinn  und  Folge  in  den  im  Original  sinnlosen  Satz;  nur  muß  man  zugleich  mit  G. 
nach  „nüt  hend“  interpungiren : „nüt  denn  (solche)  die  so  nüt  hend,  gern  überkä- 
mend,  die  all  ir  gmüt  dahin  setzend,  wo  si  nit  genug  durch  miet  und  gaben  oder 
finanzen  von  andern  mögind  erlangen,  das  es  inen  uff  der  statt  werde.“ 

Seite  119,  Zeile  M,  „so  aber,  während  hingegen;  so  im  altern  Deutsch  nicht 
selten  = während,  obgleich .“  Tobler.  (Die  Satzverbindung  wird  aber  dadurch  nicht 
verständlicher). 

Seite  122,  Zeile  14  L halten,  möcht  d.  n, 

„ 137,  „ 34  L 12  sta«  1L 

„ 130,  „ 8,  9.  Auch  hier  scheint  die  Lesart  G.  vorzüglicher , da  die 

Worte  „min  hüüli  — heimbracht“  das  Objekt  sind  zu  „den  schulden  het  müssen 
geben“,  und  diese  Verbindung  durch  das  eingeschobene  „angryffen“  unterbrochen 
wird. 

Seite  138,  Zeile  34  L zu  nirgend  etwas,  zu  nichts. 

„ 140,  „ 13  „ist  das  Komma  nach  „morn“  zu  streichen  und  so  in  der 

Bedeutung  „ dagegen “ zu  nehmen.“  Hobler. 


S 

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340 


Nachträge  und  Verbesserungen. 


Seite  142,  Zeile  31  L suchtend;  dem  sy  zu  witzig  sind. 

n 144,  „ fi.  „Statt  die  vielleicht  zu  schreiben  sie  [sy  ?]  oder  die »»»  Sinn 

von  dise.“  Tobler. 

Seite  144,  Zeile  a.  „Wahrscheinlich  zu  schreiben  fromklicher,  forderlicher : 
frumeklich  von  frommen,  helfen,  nützen Tobler. 

Seite  145,  Zeile  1L  St.  mußtend. 

„ 145,  „ 24  L 22  statt  3Ü 

„ 148,  „ 2Ö,  Daß  die  in  der  Note  versuchte  Erklärung  des  dunkeln  „zu 

gönnen“  durch  „zu  Gunsten “ (sc.  jener  Ansicht)  sprachlich  kaum  haltbar  sei,  muß 
ich  Hm.  Tobler  bereitwilligst  einräumen  und  werde,  wenn  jemand  eine  zutreffendere 
Deutung  finden  kann,  dieselbe  mit  Dank  annehmen. 

Seite  168,  Zeile  SA  Li.  statt  5, 

„ 47/,  „ SL  Die  Worte  Fränklis  S.  187,  13_l  „da  sin  vatter  kein 

hoffnung  mer  von  im  hat“  scheinen  ein  Zertoürfniß  Kistlers  mit  seinem  Vater  an- 
zudeuten. Sollte  es  am  Ende  sein  eigener  Vater  gewesen  sein,  'der  seinen  Sohn 
den  „Tyrann  von  Bern“  genannt  hätte  ? Auch  dies  wäre  eine  Autorität  gewesen,  die 
Kistler  nicht  mehr  „mit  recht  hätte  fürnemmen“  dürfen,  noch  können,  wenn  derselbe, 
wie  zu  vermuthen,  damals  bereits  vom  Leben  geschieilen  war. 

Seite  183,  Zeile  3A  L (d.  L mit  Ausnahme  des  Hauses  (der  Bewohner  desjen. 
Hauses),  in  dem  er  sich  aufhielt). 

Seite  184,  Zeile  16  L und  die  sönd  ouch. 

' „ 185,  „ 4 l.  nit. 

„ 187,  „ 13  nach  wenn  zu  ergänzen  er. 

„ 1877,  „ H,  „mengi  bringt  schwerlich  verschrieben  aus  mängel  bügent, 

sondern  mengi  kann  als  fern.  sing.  = Mangel  stehen,  da  statt  mangeln  früher  auch 
blos  mangen  vorkommt.'1  Tobler. 

Seite  192,  Arm.  1)  füge  bei  S.  23, 

„ 194,  Zeile  Z,  Merkwürdiger  Weise  ist  aber  die  Darstellung  dieses  Streites, 
sofern  er  das  Kleidermandat  betrifft,  ganz  im  Sinn  und  Geist  der  Kistlerschen  Par- 
tei geheilten,  als  ob  die  Hand  des  energischen  Schultheißen  hier  auf  den  sonst  conser- 
vatio gesinnten  Venner  eingewirkt  hätte. 

Seite  195,  Zeile  16,  Es  ist  indessen  zu  bemerken,  daß  das  Original  nicht 

selten  offenbare  Schreibfehler  enthalt,  die  ich  gegen  die  bessere  Lesart  der  Ab- 

schriften nicht  in  den  Text  auf  genommen  habe.  Solche  sind  z.  B. 

Seite  199,  Zeile  22  umb  einem  herrn  von  Savoi  st.  von  einem  herrn. 

„ 203,  „ 28.  und  der  frouwen  an  der  Steinen  statt  den  f.  an  den. 

„ 220,  „ 22  fehlt  von  vor  im. 

„ 225,  „ 21  unser  eidgnossen  statt  unsern  eidgnossen. 

„ 229,  „ 19  diser  statt  dise. 

„ 229,  „ 21  wie  wenig  was  fehlt  iren. 

Seite  196,  Zeile  3L  Dieser  angebliche  Verstoß  des  Setzers  kommt  vielmehr, 
wie  ich  mich  nachträglich  uberzeugt  habe,  auf  Rechnung  desjenigen,  der  den  dritten 
Band  der  illustrirten  Prachthandschrift  so  geschickt  gebunden  hat,  daß  er  die  fünf 
ersten  Blätter  des  Textes  hinter  die  acht  folgenden  heftete,  eine  Nachläßigkeit,  die 
dann  in  der  gedruckten  Ausgabe  von  1743  getreulich  wiederholt  wurde. 

Seite  205,  Zeile  32  L rittend. 

„ 211 , „ 32  L also. 


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Nachträge  und  Verbesserungen. 


341 


Seife  2S1,  Zeile  28.  slafen:  Die  Abschrift  Schillings  schreibt  wohl  richtiger 
slafend. 

Seite  263,  Zeile  22  I.  züg. 

„ 261,  „ 4.  Die  Berner  Abschrift  liest  uf  dem  rein,  „Die  Frouwen 

csppel  uf  dem  pein“  ( Bein,  Gebein)  hieß  sie  wohl,  weil  sie  über  dem  Beinhaus  erbaut 
war.  S.  Schilling.  So  vergäbet  die  Frau  Anna  Mutter  im  Jahr  1515  den  29.  Sep- 
tember 820  Gulden  tu  einer  täglichen  Messe  in  der  Capelle  unser  lieben  frouwen 
uf  dem  gebein  (Testm.  B.  auf  dem  Bemischen  Staatsarchiv). 

Seite  262,  Zeile  L Berner  Abschrift:  von  den  spitzen.  — Die  Überschrift 
ist  wohl  mit  den  Anfangsworten  „in  dem  jar  — in  der  lütkilchen“  tu  Einem  Satt 
tu  verbinden. 

Seite  262,  Zeile  6.  Die  Berner  Abschrift  läßt  das  erste  „zu  Bern“  aus. 

„ 269,  „ 9 liest  die  Originalhandschrift:  in  deheine  weg. 

„ 270,  „ 13.  Statt  war  muß  es  wohl  war  (wer)  heißen. 


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I { , 


» 


a.‘ ' hfiOH'ügüfttifii 

Anhang. 

Programm  für  die  Herausgabe  der  Quellen  zur 
Schweizer  Geschichte.1) 

L 

1.  Die  „Quellen  zur  Schweizer  Geschichte“  enthalten 
sowohl  erzählendes  und  beschreibendes  als  auch  urkundliches 
Material : Chroniken,  Denkwürdigkeiten,  Briefe,  Urkunden, 
Regesten.  - 

2.  Bei  der  Zusammenstellung  der  Bände  ist  darauf  zu 
achten,  daß  in  einem  und  demselben  Bande  möglichst  Gleich- 
artiges vereinigt  wird,  es  ist  also  (abgesehn  von  dem  In- 
halte etwaniger  Beilagen,  vgl.  §.  9)  ein  Band  ausschließlich 
für  Chroniken  zu  bestimmen,  ein  anderer  für  Urkunden,  ein 
dritter  für  Denkwürdigkeiten  oder  Briefe  u.  s.  w.,  und  falls 
der  jeweilen  herauszugebende  Band  nicht  durch  eine  einzige 
Chronik,  eine  einzige  Urkundensammlung  u.  s.  w.  gefüllt 
wird,  sind  solche  Stücke  zu  vereinigen,  die  entweder  ganz 
oder  wenigstens  annähernd  derselben  Zeit  angehören  oder 
sich  auf  denselben  Gegenstand  oder  auf  verwandte  Gegen- 
stände beziehn. 


l)  Siehe  oben  Seite  V,  Anm.  1.  — Bei  der  Aufstellung  dieses  Programmes 
ist  absichtlich  vermieden  worden,  allzusehr  ins  Einzelne  einzugehn,  weil 
es  bei  einem  Sammelwerke,  an  dem  Viele  zu  arbeiten  berufen  sind,  und 
das  auch  sehr  verschiedenartiges  Material  umfassen  wird,  nicht  möglich 
schien,  von  vornherein  für  alle  Einzelheiten  bindende  Vorschriften  aufzu- 
stellen. 


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344 


n. 

3.  Pttr  Anordnung  und  Einrichtung  der  einzelnen  Bände, 
sowie  für  die  beim  Abdrucke  des  Textes  zu  befolgenden 
Grundsätze  soll  im  Wesentlichen  das  Verfahren,  welches  bei 
der  Herausgabe  der  Basler  Chroniken  (veranstaltet  durch  die 
historische  Gesellschaft  zu  Basel)  eingeschlagen  worden  ist, 
maaßgebend  sein. 

A. 

4.  Jede  Chronik  oder  Materialiensammlung  der  vor- 
her bezeichneten  Art  ist  mit  einer  Einleitung  zu  versehn, 
welche  über  Ursprung  und  Bedeutung  derselben,  über  die 
benutzten  Originalien  oder  Abschriften  und  deren  Behand- 
lung bei  der  Feststellung  des  Textes  die  nöthigen  Erläute- 
rungen giebt. 

5.  Der  Text  ist  mit  zweierlei,  durch  den  Druck  getrennt 
zu  haltenden,  Anmerkungen  zu  begleiten,  solchen,  die  sich 
auf  die  Gestalt  des  Textes  beziehn,  und  solchen,  die  sach- 
liche oder  sprachliche  Erklärungen  enthalten. 

6.  Jede  Seite  ist  mit  einer  Aufschrift  zu  versehn,  die 
in  geeigneter  Weise  über  deren  Inhalt  orientiert. 

7.  Die  vorkommenden  Daten  sind  am  äußern  Rande 
neben  der  Zeile,  in  welcher  sie  erscheinen,  anzugeben,  und 
zwar  in  der  Ausdrucksweise  des  heutigen  Kalenders. 

& Durch  Ziffern  am  innem  Rande  sind  je  die  fünfte, 
zehnte,  fünfzehnte  Zeile  u.  s.  w.  des  Textes  zu  bezeichnen. 

9.  Wenn  der  Herausgeber  es  zweckmäßig  findet,  das 
Verständniß  der  herauszugebenden  Stücke  in  umfassenderer 
Weise  zu  fördern,  als  es  durch  die  begleitenden  Anmerkungen 
geschieht,  sei  es  durch  eigene  kleine  Abhandlungen  (Excurse), 
sei  es  durch  Mittheilung  weiteren  Quellenmaterials  von  ge- 
ringerem Umfange,  so  kann  er  dies  in  der  Form  von  Bei- 
lagen thun. 

10.  Am  Schlüsse  eines  jeden  Bandes  ist  ein  Register 
anzubringen,  welches  über  das  Vorkommen  der  Orts-  und  der 
Personennamen  Rechenschaft  giebt. 


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Anhang. 


345 


11.  Sind  in  einem  RandeSttlcke  enthalten,  die  in  mund- 
artlichem oder  veraltetem  Deutsch,  Französisch  oder  Italiänisch 
oder  in  romanischer  Sprache  geschrieben  sind,  so  ist  außer- 
dem noch  ein  Glossar  beizufilgen.  lieber  Art  und  Weise  der 
Anlage  desselben  hat  sich  der  jedesmalige  Herausgeber  mit 
dem  Vorsteher  des  vom  Gesellschaftsrathe  zur  Leitung  der 
Quellensammlung  niedergesetzten  Ausschusses  zu  verstän- 
digen. 

B. 

12.  Bei  dem  Abdruck  der  Texte  wird  auf  die  Inter- 
punktion der  Vorlage  keine  Rücksicht  genommen,  sondern 
nach  heutigem  Gebrauche  und  den  Bedürfnissen  der  heutigen 
Leser  gemäß  verfahren. 

13.  Ebensowenig  ist  das  in  der  Vorlage  beobachtete 
Verfahren  in  Anwendung  der  Majuskel  und  der  Minuskel 
»maßgebend.  Die  Majuskel  wird  ausschließlich  fürPersonen- 
und  Ortsnamen  und  zwar  (im  Anschluß  an  das  bei  den  Aus- 
gaben der  alten  Classiker  allgemein  gebräuchliche  Verfahren) 
sowohl  für  substantivische  als  für  adjectivische  augewendet. 
— Die  Namen  der  Monate,  der  Sonn-  und  Festtage,  wie  re- 
miniscere, pascha  u.  s.  w.,  werden  nicht  als  Eigennamen  be- 
handelt und  deshalb  mit  Minuskel  geschrieben. 

14.  Die  lateinischen  Zahlzeichen,  die  sich  in  der  Vor- 
lage linden,  werden  durch  die  entsprechenden  arabischen 
ersetzt. 

15.  Die  Buchstaben  u und  i werden  nur  zur  Bezeich- 
nung des  betreffenden  Vocals,  v und  j nur  zur  Bezeichnung 
des  Consonanten  gebraucht.  Bei  deutschen  Stücken  ist  hiebei 
zu  beachten,  daß  in  dem  Worte  ie  und  dessen  Zusammen- 
setzungen das  i bis  ins  17.  Jahrhundert  hinein  durchweg  als 
Vocal  gesprochen  worden  ist. 

16.  Der  Umlaut  des  deutschen  a und  o wird  gleichmäßig 
durch  ä.  und  6 (oder  durch  ä und  ö)  bezeichnet,  gleichviel  ob 
er  Umlaut  des  langen  oder  des  kurzen  Vocals  ist. 

17.  In  Betreß  der  Zeichen  über  dem  u lassen  sich  keine 
für  die  Schriftstücke  der  ältern  wie  der  neuern  Zeiten  in 


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Anhang. 


346 

gleicher  Weise  gültige  Grundsätze  feststellen.  Es  wird  Sache 
des  Herausgebers  eines  jeden  Stückes  sein,  für  den  Abdruck 
desselben  das  richtige  Verfahren  zu  finden  und  darüber  in 
der  Einleitung  Rechenschaft  zu  geben.  Anhaltspunkte  wer- 
den ihm  die  Ausführungen  von  Weizsäcker  im  Vorworte  zum 
ersten  Bande  der  Reichstagsacten  S.  LXXVII  ff.  und  das  im 
ersten  Rande  der  Basler  Chroniken  S.  XII  ff.  und  S.  436  ff. 
Bemerkte  bieten.  Wenn  cs  an  letzterer  Stelle  S.  437  heißt, 
es  sei  im  Drucke  u mit  den  zwei  schräg  von  links  unten 
nach  rechts  oben  übereinandergestellten  Punkten  bald  durch 
ii,  bald  durch  ü wiedergegeben  worden,  je  nachdem  cs  den 
Umlaut  von  u oder  den  von  uo  bedeute,  so  möchte  dem 
gegenüber  eher  nach  dem  Vorgänge  Weizsäckers  in  beiden 
Fällen  ü (oder  ü)  zu  drucken  sein,  damit  kein  Unterschied 
hineingetrageu  wird,  den  die  Schreiber  nicht  beabsichtigt 
hatten. 

18.  Auch  in  Betreff  des  Verfahrens  gegenüber  der 
Häufung  der  Consonanten,  wie  sie  in  deutschen  Schrift- 
stücken vom  Ende  des  Mittelalters  an  begegnet,  läßt  sich 
nichts  für  alle  Fälle  bindendes  aufstellen.  Wo  diese  Häufung 
nicht  in  hohem  Grade  vorkommt,  ist  es  besser,  nichts  zu 
ändern,  wo  es  aber  der  Fall  ist,  wie  namentlich  bei  den 
spätem  Urkunden,  da  empfiehlt  sich  eine  Vereinfachung  nach 
den  Grundsätzen,  die  Weizsäcker  a.  a.  O.  LXXHI  darlegt 
(vgl.  auch . Basler  Chroniken  XII).  Der  Herausgeber,  der 
solche  Vereinfachungen  für  geboten  erachtet,  hat  sich  darüber 
in  seinem  Vorworte  auszusprechen  und  etwanige  Abweichun- 
gen von  den  Grundsätzen  Weizsäckers  anzuführeu  und  zu 
rechtfertigen. 


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